{"id":39318,"date":"2017-11-18T23:22:50","date_gmt":"2017-11-18T22:22:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=39318"},"modified":"2017-11-19T08:42:43","modified_gmt":"2017-11-19T07:42:43","slug":"breites-spektrum-unterschiedlicher-positionen-und-kritischer-stimmen-zum-gesundheitssystem-thema-online-apotheken-fuehrte-bei-auftaktveranstaltung-zur-reihe-hochsauerlandgespraeche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/breites-spektrum-unterschiedlicher-positionen-und-kritischer-stimmen-zum-gesundheitssystem-thema-online-apotheken-fuehrte-bei-auftaktveranstaltung-zur-reihe-hochsauerlandgespraeche\/","title":{"rendered":"Breites Spektrum unterschiedlicher Positionen und kritischer Stimmen zum Gesundheitssystem \u2013Thema Online-Apotheken f\u00fchrte bei Auftaktveranstaltung zur Reihe \u201eHochsauerlandgespr\u00e4che\u201c zum Aufruhr"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_39321\" aria-describedby=\"caption-attachment-39321\" style=\"width: 699px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/FESGesundheit201711.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-39321\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/FESGesundheit201711.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/FESGesundheit201711.jpg 1024w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/FESGesundheit201711-300x125.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/FESGesundheit201711-768x320.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-39321\" class=\"wp-caption-text\">Auf dem Foto (von links nach rechts): Sohel Ahmed, Landesb\u00fcro NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung (Rednerpult), Dr. med. Hans-Heiner Decker, Leiter der Bezirksstelle Arnsberg, Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), Dipl.-Kaufm. Werner Kemper, Sprecher der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Klinikum Arnsberg, Dirk Wiese, MdB, Parlamentarischer Staatssekret\u00e4r, Dr. Christof Bartsch B\u00fcrgermeister der Stadt Brilon, Frederik Ley, Vorsitzender Regionalleitung DB Regio Bus NRW, Max M\u00fcller, Chief Strategy Officer, DocMorris (foto: silke nieder)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u201e1000 \u00c4rzte heute bedeuten 1350 bis 1500 \u00c4rzte morgen \u2013 Der Mehrbedarf geht schneller, als die Zunahme des Fachpersonals\u201c, schilderte Brilons B\u00fcrgermeister Dr. Christof Bartsch auf der Auftaktveranstaltung der SPD zum Thema: \u201eHerausforderungen der Gesundheitsversorgung im l\u00e4ndlichen Raum \u2013 Wie kann die Gesundheitsversorgung in Zeiten des demografischen Wandels sichergestellt werden?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Geladen hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Zusammenarbeit mit der SPD im HSK am Mittwochabend Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung ins Bestwiger Rathaus. Dirk Wiese (MdB) moderierte.<\/p>\n<p>Das Thema Gesundheitsversorgung ist in Brilon bereits seit 2016 ein Schwerpunktthema. Schon heute m\u00fcssen die Patienten oft weite Strecken fahren. \u201eDas schafft Unmut\u201c, so Dr. Bartsch (SPD). Der B\u00fcrger erwartet eine Haus- und Fach\u00e4rzteschaft, die den Bedarf deckt.<\/p>\n<h3>Problematik<\/h3>\n<p>Der demografische Wandel und die \u00c4rzteknappheit lassen eine fl\u00e4chendeckende Gesundheitsversorgung der Zukunft -insbesondere in l\u00e4ndlichen Regionen wie dem HSK- in einem besorgniserregenden Licht erscheinen. Denn:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Zahl der \u00fcber 65-j\u00e4hrigen Patienten wird in den n\u00e4chsten zehn Jahren im HSK um 20.000 steigen und demzufolge werden weniger \u00c4rzte auf einen komplexeren Bedarf treffen.<\/li>\n<li>2\/3 der \u00c4rzte im HSK sind \u00fcber 60 Jahre alt.<\/li>\n<li>Die Finanzsituation von Bund und L\u00e4ndern f\u00fchrte im Jahr 2004 zu Fallpauschalen, sprich einer Verg\u00fctung von medizinischen Leistungen pro Behandlungsfall. Das bedeutet, dass Krankenh\u00e4user bestimmte Mindestmengen erbringen m\u00fcssen, um einen Bereich aufrechterhalten zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>\u00c4rzte und \u00c4rztinnen bevorzugen nicht unbedingt die l\u00e4ndlichen Regionen.<\/li>\n<li>Im \u00c4rzte- und Apothekerberuf ist eine zunehmende Feminisierung festzustellen. Doch nur wenige \u00c4rztinnen und Apothekerinnen sind bereit, eine Praxis zu \u00fcbernehmen oder in Zeiten der Familienplanung voll zu arbeiten. Der Frauenanteil bei der \u00c4rzteschaft betr\u00e4gt \u00fcber 70 Prozent, bei der Apothekerschaft \u00fcber 90 Prozent.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Personelle als auch \u00f6konomische Herausforderungen stehen an, ein gewaltiger Strukturwandel steht bevor. Da sind die Politik und neue Konzepte gefragt, um eine ausreichende Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Bei der Auftaktveranstaltung zur Reihe \u201eHochsauerlandgespr\u00e4che\u201c stand die Frage im Raum: \u201eHerausforderungen der Gesundheitsversorgung im l\u00e4ndlichen Raum \u2013 Wie kann die Gesundheitsversorgung in Zeiten des demografischen Wandels sichergestellt werden?\u201c<\/p>\n<h3>Auf der Suche nach L\u00f6sungen \u2013 Meinungen und Vorschl\u00e4ge der Experten<\/h3>\n<p>Dipl.-Kaufm. Werner Kemper, Sprecher der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Klinikum Arnsberg, sieht die \u00f6konomische Herausforderung in den Strukturqualit\u00e4ten. Denn das Wichtigste seien qualifizierte Mitarbeiter, Personen, mit denen diese Leistung \u00fcberhaupt erst erbracht werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Dr. med. Hans-Heiner Decker, Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Leiter der Bezirksstelle Arnsberg, sieht eine m\u00f6gliche L\u00f6sung in Kooperationen zwischen Haus\u00e4rzten, Fach\u00e4rzten und Krankenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Frederik Ley, Vorsitzender Regionalleitung DB Regio Bus NRW, stellte den Medibus vor. Dieser integriert eine Vollausstattung f\u00fcr einen Hausarzt und moderne IT. Ein m\u00f6glicher Mosaikstein, um das Problem im l\u00e4ndlichen Raum zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Max M\u00fcller, Chief Strategy Officer der Versandapothekenkette DocMorris, ist \u00fcberzeugt: Anstelle einer dauerhaften Konfrontation sollten Online und Station\u00e4r miteinander kooperieren. Denn wir sollten uns die Frage stellen: \u201eWie geht es uns morgen?\u201c<\/p>\n<p>Dr. Christof Bartsch, B\u00fcrgermeister der Stadt Brilon, sieht die L\u00f6sung in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) oder in einem Gesundheitshaus. Er argumentierte, weshalb station\u00e4re Standorte \u2013 im Vergleich zu Online-Standorten \u2013 notwendig sind.<\/p>\n<h3>Diskussionen mit den Podiumsmitgliedern ufern aus<\/h3>\n<p>Nach den Vorschl\u00e4gen und unterschiedlichen Positionen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung nutzten viele G\u00e4ste die Chance, mit den Podiumsmitgliedern zu diskutieren bzw. kritisch zu den Vorschl\u00e4gen Stellung zu beziehen. Das f\u00fchrte zu teilweise turbulenten verbalen Auseinandersetzungen im Saal.<\/p>\n<p>Nach dem Statement von Max M\u00fcller ging ein Raunen und Murren der Apothekerschaft durch den Saal. Gro\u00dfer Applaus f\u00fcr die Rede von Dr. Bartsch.<\/p>\n<p>Andreas Vogd, Apotheker aus Schmallenberg, pr\u00e4sentierte die Apothekerschaft vor Ort und beschrieb den Ist-Zustand im HSK: \u201e73 Apotheker bei 264 Tsd. Einwohnern haben 1442 Notdienste im Jahr, stellen ca. 50 Tsd. Rezepturen und 25 Tsd. Bet\u00e4ubungsmittelrezepte f\u00fcr Patienten mit starken Beschwerden im Jahr aus.\u201c<\/p>\n<p>Diese Leistungen seien Online-Apotheken vorenthalten. \u201eDiese Leistungen erbringen wir seit Jahrzehnten, an Feiertagen wie Weihnachten oder Neujahr.\u201c Die Berufsstruktur in Fl\u00e4che und Kreis w\u00fcrde auch bei der Apothekerschaft alterslastig. 90\u00a0%\u00a0der Mitarbeiter seien Frauen, die Teilzeitarbeit liege ganz weit vorne.<\/p>\n<h3>Online-Apotheken niederschwellig \u2013 ungleiche Standortfaktoren<\/h3>\n<p>Vogd prangerte die Niederschwelligkeit der Online-Apotheken an. Sie seien niederschwellig eingestellt auf Gespr\u00e4che. \u201eWir sind immer schneller!\u201c sagte er. \u201eInnerhalb von 4 bis 5 Stunden k\u00f6nnen wir alles bekommen, was wir nicht schon haben.\u201c Er kritisierte zudem die ungleichen Standortfaktoren: \u201eOnline-Apotheken d\u00fcrfen Rabatte und Boni verteilen, hiesige Apotheken nicht. Das f\u00fchrt zu einer Wettbewerbsverzerrung auf hohem europ\u00e4ischem Niveau. Wir haben nicht die gleichen Waffen. Das ist ein Skandal!\u201c<\/p>\n<p>Vogd appellierte an die Politik: Die Bev\u00f6lkerung bek\u00e4me Rabatte, die der Krankenkasse entzogen w\u00fcrden, also der Solidargemeinschaft. Hinzu k\u00e4me, dass die Versandapotheken den Aktion\u00e4ren verpflichtet seien. Wenn die Regeln so bleiben w\u00fcrden, bek\u00e4men die Vor-Ort-Apotheken ein gro\u00dfes Problem. In Anbetracht der viel h\u00f6heren (personalintensiven) Kosten: \u201eGeben Sie uns die gleichen M\u00f6glichkeiten. Dann haben wir einen fairen Wettbewerb vor Ort.\u201c<\/p>\n<p>M\u00fcller geht es darum, \u201eKonzepte f\u00fcr die Zukunft zu diskutieren, nicht um Streit oder eine Debatte, wo es ums Geld geht.\u201c Dass der Bonus der Sozialversicherung entzogen werde, stimme nicht. \u201eWir geben das Geld zur\u00fcck\u201c, argumentierte der Vorstandsvorsitzende dagegen. Er verwies auf ein EU-Gerichtsurteil: \u201eSie haben uns verklagt und die Klage verloren &#8211; nachdem wir ein Jahr lang diskutiert haben.\u201c<\/p>\n<p>Es seien Vorschl\u00e4ge gekommen, z. B. die Verg\u00fctung f\u00fcr Nacht- und Notdienste zu verdoppeln oder der Vorschlag der Strukturfonds. Alle Vorschl\u00e4ge seien von der Apothekerschaft abgelehnt worden. M\u00fcller appellierte weiterhin an eine Zusammenarbeit, verstehe aber auch Dr.\u00a0Bartsch. Er nannte das Beispiel eines gro\u00dfen Klinikbetreibers, der private Klinikbetreiber aufgekauft hat. \u201eDoch wir zahlen Umsatzsteuer und Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge. Die Neiddebatte wird die Versorgung keinen Schritt weiter f\u00fchren.\u201c M\u00fcller steht f\u00fcr Kooperationen: Kooperationen zwischen Online- und Offlineapotheke, Kooperationen zwischen \u00c4rzten und f\u00fcr gleiche Wettbewerbsbedingungen, um die Versorgung sicherzustellen.<\/p>\n<h3>\u201eSponsort DocMorris die SPD?\u201c<\/h3>\n<p>R\u00fcckfrage von dem Vizepr\u00e4sidenten der Apothekerkammer M\u00fcnster: \u201eSponsort DocMorris die SPD?\u201c Umsatzsteuer und Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge gingen nicht an Deutschland, sondern an Holland und eine Insel. Jeder hiesige Apotheker m\u00fcsste seine Approbation abgeben.<\/p>\n<p>Derartige \u00c4u\u00dferungen lie\u00df sich der Parlamentarische Staatssekret\u00e4r nicht bieten. Sichtlich erbost kommentierte Dirk Wiese: \u201eDer Vorwurf ist eine Frechheit. Es geht um kritische Geister und einen gesunden Diskurs; um Argumente wie bei Herrn Vogd.\u201c So m\u00fcsse ein Diskurs gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Dann ging ein Apotheker aus Medebach auf M\u00fcller los: \u201eVersandapotheken sind Lieferer. Es geht um Dumpingpreisbelieferung. Die Versandapotheken arbeiten mit Billigpersonal und wollen das Geld der Krankenkassen.\u201c Seine Sorge: Dass die Online-Apotheken mit Krankenh\u00e4usern kooperieren. Er fragte nach Zahlen.<\/p>\n<p>M\u00fcller wurde es dann mittlerweile auch zu bunt: \u201eSie haben keine Ideen. Sie versuchen einen gro\u00dfen K\u00fcbel Mist auszusch\u00fctten, um zu verschleiern, dass Sie die Prozesse verlieren.\u201c Dabei ginge es nur um das Thema Zukunft. M\u00fcller rechtfertigte sich und berichtet von zwischen 60 und 100 Rezepten pro PTA und Apotheke pro Tag.<\/p>\n<p>\u201eBei jedem neuen Rezept werden die Dosierungen ge\u00e4ndert.\u201c Der regionale und soziale Kontakt sei nicht ganz Deutschland. \u201eMan kann Dinge heutzutage dokumentieren.\u201c Es ginge schlie\u00dflich um eine dauerhaft sichere und hochwertige Versorgung. \u201eIch lasse es nicht zu, dass Sie 600 Kollegen abqualifizieren. Sie wissen gar nicht, wie wir arbeiten.\u201c Er argumentierte gegen den Vorwurf, Sozialabgaben und Steuern nicht in Deutschland abzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Frage, ob Online-Apotheken mit Krankenh\u00e4usern kooperieren, wurde nicht beantwortet.<\/p>\n<h3>Weitere Wortmeldungen<\/h3>\n<p>\u201eEs interessiert anscheinend nicht mehr, ob der Patient gesund wird. Bei einer vorgegebenen mittleren Verweildauer muss der Patient raus, weil sonst die Finanzierung nicht mehr gesichert ist.\u201c Der Teilnehmer appellierte f\u00fcr mehr Geld f\u00fcr das Gesundheitssystem. Das Gesundheitssystem sei unterfinanziert. So k\u00f6nne z. B. der Solidarit\u00e4tsbeitrag f\u00fcr die Gesundheit aufgewendet werden und schon sei das Problem gel\u00f6st. Im Vergleich zu Deutschland, wo eine Pflegekraft auf zw\u00f6lf Patienten kommt, seien es in den Niederlanden nur sechs Patienten pro Pflegekraft.<\/p>\n<p>Eine Wortmeldung kam zur Frage \u201ePr\u00e4ventologie\u201c: \u201eW\u00e4re es nicht m\u00f6glich, Pr\u00e4ventologie als Fachbereich zu schaffen? Also Vorbeugung. Antwort von Kemper: \u201eEine Vielzahl der \u00c4rzte gibt bereits Hinweise, Kurse werden angeboten. Pr\u00e4ventologie ist bereits ein fester Bestandteil der \u00e4rztlichen Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>Eine Anregung eines Besuchers an Dirk Wiese: \u201eSorgen Sie daf\u00fcr, dass 20 bis 25 Prozent mehr Pl\u00e4tze f\u00fcr Medizin angeboten werden.\u201c<\/p>\n<p>Auch eine \u00c4rztin meldete sich. Sie betrachtet die Entwicklung des \u00c4rztemangels auf dem Land als grenzwertig. Warum bei \u00fcber 70 Prozent Frauenanteil bei der \u00c4rzteschaft keine Frau vorne sitzt, fragte sie. Gute Frage, n\u00e4chste Frage. Doch die Zeit war bereits um bzw. schon \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<h3>Detaillierte \u00c4u\u00dferungen der Experten<\/h3>\n<p><strong>Dipl.-Kaufm. Werner Kemper, Sprecher der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Klinikum Arnsberg<\/strong><br \/>\n\u201eIn Meschede wurde die Situation diskutiert, wie wir die Krankenhausstrukturen verbessern bzw. ver\u00e4ndern k\u00f6nnen.\u201c Die sogenannte \u201efallpauschalisierte Bezahlung\u201c, bei der es um Vorgabemengen f\u00fcr eine Zulassung geht, f\u00fchrte dazu, dass die Abteilung Geburtshilfe geschlossen wurde. So auch in Menden. Das stelle Regionen wie den HSK vor ganz neue Herausforderungen. Die Vorgaben m\u00fcssten hier in der Region genauso erf\u00fcllt werden wie im Ruhrgebiet, schilderte Kemper. Mindestmengen m\u00fcssten in bestimmten Bereichen erf\u00fcllt werden, wie z.\u00a0B.\u00a0160 Kaiserschnitte im Jahr. Um die Mindestmengen zu erf\u00fcllen, m\u00fcsse ein Spezialisten-Team vorgehalten werden. \u201eDie Kliniken sto\u00dfen an ihre Grenzen.\u201c<\/p>\n<p>Das Wichtigste seien qualifizierte Mitarbeiter (\u00c4rzte und Pflegepersonal), also Personen, mit denen diese Leistung \u00fcberhaupt erst erbracht werden k\u00f6nne. \u201eIn Meschede werden im Jahr 9,5 Tsd. Patienten behandelt, 40 % sind \u00fcber 70\u201c, so Kemper. Die \u00f6konomische Herausforderung liege in den Strukturqualit\u00e4ten. Kemper sprach von einem gewaltigen Strukturwandel, in dem wir uns befinden.<\/p>\n<p>Eine Diskussion \u00fcber Krankenhausbetten habe keine \u00f6konomische Relevanz mehr. Es ginge nur noch um Leistungsvolumen. \u201eWelche Leistung d\u00fcrfen wir wo erbringen?\u201c In der inneren Chirurgie g\u00e4be es nicht mehr so viele Restriktionen. Aber nat\u00fcrlich sei es f\u00fcr ein KH auch wichtig, eine bestimmte Gr\u00f6\u00dfe zu haben.<\/p>\n<p><strong>Dr. med. Hans-Heiner Decker, Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Leiter der Bezirksstelle Arnsberg<\/strong><br \/>\nEs sei zwar ein Problem, junge Nachfolger zu finden, doch im HSK seien derzeit alle Pl\u00e4tze von Haus- und Fach\u00e4rzten besetzt. Lediglich Brilon sei ein kritischer Bereich. \u201e Aber auch da sind wir zuversichtlich\u201c, so Dr. med. Decker. \u201eDoch was ist, wenn ein Sitz pl\u00f6tzlich frei wird?\u201c<\/p>\n<p>Dr. med. Decker h\u00e4lt Kooperationen f\u00fcr sinnvoll. Haus\u00e4rzte k\u00f6nnten sich z. B. mit Fach\u00e4rzten zusammenschlie\u00dfen. \u201eWir brauchen kooperative Strukturen mit Begleitung, die die Administration enth\u00e4lt\u201c, so seine Forderung. Als Beispiele nennt er die Kooperation von Haus\u00e4rzten mit Kinder\u00e4rzten, Neurologen mit Psychiatern, Urologen mit Nephrologen oder Krankenh\u00e4user mit Support-An\u00e4sthesie.<\/p>\n<p>Der HSK habe ein gro\u00dfes Einzugsgebiet (200 bis 250 Tsd. Einwohner) und viele Vorz\u00fcge. Allerdings schrecke die hohe Arbeitsbelastung mit Notdiensten (im station\u00e4ren Bereich jedes dritte Wochenende) ab. \u201eVieles ist vorprogrammiert.\u201c Dass die Patienten oft weite Strecken fahren m\u00fcssen, z. B. von Brilon bis nach Arnsberg, schaffe zwar Unmut, doch die Dermatologie lasse sich nicht mit der Chirurgie zusammenschlie\u00dfen. Und: Zahlen auf dem Lande k\u00f6nnten nicht mit denen im Ruhrgebiet verglichen werden.<\/p>\n<p>Frauen sollten in abgespeckter Form in eine Niederlassung gehen k\u00f6nnen. Zum Thema Numerus Clausus: \u201eDer geh\u00f6rt eigentlich abgeschafft.\u201c<\/p>\n<p><strong>Frederik Ley, Vorsitzender Regionalleitung DB Regio Bus NRW<\/strong><br \/>\nAuch die Deutsche Bahn widmet sich dem Thema Gesundheitsmobilit\u00e4t: \u201eWie kommt der Patient zum Arzt und umgekehrt?\u201c Ley stellte den Medibus vor. Dieser integriert eine Vollausstattung f\u00fcr einen Hausarzt und moderne IT. In der Fl\u00fcchtlingsversorgung wurde er bereits eingesetzt.<\/p>\n<p>\u201eDer Medibus bietet die Flexibilit\u00e4t, Orte zu erreichen. Auch kann das Problem der Teilzeit gel\u00f6st werden\u201c, so Ley. Ein kleiner Mosaikstein sozusagen, um das Problem im l\u00e4ndlichen Raum zu bedienen.<\/p>\n<p><strong>Max M\u00fcller, Chief Strategy Officer, DocMorris<\/strong><br \/>\nMax M\u00fcller ist einer von vier Vorstandsvorsitzenden bei DocMorris. Er schilderte die Gesetzesgrundlage zur Gesundheitsversorgung: \u201e\u00a7 2 Abs. 2 Satz 1 Raumordnungsgesetz (ROG) besagt: Im Gesamtraum der Bundesrepublik Deutschland und in seinen Teilr\u00e4umen sind ausgeglichene soziale, infrastrukturelle, wirtschaftliche, \u00f6kologische und kulturelle Verh\u00e4ltnisse anzustreben.\u201c<\/p>\n<p>Laut einer Studie aus Niedersachsen w\u00fcrden diejenigen Studenten, die aus dem l\u00e4ndlichen Raum stammen, nach dem Studium auch wieder zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Er sieht folgende Ursachen der Problematik des \u00c4rztemangels:<\/p>\n<p>1. Die Anzahl der Studienpl\u00e4tze ist zur\u00fcckgegangen.<br \/>\n2. In bestimmten Regionen fehlten finanzielle Anreize. Es sei schwierig, junge \u00c4rzte aufs Land zu holen (Beispiel: Erzgebirge, Schwarzwald) \u2013 zumal wenn auch noch die M\u00f6glichkeiten der Digitalisierung wie Smartphone oder Breitbandstrukturen nicht vorhanden sind.<br \/>\n3. Auch die Frage: \u201eWo kann mein Lebenspartner arbeiten, wo kann ich die Kinder betreuen lassen?\u201c sei wichtig.<\/p>\n<p>Die Online-Apotheke wird n\u00e4chstes Jahr 18 Jahre alt. Es sei ein spannender Prozess, wenn eine Berufsordnung ge\u00f6ffnet wird und Onlinetechnologien wie die Onlinesprechstunden und die Telemedizin die Akzeptanz der Verbraucher finden. M\u00fcller prophezeit: \u201eDas wird in Zukunft h\u00e4ufiger passieren, das ist ein Zeichen von \u201enicht abgeh\u00e4ngt sein.\u201c<\/p>\n<p>Gesundheitswesen sei prim\u00e4r ein individuelles Thema. \u201eWir m\u00fcssen uns neuen M\u00f6glichkeiten widmen, das Gesundheitswesen muss finanzierbar sein und wir m\u00fcssen uns Gedanken dar\u00fcber machen, mit weniger Menschen das System aufrecht zu erhalten\u201c, so M\u00fcller.<\/p>\n<p>Anstelle einer dauerhaften Konfrontation sollten Online und Station\u00e4r miteinander kooperieren. Denn wir sollten uns die Frage stellen: \u201eWie geht es uns morgen?\u201c<\/p>\n<p><strong>Dr. Christof Bartsch, B\u00fcrgermeister der Stadt Brilon<\/strong><br \/>\nDr. Bartsch vertritt die kommunale Perspektive und spricht f\u00fcr viele Kollegen im HSK. Sein Ziel: Ein Bewusstsein f\u00fcr die Problematiken zu schaffen und im Rahmen der Vorbeugung nach L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten zu suchen.<\/p>\n<p>\u201e13700 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer m\u00fcssen auf Dauer Arbeitspl\u00e4tze besetzen (Anm.: im HSK). Alle Standortfaktoren m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden, um die Regionen attraktiver zu machen\u201c, schildert er. Nicht nur die \u00c4rzteschaft ist betroffen.<\/p>\n<p>Was die Gesundheitsversorgung angeht, erwarte der B\u00fcrger eine Haus- und Fach\u00e4rzteschaft, die den Bedarf deckt. In Brilon seien bei 12 niedergelassenen Haus\u00e4rzten sieben \u00e4lter als 60 Jahre. Eine Befragung in Brilon habe gezeigt, dass fast 90 % keine Nachfolgeregelung getroffen haben. Nun sei die Kommune gefordert, sich L\u00f6sungen zu \u00fcberlegen \u2013 und zwar jenseits von Marktentwicklungen.<\/p>\n<p>Den Medibus sieht er als eine gute Alternative, wenn die Not sehr gro\u00df ist \u2013 wie z. B. bei den Impfaktionen und Untersuchungen der Fl\u00fcchtlinge. Einen Patientendurchlauf stellt er aber wegen der wechselnden Fremd\u00e4rzte in Zweifel.<\/p>\n<p>\u201eDer B\u00fcrger erwartet ein Krankenhaus am Ort, eine ortsnahe Versorgung im Grund- und Regelbereich\u201c, so der B\u00fcrgermeister. Die Frage der Krankenhausfinanzierung (wegen der Fallpauschalen und der Vorgaben) sei ein Problem. Das sei ein Weg, der aus seiner Sicht der falsche ist. Einen Wettbewerb f\u00fcr Krankenh\u00e4user auszurufen, der nicht Markt ist (bei vorgegebenen Preisen), sei eine Fehlentscheidung.<\/p>\n<p>Zu M\u00fcller: \u201eJedes Angebot schafft auch eine Nachfrage!\u201c Die Krankenhausversorgung, die schnelle Versorgung im Notfall und die ortsnahe Bereitstellung von Medikamenten seien f\u00fcr ihn Vertrauenssache. Die niedergelassenen \u00c4rzte und Apotheker k\u00e4men dem Erfordernis der Versicherungen nach. Sie stellen Tag- und Nachtdienste bereit und halten Angebote wie Pflegeeinrichtungen vor. Au\u00dferdem stellen sie Ausbildungspl\u00e4tze vor Ort zur Verf\u00fcgung und f\u00fchren hier die Steuern ab.<\/p>\n<p>Dr. Bartsch pl\u00e4diert in Anbetracht der ver\u00e4nderten Anforderungen (Tendenz zur Anstellung, erh\u00f6hte Versorgungsbed\u00fcrfnisse einer \u00e4lteren Gesellschaft) f\u00fcr ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) oder ein Gesundheitshaus. Das sei ein Ansatz, den man weiter verfolgen sollte. Das sei die L\u00f6sung f\u00fcr die Zukunft der Kommunen als Wirtschafts- und Standortfaktor. Denn: \u201eWenn die Versorgung geht, gehen auch die Menschen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e1000 \u00c4rzte heute bedeuten 1350 bis 1500 \u00c4rzte morgen \u2013 Der Mehrbedarf geht schneller, als die Zunahme des Fachpersonals\u201c, schilderte Brilons B\u00fcrgermeister Dr. Christof Bartsch auf der Auftaktveranstaltung der SPD &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/breites-spektrum-unterschiedlicher-positionen-und-kritischer-stimmen-zum-gesundheitssystem-thema-online-apotheken-fuehrte-bei-auftaktveranstaltung-zur-reihe-hochsauerlandgespraeche\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBreites Spektrum unterschiedlicher Positionen und kritischer Stimmen zum Gesundheitssystem \u2013Thema Online-Apotheken f\u00fchrte bei Auftaktveranstaltung zur Reihe \u201eHochsauerlandgespr\u00e4che\u201c zum Aufruhr\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":65,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7088,80,1890,4761],"tags":[3104,4180,2386,13],"class_list":["post-39318","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheit","category-lokales","category-polen","category-soziales","tag-dirk-wiese","tag-friedrich-ebert-stiftung","tag-gesundheitspolitik","tag-spd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/65"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39318"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39318\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}