{"id":48578,"date":"2021-04-04T09:23:47","date_gmt":"2021-04-04T08:23:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=48578"},"modified":"2021-04-04T18:40:56","modified_gmt":"2021-04-04T17:40:56","slug":"rom-und-die-blutige-geschichte-der-verfolgung-von-schwulen-und-lesben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/rom-und-die-blutige-geschichte-der-verfolgung-von-schwulen-und-lesben\/","title":{"rendered":"Rom und die blutige Geschichte der Verfolgung von Schwulen und Lesben"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_48579\" aria-describedby=\"caption-attachment-48579\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-48579\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/PeterBuerger02.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/PeterBuerger02.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/PeterBuerger02-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/PeterBuerger02-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-48579\" class=\"wp-caption-text\">Angriff auf einen Teilnehmer des Rzesz\u00f3w Equality-Marsches 2018. Bild: Silar\/CC BY-SA 4.0<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"lead beitraganriss\"><strong>Ohne Befreiung aus der homophoben Angst kann die Weltkirche weder wahrhaftig noch gewaltfrei werden, Kirchenrevolte f\u00fcr die Liebenden (Teil 2)<\/strong><\/p>\n<p><em>(Ein Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n<p>In der Begr\u00fcndung zum vatikanischen Verbot des Segens \u00fcber homosexuell Liebende wurde gezielt am &#8222;Fest der Kathedra Petri&#8220; zum tausendsten Mal eine moraltheologische Ideologie reproduziert, die seit Jahrhunderten Grundlage einer blutigen Verfolgung von Lesben und Schwulen ist (siehe <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/kirchenrevolte-fuer-die-liebenden\/\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Kirchenrevolte f\u00fcr die Liebenden (Teil 1)<\/a>.<\/p>\n<p>In Polen, Afrika, Teilen Amerikas und vielen weiteren Erdregionen ist der r\u00f6misch-katholische Kirchenkomplex immer noch einer der Hauptakteure in jenen Bewegungen, die von Hass angetriebenen Verfolgern den R\u00fccken st\u00e4rken und Angst verbreiten.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/press.vatican.va\/content\/salastampa\/it\/bollettino\/pubblico\/2021\/03\/15\/0157\/00330.html#ted\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Begr\u00fcndungsteil zum Anti-Segen-Responsum<\/a> der obersten Glaubensbeh\u00f6rde wird von Theologietreibenden au\u00dferhalb der fundamentalistischen Institute nahezu einhellig als inakzeptabel beurteilt. Wenn man die umstrittenen Ausf\u00fchrungen nur ein wenig in Klartext \u00fcbersetzt, erf\u00fcllen sie unter dem Ma\u00dfstab der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft aber auch den Tatbestand der &#8222;Volksverhetzung&#8220;.<\/p>\n<p>Hier wiederholt sich das ewige Drama, dass die R\u00f6mische Kirche <a href=\"https:\/\/www.katholisch.de\/artikel\/29173-auch-ohne-kompostierhaufen-die-kirchliche-lehre-muss-sich-aendern\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">in der Wagenspur zutiefst falscher Axiome<\/a> nicht nur stets dem weltlichen Menschenrechtsdiskurs hinterherhinkt, sondern mangels Umkehr zur Botschaft des Evangeliums unverdrossen Errungenschaften eines humanen Freiheitsringens sabotiert.<\/p>\n<h3 class=\"subheading ztitel\">Der dogmatische Widerspruch<\/h3>\n<p>Geradezu zwanghaft festgehalten wird ein Wahngebilde, das die Kirche in einen eklatanten Widerspruch zu ihrer auf dem letzten Konzil <a href=\"http:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19641121_lumen-gentium_ge.html\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">in der Konstitution Lumen gentium<\/a> vorgelegten Selbstdefinition versetzt. Die Diffamierung der homosexuellen Liebesbegabung als &#8222;Sch\u00f6pfungsdefekt&#8220; zementiert n\u00e4mlich eine tiefgreifende Feindschaft zwischen einem nach eigenem Gutd\u00fcnken f\u00f6rmlich festgesetzten &#8222;Sch\u00f6pfer&#8220; und allen Menschen, die mit ihrer Sexualit\u00e4t aus dem Raster der aristotelischen Naturrechtskonstruktion herausfallen. Dies ist das genaue Gegenteil des kirchlichen Anspruchs, &#8222;Werkzeug f\u00fcr die innigste Vereinigung mit Gott&#8220; zu sein.<\/p>\n<p>Sabotiert wird in gleichem Atemzug die dogmatische Vision einer Kirche, die sich als ein Zeichen f\u00fcr die &#8222;Einheit der ganzen Menschheit&#8220; erweist. Denn wenn alle Minderheiten, die ihre angeblich normwidrige Sexualit\u00e4t als Geschenk erfahren, zu S\u00fcndern gestempelt und aus der Gemeinschaft des Segens ausgeschlossen werden, agiert die Kirche als ein Zerst\u00f6rungswerkzeug wider die &#8222;Einheit der ganzen Menschheit&#8220;. Die w\u00e4hrend des Ratzinger-Pontifikats vorgetragene Prognose, die R\u00f6mische Kirche werde im dritten Jahrtausend in den gro\u00dfen Zivilisationsfragen &#8222;fortschrittlich&#8220; sein, gleichzeitig aber in ihrem Inneren im fundamentalistischen R\u00fcckw\u00e4rtsgang verbleiben und der Freiheit keine Heimatstatt gew\u00e4hren, bleibt gruselig.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Denn wer durch seine oberste theologische Beh\u00f6rde ohne Diskurs gewaltt\u00e4tige und gewaltprovozierende Ideologien zur Sexualmoral \u00fcber den ganzen Erdkreis verschickt, kann unm\u00f6glich gleichzeitig einem weltkirchlichen Friedensdienst nachkommen.<\/p>\n<p>Die Anliegen der freiheitlichen Kirchenreformer (hier besonders: ein neues Ethos der Sexualit\u00e4t) und die zivilisatorischen Fragen der Weltkirche lassen sich nicht gegeneinander ausspielen. Nur wenn die Kirche nach innen Gewaltfreiheit und Wahrhaftigkeit ein\u00fcbt, kann sie in der Welt helfen, einer neuen Kultur der Gewaltfreiheit Wege zu bahnen.<\/p>\n<p>Wenn ich nun im 1. Teil dieses Beitrags von einem freundlich verpackten &#8222;Theo-Stalinismus&#8220; des Vatikans spreche (was mein Beichtvater f\u00fcr weniger gl\u00fccklich h\u00e4lt), so ist dies in erster Linie systemisch zu verstehen. Ich kenne den Chef des Heiligen Officiums, das irriger Weise glaubt, eine Segenspastoral f\u00fcr Liebende unterbinden zu k\u00f6nnen, gar nicht. Vielleicht ist Kurienkardinal Lu\u00eds F. Ladaria SJ, der uns auf Bildern so sympathisch anschaut, pers\u00f6nlich der liebensw\u00fcrdigste Mensch von der ganzen Welt.<\/p>\n<p>So oder so, es ist offenkundig, dass die Glaubenskongregation die mitunter sehr blutige Wirkungsgeschichte der von ihr jetzt neu aufgelegten Lehrmeinung und die T\u00e4terschaft ihrer eigenen Vorg\u00e4nger-Institutionen verdr\u00e4ngt hat. Deshalb erscheint es notwendig, hier &#8211; auf der Grundlage vorliegender Arbeiten &#8211; wichtige Stationen der homophoben Kirchengeschichte, die mit so viel Leid, T\u00f6tungsakten und Suiziden verbunden ist, noch einmal in Erinnerung zu rufen.<\/p>\n<h3 class=\"subheading ztitel\">Die Bibel fordert eindeutig die Todesstrafe<\/h3>\n<p>Die Heilige Schrift, da haben die &#8222;bibeltreuen&#8220; Fundamentalisten aller Konfessionen recht, fordert f\u00fcr bestimmte homosexuelle Praktiken eindeutig die Todesstrafe. Wer als Mann bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, den soll man gem\u00e4\u00df Heiligkeitsgesetz aus dem Volk mit der Axt herausbeilen und auf blutige Weise totmachen (Leveticus 18,22; 20,13). Jesus verliert \u00fcber das Thema Homosexualit\u00e4t kein Sterbensw\u00f6rtchen. Ihm geht es darum, Tote zum Leben zu erwecken, nicht Menschen tot zu machen.<\/p>\n<p>Bei Paulus hingegen, der selbst \u00fcber einen geheimnisvollen &#8222;Stachel&#8220; im eigenen Fleisch klagt, ist das gleichgeschlechtliche Begehren geradezu Symptom und g\u00f6ttliche Strafe f\u00fcr die Vertauschung von Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf (R\u00f6mer 1,25-27). Seine ganze Theologie kreist um die Erkenntnis, dass kein Mensch sein eigenes Gutgehei\u00dfensein durch die Erf\u00fcllung von Normen und Gesetzen erkaufen kann.<\/p>\n<p>Allein die bedingungslose Annahme durch Gott, so \u00fcbersetzt er Jesu Botschaft, ruft uns ins Leben. Der R\u00f6merbrief enth\u00e4lt nun die einzige m\u00f6glicherweise bedeutsame Stelle des Neuen Testamentes zur Homosexualit\u00e4t. Auf der Grundlage moderner Anthropologie kann die Exegese heute nur sagen: Paulus versucht, mit dem Ph\u00e4nomen &#8222;homosexuelles Begehren&#8220; das Zentrum seiner Verk\u00fcndigung zu illustrieren.<\/p>\n<p>Da der Apostel im Gegensatz zu uns von Homosexualit\u00e4t nur ganz oberfl\u00e4chlich etwas wissen konnte, muss sein Illustrationsversuch r\u00fcckwirkend als rundherum missgl\u00fcckt betrachtet werden. Mit der Gnadenbotschaft vom rein geschenkten Leben sind die besagten Verse des R\u00f6merbriefes aus heutiger Sicht schier unvereinbar.<\/p>\n<h3 class=\"subheading ztitel\">Kirchenv\u00e4ter-Konstrukte: &#8222;Schlimmer als M\u00f6rder und Tierbeischl\u00e4fer&#8220;<\/h3>\n<p>Viel mehr als ein Sammelsurium von Kuriosit\u00e4ten gibt im Kontext der antiken Naturrechtsphilosophie auch die Lekt\u00fcre der Kirchenv\u00e4ter nicht her. Clemens von Alexandrien lehnt den Verkehr unter M\u00e4nnern rigoros ab, denn das m\u00e4nnliche Geschlecht sei von Natur aus nicht zur Aufnahme, sondern zur Ergie\u00dfung des Samens bestimmt.<\/p>\n<p>Lactantius h\u00e4lt homosexuelle Praxis f\u00fcr eine Erfindung des Teufels. Johannes Chrysostomos bewertet sie als den abscheulichsten aller Frevel, f\u00fcr den keine H\u00f6llenstrafe gro\u00df genug sein kann. Die widernat\u00fcrlichen M\u00e4nnerbeischl\u00e4fer seien schlimmer als M\u00f6rder. Ihre Begierden und ihr Leben seien satanisch bzw. diabolisch.<\/p>\n<p>F\u00fcr Augustinus wird die von Gott geschaffene Natur durch Homosexualit\u00e4t erniedrigt, wobei er es als besonders sch\u00e4ndlich erachtet, dass M\u00e4nner beim naturwidrigen Geschlechtsverkehr bisweilen eine &#8222;weibliche Rolle&#8220; einnehmen. Sodomiten und ihre Dulder sollen bei jeder Gelegenheit streng bestraft werden. Bei Augustinus treffen wir auf die bis heute im klerikalen M\u00e4nnerbund geradezu konstitutive Symbiose von Frauenverachtung und Homophobie.<\/p>\n<p>Im 11. Jahrhundert dr\u00e4ngt besonders Petrus Damianus mit fanatischem Verfolgungseifer auf Ma\u00dfnahmen wider die homosexuelle &#8222;Teufelsbeute&#8220;, die ihm gef\u00e4hrlicher erscheint als die &#8222;Tierbeischl\u00e4fer&#8220;. Ma\u00dfgeblich bis heute bleibt jedoch die aristotelisch inspirierte Naturrechtslehre des Thomas von Aquin (1225-1274).<\/p>\n<p>Dieser Kirchenlehrer behandelt in seiner Summa die sexuellen &#8222;S\u00fcnden wider die Natur&#8220; (Selbstbefriedigung, heterosexuellen Oral- und Analverkehr, gleichgeschlechtliche Handlungen). Diese seien die allerschlimmsten, denn durch sie werde Gott selbst in seiner Eigenschaft als Ordner der Natur beleidigt.<\/p>\n<p>Die Konsequenzen dieser pseudo-biologistischen Anschauung, die auf einer restlos \u00fcberholten Sexualwissenschaft fu\u00dft, sind f\u00fcrchterlich. Heterosexuelle Vergehen wie Inzest oder Vergewaltigung, bei denen der &#8222;nat\u00fcrliche Fortpflanzungszweck&#8220; gewahrt bleibt, sind am Ende weniger gravierend als einvernehmliche gleichgeschlechtliche Liebesakte oder Onanie. (Zu den Wortunget\u00fcmen der Scholastik geh\u00f6rt die Rede von einem &#8222;vernunftgem\u00e4\u00dfen Gebrauch der Geschlechtsorgane&#8220;).<\/p>\n<p>Die Ausweglosigkeiten eines solchen &#8211; jetzt im M\u00e4rz 2021 wieder aufgew\u00e4rmten &#8211; Systemdenkens blockieren bis heute die gesamte Sexualethik in der r\u00f6misch-katholischen Kirche, betreffen also keineswegs blo\u00df Schwule, Lesben oder Bisexuelle.<\/p>\n<p>Thomas von Aquin folgte nicht dem Prolog des Johannes-Evangeliums, demzufolge Gott nicht eine Vielzahl von Katechismus-Lehren offenbart, sondern im Wesentlichen nur ein einziges Wort: das Wort des Lebens, welches jeden Menschen erleuchtet. Der Aquinat, dessen Doktrin noch immer eine neue Betrachtung der homosexuellen Liebe verhindert, soll angeblich ein gleichsam unfehlbarer Lehrer der Christenheit sein.<\/p>\n<p>So befand etwa der aus Dortmund stammende Jesuit Joseph Kleutgen (1811-1883), ein Pionier der neuscholastischen Aristoteliker im Vatikan und Miterfinder der allgewaltigen p\u00e4pstlichen Unfehlbarkeit (Dogma 1871). Pers\u00f6nlich war Kleutgen ein L\u00fcgner, ein zur z\u00f6libat\u00e4ren Lebensweise nicht bef\u00e4higter Beichtvater, der das Sakrament zur Befriedigung seiner heterosexuellen Triebe missbrauchte, und zeitweilig sogar ein Exkommunizierter.<\/p>\n<p>Wollte man mit diesem denkbar schlechten Vorbild den Thomas von Aquin beim Wort nehmen, dann sollte man auch konsequent sein. Der engelgleiche Kirchenlehrer des 13. Jahrhunderts meinte n\u00e4mlich u.a., wenn schon M\u00fcnzf\u00e4lscher vom Staat hingerichtet w\u00fcrden, so m\u00fcsse man erst recht Verf\u00e4lscher der &#8222;wahren Glaubenslehre&#8220; totmachen.<\/p>\n<p>Was mit Gewissheit festzuhalten ist: Ein kirchlicher Lehrkomplex, der in der Geschichte f\u00fcr das m\u00f6rderische Kriegshandwerk immer wieder die erw\u00fcnschten Legitimationen beigebracht hat, w\u00e4hrend er gleichzeitig f\u00fcr die erotische Liebesbegegnung von zwei M\u00e4nnern ewige H\u00f6llenstrafen beschwor, kann schon in der Wurzel mit dem allein ma\u00dfgeblichen Wegweiser Jesus von Nazareth nichts zu tun haben.<\/p>\n<h3 class=\"subheading\">Vom Feuertod bis zu den Konzentrationslagern<\/h3>\n<p>In der nachkonstantinischen Staatskirche blieben die Ausf\u00fchrungen der Theologen zur Homosexualit\u00e4t keineswegs nur graue Theorie. Bereits im Jahr 390 beruft sich der christliche Kaiser Theodosius in einem Dekret auf das mosaische Gesetz und verf\u00fcgt die Verbrennung von homosexuell praktizierenden M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Der ostr\u00f6mische Kaiser Justinian stempelt unter R\u00fcckgriff auf die biblische Sodomgeschichte (Genesis 19,1-22) die Homosexuellen im 6. Jahrhundert zu S\u00fcndenb\u00f6cken. Im Kontext von Katastrophen und Staatskrise wird \u00fcber sie die Todesstrafe verh\u00e4ngt, um g\u00f6ttliches Strafgericht vom Volk abzuwenden.<\/p>\n<p>Im fr\u00e4nkischen Reich sehen die gef\u00e4lschten &#8222;Karolingischen Kapitulare&#8220; des Benedictus Levita den Feuertod f\u00fcr Homosexuelle vor. Diese Strafform ist auch noch in der &#8222;Peinlichen Gerichtsordnung&#8220; Karls V. (1532) vorgesehen. In den Zeiten des Teufels- und Hexenwahns dominiert ein satanisches Deutungsmodell der Homosexualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Todesstrafe f\u00fcr das Delikt gleichgeschlechtlicher Handlungen, die seit der Aufkl\u00e4rung zunehmend als unangemessen empfunden wird, h\u00e4lt man in manchen christlichen L\u00e4ndern bis ins 19. Jahrhundert hinein bei.<\/p>\n<p>Zur m\u00f6rderischen Verfolgung unter den Faschisten schweigen die Kirchen sp\u00e4ter und verweigern aus Angst, die weite Verbreitung von Homosexualit\u00e4t vor allem im Ordensklerus k\u00f6nne noch weiter ins Licht der \u00d6ffentlichkeit r\u00fccken, den Opfern jegliche Hilfe. Wer als Katholik nach Verurteilung gem\u00e4\u00df \u00a7 175 StGB im Konzentrationslager landet, verf\u00e4llt nach dem damals g\u00fcltigen Kirchenrecht zugleich dem kirchlichen Ehrverlust (infamia iuris). F\u00fcr die gnadenlose, z.T. t\u00f6dliche Polizeijagd auf Homosexuelle w\u00e4hrend der &#8222;katholischen Adenauer-\u00c4ra&#8220; beruft man sich wiederum auf die Sittenlehre der Kirche.<\/p>\n<h3 class=\"subheading ztitel\">Roms Feldzug gegen die Homosexualit\u00e4t<\/h3>\n<p>Die Kirche des II. Vaticanums (1962-1965) entdeckt wieder die Liebe als Zentrum menschlicher Sexualit\u00e4t, doch schon die Naturrechts-Enzyklika &#8222;Humanae Vitae&#8220; (1968) zeigt auf tragische Weise, wie im Hintergrund konzilsfeindliche Kr\u00e4fte den Lernprozess von Anfang an blockieren. Gleichwohl kommt es in Kirche und Theologie zu einem ganz neuen Umgang mit Homosexualit\u00e4t und homosexuell liebenden Menschen.<\/p>\n<p>Erst unter dem Glaubenspr\u00e4fekten Joseph Ratzinger aus Bayern wird dieser Gespr\u00e4chsweg dann abrupt abgebrochen. Wie eine Hysterie nimmt sich der ganze Komplex aus &#8211; eine Obsession, die ohne psychologische Modelle des Selbsthasses kaum verstehbar ist. Er reicht kontinuierlich vom Schreiben der Glaubenskongregation &#8222;\u00fcber die Seelsorge f\u00fcr homosexuelle Personen&#8220; (1986) bis hin zum Novum eines Priester-Berufsverbotes f\u00fcr alle homosexuellen M\u00e4nner direkt nach dem Amtsantritt von Benedikt XVI., dessen &#8211; wom\u00f6glich r\u00fcckwirkende &#8211; Umsetzung heute noch immer in eine pastorale Katastrophe f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die vor allem im Schreiben der Glaubenskongregation und im Weltkatechismus von 1993 dokumentierte kirchenamtliche Lehre l\u00e4sst sich im Wesentlichen so zusammenfassen:<\/p>\n<p>1) Die &#8222;spezifische Neigung der homosexuellen Person&#8220; ist bereits &#8222;objektiv ungeordnet&#8220;, da sie der Tendenz nach auf ein sittlich schlechtes Verhalten ausgerichtet ist. (1975 hatte eine Vatikanerkl\u00e4rung lediglich festgestellt, die homosexuelle Neigung sei &#8222;in sich nicht s\u00fcndhaft&#8220;. Beim Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der inzwischen freilich radikal umgelernt hat, wurde es dann 2010 schon zur S\u00fcnde, &#8222;homosexuell zu sein&#8220;.)<\/p>\n<p>2) Homosexuelle Handlungen &#8222;versto\u00dfen gegen das nat\u00fcrliche Gesetz&#8220;, da sie die Fortpflanzung ausschlie\u00dfen, und sind ausnahmslos S\u00fcnde. Im Juli 2004 sa\u00df ich auf einer Podiumsveranstaltung der &#8222;HuK&#8220; neben einem &#8211; z\u00f6libat\u00e4ren &#8211; Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Moraltheologie, der mir &#8211; w\u00f6rtlich &#8211; die &#8222;fehlende biologische Leistungserbringung&#8220; von Homosexuellen entgegenhalten wollte. Auch dieser &#8211; inzwischen leider verstorbene &#8211; Theologe wurde sp\u00e4ter ein engagierter Anwalt der homosexuell Liebenden und schrieb mir in einer E-Mail, wir seien ja nicht auf Erden, um auf alten Irrwegen zu trotten und nichts mehr vom Leben zu lernen.<\/p>\n<p>3) Weiterhin verk\u00fcndet das R\u00f6mische Lehramt: Homosexuelle Menschen m\u00fcssen ein Leben in vollst\u00e4ndiger Enthaltsamkeit f\u00fchren, sollen die daraus erwachsenden Schwierigkeiten &#8222;mit dem Kreuzesopfer des Herrn&#8220; vereinen und werden zum h\u00e4ufigen Empfang des Beichtsakramentes angehalten. Von emanzipatorischen Gruppen haben sie sich fernzuhalten. Die sexuelle Identit\u00e4t soll im sozialen Leben nicht nach au\u00dfen mitgeteilt werden.<\/p>\n<p>Besonders peinlich f\u00fcr r\u00f6misch-katholische Christen ist es, dass beide Vatikandokumente auf die wirkungsgeschichtlich so folgenreiche &#8222;Sodom-Geschichte&#8220; (Genesis 19,1-21) verweisen. Welche Exegeten konsultiert man in Rom? Schon Jesus sah die S\u00fcnde der M\u00e4nner Sodoms in der Verletzung des Gastrechtes (Matth\u00e4us 10,15). Ob die Gottesboten (&#8222;Engel&#8220;), die sie vergewaltigen wollten, nun m\u00e4nnlich oder weiblich waren, das sagt rein gar nichts aus \u00fcber ihr sch\u00e4ndliches Ansinnen.<\/p>\n<h3 class=\"subheading ztitel\">Mitleid, Takt und &#8222;gerechte Diskriminierung&#8220;<\/h3>\n<p>Der Katechismus ermahnte nun ausdr\u00fccklich dazu, den &#8222;homosexuellen Personen&#8220; &#8222;mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen&#8220; und sie nicht &#8222;ungerecht zur\u00fcckzusetzen&#8220;. Derweil unterbreitete die r\u00f6mische Kirchenleitung in Anweisungen an nationale Bischofskonferenzen und einem eigenen Schreiben (1992), welche gerechten Diskriminierungen von Homosexuellen sie f\u00fcr notwendig erachtete. Vor allem im Bereich der Arbeitsverh\u00e4ltnisse wurde ein kirchliches Sonderrecht beansprucht.<\/p>\n<p>Als Frauen- und M\u00e4nnerpaare in Europa endlich Rechtssicherheit beim Eingehen fester Partnerschaftsformen erlangt hatten, sprach Kardinal Joseph Ratzinger wiederholt &#8211; mit gro\u00dfer Theatralik &#8211; von einem &#8222;Austritt aus der gesamten moralischen Geschichte der Menschheit&#8220; und einer gravierenden &#8222;Aufl\u00f6sung des Menschenbildes&#8220;.<\/p>\n<p>Ein eigenes Dokument von 2003 bezeichnet gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als &#8222;f\u00fcr die gesunde Entwicklung der menschlichen Gesellschaft sch\u00e4dlich&#8220;, wobei die Leser unwillk\u00fcrlich an das unselige Konzept von &#8222;Volksgesundheit&#8220; erinnert werden. Einen B\u00fcndnispartner beim Kampf gegen die &#8222;Homoehe&#8220; fand Papst Benedikt XVI. in George Bush junior, dessen Angriffskriege und Folterpraxis er an keiner Stelle mit Klartext verurteilt hat.<\/p>\n<p>In fast allen Kirchen der Reformation hat sich in nur wenigen Jahrzehnten eine neue Sicht der homosexuellen Liebe den Weg gebahnt, was auch ganz praktisch mit einer Beseitigung herk\u00f6mmlicher Benachteiligungen einhergeht. Die Anglikaner haben Wege gefunden, trotz unterschiedlicher Anschauungen in einem Weltverbund zu bleiben.<\/p>\n<p>Zusammen mit bibelfundamentalistischen Protestanten geh\u00f6rt die Vatikanische Glaubenskongregation in Europa zu den letzten Bastionen, die f\u00fcr sich das Un-Recht einer Ver\u00e4chtlichmachung und Diskriminierung homosexuell Liebender reklamieren.<\/p>\n<h3 class=\"subheading ztitel\">\u00dcber Kardinal Alfonso L\u00f3pez Trujillo, oder: &#8222;An ihren Fr\u00fcchten wert ihr sie erkennen&#8220;<\/h3>\n<p>Es gilt nun nach wie vor die Hilfsregel des Jesus von Nazareth: &#8222;An ihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen!&#8220; (Matth\u00e4us-Evangelium 7,16) Einer der exponiertesten Verfechter des homophoben Kreuzzugs Joseph Ratzingers war der kolumbianische Kardinal Alfonso L\u00f3pez Trujillo (1935-2008). Zu dessen dringlichen Evangelisierungs-Inhalten geh\u00f6rte die Verteufelung von &#8222;Homo-Partnerschaft&#8220; und Kondomgebrauch.<\/p>\n<p>Im Verein mit dem Essener Milit\u00e4rbischof Franz Hengsbach (1910-1991), der u.a. einen sp\u00e4ter in meinem Geburtsort als Priester eingesetzten p\u00e4dosexuellen Straft\u00e4ter protegiert hat, f\u00fchrte er einen regelrechten Krieg gegen die Kirche der Armen in Lateinamerika, um dann besonders den Feinden des M\u00e4rtyrerbischofs Oscar Romero beizustehen.<\/p>\n<p>Seit einem Jahr hat die Welt\u00f6ffentlichkeit auf der Grundlage u.a. von <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/frederic-martel-sodom-macht-homosexualitaet-und-doppelmoral.1310.de.html?dram:article_id=460324\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Interviews f\u00fcr Fr\u00e9d\u00e9ric Martels Forschungen<\/a> ein neues Bild von diesem rechten Saubermann-Kardinal, der den Luxus wie zu &#8222;Renaissance-Zeiten&#8220; liebte und ebenso K\u00fcsse auf seinen Bischofsring: Bereits als Hirte des Bistums Medellin, so tragen Zeitzeugen vor, lie\u00df er sich in einer Geheimwohnung junge, von ihm abh\u00e4ngige Theologiestudenten f\u00fcr (kaum freiwilligen) Sex zuf\u00fchren &#8211; und ansonsten auch sch\u00f6ne m\u00e4nnliche Prostituierte (aus den Familien der Armen), die er dann nach dem Akt und vor der geizigen Bezahlung gewaltt\u00e4tig z\u00fcchtigte.<\/p>\n<p>H\u00e4tte sich Ratzingers Glaubenskongregation nicht besser um solche willigen Parteig\u00e4nger und andere priesterliche Gewaltt\u00e4ter k\u00fcmmern sollen, w\u00e4hrend sie unendliche Energien hineinsteckte in eine Besch\u00e4mung von homosexuell Liebenden, die gegen kein Gebot der Menschlichkeit versto\u00dfen haben?<\/p>\n<h3 class=\"subheading\">Erpressung und Anpassung als System &#8211; N\u00e4hrboden f\u00fcr mannigfache sexuelle Gewalt<\/h3>\n<p>Geflissentlich wurde die Homosexualit\u00e4t im klerikalen M\u00e4nnerbund stets \u00fcbersehen, solange die betreffenden Personen die eigene Identit\u00e4t verbargen, angepasst blieben und enorme Arbeitsleistungen erbrachten. Bei ersten Abweichungen deutete man diskret an, dass man durchaus vom wunden Punkt in der Pers\u00f6nlichkeit des Gegen\u00fcbers wusste.<\/p>\n<p>Durch solche erpresserischen Methoden wurden Schwule im Raum der Kirche dahin getrieben, sich selbst zu verraten und im Zuge eines Kompensations-Konservatismus der herrschenden Linie besonders bereitwillig Folge zu leisten.<\/p>\n<p>Der &#8222;Berufswahl Priester&#8220; von Homosexuellen lagen bis in die j\u00fcngste Vergangenheit hinein meist unbewusste Prozesse bzw. Verdr\u00e4ngungen zugrunde, also keine hellwachen und freien Lebensplanungen. Entsprechend liefen auch die Anpassungsmechanismen oft unbewusst ab. Theologiestudenten oder Priester ahnten, dass in ihnen eine Orientierung zum gleichgeschlechtlichen Eros schlummert. Solange dies unter dem Vorzeichen von Angst geschah, f\u00fchlten sie sich wertlos und s\u00fcndig. Schon die blo\u00dfe Neigung soll ja dem Katechismus zufolge ein objektiver Pers\u00f6nlichkeitsdefekt sein.<\/p>\n<p>Und so kam es, dass Menschen, denen in der Kirche niemand Mut machte, den eigenen Lebensreichtum zu entdecken und als Geschenk anzunehmen, sich verkauften (bzw. ihre Annahme erkauften). Sie st\u00fctzten dann ein Klerikalgeb\u00e4ude, in dem die Botschaft des Jesus von Nazareth de facto nicht mehr vorkam, und f\u00fchlten sich so erpressbar, dass sie z.B. auch ihre Kenntnisse von sexueller Gewalt im Raum der Kirche niemandem mitteilten. (Nat\u00fcrlich betrafen die Anpassungsmechanismen auch solche Amtstr\u00e4ger, die sich wie Kardinal Trujillo sehr berechnend in einem m\u00f6glichst bequemen Doppelleben einrichteten.)<\/p>\n<p>Bei einem nicht integrierten homosexuellen Mann, der sich selbst in einem zentralen Bereich seiner Pers\u00f6nlichkeit fremd bleibt, fehlt ein alles entscheidender Reifungsschritt. In einem solchen Stadium w\u00e4re ein homosexueller Kandidat zweifellos ungeeignet f\u00fcr die Seelsorge.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend nun die vatikanischen Richtlinien Verdr\u00e4ngung und Heimlichkeit f\u00f6rderten, bleibt in der Priesterausbildung noch immer das genaue Gegenteil &#8211; die offene Selbstannahme &#8211; unabdingbar. Weniger depressive und sich ungeliebt f\u00fchlende Priester, das w\u00e4re ein gutes Ziel.<\/p>\n<p>Nur angedeutet sei, dass der kirchliche Komplex &#8222;Homophobie, Homosexualit\u00e4t und Gewalt&#8220; viel mehr Bereiche umfasst. Dazu geh\u00f6ren selbstredend auch respektlose Grenz\u00fcberschreitungen gegen\u00fcber vollj\u00e4hrigen Mitmenschen, Selbstmorde von Gl\u00e4ubigen, Theologiestudenten und Priestern bis in die j\u00fcngste Vergangenheit hinein, das uns\u00e4glich traurige Schicksal AIDS-kranker Priester noch im vorletzten Jahrzehnt oder die Zumutungen f\u00fcr m\u00e4nnliche Partner von Klerikern, die \u00e4hnlich ausfallen wie bei &#8222;Priesterfrauen&#8220;.<\/p>\n<p>Mit seinem homophoben Feldzug hat speziell Joseph Ratzinger \u00fcber einen sehr langen Zeitraum systematisch eine angstfreie Kultur der Offenheit, Wahrhaftigkeit, Reifung und Selbstfindung im Raum der Kirche unm\u00f6glich gemacht. Jegliches Fortschreiten nach dem Reformkonzil &#8211; in Moraltheologie, Pastoral, Priesterausbildung und Gemeindeleben &#8211; sollte sp\u00e4testens ab Mitte der 1980er Jahre wieder abgew\u00fcrgt werden. Zum Gro\u00dfteil war dies leider gelungen.<\/p>\n<p>In den schwul-lesbischen Kirchengruppen der USA, so konnte ich 1987 in Baltimore miterleben, herrschte seit dem Ratzinger-Schreiben der Glaubenskongregation st\u00e4ndige Panik. Frauen und M\u00e4nner aus Universit\u00e4tstheologie und Seelsorge wurden gema\u00dfregelt. Genau dieses Klima der Angst in der Kirche ist einer der N\u00e4hrb\u00f6den f\u00fcr Unwahrhaftigkeit und sexualisierte Gewalt!<\/p>\n<p>In keiner Weise f\u00fchrte der ganze Komplex zu weniger homosexuell orientierten Kandidaten in bisch\u00f6flichen Einrichtungen des 2. Bildungsweges, Konvikten, Kl\u00f6stern etc. Gef\u00f6rdert wurden lediglich Denunziationen, Spitzeltum, Paranoia, Misstrauen und die Entwicklung raffinierter \u00dcberlebensstrategien.<\/p>\n<p>Dergleichen geh\u00f6rt hierzulande gottlob fast \u00fcberall der Vergangenheit an. Der K\u00f6lner Kardinal Rainer Woelki hat allerdings noch 2021 demonstrativ einen bereits <a href=\"https:\/\/www.katholisch.de\/artikel\/21739-nach-aussagen-zu-homosexualitaet-woelki-spricht-priesterausbilder-vertrauen-aus\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">2019 umstrittenen homophoben Geistlichen<\/a> mit der <a href=\"https:\/\/www.katholisch.de\/artikel\/24818-in-die-kritik-geratener-priesterausbilder-soll-koelner-seminar-leiten\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Leitung des Priesterseminars<\/a> beauftragt &#8211; eine Entscheidung, die ganz gewiss mit \u00fcberzeugenden Pr\u00e4ventions-Konzepten gegen die sexuelle Klerikergewalt nicht vereinbar ist.<\/p>\n<h3 class=\"subheading ztitel\">Das &#8222;g\u00f6ttliche Konzept der Liebe&#8220; zum Bl\u00fchen bringen<\/h3>\n<p>Gibt es Aussicht auf eine Befreiung auch der r\u00f6mischen Kirchenzentrale von der Homophobie, da doch in vielen Ortskirchen die Angst l\u00e4ngst geheilt ist und sich unwiderruflich eine andere Pastoral etabliert hat?<\/p>\n<p>Im Weltkatechismus, der f\u00fcr das leibhaftige Leben weithin keine Bedeutung mehr hat, wird nach wie vor behauptet, gleichgeschlechtlichen Beziehungen w\u00fcrden nicht aus einer &#8222;wahren affektiven Erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftigkeit&#8220; entspringen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den Autoren solch gruseliger Texte hat ein Mann wie Kardinal Basil Hume dem leibhaftigen Leben in unserer Welt zugeh\u00f6rt. Er forderte schon 1995, dass &#8222;unsere Kirche homosexuelle Frauen und M\u00e4nner nicht nur als vollwertige Menschen anerkennen soll&#8220;, sondern in ihren &#8222;Liebesbeziehungen auch eine Liebe zu akzeptieren bereit sein muss, die das g\u00f6ttliche Konzept zwischenmenschlichen Zusammenseins anreichert und zur h\u00f6chsten Bl\u00fcte f\u00fchren kann.&#8220;<\/p>\n<p>Als Kronzeuge f\u00fcr eine andere Sichtweise k\u00f6nnte auch der heute f\u00fcr die \u00d6kumene zust\u00e4ndige Kurienkardinal Kurt Koch genannt werden, der erst im Zuge einer langen vatikanischen Pr\u00e4gung auf Linie gebracht wurde. \u00dcber ihn teilt Hans K\u00fcng im Buch &#8222;Ist die Kirche noch zu retten?&#8220; (2011) auf Seite 175 mit:<\/p>\n<blockquote class=\"rte__textbox-blockquote\"><p>Noch ein halbes Jahr vor seiner Priesterweihe (1982) ver\u00f6ffentlichte er [Kardinal Kurt Koch] die kleine Schrift &#8222;Lebensbeispiel der Freundschaft. Meditativer Brief an meinen Freund&#8220;. Es handelt sich um eine Hymne auf die k\u00f6rperliche Z\u00e4rtlichkeit zu seinem Freund, den er [\u2026] als &#8222;die zweite, die soziale Geb\u00e4rmutter meines Lebens&#8220; bezeichnet. Auffallenderweise erscheint diese Schrift in der offiziellen Bibliographie Bischof Kochs nicht mehr.<\/p>\n<p><cite>Hans K\u00fcng<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<p>Im April 2010 pl\u00e4dierte sogar der Wiener Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn f\u00fcr einen Wandel hin zu einer &#8222;Moral des Gl\u00fccks&#8220; und konkretisierte dies so: &#8222;Beim Thema Homosexualit\u00e4t etwa sollten wir st\u00e4rker die Qualit\u00e4t einer Beziehung sehen. Und \u00fcber diese Qualit\u00e4t auch wertsch\u00e4tzend sprechen.&#8220; Solche Differenzierungen aus dem Mund eines engen Ratzinger-Sch\u00fclers waren wirklich etwas Neues.<\/p>\n<p>In Eros und Sexualit\u00e4t werden vorz\u00fcglich unsere Sch\u00f6nheiten und gleicherma\u00dfen auch unsere Abgr\u00fcnde offenbar. Wie gro\u00df ist die Versuchung, vor solchem Zwiespalt in das M\u00f6nchsideal eines engelgleichen Lebens zu entfliehen. Wir k\u00f6nnen jedoch wissen, dass dort, wo man die Sexualit\u00e4t verteufelt, die &#8222;D\u00e4monen&#8220; oft ein besonders leichtes Spiel haben. Auch hat sich schon so manche vermeintliche Einfl\u00fcsterung des Widersachers im Laufe eines Lebensweges als Botschaft eines Engels erwiesen.<\/p>\n<p>Der Fr\u00fchling steht vor der T\u00fcr. Es werden sich in ungez\u00e4hlten r\u00f6misch-katholischen Gemeinden auf dem ganzen Globus noch viele Bl\u00fctenwunder ereignen. Die Eltern von zwei homosexuellen Kindern, von denen ich im 1. Teil dieses Beitrags berichte, wollen \u00fcbrigens nach Lekt\u00fcre meines Telepolis-Textes doch nicht austreten. Sie lassen mich wissen, man d\u00fcrfe die Kirche nicht vatikanischen Eisheiligen \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<div class=\"rte__textbox akwa-inline-textbox col-lg-12 col-md-12 col-sm-12 col-xs-12\">\n<p><strong>Der Verfasser<\/strong> ist examinierter Krankenpfleger, Theologe und Publizist. Seine B\u00fccher zum Thema: &#8222;Das Lied der Liebe kennt viele Melodien&#8220; (vier Auflagen 1997-2005); &#8222;Die Fromme Revolte &#8211; Katholiken brechen auf&#8220; (2009); &#8222;Wie die Menschheit eins ist. Die katholische Lehre &#8222;Humani generis unitas&#8220; f\u00fcr das dritte Jahrtausend&#8220; (2016); &#8222;Oscar Romero, die synodale Kirche und Abgr\u00fcnde des Klerikalismus&#8220; (2020). &#8211; Aktuelles Forschungsprojekt: <a href=\"https:\/\/kircheundweltkrieg.wordpress.com\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">&#8222;Kirche &amp; Weltkrieg&#8220;<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><em>Leicht abweichend zuerst erschienen bei heise.de:<\/em><br \/>\n<em>Peter B\u00fcrger: Rom und die blutige Geschichte der Verfolgung von Schwulen und Lesben. Ohne Befreiung aus der homophoben Angst kann die Weltkirche weder wahrhaftig noch gewaltfrei werden, Kirchenrevolte f\u00fcr die Liebenden (Teil 2).<\/em><br \/>\n<em>Die Vatikanische Theologenpolizei hilft den katholischen Reformern auf die Spr\u00fcnge. \u2013 Die vom Papst initiierte \u201ez\u00e4rtliche Revolution\u201c soll den homosexuellen Paaren zugute kommen.<\/em><br \/>\n<em>In: telepolis, 28.03.2021. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Rom-und-die-blutige-Geschichte-der-Verfolgung-von-Schwulen-und-Lesben-6000013.html?seite=all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Rom-und-die-blutige-Geschichte-der-Verfolgung-von-Schwulen-und-Lesben-6000013.html?seite=all<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne Befreiung aus der homophoben Angst kann die Weltkirche weder wahrhaftig noch gewaltfrei werden, Kirchenrevolte f\u00fcr die Liebenden (Teil 2) (Ein Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger) In der Begr\u00fcndung zum vatikanischen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/rom-und-die-blutige-geschichte-der-verfolgung-von-schwulen-und-lesben\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRom und die blutige Geschichte der Verfolgung von Schwulen und Lesben\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[674,8669,49],"tags":[1434,526],"class_list":["post-48578","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur","category-rassismus","category-religion","tag-homosexualitat","tag-katholische-kirche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48578","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48578"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48578\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48578"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}