{"id":47583,"date":"2020-10-31T21:03:40","date_gmt":"2020-10-31T20:03:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=47583"},"modified":"2020-10-31T21:16:14","modified_gmt":"2020-10-31T20:16:14","slug":"nikolai-koslow-geboren-am-19-maerz-1917-und-der-handkarren-in-der-siedlinghauser-heimatstube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/nikolai-koslow-geboren-am-19-maerz-1917-und-der-handkarren-in-der-siedlinghauser-heimatstube\/","title":{"rendered":"Nikolai Koslow, geboren am 19. M\u00e4rz 1917, und der Handkarren in der Siedlinghauser Heimatstube."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_47587\" aria-describedby=\"caption-attachment-47587\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-47587\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201003KoslawSiedlinghausen.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201003KoslawSiedlinghausen.jpg 2048w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201003KoslawSiedlinghausen-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201003KoslawSiedlinghausen-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201003KoslawSiedlinghausen-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201003KoslawSiedlinghausen-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-47587\" class=\"wp-caption-text\">Grabplatte auf dem Friedhof in Siedlinghausen. (foto: schiebener)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>In \u201e<a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/die-frau-die-den-friedhof-roebbecken-in-siedlinghausen-besuchen-wollte-aber-angst-vor-bullen-hatte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Frau, die den ,Friedhof R\u00f6bbecken\u2019 in Siedlinghausen besuchen wollte, aber Angst vor Bullen hatte<\/a>\u201c[1] zitiere ich aus dem Kapitel \u201eDie Geschichte der russischen Kriegsgefangenen\u201c aus <a href=\"https:\/\/www.sauerlandibus.de\/sauerlankultur\/Carl-Caspari\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Carl Casparis Buch \u201eUnser Dorf Siedlinghausen<\/a>\u201c[2]. Darin wird einmal ein \u201eHandkarren\u201c und zweimal ein \u201eHandwagen\u201c erw\u00e4hnt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Handkarren:<\/strong><br \/>\n\u201eWie qualvoll und grausam das Gefangenendasein war, kann man schon daran erkennen, da\u00df es viele Tote gab. In dem Gefangenenlager des Steinbruchs Bertram am Iberg gab es keine Toten. Alle sind bei Dietrich Kr\u00e4mer am Meisterstein umgekommen. &#8230;<\/p>\n<p>Ab November 1941 wurden die verstorbenen russischen Soldaten auf dem Viehfriedhof begraben. &#8230;<\/p>\n<p>Hier fuhr man auch die toten russischen Gefangenen mit dem Handkarren herauf. Sollte ein toter russischer Gefangener beerdigt werden, so legte man ihn in einer Kiste mit einem Deckel. &#8230; Man stellte sie auf eine Karre. Die Gefangenen fuhren sie hinauf zum R\u00f6bbecken. Dort mu\u00dften sie auch das Grab ausheben. &#8230; Die Kiste wurde einfach umgekippt und der Tote fiel in das Grab. &#8230;<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter fertigten der Schreiner Se.[3] oder der Schreiner Si. eine andere Kiste an. Sie hatte auch im Boden eine Klappe. Man stellte sie einfach \u00fcber das Grab, \u00f6ffnete die Klappe am Boden und der Tote fiel nach unten.\u201c[4]<\/p>\n<p><strong>2. a) Handwagen:<\/strong><br \/>\n\u201eAm fr\u00fchen Morgen des Karfreitags 1944 floh ein russischer Kriegsgefangener aus des dem Steinbruch am Meisterstein. Er lief durch den Allenberg am Schieben (heute Ennertstra\u00dfe) herunter und versteckte sich in dem Holzschuppen hinter dem Haus von Rudolf K. in der Sorpestra\u00dfe. &#8230;<\/p>\n<p>Der Nachbarjunge Reinhard K., der damals 13 Jahre alt war, erlebte das Drama als Augenzeuge mit und erz\u00e4hlte mir folgende Geschichte. &#8230; Der Geflohene sa\u00df auf dem Boden und lehnte vor Ersch\u00f6pfung an einer Leiter. Mein Vater sagte zu den Wachposten: ,Der Mann braucht Hilfe!\u2019 Der Wachposten gab zur Antwort: ,Der braucht keine Hilfe mehr.\u2019<\/p>\n<p>So gingen die beiden Soldaten wieder aus dem Schuppen heraus. Auf der Stra\u00dfe hatten sich mittlerweile einige Nachbarn eingefunden. Ein Soldat sagte ihnen, sie sollten nach Hause gehen, das w\u00e4re hier kein Kindergarten.<\/p>\n<p>Danach ging er noch einmal in den Schuppen und erscho\u00df einfach den wehrlosen Mann. Auf die Frage, warum er das gemacht h\u00e4tte, antwortete der Soldat, es w\u00e4re Notwehr gewesen. &#8230;<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde der Tote mit einem Handwagen abgeholt. Noch heute sieht Reinhard dieses Bild vor sich.\u201c[5]Karfreitag ist ein beweglicher Feiertag und fiel 1944 auf den 7. April -wenn es stimmt, was im Internet steht[6].<\/p>\n<p>Sieht man sich die Sterbedaten der 30 sowjetischen Zwangsarbeiter auf dem Friedhof in Siedlinghausen an, gibt es niemanden, der am 7.4.1944 starb. \u201eKoslaw\u201c starb am 12. (8), \u201eGurischkin\u201c (20) am 21. April 1944. Die Zahlen in Klammern sind die Gr\u00e4ber auf meiner Friedhofskizze, hier mit Blickrichtung auf die Friedhofstra\u00dfe: &#8230;<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><strong>2. b) Handwagen:<\/strong><br \/>\n\u201eWas ich aber 1943 oder 1944 mit einigen Freunden, wir waren etwa 14 Jahre alt, in der Abendd\u00e4mmerung im November gesehen und geh\u00f6rt habe, war so furchtbar, da\u00df ich das mein Leben lang nicht vergessen kann.<\/p>\n<p>Hinter dem Stacheldrahtverhau sah man schon mal kahlgeschorene Gefangene hervorschauen. Davor patrouillierten die Wachposten nat\u00fcrlich mit Karabinern. Wir kamen mit einem Posten ins Gespr\u00e4ch. Pl\u00f6tzlich aber schrie ein Gefangener in der Baracke ganz f\u00fcrchterlich. Der Wachposten jedoch verzog keine Mine[18] und meinte, da\u00df der Gefangene Kameradendiebstahl begangen h\u00e4tte und nun Pr\u00fcgel daf\u00fcr bek\u00e4me&#8230;.<\/p>\n<p>Es war auch schlimm, als wir Kinder mit ansehen mu\u00dften, wie die kranken Gefangenen zu unserem Dorfarzt Dr. Schranz gingen und andere, die nicht mehr gehen konnten, wurden auf einem Handwagen von anderen Kranken gezogen. Sie sahen zerlumpt und abgemagert aus und hatten kahl geschorene K\u00f6pfe. Manchmal konnte man meinen, sie w\u00e4ren schon halb tot. Sie wurden immer von Soldaten mit Gewehren begleitet.\u201c[19]<\/p>\n<p>Reinhard erlebt mit 13, wie ein Gefangener von einem deutschen Soldaten in einem Schuppen in seiner Nachbarschaft erschossen wird. Er h\u00f6rt dessen klare Ansage \u201eDer braucht keine Hilfe mehr\u201c und dann (mindestens) einen Schu\u00df.<\/p>\n<p>Dann sieht er wahrscheinlich, wie halb tote Gefangene, mit zerrissener Kleidung und kahlgeschoren, die blutige Leiche mit einem Handwagen wegziehen.<\/p>\n<p>Er wird weiter neben diesem Schuppen wohnen und ihn t\u00e4glich sehen m\u00fcssen und noch ein ganzes Jahr die ewige Propaganda h\u00f6ren und sehen, bis zur letzten Durchsage nach Adolf Hitlers Tod: \u201eAus dem F\u00fchrerhauptquartier wird gemeldet, da\u00df unser F\u00fchrer, Adolf Hitler, gestern in seinem Befehlsstand in der Reichskanzleibis zum letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus k\u00e4mpfend, f\u00fcr Deutschland gefallen ist.\u201c[20] &#8230;<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><strong>Weiterlesen mit s\u00e4mtlichen Anmerkungen und Abbildungen (PDF):<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/245.-Nikolai-Koslow-und-der-Handkarren-in-der-Siedlinghauser-Heimatstube.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/245.-Nikolai-Koslow-und-der-Handkarren-in-der-Siedlinghauser-Heimatstube.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In \u201eDie Frau, die den ,Friedhof R\u00f6bbecken\u2019 in Siedlinghausen besuchen wollte, aber Angst vor Bullen hatte\u201c[1] zitiere ich aus dem Kapitel \u201eDie Geschichte der russischen Kriegsgefangenen\u201c aus Carl Casparis Buch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/nikolai-koslow-geboren-am-19-maerz-1917-und-der-handkarren-in-der-siedlinghauser-heimatstube\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eNikolai Koslow, geboren am 19. 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