{"id":41135,"date":"2018-05-16T19:07:13","date_gmt":"2018-05-16T18:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=41135"},"modified":"2018-05-16T19:07:13","modified_gmt":"2018-05-16T18:07:13","slug":"suche-frieden-und-finde-die-staatstreue-christenlehre-der-katholikentag-in-muenster-zeigt-erneut-dass-von-den-grosskirchen-ein-widerspruch-gegen-die-militarisierung-der-deutschen-po","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/suche-frieden-und-finde-die-staatstreue-christenlehre-der-katholikentag-in-muenster-zeigt-erneut-dass-von-den-grosskirchen-ein-widerspruch-gegen-die-militarisierung-der-deutschen-po\/","title":{"rendered":"\u201eSuche Frieden\u201c und finde die staatstreue Christenlehre <div><small>Der Katholikentag in M\u00fcnster zeigt erneut, dass von den Gro\u00dfkirchen ein Widerspruch gegen die Militarisierung der deutschen Politik nicht zu erwarten ist<\/small><\/div>"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_41141\" aria-describedby=\"caption-attachment-41141\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Frieden.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-41141\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Frieden.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"491\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Frieden.jpg 1027w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Frieden-300x210.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Frieden-768x538.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Frieden-1024x718.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-41141\" class=\"wp-caption-text\">Brot und Frieden (grafik: www.friedensbilder.de)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zu Recht wird der Katholikentag 2018 mit dem Motto \u201eSuche Frieden \u2026\u201c und ca. 90.000 Teilnehmenden in Medien und kirchlichen Gremien als ein erstaunlicher Erfolg bewertet. <\/strong><\/p>\n<p>(Gastbeitrag von <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?s=Peter+B%C3%BCrger\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Peter B\u00fcrger<\/a>)<\/p>\n<p>Der Katholik Horst Seehofer, der in Opposition zum Papst eine rechtspopulistische Fl\u00fcchtlingspolitik etablieren will, kam trotz Zusage allerdings nicht nach Westfalen. Seine \u201eAnreise\u201c-Probleme wurden mehrheitlich als Angst vor Buhrufen gedeutet.<\/p>\n<p>Zwei Protagonisten, ZdK-Pr\u00e4sident Thomas Sternberg und Kardinal Reinhard Marx, haben in M\u00fcnster von dem dort versammelten Kirchenvolk hingegen viel R\u00fcckhalt bekommen. Wenn die Beifallskundgebungen und Programmschwerpunkte z\u00e4hlen, wird das Kirchenschiff hierzulande einen offenen Kurs Richtung \u00d6kumene und Synodalit\u00e4t halten. F\u00fcr die Herrschaft eines klerikalen M\u00e4nnerbundes unter Ausschluss der Frauen und wahnhafte Projekte der Priesterselbstanbetung in zentralisierten Mega-Gemeinden gibt es keine Akzeptanz mehr.<\/p>\n<p>Trotz des fast fl\u00e4chendeckenden Traditionsabbruchs in katholischen Landschaften kann wohl keine Rede davon sein, dass der Katholizismus als soziales und politisches Ph\u00e4nomen bereits tot w\u00e4re. Vielleicht ist das Zeitfenster, in dem eine Transformation der letzten traditionellen Milieus auf Zukunft hin gelingt, doch noch nicht ganz geschlossen? Ein Urteil in dieser Sache f\u00e4llt schwer, zumal das M\u00fcnsterland nicht repr\u00e4sentativ ist. Auch nach einem durchgreifenden Sprechsprachenwechsel h\u00e4lt sich oft \u00fcber Jahrzehnte der Eindruck, das alte Idiom w\u00e4re nach wie vor sehr lebendig. Der Schein tr\u00fcgt, und das wird dann manchmal wie \u00fcber Nacht offenbar.<\/p>\n<p><strong>(1) \u201eKeine Kritik der Politik\u201c!?<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise w\u00e4re ich als katholischer Pazifist zu optimistisch von M\u00fcnster nach Hause gefahren, wenn mir nicht eine improvisierte Passage in der Abschlusspredigt von Kardinal Reinhard Marx geholfen h\u00e4tte, mein Unbehagen am Friedensprogramm der Gro\u00dfveranstaltung besser zu verstehen. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz sprach auf dem Schlossplatz \u00fcber Jesu Auftrag an seine J\u00fcnger und kam zum Kern:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Friede, die Liebe, die Vers\u00f6hnung, das, was von vielen verlacht wird, von denen, die meinen, mit milit\u00e4rischer Macht und mit k\u00fchler \u00dcberlegung w\u00fcrden wir alleine den Frieden gewinnen. Das alles mag notwendig sein. Ich mach\u2019 keine Kritik der Politik hier \u2013 im Gegenteil. Ich bem\u00fche mich immer wieder, dankbar zu sein und bin es auch, f\u00fcr alle, die sich engagieren. Aber wir als Christen wissen auch, es braucht einen \u00dcberschuss, es braucht ein &gt;Mehr an Hoffnung&lt; [\u2026].\u201c<br \/>\n(Kardinal Reinhard Marx, Predigt vom 13. Mai 2018)<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier wird es auf den Punkt gebracht, was als gleichsam amtliche Linie des \u00fcberaus bunten Kirchentags auf allen Fernsehbildschirmen ansichtig werden sollte. Die r\u00f6misch-katholische Kirche in Deutschland will kein Urteil abgeben \u00fcber das grundlegende Konzept \u201emilit\u00e4rischer Macht\u201c, welches nach Ansicht der ma\u00dfgebenden K\u00f6pfe ja \u201enotwendig sein mag\u201c und offenkundig auch als taugliches \u2013 wenngleich nicht als alleiniges \u2013 Mittel der \u201eFriedensgewinnung\u201c (!) betrachtet wird. Die Kirche will die herrschende Politik in unserem Land keineswegs kritisieren: \u201eim Gegenteil\u201c! Dankbarkeit wird angestrebt. Die Christen wollen \u00fcber das (benedizierte) Bestehende hinaus aber noch irgendwie einen \u201e\u00dcberschuss\u201c, ein \u201eMehr an Hoffnung\u201c einbringen.<\/p>\n<p>Kardinal Reinhard Marx predigte \u2013 erfrischender Weise \u2013 in M\u00fcnster nicht in Form einer theologischen Vorlesung. Dass der Terminus \u201eWelt\u201c in den johanneischen Schriften der Bibel nicht einfach neutral den irdischen Lebens- und Gestaltungsraum bezeichnet, sondern eher ein ganz bestimmtes Programm der menschlichen Zivilisation, ist ihm bekannt. An anderer Stelle hei\u00dft es n\u00e4mlich in seiner Predigt,<\/p>\n<blockquote><p>\u201edass wir als Zeuginnen und Zeugen des \u00f6sterlichen Lebens, des \u00f6sterlichen Friedens nie ganz aufgehen in der Logik der Welt, des Messens, des Verbrauchens, des Benutzens, des Herrschens und der Macht; dass mitten in dieser \u2013 ich m\u00f6chte einmal sagen \u2013 alten Welt, die keine Zukunft hat, die neue Welt aufbricht \u2013 und [\u2026] wie in einem dynamischen Prozess von der Explosion der Osternacht aus in die ganze Weltgeschichte hineinreicht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Sollen wir in der \u201eLogik des Benutzens, des Herrschens und der Macht\u201c nur \u201enie ganz aufgehen\u201c? Oder sollen \u201ewir Christen\u201c der Logik einer in den Augen Jesu endg\u00fcltig veralteten \u201eWelt\u201c, die der Menschheit jede Zukunft verbaut, nicht vielmehr Widerstand entgegensetzen \u2013 durchaus auch mit Hilfe \u201ek\u00fchler \u00dcberlegung\u201c? Die Abschlusspredigt von M\u00fcnster, beim Wort genommen, vermittelt den Regierenden in Deutschland wohl kaum das Gef\u00fchl, einer \u201ealten Welt, die keine Zukunft hat\u201c, verhaftet zu sein. Die implizite Botschaft lautet vielmehr: Wir Christen machen keine Revolte! Unser Land z\u00e4hlt ja zu den Guten \u2026<\/p>\n<p><strong>(2) F\u00fcr welches politische \u201eEngagement\u201c sollen wir dankbar sein?<\/strong><\/p>\n<p>Wof\u00fcr nun sollen wir dankbar sein \u2013 ohne dabei eine \u201eKritik der Politik\u201c anzugehen? Statt dem Frieden in der Welt zu dienen, sorgt Deutschland im Welt-Quartett der erfolgreichsten R\u00fcstungsproduzenten daf\u00fcr, dass seine Waffen und andere Kriegsproduktionen auf dem ganzen Globus zum T\u00f6tungseinsatz gelangen (Jemen und Afrin inklusive). Wege und Umwege des Exports sind unerfindlich. Die R\u00fcstungslobby engagiert sich im Parteiengef\u00fcge und ist im Milit\u00e4rministerium gleichsam institutionell verankert. Der Absatz auf dem Weltmarkt mit hohen St\u00fcckzahlen beschwingt die technologische Entwicklung und die eigene Aufr\u00fcstung. Durch \u201emilit\u00e4rische Ert\u00fcchtigung\u201c in fernen L\u00e4ndern (z.B. \u201eSahel-Zone\u201c) will man sich Einfluss auf der Erdkugel sichern. Profitable Kriegsindustrie und Politik lassen sich mitnichten trennen. Deshalb glauben die Menschen schon lange nicht mehr den Versprechungen, es sollten in Deutschland die R\u00fcstungsexporte ernsthaft reglementiert und zur\u00fcckgefahren werden: \u201eLeere Worte mehren nur den Schmerz!\u201c<\/p>\n<p>Die verheerende Bilanz der Auslandseins\u00e4tze des Milit\u00e4rs, bei denen z.B. auch nach Jahrzehnten (!) zuvor ausgebildete und ausgestattete Waffentr\u00e4ger als Gewaltakteure in Erscheinung treten, wird verschleiert. Zu erwarten w\u00e4re zumindest bei Endlos-Eins\u00e4tzen der Bundeswehr eine unabh\u00e4ngige wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfung. Man befragt stattdessen lieber eigene Experten, d.h. die Funktion\u00e4re des irrationalen Milit\u00e4rkomplexes. Soldaten, die bei ihrer Heimkehr in Psychiatrien eingeliefert werden, m\u00f6gen dagegen von ihren Erfahrungen lieber schweigen. Es interessiert sich sowieso niemand f\u00fcr sie, auch nicht die Amtskirchen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_41139\" aria-describedby=\"caption-attachment-41139\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/px-03-Licht.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-41139\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/px-03-Licht.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"974\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/px-03-Licht.jpg 1471w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/px-03-Licht-216x300.jpg 216w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/px-03-Licht-768x1069.jpg 768w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/px-03-Licht-736x1024.jpg 736w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-41139\" class=\"wp-caption-text\">Geh mir aus der Sonne! Die Militarisierung der deutschen Politik (grafik: friedensbilder.de)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Inzwischen geh\u00f6rt es gleichsam zur Staatsr\u00e4son, dass die eigene Milit\u00e4rdoktrin mit der Sicherung geostrategischer und geo-\u00f6konomischer Machtinteressen, mit freien M\u00e4rkten, Meeren und Handelswegen sowie mit der Abwehr (!) von Fl\u00fcchtlingen aus Elendsregionen zu tun hat. Sp\u00e4testens ab 2006 haben tausende Christinnen und Christen von unten die gro\u00dfen Kirchen aufgerufen, eine solche Militarisierung der deutschen Politik \u00f6ffentlich anzuklagen. Ich gestehe, dass ich auf dem Katholikentag in M\u00fcnster vollends die Hoffnung verloren habe, die derzeitigen Kirchenleitungen in Deutschland samt \u201eLaiengremien\u201c k\u00f6nnten sich in diesem Zusammenhang doch noch zur einem friedensethischen Klartext durchringen.<\/p>\n<p>Bezogen auf das Feld der als humanit\u00e4r, menschenrechtlich, philanthropisch etc. deklarierten Interventionen ist absehbar, dass die Denkfigur \u201ebellum iustum\u201c (Doktrin des \u201egerechten Krieges\u201c) in einschl\u00e4gigen Ethik-Werkst\u00e4tten reanimiert wird. \u2013 Man betreibt Milit\u00e4rethik und nennt es Friedensethik. \u2013 Ein Beitrag ausgerechnet in der aktuellen Mai-Ausgabe der Jesuitenzeitschrift \u201eStimmen der Zeit\u201c macht schon mal den Anfang. Derweil gibt es aber gar keine gro\u00dfangelegten Anstrengungen, eine taugliche \u2013 also nichtmilit\u00e4rische \u2013 Infrastruktur zur vorbeugenden Verhinderung von Massenelend und Genozid zu entwickeln. Die Kirchen h\u00e4tten gen\u00fcgend Sachverstand zur Verf\u00fcgung, um zu erkennen, dass f\u00fcr eine praktische \u201eSchutzverantwortung\u201c, die wirklich Menschen rettet statt zur Legitimation des global agierenden Kriegsapparates beizutragen, allenfalls \u201ePortokassen\u201c (Hans von Sponeck) zur Verf\u00fcgung stehen. Im Kongo z.B. droht f\u00fcr 400.000 Kinder der Hungertod. Das wissen die unt\u00e4tigen L\u00e4nder aber nicht erst seit letzter Woche.<\/p>\n<p>Obwohl das Weltgef\u00fcge von Hegemonie sich im rasanten Wandel befindet und man sich punktuell auch vom \u201eMad Man\u201c in Washington distanziert, soll weiterhin nach den absurden \u2013 ja menschenverachtenden \u2013 Paradigmen des letzten, nicht mehr lange aufrecht zu erhaltenden Imperial-Gef\u00fcges agiert werden. Unverdrossen sollen zuvor selbst produzierte Terroristen gejagt und vermehrt werden \u2013 in alle Ewigkeit.<\/p>\n<p>Die militarisierte Weltpolitik raubt der menschlichen Zivilisation jede Perspektive (und alle Ressourcen) zur L\u00f6sung der dr\u00e4ngenden Zukunftsfragen. Sie ist mit dem \u00dcberleben der menschlichen Gattung schier unvereinbar. Doch diese Grundsatzfrage wird nicht gestellt! Die Entwicklung einer intelligenten Alternative f\u00fcr die Weltgesellschaft erfordert zwingend eine Umwidmung aller milit\u00e4rischen Budgets. Solches steht freilich nicht auf der Tagesordnung und wird auch nicht geschehen, solange durch Krieg und Todesindustrien tausendfache Milliardenprofite erzielt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit dauerhaftem Frieden, das wissen die Aktion\u00e4re von Konzernen f\u00fcr T\u00f6tungstechnologie (z.B. Rheinmetall), l\u00e4sst sich einfach nicht genug Geld verdienen. Diese Sache ist so unwichtig, dass es nicht einmal ein Friedensministerium gibt. Eine eigentliche Friedensforschung, die sich von der Esoterik milit\u00e4rischer Beherrschungswissenschaften fernh\u00e4lt, findet nach wie vor nur in Hinterhofwinkeln statt.<\/p>\n<p>Der von Schauerm\u00e4rchen \u00fcber schlechte Ausr\u00fcstung und Mangelausstattung in allen staatstragenden Medien flankierte Kurs hei\u00dft: Aufr\u00fcstung, Aufr\u00fcstung, Aufr\u00fcstung. Das gilt auch f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union, die ihr Projekt einer gemeinsamen Kriegsg\u00fcteragentur mit einer \u201ePermanenten Strukturierten Milit\u00e4rkooperation\u201c zum Ziel f\u00fchren wird und schon lange keine Friedensvisionen mehr hervorbringt. \u201eQuantenspr\u00fcnge\u201c in Milliardenh\u00f6he stehen bei den Ausgaben f\u00fcr Kriegstechnologie an.<\/p>\n<p>Zumindest das zementierte Festhalten der Regierungsparteien an der deutschen Atombombenteilhabe und an der damit einhergehenden Missachtung eigener Vertragsverpflichtungen sollte noch als Beispiel genannt werden. Der Papst h\u00e4lt bereits Produktion und Besitz dieser ultimativ menschenverachtenden Waffen f\u00fcr verwerflich. H\u00e4tte Kardinal Reinhard Marx nur an diesem einen Punkt in seiner Predigt konkret gesprochen und eine \u201eKritik der Politik\u201c gewagt, so w\u00e4re das \u201eMehr der christlichen Hoffnung\u201c vor dem M\u00fcnsterischen Schloss f\u00fcr ein riesiges Fernsehpublikum glaubhaft unter Beweis gestellt worden.<\/p>\n<p>Noch sind die beiden gro\u00dfen Kirchen in Deutschland gemeinsam stark genug, eine erfolgreiche Bewegung zur Aushebung der atomaren Mordlager in B\u00fcchel und zum Ausrufen einer Friedensoffensive in Gang zu setzen. Doch ihr sogenanntes Spitzenpersonal will mehrheitlich lieber Ruhe, hohe Staatskirchengeh\u00e4lter und Staatsempf\u00e4nge.<\/p>\n<p><strong>(3) Der Ruf zum friedenspolitischen Paradigmenwechsel blieb in M\u00fcnster aus!<\/strong><\/p>\n<p>Der gastgebende Ortsbischof von M\u00fcnster hat sich auf dem Katholikentag am 10. Mai immerhin f\u00fcr die Renaissance einer breiten Friedensbewegung im \u00f6ffentlichen Raum ausgesprochen und eine symbolische Waffenvernichtung gew\u00fcnscht. Im \u201eM\u00fcnsteraner Manifest\u201c des Zentralkomitees der Katholiken, das Leute mit rechtskatholischen Tendenzen gezielt abschreckt, konnte man am gleichen Tag eine moderate Kritik an nahen Kriegsprofiten nachlesen. Die zuerst von Anh\u00e4ngern des Milit\u00e4rparadigmas erfundene Losung f\u00fcr eine \u201eneue deutsche Weltverantwortung\u201c wird von den Autoren wohl zumindest vorrangig als Verantwortung f\u00fcr Diplomatie, politische L\u00f6sungen und zivile Konfliktl\u00f6sung verstanden. Doch warum w\u00e4hlten sie trotzdem die 2014 auf einer M\u00fcnchener \u201eSicherheits\u201c-Konferenz kanonisierte \u00dcberschrift?<\/p>\n<p>Einen dr\u00e4ngenden Ruf an die Politik in Deutschland, endlich von der bankrotten milit\u00e4rischen Heilslehre zu lassen und einen durchgreifenden Paradigmenwechsel zugunsten einer rationalen Weltfriedenspolitik einzuleiten, gab es in M\u00fcnster nicht. Diese Leerstelle sticht ins Auge. Direkt einen Tag nach Ende des Katholikentags sandten Kanzlerin und Milit\u00e4rministerin das Signal aus, es solle der Kurs der weiteren Aufr\u00fcstung in Deutschland verfolgt werden. Vorfahrt f\u00fcr \u201ePanzer\u201c \u2013 und Kriegskonzerne.<\/p>\n<p><strong>(4) Die Weltkirche ist weiter<\/strong><\/p>\n<p>Im April 2016 haben Friedensarbeiterinnen und Friedensarbeiter aus der ganzen Welt, vorzugsweise aus Kriegs- und Krisengebieten, auf dem internationalen katholischen Kongress \u201eNonviolence and Just Peace\u201c in Rom allen im Christentum tradierten Ideologien zur Rechtfertigung milit\u00e4rischer Gewalt eine Absage erteilt und die empirisch belegbare \u00dcberlegenheit von Konzepten der aktiven Gewaltfreiheit auch im politischen Raum ins Zentrum ger\u00fcckt. Der Ausgangspunkt: Die hochger\u00fcsteten Staaten sollen innerhalb der einen menschlichen Familie auf der Erde teilen statt zu t\u00f6ten. Es sei endlich zu lernen, dass gerechte Verh\u00e4ltnisse, solidarische Lebenswirklichkeiten und eine Kultur der Achtsamkeit unter den Menschen ein Land stark machen, w\u00e4hrend Militarisierung und Waffen nur wachsende Unsicherheit bewirken.<\/p>\n<p>Die japanische Bischofskonferenz hat sich die Abschlusserkl\u00e4rung dieser Konferenz ganz zu eigen gemacht. Es folgte als bekr\u00e4ftigende Antwort eine p\u00e4pstliche Botschaft zum Weltfriedenstag 2017 mit dem Titel \u201eGewaltfreiheit: Stil einer Politik f\u00fcr den Frieden\u201c. Der Ruf von Friedensbotschaftern aus der ganzen Weltkirche, die unselige Lehre vom sogenannten \u201egerechten Krieg\u201c expressis verbis aufzugeben, ist nicht auf taube Ohren gesto\u00dfen. Zwischenzeitlich hat Bischof Franziskus von Rom in einem als Buch ver\u00f6ffentlichten Interview mit dem Soziologen Dominique Wolton erkl\u00e4rt: \u201eWir m\u00fcssen das Konzept vom &gt;gerechten Krieg&lt; heute \u00fcberdenken. Kein Krieg ist gerecht. Das einzige, was gerecht ist, ist der Frieden.\u201c<\/p>\n<p>Die r\u00f6misch-katholischen und protestantischen Kirchenleitungen in deutschen Landen haben via Predigt, Hirtenwort und Milit\u00e4rseelsorge bei zwei massenm\u00f6rderischen Weltkriegen assistiert. Wohl in kaum einem anderen Land der Erde ist die neuere Kirchengeschichte so extrem durch Tribute an die Religion des Kriegsg\u00f6tzen besudelt worden. Es w\u00e4re im dritten Jahrtausend an der Zeit, dass die reiche katholische Kirche in Deutschland ein von Milit\u00e4rkontexten unabh\u00e4ngiges friedenstheologisches Institut ins Leben ruft und Anschluss findet an die weltkirchliche Entwicklung unter Franziskus. \u00dcberzeugend kann heute allein eine \u00d6kumene sein, die dazu f\u00fchrt, dass beide Gro\u00dfkirchen in Deutschland sich \u2013 eingedenk ihrer sch\u00e4ndlichen Vergangenheit \u2013 ausdr\u00fccklich von aller staatskirchlichen Politik- und Milit\u00e4rassistenz emanzipieren und vor aller Welt gemeinsam zu Friedenskirchen erkl\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Recht wird der Katholikentag 2018 mit dem Motto \u201eSuche Frieden \u2026\u201c und ca. 90.000 Teilnehmenden in Medien und kirchlichen Gremien als ein erstaunlicher Erfolg bewertet. 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