{"id":44126,"date":"2019-05-23T21:55:38","date_gmt":"2019-05-23T20:55:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=44126"},"modified":"2025-11-23T17:37:33","modified_gmt":"2025-11-23T16:37:33","slug":"und-sind-wir-auch-israels-kinder-der-erste-band-der-beitraege-zur-geschichte-der-esloher-juden-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/und-sind-wir-auch-israels-kinder-der-erste-band-der-beitraege-zur-geschichte-der-esloher-juden-ist-erschienen\/","title":{"rendered":"Und sind wir auch Israels Kinder <div><small>Der Erste Band der \u201eBeitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden\u201c ist erschienen<\/small><\/div>"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image size-full wp-image-44129\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"992\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Israels_Kinder_Eslohe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44129\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Israels_Kinder_Eslohe.jpg 700w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Israels_Kinder_Eslohe-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eUnd sind wir auch Israels Kinder\u201c &#8211; Buchcover<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Wenn der katholische Oberhirte aus Paderborn kam, h\u00e4ngten Goldschmidts ein Schild ins Schaufenster: \u201eSind wir auch Israels Kinder, wir lieben den Bischof nicht minder \u2026\u201c. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein soeben erschienenes Buch, herausgegeben in Kooperation mit dem Museum Eslohe, erschlie\u00dft Berichte und Forschungen zur Geschichte der Juden im Gebiet der Gemeinde Eslohe ab dem 18. Jahrhundert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die chronologische Darbietung der Beitr\u00e4ge aus den Jahren 1988-2013 erm\u00f6glicht es, Irrt\u00fcmer, Erkenntnisfortschritte und einen Wandel der Sichtweisen nachzuvollziehen. Dem Ansatz \u201eIch male mir mein Dorf sch\u00f6n\u201c folgt z.B. die Einsicht, dass der Antisemitismus nicht erst durch \u201eNazis von einem fremden Stern\u201c ins Esloher Land gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Gesamtschau zeigt sich ein erstaunlich facettenreiches Bild, erm\u00f6glicht durch die Unterschiedlichkeit der Autoren, Perspektiven und Herangehensweisen. Der Erste Band der \u201eBeitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden\u201c enth\u00e4lt Beitr\u00e4ge von Dr. Alfred Bruns, Peter B\u00fcrger, Rudolf Franzen, Eugen Henkel, Anton Mathweis, Helmut Neunzig, Wilfried Oertel, Hans J\u00fcrgen Rade, Dr. Erika Richter, Rita R\u00f6mer, Gudrun Schulte, Dierk W. Stoetzel und Dr. Henry Wahlig.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Rudolf Franzen, Gudrun Schulte, Peter B\u00fcrger (Hg.):<br \/>&#8222;Und sind wir auch Israels Kinder&#8220;: Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden \u2013 Erster Band. ISBN: 978-3-7357-3723-6 (312 Seiten; Paperback; farbige Abbildungen; BoD 2019; Preis 14,90 \u20ac, \u00fcberall im Buchhandel bestellbar, auch vor Ort)<br \/>Mit einer BoD-Direktbestellung f\u00f6rdern Sie das Publikations-Projekt (Leseprobe \/ Inhaltsverzeichnis oben links abrufbar):<br \/><a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/und-sind-wir-auch-israels-kinder-9783735737236\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/und-sind-wir-auch-israels-kinder-9783735737236<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nachfolgend dokumentieren wir als Leseprobe das Vorwort zur Sammlung (unter Wegfall der Fu\u00dfnoten) und eine \u00dcbersicht zum Inhalt des Buches.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eEtliche B\u00fccher, die an die Geschichte von Juden und Christen in einem bestimmten Ort oder einer Region erinnern, betonen, hier sei das Verh\u00e4ltnis wirklich von gegenseitiger Toleranz gepr\u00e4gt gewesen. [\u2026] Nun fragt sich aber, wo dann noch der Antisemitismus seinen Ort hat, wenn \u2013 zugespitzt formuliert \u2013 beinahe jede Lokalgeschichte von einem friedlichen Verh\u00e4ltnis zwischen Juden und Nichtjuden zu berichten wei\u00df.\u201c<br \/>Olaf Blaschke<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die erste greifbare Chroniknachricht ist eine Vertreibungsgeschichte aus dem Jahr 1700: Wilhelm Engelhard hat in seinem nahe der Esloher Kirche gelegenen Haus einen aus Mainz kommenden Juden aufgenommen \u2013 sehr zum Missfallen des \u00f6rtlichen Pastors. Der K\u00f6lner Generalvikar weist Engelhard unter empfindlicher Strafandrohung an, seinen j\u00fcdischen Hausgenossen wieder vor die T\u00fcr zu setzen. \u2013 Im Kopfschatzregister f\u00fcr das Gericht Eslohe und Reiste von 1764\/ 1765 wird mit Sander Laiser ein ortsans\u00e4ssiger Jude namentlich genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sander Laiser ist wohl der Vater des 1791 in einem Verzeichnis aufgef\u00fchrten Jackel (Jockel, Jakob) Sander zu Eslohe, der dann ab 1809 den Familiennamen Goldschmidt f\u00fchrt. Wenn in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts der r\u00f6misch-katholische Oberhirte aus Paderborn zur Firmung in den Ort kam, soll ein Urenkel des Jakob ein Schild in sein Schaufenster gestellt haben: \u201eSind wir auch Israels Kinder, \/So lieben wir doch \/ Den Bischof nicht minder.\u201c Wer mit den historischen Verh\u00e4ltnissen im kurk\u00f6lnischen S\u00fcdwestfalen vertraut ist, wird dies keinesfalls als Indiz f\u00fcr nachhaltige \u201aIntegration\u2018 und Harmonie deuten. Ende 1942 werden die letzten am Ort lebenden Nachfahren von Sander Laiser und Jakob Sander im Zuge der Massenverschleppung von westf\u00e4lischen Juden aus Eslohe deportiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bislang gab es keine eigenst\u00e4ndige, in Buchform ver\u00f6ffentlichte Darstellung zu den Esloher Juden. Der hier vorgelegte Sammelband erschlie\u00dft Berichte, Forschungen und andere Wortmeldungen zur Geschichte der j\u00fcdischen Bewohner des Gemeindegebietes ab dem 18. Jahrhundert, die zuerst in den Jahren 1988 bis 2013 erschienen sind. (Die meisten Texte stammen aus Ausgaben des von Rudolf Fran\u00adzen begr\u00fcndeten Jahrbuchs \u201eEsloher Museumsnachrichten\u201c.) Die chronologische Darbietung dieser Beitr\u00e4ge erm\u00f6glicht es, Irrt\u00fcmer, Erkenntnisfortschritte und einen Wandel der Sichtweisen nachzuvollziehen. In der Gesamtschau zeigt sich ein erstaunlich facettenreiches Bild, erm\u00f6glicht durch die Unterschiedlichkeit der Autorenpers\u00f6nlichkeiten, Perspektiven und Herangehensweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als 1987 eine wegweisende Dokumentation zu den Juden des ehemaligen Kreises Meschede von Dr. Alfred Bruns erschien, gab es noch keine lokale Darstellung, die an j\u00fcdische Bewohnerinnen und Bewohner des Esloher Landes erinnerte. Die von Bruns edierten Quellen lenkten den Blick zur\u00fcck ins 19. Jahrhundert. 1818 lebten 23.045 Einwohner im Kreis Eslohe\/Meschede; von ihnen waren 210 Juden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im entsprechenden Verzeichnis sind folgende Zahlen f\u00fcr Orte im heutigen Gemeindegebiet ber\u00fccksichtigt: Eslohe-Dorf: 6 j\u00fcdische Bewohner; Cobbenrode: 7; Hengsbeck: 3; Salwey: 8. F\u00fcr das Jahr 1839 wurden dann folgende Zahlen ermittelt: Eslohe-Dorf: 9 j\u00fcdische Bewohner; Cobbenrode: 7; Wenholthausen: 7; Mathmecke: 5. \u2013 \u201e1846 machte der Anteil der Juden im Amt Eslohe fast genau 1 % der Bev\u00f6lkerung aus.\u201c (-&gt;Kapitel XIV.12) Die \u201eMitb\u00fcrger israelitischen Glaubens\u201c blieben stets eine sehr kleine Minderheit. Nach 1945 gab es auch f\u00fcr Dorfgemeinschaften im Sauerland viele Gr\u00fcnde, sich an ihre Namen nicht mehr zu erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von 10 bis 15 Millionen bundesdeutschen Zuschauern verfolgte \u2013 zun\u00e4chst \u00e4u\u00dferst umstrittene \u2013 Ausstrahlung der vierteiligen US-Fernsehproduktion \u201eHolocaust \u2013 Die Geschichte der Familie Weiss\u201c Anfang 1979 wird gemeinhin als \u201eerinnerungsgeschichtliche Z\u00e4sur\u201c betrachtet \u2013 mit Auswirkungen gerade auch in der heimatkundlichen Forschung. Ein knappes Jahrzehnt sp\u00e4ter erschien auf Privatinitiative hin eine kleine Dokumentation zu den November-Pogromen des Jahres 1938 im Hochsauerland. \u00dcber Eslohe war in dieser Publikation nichts zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch auf einer Karte zu den Pogromen von 1938 im Holthausener Ausstellungskatalog \u201eDas Hakenkreuz im Sauerland\u201c (1988) fehlten Hinweise zu Gewaltakten in Eslohe. Dies war Ansporn f\u00fcr Rudolf Franzen, 1988 f\u00fcr das CDU-Mitteilungsblatt \u201eEssel-Bote\u201c den ersten ortsgeschichtlichen Beitrag \u00fcber \u201eDas Schicksal der Esloher Juden\u201c (-&gt;Kapitel I) zu verfassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit steht am Anfang der \u201alokalen Erinnerungs- und Forschungsgeschichte\u2018 \u2013 durchaus nicht untypisch \u2013 der Blick auf Unterdr\u00fcckung und Ermordung der j\u00fcdischen Minderheit in der NS-Zeit. Die Basis der m\u00fcndlichen Zeitzeugenberichte war 1988 noch recht schmal. In diesem Sammelband ist der Beitrag mit drei Fu\u00dfnoten versehen, die bereits die Grenzen von \u201eoral history\u201c erahnen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>1989 ver\u00f6ffentlichten Rudolf Franzen und ich \u201eDas Buch vom Pampel\u201c (auf der Grundlage einer umfassenden Geschichtensammlung \u2013 nach Mitteilungen von 69 Erz\u00e4hlerinnen und Erz\u00e4hlern). Dieses Werk, ein anekdotisch erz\u00e4hlter \u201eSchelmenroman\u201c, erhebt den in mancherlei Hinsicht unangepassten Dorfbewohner Willi Jungbluth (1897-1960) zur \u201eHeldengestalt\u201c. Ausz\u00fcge aus dem Erz\u00e4hlkapitel \u00fcber die NS-Zeit werden im vorliegenden Band dokumentiert (-&gt;Kapitel II).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sammlung der m\u00fcndlich mitgeteilten \u201ePampel\u201c-Geschichten und erst recht die literarische Buchfassung k\u00f6nnen freilich nicht als historische Quellen herangezogen werden! Vielmehr folgen die zugrundegelegten lokalen Erz\u00e4hltraditionen und die redaktionelle Linie des Buchbearbeiters (Peter B\u00fcrger) in den 1980er Jahren noch dem Ansatz: \u201eIch male mir mein Dorf und seine Geschichte sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Maria L\u00fcttcke, geb. Schulte (1919-1997) hat allerdings am 25.6.1995 bei einer weiteren Befragung erneut betont, die Geschichte \u00fcber Pampels Anstreicherarbeiten am Haus Goldschmidt sei \u201ewahr\u201c! F\u00fcr Nachtr\u00e4ge, die in den \u201eEsloher Museumsnachrichten 2000\u201c ver\u00f6ffentlicht worden sind, gab Marianne Schulte, geb. Schmidt (Jg. 1925) zu Protokoll, Willi Jungbluths Frau \u00c4nne habe sich von ihrer Mutter in der NS-Zeit w\u00e4hrend der Haft des Gatten tr\u00f6sten lassen. Immerhin denkbar ist also, dass zu Nonkonformismus und Konflikten des W. Jungbluth (alias \u201ePampel\u201c) in den 1930er Jahren einmal eine amtliche Quelle auftaucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor drei Jahrzehnten deutete ich in einem zuerst 1992 ver\u00f6ffentlichten Beitrag (-&gt;Kapitel III) einen sechseckigen Stern auf dem z.T. schon verwitterten Grabstein des \u2013 vermeintlich j\u00fcdischen \u2013 M\u00e4dchen Louise Gabriel an der katholischen Kirche im Einklang mit anderen Eslohern leichtfertig als Davidstern. Von den \u00e4lteren Gew\u00e4hrsleuten \u2013 darunter Wilhelm Molitor (1904-1997) und Dr. Magdalene Padberg (1926-2019) \u2013 hatte ich erfahren, dass alter Dorf\u00fcberlieferung zufolge die Familie Gabriel auf j\u00fcdische Vorfahren zur\u00fcckging.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr bald nach einem zweiten Abdruck des Textes fragte Dierk W. Stoetzel mich mit freundschaftlichem Forscherspott, ob ich fu\u00dflahm sei und deshalb den allerchristlichen Taufeintrag zur Esloherin Louise Gabriel (1814-1830) im nahen Pfarrarchiv nicht h\u00e4tte nachschlagen k\u00f6nnen (-&gt;Kapitel XIV.14). Es handelt sich erwiesenerma\u00dfen nicht um ein j\u00fcdisches Grabdenkmal!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunde zur \u201aj\u00fcdischen Vorgeschichte\u2018 der Esloher Familie Gabriel konnte indessen durch \u00fcberaus gr\u00fcndliche Forschungen von Hans J\u00fcrgen Rade best\u00e4tigt werden (-&gt;Kapitel XI; XVI). Noch nicht zufriedenstellend beantwortet ist lediglich die Frage, ob die Symbolik des Grabsteins von Louise Gabriel (Stern, Schmetterling in Kreisschlange) vielleicht doch noch eine N\u00e4he zur Bildsprache auf j\u00fcdischen Friedh\u00f6fen des 19. Jahrhunderts anzeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>1993 folgte ein Beitrag zu einigen antisemitische Textfunden aus dem Museums- und Mundartarchiv (-&gt;Kapitel VI). Ob diese Quellen als repr\u00e4sentativ f\u00fcr die sauerl\u00e4ndische Landschaft gelten k\u00f6nnen oder ihr Auftauchen eher dem \u201eZufall\u201c geschuldet ist, war damals noch nicht zu entscheiden. Inzwischen konnte aber durch eine systematische Studie im Buchband \u201eLi\u00e4wensl\u00e4up\u201c (Eslohe 2012) gezeigt werden, dass judenfeindliche Inhalte in den Sprachzeugnissen des katholischen Sauerlandes keine Ausnahmeerscheinungen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gleichen Jahr feierte der Ballspielclub Eslohe (BCE) sein 75-j\u00e4hriges Bestehen. Ein in der Festschrift 1993 ver\u00f6ffentlichter Beitrag zur Vereinsgeschichte von Eugen Henkel (1912-1987) vermittelt die Bedeutung der Br\u00fcder Robert und Julius Goldschmidt in den Gr\u00fcnderjahren zumindest vage \u00fcber dokumentierte Zeitungsberichte des Jahres 1927 (-&gt;Kapitel VI). Weitere Nachforschungen (-&gt;Kapitel VIII.6) ergeben ein zwiesp\u00e4ltiges Bild: Nach 1933 kam es zu \u201eSpannungen\u201c und vermutlich auch zu Handgreiflichkeiten, die dem aktiven Fu\u00dfballer Dr. med. Julius Goldschmidt zeigten, dass er sich in der \u201aNeuen Zeit\u2018 keineswegs r\u00fcckhaltlos auf alte Spielerkameradschaft verlassen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits stellte das antisemitische Hetzblatt den Esloher Verein Anfang 1935 an den Pranger, weil er 1934 am Grab des Robert Goldschmidt einen Kranz niedergelegt hatte. \u2013 Nur durch die 2007 auch im Esloher Museums-\u201aJahrbuch\u2018 ver\u00f6ffentlichten Forschungen (-&gt;Kapitel XIII) des Sporthistorikers Dr. Henry Wahlig wissen wir, dass sich Dr. Julius Goldschmidt nach seinem Ausscheiden aus dem BCE stark f\u00fcr das j\u00fcdische Fu\u00dfball-Vereinswesen engagiert hat und hierbei als Fu\u00dfballobmann des Schild-Verbands in Westdeutschland sehr erfolgreich gewesen ist: \u201eEr geh\u00f6rte [\u2026] zu den wichtigsten Funktion\u00e4ren des j\u00fcdischen Fu\u00dfballs in Deutschland.\u201c (H. Wahlig)<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred Bruns legt 1993 in Band I der \u201eEsloher Forschungen\u201c einen soliden Gesamt\u00fcberblick zur Geschichte der Juden f\u00fcr das gesamte Gemeindegebiet (-&gt;Kapitel IV) vor, der in \u201ekirchengeschichtlichen Kontexten\u201c auch erstmals bedeutsame Nachrichten ab 1700 erschlie\u00dft. Ein Beitrag \u201eSind wir auch Israels Kinder &#8230;\u201c (-&gt;Kapitel VIII), zuerst erschienen 50 Jahre nach Niederwerfung des deutschen Faschismus, bringt Neues f\u00fcr die erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts vor allem auf der Grundlage ausgiebiger Zeitzeugenbefragungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gudrun Schulte er\u00adinnert in einem NS-Kapitel der 1995 erschienenen Esloher \u201eSparkassen-Geschichte\u201c an die systematische Ausraubung der j\u00fcdischen Bewohner (-&gt;Kapitel VII). In einem zuerst 2006 ver\u00f6ffentlichten Beitrag (-&gt;Kapitel XII) vermittelt Anton Mathweis (1926-2016) auf sehr pers\u00f6nliche Weise famili\u00e4re und eigene Erinnerungen an die letzten Nachfahren der Familie Isaak Goldschmidt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf eine 1796 niedergeschriebene und 1800 dem Jacob Zander (d.i. Jakob Goldschmidt) verehrte Hebr\u00e4ische Liedhandschrift, die irgendwann ins Esloher Pfarrarchiv gelangt ist, wird schon im Beitrag von Bruns hingewiesen. Der D\u00fcsseldorfer Helmut Neunzig hat f\u00fcr die \u201eEsloher Museumsnachrichten 2001\u201c die elf Strophen dieser Gebetsdichtung nicht nur \u00fcbersetzt, sondern auch die Herkunft des Liedes und seine liturgische Bedeutung beleuchtet (-&gt;Kapitel IX).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen seines unerm\u00fcdlichen Einsatzes f\u00fcr die Erinnerungsarbeit hat der evangelische Theologe Wilfried Oertel (1947-2018) im Jahr 2004 einen Sammelband \u201eJ\u00fcdisches Leben im Synagogenbezirk Meschede\u201c herausgegeben, aus dem im vorliegenden Buch f\u00fcnf Ausz\u00fcge aufgenommen worden sind: Im Text von Dr. Erika Richter wird u.a. dargelegt, dass die Esloher Jonas und Isaak Goldschmidt schon 1905\/1906 eine Aufnahme in die Mescheder Synagogengemeinde beantragt haben (-&gt;Kapitel X.1).<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Herausgeber Wilfried Oertel selbst stammen dokumentarische Kapitel zum Waldfriedhof Oesterberge (-&gt;Kapitel X.2) und zur Reister Familie Steinberg (-&gt;Kapitel X.3) sowie eine Gedenkansprache (-&gt;Kapitel X.5). Rita R\u00f6mer erhellt die lokale Geschichte der Velmeder Familie Bachmann, aus der die Esloher Gesch\u00e4ftsfrau Anneliese Goldschmidt (geb. 9.7.1906) stammte (-&gt;Kapitel X.4).<\/p>\n\n\n\n<p>Dierk W. Stoetzel ver\u00f6ffentlichte 2009 einen exzellenten \u00dcberblick zu den \u201eSpuren j\u00fcdischen Lebens\u201c im gesamten Esloher Gemeindegebiet (-&gt;Kapitel XIV); im Jahr darauf konnte er auch seine neuen Forschungen zum \u201eSchicksal der letzten in Eslohe ans\u00e4ssigen Mitglieder der Familie Goldschmidt\u201c \u2013 insbesondere der Hannah Simon \u2013 vorlegen (-&gt;Kapitel XV).<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen beiden Beitr\u00e4gen werden neben den eigenen Quellenrecherchen des Verfassers Arbeiten aus zwei Jahrzehnten ausgewertet und einer gr\u00fcndlichen Kritik unterzogen. Stoetzel kl\u00e4rt Widerspr\u00fcche auf und zeigt, warum bestimmte Mitteilungen von Zeitzeugen nicht haltbar sind. F\u00fcr \u201aeilige Leser\u2018 bietet es sich an, mit der Lekt\u00fcre seiner beiden Texte zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen neuen Stand der Erinnerungskultur vor Ort markierte am 10. Oktober 2013 die Pr\u00e4sentation der Ausstellung \u201eKicker \u2013 K\u00e4mpfer \u2013 Legenden: Juden im deutschen Fu\u00dfball\u201c im Museum Eslohe (-&gt;Kapitel XVII). Mit der Er\u00f6ffnungsrede zur Ausstellung schlie\u00dft dieses Buch. Es dokumentiert nicht zuletzt, wie die Gemeinde Eslohe beschenkt ist nicht nur durch die M\u00fchen der nahen Lokalforscher, son\u00addern auch durch hochkar\u00e4tige Beitr\u00e4ge von sieben Forschenden, die durch keinen direkten biographischen Bezug mit dem Gebiet der Kom\u00admune verbunden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Autorinnen und Autoren sei gedankt, nicht minder allen anderen Menschen, die durch Hinweise und mannigfache Hilfestellungen das Erscheinen des ersten Teilbandes m\u00f6glich gemacht haben: Magdalene Fiebig und Karl-Arnold Reinartz, die \u00fcbrigens beide auch eigene Beitr\u00e4ge im Zweiten Band ver\u00f6ffentlichen werden; eben\u00adso Bodo Bischof, Anne Boskamp, Daniel Brandes (Gemeindearchiv Finnentrop), Philip B\u00fcrger, Michael Gosmann (S\u00fcdWestfalenArchiv), Ulrich Hengesbach (B\u00fcrgerzentrum Alte Synagoge e. V. &#8211; Meschede), Franz-Josef Keite, Bernd Schaller, David Sch\u00e4chter, Siegbert Tillmann, Horst Vielhaber und dem Vorstand des BallspielClubs Eslohe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gesamt-Namenregister f\u00fcr alle Teile soll der noch in Vorbereitung befindliche Zweite Band dieses Sammelwerkes zur \u201eGeschichte der Esloher Juden\u201c enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcsseldorf, 9. Mai 2019: Peter B\u00fcrger<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcbersicht zum Buchinhalt<br \/>\u201eUnd sind wir auch Israels Kinder\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>I. Das Schicksal der Esloher Juden<br \/>Von Rudolf Franzen (1988)<\/p>\n\n\n\n<p>II. Das Buch vom Pampel<br \/>Geschichten aus Eslohe (1989)<br \/>Hg. Peter B\u00fcrger &amp; Rudolf Franzen<\/p>\n\n\n\n<p>III. \u201eSchmetterling im Kreis der Schlange\u201c<br \/>Anmerkungen zu einem Relief auf dem Grabstein des [j\u00fcdischen] M\u00e4dchens Louise Gabriel auf dem Kirchhof zu Eslohe<br \/>Von Peter B\u00fcrger (1992)<\/p>\n\n\n\n<p>IV. Der j\u00fcdische Kultus im Raum Eslohe<br \/>Von Alfred Bruns (1993)<\/p>\n\n\n\n<p>V. 75 Jahre Ballspielclub Eslohe und wie alles begann<br \/>Aus der BCE-Festschrift von 1993<br \/>Von Eugen Henkel<\/p>\n\n\n\n<p>VI. \u201eHeimatbewegtes\u201c?<br \/>Antisemitische Spuren aus dem Archiv<br \/>Von Peter B\u00fcrger (1993)<\/p>\n\n\n\n<p>VII. Juden als Sparkassenkunden<br \/>Ein Beitrag zur Geschichte der Esloher Juden<br \/>Von Gudrun Schulte (1995)<\/p>\n\n\n\n<p>VIII. \u201eSind wir auch Israels Kinder &#8230;\u201c<br \/>Nachtr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden<br \/>Von Peter B\u00fcrger (1995)<\/p>\n\n\n\n<p>IX. \u201eMeine Seele d\u00fcrstet nach Gott\u201c<br \/>Hebr\u00e4ische Liedhandschrift der<br \/>Esloher Juden aus dem Jahre 1796<br \/>Von Helmut Neunzig (2001)<\/p>\n\n\n\n<p>X. J\u00fcdisches Leben im Synagogenbezirk Meschede<br \/>Herausgegeben von Wilfried Oertel (2004)<br \/>(Erika Richter: Wie Meschede Synagogenbezirk wurde<br \/>Wilfried Oertel (Bearb.): Versteckt und doch entdeckt. Waldfriedhof Oesterberge<br \/>Wilfried Oertel: Familie Steinberg, Kirchrarbach und Reiste<br \/>Rita R\u00f6mer: Die Familie Bachmann in Velmede)<\/p>\n\n\n\n<p>XI. Die j\u00fcdischen Wurzeln der Arnsbergerin Christina Gabriel (1766-1835)<br \/>[Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Esloher Familie Gabriel]<br \/>Von Hans-J\u00fcrgen Rade (2005)<\/p>\n\n\n\n<p>XII. Erinnerungen an die letzte j\u00fcdische Familie aus Eslohe<br \/>Bitter war der Abschied der Familie Isaak aus Niedereslohe \u2013 1941 wurde sie \u201eeinberufen\u201c \u2026<br \/>Von Anton Mathweis (2006)<\/p>\n\n\n\n<p>XIII. Julius Goldschmidt:<br \/>Ein vergessener Sportm\u00e4zen und -manager aus Eslohe<br \/>Von Henry Wahlig (2007)<\/p>\n\n\n\n<p>XIV. Postkarte von 1916 bei ebay ersteigert<br \/>Spuren j\u00fcdischen Lebens in Eslohe<br \/>Von Dierk W. Stoetzel (2009)<\/p>\n\n\n\n<p>XV. Hannah Simon und die Deportation der Esloher Juden<br \/>Neue Entdeckungen geben Auskunft \u00fcber das Schicksal der letzten in Eslohe ans\u00e4ssigen Mitglieder der Familie Goldschmidt<br \/>Von Dierk W. Stoetzel (2010)<\/p>\n\n\n\n<p>XVI. Ein j\u00fcdischer Grabstein auf dem Esloher Kirchplatz?<br \/>Ein Blick in die Geschichte der Familie Gabriel in Eslohe hilft, das R\u00e4tsel zu l\u00f6sen<br \/>Von Hans J\u00fcrgen Rade (2010)<\/p>\n\n\n\n<p>XVII. \u201eGeschichtliche Erinnerungen\u201c<br \/>Rede zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung \u201eKicker \u2013 K\u00e4mpfer \u2013 Legenden: Juden im deutschen Fu\u00dfball\u201c am 10. Oktober 2013 im Museum Eslohe<br \/>Von Peter B\u00fcrger (2013)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Update 13.11.2025: Das Buch steht jetzt auch als PDF zur Verf\u00fcgung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>**********************<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Franzen \u2013 Gudrun Schulte \u2013 Peter B\u00fcrger (Hg.):<br \/><strong>\u201eSind wir auch Israels Kinder\u201c.<\/strong><br \/>Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden \u2013 Erster Band.<br \/>Digitale Erstauflage, 9. Mai 2019. <strong><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ESLOHER-JUDEN-Band-01_Online.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Download<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>***********************<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anfang Dezember 2025<\/strong> kommt auch der 2. Band dieses Werkes heraus (farbig illustriert: Paperback &amp; Hardcover); die <em>Digitale Erstausgabe<\/em> ist schon vorab erschienen:<br \/><br \/><strong><em>\u201eGott f\u00fcr uns alle\u201c.<\/em> Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Esloher Juden<\/strong> \u2013 Zweiter Band<em>.<br \/><\/em>Herausgegeben von Peter B\u00fcrger und Hans J\u00fcrgen Rade,<br \/>in Kooperation mit dem Dampf-Land-Leute-Museum Eslohe.<br \/>(= edition leutekirche sauerland 28). Digitale Erstausgabe, 20.11.2025. <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Eslohe-Juden-II-Digitalaugabe-2025-11-20.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>PDF-Download<\/strong><\/a><br \/><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der katholische Oberhirte aus Paderborn kam, h\u00e4ngten Goldschmidts ein Schild ins Schaufenster: \u201eSind wir auch Israels Kinder, wir lieben den Bischof nicht minder \u2026\u201c. 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