{"id":50862,"date":"2021-12-19T20:12:10","date_gmt":"2021-12-19T19:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=50862"},"modified":"2021-12-19T21:21:01","modified_gmt":"2021-12-19T20:21:01","slug":"erste-stellungnahme-des-expertenrates-der-bundesregierung-zu-covid-19einordnung-und-konsequenzen-der-omikronwelledatum-der-veroeffentlichung-19-12-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/erste-stellungnahme-des-expertenrates-der-bundesregierung-zu-covid-19einordnung-und-konsequenzen-der-omikronwelledatum-der-veroeffentlichung-19-12-2021\/","title":{"rendered":"Erste Stellungnahme des Expertenrates der Bundesregierung zu COVID-19<div><small>Einordnung und Konsequenzen der Omikronwelle<br>Datum der Ver\u00f6ffentlichung: 19.12.2021<\/small><\/div>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im folgenden ver\u00f6ffentliche ich die heutige einstimmig getroffene Stellungnahme des Expertenrates zur Einordnung der kommenden Omikronwelle.<\/strong><br><br>Das Dokument ist leicht zu lesen und zu verstehen. Kurz zusammengefasst: Die Lage ist ernst und es braucht ernsthafte Konsequenzen.<br><br>Lest selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/2021-12-19-expertenrat-data-1.pdf\">2021-12-19-expertenrat-data-1<\/a><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/2021-12-19-expertenrat-data-1.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aktuelle Ausgangslage in Deutschland<\/strong><br>In der vierten und bislang st\u00e4rksten Infektionswelle nach fast zwei Jahren Corona-Pandemie arbeitet das deutsche Gesundheitssystem aktuell unter sehr hoher Last. Neben einer konstant hohen Zahl von COVID-19 Patient:innen mit starker Belastung, insbesondere der Intensivbereiche, ist die Versorgung der nicht-COVID Erkrankten bereits in Teilen eingeschr\u00e4nkt. Schwerwiegende Verluste im Personalbereich der Krankenh\u00e4user sind eingetreten und werden weiter zunehmen.<br><br>Die aktuell sinkenden Inzidenzen werden von weiten Teilen der Gesellschaft und Politik als Zeichen der Entspannung wahrgenommen. Die zu erwartende Meldeverz\u00f6gerung \u00fcber die kommenden Feiertage wird diesen Eindruck weiter verst\u00e4rken. Aus den in der Folge aufgef\u00fchrten Gr\u00fcnden ist dieser Eindruck nicht gerechtfertigt.<br><br><strong>Aktueller Kenntnisstand zu Omikron\/ B1.1.529<\/strong><br>Die k\u00fcrzlich identifizierte Omikron-Variante bringt eine neue Dimension in das Pandemiegeschehen. Omikron zeichnet sich durch eine stark gesteigerte \u00dcbertragbarkeit und ein Unterlaufen eines bestehenden Immunschutzes aus. Dies bedeutet, dass die neue Variante mehrere ung\u00fcnstige Eigenschaften vereint. Sie infiziert in k\u00fcrzester Zeit deutlich mehr Menschen und bezieht auch Genesene und Geimpfte st\u00e4rker in das Infektionsgeschehen ein. Dies kann zu einer explosionsartigen Verbreitung f\u00fchren: In D\u00e4nemark, Norwegen, den Niederlanden und Gro\u00dfbritannien wird bereits eine nie dagewesenen Verbreitungsgeschwindigkeit mit Omikron-Verdopplungszeiten von etwa 2-3 Tagen beobachtet. Mehrere unserer betroffenen Nachbarstaaten haben angesichts dieser Dynamik umgehend teils tiefgreifende Gegenma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung eines potentiell unkontrollierbaren Infektionsgeschehens ergriffen. Auch wenn in dieser fr\u00fchen Phase der Omikronwelle die Krankheitsschwere nicht abschlie\u00dfend beurteilt werden kann, steigt die Hospitalisierung in Hotspots wie London bereits deutlich an. Es ist bisher nicht davon auszugehen, dass im Vergleich zur Delta-Variante Menschen ohne Immunschutz einen milderen Krankheitsverlauf aufweisen werden. Erste Studienergebnisse zeigen, dass der Impfschutz gegen die Omikron-Variante rasch nachl\u00e4sst und auch immune Personen symptomatisch erkranken. Der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibt wahrscheinlich teilweise erhalten. Mehrere Studien zeigen einen deutlich verbesserten Immunschutz nach erfolgter Boosterimpfung mit den derzeit verf\u00fcgbaren mRNA Impfstoffen. In Deutschland ist jedoch aufgrund der vergleichsweise gro\u00dfen Impfl\u00fccke, die insbesondere bei Erwachsenen besteht, mit einer sehr hohen Krankheitslast durch Omikron zu rechnen.<br><br><strong>Kurz- und mittelfristige Szenarien des Infektionsgeschehens in Deutschland<\/strong><br>Nationale und internationale Modellierungen der Infektionsdynamik und m\u00f6glicher Spitzeninzidenzen zeigen eine neue Qualit\u00e4t der Pandemie auf. Die in Deutschland angenommene Verdopplungszeit der Omikron-Inzidenz liegt aktuell im Bereich von etwa 2-4 Tagen. Durch die derzeitig g\u00fcltigen Ma\u00dfnahmen ist diese Verdoppelungszeit im Vergleich zu England zwar etwas langsamer, aber deutlich schneller als bei allen bisherigen Varianten. Sollte sich die Ausbreitung der Omikron-Variante in Deutschland so fortsetzen, w\u00e4re ein relevanter Teil der Bev\u00f6lkerung zeitgleich erkrankt und\/oder in Quarant\u00e4ne. Dadurch w\u00e4re das Gesundheitssystem und die gesamte kritische Infrastruktur unseres Landes extrem belastet. Weitere Kollateraleffekte sind insbesondere in der berufst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung zu erwarten, u.a. durch die dann notwendige Betreuung von Kindern oder pflegebed\u00fcrftigen Menschen. Eine massive Ausweitung der Boosterkampagne kann die Dynamik verlangsamen und damit das Ausma\u00df mindern, aber nicht verhindern. Laut der mathematischen Modelle kann eine \u00dcberlastung des Gesundheitssystems und die Einschr\u00e4nkung der kritischen Infrastruktur nur zusammen mit starken Kontaktreduktionen einged\u00e4mmt werden.<br><br><strong>Gef\u00e4hrdungspotential f\u00fcr die kritische Infrastruktur<\/strong><br>Schnell steigende Inzidenzen bergen hohe Risiken f\u00fcr die kritischen Infrastruktur (KRITIS) in Deutschland. Hierzu geh\u00f6ren unter anderem Krankenh\u00e4user, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Telekommunikation, Strom- und Wasserversorgung und die entsprechende Logistik. Deshalb bedarf es einer umfassenden und sofortigen Vorbereitung des Schutzes der kritischen Infrastruktur unseres Landes. Es m\u00fcssen in den kommenden Tagen Vorkehrungen f\u00fcr die ersten Monate des Jahres 2022 getroffen werden, und zwar auf politischer und organisatorischer Ebene des Bundes, der L\u00e4nder, der St\u00e4dte und Gemeinden. Dabei sollten m\u00f6gliche Partner wie Bundeswehr, THW oder Hilfsorganisationen fr\u00fchzeitig eingebunden werden. Aktivierungswege und Steuerungsmechanismen m\u00fcssen kurzfristig verf\u00fcgbar sein sowie ausreichende Testkapazit\u00e4ten und Versorgungsketten sichergestellt werden. Die Krankenh\u00e4user m\u00fcssen eine hinreichende Vorratshaltung von Material und Medikamenten herstellen. Eine schnelle politische Handlungsf\u00e4higkeit muss zu jedem Zeitpunkt auch w\u00e4hrend der Feiertage gew\u00e4hrleistet sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Belastung des Gesundheitssystems durch Omikron<\/strong><br>Aufgrund des gleichzeitigen, extremen Patientenaufkommens ist eine erhebliche \u00dcberlastung der Krankenh\u00e4user zu erwarten &#8211; selbst f\u00fcr den wenig wahrscheinlichen Fall einer deutlich abgeschw\u00e4chten Krankheitsschwere im Vergleich zur Delta-Variante. Sogar wenn sich alle Krankenh\u00e4user ausschlie\u00dflich auf die Versorgung von Notf\u00e4llen und dringlichen Eingriffen konzentrieren, wird eine qualitativ angemessene Versorgung aller Erkrankten nicht mehr m\u00f6glich sein. Eine strategische Patientenverlegung kann aufgrund der zu erwartenden fl\u00e4chendeckend hohen Belastung nicht mehr nennenswert zu einer regionalen Entlastung beitragen.<br><br><strong>Zeitnah notwendige Ma\u00dfnahmen<\/strong><br>Aus dem geschilderten Szenario ergibt sich Handlungsbedarf bereits f\u00fcr die kommenden Tage. Wirksame bundesweit abgestimmte Gegenma\u00dfnahmen zur Kontrolle des Infektionsgeschehens sind vorzubereiten, insbesondere gut geplante und gut kommunizierte Kontaktbeschr\u00e4nkungen. Die aktuell geltenden Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen dar\u00fcber hinaus noch stringenter fortgef\u00fchrt werden. Parallel sollte die Impfkampagne erheblich intensiviert werden. Die Boosterimpfungen, wie auch die Erst- und Zweitimpfungen, m\u00fcssen auch \u00fcber die kommenden Feiertage mit allen verf\u00fcgbaren Mitteln fortgesetzt und weiter beschleunigt werden. Insbesondere f\u00fcr \u00c4ltere und andere Personen mit bekanntem Risiko f\u00fcr einen schweren COVID-19 Verlauf ist h\u00f6chste Dringlichkeit geboten. Allerdings zeigen alle Modelle, dass Boosterimpfungen alleine keine ausreichende Eind\u00e4mmung der Omikronwelle bewirken, sondern zus\u00e4tzlich Kontaktbeschr\u00e4nkungen notwendig sind. Neben den notwendigen politischen Entscheidungen muss die Bev\u00f6lkerung intensiv zur aktiven Infektionskontrolle aufgefordert werden. Dazu geh\u00f6ren die Vermeidung gr\u00f6\u00dferer Zusammenk\u00fcnfte, das konsequente, bevorzugte Tragen von FFP2 Masken, insbesondere in Innenbereichen, sowie der verst\u00e4rkte Einsatz von Schnelltests bei Zusammenk\u00fcnften vor und w\u00e4hrend der Festtage. Besonders vulnerable Gruppen bed\u00fcrfen verst\u00e4rkter Schutzma\u00dfnahmen durch hochfrequente Testung und FFP2 Masken. <br><br>Bei allen Entscheidungen m\u00fcssen die Interessen besonders belasteter und vulnerabler Gruppen, wie beispielsweise Kinder, Jugendliche oder Pflegebed\u00fcrftige h\u00f6chste Priorit\u00e4t erhalten. <br><br>Der Expertenrat erwartet f\u00fcr die kommenden Wochen und Monate enorme Herausforderungen, die ein gemeinsames und zeitnahes Handeln aller erfordern. Neben dem konsequenten Handeln ist stringentes Erkl\u00e4ren entscheidend. Die Omikronwelle trifft auf eine Bev\u00f6lkerung, die durch eine fast zweij\u00e4hrige Pandemie und deren Bek\u00e4mpfung ersch\u00f6pft ist und in der massive Spannungen t\u00e4glich offenkundig sind. Eine umfassende Kommunikationsstrategie mit nachvollziehbaren Erkl\u00e4rungen der neuen Risikosituation und der daraus folgenden Massnahmen ist essentiell. Die Omikronwelle l\u00e4\u00dft sich in dieser hochdynamischen Lage nur durch entschlossenes und nachhaltiges politisches Handeln bew\u00e4ltigen.<br><br><strong>Zustimmung im Expertenrat: 19 von 19<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im folgenden ver\u00f6ffentliche ich die heutige einstimmig getroffene Stellungnahme des Expertenrates zur Einordnung der kommenden Omikronwelle. Das Dokument ist leicht zu lesen und zu verstehen. 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