{"id":38115,"date":"2017-06-09T20:26:42","date_gmt":"2017-06-09T19:26:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=38115"},"modified":"2023-02-28T11:44:21","modified_gmt":"2023-02-28T10:44:21","slug":"der-deutsche-wald-oekonomische-nutzung-und-oekologische-nachhaltigkeiteine-reise-durch-die-wechselvolle-geschichte-des-gruenen-drittels-unserer-republik-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-deutsche-wald-oekonomische-nutzung-und-oekologische-nachhaltigkeiteine-reise-durch-die-wechselvolle-geschichte-des-gruenen-drittels-unserer-republik-teil-1\/","title":{"rendered":"Der deutsche Wald: \u00f6konomische Nutzung und \u00f6kologische Nachhaltigkeit &#8211; Eine Reise durch die wechselvolle Geschichte des gr\u00fcnen Drittels unserer Republik &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_38122\" aria-describedby=\"caption-attachment-38122\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38122\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BergfichtenBayerischerWald.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BergfichtenBayerischerWald.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BergfichtenBayerischerWald-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38122\" class=\"wp-caption-text\">Nat\u00fcrlicher Bergfichtenwald im Nationalpark Bayerischer Wald, Aufnahme vom Oktober 1978 (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u201eWald ist mehr als die Summe seiner B\u00e4ume. Mehr noch als die Atemluft, die er uns k\u00fchlt und s\u00e4ubert, das Wasser, das er uns filtert und bewahrt, die Stille, die er schafft, und den Boden, den er festh\u00e4lt, brauchen wir seine geistigen Wohlfahrtswirkungen: den Wald n\u00e4mlich nicht nur als gr\u00fcne Menschenfreude, sondern als den Ort, an dem das uns verlorengegangene Naturma\u00df bewahrt wird\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>So anschaulich und zutreffend formulierte es Horst Stern in seinem 1979 erschienenen umfangreichen und aufkl\u00e4rerischen Sachbuch \u00fcber unsere \u201egr\u00fcne Lunge\u201c oder &#8211; anders gesagt \u2013 das gr\u00fcne Drittel unserer Republik, welches damals nicht nur in den Medien gro\u00dfe Aufmerksamkeit erzeugte, sondern auch eine sehr lebhafte Diskussion in Politik und Gesellschaft hervorrief.<\/p>\n<p>Die Deutschen haben von alters her eine traditionell innige Beziehung zum Wald, so hat es jedenfalls den Anschein. Das kann man vielen \u00fcberlieferten Schriften und Publikationen entnehmen. Aber stimmt das so \u2013 auf die Gegenwart bezogen \u2013 wirklich?<\/p>\n<p>In fr\u00fcherer Zeit hatte diese Aussage zweifellos ihre Berechtigung. Doch heute wird beinahe jeder Nutzungsverzicht auch im Wald mit Freiheitsentzug gleichgesetzt. So st\u00f6\u00dft etwa die Forderung nach Ausweisung neuer Nationalparks bei Teilen der Bev\u00f6lkerung, der Holz- und Forstlobby, auf heftige Ablehnung und ruft w\u00fctende Reaktionen hervor. Ein engagierter Bef\u00fcrworter des hei\u00df umk\u00e4mpften Nationalparks Steigerwald etwa mu\u00dfte vor Jahren im Anschlu\u00df an eine \u00f6ffentliche Diskussionsveranstaltung unter Polizeischutz durch den Notausgang in Sicherheit gebracht werden.<\/p>\n<p>Das ist \u2013 wie ich glaube &#8211; einer Industrienation, die sich damit br\u00fcstet, zu den angeblich wohlhabendsten L\u00e4ndern der Welt zu geh\u00f6ren, in h\u00f6chstem Ma\u00dfe unw\u00fcrdig \u2013 und zeigt au\u00dferdem, auf welch geistigem Niveau diese Republik inzwischen angekommen ist, wo offenbar\u00a0 Egoisten zunehmend die Oberhand gewinnen. Diese haben keineswegs den nachhaltigen, monet\u00e4r nicht zu beziffernden Wert von aus der Nutzung genommenen Waldfl\u00e4chen im Blick. Solchen Leuten sei einmal dringend dazu geraten, andere L\u00e4nder, z. B. im \u00fcberseeischen Raum, ins Visier zu nehmen, die weitaus \u00e4rmer sind als wir. Dort leistet man sich zur Erhaltung der Biodiversit\u00e4t unter oft schwierigen Umst\u00e4nden viel mehr und gro\u00dfr\u00e4umigere Nationalparks, wobei Verst\u00f6\u00dfe gegen bestehende Schutzvorschriften auch noch h\u00e4rter geahndet werden.<\/p>\n<p>Etliche Heimatdichter, Maler und Schriftsteller erlagen der Faszination des Waldes und lie\u00dfen sich von seiner nat\u00fcrlichen Sch\u00f6nheit inspirieren. Adalbert Stifter, Ludwig Uhland, Caspar David Friedrich, Hermann L\u00f6ns oder Joseph Freiherr von Eichendorff, von dem das Gedicht bzw. Lied stammt: \u201eWer hat Dich, du sch\u00f6ner Wald aufgebaut, so hoch da droben\u201c, z\u00e4hlen zu den bekanntesten Pers\u00f6nlichkeiten jener Zeit.<\/p>\n<p>\u201eVor 300 Jahren formulierte der deutsche Kammerrat und Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit. Nur so viel Holz kann entnommen werden, wie tats\u00e4chlich nachwachsen kann. Kurz nach der Entdeckung Amerikas durch Chr. Kolumbus und dem Beginn des Raubbaus vieler wertvoller Rohstoffe in Europa um 1500 wurde durch einen \u201eWaldmeister\u201c im bayerischen Bad Reichenhall der Begriff des Ewigen Waldes gepr\u00e4gt. Er sollte klarstellen, da\u00df man immer nur so viel Wald wegschlagen kann, wie an anderer Stelle nachw\u00e4chst.<\/p>\n<p>Daraus hat sich der forstliche Begriff der Nachhaltigkeit entwickelt, der besagt, da\u00df man einem Wald nur so viel an Rohstoffen entnehmen darf, da\u00df auch k\u00fcnftige Generationen mindestens gleichviel und gleichwertige G\u00fcter nutzen k\u00f6nnen. Die Forstwirtschaft bem\u00fcht sich seit dem 19. Jahrhundert \u00fcberall um N. Dabei handelt es sich nicht nur um Holz. Einem Wasserschutzwald mu\u00df nachhaltig mindestens dieselbe Menge und dieselbe Qualit\u00e4t an Wasser entnommen werden k\u00f6nnen; ein Lawinenschutzwald in den Alpen mu\u00df nachhaltig denselben Schutz vor Lawinen bieten wie der Wald zuvor. So stand es bereits 1984 in dem GEO-Sachbuch \u201eDie Lage des Waldes\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38127\" aria-describedby=\"caption-attachment-38127\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38127\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/MeilerHolzkohle.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/MeilerHolzkohle.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/MeilerHolzkohle-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38127\" class=\"wp-caption-text\">Zeugen l\u00e4ngst vergangener Zeit: Meiler zur Holzkohlegewinnung. Die K\u00f6hlerei wurde bei uns noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Niederwaldbewirtschaftung praktiziert. (Die Aufnahme entstand nahe F\u00f6ckinghausen bei Bestwig-Velmede) (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zu Beginn der industriellen Revolution wurde die erneuerbare Ressource Holz nur dadurch vor der endg\u00fcltigen Vernichtung bewahrt, die nachhaltige Nutzung des Waldes also nur dadurch m\u00f6glich, da\u00df Stein- und Braunkohle die Holzkohle ersetzten. Hieraus folgt die Erkenntnis, da\u00df derjenige, der im Wald wirtschaftlichen Erfolg anstrebt, zun\u00e4chst einmal den \u00fcbergeordneten Aspekt der \u00f6kologischen Nachhaltigkeit respektieren mu\u00df. Denn \u00f6konomische Nutzung kann nur im Einklang mit den \u00f6kologischen Waldbauzielen erfolgversprechend sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38131\" aria-describedby=\"caption-attachment-38131\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38131\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/WildabweisendeZaeune.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/WildabweisendeZaeune.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/WildabweisendeZaeune-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38131\" class=\"wp-caption-text\">S\u00fcndhaft teure wildabweisende Z\u00e4une garantieren dem schie\u00dffreudigen Jagdp\u00e4chter kontinuierlich hohe Reh- und Rotwildbest\u00e4nde. Nur hinter dem Zaun kann sich eine paradiesische Vielfalt an Pionierpflanzen und Mischbaumarten breitmachen. (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es gab im Laufe der langen Waldgeschichte immer wieder hoffnungsvolle Ans\u00e4tze und Bestrebungen in Richtung einer naturgem\u00e4\u00dfen Waldwirtschaft. Diese scheiterten jedoch wiederholt an den Interessen der Holz- und Jagdlobby. Fortschrittliche Waldbaupioniere, wie Carl Gayer (Waldbauprofessor aus Wien) oder Alfred M\u00f6ller (Begr\u00fcnder der Idee des Dauerwaldes und Vordenker einer \u00f6kologischen Wende in der deutschen Waldwirtschaft), konnten die Fehlentwicklungen aber nicht aufhalten. Die Waldwende fand nicht statt. Die \u201emoderne\u201c Forstwirtschaft betrachtete sich ausschlie\u00dflich als Holz- und Rohstoffversorger.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38130\" aria-describedby=\"caption-attachment-38130\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38130\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Weihnachtsbaumplantagen.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Weihnachtsbaumplantagen.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Weihnachtsbaumplantagen-300x196.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38130\" class=\"wp-caption-text\">Weihnachtsbaumplantagen mit Nordmanntannen, Blaufichten und anderen Exoten pr\u00e4gen nach wie vor ma\u00dfgeblich die Landschaft. (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Heute nutzen immer mehr Menschen dieses Gro\u00df\u00f6kosystem, das f\u00fcr etliche Tier- und Pflanzenarten Heimst\u00e4tte und R\u00fcckzugsraum ist, zur Erholung und f\u00fcr Freizeitaktivit\u00e4ten. Sie \u00fcberziehen ihn \u2013 oft mehr als er verkraften kann &#8211; mit immer neuen Forderungen und Anspr\u00fcchen.<\/p>\n<p>Und entgegen der offiziellen Verlautbarung ist der Zustand des Waldes nach wie vor h\u00f6chst beklagenswert. Er stirbt vor sich hin, heimlich, still und leise, und zwar in seiner Gesamtheit, wenn auch je nach Baumart mehr oder weniger schnell. Mehr als 2\/3 der B\u00e4ume in deutschen W\u00e4ldern sind nach der neuesten Waldinventur gesch\u00e4digt, bei den Buchen sind es sogar 90 Prozent.<\/p>\n<p>Eine der Hauptursachen f\u00fcr die katastrophale Situation bilden die den Stickstoffverbindungen zugeh\u00f6rigen Ammoniak-Emissionen aus der industriellen Landwirtschaft, Stichwort G\u00fclle!<\/p>\n<p>Geballte Schadstoff-Cocktails aus Ammoniak, das mit 65 % f\u00fcr den weitaus gr\u00f6\u00dften Anteil der N\u00e4hrstoff\u00fcberfrachtung unserer W\u00e4lder verantwortlich ist, und den \u00fcbrigen Stickstoffquellen aus den Bereichen Stra\u00dfenverkehr und Kraftwerken nebst Feuerungsanlagen setzen das \u00d6kosystem unter Dauerstre\u00df und nehmen ihm sprichw\u00f6rtlich die Luft zum Atmen.<\/p>\n<p>Doch von der Politik kommt zu all dem nichts. Man verharmlost die Situation in gewohnter Manier und stellt \u2013 wie der zust\u00e4ndige Agrarminister Minister Schmidt von der CSU \u2013 den Waldschadensbericht lediglich auf seine Homepage. Eine Bundespressekonferenz wurde erst gar nicht mehr anberaumt und somit die Tradition seiner Vorg\u00e4nger abrupt beendet. Offenbar scheut man davor zur\u00fcck, unangenehme Wahrheiten an die gro\u00dfe Glocke zu h\u00e4ngen. Dabei m\u00fc\u00dften Herrn Schmidt gerade die besorgniserregend hohen Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft zutiefst beunruhigen und ihn schnell zur Tat schreiten lassen. Aber es tut sich nichts.<\/p>\n<p>Dabei sind nur \u00bc der Eichen und nur jede 10. Buche gesund. Doch gerade Buchenw\u00e4lder sind als Lebensraum f\u00fcr Tiere und Pflanzen sowie f\u00fcr die Stabilisierung des Klimas von unsch\u00e4tzbarem Wert! Das \u00d6kosystem Wald mit seinen lebenswichtigen Funktionen, seiner ihm innewohnenden Vielfalt an Beziehungen und Abh\u00e4ngigkeiten untereinander ist durch allerlei Umwelteinfl\u00fcsse devitalisiert. Von einer durchgreifenden Besserung kann bis heute also nicht die Rede sein. Im Boden tickt eine Zeitbombe. Es liegt an uns Menschen hier entschieden gegenzusteuern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38132\" aria-describedby=\"caption-attachment-38132\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38132\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/WolfIsegrim.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/WolfIsegrim.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/WolfIsegrim-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38132\" class=\"wp-caption-text\">Steht f\u00fcr Wildnis und Urnatur: Canis lupus. Langsam breitet sich die Art in Mitteleuropa wieder aus. Aber der Wolf hat nur dann eine gesicherte Zukunft, wenn ihn die Menschen im Grundsatz akzeptieren und geeignete Lebensr\u00e4ume nicht noch weiter zerst\u00f6rt werden. Gegen\u00fcber ausgerotteten Tierarten, wie dem Wolf, der durch die Berner Artenschutzkonvention streng gesch\u00fctzt ist, haben wir eine moralische Pflicht zur Wiedergutmachung. (Foto: Tuschl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Fr\u00fcher bestand der allergr\u00f6\u00dfte Teil Deutschlands aus W\u00e4ldern. Rodungen f\u00fcr Siedlungsbau, Landwirtschaft und Holznutzung dr\u00e4ngten die \u201egr\u00fcne Lunge\u201c auf heute nur noch 1\/3 der Landesfl\u00e4che zur\u00fcck. Urw\u00e4lder \u2013 v\u00f6llig unbeeinflu\u00dft vom Menschen \u2013 sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Nur in Nieder\u00f6sterreich (Rothwald \u2013 ein seit der Bronzezeit nicht mehr genutzter Wald im Privatbesitz) und im Schweizer Wallis (Derborence) findet man noch Relikte. Kleine Best\u00e4nde gibt es auch noch in Tschechien (Boubin\/Kubany),der Slowakei, Ru\u00dfland, der Ukraine und vor allem in den Karpaten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38119\" aria-describedby=\"caption-attachment-38119\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38119\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Auerwild.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Auerwild.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Auerwild-300x183.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38119\" class=\"wp-caption-text\">Das Auerwild ist urspr\u00fcnglich ein Vogel der Taiga und \u00e4hnlicher Waldformen. Gleichaltrige, undifferenzierte und aufger\u00e4umte W\u00e4lder ohne Unterholz, Jungwuchs und Beerenkr\u00e4utern machen ihm den Garaus, deshalb im Sauerland l\u00e4ngst ausgestorben. Wiedereinb\u00fcrgerungsversuche in den 80er Jahren scheiterten. (Foto: Heinz Tuschl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Letztgenanntes Hochgebirge weist bis heute die gr\u00f6\u00dften Fl\u00e4chen an Urw\u00e4ldern auf. Noch lassen sich dort unbeeinflu\u00dfte Waldstrukturen beobachten und studieren, au\u00dferdem im n\u00f6rdlichen Iran sowie in Japan. Leider sind aber auch diese noch verbliebenen Urw\u00e4lder oder urwald\u00e4hnlichen Best\u00e4nde akut von der Zerst\u00f6rung bedroht oder sind bereits Opfer des Raubbaus durch illegalen Holzeinschlag geworden. Etwa in Rum\u00e4nien, wo in den letzten 20 Jahren ca. 400.000 ha unersetzliche, als Nationalparks gesch\u00fctzte Waldareale der Motors\u00e4ge zum Opfer fielen, darunter Urw\u00e4lder. Gleiches ist in den Nationalparken bzw. Wildnisgebieten der Ukraine zu beobachten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38124\" aria-describedby=\"caption-attachment-38124\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38124\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/FichtenforsteEintoenig.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/FichtenforsteEintoenig.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/FichtenforsteEintoenig-300x205.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38124\" class=\"wp-caption-text\">Vergraste, eint\u00f6nige Fichtenforste: Von einer &#8222;Waldwende&#8220; kann bisher nicht die Rede sein. (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie so oft sind Korruption und ein eklatantes Vollzugsdefizit bei der Einhaltung der Schutzvorschriften f\u00fcr dieses Massaker verantwortlich. Aber zum Gl\u00fcck w\u00e4chst auch der Widerstand gegen den skrupellosen Kahlschlag durch multinational operierende Holzkonzerne \u2013 und zwar sowohl auf Seiten heimischer Umweltaktivisten als auch von befreundeten Umweltorganisationen aus den westlichen Nachbarl\u00e4ndern. Z. B. unterst\u00fctzen die Stiftung Europ\u00e4isches Naturerbe (Euronatur) sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt die Nationalparks dabei, ihre \u00f6kologisch hoch bewerteten W\u00e4lder zu erhalten. Worin unterscheiden sich nun Urw\u00e4lder von Naturw\u00e4ldern?<\/p>\n<p>Der Begriff Urwald bezieht sich auf ausgedehnte Waldkomplexe, deren Standorte, Vegetation, Baumartenmischung und Aufbau seit jeher durch nat\u00fcrliche Standortfaktoren bestimmt wurden. Er besteht somit aus einem in jeder Hinsicht nat\u00fcrlichen Waldbeziehungsgef\u00fcge.<\/p>\n<p>Neben einer nach Arten und Anzahl nat\u00fcrlichen Pflanzen- und Tierwelt ist eine derart gro\u00dfe Fl\u00e4chenausdehnung erforderlich, da\u00df sich die Einfl\u00fcsse der durch den Menschen gepr\u00e4gten Umwelt im Innern des Waldes verlieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38123\" aria-describedby=\"caption-attachment-38123\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38123\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bergurwald.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bergurwald.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bergurwald-300x196.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38123\" class=\"wp-caption-text\">Bergurwald &#8211; Wir brauchen in Deutschland und Mitteleuropa unbedingt mehr Wildnisgebiete. Regulierende Eingriffe, wie Jagd, finden dort nicht statt (Foto: Heinz Tuschl).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Urw\u00e4lder, die all jene Voraussetzungen erf\u00fcllen, gibt es in Mitteleuropa nicht mehr. Im Urwald wirken Kr\u00e4fte der Reorganisation und Regeneration. Diese, wie auch die unterschiedlichen Lebensraumanspr\u00fcche der verschiedenen Baumarten f\u00fchren eine ungeheure Strukturvielfalt und deren st\u00e4ndigen Wechsel herbei. Zahlreiche seltene, z. T. vom Aussterben bedrohte Tierarten sind an diese Strukturen angepa\u00dft. Am so genannten Totholz lebt in den einzelnen Entwicklungsstadien eine gro\u00dfe F\u00fclle von Insekten, K\u00e4fern und Pilzen. Allein in Urw\u00e4ldern l\u00e4\u00dft sich feststellen, wie das \u00d6kosystem Wald ohne menschliche Eingriffe funktioniert.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu steht der Begriff des Naturwaldes. Das sind W\u00e4lder, die nach Aufgabe der forstwirtschaftlichen Nutzung der nat\u00fcrlichen Entwicklung \u00fcberlassen bleiben. So ein Wald ist ausschlie\u00dflich aus einer rein nat\u00fcrlichen Vegetationsfolge hervorgegangen, der zumeist noch Merkmale fr\u00fcherer menschlicher Einwirkung erkennen l\u00e4\u00dft, oder der auf Neuland, Brachland oder nicht mehr genutzten Fl\u00e4chen entstanden ist (Proze\u00dfschutz, Klimaxwald, d.h. womit ein bestimmter Endzustand angestrebt wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38126\" aria-describedby=\"caption-attachment-38126\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38126\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Hirschk\u00e4fer.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Hirschk\u00e4fer.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Hirschk\u00e4fer-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38126\" class=\"wp-caption-text\">Der Hirschk\u00e4fer ist stark gef\u00e4hrdet (Kategorie 2). Er besiedelt alte Eichenw\u00e4lder. Seine Larven ben\u00f6tigen durch Pilzbefall zerm\u00fcrbtes Totholz, besonders von Eichen. (Foto: Heinz Tuschl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gerade die vom Menschen unbeeinflu\u00dften W\u00e4lder sind es ja, in denen der Artenreichtum am gr\u00f6\u00dften ist. Solche Waldkomplexe machen gerade einmal 2 Prozent der Waldfl\u00e4che aus (Nationalparke, Bannw\u00e4lder, Naturreservate, Naturdenkm\u00e4ler). Weniger als 1 Prozent des Waldes ist derzeit in Deutschland gesetzlich gesch\u00fctzt. Ein besch\u00e4mendes Zeugnis, wie ich meine. Im internationalen Vergleich bilden wir damit als eines der reichsten L\u00e4nder das Schlu\u00dflicht bei den sich selbst \u00fcberlassenen Waldarealen. Das ist auch der Grund daf\u00fcr, da\u00df so unscheinbare Lebewesen, wie Pilze, holzbewohnende K\u00e4fer, Moose und Flechten stark gef\u00e4hrdet oder gar vom Aussterben bedroht sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38120\" aria-describedby=\"caption-attachment-38120\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38120\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BaumEdelmarder.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BaumEdelmarder.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BaumEdelmarder-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38120\" class=\"wp-caption-text\">Baum- oder Edelmarder: Je urw\u00fcchsiger der Wald, desto wohler f\u00fchlt er sich und je zahlreicher sein Vorkommen. (Foto: Heinz Tuschl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr den Schutz der biologischen Vielfalt ben\u00f6tigen wir deshalb auf mindestens 10 Prozent der \u00f6ffentlichen Waldfl\u00e4chen Naturw\u00e4lder (die Urw\u00e4lder von morgen), wie bereits im Jahre 2007 von der Bundesregierung beschlossen. Mindestens die H\u00e4lfte davon m\u00fc\u00dfte bis 2020 ausgewiesen werden. Der Wert des Waldes, nicht der des Holzes, mu\u00df also weitaus st\u00e4rker in den Fokus ger\u00fcckt werden. Leider sieht es z. Zt. aber nicht danach aus, als w\u00fcrde genug unternommen, um das von der Bundesregierung angestrebte Ziel zur nationalen Biodiversit\u00e4tsstrategie zu erreichen, n\u00e4mlich 5 Prozent der gesamten Waldfl\u00e4che bis 2020 f\u00fcr nat\u00fcrliche Waldentwicklung bereitzustellen. Im Gegenteil: Nach Erkenntnissen des BUND werde dieses (ohnehin nicht sehr anspruchsvolle) Ziel auch mit dem neuen Naturschutzgesetz verfehlt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38129\" aria-describedby=\"caption-attachment-38129\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38129\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/RoterFingerhut.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/RoterFingerhut.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/RoterFingerhut-300x208.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38129\" class=\"wp-caption-text\">Der giftigen Rote Fingerhut gedeiht in Massen: Er wird vom Schalenwild verschm\u00e4ht. (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Landesbetrieb Wald und Holz, Forstbeh\u00f6rden und staatliche Forstverwaltungen machen permanent Front gegen die Ausweisung neuer Wildnisgebiete, Nationalparks und anderer aus der Nutzung genommener Areale. Dabei wird v\u00f6llig ignoriert, da\u00df der Eigenwert der Natur l\u00e4ngst im Grundgesetz festgeschrieben ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38121\" aria-describedby=\"caption-attachment-38121\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38121\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BaumeisterNatur.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BaumeisterNatur.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BaumeisterNatur-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38121\" class=\"wp-caption-text\">Die Natur ist der beste Baumeister sch\u00f6ner und zugleich stabiler W\u00e4lder. (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurde der wissenschaftliche Beweis erbracht, da\u00df Naturw\u00e4lder, l\u00e4\u00dft man sie wachsen, mindestens doppelt so viele Holzvorr\u00e4te anreichern als Wirtschaftsforste. In Naturw\u00e4ldern werden die B\u00e4ume 400 bis 600 Jahre alt. Das Durchschnittsalter in deutschen W\u00e4ldern liegt bei 77 Jahren. Borkenk\u00e4fern und St\u00fcrmen erliegt die H\u00e4lfte der Kunstforste. &#8222;W\u00fcrde auf 5 Prozent der Fl\u00e4che keine Nutzung stattfinden, so der langj\u00e4hrige Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Dr. H. Bibelriether, erg\u00e4be das eine viel h\u00f6here CO\u00b2-Bindung als in Wirtschaftsforsten&#8220;. Von der \u00fcberreichen Arten- und Strukturvielfalt ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Nirgendwo l\u00e4\u00dft sich der ewige Kreislauf der Natur so gut beobachten wie einem Nationalpark. Fremd und mystisch wirkt die Landschaft. Wind und Wetter zeigen immer neue stimmungsvolle Bilder. Aus dem st\u00e4ndigen Wechselspiel von Licht und Schatten, aus Wachstum, Altern und Zusammenbruch und dem Nebeneinander von Lichtung, Jungwald und Altbestand entsteht die Vielfalt des Naturwaldes. Je artenreicher und damit naturn\u00e4her ein Wald ist, desto stabiler erweist er sich gegen\u00fcber \u201eSch\u00e4dlingen\u201c und Umwelteinfl\u00fcssen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38128\" aria-describedby=\"caption-attachment-38128\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38128\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/MischbestandHochsauerland.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/MischbestandHochsauerland.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/MischbestandHochsauerland-300x253.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38128\" class=\"wp-caption-text\">Mischbestand im Hochsauerland mit Waldkiefern und Rotbuchen. (Foto: Karl Josef Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Von Natur aus w\u00fcrde im Nadelholz dominierten Sauerland \u2013 wie anderswo auch \u2013 die Rotbuche auf gro\u00dfen Fl\u00e4chen das Waldbild pr\u00e4gen, entweder im Reinbestand oder mit anderen Laubh\u00f6lzern vergesellschaftet. Unsere ehemals waldreiche Landschaft, bestehend aus dichten Urw\u00e4ldern (um 800 v. Chr.) wurde durch den Einflu\u00df des Menschen zu Moor und Heide umgewandelt, w\u00e4hrend ein wesentlich gr\u00f6\u00dferer Teil als Niederwald bewirtschaftet wurde. Diese historische Nutzung der Waldbewirtschaftung diente vorwiegend der Brennholzgewinnung, aber auch der Rindennutzung sowie der Produktion von Getreide. Sie war somit eine klassische Kombination von Wald- und Feldbau. Im Siegerland war die Niederwaldwirtschaft mit der daran gekoppelten Holzkohlegewinnung unter dem Begriff \u201eHaubergwirtschaft\u201c bekannt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38125\" aria-describedby=\"caption-attachment-38125\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38125\" src=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/FichtenforstVerschneit.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/FichtenforstVerschneit.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/FichtenforstVerschneit-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-38125\" class=\"wp-caption-text\">Verschneiter Fichtenforst im Vogelsanggebiet bei Meschede in den 80er Jahren. Durch reichlich anfallenden Na\u00dfschnee infolge der Klimaerw\u00e4rmung sind heute auch die Hochlagen des Sauerlandes vermehrt von Schneebruch betroffen. (Foto: Knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wo Eichen u.a. Baumarten vertreten waren, die nicht zu viel Schatten erzeugen, sprach man von Mittelwald. Sie wuchsen zu Bauholz heran und lieferten Eicheln f\u00fcr die Viehmast (Schweine). Ferner wurde auch Eichenrinde produziert, die als Gerbmittel f\u00fcr die Lederverarbeitung Verwendung fand, vor allem in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein.<\/p>\n<p>Bevor sich mit einer drastischen Klimaverschlechterung vor etwa 7.000 Jahren die Rotbuche bei uns durchsetzen konnte, dominierten in der nacheiszeitlichen Warmzeit Eichenmischw\u00e4lder. Die erw\u00e4hnte Haubergwirtschaft gab es noch bis ca. um das Jahr 1920. Danach entstand der aus Samen hervorgehende Hochwald \u2013 im Wesentlichen mit der forstlich interessanten, vielseitig verwendbaren Fichte bestockt. Hier bei uns hielt diese begehrte Nadelholzart erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts Einzug. Sie wurde im Jahre 1820 \u2013 aus Skandinavien eingebracht \u2013 im Sauerland heimisch.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-deutsche-wald-oekonomische-nutzung-und-oekologische-nachhaltigkeit-teil-2-der-phantastische-aufstieg-der-fichte-zum-brotbaum-der-forstwirtschaft-und-ihre-entzauberung-durch-menschliche\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Teil 2 folgt hier.<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWald ist mehr als die Summe seiner B\u00e4ume. Mehr noch als die Atemluft, die er uns k\u00fchlt und s\u00e4ubert, das Wasser, das er uns filtert und bewahrt, die Stille, die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-deutsche-wald-oekonomische-nutzung-und-oekologische-nachhaltigkeiteine-reise-durch-die-wechselvolle-geschichte-des-gruenen-drittels-unserer-republik-teil-1\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDer deutsche Wald: \u00f6konomische Nutzung und \u00f6kologische Nachhaltigkeit &#8211; Eine Reise durch die wechselvolle Geschichte des gr\u00fcnen Drittels unserer Republik &#8211; Teil 1\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[549,1208],"tags":[5049,6846,1001],"class_list":["post-38115","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-umwelt","category-wirtschaft","tag-oekologie","tag-oekonomie","tag-wald"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38115"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38115\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}