{"id":56552,"date":"2023-11-24T19:41:51","date_gmt":"2023-11-24T18:41:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=56552"},"modified":"2023-11-24T20:25:25","modified_gmt":"2023-11-24T19:25:25","slug":"gelesen-fotos-im-nationalsozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/gelesen-fotos-im-nationalsozialismus\/","title":{"rendered":"Gelesen: Fotos im Nationalsozialismus"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-56553\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus-1200x1200.jpg 1200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231119FotosNationalsozialismus.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein wichtiges Thema wurde beim Dachauer Symposium 2021 behandelt (foto: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Vor \u00fcber sieben Jahren fand im Hallenberger Kump die Ausstellung &#8222;Mythos Leni Riefenstahl &#8211; Fotografie. Film. Dokumentation&#8220; [1] statt. Vor dem ersten Besuch hatte ich damals ein mulmiges Gef\u00fchl, Angst von der Riefenstahl&#8217;schen \u00c4sthetik \u00fcberw\u00e4ltigt zu werden. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die ausgestellten Bilder und einordnenden Texte betrachtete und las ich sehr genau und konnte den antihumanen, gef\u00fchllosen, anti-aufkl\u00e4rerischen, todesgeilen und faschistischen Blick Riefenstahls auf die Welt erkennen [3]. Sie zeigen den Nationalsozialismus aus der T\u00e4terperspektive.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahr (2022) ist im Wallstein Verlag der Protokollband des Dachauer  Symposiums zur Zeitgeschichte von Oktober 2021 erschienen [4]. Das Thema der Tagung lautete &#8222;Fotos im Nationalsozialismus. Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle&#8220; [5].<br \/><br \/>Die knapp 200 Seiten haben mich in den letzten Tage sehr gefesselt, weil sie meinen Blick von der propagandistischen Bilderschau der Nationalsozialisten a l\u00e0 Riefenstahl zum Gesamtbestand s\u00e4mtlicher Abbildungen gelenkt haben. Der Tagungsband versucht, das Volumen der Fotos zu kategorisieren und stellt die Frage, wie mit der (digitalen) Bilderflut umgegangen werden k\u00f6nne (S. 16 &#8211; 19).<br \/><br \/>Auf der Website des Dachauer Symposiums hei\u00dft es:<br \/><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Das 20. Jahrhundert ist das \u201eJahrhundert der Bilder\u201c (Gerhard Paul) \u2013 die Bedeutung von visuellen Medien ist nicht zu \u00fcbersehen. Insbesondere die Nationalsozialisten haben die politische Relevanz von Bildern f\u00fcr die Propaganda erkannt und sorgf\u00e4ltig auf die visuelle Inszenierung ihrer Macht geachtet. Die Posen und Gesten, die Hitler mit seinem Fotografen Heinrich Hoffmann in den 1920er Jahren einstudierte, oder die Filme von Leni Riefenstahl sind ein beredtes Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehntausende Knipser haben ihren Alltag, die \u201eVolksgemeinschaft\u201c und den Krieg fotografiert. Doch gab es im Nationalsozialismus auch Gegen-Bilder von j\u00fcdischen Fotografinnen und Fotografen, die ihre Lebenswirklichkeit, Verfolgung wie Selbstbehauptung, dokumentierten. Selbst in den Konzentrationslagern gelang es H\u00e4ftlingen unter Lebensgefahr, Fotos von den Gewaltverh\u00e4ltnissen aufzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit vielen Jahren stellen Museen und Gedenkst\u00e4tten Fotos aus der NS-Zeit aus; in Nottingham, Berlin, London und anderen Orten sind Forschungsprojekte zu Fotografie im Nationalsozialismus verwirklicht worden \u2013 Grund genug, um Zwischenbilanz zu ziehen. Welche neuen Fragen werden heute an Fotografien gestellt? Welche Erkenntnisse k\u00f6nnen aus dem Umgang mit Fotografien sowohl in der Vermittlung wie auch in der Forschung gewonnen werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht zuletzt stellt sich dr\u00e4ngend die Frage, wie mit Fotografien aus der NS-Zeit im Internet umgegangen werden soll. Was l\u00e4sst sich gegen Bildf\u00e4lschungen und verzerrende Interpretationen tun? Brauchen wir eine Enzyklop\u00e4die der Bilder?&#8220;<\/p>\n<cite><a href=\"http:\/\/www.dachauer-symposium.de\/symposium2021.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.dachauer-symposium.de\/symposium2021.html<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Antwort auf die letzte Frage vorweggenommen: Eine \u00fcberblickende, abschlie\u00dfende  Anordnung (Enzyklop\u00e4die) der Fotobest\u00e4nde sei wegen der immer noch wachsenden Zahl der Bilder u. a. aus Privatsammlungen und Alben nicht m\u00f6glich, sondern m\u00fcsse in einer Art digitaler kritischer Edition erfolgen, \u00e4hnlich einer Wikipedia.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Bilder gerade in der digitalen Welt oft lediglich als Illustration, ver\u00e4ndert oder verf\u00e4lscht verbreitet w\u00fcrden, sei eine sehr genaue Kontextualisierung wichtig. Dazu geh\u00f6rten Antworten auf die Fragen: Wer hat das Foto, wo und wann und unter welchen Umst\u00e4nden erstellt? Zeigt es die T\u00e4ter-, Opfer- oder Siegerperspektive? Zeigt es eine private Szene oder ist das Bild eine Auftragsarbeit? Ist es m\u00f6glich die Abbildung bis zum Negativ zur\u00fcckzuverfolgen? Wer hat das Foto aus welchen Motiven archiviert und wie ist es an die \u00d6ffentlichkeit gelangt?  Wie wurden Fotoalben zusammengestellt und m\u00f6glicherweise im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert? Wieviel Politik und Zeitgeschichte steckt in einem privaten Foto? Was ist \u00fcberhaupt auf dem Bild zu sehen?<br \/><br \/>Anhand von einzelnen Fotos bzw. Fotostrecken aus Alben f\u00fchren die Referent*innen beispielhaft in ihr jeweiliges Thema ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bildbesprechungen waren und sind f\u00fcr mich ein sehr interessanter Aspekt der verschiedenen Aufs\u00e4tze. In jedem Foto steckt ein spannender Essay. Bei manchen Seiten habe ich gedacht: Ja, so sollte ein sehr guter Aufsatz, eine Foto-\/Bildinterpretation in der Oberstufe geschrieben werden.<br \/><br \/>Und tats\u00e4chlich sind (S. 183) nicht nur Historiker*innen und Medienleute die Zielgruppe einer kritischen Edition, sondern des weiteren auch Lehrer*innen und Sch\u00fcler*innen. <\/p>\n\n\n\n<p>Beispielgebend wird von Christine Bartlitz (S. 151) die Online-Lernplattform segu mit dem Modul &#8222;<a href=\"https:\/\/segu-geschichte.de\/auschwitz-birkenau\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Auschwitz-Birkenau 1944 | Fotos aus zwei Perspektiven<\/a>&#8220; (10.2.2022) angef\u00fchrt. Anhand eines Opfer- und eines T\u00e4terbildes vor der Rampe in Auschwitz sollen die Sch\u00fcler*innen Bildquellen untersuchen und dabei besonders die Perspektive der Fotografierenden in den Blick nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der dokumentierten Podiumsdiskussion (S. 161 &#8211; 185) hebt Cornelia Brink das <a href=\"https:\/\/www.romarchive.eu\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">RomArchiv<\/a> als sehr \u00fcberzeugende virtuelle Ausstellung hervor (S. 167), da Kontexte, Verkn\u00fcpfungen, Erl\u00e4uterungen zum Medium Fotografie angeboten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau so interessant wie die Inhalte der einzelnen Vortr\u00e4ge, sind die jeweiligen Belege und Anmerkungen, die zum St\u00f6bern im Internet einladen. Viele Ressourcen haben eine Webadresse (URL).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr wen ist der Tagungsband des Dachauer Symposiums geeignet? Meiner Einsch\u00e4tzung nach reicht das Interesse am Medium Foto und\/oder an der Geschichte des Nationalsozialismus vollkommen aus, um die eing\u00e4ngig geschriebenen knapp 200 Seiten gewinnbringend zu lesen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Interesse professionell, privat oder irgendwo dazwischen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gliederung der inhaltlichen Schwerpunkte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Von Fotoalben und Bilderrahmen. Private Blicke im NS-Deutschland<\/li>\n\n\n\n<li>Gegen-Blicke. J\u00fcdische Fotografinnen und Fotografen<\/li>\n\n\n\n<li>Fotografie und Gewalt. Neue Perspektiven<\/li>\n\n\n\n<li>Fotografien des Nationalsozialismus im Internet. Chancen und Probleme<\/li>\n\n\n\n<li>Podiumsdiskussion<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n\n\n\n<p>[1] Mythos Leni Riefenstahl \u2013 Fotografie. Film. Dokumentation. Ausstellung im Infozentrum Kump vom 31. M\u00e4rz bis 29. April 2016<br \/><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/mythos-leni-riefenstahl-fotografie-film-dokumentation-ausstellung-im-infozentrum-kump-vom-31-maerz-bis-29-april-2016\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/mythos-leni-riefenstahl-fotografie-film-dokumentation-ausstellung-im-infozentrum-kump-vom-31-maerz-bis-29-april-2016\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>[2] Mit Riefenstahl bin ich noch nicht durch \u2026 Ausstellung im Kump Hallenberg<br \/><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/mit-riefenstahl-bin-ich-noch-nicht-durch-austellung-im-kump-hallenberg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/mit-riefenstahl-bin-ich-noch-nicht-durch-austellung-im-kump-hallenberg\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>[3] Um zwei Wochen verl\u00e4ngert: \u201eRiefenstahls Blick auf die Welt ist antihuman, gef\u00fchllos, anti-aufkl\u00e4rerisch, todesgeil und faschistisch\u201c (Georg See\u00dflen)<br \/><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/um-zwei-wochen-verlaengert-riefenstahls-blick-auf-die-welt-ist-antihuman-gefuehllos-anti-aufklaererisch-todesgeil-und-faschistisch-georg-seesslen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/um-zwei-wochen-verlaengert-riefenstahls-blick-auf-die-welt-ist-antihuman-gefuehllos-anti-aufklaererisch-todesgeil-und-faschistisch-georg-seesslen\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>[4] Fotos im Nationalsozialismus, Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle, Herausgegeben von Michael Wildt und Sybille Steinbacher, Reihe: Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Bd. 20, G\u00f6ttingen 2022, ISBN 978-3-8353-5318-3<\/p>\n\n\n\n<p>[5] Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte 2021, Fotografie im Nationalsozialismus &#8211; eine Zwischenbilanz <br \/><a href=\"http:\/\/www.dachauer-symposium.de\/symposium2021.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.dachauer-symposium.de\/symposium2021.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle Vor \u00fcber sieben Jahren fand im Hallenberger Kump die Ausstellung &#8222;Mythos Leni Riefenstahl &#8211; Fotografie. 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