{"id":3646,"date":"2009-06-23T22:03:49","date_gmt":"2009-06-23T20:03:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=3646"},"modified":"2015-01-31T21:05:08","modified_gmt":"2015-01-31T20:05:08","slug":"marodierende-russische-zwangsarbeiter-ein-wenig-vorgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/marodierende-russische-zwangsarbeiter-ein-wenig-vorgeschichte\/","title":{"rendered":"&#8222;Marodierende russische Zwangsarbeiter&#8220; &#8211; ein wenig Vorgeschichte."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3644\" aria-describedby=\"caption-attachment-3644\" style=\"width: 480px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3644\" title=\"Ein dunstiger Juni-Morgen: Eversberg mit der St.-Johannes-Evangelist-Pfarrkirche  \" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/eversberg02.jpg\" alt=\"Ein dunstiger Juni-Morgen: Eversberg mit der St.-Johannes-Evangelist-Pfarrkirche  \" width=\"480\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/eversberg02.jpg 480w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/eversberg02-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 85vw, 480px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3644\" class=\"wp-caption-text\">Ein dunstiger Juni-Morgen: Blick vom Bergfried der Burgruine auf Eversberg mit der St.-Johannes-Evangelist-Pfarrkirche<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/St.-Johannes-Evangelist-Kirche_(Eversberg)\" target=\"_blank\"> katholischen Pfarrkirche<\/a> des kleinen Ortes <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eversberg\" target=\"_blank\">Eversberg<\/a> im Hochsauerland bin ich vor ein paar Tagen auf die Geschichte der Zwangsarbeiter in Meschede gesto\u00dfen (<a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=3603\" target=\"_blank\">siehe hier<\/a>).<\/p>\n<p>\u00dcble Geschichten von Mord und Totschlag werden noch heute in den Orten des Hochsauerlandes \u00fcber die &#8222;marodierenden russischen Zwangsarbeiter&#8220; tradiert, doch die Vorgeschichte wird manchmal vergessen zu erz\u00e4hlen oder nur hinter vorgehaltener Hand weitergegeben, weil die an eventuellen Verbrechen Beteiligten und ihre Kinder und Kindeskinder noch leben.<\/p>\n<p>Einen ersten Einstieg in die Geschichte der Zwangsarbeiter in und um Meschede im Hochsauerlandkreis bietet die Brosch\u00fcre &#8222;<a href=\"http:\/\/www.meschede.de\/Stadtinformation\/geschichte\/geschichte_kernstadt\/sehenswertes_krieg_und_wiederaufbau\/Die_Stunde_null_-_Internet.pdf\" target=\"_blank\">Kriegsende &#8211; Die Stunde Null<\/a>&#8220; des Stadtarchivs Meschede.<\/p>\n<p>Ich zitiere im Folgenden einige Abschnitte. Vielleicht interessiert sich der ein oder die andere Leserin f\u00fcr das Thema, liest die ganze Brosch\u00fcre und forscht weiter.<\/p>\n<p><strong>Zwei Monate vor der Befreiung durch die Alliierten:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Nach gerichtlichen Untersuchungen sind die 80 Russen und Polen<br \/>\nunter dem Vorwand, sie seien Pl\u00fcnderer, erschossen worden. Am Abend<br \/>\ndes 22. M\u00e4rz 1945 wurden sie zu einem angeblichen Arbeitseinsatz<br \/>\nin drei oder vier Transporten zum Exekutionsplatz gefahren. Mit Hilfe<br \/>\nvon Sprengmunition war am Nachmittag eine 30 x 6 m gro\u00dfe und 1,50<br \/>\nm tiefe Grube unweit der heutigen Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte ausgehoben<br \/>\nworden. Dort angekommen, mussten die M\u00e4nner M\u00e4ntel, Decken,<br \/>\nBrotbeutel und Ausweispapiere ablegen.<br \/>\n&#8222;Jetzt erkannten sie, was ihnen f\u00fcr ein Schicksal bevorstand. Sie<br \/>\nwurden unruhig, lie\u00dfen sich aber in die Grube hineinf\u00fchren und mit<br \/>\ndem Gesicht zur Wand aufstellen&#8220;, erinnerte sich sp\u00e4ter ein Zeuge vor<br \/>\nGericht. &#8222;Die Soldaten traten jeweils hinter einen Arbeiter und &#8230;&#8220;<br \/>\nNachdem die Leichen notd\u00fcrftig mit Erde zugeschaufelt waren,<br \/>\nging das Kommando zur Stra\u00dfe zur\u00fcck und wartete auf den n\u00e4chsten<br \/>\nTransport. &#8222;Bei einem Schub versuchte ein Mann zu fliehen, wurde<br \/>\naber mit einem Feuersto\u00df niedergestreckt. Die anderen jammerten<br \/>\nund weinten&#8220; ( ebenda, S. 25).<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Aus welchen Gr\u00fcnden waren die ganzen &#8222;Fremden&#8220; in Meschede und Umgebung? Sie wurden beispielsweise in den <a href=\"http:\/\/sauerlandthemen.de\/2009\/05\/01\/honsel-will-in-meschede-und-soest-187-arbeitsplaetze-abbauen\/\" target=\"_blank\">Honsel-Werken <\/a>gebraucht:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Die Entwicklung der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse w\u00e4hrend der ersten<br \/>\nKriegsjahre verlief f\u00fcr die Stadt Meschede recht g\u00fcnstig.<br \/>\nDa Industrie, Handwerk und Gewerbe ihre Kapazit\u00e4t voll ausnutzen<br \/>\nmussten und einheimische Arbeitskr\u00e4fte zum Wehrdienst eingezogen<br \/>\nwurden, holte man ausl\u00e4ndische Arbeiter, Kriegsgefangene und Zivilarbeiter.<\/p>\n<p>Die Zwangsarbeiter, Russen, Franzosen und Polen wurden in<br \/>\nLagern untergebracht.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswert in diesem Zusammenhang, vor allem im Hinblick auf<br \/>\nden sp\u00e4teren Luftkrieg, ist die beachtliche Industrie in dieser Zeit. Eine<br \/>\nbedeutende Rolle spielten die Honsel-Werke \/ Leichtmetallwerke.<\/p>\n<p>Schon in den Jahren vor der Mobilmachung war die Umstellung von<br \/>\nFriedenserzeugnissen auf R\u00fcstungsindustrie eingeleitet worden. Die<br \/>\nHonsel-Werke konnten sich dadurch ungeheuer vergr\u00f6\u00dfern und erlang-<br \/>\nten f\u00fcr die R\u00fcstung zunehmende Bedeutung. Die normale Besch\u00e4ftig-<br \/>\ntenzahl steigerte sich in den letzten Kriegsmonaten auf 3.500 &#8230;<\/p>\n<p>2400 Ausl\u00e4nder sollen zeitweise im Lager der Honsel-Werke gelebt<br \/>\nhaben (S. 2 &#8211; 4).<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die Lebensbedingungen waren unmenschlich:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Als Zwangsarbeiter mussten sie das Rad der gigantischen Hitler-<br \/>\nschen R\u00fcstungsindustrie mit in Schwung halten, in Zechen und Gie-<br \/>\n\u00dfereien, auf Bauernh\u00f6fen und in Hydrierwerken schuften. Oft unter<br \/>\nmenschenunw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden, schamlos ausgenutzt, eingepfercht<br \/>\nin Lagerbaracken. Tausende waren den unmenschlichen Belastungen<br \/>\nnicht gewachsen, sahen ihre Heimat nie wieder. Da z. B. die Lebens-<br \/>\nmittelzuteilungen an die ausl\u00e4ndischen Arbeiter meist weit unter denen<br \/>\nder deutschen Bev\u00f6lkerung lagen, erreichte die Sterblichkeitsziffer unter<br \/>\nden Ostarbeitern eine erschreckende H\u00f6he (S. 8 )<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich h\u00f6re an dieser Stelle auf zu zitieren.<\/p>\n<p><strong>Sollte jemand weitere \u00fcber die Informationen in der Brosch\u00fcre hinausgehende glaubw\u00fcrdige Berichte kennen, w\u00e4re ich f\u00fcr einen Hinweis dankbar.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der katholischen Pfarrkirche des kleinen Ortes Eversberg im Hochsauerland bin ich vor ein paar Tagen auf die Geschichte der Zwangsarbeiter in Meschede gesto\u00dfen (siehe hier). \u00dcble Geschichten von Mord &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/marodierende-russische-zwangsarbeiter-ein-wenig-vorgeschichte\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e&#8222;Marodierende russische Zwangsarbeiter&#8220; &#8211; ein wenig Vorgeschichte.\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[319,80],"tags":[584,485,264,585],"class_list":["post-3646","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-lokales","tag-eversberg","tag-honsel","tag-meschede","tag-zwangsarbeiter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}