{"id":59431,"date":"2024-10-19T22:06:31","date_gmt":"2024-10-19T20:06:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=59431"},"modified":"2024-10-19T22:06:31","modified_gmt":"2024-10-19T20:06:31","slug":"wir-koennen-unseren-wohlstand-nur-sichern-wenn-wir-unsere-biodiversitaet-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wir-koennen-unseren-wohlstand-nur-sichern-wenn-wir-unsere-biodiversitaet-schuetzen\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir k\u00f6nnen unseren Wohlstand nur sichern, wenn wir unsere Biodiversit\u00e4t sch\u00fctzen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Interview mit der Wissenschaftlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des UFZ Prof. Dr. Katrin B\u00f6hning-Gaese \u00fcber den anstehenden Weltnaturgipfel (COP 16) in Cali<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20241019UFZKlein-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-59432\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20241019UFZKlein-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20241019UFZKlein-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20241019UFZKlein-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20241019UFZKlein-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20241019UFZKlein.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Prof. Katrin B\u00f6hning-Gaese (Foto: Sebastian Wiedling \/ UFZ<\/em>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><\/strong><strong>Die 16. Konferenz der Vertragsparteien des \u00dcbereinkommens der Vereinten Nationen \u00fcber die biologische Vielfalt (UNCBD) findet vom 21. Oktober bis 1. November in Cali (Kolumbien) statt. Die Biologin und Wissenschaftliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des UFZ, Prof. Dr. Katrin B\u00f6hning-Gaese, \u00fcber die Ziele der COP 16, die Rolle Deutschlands und die Aufgabe der Wissenschaft bei der Konferenz.\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Pressemitteilung UFZ)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau B\u00f6hning-Gase, was steht bei der diesj\u00e4hrigen COP auf dem Spiel?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht bei der COP16 darum, die Umsetzung der Ziele vom Weltnaturgipfel in Montreal 2022 voranzutreiben. &nbsp;Eines der wichtigsten Themen ist, dass die Einzelstaaten ihre Nationalen Strategien und Aktionspl\u00e4ne f\u00fcr die Biologische Vielfalt vorlegen. Dazu waren sie in Montreal aufgefordert worden. Damit sich potenzielle Verbesserungen aus diesen sogenannten NBSAPs auch wirklich messen lassen, muss in Cali das Monitoring der Biodiversit\u00e4t weiterentwickelt werden. Daf\u00fcr arbeiten verschiedene technische Expert:innengruppen an L\u00f6sungen und werden hoffentlich erste Ergebnisse pr\u00e4sentieren. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Finanzen. Ohne mehr Mittel werden sich die Ziele von Montreal nicht umsetzen lassen. Denn die globalen Hotspots der Biodiversit\u00e4t liegen meist in Entwicklungsl\u00e4ndern, denen das Geld f\u00fcr wirksamen Naturschutz h\u00e4ufig fehlt. Daf\u00fcr hatten sich die entwickelten L\u00e4nder in Montreal verpflichtet, Entwicklungsl\u00e4ndern bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das sollte dringend vorangetrieben werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welches sind aus Ihrer Sicht die dr\u00e4ngendsten Probleme in punkto Biodiversit\u00e4t, f\u00fcr die die Weltgemeinschaft L\u00f6sungen finden muss?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen aus der Biodiversit\u00e4tsmodellierung genau, was getan werden muss, um den R\u00fcckgang der Biodiversit\u00e4t bis zum Jahr 2030 zu stoppen und die Biodiversit\u00e4t bis zum Jahr 2050 wieder zu erh\u00f6hen, wie es das Enddokument von Montreal vorsieht. Dazu geh\u00f6ren zum einen die Einrichtung gr\u00f6\u00dferer und besser gemanagter Schutzgebiete und die Wiederherstellung von \u00d6kosystemen, zum anderen eine produktive, aber nachhaltige Landwirtschaft. Wichtig ist dar\u00fcber hinaus ein anderer Umgang mit Lebensmitteln, konkret die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung &#8211; bei uns in Deutschland vor allem im Handel und im eigenen K\u00fchlschrank &#8211; sowie eine st\u00e4rker pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung. Ich halte alle drei Punkte &#8211; Schutz, Produktion und Konsum &#8211; f\u00fcr essenziell. Dabei ist das individuelle Verhalten der Menschen durchaus wichtig und kann zweifellos einen Unterschied machen. Wir sollten jedoch unsere Anspr\u00fcche, Pl\u00e4ne und Ma\u00dfnahmen nicht darauf reduzieren, sondern die gro\u00dfen Stellschrauben in Politik und Wirtschaft mindestens genauso in den Blick nehmen. Wir brauchen Ver\u00e4nderungen auf allen Ebenen, bei jeder und jedem Einzelnen genauso wie bei den Rahmenbedingungen und Vorgaben der Politik.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche besondere Rolle k\u00f6nnte Deutschland auf der COP spielen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland sollte die Rolle eines Vorreiters und Beschleunigers einnehmen. Immerhin ist die Bundesrepublik international einer der wichtigsten Geber f\u00fcr Biodiversit\u00e4tsprojekte. Auch kann Deutschland als Teil von Europa auf die erfolgreiche Verabschiedung des europ\u00e4ischen Renaturierungsgesetzes verweisen, das europ\u00e4ische Abkommen zur Wiederherstellung der Natur (<a href=\"https:\/\/environment.ec.europa.eu\/topics\/nature-and-biodiversity\/nature-restoration-law_en?prefLang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nature Restoration Law<\/a>). Hier ist Europa ein Pionier. Doch es gibt auch Schattenseiten: Schon fast besch\u00e4mend ist, dass Deutschland seine Nationale Strategie und den dazugeh\u00f6rigen Aktionsplan zum Schutz der Biodiversit\u00e4t noch nicht verabschiedet hat. Hier h\u00e4tte ich mehr Geschwindigkeit erwartet, auch als Signal an andere L\u00e4nder. Demgegen\u00fcber halte ich das <a href=\"https:\/\/www.bmuv.de\/download\/aktionsprogramm-natuerlicher-klimaschutz-kurzfassung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Aktionsprogramm Nat\u00fcrlicher Klimaschutz<\/a> f\u00fcr einen Lichtblick. Hier hat Deutschland ein Instrument mit erheblichem finanziellem Volumen geschaffen, mit dem \u00d6kosysteme gest\u00e4rkt, wiederhergestellt und bewahrt werden k\u00f6nnen, um so ihre Resilienz und ihre Klimaschutzleistung zu verbessern: Bis 2028 stehen f\u00fcr verschiedene Ma\u00dfnahmen, etwa die Wiedervern\u00e4ssung von Mooren oder die Renaturierung von Auenlandschaften, mehr als 3,5 Milliarden Euro zur Verf\u00fcgung. Darauf kann Deutschland stolz sein. Hoffentlich folgen andere L\u00e4nder diesem Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auch wissenschaftliche Einrichtungen wie das UFZ sind in Cali vertreten, um beispielsweise \u00fcber Side-Events spezifische Themen vorzustellen. Warum ist deren Anwesenheit wichtig?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschenden k\u00f6nnen bei solchen Events, bei denen alle Beteiligten &#8211; Politik, Wirtschaft, NGOs &#8211; aufeinandertreffen, ihre wissenschaftliche Expertise in die Diskussionsprozesse einbringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Sichtbarmachen wissenschaftlicher Evidenz Konflikte zwischen politischen Lagern aufl\u00f6sen kann. Auf Side-Events, wie sie auch das UFZ in Cali anbietet, k\u00f6nnen Wissenschaftler:innen auf wichtige Themen aufmerksam machen und Allianzen mit \u00e4hnlich gesinnten Menschen bilden. Gemeinsam k\u00f6nnen viele Herausforderungen erfolgreicher adressiert werden als allein. Nicht ohne Grund werden wir als UFZ dort vor allem die Schnittstelle Wissenschaft\/Politik thematisieren. Wichtig ist aber auch die R\u00fcckkopplung in die Wissenschaft, denn auf solchen Konferenzen wird oft erst sichtbar, wo noch Erkenntnisbedarf besteht. Es ist f\u00fcr eine wissenschaftliche Einrichtung sehr wichtig, genau hinzuh\u00f6ren und ernsthaft zu pr\u00fcfen, ob ausreichend eigene Expertise vorhanden ist oder ob diese entwickelt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was erhoffen Sie sich von der COP 16, um hinterher von einem Erfolg sprechen zu k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Hierf\u00fcr w\u00fcrde ich mir in Cali klare Impulse und Signale der Vertragsstaaten w\u00fcnschen. Nat\u00fcrlich ist dieser Prozess nicht einfach, weil damit viele auf den ersten Blick schmerzhafte Ver\u00e4nderungen verbunden sind: Konflikte m\u00fcssen identifiziert und verhandelt, Anreize f\u00fcr positive Ver\u00e4nderungen gesetzt werden. Derzeit dominieren andere Themen wie die Kriege in Nahost und der Ukraine, Migration, Sicherheit und soziale Gerechtigkeit die politische Agenda. Das hat sicherlich seine Berechtigung, man sollte nichts gegeneinander ausspielen. Trotzdem w\u00e4re es wichtig, das Thema Biodiversit\u00e4t wieder st\u00e4rker und dauerhaft ins Blickfeld von Politik und Gesellschaft zu r\u00fccken sowie Mut und Schwung f\u00fcr die Umsetzung zu schaffen. Wenn der Gipfel hierzu einen substanziellen Beitrag leisten k\u00f6nnte, w\u00e4re er f\u00fcr mich ein Erfolg. Wir sollten begreifen: Letztlich k\u00f6nnen wir unseren Wohlstand nur sichern, wenn wir die Biodiversit\u00e4t sch\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zehn Tage nach Beendigung des Weltbiodiversit\u00e4tsgipfels treffen sich Politiker, Forschende und NGOs zum 29. Weltklimagipfel in Baku. W\u00e4re es nicht l\u00e4ngst an der Zeit, die Kr\u00e4fte zu vereinen und die Themen zusammenzudenken?\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00e4re auf jeden Fall sinnvoll: Aus Sicht der Wissenschaft ist es eindeutig, dass die Klima- und die Biodiversit\u00e4tskrise eng miteinander verbunden sind. Der Klimawandel hat negative Einfl\u00fcsse auf die Biodiversit\u00e4t und umgekehrt. Deswegen sind der Erhalt der biologischen Vielfalt und die Wiederherstellung von \u00d6kosystemen zentral, um das Klima zu sch\u00fctzen. Wichtig ist, dass die internationalen Strategien f\u00fcr Klima- und Biodiversit\u00e4tsschutz nicht in gegens\u00e4tzliche Richtungen laufen. Hier ist insbesondere der Klimaschutz gefordert, damit bei Klimaschutzma\u00dfnahmen auch m\u00f6gliche Folgen f\u00fcr die biologische Vielfalt ber\u00fccksichtigt werden. Ein gemeinsamer Workshop-Bericht des Weltklima- und des Weltbiodiversit\u00e4tsrats zeigt: Fast alle Ma\u00dfnahmen zugunsten der Biodiversit\u00e4t sch\u00fctzen auch das Klima, aber nicht alle Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den Klimaschutz auch die Biodiversit\u00e4t. Umso wichtiger ist es in der Tat, beide Themen st\u00e4rker zusammenzudenken.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit der Wissenschaftlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des UFZ Prof. Dr. Katrin B\u00f6hning-Gaese \u00fcber den anstehenden Weltnaturgipfel (COP 16) in Cali Die 16. 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