{"id":55072,"date":"2023-05-18T21:35:23","date_gmt":"2023-05-18T19:35:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=55072"},"modified":"2023-07-19T09:10:33","modified_gmt":"2023-07-19T07:10:33","slug":"globale-erwaermung-verlaeuft-weiter-dramatisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/globale-erwaermung-verlaeuft-weiter-dramatisch\/","title":{"rendered":"Globale Erw\u00e4rmung verl\u00e4uft weiter dramatisch"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klimapolitik wird von Ideologien geleitet und scheitert an wachstumsgetriebenen Partikularinteressen<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220512Klimakrise.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220512Klimakrise.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-52286\" width=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220512Klimakrise.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220512Klimakrise-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/20220512Klimakrise-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Sommer 2022 sind nach Sch\u00e4tzungen des Robert Koch-Instituts etwa 4.500 Menschen infolge von Hitze in Deutschland verstorben. Pflasterbeschriftung (archivfoto: zoom))<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Mehr als 400 Politiker, Wissenschaftler, Vertreter aus Religion und Gesellschaft hatten Olaf Scholz im April in einem offenen Brief zu mehr Klimaschutz aufgefordert. \u201eJe l\u00e4nger wir z\u00f6gern, so der gemeinsame Wortlaut, desto drastischer sind die Konsequenzen unseres Abwartens. Wir geh\u00f6ren zur letzten Generation, die aufhalten kann, was uns droht, nat\u00fcrlich der globale Verlust unserer Kontrolle \u00fcber die menschengemachte Klimakrise. Klima ist kein Thema, sondern eine partei\u00fcbergreifende, staatstragende und historisch beispiellose Aufgabe. Die Anpassung der Infrastruktur ist eine Mammutaufgabe.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Weltklimarat IPCC hat Deutschland seine Klimaziele eindeutig verfehlt. Sollen diese bis 2030 noch erreicht werden, mu\u00df die Minderungsrate der CO2-Emissionen 6 % pro Jahr betragen. Seit 2010 waren es im Schnitt jedoch nicht einmal 2 %. Au\u00dferdem m\u00fc\u00dfte der \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck pro B\u00fcrger von derzeit 11 auf 2 Tonnen im Jahr gesenkt werden. Die Hiobsbotschaften der Klimatologen rei\u00dfen unterdessen nicht ab; deren alarmierende Daten lassen der Menschheit keine Zeit mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>2022 war das zweitw\u00e4rmste Jahr in Europa, der Sommer sogar der hei\u00dfeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zum 8. Mal lagen die Temperaturen um mehr als 1 Grad \u00fcber dem vorindustriellen Niveau (Quelle: Copernicus Climate Change Service).Weltweit stiegen die CO2-Konzentrationen seit der ersten Klimakonferenz um 60 %. Im November 2022 hatten wir die 27. Konferenz! Das Jahr 2020 ist nach Angaben des IPCC das wahrscheinlich w\u00e4rmste Jahrzehnt seit der letzten Zwischeneiszeit vor ca. 125.000 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zahl der Hitzetage in Deutschland hat sich verdreifacht. Und in Italien registriert man heute 5-mal so viele Extrem-Wetterereignisse wie noch vor 10 Jahren. Extreme Hitzewellen erfassen einen immer gr\u00f6\u00dferen Teil der Erdoberfl\u00e4che, ebenso Starkregenereignisse, auf die z. B. Deutschland \u00fcberhaupt nicht vorbereitet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Frankreich, die Schweiz und Norditalien erlebten bereits im Fr\u00fchjahrsmonat M\u00e4rz d. J. eine nie da gewesene D\u00fcrre in Verbindung mit hohen Temperaturen. Und S\u00fcdspanien st\u00f6hnte im April unter einer Gluthitze von 35 bis 39 Grad C. Dann meldet Norditalien jetzt, Mitte Mai schwere \u00dcberschwemmungen. Ein Extrem l\u00f6st das andere ab \u2013 binnen kurzer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Mittelmeer wies im August letzten Jahres eine Temperatur von 30 Grad auf; es erw\u00e4rmt sich schneller als andere Meere.<\/p>\n\n\n\n<p>Und aus Indien wurde im April 2022 die Rekordtemperatur von \u00fcber 50 Grad gemessen. Auch das unter Touristen so ber\u00fchmte Death Valley in den USA meldete einen neuen Hitzerekord von 53 Grad Celsius.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum Schnee, wenig Regen: So pr\u00e4sentierte sich der Winter 2022\/23 in den Alpen. 5 Kubikkilometer Gletschereis sind in diesem europ\u00e4ischen Zentralgebirge bisher abgeschmolzen; das entspricht etwa 3 Millionen wassergef\u00fcllter Badewannen. 10 \u2013 100 cm betr\u00e4gt der j\u00e4hrliche Gletscherr\u00fcckgang. Bis 2100 wird auch von den gro\u00dfen Eisstr\u00f6men nur noch die H\u00e4lfte \u00fcbrig geblieben sein. Und bereits 40 Jahre fr\u00fcher werden die meisten Gletscher \u00d6sterreichs der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>215.000 Gletscher gibt es weltweit, \u00fcber 5.000 davon in den Alpen. Dort haben sie seit 1850 2\/3 ihres Volumens verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber 90 Mio. Menschen h\u00e4ngen am Tropf der Wasservorr\u00e4te aus den alpinen Gletschern, die gro\u00dfe Str\u00f6me und deren Nebenfl\u00fcsse speisen.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcstere Aussichten: Wenn es hei\u00df und trocken ist (in den Monaten Juli und August), steht kein Wasser zur Verf\u00fcgung. Die K\u00fchlung von Industrieanlagen wird zum ernsten Problem. Der italienische Flu\u00df Po trocknet aus, wie schon in den letzten Jahren. Landwirtschaftliche Bew\u00e4sserung ist nicht mehr m\u00f6glich. Davon sind z. B. Reispflanzen betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hochaktuell ist diese Meldung, welche gestern, am 18. Mai, das Fernsehen ver\u00f6ffentlichte. Danach verlieren mehr als die H\u00e4lfte der weltweit gr\u00f6\u00dften Seen Wasser. Dies ergab die Auswertung von Satellitendaten eines internationalen Forschungsteams, nachzulesen im Fachblatt &#8222;Science&#8220;. Schuld an der Austrocknung ist den Wissenschaftlern zufolge gr\u00f6\u00dftenteils der Klimawandel sowie die ungez\u00fcgelte Wasserentnahme durch den Menschen. \u00dcbrigens hat sich der Wasserstand des ber\u00fchmten Gardasees  im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ma\u00dflos ist auch die j\u00e4hrliche Wasservergeudung durch Schneekanonen. Der Verbrauch entspricht sage und schreibe dem von 3 Mio. St\u00e4dten der Gr\u00f6\u00dfe M\u00fcnchens! Von den Wassermengen, die der schweizerische Flu\u00df Rhone ins Mittelmeer bef\u00f6rdert, stammen 40 % aus Gletschereis (Quelle ZDF).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"640\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023051801Ruhrtal.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-55077\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023051801Ruhrtal.jpg 480w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2023051801Ruhrtal-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 85vw, 480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Feuchtgebiete wie Auenw\u00e4lder und Moore besitzen \u00fcberragende Bedeutung f\u00fcr den Klima- und Biodiversit\u00e4tsschutz, gerade auch in Zeiten des Klimawandels. Sie regulieren den Wasserhaushalt, halten den Grundwasserspiegel auf hohem Niveau und speichern enorme Mengen von dem kostbaren Nass. (Naturschutzgebiet Ruhrtal bei Stockhausen &#8211; Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Trinkwasser wird aber auch in Deutschland zunehmend knapp. Nur ein Beispiel: In den Braunkohlerevieren Nordrhein-Westfalens wird Energie im Tagebau gewonnen. Um an die begehrte Kohle zu gelangen, wird Grundwasser im gro\u00dfen Stil abgepumpt. Die Anwohner sind aber auf Gedeih und Verderb von dem kostbaren Lebenselixier abh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Dirk Jansen vom BUND NRW ben\u00f6tigen die B\u00fcrger gigantische Mengen Trinkwasser. Ihnen bleibt aber nichts davon, weil der gr\u00f6\u00dfte Teil einfach Richtung Nordsee weggeleitet wird. Eine Wasserverschwendung unvorstellbaren Ausma\u00dfes! Lediglich das \u00fcbrig gebliebene Nass wird zu einem kleinen Teil genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen hierzulande haben das volle Ausma\u00df der Umwelt- und Klimakrise offenbar noch nicht begriffen. Es ist leider immer noch so, da\u00df eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr konsequenten Klimaschutz nicht gewonnen werden kann. So bef\u00fcrworten rd. 60&nbsp;% laut einer Umfrage den projektierten Autobahnausbau, wie ihn die FDP m\u00f6chte; nur 30&nbsp;% votieren f\u00fcr den Ausbau der Bahn. Die Gesellschaft ist nicht nur in dieser Frage gespalten. Das betrifft auch die Haltung zum Tempolimit. Die Politik ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Sehr viele Menschen sind aus Gleichg\u00fcltigkeit, mangelndem Interesse und aufgrund von Bildungsdefiziten \u00fcberhaupt nicht urteilsf\u00e4hig. Dieser Eindruck entsteht, wenn z. B. Leute auf der Stra\u00dfe zu Ihrer Meinung bez\u00fcglich tagesaktueller politischer Themen befragt werden. Wie in der Politik steht innerhalb der Gesellschaft Meinung gegen Meinung, ohne da\u00df die Aussicht best\u00fcnde, da\u00df in den entscheidenden Zukunftsfragen ein Grundkonsens \u00fcber den richtigen Weg erzielt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite ist das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in die Politik in den letzten Jahrzehnten st\u00e4ndig gesunken, auch deshalb, weil die Sorgen und N\u00f6te der Menschen nie wirklich ernst genommen wurden. Zahlreiche B\u00fcrger sind schon jetzt \u00fcberfordert, wissen nicht, wie sie in der derzeitigen Situation \u00fcber die Runden kommen sollen. Schlimm genug, da\u00df viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrge von gesunder Ern\u00e4hrung ausgeschlossen bleiben.. Jahrelang bekamen diese Menschen f\u00fcr ihre Ersparnisse keine Zinsen. Jeder 3.\u00a0Bundesb\u00fcrger hat nach neuesten Medienver\u00f6ffentlichungen nicht genug zum Leben. Und besonders auch f\u00fcr Rentner im hohen Alter ist es schwer, die finanziellen Mittel f\u00fcr die Umsetzung der Ma\u00dfnahmen aufzubringen, die sich aus den Verpflichtungen des Geb\u00e4ude-Energiegesetzes der Koalition ergeben. Wer 70 Jahre und \u00e4lter ist, erh\u00e4lt von seiner Bank keinen Kredit mehr. Die vom Wirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck ausgerufene \u201eW\u00e4rmewende\u201c ist zweifellos n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings kann man eine so folgenschwere Entscheidung den Leuten nicht einfach so \u00fcberst\u00fclpen. Das gr\u00fcne Gesetzeswerk ist unzureichend durchdacht. Deshalb ist es mehr als fraglich, ob die Realisierung in der geplanten Form gelingt, zumal die Verh\u00e4ltnisse von Fall zu Fall sehr unterschiedlich gelagert sind. \u201eManche k\u00f6nnen auf gen\u00fcgend R\u00fccklagen zugreifen, um die n\u00f6tige Modernisierung zu bezahlen. Andere haben nichts auf der hohen Kante und erhalten nicht einmal einen Kredit. Hier braucht es dann staatliche Unterst\u00fctzung\u201c, sagt Antje von Broock vom Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland. Und weiter: \u201e Finanziert werden k\u00f6nnte eine ausgewogene F\u00f6rderung, die soziale H\u00e4rten abmildert, z. B. mit der Abschaffung umweltsch\u00e4dlicher Subventionen.\u201c Sch\u00f6n w\u00e4re es. Das k\u00f6nnte viele Probleme l\u00f6sen, w\u00fcrde aber mit der FDP und auch der SPD sicherlich nicht zu machen sein. Um die erforderlichen Investitionen stemmen zu k\u00f6nnen, sollen staatliche Beihilfen ausgezahlt werden. Sie \u00e4ndern aber kaum etwas an dem Grundproblem, n\u00e4mlich da\u00df die finanziellen Belastungen auf hohem Niveau verbleiben. Daher w\u00fcrde ich eine Verm\u00f6gensteuer f\u00fcr Gro\u00dfverdiener ins Spiel bringen, um so einkommensschwachen Haushalten unter die Arme zu greifen, damit diese die Umstellung auf erneuerbare Energien und Modernisierung ihrer Heizungsanlagen besser schultern k\u00f6nnen. Doch auch hier wird Christian Lindner sicherlich Einw\u00e4nde haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, welche Position man nun zu dem Projekt von R. Habeck einnimmt, ob man es positiv oder negativ beurteilt, prallt der ganze \u00c4rger, die ganze Wut \u00fcber dieses in der Kritik stehende Gesetz, allein an der \u00d6kopartei ab. Dabei hat Bauministerin Geywitz (SPD) das Gesetz zusammen mit dem Wirtschaftsminister verabschiedet und der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. In Umfragen haben als Folge davon jedoch nur die Gr\u00fcnen an Zustimmung verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der selbstherrliche Regierungsstil des Herrn Habeck hat zweifellos auch auf das Ergebnis der B\u00fcrgerschaftswahl in Bremen am letzten Sonntag, 14. Mai, durchgeschlagen. Der Stimmenverlust der Gr\u00fcnen von 5,7 Prozent hat seine Ursache aber bestimmt nicht nur in dem beschlossenen Geb\u00e4ude-Energiegesetz, sondern ebenso in den famili\u00e4ren Verflechtungen innerhalb des Ministeriums Das Wahlresultat im kleinsten Bundesland k\u00f6nnte nach Einsch\u00e4tzung verschiedener Gazetten der Auftakt f\u00fcr weitere Wahlniederlagen der Gr\u00fcnen sein. Im kommenden Jahr werden die B\u00fcrger gleich in 5 Bundesl\u00e4ndern zur Urne gerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem anderen Thema, der \u00f6kologischen Verkehrswende, sind die Gr\u00fcnen abermals vor der FDP in die Knie gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesverfassungsgericht hatte bekanntlich eine Senkung der CO2-Emissionen angeordnet. \u201eWenn man jetzt nicht handelt, wird es in 15 Jahren zu sp\u00e4t sein; man hat keine Gestaltungsm\u00f6glichkeiten mehr\u201c, hei\u00dft es in dem o.g. Brief an den SPD-Bundeskanzler.<\/p>\n\n\n\n<p>Das beschlossene Klimaschutzgesetz verst\u00f6\u00dft n\u00e4mlich eindeutig gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Dennoch geht es mit der Fl\u00e4chenversiegelung, Asphaltierung und Betonierung der Landschaft munter weiter. Das hat die FDP noch nie interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Liberalen haben erreicht, da\u00df der Verkehrssektor vom Makel des Klimas\u00fcnders befreit wurde, obwohl die Partei s\u00e4mtliche Klimaschutzma\u00dfnahmen bis heute sabotiert. Zur Erinnerung: B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen hatten sich schon im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen bei den Sondierungsgespr\u00e4chen dem Druck der FDP gebeugt und auf eine ihrer Kernforderungen, das allgemeine Tempolimit, bedingungslos verzichtet. Denn nicht mehr \u2013 wie bisher \u2013 mu\u00df jeder Fachbereich f\u00fcr sich Treibhausgase so weit wie m\u00f6glich reduzieren. Nach den vereinbarten Beschl\u00fcssen des Koalitionsausschusses im M\u00e4rz k\u00f6nnen sich die einzelnen Ressorts gegenseitig helfen, das anvisierte Klimaziel gemeinsam zu erreichen. Hier verl\u00e4\u00dft sich einer auf den anderen. Nur ein Punkt war damit nicht mehr verhandelbar: Autos, Luxuslimousinen, LKWs, Motorr\u00e4der, Mopeds und \u201eQuads\u201c k\u00f6nnen weiterhin ungebremst Treibhausgase aussto\u00dfen, w\u00e4hrend der Rest der Bev\u00f6lkerung zu umfassenden energetischen Innovationen und Sparma\u00dfnahmen verpflichtet wird. F\u00fcr die Porsche-Fahrer \u00e4ndert sich also nichts. Sie k\u00f6nnen nach wie vor aufs Gaspedal dr\u00fccken. Die Hauptlast der Energiewende m\u00fcssen die \u201ekleinen Leute\u201c tragen. Ob der Bereich Verkehr, wo die CO2-Emissionen seit Jahren st\u00e4ndig steigen, seine Klimaziele krachend verfehlen wird, juckt niemanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann sind da noch die Privatjets als Klimakiller unterwegs. In 2022 verzeichnete Deutschland einen Rekordwert von mehr als 94.000 Flugbewegungen. Weitaus mehr als die H\u00e4lfte dieser Fl\u00fcge erstreckte sich \u00fcber eine Distanz von weniger als 300 Kilometer.<\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei bemerkt: Nur 1 % der Weltbev\u00f6lkerung verursacht durch h\u00e4ufiges Fliegen mehr als die H\u00e4lfte aller Emissionen der kommerziellen Luftfahrt. Ein Milliard\u00e4r verursacht so viel Treibhausgase wie 1 Millionen nicht reicher Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundeskanzler h\u00e4lt sich indes vornehm zur\u00fcck, bezieht keine Stellung zu dem Dauerstreit zwischen \u00d6kopartei und FDP, als h\u00e4tte er mit all dem nichts zu tun. Er schaut dem Treiben der FDP unt\u00e4tig zu. Schlie\u00dflich ist Volker Wissing in seinen Augen ein guter Verkehrsminister. Olaf Scholz ist davon \u00fcberzeugt, bei den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern in Deutschland gut dazustehen und tr\u00e4umt schon von seiner Wiederwahl im Jahre 2025. Und er vertraut auf die unbedingte Loyalit\u00e4t der Gr\u00fcnen zu seiner Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Das d\u00fcrfte der Partei von R. Habeck, A. Baerbock und Cem \u00d6zdemir kaum schwer fallen. L\u00e4ngst haben sie sich zu einer Wirtschaftspartei  gewandelt. Was fr\u00fcher nur den Altparteien zugeschrieben wurde, n\u00e4mlich Filz, Vetternwirtschaft, Familienkl\u00fcngel, ist auch bei der \u00d6kopartei l\u00e4ngst angekommen. Die Gr\u00fcnen wollten, nachdem sie im Jahre 1983 als Neulinge in den Bundestag eingezogen waren, mit gutem Beispiel vorangehen und immaterielle Werte, wie Glaubw\u00fcrdigkeit und Ehrlichkeit, wieder zum Ma\u00dfstab des politischen Handelns machen. Was daraus bis heute geworden ist, sehen wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen hat der Schwachsinn in der politischen Auseinandersetzung eine neue Dimension erreicht. Das pervertierte Denken nimmt immer groteskere Formen an. So lie\u00df Ricarda Lang, die Bundesvorsitzende der Gr\u00fcnen, nach der Vorstellung des Ergebnisses des Koalitionsausschusses \u00fcber TV und Presse verlauten: \u201eWir Gr\u00fcne verbinden Klimaschutz mit Autobahnbau.\u201c. Offenbar wurde hier versucht, die eigene Niederlage im Streit mit der FDP um einen Autobahnausbau nach Kr\u00e4ften sch\u00f6nzureden. Links und rechts von Fernstra\u00dfen sollen laut Beschlu\u00df Photovoltaik-Anlagen installiert werden. Als wenn die mit Solarmodulen verbr\u00e4mte Asphalt- und Betonorgie des Herrn Wissing dadurch ihren Schrecken verlieren w\u00fcrde!<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4ngst gibt es unter kritischen Verkehrsforschern keinen Zweifel mehr dar\u00fcber, da\u00df unser Land keine neuen Autobahnen ben\u00f6tigt. Zu bedenken ist au\u00dferdem, da\u00df jeder Kilometer neu gebauter Fernstra\u00dfen wieder instandgehalten werden mu\u00df. Und das verschlingt horrende Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der untaugliche Versuch von R. Lang und ihren Parteifreunden, die Zerst\u00f6rung der Landschaft durch Autobahnen zu romantisieren, indem Photovoltaikanlagen diesseits und jenseits der Asphaltb\u00e4nder aufgestellt werden, hat der Partei vernichtende Kritik beschert. Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW, die Olaf Scholz als einen \u201eKlimakatastrophenkanzler\u201c bezeichnet, kommentiert das wie folgt: \u201eEin Salatblatt im Burger ist ja auch noch keine Ern\u00e4hrungsumstellung.\u201c Es ist leider so weit gekommen, da\u00df sich die Gr\u00fcnen lieber selbst verleugnen, als da\u00df sie den Mut h\u00e4tten, die Koalitionsfrage zu stellen. Reif daf\u00fcr w\u00e4re der Zeitpunkt seit langem.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrden alle Sektoren ihre Emissionsreduktionen verschleppen wie der deutsche Verkehrssektor, w\u00fcrde sich die Erde um mehr als 3 Grad C erhitzen. Da\u00df bei einem der dunkelsten Kapitel der Politik hierzulande unver\u00e4ndert alles falsch l\u00e4uft, wird an einem Beispiel deutlich: Das (marode) Schienennetz w\u00e4chst j\u00e4hrlich um ca. 75 km; das Stra\u00dfennetz hingegen um 10.000 km. 145 neue Autobahnprojekte sind bundesweit geplant, 66 davon in NRW. Oliver Krischer, Verkehrsminister im einwohnerm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Bundesland, hatte sich den Betonphantasien des Volker Wissing zun\u00e4chst widersetzt und wollte die einzelnen Projekte erstmal auf den Bedarf hin pr\u00fcfen. Es dauerte allerdings nur kurze Zeit, bis er verk\u00fcnden lie\u00df, nun doch zuzustimmen, wenn auch z\u00e4hneknirschend. Mittlerweile haben sich schon zahlreiche B\u00fcrgerinitiativen gegen den Bau neuer Autobahnabschnitte formiert. Wieder einmal erleben wir, da\u00df die Gr\u00fcnen, ob in den L\u00e4ndern oder im Bund, charakterlos umfallen, wenn es darum geht, unbeugsam und standhaft zu bleiben. An einer Regierungsbeteiligung um jeden Preis festzuhalten, war ihnen stets wichtiger als klare Kante zu zeigen. Wo es Ihnen doch eigentlich unter den N\u00e4geln brennen m\u00fc\u00dfte, ihre Urthemen kompromisslos gegen alle Widerst\u00e4nde durchzufechten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber selbst im Jahre 2023 ist nicht zu erkennen, da\u00df sich irgendein Politiker dazu aufrafft, die umwelt- und klimafreundliche Bahn endlich wieder zum wichtigsten Massenverkehrs- und Transportmittel der Zukunft zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ab 1. Mai g\u00fcltige 49,&#8211; \u20ac-Ticket erh\u00e4lt jeder, unabh\u00e4ngig vom Einkommen, also nach dem Gie\u00dfkannenprinzip. F\u00fcr B\u00fcrger, die finanziell nicht so gut dastehen, ist es zu teuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Jens Hilgenberg vom BUND meint dazu: \u201eDamit auch Menschen mit geringem Einkommen die Vorteile des Deutschlandtickets nutzen k\u00f6nnen, mu\u00df es durch ein Sozialticket erg\u00e4nzt werden. Einige Bundesl\u00e4nder, so Hilgenberg, planen bereits, das Deutschlandticket f\u00fcr bestimmte Gruppen g\u00fcnstiger anzubieten. \u201eSinnvoller und sozial gerecht w\u00e4re es, das erm\u00e4\u00dfigte Ticket bundesweit f\u00fcr maximal 29 Euro auszugeben, finanziert aus Bundesmitteln. Denn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kostet das Deutschlandticket netto deutlich weniger als 49 Euro, wenn sie die steuerrechtlichen M\u00f6glichkeiten nutzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Leider lohnt sich f\u00fcr viele Menschen der Kauf des 49,&#8211; \u20ac-Tickets insofern nicht, da sie wegen unattraktiver Angebote und schlechter Verbindungen auf dem Land nicht flexibel reagieren k\u00f6nnen. Daraus ergibt sich die Forderung nach deutlich mehr Geld f\u00fcr Schiene und \u00d6PNV, damit diese Verkehrstr\u00e4ger ihre Aufgaben in der Fl\u00e4che optimal leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei der LKW-Maut haben sich die Gr\u00fcnen von der FDP \u00fcber Tisch ziehen lassen. Die Geb\u00fchr ist viel zu niedrig angesetzt \u2013 und auch schon seit 2 Jahren \u00fcberf\u00e4llig. Eigentlich waren hierf\u00fcr 800,&#8211; \u20ac vorgesehen. In der jetzigen Form hat die Maut somit keine Lenkungswirkung und wird deshalb auch keine entscheidenden Impulse f\u00fcr die Bahn bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Herrn Dr. Wissing kam der Vorschlag, jeden B\u00fcrger mit einem 49,&#8211;\u20ac Ticket zu belohnen, wenn er sich einen neuen PKW anschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe eine bessere Idee: Jeder Fahrgast m\u00fc\u00dfte f\u00fcr die Abschaffung seines PKW`s dieses Ticket erhalten, und zwar zu einem dar\u00fcber hinausgehenden, noch g\u00fcnstigeren Tarif, als wirksamen Anreiz zum Umstieg auf Bahn bzw. \u00d6PNV. Das w\u00e4re eine bedeutender Beitrag zur \u00f6kologischen Verkehrswende.<\/p>\n\n\n\n<p>Streitbar, fundamentalistisch, gewaltfrei, prinzipientreu: Lang, lang ist`s her: Fr\u00fcher k\u00e4mpften die Gr\u00fcnen f\u00fcr ihre Werte und Ideale. Heute beherrschen sie die Sprache der \u00d6konomen wie aus dem FF. Sie wollen, um es noch mal zu sagen, nur eines: Die Macht erringen, unter wem und mit wem und zu welchen Konditionen, spielt keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>So kann es nicht weitergehen. Darum h\u00f6rt mal her, ihr Gr\u00fcnen: Weniger Pathos ist angesagt, stattdessen mehr Ethos. Glaubw\u00fcrdigkeit hat sich noch immer ausgezahlt. Sie gewinnt man aber nur dadurch, da\u00df man den notwendigen Einsatz zeigt und alle Kr\u00e4fte f\u00fcr den \u00fcber Jahrzehnte hinweg wiederholt ausgerufenen radikal-\u00f6kologischen Politikwechsel b\u00fcndelt. Das w\u00e4re ein wahrer Segen f\u00fcr dieses Land, seine Menschen, unser aller Zukunft und die demokratische Streitkultur.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Karl Josef Knoppik, 1<\/em>8. Mai 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klimapolitik wird von Ideologien geleitet und scheitert an wachstumsgetriebenen Partikularinteressen Mehr als 400 Politiker, Wissenschaftler, Vertreter aus Religion und Gesellschaft hatten Olaf Scholz im April in einem offenen Brief zu &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/globale-erwaermung-verlaeuft-weiter-dramatisch\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGlobale Erw\u00e4rmung verl\u00e4uft weiter dramatisch\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7088,8406,4761,549],"tags":[417,164,8256,444,9113],"class_list":["post-55072","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheit","category-klimakrise","category-soziales","category-umwelt","tag-fdp","tag-grune","tag-hitzewelle","tag-trinkwasser","tag-wasserkrise"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55072"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55072\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}