{"id":47860,"date":"2020-12-07T20:00:17","date_gmt":"2020-12-07T19:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=47860"},"modified":"2020-12-07T20:03:43","modified_gmt":"2020-12-07T19:03:43","slug":"kreisgesundheitsamt-im-digitalen-dauer-lockdown","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/kreisgesundheitsamt-im-digitalen-dauer-lockdown\/","title":{"rendered":"HSK: Kreisgesundheitsamt im Digitalen Dauer-Lockdown?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Gesundheits\u00e4mter sind momentan durch die Folgen der Pandemie stark belastet. Auch im HSK helfen z.B. etwa 20 Bundeswehrsoldaten mit, damit die Arbeitsmenge \u00fcberhaupt zu bew\u00e4ltigen ist.<\/strong><\/p>\n<p><em>(Der Beitrag ist zuerst <a href=\"http:\/\/sbl-fraktion.de\/?p=9769\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">auf der Website der Sauerl\u00e4nder B\u00fcrgerliste<\/a> erschienen.)<\/em><\/p>\n<p>Aber ist das ein Grund, die Organisation des Amtes zu vernachl\u00e4ssigen? Gerade in einer solchen Phase sollte es doch Aufgabe der Amtsleitung sein, die Arbeitsabl\u00e4ufe zu verbessern. Doch das scheint im HSK nicht zu gelingen.<\/p>\n<p>Leider kommt es zu vielen Pannen, die sowohl f\u00fcr die Betroffenen \u00e4rgerlich sind als auch die Bek\u00e4mpfung der Pandemie erschweren.<br \/>\nEinige Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Es wurden rechtswidrige \u201cAbsonderungs\u201d-Bescheide erstellt, die keine Aussage enthielten, wann und unter welchen Voraussetzungen die \u201cIsolierung in h\u00e4uslicher Quarant\u00e4ne\u201d wieder beendet wird. Erst nach erfolgreicher Klage eines Betroffenen wurden die Bescheide ge\u00e4ndert.<\/li>\n<li>Die Kriterien des RKI, wer wann und wie lange in Absonderung geschickt wird, wurden nicht eingehalten.<\/li>\n<li>Infizierte wurden viel zu sp\u00e4t in \u201ch\u00e4usliche Isolierung\u201d geschickt (was die Infektionsrisiken deutlich erh\u00f6ht).<\/li>\n<li>Kontaktpersonen von Infizierten wurden erst nach Ende ihrer Quarant\u00e4nezeit erstmals \u00fcber die Anordnung der Quarant\u00e4ne informiert (was keinen Sinn ergibt).<\/li>\n<li>Positiv getestete Personen wurden zu einem Zeitpunkt, zu dem sie nicht mehr infekti\u00f6s waren, erneut in Isolierung geschickt.<\/li>\n<li>Die Zuordnung von Kontaktpersonen zur Kategorie K1 (mit Anordnung von Quarant\u00e4ne) ist teilweise fragw\u00fcrdig.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies f\u00fchrt dazu, dass die Pandemie nicht bestm\u00f6glich bek\u00e4mpft werden kann, und f\u00fchrt au\u00dferdem vielfach zu einer Erh\u00f6hung des Arbeitsvolumens, ohne dass sich daraus ein Nutzen ergibt.<\/p>\n<p>Die SBL-Fraktion hatte f\u00fcr die Sitzung des Gesundheits- und Sozialausschusses am 30. November den Antrag eingebracht, dass das Kreisgesundheitsamt \u00fcber die Isolierungs- und Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen berichten soll. Dies lehnte die Amtsleitung leider ab.<\/p>\n<p>An den Arbeitsabl\u00e4ufen gibt es jedoch viel zu verbessern. Ein Beispiel:<\/p>\n<p>Wenn in einer Arztpraxis ein PCR-Abstrich abgenommen wird, um zu kl\u00e4ren, ob sich jemand tats\u00e4chlich mit Covid-19 (Corona) infiziert hat, muss in der Praxis ein Meldebogen nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) mit vielen Eintr\u00e4gen per Hand ausgef\u00fcllt werden. Der wird dann an das Gesundheitsamt gefaxt. Das Ergebnis des Abstrichs erh\u00e4lt das Gesundheitsamt vom beauftragten Labor, ebenfalls per Fax. So erh\u00e4lt das Amt jede Woche etwa 7.000 Fax-Sendungen im Zusammenhang mit Corona-Tests. Deren Bearbeitung und Sortierung dauert sehr lange, vor allem wenn es darum geht, im Amt Daten aufzufinden. Denn alle empfangenen Daten m\u00fcssen vom Fax abgeschrieben werden, oder es m\u00fcssen Faxe aus gro\u00dfen Stapeln herausgesucht werden.<\/p>\n<p>Die Labore und die Arztpraxen arbeiten dagegen untereinander mit Datenfern\u00fcbertragung. Die Praxen haben daher immer gleich elektronischen Zugriff auf die Labordaten ihrer Patienten. Die Getesteten erhalten von fast allen Laboren einen Zettel mit einem QR-Code und k\u00f6nnen dann ihr Testergebnis sofort nach Vorliegen \u00fcber die Corona-Warn-App abrufen. Im digitalen Zeitalter ist es unbegreiflich, dass Labore und Arztpraxen digital arbeiten, dass B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger die Corona-Warn-App nutzen sollen, das Kreisgesundheitsamt aber analog arbeitet, mit extremen zeitlichen Verz\u00f6grungen.<\/p>\n<p>Es gibt eine Software f\u00fcr Gesundheits\u00e4mter, die diese Daten sicher und schnell verarbeiten und weiterleiten kann. \u201cSORMAS\u201d wurde vom Helmholtz-Institut mit Unterst\u00fctzung des Bundesgesundheitsministeriums entwickelt. Im Ausland ist sie zur Pandemiebek\u00e4mpfung bereits erfolgreich im Einsatz, ebenso wie in vielen Gesundheits\u00e4mtern in Deutschland. Das Land Niedersachsen hat beschlossen, diese Software fl\u00e4chendeckend einzuf\u00fchren. Auch im Gesundheitsamt des Nachbarkreises Paderborn ist sie bereits im Einsatz. Sie leistet auch gute Dienste bei der Nachverfolgung und Betreuung der Kontaktpersonen.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage der SBL im Gesundheitsausschuss erkl\u00e4rte der hiesige Amtsleiter jedoch, dass er sie im HSK nicht einf\u00fchren wolle, weil er das den Mitarbeitern nicht zumuten wolle und die Software angeblich nicht gut w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wie dringend digitale L\u00f6sungen sind, wurde vor einigen Tagen an einem konkreten Fall deutlich. Eine \u00c4rztin im Kreisgebiet hatte das Abstrich-Ergebnis eines Bewohners einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft erhalten: er war positiv getestet. Das Ergebnis war vom Labor an das Gesundheitsamt in Meschede per Fax \u00fcbermittelt worden, und auch die \u00c4rztin sandte es dem Amt noch einmal per Fax zu. Wer die Wohnverh\u00e4ltnisse in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften kennt wei\u00df, dass jetzt dringender Handlungsbedarf besteht. Als die \u00c4rztin dann auch noch im Gesundheitsamt anrief und es auffordern wollte, dass es sich um die Mitbewohner k\u00fcmmern sollte, antwortete ihr der Mitarbeiter des Amtes, darum k\u00f6nne er sich nicht k\u00fcmmern, weil er keinen Zugriff auf das Testergebnis h\u00e4tte\u2026<\/p>\n<p>Aus vielen anderen F\u00e4llen ist bekannt, dass auch der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Amtes bei Gespr\u00e4chen mit Personen in Quarant\u00e4ne nicht gut funktioniert.<\/p>\n<p>Der Kreistag des HSK hat am 16.03.2018 eine \u201cDigitalisierungsstrategie f\u00fcr die Verwaltung des Hochsauerlandkreises\u201d beschlossen. Was n\u00fctzt so eine Strategie, wenn sie in solchen Situationen nicht umgesetzt wird? Wenn es die Amtsleitung nicht schafft, dann sollten andere Verantwortliche eingreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gesundheits\u00e4mter sind momentan durch die Folgen der Pandemie stark belastet. Auch im HSK helfen z.B. etwa 20 Bundeswehrsoldaten mit, damit die Arbeitsmenge \u00fcberhaupt zu bew\u00e4ltigen ist. 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