{"id":60075,"date":"2025-01-07T19:53:14","date_gmt":"2025-01-07T18:53:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=60075"},"modified":"2025-01-08T13:31:54","modified_gmt":"2025-01-08T12:31:54","slug":"heimatplanet-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/heimatplanet-erde\/","title":{"rendered":"Heimatplanet Erde"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leitgedanken eines Impulsvortrags zum \u201eSpirituellen Sommer \u2013 Sauerland\u201c im Saal des Esloher Museums am 1. September 2024<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250107KindErde.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1014\" height=\"761\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250107KindErde.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-60076\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250107KindErde.jpg 1014w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250107KindErde-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20250107KindErde-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kinder sch\u00fctzen und gestalten die Welt (Foto: Peter B\u00fcrger)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Geschichte des Lebens auf dieser wunderbaren Erde umfasst 4 Milliarden Jahre. Seit angenommen 300 Millionen Jahren entwickeln sich die S\u00e4ugetiere, und vielleicht vor 7 Millionen Jahren gab es bei den Primaten einen Scheideweg, der hin zu unserer Spezies, zum Menschen f\u00fchrt. Seit 300.000 Jahren, so der gegenw\u00e4rtige Forschungsstand, ist der homo sapiens in seiner heutigen Gestalt auf der Bildfl\u00e4che sichtbar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Ein Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Aufr\u00fcstung hin zu aggressiven, sehr zerst\u00f6rerischen Gro\u00dfgebilden der Menschenwelt hat unter dem Vorzeichen einer <em>m\u00e4nnlich<\/em> dominierten Zivilisationsentwicklung aber erst vor weniger als zehntausend Jahren eingesetzt (Stadtstaaten als Folgeerscheinung der landwirtschaftlichen Revolution; sp\u00e4ter die Gro\u00dfreiche mit ihrem \u201eTurmbau zu Babel\u201c: M\u00fcnze \u2013 Macht \u2013 Milit\u00e4r). Noch nicht einmal 300 Jahre jung ist schlie\u00dflich die tiefgreifende Umw\u00e4lzung (in einem <em>Teil<\/em> der Menschenwelt) aufgrund einer neuartigen Ausbeutung der in k\u00fcrzester Zeit verpulverten fossilen Energietr\u00e4ger (Kohle, \u00d6l, Gas) im Industrialismus \u2013 mit dramatischen Auswirkungen f\u00fcr den ganzen Lebensraum Erde und alle seine Bewohner, auch f\u00fcr die Tiere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der qualitativ und quantitativ v\u00f6llig <em>neuartige<\/em> \u201eIndustrielle Krieg\u201c der Moderne mit schlie\u00dflich Abermillionen Toten in zwei Weltkriegen ist ebenfalls kein ewiges Naturph\u00e4nomen, sondern geh\u00f6rt erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur bedr\u00fcckenden Last des Menschengeschlechts. F\u00f6rmlich erst seit gestern (1945) gibt es sodann die Methode der atomaren Massenvernichtung, durch welche die Menschheit \u2013 und fast alles Lebendige \u2013 erstmalig als <em>Ganzes<\/em> t\u00f6tbar geworden ist (G\u00fcnther Anders).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt hat die Revolution der elektronischen Datenverarbeitung (bis hin zur \u201eK\u00fcnstlichen Intelligenz\u201c) f\u00fcr eine Beschleunigung aller die Erde beeintr\u00e4chtigenden Prozesse gesorgt \u2013 eine Beschleunigung, der niemand mehr mit ruhiger \u00dcberlegung folgen und gerecht werden kann. Obwohl (oder weil) der Mensch im Vergleich zu allen anderen Lebewesen mit der gr\u00f6\u00dften Gro\u00dfhirnrinde ausgestattet ist, zeigt er sich unf\u00e4hig, die Kurswende zur Abwendung oder Linderung der Erderhitzung einzuleiten. Ausgerechnet wir befinden uns heute auf jenem winzigen, kaum sichtbaren Punkt einer unermesslich langen Zeitleiste des Lebens auf diesem Planeten, der den <em>Ernstfall<\/em> markiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2014 lie\u00df Papst Franziskus in seinem nach hochkar\u00e4tiger wissenschaftlicher Expertise ausgearbeiteten Umwelt-Rundschreiben <em>\u201eLaudato Si\u201c<\/em> den Erdkreis wissen, wir seien nunmehr die <em>letzte Generation<\/em>, die durch Handeln den Nachkommenden unvorstellbare Leiden ersparen k\u00f6nne. Das \u201eGemeinsame Haus\u201c, die Erde, brauche dringend Austausch und Zusammenarbeit der Einen Menschheit jenseits aller Grenzmauern. \u2013 Als ein halbes Jahrzehnt sp\u00e4ter \u00fcberall die \u201eFridays for Future\u201c auf die Stra\u00dfe gingen, wurde den jungen Leuten eine ganz gro\u00dfartige \u201e\u00f6kologische Transformation\u201c versprochen. Trotz alledem: Die Erde wird jetzt nicht etwa im Sinne des Papstes auf Kooperation hin organisiert, sondern unverdrossen nach Ma\u00dfgabe eines hochger\u00fcsteten Programms <em>Konkurrenz und Konfrontation<\/em>. (Die milit\u00e4rische Heilslehre hat auch in den letzten Jahrzehnten nur Traurigkeit produziert und auf diese Weise den Konzernen der Todesindustrie Milliardenprofite beschert. Nahezu auf allen Parteitagen und Medienkan\u00e4len wird die Kriegsreligion wieder beworben.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wir \u2013 die Heutigen und alle Kinder und Kindeskinder \u2013 haben nur diesen einen Heimatplaneten: \u201eNach dieser Erde w\u00e4re da keine, die eines Menschen Wohnung w\u00e4r.\u201c Vor knapp 250 Jahren konnte der Dichter Matthias Claudius (1740-1815) seine Leserschaft noch dazu ermuntern, t\u00e4glich die Freude am eigenen Menschsein zu besingen: \u201eIch danke Gott, und freue mich \/ Wie \u2019s Kind zur Weihnachtsgabe, \/ Dass ich bin, bin! Und dass ich dich, \/ Sch\u00f6n menschlich Antlitz! habe.\u201c Jeder von uns kennt Menschen, die in sich G\u00fcte tragen und sch\u00f6n sind. An die Sch\u00f6nheit der <em>Gattung<\/em> <em>Mensch<\/em> <em>als Ganzes<\/em> vermag aber heute ein Gro\u00dfteil des Publikums nicht mehr zu glauben. Zu offenkundig ist die \u00dcbermacht der zerst\u00f6rerischen und selbstm\u00f6rderischen Potenzen unserer Spezies geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es scheint f\u00fcr viele schon ausgemacht zu sein, dass es dereinst kein \u201egutes Ende\u201c geben kann und der Mensch schlussendlich ob seiner H\u00e4sslichkeit als der gro\u00dfe \u201eErdzerst\u00f6rer\u201c abtreten muss \u2013 in Schande: \u201eLeben, dieses Wunder unseres Universums, entstand vor vier Milliarden Jahren. Der Mensch \u2026 hat es in ganz kurzen Zeit geschafft, das Gleichgewicht der Natur zu gef\u00e4hrden\u201c (Yann Arthus-Bertrand: Dokumentarfilm \u201eHome\u201c, 2009). Allen Ernstes \u00fcberlegen sich aberwitzige Zukunftswissenschaftler schon jetzt, wo der homo sapiens im Universum neu ansiedeln k\u00f6nnte, um dann den n\u00e4chsten Planeten ins Ungl\u00fcck zu st\u00fcrzen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Fr\u00f6mmigkeit, die dieses Drama heute nicht in den Mittelpunkt stellt, betreibt Quacksalberei und \u00fcberzeugt nicht. Jede wahre Religion ist daran zu erkennen, dass sie die Menschen an allen Orten der Erde zusammenbringt (nicht spaltet), eine Befreiung zur Gewaltfreiheit erm\u00f6glicht und angetrieben wird nicht von einem Kult des Todesanbetung, sondern von der Liebe zum Leben und zu allem Lebendigen (Erich Fromm).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So best\u00fcnde also der Auftrag der Religionen darin, den Traum von einer Menschwerdung des Menschen \u2013 der Einzelnen wie auch der Gattung, im Nahen wie im Gro\u00dfma\u00dfstab \u2013 unter die Leute zu bringen. Nur zusammen mit anderen k\u00f6nnen wir die Parole \u201eEs ist ohnehin zu sp\u00e4t\u201c verlernen und uns einreihen in eine kulturelle <em>Revolte f\u00fcr das Leben<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wegweiser Jesus aus Galil\u00e4a hat vor 2000 Jahren die Leute eingeladen zur Kraft der <em>Gewaltfreiheit, <\/em>zur Festlichkeit und zu einem Gemeinsam-Gewinnspiel ohne Verlierer. Das war sein Widerspruch zum R\u00f6mischen Imperium, zur damaligen Besatzungsmacht in Pal\u00e4stina. Heute kann es im Gro\u00dfma\u00dfstab nur gute Aussichten f\u00fcr die Menschen und alle Lebewesen geben durch Frauen und M\u00e4nner, die bezogen auf den ganzen Erdkreis wissen, wie das geht: ein <em>Gemeinsam-Gewinnspiel ohne Verlierer<\/em> \u2026 Es sitzen \u00fcber kurz oder lang alle im gleichen Boot, das entweder sinkt oder \u00fcber Wasser bleibt (Leonardo Boff). Wir m\u00fcssen uns also heute auf ganzer Linie f\u00fcr eine \u00d6konomie, \u00d6kologie und Kultur des Friedens entscheiden \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch mehr S\u00fcndenpredigten und wom\u00f6glich scharfe Umweltgebote im Erwachsenenkatechismus werden die Welt nicht retten. Ja, die menschliche Zivilisation hat sich auf zerst\u00f6rerische Weise zum Turm von Babel aufger\u00fcstet. Das geschah jedoch nicht aus b\u00f6sartiger \u00dcberheblichkeit, sondern weil das einzige \u201edenkende S\u00e4ugetier\u201c auch kollektiv von <em>Angst<\/em> getrieben wird (Bedeutungslosigkeit, Hunger, Ohnmacht, Verwundbarkeit, Sterblichkeit). \u00dcberlebensf\u00e4hig w\u00e4re am Ende aber nur eine <em>Zivilisation von Geliebten<\/em>, die sich auf Erfahrungen eines rein geschenkten \u2013 nicht gekauften \u2013 Lebens gr\u00fcndet. Es geht also nicht um \u201eMoral\u201c, sondern um \u00dcberwindung der Angst, um ein anderes, <em>sch\u00f6neres<\/em> Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Papst liegt es in seiner Umweltenzyklika daran, die Lage auf dem Heimatplaneten klar zu sehen, ohne in starre Trauer zu verfallen. Allein daf\u00fcr brauchen wir schon Trost und Kr\u00e4ftigung \u2013 im Bild der Bibel: die F\u00e4higkeit, Giftschlangen anfassen zu k\u00f6nnen, ohne selbst vergiftet zu werden. Der oben angerissene Ernstfall der Zivilisation geh\u00f6rt auch deshalb in die Liturgie. Nichts w\u00e4re dringlicher in der \u201eKirchenreform\u201c als eine <em>Messe f\u00fcr das Leben<\/em> im dritten Jahrtausend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die abschlie\u00dfende Bitte des \u201eVaterunsers\u201c soll uns davor bewahren, in ein dunkles Gef\u00fchl der Vergeblichkeit zu fallen. Neue Prozessionen k\u00f6nnten uns in Bewegung setzten, um endlich \u201edie n\u00f6tigen Schritte zu tun\u201c als Menschen, die die Erde, das Wunder der Geburt und alle Wesen lieben. Wer sonst, wenn nicht die Frommen, sollte der Welt zeigen, dass auch solch ein politisch-wirtschaftliches Handeln m\u00f6glich ist, bei dem wir \u00fcber den eigenen Sargdeckel hinaus zu denken verm\u00f6gen. Die Erde ist \u2013 samt all der Gaben auf dem Altar der Erde \u2013 ja nicht unser Besitz, sondern Heimat auch f\u00fcr die nach uns Geborenen \u2013 und alle Lebewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><sub>Erstver\u00f6ffentlichung (leicht abweichender Text) in den \u201eEsloher Museumsnachrichten\u201c 2024. \u2013 <em>Literaturhinweis. <\/em>Peter B\u00fcrger: Menschwerdung. Theologie im zivilisatorischen Ernstfall. Sonderdruck f\u00fcr die Solidarische Kirche im Rheinland. Weihnachten 2020. <a href=\"https:\/\/solidarischekirche.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Menschwerdung_soki-sonderdruck.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/solidarischekirche.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Menschwerdung_soki-sonderdruck.pdf<\/a><\/sub><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leitgedanken eines Impulsvortrags zum \u201eSpirituellen Sommer \u2013 Sauerland\u201c im Saal des Esloher Museums am 1. September 2024 Die Geschichte des Lebens auf dieser wunderbaren Erde umfasst 4 Milliarden Jahre. 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