{"id":35531,"date":"2016-05-29T21:17:45","date_gmt":"2016-05-29T20:17:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=35531"},"modified":"2016-05-29T21:32:54","modified_gmt":"2016-05-29T20:32:54","slug":"lebenszeichen-wieder-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/lebenszeichen-wieder-da\/","title":{"rendered":"Lebenszeichen  &#8211; wieder da &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_35532\" aria-describedby=\"caption-attachment-35532\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-35532\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Radtour20160501.jpg\" alt=\"Der Herkules von Gelsenkirchen im Nordsternpark. (foto: zoom)\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Radtour20160501.jpg 700w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Radtour20160501-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-35532\" class=\"wp-caption-text\">Der Herkules von Gelsenkirchen[1] im Nordsternpark. (foto: zoom)<\/figcaption><\/figure><strong>Meine Radtour durch das Ruhrgebiet ist beendet. Zwei Mal \u00fcbernachten, drei Tage Rad fahren. Es hat sich gelohnt.<\/strong><\/p>\n<p>Der gro\u00dffl\u00e4chige und dabei kleinteilige urbane Raum zwischen Dortmund und Dinslaken \u00fcberrascht mich stets mit seinen unendlich scheinenden Sub-R\u00e4umen. <\/p>\n<p>Nichts ist, wie es bei der vorherigen Reise war und alles \u00e4ndert sich fortw\u00e4hrend im Verlauf der aktuellen Tour.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnfl\u00e4chen, Industriebrachen, Stadtareale, Wasserwege, Siedlungen, Schienenwege, Stahlwerksruinen und lebende, feuerspeiende Schornsteine. Ein modernes Filmstudio in einem heruntergekommenen Gewerbegebiet, ein Kran, der mit seinen Klauen rostigen Metallschrott auf einen Kahn im Grimberg Hafen l\u00e4dt. <\/p>\n<p>Dazwischen die vielen Menschen, die zwar alle m\u00f6glichen R\u00e4ume einnehmen und sich dennoch nicht im Wege stehen. <\/p>\n<p>Unsympathen mit Kampfhunden, nette Rentner, die mich in Gespr\u00e4che verwickeln. Dazu seien allein die Radfahrer auf der Erzbergbahntrasse Richtung Jahrhunderhalle genannt: Rennradler, Fat-Tire Biker, Elektro-Fuzzis, Mountainbiker, Tourenfahrr\u00e4der, Tandems. <\/p>\n<p>Dazwischen die Jogger, Walker und Hund-Gassi-F\u00fchrerInnen.<\/p>\n<p>&#8222;Geht es da zur Jahrhunderthalle?&#8220;, frage ich den \u00e4lteren Mann auf der Bank an der Radwegkreuzung. Er schaukelt den Kinderwagen. Seine Enkelin, wird er mir gleich verraten.<\/p>\n<p>Jetzt aber er mit Nachdruck: &#8222;Guten Morgen!&#8220; Ich war offensichtlich zu schnell und unmittelbar mit meiner Frage gewesen. &#8222;Guten Morgen!&#8220; sage ich nachholend und l\u00e4chele.<\/p>\n<p>74 Jahre sei er und froh, dass er hier auf der Bank sitze, aber er m\u00fcsse weinen, wenn er die vielen Radfahrer vorbeifahren sehe, gerade jetzt am langen Wochenende.<\/p>\n<p>Ja, das sei der Weg zur Jahrhunderthalle. Den kenne er sehr gut, Geradeaus &#8211; das ist eine Sackgasse. Da k\u00e4me ich nicht weit.<\/p>\n<p>Nichtraucher sei er Zeit seines Lebens gewesen, jeden Tag geschwommen und mit dem Rad gefahren. Vor 16 Jahren w\u00e4re er kerngesund zum Einkaufen gefahren und &#8230; Bumm! Vom Rad gefallen, Splitterbruch des Beins, Koma, lange Reha.<\/p>\n<p>Schwerer Herzinfarkt h\u00e4tten die \u00c4rzte im Essener(?) Klinikum gesagt. Ein Wunder, dass er durchgekommen w\u00e4re. Auf die Operation seien sie stolz, sage heute noch der Kardiologe beim halbj\u00e4hrlichen Check-Up.<\/p>\n<p>Ich stehe mit meinem Rad vor der Bank, l\u00e4chele dem alten Mann aufmunternd zu und rechne: 74-16 = ?<\/p>\n<p>Ja, Schei\u00dfe.<\/p>\n<p>Au Mann, sage ich, au Mann oh Mann, bedanke mich, w\u00fcnsche einen Guten Tag und &#8230;<\/p>\n<p>Radele Richtung Jahrhunderthalle, jeder Meter ein St\u00fcck gewonnenes Leben.<\/p>\n<p>An der Gabelung zwischen Bochum und Essen steht eine Trinkhalle. Dort sitzen die Rentner und trinken Fiege Bier, die E-Bikes nahebei geparkt.<\/p>\n<p>Ich esse ein Magnum Eis, Mandel.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfvater kommt mit seiner kleinen Enkelin zu meiner Bank im Schatten geradelt.&nbsp; &#8222;Komm, da ist noch Platz!&#8220; Ich r\u00fccke einladend weiter nach rechts.<\/p>\n<p>Die Enkelin nimmt den Helm ab, der Gro\u00dfvater fuckelt, die Enkelin hilft. Der Verschluss geht nicht auf. Der Gro\u00dfvater ist nerv\u00f6s. Er sieht mich kurz an und sagt zu dem kleinen M\u00e4dchen: &#8222;Da muss ein Profi ran!&#8220; Er l\u00e4chelt mich an und reckt mir das Kinn entgegen.<\/p>\n<p>&#8222;Klar doch, sage ich. Die Dinger machen immer \u00c4rger,&#8220; und zippzapp habe ich den Verschluss des nagelneuen Helms ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>&#8222;Sie verstehen&#8220;, zwinkert mir der Opa zu, &#8222;wenn ich mit IHR fahre, muss ich einen Helm aufsetzen.&#8220;&nbsp; <\/p>\n<p>Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p><em>[1] https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herkules_von_Gelsenkirchen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Radtour durch das Ruhrgebiet ist beendet. Zwei Mal \u00fcbernachten, drei Tage Rad fahren. Es hat sich gelohnt. 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