{"id":45770,"date":"2020-01-13T18:44:49","date_gmt":"2020-01-13T17:44:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=45770"},"modified":"2020-01-13T18:44:49","modified_gmt":"2020-01-13T17:44:49","slug":"rezension-morgengrauen-oder-wie-schule-bunter-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/rezension-morgengrauen-oder-wie-schule-bunter-wird\/","title":{"rendered":"Rezension: Morgengrauen &#8211; oder wie Schule bunter wird."},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_45771\" aria-describedby=\"caption-attachment-45771\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rez-Robischon-Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"851\" class=\"size-full wp-image-45771\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rez-Robischon-Cover.jpg 600w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rez-Robischon-Cover-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45771\" class=\"wp-caption-text\">Morgengrauen &#8211; eine Rezension von Detlef Tr\u00e4bert (Bild: Buchcover)<\/figcaption><\/figure><strong>Wenn ein Buch \u201eMorgengrauen\u201c *) betitelt wird, ist das doppeldeutig. Es kann auf das \u201eGrauen am Morgen\u201c hinweisen oder darauf, dass gleich anschlie\u00dfend ein sehr sch\u00f6ner, erfreulicher Tag beginnen wird.<\/strong> <\/p>\n<p>Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser, was der Autor wohl beabsichtigt, wenn sein Untertitel \u201eEin Buch \u00fcber Schule \u2026 und wie sie sein k\u00f6nnte\u201c lautet? \u201eIch habe anders gearbeitet in der Schule\u201c, schreibt Rolf Robischon auf S. 36. Das klingt hoffnungsvoll und nach konkreten M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Wie viele Menschen, die die Schule bereits hinter sich haben, erinnern \u00fcberwiegend Positives? Wer Schulkind bei Rolf Robischon war, geh\u00f6rt jedenfalls zu diesem kleinen, vom Schicksal beg\u00fcnstigten Kreis. \u00dcber 40 Jahre lang hat sich der \u2013 mittlerweile l\u00e4ngst pensionierte \u2013 Grundschulrektor als Lernbegleiter verstanden und nicht als (Be-)Lehrer. <\/p>\n<p>Er hat Material entwickelt, dass Kindern selbsterkl\u00e4rend das Lernen erm\u00f6glicht und heute noch erh\u00e4ltlich ist. Lernen im Gleichschritt? \u201eKinder lernen nicht in kleinen Schrittchen, nicht der Reihe nach, nicht gleichzeitig und schon gar nicht das Gleiche\u201c, lautet ein zentraler Satz seines aktuellen Buches. Jeder wei\u00df das \u2013 und dennoch arbeitet Schule fast \u00fcberall immer noch gleichschrittig. <\/p>\n<p>Im Grundschulbereich gibt es immerhin Ans\u00e4tze f\u00fcr jahrgangs\u00fcbergreifendes Lernen. Zaghaft probieren wenige Mittelstufen-, Sekundar- oder Gemeinschaftsschulen (die Begriffe sind in den verschiedenen Bundesl\u00e4ndern unterschiedlich) neue Lernformen  aus. Die Masse der Sch\u00fcler\/-innen jedoch muss nach wie vor die Schule bew\u00e4ltigen, anstatt einfach begeistert lernen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>\u201eIm Lehramtsstudium werden Lehrerinnen und Lehrer nicht dazu ausgebildet, Kindern und Jugendlichen ihr Lernen einfach frei zu geben und es nur zu begleiten\u201c (S. 83), konstatiert der Autor. Rolf Robischon hat das auch nirgendwo studiert \u2013 er hat es einfach gemacht. Er hat seine Konsequenzen daraus gezogen, dass Kinder nur wenig lernen, wenn sie nicht miteinander reden und sich nicht bewegen d\u00fcrfen. Er hat irgendwann angefangen, Sch\u00fcler nicht mehr zu fragen, sondern sich von ihnen fragen zu lassen. Bald wollten sie viel mehr wissen als Kinder im konventionellen Unterricht. <\/p>\n<p>Er hat Material f\u00fcr die wesentlichen Lernbereiche selber konzipiert und auf eine Fibel verzichtet. Filmaufnahmen eines Erziehungswissenschaftlers der PH Freiburg belegen, dass Robischons Arbeitsweise erfolgreich war. Doch das Misstrauen dagegen blieb bei der Schulaufsicht bestehen, w\u00e4hrend der \u201eLernhelfer\u201c zu Tagungen und Kongressen eingeladen wurde, um sein Konzept weiterzugeben. Erst zwei Jahre vor seinem Ruhestand h\u00f6rte die Dauer\u00fcberwachung aus der Schulaufsicht auf \u2013 kommentarlos. <\/p>\n<p>\u201eMorgengrauen\u201c ist mit seinen 87 Seiten ein d\u00fcnnes B\u00e4ndchen. Eine Gebrauchsanweisung f\u00fcr Lehrende auf der Suche nach neuen Wegen ist es nicht, eher ein Wegweiser. Es zeigt die Richtung, in die man gehen kann, aber nimmt einem keine Entscheidungen ab, l\u00e4sst auch Umwege zu, erspart einem nicht die eigenen Erfahrungen. Robischon empfiehlt: \u201eFang einfach nacheinander an: Bestrafe Kinder nicht. Und sag ihnen das. Strafe ist sinnlos. Kinder sind f\u00fcr sich selber verantwortlich\u201c (S. 40). <\/p>\n<p>Diese Haltung l\u00e4sst ihnen ihre Eigenverantwortung: \u201eWer sich vornimmt, Kinder grunds\u00e4tzlich nicht zu bestrafen, nimmt ihnen gegen\u00fcber eine andere Haltung ein, als sie vorher war. Ich begebe mich auf gleiche Augenh\u00f6he. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht mehr alles besser und schon vorher\u201c (a.a.O.), erl\u00e4utert der Autor seine Position. Gleichzeitig wird im Kapitel \u201eEin Schulvormittag mit Robischon\u201c (S. 67-81) deutlich, wie viel Verantwortung er mit der Gestaltung des Umfeldes im Lernraum  selber wahrnimmt, wie er die Abl\u00e4ufe strukturiert, mit welchen Ans\u00e4tzen er die Kinder zu Lernaktionen anregt. <\/p>\n<p>Robischons strukturiert-antip\u00e4dagogische Vorgehensweise wird so zu einem konstruktiven Beispiel, wie man Schule anders, menschlicher machen kann.<\/p>\n<p>\u201eWenn Kinder lernen d\u00fcrfen, was sie wollen, lernen sie alles, was ihnen erreichbar ist.\u201c Wer diesen Satz nach der Lekt\u00fcre des Buches noch einmal bedenkt, begreift, dass Kinder Subjekte ihres eigenen Lernens sind. Wer sie als Objekt von Belehrung sieht, wird immer und immer wieder mit Motivations-, Konzentrations- und Disziplinproblemen zu k\u00e4mpfen haben. Es liegt also an uns selber, ob \u201eMorgengrauen\u201c eher f\u00fcr das Grauen am Morgen oder den Beginn eines sch\u00f6nen, erfreulichen Tages steht.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>*) Rolf Robischon: Morgengrauen. Ein Buch \u00fcber Schule \u2026 und wie sie sein k\u00f6nnte, Leipzig (tologo) 2019, 87 S., \u20ac 14,90 (als eBook \u20ac 12,99)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Buch \u201eMorgengrauen\u201c *) betitelt wird, ist das doppeldeutig. 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