{"id":47446,"date":"2020-10-22T22:42:04","date_gmt":"2020-10-22T21:42:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=47446"},"modified":"2020-10-22T22:42:28","modified_gmt":"2020-10-22T21:42:28","slug":"forstplantagen-philosophie-immer-weniger-laubwaelder-im-hochsauerland-junge-fichten-anstatt-alter-buchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/forstplantagen-philosophie-immer-weniger-laubwaelder-im-hochsauerland-junge-fichten-anstatt-alter-buchen\/","title":{"rendered":"\u201eForstplantagen-Philosophie\u201c? Immer weniger Laubw\u00e4lder im Hochsauerland. Junge Fichten anstatt alter Buchen."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_7597\" aria-describedby=\"caption-attachment-7597\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7597 size-full\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/maibuchen.png\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7597\" class=\"wp-caption-text\">Auch optisch geben die Buche eine Menge her. (archivfoto)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Vielleicht erinnern Sie sich? Vor einem Monat ver\u00f6ffentlichte die Sauerl\u00e4nder B\u00fcrgerliste (SBL) auf ihrer Internetseite und ihrer Facebook-Seite zwei Berichte \u00fcber die schrittweise Abholzung eines Buchenwaldes am S\u00fcdosthang des \u201eHohen Knochen\u201c nahe Neuastenberg.<\/strong><\/p>\n<p><em>(Der Artikel ist in \u00e4hnlicher Form zuerst <a href=\"http:\/\/sbl-fraktion.de\/?p=9717\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auf der Website der Sauerl\u00e4nder B\u00fcrgerliste erschienen<\/a>.)<\/em><\/p>\n<p>Hier soll in den letzten Jahren ein rund 30 Hektar gro\u00dfer, geschlossener, alter Buchenbestand freigeschlagen und mit Fichten bepflanzt worden sein. Einige dieser jungen Fichten sind mittlerweile aufgrund des Regenmangels wohl schon vertrocknet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2963\" aria-describedby=\"caption-attachment-2963\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2963\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/fichtenundbuchen-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/fichtenundbuchen-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/fichtenundbuchen.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 85vw, 240px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2963\" class=\"wp-caption-text\">Symbolfoto; Dunkle Fichten kontrastieren mit dem helleren Gr\u00fcn der Buchen. (archivfoto)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Umweltsch\u00fctzer, SBL, UNB<\/strong><br \/>\nDie SBL-Kreistagsfraktion schaute sich die vom Buchenwald-Experten Norbert Panek ins Netz gestellten Fotos vom gemetzelten Buchenwald an und erkundigte sich dann schriftlich beim Landrat bzw. bei der Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde (UNB) im Hochsauerlandkreis nach deren Bewertung des Kahlschlags.<\/p>\n<p><strong>Klick:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/sbl-fraktion.de\/?p=9637\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/sbl-fraktion.de\/?p=9637<\/a><\/p>\n<p>Die UNB antwortete, sie sei vom Eigent\u00fcmer weder im Vorfeld noch im Nachhinein \u00fcber die Abholzung des Buchenwaldes in Kenntnis gesetzt worden. Erst durch Herrn Panek w\u00e4re die Beh\u00f6rde im August 2020 \u00fcber die Rodungsma\u00dfnahme informiert worden. Die UNB f\u00fchrt weiter dazu aus, dass im konkreten Fall kein Schutzgebiet betroffen sei und daher die Ma\u00dfnahme weder anzeige- noch genehmigungsp?ichtig ist. Aus \u00f6kologischer Sicht sei die Ma\u00dfnahme zu bedauern!<\/p>\n<p><strong>Klack:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/sbl-fraktion.de\/?p=9657\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/sbl-fraktion.de\/?p=9657<\/a><\/p>\n<p><strong>Umweltverband, Regionalforstamt und Kritik an Beh\u00f6rden und Ministerium<\/strong><br \/>\nDer Umweltverband Naturschutzinitiative (NI) wandte sich offenbar an das zust\u00e4ndige Regionalforstamt in Schmallenberg. Die PM des Umweltverbands zur Stellungnahme des Regionalforstamts stellen wir hier auf den Seiten der SBL gerne ein:<\/p>\n<p>\u201eDas Forstamt Schmallenberg r\u00e4umt zwar ein, dass \u201edie Wiederaufforstung mit reiner Fichte nicht der forstfachlich sinnvollen Vorgehensweise\u201c entspreche, jedoch sei der \u201ewaldbesitzende Unternehmer nicht verpflichtet, dem forstbeh\u00f6rdlichen Ratschlag zu folgen.\u201c<br \/>\nSchlimmer noch: \u201eDie Kahlschl\u00e4ge erfolgten, wie eine Pr\u00fcfung durch das Forstamt und die Naturschutzbeh\u00f6rde ergab, unter Beachtung der forstrechtlichen und naturschutzrechtlichen Vorgaben NRWs und sind damit nicht gesetzeswidrig\u201c, so das Regionalforstamt.<br \/>\nNach Feststellung des Forstamtes seien die \u201eEinschlagma\u00dfnahmen\u201c zudem bereits \u201evor mehreren Jahren\u201c erfolgt. \u201eSatellitenbilder und weitere Fotos belegen jedoch, dass noch im letzten Sommer Buchen eingeschlagen wurden\u201c, so Norbert Panek, Wissenschaftlicher Beirat des Umweltverbandes Naturschutzinitiative (NI) und Buchenwald-Experte.<\/p>\n<p>Harry Neumann, Landesvorsitzender der Naturschutzinitiative (NI) und Norbert Panek reagierten auf die Stellungnahme des Forstamtes mit Verwunderung und Unverst\u00e4ndnis. Dass Buchenw\u00e4lder immer noch \u2013 mitten in Deutschland \u2013 aktiv und v\u00f6llig unbehelligt vernichtet und zu Fichten-\u00c4ckern degradiert werden k\u00f6nnten, stelle letztlich eine Bankrotterkl\u00e4rung des zust\u00e4ndigen Ministeriums und der verantwortlichen Beh\u00f6rden dar. Die Gesetze sanktionieren das Prinzip der Kahlschlagwirtschaft offensichtlich nicht, sie legalisieren es sogar. Vor allem private Waldbesitzer wie hier, nutzen dieses Defizit offenbar schamlos aus.<\/p>\n<p><strong>Sinnbild f\u00fcr eine Forstplantagen-Philosophie<\/strong><br \/>\n\u201eDer Eingriff mag zun\u00e4chst als ein \u201edramatischer Einzelfall\u201c erscheinen, ist aber im Grunde symptomatisch f\u00fcr den gesamten immer noch g\u00e4ngigen Dreiklang der deutschen Forstplantagen-Philosophie: kahlschlagen \u2013 r\u00e4umen \u2013 aufforsten\u201c, so Neumann und Panek. Der der Agrarwirtschaft entlehnte Nutzungsrhythmus habe sich seit 200 Jahren kaum ge\u00e4ndert. Die klassische Forstwirtschaft sei in ihrer Denkweise erstarrt, habe sich von der Natur nahezu komplett abgewendet. Panek: \u201eDer \u201eWald\u201c wird reduziert auf eine Ansammlung von nutzbaren B\u00e4umen, neuerdings im Zeichen des Klimawandels von sogenannten \u201eklimatoleranten\u201c Baumarten. Und alles soll jetzt \u201egemischt\u201c sein, egal, ob standortgerecht oder nicht \u2013 ein k\u00fcnstlich angelegtes Forst-Sammelsurium ausgew\u00e4hlter Exoten. Oder man greift doch noch mal, wie am \u201eHohen Knochen\u201c, auf Altbew\u00e4hrtes zur\u00fcck \u2013 die Fichte, der erkl\u00e4rte Brotbaum der deutschen Forst- und Holzindustrie. Und dies wohlwissend, dass diese Baumart die Klimaerhitzung auf Standorten au\u00dferhalb ihres nat\u00fcrlichen Areals in Mitteleuropa in den n\u00e4chsten 20 Jahren nicht \u00fcberleben wird.\u201c Die Pflanzungen im Hochsauerland seien Sinnbild f\u00fcr eine Forstwirtschaft, die sich vom Prinzip der Nachhaltigkeit und ihrer selbst verordneten \u201eOrdnungsm\u00e4\u00dfigkeit\u201c l\u00e4ngst verabschiedet habe.<\/p>\n<p><strong>Gesetzesnovelle dringend notwendig<\/strong><br \/>\nDer Kahlschlag am \u201eHohen Knochen\u201c habe gezeigt, so Neumann, dass es offensichtlich keine wirksame Rechtsgrundlage f\u00fcr ein klares Kahlschlagverbot im Landesforstgesetz gebe. Dies sei gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Waldsituation unverantwortlich und das in NRW g\u00fcltige Waldgesetz eine \u201ekomplette Augenwischerei\u201c. Hier m\u00fcsse dringend nachgebessert und in dem Gesetz ein generelles Verbot von Kahlschl\u00e4gen sowie entsprechende Sanktionierungsinstrumente gesetzlich verankert werden, so Neumann. Wie zwischenzeitlich aus einer Landtagsanfrage der Partei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen hervorgeht, wolle die Landesregierung \u201eden in Rede stehenden Kahlhieb eingehend nach den Ma\u00dfgaben des Forst- und Naturschutzrechts pr\u00fcfen.\u201c Vor diesem Hintergrund werde auch ein etwaiger \u00c4nderungsbedarf der forstrechtlichen Kahlhiebsbestimmungen gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Panek fordert zudem einen Pauschalschutz f\u00fcr bestimmte Buchenwald-Typen im Landesnaturschutzgesetz. Intakte Buchenw\u00e4lder seien mittlerweile sowohl landes- als auch bundesweit in ihrem Bestand mehr als stark gef\u00e4hrdet. \u201eGerade im verfichteten Hochsauerland h\u00e4tten die letzten verbliebenen Laubw\u00e4lder eine bedeutende Funktion im \u00fcberregionalen Waldbiotopverbund zu erf\u00fcllen\u201c, so Panek und Neumann.\u201c<\/p>\n<p><strong>Klick\/Klack:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/naturschutz-initiative.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=788&amp;catid=22\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/naturschutz-initiative.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=788&amp;catid=22<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht erinnern Sie sich? 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