{"id":53681,"date":"2022-11-13T17:48:09","date_gmt":"2022-11-13T16:48:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=53681"},"modified":"2022-12-04T15:06:15","modified_gmt":"2022-12-04T14:06:15","slug":"ist-das-verfeuern-von-holz-wirklich-klimaneutral-oder-besiegelt-die-uebernutzung-dieses-rohstoffs-nicht-den-ausverkauf-des-deutschen-waldes-unter-dem-label-der-nachhaltigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ist-das-verfeuern-von-holz-wirklich-klimaneutral-oder-besiegelt-die-uebernutzung-dieses-rohstoffs-nicht-den-ausverkauf-des-deutschen-waldes-unter-dem-label-der-nachhaltigkeit\/","title":{"rendered":"Ist das Verfeuern von Holz wirklich klimaneutral oder besiegelt die \u00dcbernutzung dieses Rohstoffs nicht den Ausverkauf des deutschen Waldes unter dem Label der Nachhaltigkeit?"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2-1024x878.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53684\" width=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2-1024x878.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2-300x257.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2-768x658.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2-1536x1317.jpg 1536w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2-1200x1029.jpg 1200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img621-2.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Es geht nicht in erster Linie um den Wert des Waldes, sondern &#8211; wie schon bei den Forstklassikern vor 200 Jahren &#8211; fast ausschlie\u00dflich um Holz (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann aus dem Erzgebirge, pr\u00e4gte als erster im Jahre 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit. Dieser wurde im fr\u00fchen 18. Jahrhundert vor dem Hintergrund einer zunehmenden Holznot definiert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kein Begriff wird heutzutage so mi\u00dfbr\u00e4uchlich verwendet wie <em>Nachhaltigkeit<\/em>. Er wurde zum gefl\u00fcgelten Wort und mu\u00df heutzutage f\u00fcr nahezu alles herhalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Genauso wie das Attribut \u201e<em>aus regionaler Herkunft<\/em>\u201c oder \u201e<em>regionaler Erzeugung<\/em>\u201c, was den Menschen suggerieren soll, da\u00df die Nahrungsmittel, die ihnen \u00fcber die Ladentheke gereicht werden, tiergerecht und ohne chemische D\u00fcnger und Pestizide angebaut werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Fast jeder Betrieb, jedes Unternehmen reklamiert f\u00fcr sich fortschrittlich und innovativ zu sein und damit dem hohen Anspruch der Nachhaltigkeit zu gen\u00fcgen. Alle m\u00f6chten am liebsten ganz vorn dabei sein. Das betrifft aber nicht nur die Lebensmittelbranchen. Vorausgesetzt, es w\u00fcrde zutreffen, da\u00df eine gro\u00dfe Anzahl von Betrieben Nachhaltigkeit nicht nur predigen, sondern auch in der Praxis anwenden, d\u00fcrfte es kaum noch Massentierhaltung geben, k\u00f6nnte man glauben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"640\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0641-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53685\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0641-2.jpg 480w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0641-2-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 85vw, 480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Am Urwaldsteig im NP Kellerwald-Edersee &#8211; Foto: Doris Knoppik<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ein anderes gefl\u00fcgeltes Wort betrifft unsere angeblich vorhandenen Werte, die immer dann besonders herausgestellt und verteidigt werden, wenn die eigene Wirtschaft von au\u00dfen bedroht ist, durch L\u00e4nder, in denen B\u00fcrgern ihre demokratischen Grundrechte vorenthalten werden und wo Umwelt- und Gesundheitsschutz keine Rolle spielen. Von welchen Werten sprechen diese Politiker eigentlich? Sie hat man doch l\u00e4ngst \u00fcber Bord geworfen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die deutsche Politik ist nicht wertorientiert.<\/strong> Wir beuten die sog. 3. Welt aus. Durch unsere h\u00f6chst zweifelhafte Exportwirtschaft vergr\u00f6\u00dfern und zementieren wir die dortige Armut, vernichten deren Lebensgrundlagen, pl\u00fcndern ihre Ressourcen. Die Bundesregierung unter Scholz blockiert bis heute ein Lieferkettengesetz, das auf allen Produktionsstufen die Einhaltung der Menschenrechte und wirksamen Natur- und Klimaschutz garantieren soll. Von nachhaltigem Denken geschweige denn Handeln also keine Spur. F\u00fcr diese irrationale Vorgehensweise gibt es nur eine Erkl\u00e4rung: Entweder ist man sich \u00fcber die Bedeutung des Begriffs nicht im klaren, oder es fehlt einfach der Wille und\/oder die Kraft zur Durchsetzung solcher Ma\u00dfnahmen, weil in Regierungsverantwortung stehende Politiker allein die Interessen der Wirtschaft im Auge haben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"640\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0646-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53686\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0646-2.jpg 480w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0646-2-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 85vw, 480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nat\u00fcrlicher Eichenwald, oft gemischt mit Hainbuche und anderen Laubh\u00f6lzern: Heute fast nur noch in Reservaten, wie hier im Nationalpark Kellerwald-Edersee zu beobachten. Foto: Doris Knoppik<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nat\u00fcrliche Ressourcen d\u00fcrfen nur in dem Ma\u00dfe verbraucht werden, wie sie sich durch Nachwuchs erneuern. Das gilt f\u00fcr das \u00d6kosystem Wald ebenso wie f\u00fcr die Ressource Wasser. Eine Binsenweisheit!<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der industriellen Revolution wurde die erneuerbare Ressource Holz nur dadurch vor der endg\u00fcltigen Vernichtung bewahrt, &#8211; die nachhaltige Nutzung des Waldes also nur dadurch m\u00f6glich -, da\u00df Stein- und Braunkohle die Holzkohle ersetzten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Holzverbrennung ist klimasch\u00e4dlich.<\/strong> Holz zu verheizen, gilt nach landl\u00e4ufiger Meinung als \u201eklimaneutral\u201c. Dieser Rohstoff weise die bessere CO\u00b2-Bilanz auf, so die g\u00e4ngige Auffassung. Die holzverarbeitende Industrie sieht darin ein gro\u00dfes Einsparpotenzial. Tats\u00e4chlich? Nach Ansicht des Wissenschaftlers Prof. Dr. W. Lucht vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK) ist das eine Milchm\u00e4dchenrechnung. Denn B\u00e4ume wachsen bekanntlich sehr langsam. W\u00e4hrend die eine Biomasse langsam nachw\u00e4chst, holzt man schon die n\u00e4chste ab. In Minutenschnelle wird verbrannt, was innerhalb von Jahrzehnten gewachsen ist. Man ist also st\u00e4ndig im Minus, so Prof. Lucht; und es dauert Jahrzehnte, bis dieses System irgendwann ins Plus kommt. Und in diesen langen Zeitr\u00e4umen haben wir mehr Kohlendioxid in der Atmosph\u00e4re als wenn man nicht abholzen w\u00fcrde. So reichert sich st\u00e4ndig mehr CO\u00b2 in der Atmosph\u00e4re an, was die globale Erw\u00e4rmung weiter befeuert. Nach Aussage des Experten vom PIK f\u00e4llt durch die Verbrennung von Holz 1 \u00bd mal soviel CO\u00b2 an wie bei der Kohleverbrennung, doppelt so viel wie bei der \u00d6lverbrennung und sogar dreimal so viel wie bei der Verbrennung von Gas.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2-1024x878.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53687\" width=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2-1024x878.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2-300x257.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2-768x658.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2-1536x1317.jpg 1536w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2-1200x1029.jpg 1200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/img624-2.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Einschichtig aufgebauter Fichtenreinbestand im Sauerland (Altersklassenwald) &#8211; Foto: Karl Josef Knoppik<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Raubbau am deutschen Wald<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Buchautor und Forstwirtschaftskritiker Peter Wohlleben beklagt seit langem den Raubbau am deutschen Wald: Der Einschlag pro Waldfl\u00e4che liege 4-mal h\u00f6her als der Weltdurchschnitt und auch noch deutlich h\u00f6her als jener in der EU (Quelle: ARD-Magazin Plusminus vom 25.8. 2022). Wo soll die ganze Biomasse herkommen? <\/p>\n\n\n\n<p>Ausgedehnte Waldgebiete werden radikal abgeerntet und in Pelletwerken verheizt, gehen in Flammen auf. Holz ist aber viel zu wertvoll, um einfach verbrannt zu werden. Der blanke Hohn ist, da\u00df dieser Wahnsinn auch noch als \u201eklimaneutral\u201c gilt. Mit demselben Recht k\u00f6nnte man auch den fossilen Brennstoff Kohle als nachhaltig bezeichnen. Fossile Energie wird aus Brennstoffen gewonnen, die in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von toten Tieren und Pflanzen entstanden. Das sind z. B. Riesen-Farne, B\u00e4rlappe oder Schachtelhalmgew\u00e4chse. Letztere gediehen in S\u00fcmpfen und Mooren. Den gr\u00f6\u00dften Bestandteil der W\u00e4lder in der Karbonzeit vor ca. 300 Mio. Jahren stellen die Farnpflanzen dar. Sie erreichten H\u00f6hen von 10 bis 15 Metern. Riesige Pflanzenmassen sammelten sich an, aus denen im Verlauf der weiteren Erdgeschichte durch langsam verlaufende chemische Prozesse unter dem Druck dar\u00fcber liegender Erdschichten die Steinkohlelagerst\u00e4tten entstanden (Quelle: Wikipedia).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Redaktion von \u201e<em>Plusminus<\/em>\u201c wollte zu diesem Problem den Wirtschaftsminister Habeck und die ebenfalls gr\u00fcne Umweltministerin Steffi Lemke interviewen. Doch von keinem der beiden Amtstr\u00e4ger war f\u00fcr die ARD-Reporter eine Stellungnahme zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen liefen zahlreiche Verb\u00e4nde gegen den Beitrag des ARD-Magazins Sturm, namentlich die S\u00e4ge- und Holzindustrie, die Fachagentur nachwachsende Rohstoffe, der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband und die Landesanstalt f\u00fcr Wald- und Forstwirtschaft (LWF). Sie alle gingen auf die Barrikaden. Das werte ich als eindeutiges Zeichen daf\u00fcr, da\u00df das \u201ePlusminus\u201c-Autorenteam und die in der Sendung zu Wort gekommenen Experten ins Schwarze trafen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens haben schon jetzt j\u00e4hrlich mehr als 20 Milliarden von fehlgeleiteten Subventionen f\u00fcr die Holzverbrennung W\u00e4lder in Europa und weltweit massiv gesch\u00e4digt, den Klimawandel und das Artensterben angeheizt und die Luftverschmutzung vorangetrieben. Derzeit wird das Verbrennen von Holz als Energierohstoff in der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie der EU \u00fcberdacht, hei\u00dft es nach Recherchen der Umweltorganisation ROBIN WOOD. Das Verfeuern von W\u00e4ldern ist nicht erneuerbar und kein Beitrag zum Klimaschutz. Der Biomassennachfragemarkt gilt bisher als gr\u00fcne Energie, weil sich damit viel Geld verdienen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pellets in Deutschland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Forst- und Holzlobby weist darauf hin, da\u00df Pellets in Deutschland zu etwa 90 Prozent aus Rest- und Abfallstoffen der S\u00e4ge- und Holzindustrie hergestellt werden. Das \u00fcbrige Zehntel werde auf Basis von nicht s\u00e4gef\u00e4higem Waldholz erzeugt, welches als Teil des Einschlags von Holz f\u00fcr die S\u00e4ge- und Holzindustrie oder bei notwendigen forstlichen Ma\u00dfnahmen, wie der Verkehrssicherung, anf\u00e4llt. An dieser Stelle mu\u00df ich darauf hinweisen, da\u00df unter dem Deckmantel der Verkehrssicherung allzu oft Kahlschlag auf breiter Front betrieben wird, ohne jede R\u00fccksicht auf Aspekte der Biodiversit\u00e4t. Der Wald wird regelrecht zu Tode genutzt. Von Nachhaltigkeit kann deshalb nicht die Rede sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles Holz, das geerntet wird, ist Teil des nat\u00fcrlichen Kreislaufs im \u00d6kosystem Wald. Dies sollte sich die Holzindustrie hinter die Ohren schreiben. Es gibt keine Biomasse welcher Art auch immer, die f\u00fcr die Wald-Lebensgemeinschaft nicht von essentieller Bedeutung w\u00e4re. Der nat\u00fcrliche Kreislauf kann doch nur funktionieren bzw. aufrechterhalten werden, wenn Biomasse, die durch Abbau- und Zerfallsprozesse st\u00e4ndig anf\u00e4llt, wieder in diesen Kreislauf zur\u00fcckgef\u00fchrt wird. Das ist Recycling in Perfektion. Von der Natur lernen, lautet die Devise!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"640\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0643-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53688\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0643-2.jpg 480w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_0643-2-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 85vw, 480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Klimaschutzwald mit hohem CO\u00b2-Speicherverm\u00f6gen und reicher Artenvielfalt &#8211; Foto: Knoppik<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Rund 50 Mio. Tonnen CO\u00b2 nimmt der deutsche Wald jedes Jahr auf.<\/strong> Aber wenn er weiter so genutzt wird wie bisher, wird dieser Wert sinken, prognostizieren Forscher des Freiburger \u00d6koinstituts in einer bereits zu Beginn des Jahres 2018 ver\u00f6ffentlichten Greenpeace-Studie (<a href=\"http:\/\/www.waldvision.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.waldvision.de<\/a>) Anhand von Computermodellen haben sie errechnet, da\u00df der Wald zu Anfang des n\u00e4chsten Jahrhunderts nur noch ca. 1\/3 der Menge absorbieren kann. Um das Aufnahmevolumen von heute auch k\u00fcnftig zu erreichen, brauche es mehr Schutzgebiete, eine \u00f6kologische Bewirtschaftung vom Rest des Waldes sowie \u201eeine moderate Verringerung des Holzeinschlags.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nur noch 2,9 % der Landfl\u00e4che befinden sich in urspr\u00fcnglichem Zustand. Eine Steigerung der Anzahl von Wildnisgebieten in Deutschland wird nach wie vor angemahnt. Momentan sind 0,6 % reine Wildnisgebiete, viel zu wenig. 2 % sollten es bis 2020 sein. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Die Interessen der Holz- und Forstwirtschaft haben sich einmal mehr durchgesetzt. Das ganze Gerede von der Politik ist damit wie eine Seifenblase zerplatzt. Nur 3 % der Waldfl\u00e4che k\u00f6nnen als Naturw\u00e4lder angesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klimagerechter Mischwald ist chancenlos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einen wesentlichen Anteil daran, da\u00df bei uns ein klimagerechter Mischwald aus heimischen Baumarten chancenlos ist, hat auch die am Troph\u00e4enkult sich erg\u00f6tzende Jagdlobby. Die Schalenwildpopulationen sind fast \u00fcberall viel zu hoch, als da\u00df die so wichtigen Edellaubh\u00f6lzer mit der Buche als Leitbaum den selektiven Wildverbi\u00df im Jugendstadium \u00fcberstehen k\u00f6nnten. Wald wird zur blo\u00dfen Kulisse eines bequemen Jagdvergn\u00fcgens und degeneriert zur reinen Holzplantage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorbildlich bewirtschaftete W\u00e4lder<\/strong>, die das Pr\u00e4dikat <em>\u00d6kologisch<\/em> und <em>Nachhaltigkeit<\/em> f\u00fcr sich in Anspruch nehmen k\u00f6nnen, gibt es in Deutschland seit vielen Jahren. Ein sehr positives Vorzeigeobjekt unter ihnen ist der L\u00fcbecker Stadtwald, zertifiziert durch den \u00d6koverband NATURLAND. Hier lag zu Beginn der 90er Jahre die durchschnittliche Holzmenge pro Hektar bei etwa 300 Kubikmetern. Inzwischen kommt man in diesem Wirtschaftswald auf fast 500 Kubikmeter. Der deutsche Durchschnitt liegt bei h\u00f6chstens 330. Das Rezept der dort verantwortlichen F\u00f6rster f\u00fcr einen h\u00f6heren Holzvorrat: Geduld und ein solides wirtschaftliches Konzept. Knut Sturm vom Stadtwald L\u00fcbeck erkl\u00e4rt: \u201eWir lassen unsere B\u00e4ume im Schnitt um mindestens 30 Jahre \u00e4lter werden als die meisten anderen Forstbetriebe. Das Holz ist dann deutlich dicker und hochwertiger. So schlagen wir insgesamt weniger Holzst\u00e4mme ein, erzielen damit jedoch h\u00f6here Preise.\u201c (Quelle Schrot &amp; Korn 10\/22). Damit lie\u00dfe sich etwa so viel verdienen wie mit einem normalen Wirtschaftswald. Gleichzeitig wird der Wald jedoch gest\u00e4rkt und kann seine Gemeinwohlfunktionen besser erf\u00fcllen. Das L\u00fcbecker Modell wurde in engem Austausch mit B\u00fcrgern, Politik, Wissenschaft und Umweltorganisationen entwickelt. Heute, 30 Jahre sp\u00e4ter, ist die positive Ver\u00e4nderung deutlich sp\u00fcrbar: \u201eMan mu\u00df kein Experte sein, um wahrzunehmen, da\u00df unser Wald dunkler, geschlossener, k\u00fchler, feuchter und offenbar ges\u00fcnder ist als viele unserer W\u00e4lder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Naturw\u00e4lder reichern mehr Holz an als Wirtschaftsforste<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4ngst ist erwiesen, da\u00df Naturw\u00e4lder, l\u00e4\u00dft man sie wachsen, mindestens doppelt so viel Holzvorr\u00e4te anreichern wie Wirtschaftsforste, so Dr. Hans Bibelriether, fr\u00fcherer Chef des Nationalparks Bayerischer Wald. In Naturw\u00e4ldern werden die B\u00e4ume 400 bis 600 Jahre alt. Das Durchschnittsalter in deutschen W\u00e4ldern liegt bei 77 Jahren. W\u00fcrde auf 5 Prozent der Fl\u00e4che keine Nutzung stattfinden, erg\u00e4be das eine viel h\u00f6here CO\u00b2-Bindung als in Wirtschaftsforsten, von der \u00fcberreichen Artenvielfalt ganz zu schweigen. Buchenreiche Naturwaldreservate mit lebendem Holzvorrat bis zu ersten Vorratsfestmetern zeigen, da\u00df in diesen W\u00e4ldern die Holzvorr\u00e4te mindestens verdoppelt werden k\u00f6nnen. Die CO\u00b2-Speicherleistung in den Waldb\u00f6den ist dabei noch gar nicht ber\u00fccksichtigt. Erst ab einem Alter von 800 Jahren halten sich Aufnahme und Abgabe von CO\u00b2 die Waage. Die Tatsache, da\u00df beachtliche 6.700 Tier- und 4.300 Pflanzenarten(!) in nat\u00fcrlichen Buchenw\u00e4ldern vorkommen, unterstreicht die \u00fcberragende Bedeutung eines Nutzungsverzichts. Darunter befindet sich ein hoher Anteil an Pilzen mit weit \u00fcber 500 Arten, au\u00dferdem Moose, Flechten, Kerbtiere, sowie hunderte von K\u00e4ferarten, die \u201eTotholz\u201c in mehreren Entwicklungsstadien besiedeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Werfen wir ein Blick nach Nordbayern<\/strong>, wo seit Jahren um einen Buchenwald-Nationalpark Steigerwald gestritten und gerungen wird. Die bayerische Staatsregierung weigert sich bis heute, dort ein Naturreservat von internationaler Bedeutung einzurichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Holzlobby und die Bayerischen Staatsforste werben vielmehr offensiv f\u00fcr ein anderes Konzept. Ihr Gegenentwurf zu einem Nationalpark lautet: \u201e<em>Sch\u00fctzen durch N\u00fctzen<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Irref\u00fchrende \u00d6ffentlichkeitskampagne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMit \u00d6ffentlichkeitskampagnen, Walderlebniszentren und Baumwipfelpfaden reklamieren sie das Thema Umweltbildung im Wald f\u00fcr sich und suggerieren der breiten \u00d6ffentlichkeit, da\u00df Wald am besten durch \u201enachhaltige Nutzung\u201c zu sch\u00fctzen sei. So wurde bspw. das 2011 vom Bayerischen Landtag beschlossene Steigerwald-Zentrum als \u201ebundesweites Vorzeigeprojekt zur nachhaltigen und umweltschonenden Waldbewirtschaftung\u201c gemacht und damit die jahrelang diskutierte Einrichtung eines Nationalparks konterkariert. (Quelle NATIONALPARK 1\/2019 \u2013 Hans-Dieter Knapp, Dipl.-Biologe).<\/p>\n\n\n\n<p>Man m\u00f6chte einen Wald, bestehend aus Gruppen von j\u00fcngeren und \u00e4lteren B\u00e4umen vorhalten. Nur: Wenn ich ihn umschneide, kann ich ihn nicht mehr sch\u00fctzen. Denn B\u00e4ume, die fr\u00fchzeitig geerntet werden, sind automatisch nicht richtig gesch\u00fctzt. Man begn\u00fcgt sich mit kleinen Inseln inmitten eines forstwirtschaftlichen genutzten Waldes. Das ist pure Augenwischerei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Ebracher Forst im Steigerwald<\/strong>, nun schon seit Jahren f\u00fcr einen NP favorisiert, wird k\u00fcnstlich jung gerechnet, obwohl hier \u00fcberall alte B\u00e4ume stehen. Die alten B\u00e4ume werden mit den jungen verrechnet, daraus wird ein Mittelwert gebildet. Und damit haben wir keine 140 bis 180 Jahre alten W\u00e4lder, sondern nur 120-j\u00e4hrige.<\/p>\n\n\n\n<p>So ein j\u00fcngerer Wald erscheint nat\u00fcrlich weniger sch\u00fctzenswert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Weltnaturerbe Steigerwald liegt am Boden.<\/strong> F\u00fcr Vertreter der Bayerischen Staatsforste sind erst 250- und 300-j\u00e4hrige Buchen alte B\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Landes-Staatswald ist in weiten Teilen ein \u00f6kologisch unreifer Wald. Der Anteil der Baumaltersklasse \u00fcber 160 Jahre erreicht gerade mal 4 Prozent. Im Laubwaldbestand liegt der Anteil der Alth\u00f6lzer bundesweit bei nur 3 Prozent, das sind 99.755 Hektar. Dabei handelt es sich h\u00e4ufig um weitgehend bereits abgeerntete, aufgelichtete Altholzbest\u00e4nde. Das nahezu vollst\u00e4ndige Fehlen von Altersphasen mit fortgeschrittener Waldentwicklung hat fatale Wirkungen auf die biologische Vielfalt unserer W\u00e4lder (NATIONALPARK 2019).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Wenn der Begriff Nachhaltigkeit in unseren W\u00e4ldern seine Berechtigung haben und nicht zur Farce werden soll, bedarf es eines behutsamen und auf strikte Sparsamkeit bedachten Umgangs mit der Ressource Holz. Anzustreben ist eine sofortige Abkehr von Monokulturen einschlie\u00dflich darin eingebrachter fremdl\u00e4ndischer Baumarten, die nur dem Zweck dienen sollen, m\u00f6glichst viel Holz zu erzeugen. Das Ziel mu\u00df aber sein, endlich auf breiter Front naturnah aufgebaute und artenreiche Mischw\u00e4lder zu begr\u00fcnden, die schonend nach dem Dauerwaldprinzip mit Augenma\u00df bewirtschaftet werden. Sie sind auch weitaus widerstandsf\u00e4higer gegen die Folgen des Klimawandels.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachhaltigkeit der deutschen W\u00e4lder, &#8211; es handelt sich ja meist um intensiv genutzte Forste, &#8211; ist l\u00e4ngst \u00fcberstrapaziert. W\u00e4lder werden in Nacht- und Nebelaktionen leerger\u00e4umt, ohne jede R\u00fccksicht ihrer organischen Substanz beraubt (\u00c4ste, Zweige f\u00fcr Schmuckreisig, \u201eTotholz\u201c, Stubben, Str\u00fcnke etc., allesamt f\u00fcr ein funktionierendes \u00d6kosystem unentbehrliche Biotop- und Strukturelemente, alles im Namen der Nachhaltigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Karl Josef Knoppik, 14. November 2022<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann aus dem Erzgebirge, pr\u00e4gte als erster im Jahre 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit. Dieser wurde im fr\u00fchen 18. 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