{"id":49445,"date":"2021-08-03T18:47:44","date_gmt":"2021-08-03T17:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=49445"},"modified":"2021-08-03T18:47:44","modified_gmt":"2021-08-03T17:47:44","slug":"kirche-weltkrieg-wehrmachtbischof-franziskus-justus-rarkowski-1873-1950-sparte-nicht-mit-hitler-verehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/kirche-weltkrieg-wehrmachtbischof-franziskus-justus-rarkowski-1873-1950-sparte-nicht-mit-hitler-verehrung\/","title":{"rendered":"Kirche &#038; Weltkrieg: Wehrmachtbischof Franziskus Justus Rarkowski (1873-1950) sparte nicht mit Hitler-Verehrung."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_49446\" aria-describedby=\"caption-attachment-49446\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/02-Umschlag-KW09.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-49446\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/02-Umschlag-KW09.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"993\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/02-Umschlag-KW09.jpg 700w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/02-Umschlag-KW09-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-49446\" class=\"wp-caption-text\">Kopie des Buchumschlags (Bild: Peter B\u00fcrger)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der \u201ekatholische\u201c Wehrmachtbischof Franziskus Justus Rarkowski sparte nicht mit Hitler-Verehrung \u2013 nach Auskunft seines Generalvikars war das Milit\u00e4r bei der Abfassung von Hirtenworten beteiligt.<\/strong><\/p>\n<p><em>(Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n<p>****************************************<br \/>\n<strong><em>Kriegsworte von Feldbischof Franziskus Justus Rarkowski.<\/em><\/strong><br \/>\nEdition der Hirtenschreiben und anderer Schriften 1917 \u2013 1944.<br \/>\nBearbeitet von Peter B\u00fcrger, mit Beitr\u00e4gen von Johannes Apold und Heinrich Missalla.<br \/>\nISBN 978-3-7543-2454-7 (Paperback, 624 Seiten, Preis 19,80 Euro)<\/p>\n<p><strong>Leseprobe<\/strong> mit Inhaltsverzeichnis hier auf der <strong>Verlagsseite<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/kriegsworte-von-feldbischof-franziskus-justus-rarkowski-franz-justus-rarkowski-9783754324547\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/kriegsworte-von-feldbischof-franziskus-justus-rarkowski-franz-justus-rarkowski-9783754324547<\/a><br \/>\n<strong>Oder:<\/strong> ISBN 978-3-7543-2143-0 \/ <strong>Ausgabe mit festem Einband<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/kriegsworte-von-feldbischof-franziskus-justus-rarkowski-franz-justus-rarkowski-9783754321430\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/kriegsworte-von-feldbischof-franziskus-justus-rarkowski-franz-justus-rarkowski-9783754321430<\/a><\/p>\n<p><strong>Internetseite<\/strong> zum Editionsprojekt \u201eKirche &amp; Weltkrieg\u201c (bisher erschienene B\u00e4nde):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/kircheundweltkrieg.wordpress.com\/buchreihe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/kircheundweltkrieg.wordpress.com\/buchreihe\/<\/a><br \/>\n****************************************<\/p>\n<p>Am 19. Februar 1938 kamen die Generale Keitel und Brauchitsch bei einem Diplomatenessen im Haus des Reichspr\u00e4sidenten auf den Nuntius des Vatikans zu und \u201ebedankten sich, dass sie einen Feldbischof bek\u00e4men\u201c (Zeitzeugnis Walter Adolph). Die Milit\u00e4rs bekamen genau den Bischof, den sie gew\u00fcnscht hatten, und w\u00fcrden von diesem auch nie entt\u00e4uscht werden: Franz Justus Rarkowski (1873-1950).<\/p>\n<p>Das renommierte r\u00f6misch-katholische \u201eLexikon f\u00fcr Theologie und Kirche\u201c w\u00fcrdigte 1962 das Milit\u00e4rkirchenwesen in Hitlers Wehrmacht und dessen Spitze rigoros mit Stillschweigen. Das ganze Kapitel wollte man am liebsten f\u00fcr immer vergessen. Die us-amerikanischen Autoren Gordon C. Zahn (pax christi) und Guenter Levy durchkreuzten jedoch 1965 diesen Vorsatz mit zwei Buchkapiteln. Im Rahmen einer erhitzten Aachener Kirchenzeitungsdebatte verglich ein Verteidiger des deutschen Milit\u00e4rkirchenwesens diese Ver\u00f6ffentlichungen noch 1969 mit \u201e\u00f6stlicher Agitprop\u201c.<\/p>\n<p>Erst 1976 kam der katholische Student Johannes Apold (Uni Bochum) bei der Forschung einen bedeutsamen Schritt weiter. Er reiste trotz \u201eAusladung\u201c einfach unangemeldet nach Bamberg zu Georg Werthmann, dem gewesenen Wehrmacht-Generalvikar (und auch ersten kath. Generalvikar der Bundeswehr). Dieser hatte etwa drei Jahrzehnte lang das Archiv der kath. Wehrmachtseelsorge wie seinen Privatbesitz (!) behandelt, im eigenen Interesse auch ganz neu \u201egeordnet\u201c bzw. sortiert. Im Bonner Milit\u00e4rbischofsarchiv durfte J. Apold dann trotz Werthmanns Empfehlung erst nach wiederholtem, hartn\u00e4ckigem Vorsprechen Schriftgut einsehen und kopieren \u2013 allerdings nur unter Zeitdruck.<\/p>\n<p>Besonders zwei nachfolgende Ver\u00f6ffentlichungen des Theologen Heinrich Missalla (Studie 1978, Quellenauswahl 1997) machten es \u201ean sich\u201c auch im katholischen Selbstlobkollektiv unm\u00f6glich, den Ruf des Wehrmachtbischofs F. J. Rarkowski noch irgendwie zu retten. Man betonte ab jetzt, er sei ein \u201edeutsch-nationaler Au\u00dfenseiter\u201c und au\u00dferdem kein Mitglied der Bischofskonferenz gewesen. Ganz stimmig ist dieses Narrativ nicht. Der Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger[1] hat z.B. den Milit\u00e4rbischof nachweislich sehr gesch\u00e4tzt und lie\u00df sich auch von dessen Texten inspirieren.<\/p>\n<p>In den ellenlangen Publikationsreihen der kircheneigenen Zeitgeschichtsforschung gab es bislang nie etwas Platz f\u00fcr einen Rarkowski-Band. Seit einer Woche liegt jetzt aber die erste vollst\u00e4ndige Edition der \u201eKriegsworte von Feldbischof Franziskus Justus Rarkowski\u201c im Rahmen des Projekts \u201eKirche &amp; Weltkrieg\u201c[2] vor. Die Zeiten \u00e4ndern sich. Vier kirchliche Archive musste ich als Herausgeber wegen offener Fragen, fehlender Texte und Bildrechte konsultieren. Es wurde in jedem Fall freundlich geholfen.<\/p>\n<p><strong>\u201eHitlers Feldbischof\u201c \u2013 ein Hochstapler?<\/strong><\/p>\n<p>Eine eigentliche Biographie zu Franz Justus Rarkowski, dem Sohn eines beg\u00fcterten Zentrumspolitikers in Allenstein (Ostpreu\u00dfen), gibt es nicht. Genau besehen wei\u00df man so gut wie nichts \u00fcber seinen Werdegang. Die staatliche Schule verlie\u00df er ohne Abitur. Als Ordensmitglied der Maristen soll er im Ausland (Belgien, England, \u00d6sterreich, evtl. auch Schweiz) diverse, nicht n\u00e4her bezeichnete Studien der Gotteswissenschaft unternommen haben. Hat ihn dann der F\u00fcrstbischof von Brixen (Tirol) 1898 f\u00fcr die Ordensgemeinschaft, aus der er noch nicht ausgeschieden war, oder f\u00fcr das ostpreu\u00dfische Heimatbistum zum Priester geweiht?<\/p>\n<p>Zu einem nicht nachweisbaren Zeitpunkt vor dem 1. Weltkrieg kehrt Rarkowski in seine Geburtsdi\u00f6zese Ermland zur\u00fcck, erf\u00fcllt dort aber nicht die Bildungsvoraussetzungen zur \u00dcbernahme einer ordentlichen Pfarrstelle. Als sogenannter \u201eKuratus\u201c verl\u00e4sst er im August 1914 die ihm anvertrauten Gl\u00e4ubigen und wechselt zur Milit\u00e4rkirche, wo er Gunst beim Feldpropst Heinrich Joeppen findet.<\/p>\n<p>1917 erscheint sein mit vielen touristischen Front-Erinnerungen angereichertes Kriegsbuch \u201eDie K\u00e4mpfe einer Preu\u00dfischen Infanterie-Division zur Befreiung von Siebenb\u00fcrgen\u201c. Im Sprachgebrauch des Milit\u00e4rs nennt man die systematische T\u00f6tung vieler Menschen \u201eS\u00e4uberung\u201c, und diese blasphemische Gewohnheits\u00fcbung von Waffentr\u00e4gern \u00fcbernimmt der Verfasser, ein geweihter Priester, an nicht wenigen Stellen seiner Darstellung.<\/p>\n<p>F.J. Rarkowski hat im 1. Weltkrieg als Feldseelsorger sein passendes m\u00e4nnerb\u00fcndisches Lebenselement gefunden \u2013 und die Milit\u00e4rs erwidern seine Liebe. Am 29. April 1930 teilt Reichswehrminister Wilhelm Groener dem Berliner Ortsbischof mit, fehlende Reife- und Pfarrerpr\u00fcfung seien aus Sicht des Kriegsministeriums \u00fcberhaupt kein Problem gewesen. Rarkowski habe im Rahmen des Milit\u00e4rkirchenwesens diesbez\u00fcgliche Dispense erhalten, verf\u00fcge \u00fcber eine ausgepr\u00e4gte Bef\u00e4higung zur Armeeseelsorge und erfreue sich \u2013 bis in hohe R\u00e4nge hinein \u2013 guter Zeugnisse von milit\u00e4rischen Vorgesetzten.<\/p>\n<p>1929-1936 war F.J. Rarkowski Beauftragter f\u00fcr die Seelsorge an den Katholiken der deutschen Reichswehr und Wehrmacht, 1936-1938 Apostolischer Administrator f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der deutschen Wehrmacht und schlie\u00dflich 1938-1945 Katholischer Feldbischof der deutschen Wehrmacht. Schon vor 1938 hat er diverse Texte \u201ef\u00fcr F\u00fchrer, Volk und Vaterland\u201c verfasst. Aufgrund welcher Kenntnisse bzw. Aktengrundlage machten Papst Pius XI., dessen unselige rechte Hand Eugenio Pacelli und der Berliner Nuntius diesen umstrittenen Mann zum h\u00f6chsten Milit\u00e4rseelsorger und geweihten Bischof \u00fcber Millionen katholische Soldaten in Deutschland? Es w\u00e4re an der Zeit, dass der Vatikan heute dar\u00fcber Rechenschaft ablegt.<\/p>\n<p><strong>\u201eBew\u00e4hrung im Dienste des F\u00fchrers\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt 56 \u201eHirtenschreiben\u201c, Aufs\u00e4tze f\u00fcr eine Soldaten-Zeitungsbeilage \u201eGlaube &amp; Kampf\u201c und ausgew\u00e4hlte Dokumente (samt zwei Vergleichstexten) enth\u00e4lt die zweite Abteilung der neuen Quellenedition zu F.J. Rarkowki. Zwei dokumentierte Darstellungen von Johannes Apold und Heinrich Missalla, ein Stichwortregister sowie die zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit des \u201edigitalen Abtastens\u201c auf unserer Projektseite erleichtern die inhaltliche Erschlie\u00dfung dieser Texte.<\/p>\n<p>Das theologische Niveau wird besonders schmerzlich sichtbar, wo der von Sexual\u00e4ngsten gepeinigte Milit\u00e4rbischof \u00fcber Manneszucht und eine \u201eSauberkeit der Gedanken\u201c nachsinnt oder seine Erkenntnis mitteilt, dass eigentlich nur die Deutschen \u00fcber eine voll ausgereifte Gem\u00fctstiefe zur Feier der heiligen Weihnacht verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Wie man die abstrusen und hochpeinlichen Texte zur Kriegsert\u00fcchtigung religionsgeschichtlich einordnen soll, mag offengelassen werden. Sie bezeugen trotz uferloser Klerikalpathetik (und vermeintlich frommer Lyrik-Beigaben) auf jeden Fall nicht den Glauben des Jesus von Nazareth.<\/p>\n<p>Die Hitler-Nennung in den Rarkowski-Texten erschlie\u00dft sich \u00fcber die Wortfeld-Statistik wie folgt: \u201eHitler\u201c (7 mal); \u201eF\u00fchrer\u201c (55 mal); \u201eOberster Befehlshaber\u201c (29 mal); \u201eFeldherr\u201c (2 mal). Der Wehrmachtbischof lobt wiederholt die \u201enationalsozialistische Revolution\u201c mit ihren gro\u00dfen Errungenschaften (wider alle \u201eEntartungen\u201c) und w\u00fcnscht, dass sich die katholischen Soldaten \u201eim Dienste des F\u00fchrers\u201c bew\u00e4hren. Adolf Hitler gilt ihm als die h\u00f6chste weltliche Autorit\u00e4t: \u201eUnsere Feinde, gegen die wir nunmehr den deutschen Lebensraum zu verteidigen haben\u201c, wollten \u201edie Vernichtung all dessen, was unser F\u00fchrer geschaffen hat\u201c.<\/p>\n<p>Die weitere Wortfeld-Statistik liefert noch andere Hinweise darauf, wo das Herz des obersten deutschen katholischen Wehrmachtklerikers besonders erregt war \u2013 zum Beispiel: \u201eVolk\u201c (etwa 650 mal), \u201eDeutschland, deutsch\u201c (mehr als 600 mal), \u201eHeimat\u201c (240 mal), \u201eSieg\u201c (182 mal), \u201eVaterland\u201c (121 mal), \u201eChristus\u201c (101 mal), \u201eJesus\u201c (12 mal). Immerhin, \u201eChristus\u201c ist gegen\u00fcber Hitler mit acht Nennungen im Vorsprung.<\/p>\n<p>Wer die im Register der Edition zu den nachfolgenden Stichw\u00f6rtern angegebenen Seiten nachliest, gelangt am schnellsten zur Kenntnis des bisch\u00f6flichen Kriegsstandpunktes: \u201eBlutgemeinschaft (Blut und Boden)\u201c, \u201eBolschewismus, Bolschewik (Politkommissar)\u201c, \u201eDolchsto\u00dflegende, Revolte in der Heimat (als Ideologiekomplex)\u201c, \u201eEndsieg\u201c, \u201eEntscheidungskampf\u201c, \u201eExistenz des Volkes\u201c, \u201eH\u00f6chstes \u2013 h\u00f6chste Werte \u2026\u201c, \u201eKrieg, gerechter\u201c, \u201eLebensrechte, deutsche (Existenzkampf des Volkes; Kampf des Lebens; Lebensbehauptung; Lebensgesetz; Lebensraum, Sein\/Nichtsein)\u201c, \u201eSchicksalskampf\u201c, \u201eUntermenschentum\u201c, \u201eVersailles\u201c, \u201eVerteidigung, verteidigen\u201c.<\/p>\n<p>Franz Justus Rarkowski befand sich in vollst\u00e4ndigem Einklang mit der Kriegsdoktrin des NS-Staates und kam offenbar nicht auf die Idee, man k\u00f6nne auf diesem Feld zum H\u00e4retiker werden. Es gab aber sehr wohl in der r\u00f6mischen Glaubenskongregation ein theologisches Gutachten mit der Klarstellung, dass die nationalsozialistische Kriegsdoktrin (f\u00fcr ein Gro\u00dfreich der \u201eArier\u201c) mit dem Christentum schier unvereinbar ist.<br \/>\nIm Juli 1941 ergreift Kriegsbischof F. J. Rarkowski das Wort zum begonnenen Vernichtungsfeldzug gegen die V\u00f6lker in der UdSSR, was im deutschen NS-Radio Widerhall findet. Er beschw\u00f6rt jenen Kreuzzug, den der \u201eF\u00fchrer gerade heute vor 20 Jahren an der Spitze einer kleinen Schar begonnen, und den er nunmehr als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht f\u00fcr die ganze europ\u00e4ische Kulturwelt gegen die bolschewistische Barbarei f\u00fchrt\u201c. Es bestehe kein Zweifel, \u201edass wir Deutsche nunmehr das Herzvolk Europas geworden sind\u201c, berufen zu jener Entscheidung, \u201edie den Bolschewismus f\u00fcr alle Zeiten aus der Geschichte vertilgt\u201c. Der Bolschewismus, \u201edas d\u00e4monische Regime der Barbarei\u201c, bewirke, dass \u201eder Mensch in den Bereich des Tierhaften herabsinkt\u201c.<\/p>\n<p><strong>Endredaktion und Zensur durch das Milit\u00e4r?<\/strong><\/p>\n<p>Auf einen ungeheuerlichen Umstand bei der \u201eRedaktion\u201c der Milit\u00e4rbischofsworte hat Heinrich Missalla \u2013 zuerst 1978 \u2013 so aufmerksam gemacht:<\/p>\n<blockquote><p>Bei der Beurteilung der Hirtenbriefe und der Person Rarkowskis ist die Ber\u00fccksichtigung der Tatsache unerl\u00e4sslich, dass er st\u00e4ndiger Kontrolle unterlag. Nach den Aufzeichnungen Werthmanns wurden die Hirtenbriefe des Feldbischofs wegen der Einordnung der Milit\u00e4rseelsorge in das Oberkommando des Heeres (OKH) \/ Allgemeines Heeresamt \/ Amtsgruppe Seelsorge in folgenden Etappen \u00fcberwacht:<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst behielt sich der Amtsgruppenchef das Recht vor, Hirtenbriefe des Feldbischofs vor ihrer Herausgabe zu \u00fcberpr\u00fcfen. Oberst Edelmann tat dies in der guten Absicht, den Gegnern der Feldseelsorge keinen Grund zum Einschreiten zu geben. Seine T\u00e4tigkeit bei dieser Zensur bestand vor allem in der Sorge daf\u00fcr, dass der \u201eF\u00fchrer\u201c jedesmal genannt wurde. Fast immer wurde von ihm \u2013 geeignet oder unpassend \u2013 eine Apostrophierung des \u201eF\u00fchrers\u201c eingeflickt.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu dieser Zensur (Vorzensur) wurde im weiteren Verlauf des Krieges eine Vorlage der Hirtenbriefe beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW)\/Inland eingef\u00fchrt. Oberstleutnant Wulff war bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Hirtenbriefe sehr gro\u00dfz\u00fcgig und hat selten etwas moniert. [\u2026] In der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 1944 kam zu diesen zwei Zensurstellen noch eine dritte hinzu: der Nationalsozialistische F\u00fchrungsoffizier beim OKH. Dieser hatte jedoch keine M\u00f6glichkeit mehr, seine Zensurt\u00e4tigkeit auszu\u00fcben, da vom Fr\u00fchjahr 1944 bis zum Ende des Krieges [\u2026] kein Hirtenbrief mehr herausgegeben wurde.\u201c<\/p>\n<p><em>H. Missalla: Die Kirchliche Kriegshilfe<\/em>[3]<\/p><\/blockquote>\n<p>Unter der Annahme, dass Werthmanns Darlegungen keine apologetischen \u201eSchutzbehauptungen\u201c sind, ergibt sich folgendes Bild: Die r\u00f6mische Kirche erwirbt in der fr\u00fchen Phase des NS-Staates das fragw\u00fcrdige \u201ePrivileg\u201c einer milit\u00e4rkirchlichen Pr\u00e4senz im zuk\u00fcnftigen Heer der deutschen Faschisten (Konkordat: Milit\u00e4rkirche samt Personal faktisch als Teil des Milit\u00e4rs) und schafft sodann durch die Ernennung eines dem Milit\u00e4r genehmen Wehrmachtbischofs eine der Voraussetzungen daf\u00fcr, dass das Milit\u00e4r sogar die bisch\u00f6flichen Verlautbarungen der Milit\u00e4rkirche redigieren kann.<\/p>\n<p>Auch eine unter Druck oder Verweis auf Gehorsamseid vorgenommene Zensur der milit\u00e4rischen Vorgesetzten braucht freilich zum Erfolg ein irgendwie \u201eideologisch kooperationsbereites\u201c Gegen\u00fcber in der Milit\u00e4rkirche.<\/p>\n<p>Nicht nur aus pazifistischer Sicht w\u00e4re die Kirche hier zum Objekt geworden, von dem man etwas gegen ein Zugest\u00e4ndnis von Wirkungsfeldern f\u00fcr geweihte Akteure und entsprechende Refinanzierungen verkaufen kann, sofern insbesondere die kirchenrechtlichen Bestimmungen f\u00fcr Sakramentenspendung und andere Riten \u2013 wie unter F.J. Rarkowski \u2013 peinlich genau eingehalten werden. Wer hat die klerikalen Akteure, die sich f\u00fcr Besitzer der Kirche hielten und ihre eigene Bedeutsamkeit mehren wollten, zu einem solchen Gesch\u00e4ft mit der T\u00f6tungsapparatur des NS-Staates erm\u00e4chtigt?<\/p>\n<p><strong>Und der Generalvikar von Wehrmacht und Bundeswehr?<\/strong><\/p>\n<p>Schon seit Jahrzehnten k\u00f6nnen nur noch rechtskatholische Ignoranten bestreiten, dass die zugespitzte Bezeichnung \u201eHitlers Feldbischof\u201c f\u00fcr den obersten Vertreter der nominell katholischen Wehrmachtseelsorge angesichts der Flut von entsprechenden Zeugnissen nicht polemisch, sondern durchaus sachgerecht ist.<\/p>\n<p>Beharrlicher musste freilich das Ehrenkleid von F. J. Rarkowskis Generalvikar \u2013 nachfolgend auch erster Generalvikar der Bundeswehr \u2013 reinlich gehalten werden. Mit Klugheit und Umsicht, so wird immer noch weitererz\u00e4hlt, habe Georg Werthmann als der \u201ezweite Mann\u201c der Milit\u00e4rseelsorge 1939-1945 viel Schlimmes verh\u00fctet.<\/p>\n<p>Hat er nun geholfen, der Gottesliebe in den Abgr\u00fcnden des V\u00f6lkermordens einige Inseln zu erhalten, oder hat er \u2013 ohne Anh\u00e4nger der NSDAP zu sein \u2013 sich mit \u201egeistlichen Waffen\u201c am Lebensraum-, Ressourcen- und Vernichtungskrieg der NS-Wehrmacht gen Osten beteiligt?<br \/>\nZum Christfest 1941 predigte Generalvikar Georg Werthmann den Lesern eines \u00f6kumenischen Massendrucks f\u00fcr die Kriegsfront als geistlicher Vertreter des Milit\u00e4rs:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDoch das wisst ihr selbst genug, dass Weihnachten das Fest der Kameradschaft ist. Sie war der Reichtum eures Soldatenlebens in den schweren Kampftagen dieses Jahres, die hinter euch liegen, und die oft gigantische Wucht des Ringens mit dem bolschewistischen Gegner hat dieser Kameradschaft eine besondere Tiefe und Kraft gegeben. Nun aber ist es Weihnachten geworden, die Hand streckt sich dem treuen Waffengef\u00e4hrten entgegen, und das Herz gr\u00fc\u00dft die Heimat [\u2026], die ihr [\u2026] sch\u00fctztet vor allen Hassern und Neidern, vor allem aber vor dem Untermenschentum und dem Vernichtungswillen \u00f6stlicher Barbarei. [\u2026] Geht mutig und froh an eure Aufgaben, wenn die Weihnachtskerzen erloschen sind, und haltet euch bereit, jeden Augenblick wieder nach dem Schwerte zu greifen, wenn es zur Sicherung unseres gro\u00dfen Reiches nottut.\u201c<br \/>\n<em>Wehrmacht-Generalvikar G. Werthmann, Advent 1941<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das in Wirklichkeit laut eigenem Bekunden von Georg Werthmann verfasste, von F.J. Rarkowski nur unterzeichnete Hirtenschreiben f\u00fcr die Fastenzeit 1944 warnte kampfm\u00fcde Soldaten vor der \u201eMelodie des Versuchers\u201c, sah an der Kriegsfront im Osten \u201edie Tore der Schule Gottes weiter aufgetan als\u201c irgendwo sonst und endete mit dem Wunsch, die \u201eKraft des Herrn\u201c m\u00f6ge die Soldaten der Wehrmacht bef\u00e4higen, \u201edas Beste zu geben f\u00fcr F\u00fchrer, Volk und Vaterland\u201c.<\/p>\n<p>*****************************************************************<br \/>\nDer hier mit Erlaubnis des Verfasser neu edierte Beitrag stammt aus dem Online-Magazin telepolis, 31.07.2021. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Franziskus-Justus-Rarkowski-1873-1950-6152210.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Franziskus-Justus-Rarkowski-1873-1950-6152210.html<\/a><br \/>\n*****************************************************************<\/p>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/upgr.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de\/uploads\/Dateien\/Links\/PB-IKvU-Lorenz-Jjaeger-20201215NEUABDRUCK.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/upgr.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de\/uploads\/Dateien\/Links\/PB-IKvU-Lorenz-Jjaeger-20201215NEUABDRUCK.pdf<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/kircheundweltkrieg.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/kircheundweltkrieg.wordpress.com\/<\/a><\/p>\n<p>[3] <a href=\"http:\/\/www.friedensbilder.de\/KathDisk\/_K&amp;W08_digitalbibliothek.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.friedensbilder.de\/KathDisk\/_K&amp;W08_digitalbibliothek.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u201ekatholische\u201c Wehrmachtbischof Franziskus Justus Rarkowski sparte nicht mit Hitler-Verehrung \u2013 nach Auskunft seines Generalvikars war das Milit\u00e4r bei der Abfassung von Hirtenworten beteiligt. (Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger) **************************************** Kriegsworte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/kirche-weltkrieg-wehrmachtbischof-franziskus-justus-rarkowski-1873-1950-sparte-nicht-mit-hitler-verehrung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKirche &#038; Weltkrieg: Wehrmachtbischof Franziskus Justus Rarkowski (1873-1950) sparte nicht mit Hitler-Verehrung.\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[319,7507,49],"tags":[526,2965],"class_list":["post-49445","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-nationalsozialismus","category-religion","tag-katholische-kirche","tag-zweiter-weltkrieg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49445"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49445\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}