{"id":43654,"date":"2019-03-09T10:06:36","date_gmt":"2019-03-09T09:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=43654"},"modified":"2019-03-09T10:10:36","modified_gmt":"2019-03-09T09:10:36","slug":"ns-verbrechen-an-zwangsarbeitern-im-sauerland-1945-lwl-graebt-nach-spuren-der-ueber-200-ermordeten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ns-verbrechen-an-zwangsarbeitern-im-sauerland-1945-lwl-graebt-nach-spuren-der-ueber-200-ermordeten-2\/","title":{"rendered":"NS-Verbrechen an Zwangsarbeitern im Sauerland 1945 <div><small>LWL gr\u00e4bt nach Spuren der \u00fcber 200 Ermordeten<\/small><\/div>"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_43655\" aria-describedby=\"caption-attachment-43655\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/LWL76684.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-43655\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/LWL76684.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"557\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/LWL76684.jpg 1452w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/LWL76684-300x239.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/LWL76684-768x611.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/LWL76684-1024x815.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-43655\" class=\"wp-caption-text\">Deutsche heben 1945, bewacht von der US-Armee, Gr\u00e4ber f\u00fcr die ermordeten Zwangsarbeiter in Suttrop aus.<br \/>(Foto: National Archives and Records Administration, Washington)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Warstein\/Meschede (lwl). Im M\u00e4rz 1945 &#8211; kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges &#8211; ver\u00fcbten Angeh\u00f6rige von Waffen-SS und Wehrmacht zwischen Warstein und Meschede im Sauerland eines der gr\u00f6\u00dften Verbrechen in der Endphase des Krieges in Deutschland &#8211; au\u00dferhalb von Konzentrationslagern und Gef\u00e4ngnissen. Exekutions-Kommandos ermordeten an drei Stellen im Arnsberger Wald insgesamt 208 polnische und russische Zwangsarbeiter.<\/strong><\/p>\n<p><em>(Pressemitteilung <a href=\"https:\/\/www.lwl.org\/pressemitteilungen\/nr_mitteilung.php?urlID=47415\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL)<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>Auf der Grundlage langj\u00e4hriger Forschungen von Historikern des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben LWL-Arch\u00e4ologen 2018 und Anfang 2019 Ausgrabungen an allen drei Tatorten durchgef\u00fchrt. Die Funde zeugen nicht nur von den letzten Stunden im Leben der Ermordeten, sondern geben auch Aufschl\u00fcsse \u00fcber den Ablauf der grausamen Taten. Die Forschungsergebnisse hat der LWL am <strong>Freitag (8.3.)<\/strong> in Warstein vorgestellt.<\/p>\n<p>Insgesamt haben die Fachleute \u00fcber 400 Funde ausgegraben und in Verbindung mit den historischen Akten den Tathergang rekonstruiert, der an den drei Pl\u00e4tzen ganz unterschiedlich verlief.<\/p>\n<figure id=\"attachment_43656\" aria-describedby=\"caption-attachment-43656\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp01.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-43656\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp01.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"470\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp01.jpg 1545w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp01-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp01-768x515.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp01-1024x687.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-43656\" class=\"wp-caption-text\">In gleichm\u00e4\u00dfigen Reihen untersuchen Sondeng\u00e4nger die Fundstelle Meschede. (Foto: LWL\/Manuel Zeiler)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die meisten Funde stammen vom Tatort der ersten Mordaktion, dem <strong>Langenbachtal bei Warstein<\/strong>. Unter einem Vorwand wurden Zwangsarbeiterinnen in den Wald gebracht. Dort mussten sie ihre Habseligkeiten und Kleidung am Stra\u00dfenrand ablegen. Man wollte sie vermutlich glauben machen, sie k\u00f6nnten ihre Sachen wieder abholen, bevor es zur\u00fcck in die versprochene neue Unterkunft ginge. Tats\u00e4chlich sollte die Kleidung der 71 Toten (60 Frauen, zehn M\u00e4nner und ein Kind) sp\u00e4ter an Bed\u00fcrftige des Orts weiterverteilt werden. Das Geld der Opfer raubte die Einheit f\u00fcr ihre Divisionskasse.<\/p>\n<p>Die Reste dieser pers\u00f6nlichen Besitzt\u00fcmer, die von den Erschie\u00dfungskommandos nicht mitgenommen wurden, entdeckten die Arch\u00e4ologen in der Erde verscharrt. Darunter finden sich ein Gebets- und ein W\u00f6rterbuch auf Polnisch, Schuhe und Teile der Kleidung wie bunte Kn\u00f6pfe und Perlen zum Aufn\u00e4hen. Das Fundgut enth\u00e4lt aber auch Gebrauchsgegenst\u00e4nde wie Geschirr und Besteck. Das, was den Opfern vor der Erschie\u00dfung abgenommen wurde, war zu dem Zeitpunkt ihr einziger verbliebener Besitz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_43657\" aria-describedby=\"caption-attachment-43657\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp02.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-43657\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp02.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"674\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp02.jpg 905w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp02-300x289.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/klein_lwlsuchtrupp02-768x739.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-43657\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt des Fundensembles aus Geschirr, Schuhen, Textilien und anderen pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nden in einer der Versteckgruben. Fundstelle Warstein. (Foto: LWL\/Manuel Zeiler)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Forscher stie\u00dfen auch auf die Spuren der T\u00e4ter. Die gefundenen Patronenh\u00fclsen belegen, dass die Zwangsarbeiterinnen bis zu einer Bachb\u00f6schung gef\u00fchrt und dort erschossen wurden. Einige Projektile fanden sich jedoch auch weit verstreut im umliegenden Wald, was bedeutet, dass manche der Zwangsarbeiterinnen offenbar zu fliehen versuchten und verfolgt wurden. Die M\u00f6rder lie\u00dfen auch Schaufeln zur\u00fcck, mit denen sie Leichen und Habseligkeiten vergraben hatten.<\/p>\n<p>An den anderen Erschie\u00dfungspl\u00e4tzen bei Warstein-Suttrop (Waldgemarkung &#8222;Im Stein&#8220;) und <strong>Meschede-Eversberg<\/strong> konnten die Arch\u00e4ologen weniger Funde bergen. Die M\u00f6rder hatten ihre Taten hier genauer vorbereitet und so weniger Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p>Dennoch blieben auch in Meschede-Eversberg zirka 50 Objekte liegen, die vom Alltag der Zwangsarbeiter zeugen. Angesichts deren katastrophalen Lebensbedingungen wirken manche Funde \u00fcberraschend wie Teile einer Mundharmonika. Ein Brillenetui und ein Kamm stehen als zusammengeh\u00f6rige Habe schlaglichtartig f\u00fcr den kleinsten Besitz der Zwangsarbeiter.<\/p>\n<p>In Meschede-Eversberg sprengte die Einheit mit Granaten eine Grube in den harten Boden, in der sie die 80 Opfer erschoss. Auch dieses Verbrechen spiegelt sich in den arch\u00e4ologischen Funden in Form eines Gewehrteils und zahlreicher Munition.<\/p>\n<p>Die Fundsituation am dritten Tatort in <strong>Warstein-Suttrop<\/strong> ist \u00e4hnlich. Zahlreiche Projektile lassen auch hier den genauen Standort der Erschie\u00dfungen erkennen. Anstatt erneut eine Grube anzulegen, wurden die Arbeiter gezwungen, einen vermutlich zickzackf\u00f6rmigen Sch\u00fctzengraben auszuheben &#8211; in dem die M\u00f6rder sp\u00e4ter die 57 Leichen vergruben. Die Alliierten lie\u00dfen die Toten kurze Zeit sp\u00e4ter exhumieren, aufreihen und versammelten die Bev\u00f6lkerung vor Ort. Zeitgen\u00f6ssische Filmaufnahmen geben einen ungef\u00e4hren Anhaltspunkt f\u00fcr die Stelle der Aufbahrung.<\/p>\n<p>Die arch\u00e4ologische Grabung konnte diesen Platz anhand vieler Kleinfunde genau identifizieren. Darunter sind vor allem sowjetische M\u00fcnzen. Auch ein L\u00f6ffel verweist wegen seiner Pr\u00e4gung auf die Herkunft der Ermordeten aus der Sowjetunion. M\u00e4nner der SS und Wehrmacht hatten diese f\u00fcr sie nutzlosen Objekte nicht eingesammelt. F\u00fcr die Zwangsarbeiter dagegen stellten diese St\u00fccke wahrscheinlich wertvolle Erinnerungen an ihre Heimat dar.<\/p>\n<p>&#8222;Die Ergebnisse&#8220;, so der LWL-Historiker <strong>Dr. Marcus Weidner<\/strong>, &#8222;sollen nicht nur die Ereignisse und die Aufarbeitung durch die Justiz nach 1945 dokumentieren, sondern sollen auch f\u00fcr erinnerungskulturelle Projekte eingesetzt werden, etwa der Neugestaltung des Mescheder Friedhofs &#8218;Fulmecke&#8216;, auf dem die Mordopfer heute ruhen.&#8220; Ziel k\u00f6nne sein, die Orte, die im Zusammenhang mit den Mordaktionen stehen, durch Tafeln zu kennzeichnen und im Rahmen eines &#8222;Erinnerungspfads&#8220; als zusammenh\u00e4ngende Orte der Zeitgeschichte erfahrbar zu machen. Weidner: &#8222;Dies jedoch setzte voraus, die Tatorte mit Unterst\u00fctzung der Arch\u00e4ologie zu verifizieren und die dort vermuteten Hinterlassenschaften der Opfer f\u00fcr die Nachwelt zu bergen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Begehungen mit Metallsonden und die daran anschlie\u00dfenden arch\u00e4ologischen Ausgrabungen erbrachten nicht nur weiterf\u00fchrende Erkenntnisse zu den Tatorten mit einer Vielzahl an Funden&#8220;, so der LWL-Arch\u00e4ologe <strong>Dr. Manuel Zeiler<\/strong>. &#8222;Diese interdisziplin\u00e4ren und systematischen Forschungen sind bislang bei NS-Tatorten in Deutschland einzigartig.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Der LWL nimmt mit seinen Forschungen ganz bewusst eine gesellschaftliche Verantwortung an&#8220;, betonte LWL-Direktor <strong>Matthias L\u00f6b. <\/strong>Nach \u00fcber 70 Jahren gelinge es, dieses Verbrechen des Nationalsozialismus in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Deutschland weiter aufzuhellen. Die Forschungsergebnisse seien dar\u00fcber hinaus substantiell f\u00fcr eine Erinnerungskultur. &#8222;Wir erleben seit einigen Jahren die Verharmlosung und zunehmende Leugnung der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und der NS-Diktatur. Gerade aber die Mordaktionen sind beispielhaft f\u00fcr diesen Bestandteil unserer Geschichte, dem wir uns stellen m\u00fcssen&#8220;, sagte der LWL-Direktor.<\/p>\n<p>&#8222;Die Forschungen, die Wissenschaftler hier leisten, verdanken ihren Erfolg einer engen Kooperation verschiedener Einrichtungen des LWL&#8220;, so L\u00f6b weiter. &#8222;Das w\u00e4re jedoch nicht m\u00f6glich gewesen ohne das gro\u00dfe Engagement vieler ehrenamtlicher B\u00fcrger.&#8220;<\/p>\n<p>L\u00f6b dankte den St\u00e4dten Warstein und Meschede f\u00fcr ihre Kooperationsbereitschaft. &#8222;Wir begr\u00fc\u00dfen sehr, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus, die vor fast 75 Jahren hier bei uns im Sauerland geschehen sind, weiter aufgekl\u00e4rt werden&#8220;, best\u00e4tigte <strong>Dr. Thomas Sch\u00f6ne<\/strong>, B\u00fcrgermeister der Stadt Warstein, und erg\u00e4nzte: &#8222;Wir stellen uns gezielt der heutigen Verantwortung, dass so etwas unfassbar Schreckliches nie wieder passiert.&#8220;<\/p>\n<p>Die Opfer liegen seit 1947 bzw. 1964 auf dem Waldfriedhof &#8222;Fulmecke&#8220; in Meschede. &#8222;Die aktuellen Untersuchungen bilden eine wichtige Grundlage, um die Neugestaltung des Friedhofs planen zu k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rte <strong>Christoph Weber<\/strong>, B\u00fcrgermeister der Stadt Meschede.<\/p>\n<p>Nur wenige Namen der Mordopfer von M\u00e4rz 1945 sind bekannt. Im Rahmen der noch nicht abgeschlossenen Forschungen im In- und Ausland ist es nach Auskunft von Weidner gelungen, bislang 14 Namen ausfindig zu machen und den anonym bestatteten Opfern eine Identit\u00e4t zu geben. Die Arbeit er\u00f6ffne die Chance, Kontakt zu ihren Nachfahren aufzunehmen.<\/p>\n<p>&#8222;An einem Ort wie diesem wird deutlich, wie nah uns unsere Geschichte noch ist&#8220;, erkl\u00e4rte der Russlandbeauftragte der Bundesregierung <strong>Dirk Wiese<\/strong>. &#8222;Das muss uns gerade in unseren Beziehungen zu den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bewusst sein. Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen ber\u00fchrt dort oft unmittelbar die Familiengeschichten. Kinder und Enkelkinder haben ein Recht darauf zu erfahren, warum Familienmitglieder nicht aus Deutschland zur\u00fcckkehrten.&#8220;<\/p>\n<p>***************<\/p>\n<p><strong>Adressen der Tatorte bzw. des Waldfriedhofs:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.lwl.org\/pressemitteilungen\/daten\/anlagen\/014000\/14554.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.lwl.org\/pressemitteilungen\/daten\/anlagen\/014000\/14554.pdf<\/a><\/p>\n<p>***************<\/p>\n<p><em><strong>Hintergrund<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Zwischen dem 20. und 23. M\u00e4rz 1945 &#8211; kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs &#8211; ver\u00fcbte die &#8222;Division zur Vergeltung&#8220;, die aus Angeh\u00f6rigen von Waffen-SS und Wehrmacht bestand, zwischen Warstein und Meschede im Sauerland eines der gr\u00f6\u00dften Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Deutschland au\u00dferhalb von Konzentrationslagern und Gef\u00e4ngnissen.<\/em><\/p>\n<p><em>Hans Kammler, SS-Obergruppenf\u00fchrer und General der Waffen-SS, lie\u00df an drei Stellen im Arnsberger Wald 208 polnische und sowjetische Zwangsarbeiter ermorden. Bei Eversberg erschoss und verscharrte das Exekutionskommando auf einer Wiese 80 Zwangsarbeiter. Im Langenbachtal bei Warstein wurden weitere 71 Menschen umgebracht. In der Waldgemarkung &#8222;Im Stein&#8220; bei Suttrop erschoss ein Kommando 57 Zwangsarbeiter. Seit 2015 erforscht der Historiker Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut f\u00fcr westf\u00e4lische Regionalgeschichte auch in ausl\u00e4ndischen Archiven die Hintergr\u00fcnde der Verbrechen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Erschie\u00dfungen auf der Eversberger Kuhweide blieben zun\u00e4chst geheim. Im November 1946 erhielt die englische Milit\u00e4rbeh\u00f6rde einen anonymen Hinweis. Die Toten wurden unter Aufsicht der Alliierten Ende M\u00e4rz 1947 exhumiert und auf dem Waldfriedhof &#8222;Fulmecke&#8220; in Meschede beigesetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Von den Morden bei Suttrop und Warstein hatten die amerikanischen Truppen schon kurz nach der Befreiung erfahren. Der US-Kommandant befahl daraufhin ehemaligen NSDAP-Mitgliedern aus beiden Orten, die Leichen zu exhumieren. Die gesamte Bev\u00f6lkerung einschlie\u00dflich der Kinder musste an den Toten vorbeiziehen. Danach wurden die Leichen wiederum von den ehemaligen &#8222;Parteigenossen&#8220; nahe der Erschie\u00dfungsstellen bestattet. Um das Verbrechen f\u00fcr die Nachwelt zu dokumentieren, fotografierten und filmten die Amerikaner den gesamten Vorgang.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Jahr 1964 bettete man die ermordeten Zwangsarbeiter aus Suttrop und Warstein auf den Waldfriedhof &#8222;Fulmecke&#8220; in Meschede um &#8211; bis auf sieben Leichen, die man in Suttrop nicht mehr finden konnte. Hierbei konnten, wie schon 1947, einige Leichen durch den Umbetter anhand ihrer Papiere identifiziert werden, dennoch setzte man diese &#8211; ungeachtet gesetzlicher Regelungen &#8211; am neuen Grabort anonym bei. Irref\u00fchrende Inschriften auf den Erinnerungssteinen verschleierten den Bezug zur Mordtat.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf dem Waldfriedhof &#8222;Fulmecke&#8220; wurden bereits im Ersten Weltkrieg vor allem Franzosen, Italiener und Belgier aus dem nahegelegenen Gefangenenlager, in dem neben Kriegsgefangenen auch Zwangsarbeiter untergebracht waren, beerdigt. Die Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte hie\u00df in der Bev\u00f6lkerung &#8222;Franzosenfriedhof&#8220;. Die meisten Toten wurden sp\u00e4ter exhumiert und in die jeweiligen Heimatorte \u00fcberf\u00fchrt. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs diente der Friedhof auch als Begr\u00e4bnisst\u00e4tte f\u00fcr die in Meschede verstorbenen Zwangsarbeiter, die die katastrophalen Arbeitsbedingungen nicht \u00fcberlebten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warstein\/Meschede (lwl). 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