{"id":40033,"date":"2018-01-25T22:25:19","date_gmt":"2018-01-25T21:25:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=40033"},"modified":"2018-01-25T22:27:34","modified_gmt":"2018-01-25T21:27:34","slug":"wann-sollen-journalistinnen-die-herkunft-von-tatverdaechtigen-nennen-die-neue-richtlinie-des-presserats-verleitet-zu-zirkelschluessen-und-framing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wann-sollen-journalistinnen-die-herkunft-von-tatverdaechtigen-nennen-die-neue-richtlinie-des-presserats-verleitet-zu-zirkelschluessen-und-framing\/","title":{"rendered":"Wann sollen JournalistInnen die Herkunft von Tatverd\u00e4chtigen nennen? Die neue Richtlinie des Presserats verleitet zu Zirkelschl\u00fcssen und Framing."},"content":{"rendered":"<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"de\">Wann sollen JournalistInnen die Herkunft von Tatverd\u00e4chtigen nennen?<\/p>\n<p>Die neue Richtlinie des Presserats hilft in ihrer Schwammigkeit nicht weiter.<\/p>\n<p>Habe dazu einen offenen Brief unterzeichnet: <a href=\"https:\/\/t.co\/3EqaiHqpC2\">https:\/\/t.co\/3EqaiHqpC2<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Sandra M\u00fcller (@radiomachen) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/radiomachen\/status\/956569726611804162?ref_src=twsrc%5Etfw\">25. Januar 2018<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p><strong>Der oben zitierte Tweet ist mir heute aufgefallen. Er verlinkt auf einen Offenen Brief der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung \u201eJournalismus auf Augenh\u00f6he\u201c im November 2017 in Darmstadt vom 25. Januar 2018.<\/strong><\/p>\n<p>Die TagungsteilnehmerInnen setzen sich kritisch mit der neuen Richtlinie 12.1 des Presserats vom 22. M\u00e4rz 2017 auseinander. In diesem Teil des Kodex geht es um die Frage, wann JournalistInnen die Herkunft von Tatverd\u00e4chtigen nennen sollen.<\/p>\n<p>Beim Presserat findet man eine <a href=\"https:\/\/www.presserat.de\/fileadmin\/user_upload\/Aktuelles\/UEbersicht_bisherige_Richtlinie_neue_Richtlinie12.1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gegen\u00fcberstellung von alt und neu<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Bisherige Richtlinie 12.1 \u2013 Berichterstattung \u00fcber Straftaten<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>In der Berichterstattung \u00fcber Straftaten wird die Zugeh\u00f6rigkeit der Verd\u00e4chtigen oder T\u00e4ter zu religi\u00f6sen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erw\u00e4hnt, wenn f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des berichteten Vorgangs ein begr\u00fcndbarer Sachbezug besteht.<\/p>\n<p>Besonders ist zu beachten, dass die Erw\u00e4hnung Vorurteile gegen\u00fcber Minderheiten sch\u00fcren k\u00f6nnte.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Neue Richtlinie 12.1 \u2013 Berichterstattung \u00fcber Straftaten (G\u00fcltig ab 22.03.2017)<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>In der Berichterstattung \u00fcber Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erw\u00e4hnung der Zugeh\u00f6rigkeit der Verd\u00e4chtigen oder T\u00e4ter zu ethnischen, religi\u00f6sen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens f\u00fchrt. Die Zugeh\u00f6rigkeit soll in der Regel nicht erw\u00e4hnt werden, es sei denn, es besteht ein begr\u00fcndetes \u00f6ffentliches Interesse.<\/p>\n<p>Besonders ist zu beachten, dass die Erw\u00e4hnung Vorurteile gegen\u00fcber Minderheiten sch\u00fcren k\u00f6nnte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presserat.de\/fileadmin\/user_upload\/Aktuelles\/UEbersicht_bisherige_Richtlinie_neue_Richtlinie12.1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Presserat (PDF)<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Kritik im Wortlaut:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Insbesondere die Formulierung, f\u00fcr die Erw\u00e4hnung der Zugeh\u00f6rigkeit zu ethnischen, religi\u00f6sen oder anderen Minderheiten solle ein \u201ebegr\u00fcndetes \u00f6ffentliches Interesse\u201c bestehen, erscheint den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern dieses Briefes als Einladung zum Zirkelschluss:<\/p>\n<p>Das \u00f6ffentliche Interesse wird durch die Medienberichterstattung hergestellt. Ein Narrativ des \u00f6ffentlichen Diskurses, das einer bestimmten Minderheit ohne Sachbezug Straftaten unterstellt, k\u00f6nnte ein solches \u00f6ffentliches Interesse begr\u00fcnden und w\u00fcrde dadurch Vorurteile verfestigen.<\/p>\n<p>Zudem stellt sich die Frage, wie man den sehr unscharfen Begriff eines \u201e\u00f6ffentlichen Interesses\u201c definiert und wer entscheidet, wann es begr\u00fcndet ist. Mit der neuen schwammigen Formulierung wird den Redaktionen keine Entscheidungshilfe mehr an die Hand gegeben.<\/p>\n<p>Sich an einem begr\u00fcndeten \u00f6ffentlichen Interesse zu orientieren und diskriminierende Berichterstattung zu vermeiden, ist f\u00fcr seri\u00f6sen Journalismus selbstverst\u00e4ndlich. Der Paragraph k\u00f6nnte in seiner jetzigen Form ersatzlos gestrichen werden.<\/p>\n<p>Wir halten es allerdings f\u00fcr wichtig, dass der Presserat zu dieser gesellschaftlich relevanten Frage Stellung nimmt. Die alte Formulierung der Richtlinie, nach der ein begr\u00fcndeter Sachbezug gefordert war, formulierte eine klare Position<\/p>\n<p>Nach unserer Ansicht bestand kein Anlass, diese Formulierung zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Neufassung ber\u00fccksichtigt zu wenig, dass Fakten stets im Kontext sogenannter Frames von Journalistinnen und Journalisten versehen und vom Publikum rezipiert werden.<\/p>\n<p>Vorurteile sind in solchen Frames und Narrativen zwischen den Zeilen enthalten, oft ohne dass deren diskriminierender Gehalt rkennbar ist. Sie werden auf diese Weise reproduziert.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.schader-stiftung.de\/fileadmin\/downloads\/pdf\/PDF_dynamische_Contents\/Projekte_2017\/V_17-22_Journalismus_in_der_Krise\/Offener_Brief_zu_Richtlinie_12.1._des_Pressekodex.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.schader-stiftung.de\/fileadmin\/downloads\/pdf\/PDF_dynamische_Contents\/Projekte_2017\/V_17-22_Journalismus_in_der_Krise\/Offener_Brief_zu_Richtlinie_12.1._des_Pressekodex.pdf<\/a><\/p>\n<p>Link zur Tagung der Schader-Stiftung: <a href=\"https:\/\/www.schader-stiftung.de\/themen\/kommunikation-und-Kultur\/fokus\/journalismus\/artikel\/journalismus-auf-augenhoehe-das-publikum-die-glaubwuerdigkeit-und-die-neuen-kommunikationsstile\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.schader-stiftung.de\/themen\/kommunikation-und-Kultur\/fokus\/journalismus\/artikel\/journalismus-auf-augenhoehe-das-publikum-die-glaubwuerdigkeit-und-die-neuen-kommunikationsstile\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann sollen JournalistInnen die Herkunft von Tatverd\u00e4chtigen nennen? 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