{"id":52600,"date":"2022-06-29T21:04:19","date_gmt":"2022-06-29T19:04:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=52600"},"modified":"2022-06-29T21:04:19","modified_gmt":"2022-06-29T19:04:19","slug":"ein-priester-als-nsdap-parteiorganisator-im-katholischen-landschaftsgefuege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ein-priester-als-nsdap-parteiorganisator-im-katholischen-landschaftsgefuege\/","title":{"rendered":"Ein Priester als NSDAP-Parteiorganisator im katholischen Landschaftsgef\u00fcge"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einblicke in ein Publikationsprojekt \u00fcber Lorenz Pieper (1875-1951)<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/2022062901CoverAmAnfangWarDerHass-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-52601\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/2022062901CoverAmAnfangWarDerHass-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/2022062901CoverAmAnfangWarDerHass-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/2022062901CoverAmAnfangWarDerHass-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/2022062901CoverAmAnfangWarDerHass.jpg 1057w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Buchumschlag \u201eAm Anfang war der Hass\u201c <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Werner Neuhaus (Sundern) und ich haben in diesem Sommer ein umfangreiches Werk ver\u00f6ffentlicht \u00fcber den Lebensweg eines sauerl\u00e4ndischen Geistlichen aus dem Gef\u00fcge des Sozialkatholizismus, der sich ab Ende des 1. Weltkrieges ganz dem v\u00f6lkischen Nationalismus und Judenhass verschrieben hat: Dr. Lorenz Pieper (1875-1951), geboren in Meschede-Eversberg, trat schon 1922 als Kaplan von H\u00fcsten der NSDAP bei. Er wurde 1923 sogar f\u00fcr einige Monate Mitarbeiter Adolf Hitlers und hielt von M\u00fcnchen aus im schwarzen Priesterrock zahlreiche NS-Propagandavortr\u00e4ge.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Ein Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kein anderer r\u00f6misch-katholischer Kleriker in Deutschland hat so fr\u00fch ein Parteibuch der Nationalsozialisten erhalten. Kurz vor der sogenannten Machtergreifung 1933 bekannte der gewaltbereite Antisemit: \u201eUnd naturgem\u00e4\u00df wurde ich ein Soldat Hitlers. Es ist mein Stolz, dass ich gleich zu Anfang der Bewegung zu ihr stie\u00df!\u201c \u201eDas Wort \u201aDas ist der Sieg, der die Welt \u00fcberwindet: unser Glaube!\u2018 gilt auch von unserer Bewegung. Der <em>Sieg<\/em> steht felsenfest!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eEvangelium\u201c Hitlers wurde f\u00fcr Lorenz Pieper anstelle der christlichen Botschaft zur zentralen Sinngebung seines Lebens. Bis hin zum Schluss wird er seinem \u201eF\u00fchrer\u201c die Treue halten. Zu den Widerspr\u00fcchen dieses Fanatikers geh\u00f6rt allerdings auch sein Widerstand gegen die planm\u00e4\u00dfig betriebene Ermordung von Kranken w\u00e4hrend der Zeit als Anstaltsgeistlicher in Warstein.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger-1024x579.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-52602\" width=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger-1024x579.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger-300x170.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger-768x434.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger-1536x869.jpg 1536w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger-2048x1158.jpg 2048w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/04-Roth_Pieper_repro_pbuerger-1200x679.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><figcaption>Die nationalsozialistischen Kleriker Joseph Roth (1897-1941) aus M\u00fcnchen, links, und Lorenz Pieper (1875-1951) aus dem Sauerland, in der Mitte, bei einem Treffen \u201ebrauner Priester\u201c, vermutlich im Jahr 1933. (Foto-Reproduktion: Peter B\u00fcrger (Original im Pieper-Nachlass, Abtei K\u00f6nigsm\u00fcnster).)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ohne Lorenz Pieper w\u00e4ren viele NSDAP-Aktivit\u00e4ten zur Zeit der Weimarer Republik im <em>katholischen \u201aZentrums-Sauerland\u2018<\/em> wohl kaum m\u00f6glich gewesen. Schon im Mai 1922 plant er eine nationalsozialistische Gr\u00fcndung in H\u00fcsten und meldet in einem Eintrag vom 8.10.1922: \u201eVor 14 Tagen habe ich es erm\u00f6glicht, dass von Hagen aus auch hier ein nationalsozialistischer Redner sprach; es war eine vorl\u00e4ufige kleine Versammlung, bei der ca. 15 Mitglieder beitraten; aber immerhin haben wir nun eine kleine Ortsgruppe hier, die weiter arbeitet und den V\u00f6lkischen Beobachter h\u00e4lt.\u201c (Nach Ausweis der NSDAP-Mitgliederkartei ist Pieper im Laufe der Jahre bis 1945 noch f\u00fcr folgende lokale Gliederungen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei eingetragen gewesen: Wehrden \u2013 H\u00f6xter, Halingen \u2013 Menden \u2013 Langschede, Eversberg, M\u00fcnster, Warstein \u2013 Suttrop und zuletzt Meschede.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>NSDAP-Gr\u00fcnderzeit an der Weser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der n\u00e4chsten Pfarrstelle, die seinem M\u00fcnchener Einsatz bei Hitler ab dem 23. Oktober 1923 folgt, f\u00fchrt er die Parteiagitation fort. Dazu vermerkt sein Parteigenosse Eduard Schulte: \u201eAn der Weser setzte sofort Pieper altes Ringen um Deutschlands Zukunft wieder ein, als er dort Pfarrvikar in Wehrden bei H\u00f6xter wurde. F\u00fcr die NSDAP und den Jungdo [Jungdeutschen Orden] war er aufs intensivste t\u00e4tig, privat und \u00f6ffentlich, rednerisch und journalistisch, bei Bannerweihen und Aufm\u00e4rschen. \u2026 Die Ausbreitung des Hitler-Gedankens an der mittleren Weser und im Paderborner Lande ist wesentlich ihm mit zu verdanken; dabei diente Pieper dem unerm\u00fcdlichen Wegbereiter der NSDAP in Norddeutschland, dem allzu fr\u00fch verstorbenen \u201aRucksack-Major\u2018 Dinklage (Hannover)\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreisleiter Dr. Heinrich Trost schreibt in seinem Beitrag \u201eDie Entwicklung des Nationalsozialismus in Stadt und Kreis H\u00f6xter\u201c f\u00fcr die Festausgabe \u201a50 Jahre Huxaria\u2018 im November 1933 r\u00fcckblickend: \u201eNach einem verhei\u00dfungsvollen Anfang, der in einigen gut besuchten Versammlungen, in denen u.a. auch der Bergmann Heinrich Dolle sprach, zum Ausdruck kam, begann ein ebenso schneller Abstieg, an dessen Ende unsere kleine Gruppe und einige Vertreter des Blocks, darunter der verdienstvolle Vork\u00e4mpfer in unserem Gebiete, der Vikar Dr. Pieper, als verlorener Haufen \u00fcbrig blieb. Damit schloss das Jahr 1924; Ende Dezember war der F\u00fchrer aus der Festungshaft in Landsberg entlassen worden. \u2026 Die Mitglieder mussten wir pers\u00f6nlich werben und an dem Defizit einer Versammlung hatten wir monatelang zu tragen. Wir verlegten unsere Versammlungst\u00e4tigkeit daher auf die D\u00f6rfer, wo die S\u00e4le nichts kosteten und handgeschriebene Versammlungsplakate gen\u00fcgten. Vor allem waren es die D\u00f6rfer Boffzen, Amelunxen und Wehrden, die schon fr\u00fchzeitig bearbeitet wurden.\u201c Christoph Reichardt und Wolfgang Sch\u00e4fer res\u00fcmieren in ihrem Buch \u201aNationalsozialismus im Weserbergland\u2018: \u201eAm 23. Oktober 1923 trat Pieper zun\u00e4chst stellvertretend die Stelle des Pfarrvikars in Wehrden an der Weser an, die er im September 1928 wieder verlie\u00df, um nach Halingen bei Menden versetzt zu werden. In diesen wenigen Jahren wurde Pieper zum gl\u00fchenden Vork\u00e4mpfer der NS-Bewegung im Weserbergland\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201ebewusster Anspielung auf das jungdeutsche Credo Lorenz Piepers\u201c \u2013 so Wieland Vogel \u2013 hat der Breslauer Ortsbischof Kardinal Adolf Bertram \u00fcbrigens am 10. Januar 1924 seine Absage an den v\u00f6lkischen Jungdeutschen Orden formuliert: \u201eDer Umstand, da\u00df sich in einzelnen Gegenden Deutschlands Katholiken vereinzelt und selbst katholische Geistliche von dieser Bewegung ergreifen lassen, beweist nichts. Es gibt bei solchen Bewegungen stets M\u00e4nner von wenig Lebenserfahrung, die nicht merken, wohin eigentlich die Fahrt geht. \u2026 Ich werde unter keinen Umst\u00e4nden dulden, dass ein Priester meiner Di\u00f6zese dieselbe f\u00f6rdert oder ihr beitritt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Von Wehrden aus war Dr. Lorenz Pieper in der Fr\u00fchzeit der Weimarer Republik beteiligt an \u00fcberregionalen Bestrebungen zur Vernetzung der Rechtskatholiken in einem zu gr\u00fcndenden \u201eRing\u201c, wobei auch seine M\u00fcnchener Verbindungen zum Zuge kommen sollten. Federf\u00fchrend bei den Paderborner Vernetzungsaktivit\u00e4ten war der Rechtskatholik Ferdinand Freiherr von L\u00fcninck aus Ostwig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Brauner Partei-Aktivismus im Raum Menden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00e4chsten Seelsorgeort Halingen ist Lorenz Pieper nach dem 1. September 1928 alsbald Organisator einer eigenen NSDAP-Sektion am Ort. Seine dortigen \u201aPredigten\u2018 f\u00fcr den Nationalsozialismus wirken sich bei Wahlen zugunsten der Partei aus, und die Dekanatskonferenz Menden sieht \u201edie Gefahr eines nationalsozialistischen Einbruchs in die katholische Zentrumsfront\u201c. Nicht nur im Vergleich zu anderen Orten des Amtes Menden sind die Wahlergebnisse der NSDAP in Halingen geradezu spektakul\u00e4r (Reichstagswahl 1930: \u00fcber 27 %; Reichstagswahl M\u00e4rz 1933: 44,3 %). Anton Schulte hat die Stimmenzuw\u00e4chse 1995 in einer Ortschronik f\u00fcr Halingen differenziert dargestellt und kommt zu folgenden Schl\u00fcssen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie prozentualen Stimmenanteile des Halinger Zentrums gingen zwischen 1919 und 1933 von 82 % auf 35,3 % zur\u00fcck, f\u00fcr eine alte Zentrumshochburg bedeutete dies einen ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen W\u00e4hlerverlust. Er erfolgte allerdings w\u00e4hrend der vierzehn Jahre nicht gleicherma\u00dfen kontinuierlich. \u2026 In keiner der \u00fcbrigen Gemeinden des Amtes Menden und auch nicht in der Stadt Menden war der R\u00fcckgang der Zentrumsstimmen derart gro\u00df wie in Halingen. \u2026 Hier wirkte sich \u2013 keine andere Erkl\u00e4rung liegt n\u00e4her \u2013 der Einfluss eines Mannes aus, der zu diesem Zeitpunkt aufgrund einer Verf\u00fcgung der erzbisch\u00f6flichen Beh\u00f6rde vom 30. Dezember 1932 Halingen schon hatte verlassen m\u00fcssen \u2013 des Pfarrvikars Dr. Lorenz Pieper. \u2013 In den vier Jahren seiner Halinger T\u00e4tigkeit hatte Pieper nicht nur als Seelsorger, sondern auch aufgrund der Ausstrahlungskraft seiner Pers\u00f6nlichkeit, die andere f\u00fcr sich einzunehmen verstand, an Ansehen und Einfluss gewonnen. \u2026 In seinen Ansprachen anl\u00e4sslich nationaler Feiertage betonte er den Wert vaterl\u00e4ndisch-nationaler Gesinnung. \u2013 Pieper machte nie ein Hehl aus seiner Sympathie f\u00fcr Hitler und die NS-Ideologie. Zu den f\u00fchrenden K\u00f6pfen des (Partei-) Gaues Westfalen-S\u00fcd oder der Mendener NSDAP-Ortsgruppe um Wilhelm Pferdek\u00e4mper hielt er enge Verbindung. Der NSDAP galt er als eine Art Aush\u00e4ngeschild, als Beweis f\u00fcr die angebliche Vereinbarkeit von Christentum und Nationalsozialismus. \u2026 Die Entfernung Piepers aus seiner Halinger Pfarrvikarstelle war f\u00fcr die NS-Presse ein Anlass zu heftigen Vorw\u00fcrfen und Angriffen gegen die kirchlichen Beh\u00f6rden. Dabei hob sie die zweifelsohne bemerkenswerte pers\u00f6nliche Anspruchslosigkeit des Pfarrvikars sowie seine nationale Gesinnung hervor und feierte ihn als einen ihrer M\u00e4rtyrer. Sie konnte in ihrer Argumentation auf die Zustimmung gro\u00dfer Teile der Halinger Bev\u00f6lkerung rechnen, die Pieper am Abend vor seinem Weggang mit einem Fackelzug ehrte. \u2026 Seit den Kulturkampftagen hatten katholische Geistliche ihren seelsorgerischen Einfluss zugunsten der Zentrumspartei einzusetzen verstanden. Der kirchliche \u201aAu\u00dfenseiter\u2018 Pieper dagegen arbeitete nicht ohne Erfolg gegen die \u00fcberkommene Vorherrschaft des Zentrums in Halingen. Auch wenn nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass wegen der Weltwirtschaftskrise und der damit einhergehenden politischen Staatskrise die NSDAP f\u00fcr manchen bisherigen Zentrumsw\u00e4hler als eine hoffnungsvolle Alternative erscheinen mochte, darf Piepers Einfluss auf das Wahlverhalten vieler Halinger zwischen 1930 und 1933 nicht untersch\u00e4tzt werden. Seine Gedanken und Anregungen \u2026 entsprachen in ihrer politischen Tendenz auch den nationalen und \u201av\u00f6lkischen\u2018 Grundstr\u00f6mungen in den Jahren der Endkrise der Weimarer Republik.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Buch \u00fcber die politische Geschichte Mendens (1989) bezieht Anton Schulte auch noch einen zweiten Priester in seine \u00dcberlegungen mit ein: \u201eEine lokale Sonderrolle bei der wachsenden Verschiebung der W\u00e4hlerschaft zu Lasten jener Parteien, die den demokratischen Staat bejahten, spielten die beiden katholischen Geistlichen Dr. Lorenz Pieper, Pfarrvikar in Halingen, und Dr. Ferdinand Heimes, von 1924 bis 1938 Religionslehrer am damaligen Walburgis-Lyceum. Sie setzten sich z.T. massiv im Sinne der nationalsozialistischen Welt\u00adanschauung ein und verunsicherten damit die bisher relativ ge\u00adschlossene Front des katholischen Bev\u00f6lkerungsteils. Die Gefahr eines nationalsozialistischen Einbruchs in die katholische Zentrumsfront wurde von den Dekanatskonferenzen nicht untersch\u00e4tzt. Das best\u00e4tigt eine der \u00d6ffentlichkeit \u00fcbergebene Erkl\u00e4rung zur Septemberwahl 1930, in der es hei\u00dft: \u201aDie Nationalsozialisten benutzen im Wahlkampf vereinzelt ihnen nahestehende katholische Geistliche als Aush\u00e4ngeschild \u2026 Ihre politischen Ansichten lehnen wir als verh\u00e4ngnisvollen Irrweg ab\u2018.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sp\u00e4te Amtsenthebung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lange lie\u00df man Lorenz Pieper einfach gew\u00e4hren. Doch 1930 und 1931 muss das Paderborner Generalvikariat den Priester dazu aufgefordert haben, seine NSDAP-Mitgliedschaft aufzugeben. Wegen anhaltender politischer Agitation folgt Ende Dezember 1932 die Mitteilung, dass er zum 15. Januar 1933 seines Amtes enthoben wird. Das entsprechende, von Erzbischof Caspar Klein und Vertretern des Generalvikariats am 30.12.1932 unterzeichnete Verwaltungsdokument vermerkt \u00fcber den Priester Dr. Lorenz Pieper: \u201eEine andere Seelsorgestelle wird ihm nicht wieder \u00fcbertragen. \u2026 Jede \u00f6ffentliche politische T\u00e4tigkeit in der Politik wird ihm untersagt. \u2026 \u00dcber seine Pension wird eine besondere Verordnung erlassen. \u2026 Die Personalakten dieses Priesters f\u00fcllen 2 starke Aktenb\u00e4nde \u2026. Die Eigenart dieses Priesters ist gekennzeichnet durch Eigensinn und unbelehrbare Starrk\u00f6pfigkeit \u2026 und einen Hochmut, der ihn zu immer neuen Konflikten f\u00fchrte und selbst zu Frechheiten gegen\u00fcber seiner [Bischofs-]Beh\u00f6rde verleitete \u2026. Durch diese von ihm nie hinreichend unterdr\u00fcckten Charakterfehler haben seine anerkennenswerten Gaben des Geistes und des Gem\u00fctes f\u00fcr die Seelsorge nie zur segensreichen Geltung kommen lassen [sic]. Wo immer er in der Seelsorge t\u00e4tig gewesen ist, mu\u00dften seine Pfarrer \u2026 bei der Beh\u00f6rde \u00fcber ihn Beschwerde f\u00fchren. Die Gemeinden sind durch \u2026 seine \u00f6ffentliche nichtseelsorgerische Bet\u00e4tigung in Verwirrung und Gegens\u00e4tze mancherlei Art hineingetrieben worden. Aus keiner seiner Stellen ist er in Frieden geschieden\u201c. Lokale Sympathisanten und die NSDAP-Presse nutzten diesen Bescheid f\u00fcr eine Kampagne. Die R\u00fcckkehr L. Piepers in seine Heimatstadt gab Anlass zu einer wirkungsvollen Inszenierung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Altkreis Meschede<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die sechst\u00e4lteste NSDAP-Ortsgruppe des Kreises Meschede war nun die lokale Parteigliederung in Piepers Geburtsort Eversberg, gegr\u00fcndet im Oktober 1931. In deren Chronik von 1938 hei\u00dft es f\u00fcr die \u201aZeit der ersten Anfeindungen\u2018: \u201eUnser Landsmann, Pfarrvikar Dr. Lorenz Pieper (Halingen), der uns stets mit Parteizeitungen und sonstigem Werbematerial versah, war den Eversbergern ein leuchtendes Vorbild, so dass trotz allem die Stimmenzahl von Wahl zu Wahl anstieg, und zwar derartig, dass noch bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 ein Zuwachs gegen\u00fcber dem Juli 1932 von 15 Prozent zu verzeichnen war\u201c. \u2013 \u00dcber das RAD-Nebenlager Eversberg schreibt Rudolf Franzen: \u201eEin besonderer F\u00f6rderer dieses kleinen Lagers war \u2026 Pieper.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrich Hillebrand hat auf der Grundlage von Zeitzeugenberichten der 1980er Jahre mitgeteilt: \u201e\u00c4ltere Mitb\u00fcrger erinnern sich noch, dass Pieper Nationalsozialisten in Parteiuniform kirchlich traute. So f\u00fchrte Pieper im Jahre 1932 die kirchliche Trauung des Briloner Kreisleiters durch, nachdem die katholische Geistlichkeit dieses abgelehnt hatte. Pieper zelebrierte im Januar 1934 auch das Brautamt f\u00fcr den damaligen Standartenf\u00fchrer Schulte-Mimberg in der Mescheder Walburga-Kirche. Es war damals die erste \u201abraune Hochzeit\u2018 im Kreis Meschede.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u201aEntnazifizierungsverfahren Lorenz Pieper\u2018 vermerkt der Ausschuss f\u00fcr die Kreise Arnsberg, Meschede und Brilon in seinem Beschluss vom 6. Oktober 1948 zu Piepers Wegbereiterfunktion in der Landschaft: \u201eDer Berufungsausschuss konnte nicht au\u00dfer Acht lassen, dass die Beurteilung des Dr. Pieper, der im Sauerlande allenthalben bekannt ist und bei der Durchdringung des Sauerlandes durch den Nazismus wesentlichen Anteil hat, in s\u00e4mtlichen Bev\u00f6lkerungskreisen ein lebhaftes Echo zur Folge haben mu\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>**************************************************<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neuerscheinung (Buch):<\/strong><br><em>Peter B\u00fcrger \u2013 Werner Neuhaus (Hg.): Am Anfang war der Hass. Der Weg des katholischen Priesters und Nationalsozialisten Lorenz Pieper (1875-1951): Erster Teil. Schmallenberg: Woll-Verlag 2022.<\/em><br><em>(Forschung &amp; Quellen; ISBN: 978-3-948496-49-4 <span><a href=\"javascript:\"><img decoding=\"async\" identifier=\"978-3-948496-49-4\" identifiertype=\"2\" title=\"Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt \u00fcbernehmen\" existsinproject=\"0\" class=\"citavipicker\" style=\"border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important;\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg\"><\/a><\/span>; 652 Seiten; Fester Einband; 29,90 Euro; <\/em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.woll-verlag.de\/\" target=\"_blank\"><em>www.woll-verlag.de<\/em><\/a><em>) <\/em>\u2013 Im nahen Buchhandel bestellbar<em>. <\/em>Ein zweiter Teil mit den Schwerpunkten \u201eEuthanasie-Morde\u201c und \u201eEntnazifizierung\u201c soll 2023 erscheinen.<br><br><strong>Inhaltsverzeichnis des neuen Buches (PDF-Leseprobe)<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/06-INHALT_uebersicht_AmAnfangHass.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von Einbettung von Inhalts\u00fcbersicht Am Anfang war der Hass..\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-a9036e45-7e31-417b-9e50-dda8ce8ecdd2\" href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/06-INHALT_uebersicht_AmAnfangHass.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Inhalts\u00fcbersicht Am Anfang war der Hass<\/a><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/06-INHALT_uebersicht_AmAnfangHass.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-a9036e45-7e31-417b-9e50-dda8ce8ecdd2\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einblicke in ein Publikationsprojekt \u00fcber Lorenz Pieper (1875-1951) Werner Neuhaus (Sundern) und ich haben in diesem Sommer ein umfangreiches Werk ver\u00f6ffentlicht \u00fcber den Lebensweg eines sauerl\u00e4ndischen Geistlichen aus dem Gef\u00fcge &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ein-priester-als-nsdap-parteiorganisator-im-katholischen-landschaftsgefuege\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEin Priester als NSDAP-Parteiorganisator im katholischen Landschaftsgef\u00fcge\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[218,319,80,7507],"tags":[526,9019],"class_list":["post-52600","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bucher","category-geschichte","category-lokales","category-nationalsozialismus","tag-katholische-kirche","tag-lorenz-pieper"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52600\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}