{"id":36468,"date":"2016-10-26T21:00:44","date_gmt":"2016-10-26T20:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=36468"},"modified":"2016-10-26T21:14:37","modified_gmt":"2016-10-26T20:14:37","slug":"hochsauerland-drastische-reduzierung-der-notfalleinsatzbereitschaft-fuer-die-rettungswachen-im-nordoestlichen-kreisgebiet-warum-eine-behoerde-manipulation-verhindert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/hochsauerland-drastische-reduzierung-der-notfalleinsatzbereitschaft-fuer-die-rettungswachen-im-nordoestlichen-kreisgebiet-warum-eine-behoerde-manipulation-verhindert\/","title":{"rendered":"Hochsauerland: Drastische Reduzierung der Notfalleinsatzbereitschaft f\u00fcr die Rettungswachen im nord\u00f6stlichen Kreisgebiet? Warum eine Beh\u00f6rde \u201cManipulation\u201d verhindert &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-36470\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/WordleRettungswachen201161026.jpg\" alt=\"wordlerettungswachen201161026\" width=\"700\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/WordleRettungswachen201161026.jpg 700w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/WordleRettungswachen201161026-300x136.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><strong>Dass immer wieder versucht wird, irgendwo zu manipulieren, \u00fcberrascht ja nicht. Dass es erfreulicherweise auch Versuche gibt, Manipulationen zu verhindern, wissen wir auch. Die Erkenntnis, dass eine sehr ungew\u00f6hnliche \u201cManipulation\u201d drohte, die die Kreisverwaltung verhindert hat, verdanken wir der Antwort der Kreisverwaltung auf eine schriftliche Anfrage der SBL\/FW-Kreistagsfraktion.<\/strong><\/p>\n<p><em>(Der Artikel ist gestern <a href=\"http:\/\/sbl-fraktion.de\/?p=7000\" target=\"_blank\">zuerst auf der Website der Sauerl\u00e4nder B\u00fcrgerliste<\/a> erschienen.)<\/em><\/p>\n<p>Der Sachverhalt ist kompliziert. Es geht \u2013 mal wieder \u2013 um den Entwurf der Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans, der am Freitag (28.10.2016) vom Kreistag beschlossen werden soll.<\/p>\n<p>Dieser Plan legt z.B. fest, wie viele Rettungstransportwagen (RTW) zu welchen Zeiten in den 12 Rettungswachen im HSK mit Personal einsatzbereit sind. Falls die Mehrheit der Kreistags \u2013 wie fast immer \u2013 dem Vorschlag der Kreisverwaltung folgt, w\u00fcrde sich ab Januar 2017 eine drastische Reduzierung der Notfalleinsatzbereitschaft f\u00fcr die Rettungswachen im nord\u00f6stlichen Kreisgebiet, also in Marsberg, Brilon und Olsberg ergeben.<\/p>\n<p>Dort wird \u2013 wie in allen Rettungswachen im Kreisgebiet \u2013 rund um die Uhr ein RTW mit 2 Personen Besatzung einsatzbereit vorgehalten. Auch in diesen 3 Rettungswachen steht bisher au\u00dferdem an allen 7 Tagen in der Woche jeweils von 7 bis 19 Uhr ein zweiter RTW einsatzbereit, also 84 Stunden je Woche. K\u00fcnftig soll der 2. RTW in Marsberg und Brilon nur noch an 8 Stunden pro Woche f\u00fcr Notfalleins\u00e4tze bereit stehen, in Olsberg an 40 Stunden pro Woche. Au\u00dferdem gibt es f\u00fcr alle 3 Rettungswachen zusammen noch ein weiteres Fahrzeug, das aber f\u00fcr Krankentransporte vorgesehen ist.<\/p>\n<p>Die sog. Hilfsfrist betr\u00e4gt im Kreisgebiet 12 Minuten: Diese Zeitspanne von der Alarmierung bis zum Eintreffen des RTW am Einsatzort soll nur in h\u00f6chstens 10% aller Notf\u00e4lle \u00fcberschritten werden. Bisher lag der Anteil der \u00dcberschreitungen bereits um etwa die H\u00e4lfte h\u00f6her als die Zielvorgabe. Hauptgrund ist, dass h\u00e4ufig in der eigentlich zust\u00e4ndigen Rettungswache kein RTW \u201cfrei\u201d ist.<\/p>\n<p>Wenn nun die RTW ausged\u00fcnnt werden und gleichzeitig \u2013 wie in den letzten Jahren zu beobachten \u2013 die Anzahl der Eins\u00e4tze steigt, ist zu erwarten, dass sich der Anteil der Frist\u00fcberschreitungen weiter erh\u00f6ht. Das w\u00e4re sehr nachteilig f\u00fcr die Versorgung der Notfallpatienten. In Brilon stehen zwar k\u00fcnftig sogar 3 RTW in der Garage, aber Personal wird nur f\u00fcr einen Notfall-RTW vorgehalten.<\/p>\n<p>Nun soll es k\u00fcnftig aber auch Rettungswachen geben, in denen sogar nachts ein 2. RTW einsatzbereit gehalten wird, obwohl dies keinen Sinn ergibt. Die Kreisverwaltung hatte Gutachter aus Bonn mit der Auswertung der Datens\u00e4tze \u00fcber die Eins\u00e4tze des Jahres 2013 beauftragt.<\/p>\n<p>In der Rettungswache Sundern sind im ganzen Jahr insgesamt lediglich 32 relevante Eins\u00e4tze in allen 50 Nachtschichten angefallen, die an einem Freitag Abend begannen, also etwa 0,6 Eins\u00e4tze pro Schicht. Trotzdem sollen dort laut Gutachten und Entwurf des Bedarfsplans k\u00fcnftig in dieser Schicht immer 2 RTW einsatzbereit sein. Urs\u00e4chlich daf\u00fcr ist ein einziger Einsatz im August 2013 beim Auftreten des Noro-Virus in einem Sommerferienlager in Sundern-Westenfeld. Daf\u00fcr waren 33 RTW im Einsatz mit Einsatzdauern bis zu 15 Stunden je Fahrzeug. Nur durch diesen einen Massen-Einsatz erh\u00f6hte sich die angebliche Anzahl der Eins\u00e4tze um die H\u00e4lfte, denn die RTW aus den Rettungswachen wurden so gez\u00e4hlt, als ob sie zu 15 einzelnen Eins\u00e4tzen gefahren w\u00e4ren. Der statistische Durchschnitt f\u00fcr die Dauer eines Einsatzes stieg f\u00fcr diese Schicht von ca. 65 auf ca. 153 Minuten. So entstand nun statistisch ein angeblich dauerhafter Bedarf f\u00fcr einen 2. RTW in dieser Schicht.<\/p>\n<p>Ein gleichartiger Fall trat im Bereich der Rettungswache Arnsberg durch den Brand in einem Altenheim an einem Freitag Abend im Oktober 2013 auf; hier waren 23 RTW im Einsatz, teilweise \u00fcber 5 Stunden lang. Auch hier soll nun in der Schicht von Freitag Abend bis Samstag Morgen immer ein 2. RTW vorgehalten werden, w\u00e4hrend in der vorhergehenden Schicht am Freitag Nachmittag trotz gr\u00f6\u00dferer Einsatzh\u00e4ufigkeit ein einziger RTW ausreichen soll.<\/p>\n<p>Das waren \u00fcbrigens im gesamten Jahr 2013 und im gesamten Kreisgebiet die einzigen beiden Notfalleins\u00e4tze zu Ereignissen, die als \u201cMANV III\u201d oder \u201cMANV IV\u201d klassifiziert sind. \u201cMANV\u201d steht dabei in der Sprache des Rettungswesens f\u00fcr \u201cMassenanfall von Verletzten\u201d, \u201cIII\u201d f\u00fcr 13 bis 25 betroffene Personen, \u201cIV\u201d f\u00fcr mehr als 25 Personen.<\/p>\n<p>In ihrer Antwort auf eine Anfrage zu diesen sehr merkw\u00fcrdigen Erkenntnissen f\u00fchrte die Kreisverwaltung am 24.10.2016 aus: Es \u201c<em>wurden die Leitstellenrohdaten \u2026 nach, in Abstimmung mit dem Gutachter festgelegten Kriterien, bereinigt.<\/em>\u201d Und: \u201c<em>Eine weitere Nichtber\u00fccksichtigung einzelner Einsatzdaten stellt eine Manipulation der Datengrundlage dar\u2026 Finden einzelne Eins\u00e4tze keine Ber\u00fccksichtigung, sind sowohl die Glaubw\u00fcrdigkeit des Gutachtens sowie die Sinnhaftigkeit der Fortschreibung des Bedarfsplans in Frage zu stellen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Diese \u201cLogik\u201d der misslungenen Bereinigung ist f\u00fcr Kommunalpolitiker, die nicht selbst Verwaltungsbeamte sind, schwer zu durchschauen. Denn dadurch wird unterstellt, dass auch k\u00fcnftig eine derartige Massenerkrankung oder ein Brand nur am selben Wochentag und zur selben Tageszeit und im Bereich derselben Rettungswache wie 2013 auftritt, aber nirgendwo und nirgendwann anders.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich Eins\u00e4tze f\u00fcr Unf\u00e4lle und pl\u00f6tzlich auftretende ernsthafte Erkrankungen sinnvoll nach Ort und Zeit kalkulieren lassen, ist das bei solchen einzelnen und seltenen Gro\u00dfereignissen nicht der Fall. Dann werden sowieso mehrere RTW ben\u00f6tigt, aus anderen Orten. Aber der n\u00e4chste Noro-Virus oder der n\u00e4chste Brand mit vielen Betroffenen k\u00f6nnten auch in jedem anderen Ort und zu jeder Zeit auftreten \u2013 was selbstverst\u00e4ndlich niemand w\u00fcnscht. Der 2. RTW in einer einzelnen Schicht in Sundern und Arnsberg bringt daf\u00fcr keinen Nutzen.<\/p>\n<p>Diese unsinnige Vorhaltung eines 2. RTW in den Nachtschichten in zwei Rettungswachen wird w\u00e4hrend der zu erwartenden Laufzeit des Rettungsdienstbedarfsplans zus\u00e4tzliche Personalkosten von mehr als 500.000 Euro verursachen \u2013 ohne ad\u00e4quaten Nutzen. Gleichzeitig fehlen an anderen Orten und zu anderen Zeiten dort dringend ben\u00f6tigte RTW.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich w\u00e4re die \u201cManipulation\u201d dann verhindert worden, wenn man f\u00fcr solche singul\u00e4ren Ereignisse <u>kreisweite<\/u> Notfallpl\u00e4ne aufstellen w\u00fcrde, und zwar f\u00fcr die gesamte Woche.<\/p>\n<p>Besonders pikant: Ausgerechnet die von der Kreisverwaltung beauftragten Gutachter schreiben in einem im Jahr 2012 erschienenen Buch mit dem Titel \u201cRegelwerk zur Bedarfsplanung Rettungsdienst\u201d zum statistischen Umgang mit solchen F\u00e4llen: \u201c<em>Auszunehmen von der Grundannahme der Unabh\u00e4ngigkeit der Notfallereignisse und der damit verbundenen Anzahl an gleichzeitig ben\u00f6tigten Fahrzeugen sind besondere Schadenslagen, die einen gleichzeitigen Rettungsmittelbedarf \u00fcber die dienstplanm\u00e4\u00dfige Regelvorhaltung hinaus im Versorgungsbereich der Rettungswache zur Folge haben und die nicht mehr unter die Aufgabenstellung zur Bemessung der Rettungsmittelvorhaltung f\u00fcr die Notfallrettung fallen.<\/em>\u201d<\/p>\n<p>Sehr wahr! So sollte man es machen! Aber das w\u00e4re f\u00fcr die Kreisverwaltung ja eine \u201cManipulation\u201d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass immer wieder versucht wird, irgendwo zu manipulieren, \u00fcberrascht ja nicht. Dass es erfreulicherweise auch Versuche gibt, Manipulationen zu verhindern, wissen wir auch. Die Erkenntnis, dass eine sehr ungew\u00f6hnliche \u201cManipulation\u201d &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/hochsauerland-drastische-reduzierung-der-notfalleinsatzbereitschaft-fuer-die-rettungswachen-im-nordoestlichen-kreisgebiet-warum-eine-behoerde-manipulation-verhindert\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eHochsauerland: Drastische Reduzierung der Notfalleinsatzbereitschaft f\u00fcr die Rettungswachen im nord\u00f6stlichen Kreisgebiet? 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