{"id":38327,"date":"2017-07-19T13:01:47","date_gmt":"2017-07-19T12:01:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=38327"},"modified":"2020-06-18T14:25:32","modified_gmt":"2020-06-18T13:25:32","slug":"der-deutsche-wald-oekonomische-nutzung-und-oekologische-nachhaltigkeit-teil-2-der-phantastische-aufstieg-der-fichte-zum-brotbaum-der-forstwirtschaft-und-ihre-entzauberung-durch-menschliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-deutsche-wald-oekonomische-nutzung-und-oekologische-nachhaltigkeit-teil-2-der-phantastische-aufstieg-der-fichte-zum-brotbaum-der-forstwirtschaft-und-ihre-entzauberung-durch-menschliche\/","title":{"rendered":"Der deutsche Wald \u2013 \u00d6konomische Nutzung und \u00f6kologische Nachhaltigkeit. Teil 2: Der phantastische Aufstieg der Fichte zum Brotbaum der Forstwirtschaft und ihre Entzauberung durch menschliche Ignoranz und kurzsichtiges Renditedenken"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2963\" aria-describedby=\"caption-attachment-2963\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2963\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/fichtenundbuchen.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/fichtenundbuchen.jpg 450w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/fichtenundbuchen-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 85vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2963\" class=\"wp-caption-text\">Dunkle Fichten und das helle Gr\u00fcn der Buchen: hier ausnahmsweise in der Mehrzahl (foto: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1820, hielt die forstlich attraktive Nadelbaumart Fichte bei uns im Sauerland Einzug. Dies war zugleich auch die Geburtsstunde der forstlichen Plantagenwirtschaft, die auf dem Konzept der so genannten Bodenreinertragslehre gegr\u00fcndet war.<\/strong><\/p>\n<p><em>(Den ersten Teil der beiden Artikel kann man <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-deutsche-wald-oekonomische-nutzung-und-oekologische-nachhaltigkeiteine-reise-durch-die-wechselvolle-geschichte-des-gruenen-drittels-unserer-republik-teil-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier nachlesen.<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>Diese Plantagenwirtschaft hatte eine maximale Verzinsung des Bodenkapitals zum Ziel. Man wollte den Wald wie einen Acker bewirtschaften \u2013 mit Kahlschl\u00e4gen und dem gro\u00dffl\u00e4chigen Anbau nur einer einzigen Baumart. Der Altersklassenwald war entstanden.<\/p>\n<p>In ihm stehen die unterschiedlich alten B\u00e4ume nicht auf einer Fl\u00e4che, sondern nach Alter r\u00e4umlich getrennt auf jeweils verschiedenen Fl\u00e4chen. Alles ganz exakt, geometrisch angeordnet und maschinell geerntet. In der Folge wurden die Fl\u00e4chen durch Neupflanzung wieder aufgeforstet.<\/p>\n<p>Schon Heinrich Heine spottete \u00fcber die Akkuratesse der Deutschen: Zitat: \u201eIn jeder Bewegung ein rechter Winkel.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_38333\" aria-describedby=\"caption-attachment-38333\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38333\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Nadelholzmonokulturenwie-vom-Rei\u00dfbrett.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Nadelholzmonokulturenwie-vom-Rei\u00dfbrett.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Nadelholzmonokulturenwie-vom-Rei\u00dfbrett-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38333\" class=\"wp-caption-text\">Nadelholzmonokulturen &#8211; wie vom Rei\u00dfbrett &#8211; sind auch nach dem Orkan Kyrill unver\u00e4ndert dominant. Wieder nichts gelernt? (Foto: K. J. Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit der Zeit h\u00e4uften sich jedoch die Sch\u00e4den durch Schnee- und Eisbruch, Sturm und Insektenfra\u00df. Zudem verursacht der sich aus dem Altersklassenwald ergebende Kahlschlagbetrieb radikale Eingriffe in die Lebensgemeinschaften des Waldes.<\/p>\n<p>Die Orkane \u201eVivien\u201c und \u201eWibke\u201c, \u201eLothar\u201c und \u201eKyrill\u201c sowie verheerende St\u00fcrme in Niedersachsen bereits zu Anfang der 1970er Jahre belegen eindeutig und \u00fcberall sichtbar dieses gescheiterte Waldbaukonzept. Und immer sind die Sch\u00e4den dort am gr\u00f6\u00dften, wo die Waldbest\u00e4nde am wenigsten der Natur entsprechen.<\/p>\n<p>Kurzsichtiges, auf schnellen Profit gerichtetes Denken zahlte sich noch nie aus. Und die Kosten f\u00fcr die Sch\u00e4den in den labilen Kunstforsten, sog. Kalamit\u00e4ten, wurden nicht etwa dem Verursacher, sondern dem Steuerzahler aufgeb\u00fcrdet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38334\" aria-describedby=\"caption-attachment-38334\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38334\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/PflanzeFichtenFichtenFichten.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/PflanzeFichtenFichtenFichten.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/PflanzeFichtenFichtenFichten-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38334\" class=\"wp-caption-text\">Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten &#8230; (Foto: K. J. Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vom 18. Auf den 19.1. 2007 knickte der Orkan Kyrill auf einer Fl\u00e4che von 27.300 ha den Wald in S\u00fcdwestfalen um. Das entspricht 9 % der Waldfl\u00e4che der Region, 49 % davon lagen im Hochsauerlandkreis. In ganz NRW betrug der Schaden etwa 15,7 Mio. Festmeter. Das entspricht dem Dreifachen des durchschnittlichen Jahreseinschlags im Land.<\/p>\n<p>Der Privatwald war mit 72 % am st\u00e4rksten betroffen. Kyrill hat vor allem die Fichte, neben der Waldkiefer der Brotbaum Nr. 1 der Forstleute und Waldbauern, auf riesigen Fl\u00e4chen wie Streichh\u00f6lzer umgeworfen. Solche \u201eKatastrophen\u201c haben ihren Ursprung in nicht standortangepa\u00dften \u2013 dem kulturellen Prinzip der Nachhaltigkeit widersprechenden \u2013 Anbaumethoden.<\/p>\n<p>Dabei lassen sich solche naturwidrigen Nadelholzplantagen mit relativ einfachen und kosteng\u00fcnstigen Ma\u00dfnahmen in \u00f6kologisch hochwertige und stabile W\u00e4lder \u00fcberf\u00fchren. Gleichaltrige Fichtenbest\u00e4nde mit Wald gleichzusetzen, entbehrt jeder Grundlage, sind sie doch \u00f6de Holzproduktionsst\u00e4tten, die unter dem Einflu\u00df der globalen Erw\u00e4rmung allgemein immer mehr an Boden verlieren. Das, was aus forstlicher Sicht lange Zeit als richtig erschien, mu\u00df also angesichts neuer Herausforderungen komplett neu \u00fcberdacht werden. Unterdessen nimmt der Druck auf das gr\u00fcne Drittel unserer Republik zu.<\/p>\n<p>Der begehrte Rohstoff Holz wird knapper \u2013 und die Nutzung intensiviert. Dabei hat der Wald zahlreiche Gemeinwohlfunktionen zu erf\u00fcllen. Er dient der Bewahrung der heimischen Artenvielfalt; und gleichzeitig mu\u00df er auch gegen die Auswirkungen der globalen Erw\u00e4rmung ger\u00fcstet sein. Denn nur vitale \u00d6kosysteme sind in der Lage, den Auswirkungen der haupts\u00e4chlich vom Menschen verursachten Klimaver\u00e4nderung einiges entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Dennoch halten viele Waldbesitzer hier in NRW trotz aller Warnungen und noch so starker finanzieller Anreize zugunsten naturnaher Mischw\u00e4lder an der Fichte fest. Es zeigt sich, da\u00df man nicht einmal aus dem Orkanereignis Kyrill, geschweige denn aus den Fehlern vergangener Jahrzehnte, viel dazugelernt hat.<\/p>\n<p>Die H\u00e4ufung extremer Wetterlagen, wie St\u00fcrme, Trocken- und Hitzeperioden, ausbleibende Winter und Insektenkalamit\u00e4ten haben im Sauerland bis heute nach meinem Eindruck zu keinem grundlegenden Umdenken gef\u00fchrt. Eine echte Abkehr vom Nadelholz, das sich auch in entsprechenden Zahlen widerspiegeln w\u00fcrde, ist nicht zu erkennen.<\/p>\n<p>Im Gegenteil: Weihnachtsbaumkulturen breiten sich auf ehemaligen Kyrill-Fl\u00e4chen aus. Diese im Wald angesiedelten Kulturen d\u00fcrfen noch bis 2028 betrieben werden, sofern sie vor 2013 angepflanzt wurden. Allerdings ist es dem seinerzeit zust\u00e4ndigen gr\u00fcnen Umweltminister Remmel zu \u201everdanken\u201c, da\u00df Weihnachtsbaumanbieter, die schon heute umweltvertr\u00e4glich produzieren, auch nach dem Jahr 2028 unver\u00e4ndert Nadelholzplantagen in W\u00e4ldern anlegen d\u00fcrfen!<\/p>\n<p>Hier ist Johannes Remmel nach seiner Bauchlandung mit dem NRW-Klimaschutzplan erneut als Umfaller in Erscheinung getreten. Zur Information sei noch erw\u00e4hnt, da\u00df unser h\u00e4ufigster Weihnachtsbaum, die Nordmanntanne in ihrem Ursprungsgebiet, den h\u00f6heren Lagen des Kaukasus, durch massiven Holzeinschlag gef\u00e4hrdet ist!<\/p>\n<figure id=\"attachment_38335\" aria-describedby=\"caption-attachment-38335\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38335\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Weihnachtsbaumkulturen.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Weihnachtsbaumkulturen.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Weihnachtsbaumkulturen-300x181.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38335\" class=\"wp-caption-text\">Weihnachtsbaumkulturen haben mit naturnaher Waldwirtschaft nichts zu tun &#8230; (Foto: Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und zu allem \u00dcberflu\u00df hat man festgestellt, da\u00df im Sauerland Buchenw\u00e4lder einfach in Fichtenbest\u00e4nde \u00fcberf\u00fchrt werden, vermutlich immer noch. \u00dcberh\u00f6hte Reh- und Rotwildpopulationen versch\u00e4rfen das Problem, indem diese mit ihrem selektiven Verbi\u00df besonders der Edellaubh\u00f6lzer eine erfolgreiche Begr\u00fcndung von naturnahen W\u00e4ldern verhindern. Es gibt in Deutschland zwar ungef\u00e4hr 90 Milliarden B\u00e4ume. Eine Zahl von astronomischer Dimension! Bedenkt man jedoch, welche sch\u00e4dlichen und zerst\u00f6rerischen Kr\u00e4fte inclusive Umweltfaktoren auf das Wald\u00f6kosystem einwirken, geht es dem Wald schnell an die Substanz und gewaltige Ausfallerscheinungen sind die Folge!<\/p>\n<p>Bis heute haben trotz F\u00f6rderprogrammen des Landes NRW nur wenige Waldbauern bzw. Waldbesitzer die Auswirkungen des Orkans Kyrill als Chance begriffen, eine zukunftsf\u00e4hige, \u00f6kologisch notwendige und zugleich den wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung tragende Waldnutzung in Angriff zu nehmen, oder die betreffenden Fl\u00e4chen sinnvollerweise gleich der Natur zu \u00fcberlassen. Das w\u00e4re die einzig richtige Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft, n\u00e4mlich Klimaerw\u00e4rmung und Erhalt der Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n<p>Denn auch im Privatwald mu\u00df \u2013 ebenso wie in den \u00f6ffentlichen W\u00e4ldern &#8211; langfristig das 10 Prozent-Ziel gelten. Privatwaldbesitzer, die sich z. B. freiwillig f\u00fcr die Bewahrung alter B\u00e4ume mit H\u00f6hlen f\u00fcr Flederm\u00e4use, V\u00f6gel und K\u00e4fer in ihren W\u00e4ldern engagieren, sind f\u00fcr ihren Einsatz angemessen zu entlohnen. Im Privatwald sind also Gemeinwohlleistungen, die \u00fcber die Sozialpflichtigkeit des Eigentums hinausgehen, finanziell auszugleichen, und zwar durch Bund und Land. Zus\u00e4tzlich ist ein Waldnaturschutzfonds einzurichten.<\/p>\n<p>Es gilt die gute fachliche Praxis. Sie mu\u00df als Mindeststandard definiert und in s\u00e4mtlichen Waldgesetzen verbindlich festgeschrieben werden. Das bedeutet: Verbot von Kahlschl\u00e4gen, Biozid- bzw. Pestizideinsatz oder Einsatz gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen. Lt. Richtlinien mu\u00df \u201edie gute fachliche Praxis\u201c die Grundlage und Mindestanforderung f\u00fcr Planung, Durchf\u00fchrung und Bewertung von Waldnutzungsma\u00dfnahmen bilden. Dazu z\u00e4hlen auch Anreize zur Umstellung auf naturnahe Waldwirtschaft, etwa durch \u00f6kologisch anspruchsvolle Zertifizierungen (FSC, Naturland).<\/p>\n<figure id=\"attachment_38336\" aria-describedby=\"caption-attachment-38336\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38336\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Nadelholzkulturenbreitensichaus.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Nadelholzkulturenbreitensichaus.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Nadelholzkulturenbreitensichaus-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38336\" class=\"wp-caption-text\">Nadelholzplantagen breiten sich im Wald aus. Hauptsache: Sie kosten wenig und bringen viel. Aber die Rechnung geht nicht auf. (Foto: Karl J. Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_38331\" aria-describedby=\"caption-attachment-38331\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38331\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/NaturnaherBergmischwald.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/NaturnaherBergmischwald.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/NaturnaherBergmischwald-300x257.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38331\" class=\"wp-caption-text\">Naturnaher Mischwald in der Umgebung des K\u00f6nigssees (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Waldbauwissenschaftler und Vegetationskundler empfehlen seit langem aus \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Gr\u00fcnden als auch im Hinblick auf den Klimawandel die Nutzung s\u00e4mtlicher standortheimischer Baumarten. Dabei sollte, was die Nadelh\u00f6lzer betrifft, selektiv vorgegangen werden und keinesfalls wieder auf Exoten, wie die zur Invasivit\u00e4t neigende Douglasie zur\u00fcckgegriffen werden.<\/p>\n<p>Sie gedeiht sehr gut auf bodensauren, lichten und trockenwarmen Waldstandorten. Diese sind zwar forstwirtschaftlich von geringer Bedeutung, zeichnen sich aber durch einen hohen naturschutzfachlichen Wert aus. Lt. Bundesamt f\u00fcr Naturschutz (BfA) verj\u00fcngt sich die D. im Vergleich zu den meisten anderen heimischen Baumarten nat\u00fcrlich und dunkelt die oft hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten aus. Das ist der auf diesen Standorten h\u00f6heren Konkurrenzkraft der Douglasie geschuldet, die dazu f\u00fchrt, da\u00df indigene Pflanzen und darauf angewiesene Tierarten verdr\u00e4ngt werden, da sie in ihrer Anpassungsf\u00e4higkeit schlichtweg \u00fcberfordert sind. Ganze Lebensgemeinschaften ver\u00e4ndern sich auf diese Weise!<\/p>\n<p>Aber auch Roteiche, Japanische L\u00e4rche, K\u00fcstentanne oder Schwarzkiefer bieten unserer heimischen Tierwelt keinen Lebensraum und weisen anbau- und krankheitsbedingte Risiken auf. Interessant ist, was sogar eine vom Hessen-Forst selbst angestellte Untersuchung gezeigt hat, da\u00df n\u00e4mlich die Douglasie f\u00fcr viele unserer heimischen Vogelarten wertlos ist.<\/p>\n<p>Am Beispiel unserer gr\u00f6\u00dften Spechtart, dem Schwarzspecht, l\u00e4\u00dft sich eindrucksvoll belegen: Diese V\u00f6gel sind Schl\u00fcsselfiguren im Buchenwald, denn sie zimmern Bruth\u00f6hlen, die sp\u00e4ter von Nachmietern, u.a. Rauhfu\u00dfkauz, Dohle oder Hohltaube bezogen werden.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, da\u00df der Schwarzspecht fast immer Buchen anfliegt, erkannte der Autor der Studie: \u201eBemerkenswert ist, da\u00df kein Nachweis der Nahrungssuche des Schwarzspechts in den auch im Untersuchungsgebiet vorhandenen Douglasienbest\u00e4nden gelang.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_38328\" aria-describedby=\"caption-attachment-38328\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38328\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/HackspurenSchwarzspecht.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/HackspurenSchwarzspecht.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/HackspurenSchwarzspecht-300x257.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38328\" class=\"wp-caption-text\">Hackspuren vom Schwarzspecht (Quelle: Naturfoto Heinz Tuschl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch f\u00fcr andere Spechtarten ist nach den Erfahrungen des Verfassers Michael Hoffmann die Douglas-Tanne eine \u201ezur H\u00f6hlenanlage \u00e4u\u00dferst unattraktive Baumart.\u201c<\/p>\n<p>Hinzu kommt, da\u00df rindenbr\u00fctende \u201eSchadinsekten\u201c in zunehmendem Ma\u00dfe auf dieser fremdl\u00e4ndischen Baumart gesichtet werden und damit dieselben Probleme auftreten, die wir schon seit Jahrzehnten von der Fichte kennen.<\/p>\n<p>Auch die immer ins Feld gef\u00fchrte Klimatoleranz der Douglasie, die urspr\u00fcnglich an der Westk\u00fcste der USA beheimatet ist, wird weit \u00fcbersch\u00e4tzt. In Wirklichkeit geht es der Forst- und Holzlobby allein darum noch mehr Rendite aus dem Wald herauszuholen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38337\" aria-describedby=\"caption-attachment-38337\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38337\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Douglasien.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Douglasien.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Douglasien-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38337\" class=\"wp-caption-text\">Nordamerikanische Douglasien und andere fremdl\u00e4ndische Nadelbaumarten bergen erhebliche \u00f6kologische Risiken (Foto: Karl Josef Knoppik).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach Meinung von Experten des Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wie auch nach meiner eigenen Auffassung sind die standortheimischen Laubbaumarten selbst bei steigenden Temperaturen in der Lage stabile W\u00e4lder zu bilden. Sie lassen sich auch wirtschaftlich nutzen.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der in Frage kommenden Nadelh\u00f6lzer kann die schnell wachsende Wei\u00dftanne eine entscheidende Rolle im Wald von morgen spielen. Sie ist die von Natur aus am weitesten verbreitete, \u00f6kologisch und \u00f6konomisch wertvollste heimische Nadelbaumart. Im Wesentlichen auf S\u00fcddeutschland beschr\u00e4nkt, erstreckt sich ihr Vorkommen bis hinauf zum Th\u00fcringer Wald. Die Tanne w\u00e4re sehr gut f\u00fcr ein w\u00e4rmeres Klima geeignet. Sie gedeiht auf basischen B\u00f6den ebenso wie auf sauren und verj\u00fcngt sich auf den unterschiedlichsten Humusformen \u2013 vom Mull bis zum Rohhumus. Ihre flachen, gescheitelten Nadeln enthalten mehr Blattgr\u00fcn als die der Buche und 6 mal so viele Reservestoffe wie jene der Fichte.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem vertr\u00e4gt die Wei\u00dftanne (auch Edeltanne genannt) in ihrer Jugend anhaltende Beschattung, mehr als alle anderen Wirtschaftsbaumarten. Deshalb ist sie geradezu pr\u00e4destiniert f\u00fcr den Aufbau ungleichaltriger, stufiger Dauerwaldstrukturen. Zudem verj\u00fcngen sich Tannen von Natur nach Ausfall von Einzelb\u00e4umen oder Trupps \u2013 also keine fl\u00e4chigen Katastrophen durch Sturm, Insektengradation oder Feuer. Dank ihrer gro\u00dfen Sturmfestigkeit konnte sie \u2013 eingebunden in ungleichaltrige Buchenumgebung \u2013 damals selbst jenem \u00fcber dem Schwarzwald tobenden Orkan \u201eLothar\u201c (1999) in dessen Zentrum widerstehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38329\" aria-describedby=\"caption-attachment-38329\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38329\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Luchs.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Luchs.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Luchs-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38329\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckkehrer auf leisen Sohlen: Der Luchs ist in einigen Waldgebieten Deutschlands wieder heimisch geworden. Die Kehrseiten dieser erfreulichen Entwicklung: Zerschneidung seiner Lebensr\u00e4ume. Au\u00dferdem werden immer wieder Tiere illegal get\u00f6tet oder werden Opfer des Stra\u00dfenverkehrs. Effekte, die gro\u00dfe Beutegreifer, wie Luchs oder Wolf, auf das Schalenwild, oder auch kleinere Beutegreifer aus\u00fcben, k\u00f6nnen durch Jagd nicht von Menschen ersetzt werden (Foto: Heinz Tuschl).<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_38338\" aria-describedby=\"caption-attachment-38338\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38338\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Jungtannen.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Jungtannen.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Jungtannen-300x196.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38338\" class=\"wp-caption-text\">Jungtannen sind besonders verbi\u00dfgef\u00e4hrdet (Foto: K. J. Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor einigen Jahrzehnten fand man im Bayerischen und B\u00f6hmerwald Tannenexemplare bis zu einer H\u00f6he von 60 Metern und dar\u00fcber und einem Stammumfang von 3 \u2013 5 Metern am Stock.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38339\" aria-describedby=\"caption-attachment-38339\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38339\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Wei\u00dftannenstamm.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Wei\u00dftannenstamm.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Wei\u00dftannenstamm-300x257.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38339\" class=\"wp-caption-text\"><br \/>Wei\u00dftannen sind die m\u00e4chtigsten B\u00e4ume Europas. Sie erreichen eine H\u00f6he von bis zu 65 m. (Foto: K. J. Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wegen ihrer \u00fcberragenden \u00f6kologischen und auch \u00f6konomischen Bedeutung pl\u00e4dieren Wissenschaftler schon seit vielen Jahren daf\u00fcr, den Baum des Jahres 2004 au\u00dferhalb der Tannenverbreitungsgrenze \u00fcberall dort in vergleichbaren Anteilen zu beteiligen, wo nach wie vor die Fichte oder Douglasie geplant sind.<\/p>\n<p>Die Wiederbegr\u00fcndung tannenreicher W\u00e4lder macht jedoch nur dann Sinn, wenn zuvor die Schalenwildpopulationen in einem Ma\u00dfe reduziert werden, da\u00df der Tannennachwuchs verbi\u00dffrei aufwachsen kann. Hier steht die m\u00e4chtige Lobby der \u201eGr\u00fcnr\u00f6cke\u201c in der Pflicht, ihre Verantwortung f\u00fcr gesunde und artenreiche W\u00e4lder von hoher \u00c4sthetik endlich wahrzunehmen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38341\" aria-describedby=\"caption-attachment-38341\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38341\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Rotwildbestand-1.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Rotwildbestand-1.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Rotwildbestand-1-300x207.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38341\" class=\"wp-caption-text\">Der Rotwildbestand mu\u00df auf ein waldvertr\u00e4gliches Niveau abgesenkt werden. Nur dann k\u00f6nnen artenreiche Mischw\u00e4lder ungehindert aufwachsen (Foto: H. Tuschl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Entgegen anderslautender Darstellung scheitert der Aufbau naturnaher W\u00e4lder hierzulande bis auf wenige Ausnahmen an der uneinsichtigen, auf puren Eigennutz bedachten Blockadehaltung der J\u00e4ger. Dabei w\u00e4re nach Dr. Georg Meister, einem bedeutenden Vordenker des naturnahen Waldbaus, dieses Ziel mit einfachen und relativ kosteng\u00fcnstigen Ma\u00dfnahmen bequem zu erreichen.<\/p>\n<p>S\u00fcndhaft teure Abz\u00e4unungen und weitere katastrophale Einbu\u00dfen durch selektiven Wildverbi\u00df sowie Sch\u00e4lsch\u00e4den k\u00f6nnen wir uns nicht l\u00e4nger leisten. Immer noch besteht ein Gro\u00dfteil der bundesweit vorhandenen Waldfl\u00e4chen aus \u00f6den Fichten- und Kiefern-Monokulturen, die in erster Linie einer irrationalen Jagdleidenschaft geschuldet sind.<\/p>\n<p>Offenbar ist von Seiten der J\u00e4ger bis heute kein echter Wille vorhanden, gem\u00e4\u00df dem Grundsatz Wald vor Wild als unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr naturnahe W\u00e4lder einen \u00f6kologisch motivierten Strategiewechsel zu vollziehen.<\/p>\n<p>Festzustellen ist aber auch, da\u00df es mittlerweile J\u00e4ger gibt, die sich ihrer Verantwortung f\u00fcr stabile W\u00e4lder mit reicher Artenvielfalt bewu\u00dft sind und mit der Anpassung der Schalenwildpopulationen an die Waldvegetation durch eine rigide Bejagung Ernst machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38330\" aria-describedby=\"caption-attachment-38330\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38330\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Haselhuhn.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Haselhuhn.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Haselhuhn-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38330\" class=\"wp-caption-text\">Das selten gewordene Haselhuhn ist auf strukturreiche Laub- und Mischw\u00e4lder mit reichlich Unterholz angewiesen. Mittlerweile ist es in gro\u00dfen Teilen seines fr\u00fcheren Verbreitungsgebietes verschwunden. Verbreitungsschwerpunkt sind die Alpen, Bayerischer und B\u00f6hmerwald. (Foto: Heinz Tuschl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_38342\" aria-describedby=\"caption-attachment-38342\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38342\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/NadelnDelikatesse.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/NadelnDelikatesse.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/NadelnDelikatesse-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38342\" class=\"wp-caption-text\"><br \/>F\u00fcr Reh- und Rotwild sind die kostbaren, n\u00e4hrstoffreichen, wohlschmeckenden und weichen Nadeln der Tanne eine Delikatesse. (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Vorteile der heimischen Wei\u00dftanne als Alternative zur Fichte liegen auf der Hand. Sie kommt \u2013 \u00e4hnlich wie die Stieleiche \u2013 mit nassen, schweren B\u00f6den sehr gut zurecht und ist im Gegensatz zur Fichte nicht von Rotf\u00e4ule, z. B. auf staunassen Standorten oder nach Sch\u00e4lsch\u00e4den, betroffen. Sie gilt neben der breiten Palette einheimischer Laubholzarten als wichtiger Indikator f\u00fcr intakte naturnahe und nat\u00fcrliche Wald\u00f6kosysteme und ist zudem mit ihrem tiefreichenden Herz-Pfahlwurzelsystem ein unverzichtbarer Stabilit\u00e4tsfaktor in unseren Wirtschaftsw\u00e4ldern.<\/p>\n<p>Das \u201eTannensterben\u201c Ende der 70er Jahre, das aber schon seit Beginn der Industrialisierung \u00f6rtlich durch Rauchsch\u00e4den auftrat, sowie sp\u00e4tere Kalamit\u00e4ten durch Lausbefall, Tannenborkenk\u00e4fer usw. wurden gerne als Anla\u00df hochgespielt, um von den eigentlichen Ursachen des dramatischen landesweiten Tannenr\u00fcckgangs abzulenken, n\u00e4mlich Wildverbi\u00df.<\/p>\n<p>Unter dem fadenscheinigen Vorwand, die Tanne sei wegen ihrer Empfindlichkeit gegen\u00fcber Umwelteinfl\u00fcssen und Gef\u00e4hrdung durch viel zu hohe Reh- und Rotwildbest\u00e4nde eine \u201eMimose\u201c, setzte sich der Alterklassenwald immer mehr durch, ganz im Sinne der m\u00e4chtigen und einflu\u00dfreichen Holz- und Jagdlobby. Denn die Fichte mit ihren spitzen, stacheligen Nadeln schmeckt dem Schalenwild nicht. Nur notgedrungen macht es sich einmal \u00fcber diese Baumart her.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38343\" aria-describedby=\"caption-attachment-38343\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38343\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Wei\u00dftanne.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Wei\u00dftanne.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Wei\u00dftanne-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38343\" class=\"wp-caption-text\">Wei\u00dftanne im Nordschwarzwald: Eine heimische Baumart mit guten Zukunftsaussichten in einem w\u00e4rmeren Klima (Foto: Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Doch auch der Baum des Jahres, die Fichte, hat ihre unbestreitbaren \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Vorz\u00fcge. Und zwar dann, wenn man sie nicht in widernat\u00fcrlichen Monokulturen anpflanzt, sondern mit Augenma\u00df im Rahmen der naturgem\u00e4\u00dfen Waldwirtschaft, wo man vornehmlich die Naturkr\u00e4fte f\u00fcr sich arbeiten l\u00e4\u00dft und auf standortgerechte Naturverj\u00fcngung, naturnahe Baumartenmischungen und eine schonende Aufzucht junger B\u00e4ume im Halbschatten des alten Waldes setzt. Entnommen werden nur einzelne B\u00e4ume zur optimalen Ausnutzung des Wertzuwachses alter Exemplare.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38421\" aria-describedby=\"caption-attachment-38421\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-38421\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BergfichteimNationalparkK\u00f6nigsseeNeu.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BergfichteimNationalparkK\u00f6nigsseeNeu.jpg 804w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BergfichteimNationalparkK\u00f6nigsseeNeu-300x257.jpg 300w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/BergfichteimNationalparkK\u00f6nigsseeNeu-768x659.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38421\" class=\"wp-caption-text\">Bergfichte im Nationalpark Berchtesgaden (Foto: Karl J. Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Da\u00df Fichte nicht gleich Fichte ist, haben die bitteren Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gezeigt. Dort, wo sie n\u00e4mlich zum extremen Flachwurzler wird, also auf verdichteten oder staunassen B\u00f6den, f\u00e4llt sie quadratkilometerweise St\u00fcrmen zum Opfer. Nicht so auf ihren nat\u00fcrlichen Standorten, wie im oberen Waldg\u00fcrtel der Alpen oder in den Kammlagen des Bayerischen Waldes.<\/p>\n<p>Hier erweist sich der \u201eBrotbaum\u201c der Forstwirtschaft extremen Witterungseinfl\u00fcssen gegen\u00fcber als au\u00dferordentlich stabil. Und das ist gerade dort der Fall, wo es sich um besonders sturmexponierte Lagen handelt. Die Fichte kann dort ihr Senkerwurzelsystem voll ausbilden, sie kann sich mit langen Haltewurzeln an Bl\u00f6cken anbinden und in Kl\u00fcften verankern. Auch haben solche stattlichen Baumindividuen, um Schneebruch so gut wie auszuschlie\u00dfen, spezielle Anpassungen an die rauhen Bedingungen des Hochgebirges vollzogen.<\/p>\n<p>Dazu hat die Natur in einem \u00fcber viele Jahrhunderte w\u00e4hrenden Ausleseproze\u00df alle nicht standortgem\u00e4\u00dfen breitkronigen Fichten, die im Rahmen fr\u00fcherer forstlicher Nutzung eingebracht wurden, ausgemerzt, so da\u00df daraus im Ergebnis schmalkronige Exemplare entstanden. Diese spitzkronigen Fichten, die auch am Polarkreis zu bewundern sind, bieten dem Schnee kaum eine Auflagem\u00f6glichkeit. \u00c4ste und Zweige liegen dem Stamm relativ eng an.<\/p>\n<p>Solche ehrw\u00fcrdigen Fichten, oder Rottannen, wie sie in der Schweiz genannt werden, gewachsen nach den Gesetzen der Natur, haben im Laufe der Zeit eine statisch belastbare, mehr kegelf\u00f6rmige Stammform entwickelt. Oft sind die B\u00e4ume v\u00f6llig vom Schnee eingeh\u00fcllt ohne zu brechen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus bietet die schmale Kronenform dem Wind nur eine geringe Angriffsfl\u00e4che, wodurch auch die Windwurfgefahr deutlich herabgesetzt ist. Solche wunderbaren Baumindividuen fl\u00f6\u00dfen dem Betrachter Respekt ein und lassen ihn in Ehrfurcht erstarren \u2013 im Gegensatz zu den Fichtenexemplaren der Monokulturen, die &#8211; gezogen wie Z\u00fcndh\u00f6lzer \u2013 \u201emeistens aus Bretterreihen bestehen, die oben mit Gr\u00fcn verputzt sind\u201c, so der \u00f6sterreichische Schriftsteller Robert Musil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1820, hielt die forstlich attraktive Nadelbaumart Fichte bei uns im Sauerland Einzug. 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