{"id":46678,"date":"2020-05-29T07:53:56","date_gmt":"2020-05-29T06:53:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=46678"},"modified":"2020-05-29T07:53:56","modified_gmt":"2020-05-29T06:53:56","slug":"mahnmal-erinnert-an-verbrechen-der-nationalsozialisten-lwl-archaeologen-entdecken-obelisken-auf-warsteiner-friedhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/mahnmal-erinnert-an-verbrechen-der-nationalsozialisten-lwl-archaeologen-entdecken-obelisken-auf-warsteiner-friedhof\/","title":{"rendered":"Mahnmal erinnert an Verbrechen der Nationalsozialisten: LWL-Arch\u00e4ologen entdecken Obelisken auf Warsteiner Friedhof"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_46679\" aria-describedby=\"caption-attachment-46679\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83083.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-46679\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83083.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83083.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83083-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83083-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-46679\" class=\"wp-caption-text\">Der Obelisk kurz nach seiner Entdeckung im Boden. Er lag wenig unterhalb des Humus.<br \/>Foto: LWL-Arch\u00e4ologie f\u00fcr Westfalen\/Michael Baales<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Warstein (<a href=\"https:\/\/www.lwl.org\/pressemitteilungen\/nr_mitteilung.php?urlID=50685\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">lwl<\/a>). Arch\u00e4ologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben am vergangenen Mittwoch (27. Mai) oberhalb des Langenbachtals bei Warstein (Kreis Soest) einen Obelisken wiederentdeckt. Die Steins\u00e4ule wurde 1945 auf Veranlassung der Sowjetunion zum Gedenken an 71 Opfer der Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten im nahen Langenbachtal auf dem ehemaligen Friedhofsareal &#8222;Melkepl\u00e4tzchen&#8220; aufgestellt. Der Obelisk war offenbar nach der Umbettung der Toten auf einen Kriegsgefangenenfriedhof des Ersten Weltkriegs bei Meschede im Jahr 1964 absichtlich beseitigt worden.<\/strong><\/p>\n<p><em>(<a href=\"https:\/\/www.lwl.org\/pressemitteilungen\/nr_mitteilung.php?urlID=50685\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pressemitteilung des LWL<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Viele LWL-Forscher arbeiten schon seit Jahren gemeinsam an der Aufarbeitung der NS-Kriegsverbrechen im Sauerland. Wir sehen uns hier in der Verantwortung, auch weiter zur Aufhellung der Geschehnisse beizutragen&#8220;, erkl\u00e4rt LWL-Direktor Matthias L\u00f6b. &#8222;Wir erleben seit einigen Jahren die Verharmlosung und zunehmende Leugnung der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und der NS-Diktatur. Gerade aber die Mordaktionen sind beispielhaft f\u00fcr diesen Teil unserer Geschichte, dem wir uns stellen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>Forschungen des LWL-Historikers Dr. Marcus Weidner waren der Anlass f\u00fcr weitere arch\u00e4ologische Untersuchungen. &#8222;Diese Entdeckung ist bedeutend f\u00fcr die zeitgeschichtliche Erinnerungskultur Warsteins&#8220;, betont Weidner.<\/p>\n<p>Grabungsleiter Dr. Manuel Zeiler von der Au\u00dfenstelle Olpe der LWL-Arch\u00e4ologie: &#8222;Die Ausgrabung liefert wichtige neue Informationen und hilft bei der Aufarbeitung des Geschehenen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Weitere Grabungen<\/strong><br \/>\n&#8222;Schon seit 2018 arbeiten die LWL-Arch\u00e4ologen gemeinsam mit dem LWL-Institut f\u00fcr Westf\u00e4lische Regionalgeschichte an der Aufarbeitung dieses Kapitels NS-Vergangenheit&#8220;, ordnet Professor Michael Rind, Chefarch\u00e4ologe des LWL, die Bedeutung der Untersuchungen ein. Arch\u00e4ologische Ausgrabungen an allen drei Tatorten der NS-Kriegsverbrechen im Langenbachtal erbrachten international beachtete Ergebnisse.<\/p>\n<p>Anlass der Ausgrabungen auf dem ehemaligen Friedhof waren Fragen, die sich bei der Auswertung des umfangreichen Aktenmaterials zum Tatgeschehen sowie zum Friedhof stellten. So forderte bei Anlage des Friedhofes 1945 die Sowjetunion, woher die meisten der hier begrabenen Mordopfer stammten, die Errichtung eines Mahnmals.<\/p>\n<p>Es handelte sich um einen mehrere Meter hohen Obelisken, der in drei Sprachen das Verbrechen, die T\u00e4ter und die Opfer in drastischen Worten benannte. &#8222;Dieser Obelisk verschwand aber zum Zeitpunkt der Umbettung&#8220;, sagt Weidner. &#8222;Im Protokoll des Volksbundes Deutscher Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge, der die Umbettung 1964 realisierte, findet sich dazu ein bemerkenswerter Eintrag. Demnach habe der Volksbund den Obelisken abbrechen m\u00fcssen, da er unter dem Fundament Leichen vermutete.&#8220;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich aber seien alle 1945 beerdigten K\u00f6rper gefunden worden und das Fundament war, wie die Ausgrabung nun ergab, unversehrt. Dies lie\u00dfe den Schluss zu, so Weidner, dass der Obelisk damals bewusst beseitigt worden sei, weil er st\u00f6rte. Weidner vermutet, dass der Obelisk auf dem fr\u00fcheren Friedhof vergraben wurde &#8211; eine Vermutung, die vom Sohn eines der Arbeiter, die seinerzeit den Obelisken abbrachen, best\u00e4tigt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_46681\" aria-describedby=\"caption-attachment-46681\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83086.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-46681\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83086.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1050\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83086.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83086-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83086-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/obelisk83086-768x1152.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-46681\" class=\"wp-caption-text\">Auch die Spitze des Obelisken mit Metallstern als sowjetisches Symbol fand sich weggeworfen im Boden. Foto: LWL-Arch\u00e4ologie f\u00fcr Westfalen\/Manuel Zeiler<\/figcaption><\/figure>\n<p>1964 sei das von den Sowjets aufgedr\u00e4ngte[sic!] Mahnmal offenbar noch ein Dorn im Auge der B\u00fcrger gewesen, erkl\u00e4rt Weidner. &#8222;Doch es hat nur etwa eine Generation gebraucht, um den Umgang der Warsteiner mit den Gr\u00e4ueltaten zu \u00e4ndern. 1993 lie\u00df die Stadt Warstein keine zwei Meter entfernt einen Gedenkstein errichten.&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Der Blick ins Erdreich<\/strong><br \/>\n&#8222;Wir legten zun\u00e4chst mehrere Grabungsschnitte an&#8220;, erkl\u00e4rt Grabungsleiter Zeiler das Vorgehen w\u00e4hrend der Ausgrabung. Im Verlauf der arch\u00e4ologischen Arbeiten zeigte sich allerdings, dass die Kartierung des Friedhofs aus Zeiten der Umbettung der Opfer falsch war. &#8222;Das bedeutete die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Der Plan zeigt vier Gr\u00e4berreihen, in deren westlichster das Mahnmal eingebunden sein sollte. Die Ausgrabungen erbrachten aber ein v\u00f6llig anderes Bild&#8220;, so Zeiler.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich lag das Mahnmal vor der westlichsten Gr\u00e4berreihe. Die Ausgrabungen legten das Betonfundament frei, das etwa 1,5 mal 1,5 Meter misst. Wenig n\u00f6rdlich von diesem entdeckten die Arch\u00e4ologen den besch\u00e4digten Obelisken kurz unterhalb des Oberbodens, gemeinsam mit dem Schutt seines Podestes. Er wurde hierhin gebracht, als das Mahnmal zerst\u00f6rt wurde. Der Obelisk wurde daraufhin z\u00fcgig freigelegt und geborgen.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund: NS-Kriegsverbrechen im Sauerland<\/strong><br \/>\nIm M\u00e4rz 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ver\u00fcbten Angeh\u00f6rige von Waffen-SS und Wehrmacht zwischen Warstein und Meschede im Sauerland eines der gr\u00f6\u00dften Verbrechen in der Endphase des Krieges in Deutschland &#8211; au\u00dferhalb von Konzentrationslagern und Gef\u00e4ngnissen. Exekutions-Kommandos ermordeten an drei Stellen im Arnsberger Wald insgesamt 208 russische und polnische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.<\/p>\n<p>Auf der Grundlage langj\u00e4hriger Forschungen von Historikern des LWL haben LWL-Arch\u00e4ologen 2018 und Anfang 2019 Ausgrabungen an allen drei Tatorten durchgef\u00fchrt. Die Funde zeugen nicht nur von den letzten Stunden im Leben der Ermordeten, sondern geben auch Aufschl\u00fcsse \u00fcber den Ablauf der grausamen Taten.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Der LWL hat zum Thema ein Dossier zusammengestellt:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lwl.org\/de\/LWL\/Der_LWL\/newsroom\/dossiers\/ns-verbrechen-zwangsarbeitern-im-sauerland-1945\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.lwl.org\/de\/LWL\/Der_LWL\/newsroom\/dossiers\/ns-verbrechen-zwangsarbeitern-im-sauerland-1945\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warstein (lwl). Arch\u00e4ologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben am vergangenen Mittwoch (27. Mai) oberhalb des Langenbachtals bei Warstein (Kreis Soest) einen Obelisken wiederentdeckt. 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