{"id":5098,"date":"2009-10-06T21:53:46","date_gmt":"2009-10-06T19:53:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=5098"},"modified":"2009-10-06T22:13:30","modified_gmt":"2009-10-06T20:13:30","slug":"ein-drama-aus-dem-sauerland-ende-der-bleiberechtsregelung-%e2%80%93-freunde-der-volkerbegegnung-informieren-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ein-drama-aus-dem-sauerland-ende-der-bleiberechtsregelung-%e2%80%93-freunde-der-volkerbegegnung-informieren-sich\/","title":{"rendered":"Ein Drama aus dem Sauerland: Ende der Bleiberechtsregelung \u00e2\u20ac\u201c Freunde der V\u00f6lkerbegegnung informieren sich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Heute erschien ein sehr informativer und bewegender Kommentar in unserem Blog. Damit m\u00f6glichst noch mehr Menschen vom Schicksal der Roma und Ashkali im Sauerland erfahren, ver\u00f6ffentlichen wir\u00a0 ihn nachfolgend als eigenst\u00e4ndigen Artikel. Eingestreut sind Teile der Dokumentation &#8222;Die Abschieber&#8220; aus dem Jahr 2005. Unbedingt sehenswert!<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Schon seit Jahrzehnten sind vielen Meschederinnen und Meschedern \u00e2\u20ac\u017eDie Freunde der V\u00f6lkerbegegnung\u00e2\u20ac\u0153 (FdV) ein Begriff. Sie verbinden mit dem Verein Gedanken und Erinnerungen an Reisen in Partnerst\u00e4dte z.B. in England, Frankreich und den USA , internationale Feste und Begegnungsabende. Der Name ist Programm \u00e2\u20ac\u201c Die Freunde der V\u00f6lkerbegegnung m\u00f6chten Menschen aus anderen L\u00e4ndern vorurteilslos begegnen, sie kennen und verstehen lernen.<br \/>\n<object width=\"425\" height=\"344\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/A3CRyfXc-HU&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/A3CRyfXc-HU&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"425\" height=\"344\"><\/embed><\/object><br \/>\nKontakte kn\u00fcpfte der FdV aber auch zu Menschen mit nicht deutschen Wurzeln, die unter uns in Meschede leben, wie beispielsweise zu Mitgliedern der portugiesischen Gemeinde in Meschede. Und das Stammlokal der \u00e2\u20ac\u017eFreunde\u00e2\u20ac\u0153 ist ein griechisches mit dem geschichtstr\u00e4chtigen Namen \u00e2\u20ac\u017eZum Pulverturm\u00e2\u20ac\u0153. Die Vorstandsmitglieder treffen sich da ab und an und planen die n\u00e4chsten Aktivit\u00e4ten. Aus aktuellem Anlass wurde die Vorstandssitzung Anfang Oktober 2009 einem bestimmten Thema gewidmet \u00e2\u20ac\u201c dem \u00e2\u20ac\u017eEnde der Bleiberechtsregelung\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n<p><strong>Ende der Bleiberechtsregelung? Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p>Wer kann das besser erl\u00e4utern, als ein Betroffener?! Mit Spannung und Interesse h\u00f6rten die FdVer die Lebensgeschichte eines jungen Mannes, der im Alter von 6 Jahren mit seiner Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien fl\u00fcchten musste. Wir erinnern uns, es herrschte dort B\u00fcrgerkrieg.<br \/>\n<object width=\"425\" height=\"344\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/bmvIAnCN4yg&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/bmvIAnCN4yg&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"425\" height=\"344\"><\/embed><\/object><br \/>\nGeh\u00f6rt man der ethnischen Minderheit der Volksgruppe Ashkali an, wie der jetzt 25j\u00e4hrige Gast der Freunde der V\u00f6lkerbegegnung, war man damals in dieser Region noch st\u00e4rker bedroht und gef\u00e4hrdet als die anderen Jugoslawen.<\/p>\n<p><strong>Ashkali?<\/strong> &#8211; Im Internet findet sich folgende Info:<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eBei den Ashkali \/ Aschkali handelt es sich um eine ethnische Minderheit im Kosovo. Sie sprechen die albanische Sprache. Eine Vielzahl glaubt, dass ihre Vorfahren in der Zeit Alexander des Gro\u00dfen aus \u00c4gypten den Kosovo kamen und dort die ersten Bewohner waren. Andere wiederum sind der \u00dcberzeugung, sie seien w\u00e4hrend der Osmanischen Herrschaft aus der T\u00fcrkei zugewandert.<\/p>\n<p>und<\/p>\n<p><strong>Die Ashkali<\/strong> befinden sich derzeit im Kosovo ebenso wie die Roma und Kosovo-\u00c4gypter in einer \u00e2\u20ac\u0153bedrohlichen\u00e2\u20ac\u009d Situation. Sie leben oft im \u00e2\u20ac\u0153Verborgenen\u00e2\u20ac\u009d unter der albanischen Bev\u00f6lkerung. W\u00fcrde man sie als Ashkali \u00e2\u20ac\u0153erkennen\u00e2\u20ac\u009d, w\u00fcrden sie vertrieben werden.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p><strong>Der junge Mann<\/strong> berichtete weiter von seinen Erlebnissen in Deutschland. Die Familie kam zun\u00e4chst nach Steinfurt und fristete ihr Leben in einer gro\u00dfen Turnhalle, zusammen mit Menschen aus 10 verschiedenen Nationen. Nach 6 Monaten wurde sie f\u00fcr weitere 6 Monate in einer alten Schule untergebracht. \u00e2\u20ac\u017eDeutschland war damals \u00fcberfordert mit den vielen Fl\u00fcchtlingen\u00e2\u20ac\u0153, meint er r\u00fcckblickend. Praktische Hilfe und Unterst\u00fctzung h\u00e4tten sie damals weder beh\u00f6rdlicherseits noch von Privatpersonen erfahren. \u00e2\u20ac\u017eEs war f\u00fcr alle sehr schwierig.\u00e2\u20ac\u0153 Dann h\u00e4tte eine Gemeinde im Hochsauerland die Familie \u00e2\u20ac\u017e\u00fcbernehmen\u00e2\u20ac\u0153 m\u00fcssen. Eltern und drei Kindern wurde eine Einzimmerwohnung zugewiesen. Er selbst h\u00e4tte im weiteren Lebensverlauf sehr viel Gl\u00fcck gehabt. Schulbesuch &#8211; eine hilfsbereite Sauerl\u00e4nderin unterst\u00fctze ihn beim Lernen &#8211; erfolgreicher Schulabschluss, Lehre, Arbeitstelle. Und das alles, obwohl er die ganzen Jahre hindurch nur eine sogenannte Duldung hatte.<\/p>\n<p><strong>Duldung?<\/strong> \u00e2\u20ac\u201c Dazu steht im Internet:<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eDie Duldung ist nach der Definition des deutschen Aufenthaltsrechts \u00e2\u20ac\u0153vor\u00fcbergehende Aussetzung der Abschiebung ausreisepflichtigen Ausl\u00e4ndern und stellt damit keinen Aufenthaltstitel dar. \u00a7 60a Aufenthaltsgesetz regelt, wer eine Duldung erh\u00e4lt. Die Duldung dient ausschlie\u00dflich dazu, dem Ausl\u00e4nder zu bescheinigen, dass von einer Durchsetzung der bestehenden Ausreisepflicht f\u00fcr den genannten Zeitraum abgesehen wird. Mit der Duldung wird lediglich die rechtliche Situation eines Ausl\u00e4nders klargestellt, dessen gesetzliche vollziehbare Ausreisepflicht derzeit nicht im Wege der Verwaltungsvollstreckung durchgesetzt werden kann. Der Aufenthalt eines Ausl\u00e4nders wird mit der Duldung keineswegs legalisiert. Ein Duldungsinhaber h\u00e4lt sich somit widerrechtlich im Bundesgebiet auf. An eine Duldung k\u00f6nnen Auflagen gekn\u00fcpft werden. Die Duldung erlischt mit der Ausreise des Ausl\u00e4nders.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p><strong>1990 bis 2009 <\/strong>&#8211; So lange leben der junge Mann, seine Eltern und die mittlerweile vier Geschwister in Deutschland, davon 18 Jahre in der Gemeinde im Sauerland. Er und sein einige Jahre j\u00fcngerer Bruder sind in festen Arbeitsverh\u00e4ltnissen und haben zum Gl\u00fcck, nach langen Jahren der Duldung, eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Die anderen Familienmitglieder leben mit der bedr\u00fcckenden Aussicht, Deutschland von heute auf morgen verlassen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Arbeitserlaubnis und Duldung<\/strong> \u00e2\u20ac\u201c Duldung und Arbeitserlaubnis. Da bei\u00dft sich die Katze in den Schwanz; denn an eine Arbeitserlaubnis ist f\u00fcr Menschen, die unter die \u00e2\u20ac\u017eDuldung\u00e2\u20ac\u0153 fallen, kaum zu denken. Die Regel lautet: Ein frei werdender Arbeitsplatz wird erst mit einem Deutschen und, falls sich kein Deutscher findet, mit einem EU-Ausl\u00e4nder besetzt. Ab und an kann es kurzfristig eine zumeist schlecht bezahlte Arbeitsstelle geben. Das was man da verdient, reicht in der Regel nicht aus, die Kriterien des Gesetzes zum Erhalt des Bleiberechts zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Die gesetzlichen H\u00fcrden<\/strong> f\u00fcr Asylbewerber sind sehr hoch. Nur wenige derer, die unter dieses Gesetz fallen, k\u00f6nnen bis Ende 2009, also bis zum Auslaufen der jetzigen Regelung, die f\u00fcr einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland erforderliche Einkommensh\u00f6he erreichen, zumal in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftskrise. All diesen Menschen droht die Abschiebung!<br \/>\n<object width=\"425\" height=\"344\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/N1-vaosalqw&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/N1-vaosalqw&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"425\" height=\"344\"><\/embed><\/object><br \/>\n<strong>Vater, Mutter<\/strong> und die beiden j\u00fcngsten Geschwister des 25j\u00e4hrigen w\u00fcrden dann in den Kosovo abgeschoben. Das bedeutet f\u00fcr Angeh\u00f6rige einer ethnischen Minderheit wie Roma und Ashkali eine besondere H\u00e4rte und Gefahr.<\/p>\n<p>Ein Blick in`s \u00e2\u20ac\u017ewww\u00e2\u20ac\u0153 macht deutlich<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eDie Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International haben auf die ungebrochene Gef\u00e4hrdungssituation f\u00fcr Roma im Kosovo aufmerksam gemacht: Im Kosovo sei die Roma-Minderheit nach wie vor Gewaltakten ausgesetzt; die Beh\u00f6rden w\u00fcrden keine geeigneten Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Minderheit und zur Aufkl\u00e4rung solcher Straftaten ergreifen.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p>und<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eSeit der<strong> einseitigen Anerkennung<\/strong> der Republik Kosovo durch einige NATO-Staaten im vergangenen Jahr laufen die Vorbereitungen f\u00fcr neue Massenabschiebungen in den Kosovo. Im November 2008 hat die UNMIK \u00e2\u20ac\u201c die UN-Verwaltung des Kosovo \u00e2\u20ac\u201c die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr R\u00fcckf\u00fchrungsfragen an die neue kosovarische Regierung abgegeben. Und diese ist zur Aufnahme der Fl\u00fcchtlinge in Europa bereit. Zehntausenden Roma und Ashkali steht die Abschiebung bevor. Den Abgeschobenen drohen im Kosovo massive soziale Ausgrenzung und ethnische Verfolgung. \u00dcbergriffe durch Polizei und albanische Nationalisten, systematische Benachteiligung durch die Beh\u00f6rden, fehlende Gesundheits- und Sozialversorgung bestimmen ihr Leben.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p>Bisher waren Roma und Ashkali aus dem Kosovo auf Grund der besonderen Gef\u00e4hrdungslage durch zwischenstaatliche \u00dcbereinkommen vor Abschiebung gesch\u00fctzt. Seit Sommer 2009 gibt es aber ein R\u00fcck\u00fcbernahmeabkommen zwischen Deutschland und der Republik Kosovo. Medien berichten \u00fcber eine bevorstehende Abschiebewelle. Pressemitteilungen zufolge startete bereits am 29.09.2009 ein \u00e2\u20ac\u017eAbschiebeflugzeug\u00e2\u20ac\u0153 von D\u00fcsseldorf aus nach Prishtina. Unter den an Bord befindlichen Kosovaren h\u00e4tten sich 12 Roma befunden, davon 4 aus NRW.<br \/>\n<strong>Der Hochsauerlandkreis best\u00e4tigte am 29.09.2009 auf Anfrage, er beabsichtige nicht, in n\u00e4chster Zeit Kosovo-Roma abzuschieben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir k\u00f6nnen dem jungen Mann aus Ex-Jugoslawien nur w\u00fcnschen, dass er sich auf diese Aussage verlassen kann!<\/strong><\/p>\n<p>Er st\u00fcnde im Fall der Abschiebung seiner vier Familienangeh\u00f6rigen vor einem gro\u00dfen Gewissenskonflikt. L\u00e4sst er seine Eltern und die beiden j\u00fcngsten Geschwister allein in eine ungewisse Zukunft ziehen? Gibt er seine langj\u00e4hrige Arbeitsstelle auf und damit eine recht vielversprechende Lebensperspektive und geht mit in den Kosovo? Wird auch der andere Bruder Beruf und Festanstellung in Meschede aufgeben? Kann er es verantworten, die Mutter und den schwer kranken Vater, den j\u00fcngsten Bruder und die Schwester allein in das Land gehen lassen, in dem eine nahezu 100prozentige Arbeitslosigkeit herrscht und in dem sie als Minderheit verfolgt werden?<\/p>\n<p><strong>Das Res\u00fcmee<\/strong> dieses Abends im gem\u00fctlichen griechischen Lokal:<\/p>\n<p>Im Kosovo begegnen sich die V\u00f6lker leider unter weitaus ung\u00fcnstigeren Vorzeichen und Bedingungen als in Meschede!<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches Res\u00fcmee:<\/p>\n<p>Viel Aufkl\u00e4rungsarbeit ist vonn\u00f6ten. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn die Presse dabei mithelfen w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Gabi&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute erschien ein sehr informativer und bewegender Kommentar in unserem Blog. 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