{"id":44301,"date":"2019-06-12T21:00:49","date_gmt":"2019-06-12T20:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=44301"},"modified":"2019-06-13T19:08:56","modified_gmt":"2019-06-13T18:08:56","slug":"chaos-im-vorgarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/chaos-im-vorgarten\/","title":{"rendered":"Chaos im Vorgarten"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_44302\" aria-describedby=\"caption-attachment-44302\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Wiese20190612.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-44302\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Wiese20190612.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"458\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Wiese20190612.jpg 2048w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Wiese20190612-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Wiese20190612-768x503.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Wiese20190612-1024x670.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-44302\" class=\"wp-caption-text\">Bis Ende Juni wird nur au\u00dfen herum gem\u00e4ht. (foto: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ich bin ein fauler G\u00e4rtner. Das ganze Gewuchere rund um unseren Teil des Hauses habe ich stets als Zumutung empfunden. Rasen m\u00e4hen, Unkraut zupfen, Str\u00e4ucher schneiden &#8211; wo ist der Sinn?<\/strong><\/p>\n<p>Hinterher ist der Rasen gem\u00e4ht und das Unkraut ist halbwegs entfernt; aber kaum hast du dich ein paar Tage umgedreht, auf der Arbeit Stress gehabt, einen kleinen Urlaub gemacht, bei Regen lieber nicht in den Garten geguckt &#8211; schwuppdiwupp, da ist das ganze Zeug schon wieder auf dem Vormarsch.<\/p>\n<p>Sisyphos f\u00fchlte sich als gl\u00fccklicher Mensch, zugegebenerma\u00dfen in der Interpretation von Camus, der bei seiner Geschichte wahrscheinlich an den deutschen Kleing\u00e4rtner gedacht hatte, oder an meinen Vater, den gl\u00fccklichen Schrebergartenp\u00e4chter.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch ausgerichtete Gem\u00fcsebeete, Obstb\u00e4ume und Obststr\u00e4ucher, die meine Mutter monatelang mit Einkochen besch\u00e4ftigten. Gl\u00fccklich die Stunden, in denen die Mutter sich mit den Nachbarn zum Verkosten des Aufgesetzten zusammen hockte.<\/p>\n<p>Salat, Rhabarber, Stachelbeeren, Kartoffeln, M\u00f6hren, Johannisbeeren, \u00c4pfel, Birnen, Kohlrabi, Wasser aus der eigenen Pumpe &#8230; wir waren nahezu autonom.<\/p>\n<p>Der Garten war picobello. Wege mit Kantsteinen ges\u00e4umt, veredelte Apfelb\u00e4ume, kein Zipfelchen Unkraut. Es wurde regelm\u00e4\u00dfig E 605 gespr\u00fcht. Beim Streichen des J\u00e4gerzauns mit Xylomon waren wir high, w\u00e4hrend links und rechts vom Pinsel die Insekten tot zu Boden fielen. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden fanden sogenannte &#8222;Begehungen&#8220; statt. Der Garten Nr. 46 erhielt regelm\u00e4\u00dfig ein &#8222;sehr gut mit Auszeichnung&#8220;.<\/p>\n<p>Rein gartengenetisch bin ich also aus der Art geschlagen. Gartenarbeit macht mir keinen Spa\u00df.<\/p>\n<p>In diesem Jahr wird alles anders. Ich mache aus meiner Faulheit eine Tugend. Der Rasen darf bis Ende Juni wachsen, wie er will. Nur au\u00dfen herum m\u00e4he ich regelm\u00e4\u00dfig einen schmalen Streifen. Dieser leicht zu pflegende Saum signalisiert den Nachbarn, dass hier etwas Ernsthaftes vor sich geht.<\/p>\n<p>Seit Beginn der Vegetationsperiode sitze ich nun am K\u00fcchenfenster und staune, was sich auf meiner wilden Wiese entwickelt.<\/p>\n<p>Den L\u00f6wenzahn (=Feind des Sauerl\u00e4nders) habe ich ganz stark ausgehalten, weil da ja auch noch das Wiesenschaumkraut wuchs. Dann kam und blieb der kriechende G\u00fcnsel, G\u00e4nsebl\u00fcmchen, Wucherblume und verschiedene Sorten Habichtskraut.<\/p>\n<p>Jeden Tag entdecke ich eine neue bl\u00fchende Pflanze. Gestern war da etwas Blasiges, das sich heute zu einer Mohnblume entfaltet hat.<\/p>\n<p>Hinter dem ganzen Chaos steckt aber doch ein Plan. Und der geht so:<\/p>\n<p>Die letzten zwei Jahre hatte ich Wildwiesensamen ausgestreut. Den haben die V\u00f6gel dankbar weggepickt und die Wiese blieb langweilig gr\u00fcn.<\/p>\n<p>Im vergangenen Winter habe ich mich dann schlau gemacht und habe gelernt: Du musst keine Samen ausstreuen und irgendwelche Mischungen, von denen du nicht wei\u00dft, was drin ist, im Baumarkt oder Internet kaufen.<\/p>\n<p>Alles, was du brauchst, befindet sich schon in deiner Wiese. M\u00e4he sie vom Beginn der Vegetationsperiode bis Ende Juni nicht und staune. Dann nur noch jeden Monat bis zum Ende der Vegetationsperiode m\u00e4hen\/sicheln.<\/p>\n<p>Wir haben Juni, und wie ihr merkt, staune ich, was seit 15 Jahren in meiner Wiese gesteckt hat.<\/p>\n<p>Langsam beginnt mir das Gr\u00fcnzeug um unsere Wohnung herum Spa\u00df zu machen.<\/p>\n<p>Das andere Unkraut, welches Richtung Nachbarschaft wuchert, werde ich in den n\u00e4chsten Tagen raus rupfen. Versprochen!<\/p>\n<p>Aus mir wird nie ein vern\u00fcnftiger G\u00e4rtner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ein fauler G\u00e4rtner. Das ganze Gewuchere rund um unseren Teil des Hauses habe ich stets als Zumutung empfunden. 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