{"id":41529,"date":"2018-07-04T22:11:54","date_gmt":"2018-07-04T21:11:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=41529"},"modified":"2018-07-04T22:11:54","modified_gmt":"2018-07-04T21:11:54","slug":"krieg-im-wald-ein-buch-ueber-jagdgeschichte-wilddiebe-und-toedliche-konflikte-im-sauerland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/krieg-im-wald-ein-buch-ueber-jagdgeschichte-wilddiebe-und-toedliche-konflikte-im-sauerland\/","title":{"rendered":"\u201eKrieg im Wald\u201c &#8211; Ein Buch \u00fcber Jagdgeschichte, Wilddiebe und t\u00f6dliche Konflikte im Sauerland"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_41530\" aria-describedby=\"caption-attachment-41530\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-41530\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Die_Gartenlaube_1876_b_169-1.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"786\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Die_Gartenlaube_1876_b_169-1.jpg 700w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Die_Gartenlaube_1876_b_169-1-267x300.jpg 267w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41530\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Die Gartenlaube&#8220; 1867; commons.wikimedia.org<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das soeben erschienene Buch &#8222;Krieg im Wald&#8220; vermittelt einen geschichtlichen \u00dcberblick zu Wilderei und Waldkonflikten in S\u00fcdwestfalen. <\/strong><\/p>\n<p>Mit &#8222;Heimat&#8220; verbinden manche Kreise nur wohlige Gef\u00fchle, Harmonie und Zusammenhalt. In Wirklichkeit ist aber auch die Geschichte der Kleinr\u00e4ume von Verteilungsk\u00e4mpfen durchzogen. Beim &#8222;Krieg im Wald&#8220; ging es um Brennholz und Fleisch. Wildsch\u00fctz-Abenteuer blieben eher die Ausnahme. Weil bei Zusammenst\u00f6\u00dfen stets eine Waffe zuhanden war, mussten immer wieder Menschen ihr Leben lassen. Es gab auf beiden Seiten der &#8222;Waldfront&#8220; gef\u00e4hrlichen Gruppenzwang und Akteure, die keine Skrupel kannten. Meistens jedoch waren Angst und Panik die Ausl\u00f6ser von t\u00f6dlichen Sch\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zu den Opfern z\u00e4hlten arme Schlucker oder Forstbedienstete, die zumeist auch nicht dem Kreis der Privilegierten angeh\u00f6rten. Auf beiden Seiten wurden Tr\u00e4nen vergossen. Wer den Standort der Menschlichkeit einnimmt, wird jenseits von einseitigen Parteinahmen die Perspektive aller Beteiligten w\u00fcrdigen. Der &#8222;Krieg im Wald&#8220; wird in dem neuen Band der \u201eedition leutekirche sauerland\u201c nicht romantisch verkl\u00e4rt oder moralisiert, sondern als ein Kapitel der regionalen Sozialgeschichte beleuchtet.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><strong>Leseprobe:<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Wie viel Blut ist im \u201eWaldkrieg\u201c vergossen worden?<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>(Abschnitt aus dem Sauerland-Buch \u201eKrieg im Wald\u201c)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wer die regionale Geschichte des illegalen Jagens oder Holzfrevels erkunden m\u00f6chte, st\u00f6\u00dft in den Staatsarchiven oder amtlichen Chroniken vermutlich nur auf Ausschnitte. Die F\u00f6rster waren zur Berichterstattung geradezu verpflichtet. Ihre Perspektive ist vergleichsweise gut dokumentiert. Die Gesetzes\u00fcbertreter oder auch ihre Angeh\u00f6rigen schwiegen aus naheliegenden Gr\u00fcnden lieber von unerfreulichen Dingen.<\/p>\n<p>Je tiefer man in die Sache eindringt, desto dr\u00e4ngender stellt sich die Frage: Wie viel Blut ist im \u201eWaldkrieg\u201c vergossen worden, nicht nur auf Seiten der amtlichen H\u00fcter des Waldes, sondern auch unter den oftmals \u00e4rmlichen Wilderern? Ein Kirchenbucheintrag aus dem Jahr 1889 hat die Vo\u00dfwinkeler Heimatforscher vor einigen Jahren bewegt, die Leser ihrer \u201eR\u00fcckblicke\u201c an den Namen eines beim Wildern erschossenen Fabrikarbeiters zu erinnern, der nach dem Tod seiner Eltern f\u00fcr den Lebensunterhalt der Geschwister gesorgt hatte. Es kommt in den Quellen auch ein sehr junger Wilddiebhelfer zum Vorschein, der 1923 nach einem Schuss in den R\u00fccken sein Leben l\u00e4sst. Wie lauteten eigentlich genau die Dienst\u00advorschriften der F\u00f6rster? Gab es so etwas wie einen obligaten Schie\u00dfbefehl? War hierbei eine Kampfunf\u00e4higkeit der Wilderer das vorrangige Ziel? Wie eng oder weit wurde der Begriff der Notwehr ausgelegt?<\/p>\n<p>Rechtsempfinden und Praxis konnten sich im Verlauf der Jahrzehnte durchaus ver\u00e4ndern. 1898 erfolgte z.B. eine rechtliche Ausweitung des \u201eNotwehr-Begriffes\u201c, durch welche das unbedingte Verbot des Waffengebrauchs gegen fliehende Wilderer aufgeweicht wurde; in manchen J\u00e4gerkreisen soll es zu freudigen, z.T. menschenverachtenden Reaktionen gekommen sein. Bisweilen empfahlen sich stellungssuchende Jagdaufseher in Annoncen ausdr\u00fccklich als \u201eSchrecken der Wilddiebe\u201c.<\/p>\n<p>Zu anderer Stunde besch\u00e4ftigt man sich mit jenem Feld, das der wegen seines sp\u00e4teren \u00dcberlaufens von der SPD zu den Nazis nicht gut beleumundete Berliner Kriminalkommissar Otto Busdorf (1878-1957) als ein eifriger Pionier zwischen 1929 und 1931 in drei B\u00e4nden \u00fcber \u201eWilddieberei und F\u00f6rstermorde\u201c dokumentiert hat.<\/p>\n<p>Angesichts der hier er\u00f6ffneten Einblicke in das organisierte Verbrechen wird sich auch der gr\u00f6\u00dfte Freund der \u201akleinen Leute\u2018 unweigerlich mit Forstbediensteten solidarisieren, die mehrheitlich keineswegs besonders privilegiert leben, oft zwischen allen St\u00fchlen sitzen und sich im Fall der eigenen T\u00f6tung durch kaltbl\u00fctige Kriminelle f\u00fcr ihre Hinterbliebenen manchmal nur eine geringe Anteilnahme der Umgebung erhoffen d\u00fcrfen. \u2013 Es gab auf beiden Seiten der \u201aWaldfront\u2018 gef\u00e4hrlichen Gruppenzwang und Akteure, die keine Skrupel kannten. Meistens jedoch waren wohl Angst und Panik die Ausl\u00f6ser von t\u00f6dlichen Sch\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Historiker Werner Neuhaus aus Sundern verweist mit seinem Beitrag \u201eKrieg um den Wald\u201c, der in diesem Buch erneut zug\u00e4nglich gemacht wird, auf die richtige \u00dcberschrift f\u00fcr jene erschreckenden Gewalterscheinungen, die bei einer Besch\u00e4ftigung mit unserem Thema \u00fcber kurz oder lang zwangsl\u00e4ufig zutage treten: \u201eKrieg!\u201c<\/p>\n<p>\u00dcber ausgew\u00e4hlte Daten, Stationen und Momentaufnahmen wird im \u00dcberblick zur Wilddieberei im Sauerland und in angrenzenden Gebieten zun\u00e4chst der geschichtliche Rahmen markiert werden. Sodann folgen in zwei Durchg\u00e4ngen die Ergebnisse einer Recherche zu den Opfern auf beiden Seiten. In Erwartung gr\u00fcndlicher Arbeiten von anderen Forschern m\u00f6chte ich betonen, dass das hierbei Vorgelegte nur ein erstes, noch keineswegs vollst\u00e4ndiges Bild vermitteln kann.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich kommen die literarischen Bearbeitungen des Themas zur Darstellung. Auch das kann in einigen F\u00e4llen \u2013 unter Vorbehalten \u2013 zur Rekonstruktion historischer Sachverhalte etwas beitragen. Amtliche Archivquellen oder zeitgen\u00f6ssische Reportagen hinterlassen beim Leser oft tr\u00fcgerische Gewissheiten. Doch selbst wenn wir Videoaufzeichnungen von bestimmten Ereignissen bes\u00e4\u00dfen, w\u00fcssten wir keineswegs sicher, \u201ewie es wirklich war\u201c. Denn in die Seelen und Motivkomplexe der Beteiligten kann letztlich nur noch der liebe Gott hineinschauen.<\/p>\n<p>Andererseits: In den literarischen Zeugnissen spiegeln sich lokale Erinnerungen, Standorte, Mentalit\u00e4ten, Stimmungen und Deutungen, was in jedem Fall ja mit Wirklichkeitsschichten der Vergangenheit zu tun hat. Wenn das ernste Thema \u201eWilddieberei\u201c in der Literatur bisweilen ausgesprochen humoristisch zur Sprache kommt, so ist auch das eine Stellungnahme. Die t\u00f6dlichen Geschicke, die so viel Traurigkeit verbreitet haben, werden in vielen Anekdoten bagatellisiert oder verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Krieg_im_Wald.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-41531\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Krieg_im_Wald.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Krieg_im_Wald.jpg 352w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Krieg_im_Wald-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 85vw, 220px\" \/><\/a>Peter B\u00fcrger (Hg.): Krieg im Wald<br \/>\nForstfrevel, Wilddiebe und t\u00f6dliche Konflikte in S\u00fcdwestfalen.<br \/>\nNorderstedt 2018.<br \/>\nISBN: 978-3-7460-1911-6; 308 Seiten (25 davon in Farbdruck); Preis: 18,90 Euro<br \/>\nInhaltsverzeichnis; Leseprobe:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/krieg-im-wald-peter-buerger-9783746019116\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/krieg-im-wald-peter-buerger-9783746019116<\/a><br \/>\nDas Buch kann \u00fcberall vor Ort im Buchhandel bestellt werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das soeben erschienene Buch &#8222;Krieg im Wald&#8220; vermittelt einen geschichtlichen \u00dcberblick zu Wilderei und Waldkonflikten in S\u00fcdwestfalen. 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