{"id":42612,"date":"2018-11-07T20:15:12","date_gmt":"2018-11-07T19:15:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=42612"},"modified":"2018-11-07T20:48:21","modified_gmt":"2018-11-07T19:48:21","slug":"hochsauerland-assinghausen-und-die-geschichte-der-familie-loewenstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/hochsauerland-assinghausen-und-die-geschichte-der-familie-loewenstein\/","title":{"rendered":"Hochsauerland: Assinghausen und die Geschichte der Familie L\u00f6wenstein"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_42613\" aria-describedby=\"caption-attachment-42613\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Judenhaus1936.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42613\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Judenhaus1936.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Judenhaus1936.jpg 1536w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Judenhaus1936-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Judenhaus1936-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Judenhaus1936-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-42613\" class=\"wp-caption-text\">Das sogenannte &#8222;Judenhaus&#8220; in Assinghausen um 1930 (Foto: Dr. Karl Weiken)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dorfgeschichte Perspektive I<\/strong><\/p>\n<p>Zur Jahrtausendwende ver\u00f6ffentlichte \u201eDer Arbeitskreis Dorfgeschichte\u201c aus Assinghausen eine Flei\u00dfarbeit. Die rund 850 Seiten starke, bebilderte, fest gebundene Geschichtsaufarbeitung mit dem Titel \u201eAssinghausen im Freien Grund\u201c erschien p\u00fcnktlich zum gro\u00dfen Festakt anl\u00e4sslich der Ersterw\u00e4hnung des Ortes vor 700 Jahren. Eine wichtige und wertvolle Arbeit.<\/p>\n<p>Menschen, Ortsansichten, Kirche und Kapelle, Wohnh\u00e4user, Besitzverh\u00e4ltnisse, Festberichte und -bilder, Pers\u00f6nlichkeiten wie der Heimatdichter Friedrich Wilhelm Grimme und der Maler Joseph Guntermann, etliche Pastoren, Lehrer und Sch\u00fctzenk\u00f6nige, aber auch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und noch viel, viel mehr fanden Erw\u00e4hnung und Platz in \u201eGeschichte &amp; Geschichten\u201c.<\/p>\n<p>Den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und absolute Korrektheit haben die flei\u00dfigen Forscher und Autoren vermutlich nicht f\u00fcr sich reklamiert. Wie auch? Dann h\u00e4tten weder Ausdauer noch Zeit und erst recht nicht die 850 bedruckten Seiten ja bei weitem nicht gereicht. Trotzdem schade! Manches aus der Geschichte des kleinen Ortes bleibt wahrscheinlich weiter im Dunkeln.<\/p>\n<p><strong>Dorfgeschichte Perspektive II<\/strong><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich kann ich \u00fcberhaupt nicht beurteilen, welche Geschichtsbausteine in der Dorfchronik fehlen und welche wom\u00f6glich einseitig oder falsch dargestellt sind. Schlie\u00dflich liegt das liegt ja auch im Auge des Betrachters. M\u00f6gen mir die Assinghauser Geschichtsforscherinnen und -forscher einen Kritikpunkt nachsehen. Vielleicht wissen sie beim n\u00e4chsten Punkt schon was ich meine?<\/p>\n<p>Seite 233\/234, Haus Nr. 38 \u201eJudenhaus\u201c \u2026<\/p>\n<p>\u2026 Der Anfang von der Geschichte des \u201eJudenhauses\u201c ist mit der Angabe \u201e1792 \u2013 1809 Falck Maier oder Falkmeyer\u201c gemacht. Jedoch es fehlt das Ende.<\/p>\n<p>Zwar geht es mit den Angaben mehrerer Daten und Namen der Bewohner bis einschlie\u00dflich 1914 weiter. Doch mit dem ersten Kriegsjahr des WK I rei\u00dft die Geschichte abrupt ab, abgesehen von dem Foto des Hauses auf Seite 234. Das Bild ist auf \u201eum 1930\u201c datiert.<\/p>\n<p><strong>Andere Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Dank Google und Co. erfuhr ich, was die Dorfchronik verschweigt. Was ich im Internet gelesen habe und jeder nachlesen kann, ist eine vorwiegend traurige Geschichte mit einem ungl\u00fccklichen Ende.<\/p>\n<p>Kn\u00fcpfen wir an das Jahr 1914 an. Die damaligen Hausbewohner des \u201eJudenhauses\u201c in Assinghausen waren Hermann L\u00f6wenstein, seine Frau Hannchen geb. Weidenstein und ihre vier Kinder Julius, Selma, Siegfried und Berta. 1915 wurde noch Tochter Emma geboren. Sehr wahrscheinlich lebte zu dieser Zeit im \u201eJudenhaus\u201cauch noch Lina L\u00f6wenstein, eine unverheiratete Schwester des Familienvaters. Hermann L\u00f6wenstein verdiente den Lebensunterhalt mit Viehhandel und einer Metzgerei. Er und seine Kinder m\u00fcssen es dann bald sehr schwer gehabt haben. Hannchen starb im Februar 1919. Das \u00e4lteste Kind war mit 13 Jahren Halbwaise, das j\u00fcngste mit 3 Jahren.<\/p>\n<p><strong>Was geschah in den 1930er und 1940er Jahren?<\/strong><\/p>\n<p>In Assinghausen geschah das was \u00fcberall in Deutschland \u201eeinfach so passierte\u201c. \u201eSieg Heil\u201c, die Nazis \u00fcbernahmen das Regiment.<\/p>\n<p>9.\/10. November 1938: Reichskristallnacht.<\/p>\n<p><strong>Zwischenbemerkung:<\/strong><\/p>\n<p>Meine Gro\u00dfmutter erz\u00e4hlte mir vor vielen Jahren, auch das \u201eJudenhaus\u201c in Assinghausen w\u00e4re in der Reichsprogromnacht demoliert worden. Die L\u00f6wensteins seien nette Leute gewesen. Jeder h\u00e4tte bei ihnen \u201eanschreiben\u201c d\u00fcrfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_42614\" aria-describedby=\"caption-attachment-42614\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Hermann-L\u00f6wenstein1933.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42614\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Hermann-L\u00f6wenstein1933.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1050\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Hermann-L\u00f6wenstein1933.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Hermann-L\u00f6wenstein1933-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Hermann-L\u00f6wenstein1933-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_Hermann-L\u00f6wenstein1933-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-42614\" class=\"wp-caption-text\">Hermann L\u00f6wenstein um 1933 (Foto: Dr. Karl Weiken)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Judenhass<\/strong><\/p>\n<p>Februar 1939: Deportation von Siegfried L\u00f6wenstein (Vernichtungslager Auschwitz)<\/p>\n<p>Juni 1939: Tod von Hermann L\u00f6wenstein in Assinghausen<\/p>\n<p>Vermutlich 1939: Deportation von Lina L\u00f6wenstein<\/p>\n<figure id=\"attachment_42615\" aria-describedby=\"caption-attachment-42615\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_LinaL\u00f6wenstein1933.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42615\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_LinaL\u00f6wenstein1933.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1050\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_LinaL\u00f6wenstein1933.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_LinaL\u00f6wenstein1933-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_LinaL\u00f6wenstein1933-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/lt_LinaL\u00f6wenstein1933-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-42615\" class=\"wp-caption-text\">Lina L\u00f6wenstein um 1933 (Foto: Dr. Karl Weiken)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Januar 1942: Deportation von Julius L\u00f6wenstein (KZ Riga)<\/p>\n<p>?: Deportation von Selma Rosenstein geb. L\u00f6wenstein (ab Kassel ins Ghetto von Riga)<\/p>\n<p>?: Deportation von Berta Goldschmidt geb. L\u00f6wenstein (von Frankfurt a.M. nach Auschwitz)<\/p>\n<p>?: Deportation von Emma Klein geb. L\u00f6wenstein (Vernichtungslager Auschwitz)<\/p>\n<p><strong>\u201eJudenhaus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>1939: Nach dem Tod von Hermann L\u00f6wenstein und der Deportation seines Schwester Lina wurde das Haus an die Familie T\u00fcllmann verkauft.<\/p>\n<p>T\u00fcllmanns Haus, genannt \u201eKleinecordts\u201c, lag in unmittelbarer Nachbarschaft des \u201eJudenhauses\u201c. (Unweigerlich kommt mir der Gedanke, was der neue Besitzer, vermutlich war es August T\u00fcllmann, wohl f\u00fcr das \u201eJudenhaus\u201c, sein Inventar und das Grundst\u00fcck bezahlt haben mag.)<\/p>\n<p>1953: Das \u201eJudenhaus\u201c brennt ab.<\/p>\n<p>2015: An der Grimmestra\u00dfe in Assinghausen werden zum Gedenken an die Familie L\u00f6wenstein \u201eStolpersteine\u201c verlegt.<\/p>\n<p><strong>Was ist von Familie L\u00f6wenstein geblieben?<\/strong><\/p>\n<p>Ist es mehr als die Erinnerungsfetzen der letzten Zeitzeugen, die \u201eStolpersteine\u201c und drei Fotos?<\/p>\n<p>Hat wenigstens ein Mitglied der Familie L\u00f6wenstein aus Assinghausen Deportation und Krieg \u00fcberlebt? Es wurde erz\u00e4hlt, einer der S\u00f6hne h\u00e4tte nach dem Krieg in Bigge gelebt? Ob das stimmt? Ich wei\u00df es nicht!<\/p>\n<p><strong>Gegen das Vergessen<\/strong><\/p>\n<p>Hier noch die Links zu meinen \u201eanderen\u201c Quellen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.olsberg-live.de\/Portal:_Juden_im_ehemaligen_Amt_Bigge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.olsberg-live.de\/Portal:_Juden_im_ehemaligen_Amt_Bigge<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.assinghausen-live.de\/2015\/stolpersteine-an-der-grimmestrasse-verlegt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.assinghausen-live.de\/2015\/stolpersteine-an-der-grimmestrasse-verlegt\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-juedische-friedhof-in-olsberg-bigge-ein-anfang\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-juedische-friedhof-in-olsberg-bigge-ein-anfang\/<\/a><\/p>\n<p>Die Dorfchronik \u201eAssinghausen im Freien Grund\u201c ist meines Wissens leider nicht online.<\/p>\n<p>PS: Die Fotos sind aus den 1930er Jahren von Dr. Karl Weiken in Assinghausen aufgenommen worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dorfgeschichte Perspektive I Zur Jahrtausendwende ver\u00f6ffentlichte \u201eDer Arbeitskreis Dorfgeschichte\u201c aus Assinghausen eine Flei\u00dfarbeit. 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