{"id":35349,"date":"2016-05-05T21:04:01","date_gmt":"2016-05-05T20:04:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=35349"},"modified":"2016-05-05T21:09:36","modified_gmt":"2016-05-05T20:09:36","slug":"entspannt-leben-trotz-digitaler-hysterie-interview-mit-georg-milzner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/entspannt-leben-trotz-digitaler-hysterie-interview-mit-georg-milzner\/","title":{"rendered":"Entspannt leben trotz digitaler Hysterie &#8211; Interview mit Georg Milzner"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_35350\" aria-describedby=\"caption-attachment-35350\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-35350\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/GeorgMilzner20160505.jpg\" alt=\"Buchautor Georg Milzner: Bitte keine digitale Hysterie. (foto: detlef traebert)\" width=\"222\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/GeorgMilzner20160505.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/GeorgMilzner20160505-205x300.jpg 205w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 85vw, 222px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-35350\" class=\"wp-caption-text\">Buchautor Georg Milzner: Bitte keine digitale Hysterie. (foto: detlef traebert)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das Interview mit Georg Milzner wurde anl\u00e4sslich der didacta 2016 gef\u00fchrt. Wie die <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/warum-computer-unsere-kinder-weder-dumm-noch-krank-machen-eine-rezension\/\" target=\"_blank\">Rezension des Buchs<\/a> ist es bereits in der Mai-Ausgabe <\/strong><strong>von &#8222;Humane Schule&#8220; erschienen. Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber.<\/strong><\/p>\n<p>Das Interview geh\u00f6rt mit zur unten ver\u00f6ffentlichten Rezension. Einfach Scrollen oder <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/warum-computer-unsere-kinder-weder-dumm-noch-krank-machen-eine-rezension\/\" target=\"_blank\">hier klicken<\/a>.<\/p>\n<p><em>(GM = Georg Milzner, DT = Detlef Tr\u00e4bert)<\/em><\/p>\n<p><em>DT: Herr Milzner, Ihr Buch \u201eDigitale Hysterie\u201c erkl\u00e4rt, warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen. Ist das eine Reaktion auf die Ver\u00f6ffentlichungen von Prof. Manfred Spitzer?<\/em><\/p>\n<p>GM: Da in der heutigen Zeit die Tendenz besteht, Dinge in Ecken zu stellen, besteht schon die Gefahr, als Anti-Spitzer wahrgenom-men zu werden. Aber das ist nicht meine Ab-sicht. Ich finde nur, dass Spitzer eine generell ablehnende Position repr\u00e4sentiert, die sich we-nig mit dem auseinandergesetzt hat, was die Heranwachsenden so faszinierend finden.<\/p>\n<p><em>DT: Spitzer hat die psychologische Ebene gar nicht ber\u00fchrt. Er argumentiert nur als Hirnforscher und technologisch.<\/em><\/p>\n<p>GM: Er argumentiert, man k\u00f6nne naturwissenschaftlich belegen, dass die Digitalisierung nur schadet. Das w\u00e4re das erste Mal in der Evo-lution, dass eine Sache ausschlie\u00dflich schadet. Er l\u00e4sst au\u00dfer Acht, dass wir zweifellos Dinge verlieren w\u00fcrden, wenn wir nur noch digital unterwegs w\u00e4ren, wie das bei jeder Kompetenzausbildung ist, wenn man andere Dinge daf\u00fcr vernachl\u00e4ssigt. Aber von einem Intelligenz-verlust kann man nicht sprechen, denn die Intelligenz der Gamer ver-lagert sich ja nur und verschwindet nicht. Spitzer negiert v\u00f6llig, dass die ganze Hirnforschung und ihre bildgebenden Verfahren ohne Digitali-sierung \u00fcberhaupt nicht funktionieren k\u00f6nnten. Insofern hat das ein bisschen was davon, als ob man eine Anti-Alkohol-Veranstaltung mit Freibier aufwertet.<\/p>\n<p><em>DT: Was hat Sie neben Spitzer eigentlich dazu gebracht, \u201eDigitale Hysterie\u201c zu schreiben. Waren es Ihre Kinder?<\/em><\/p>\n<p>GM: Genau die! Meine Kinder liegen altersm\u00e4\u00dfig ungef\u00e4hr ein Jahrzehnt auseinander. Bei den Gr\u00f6\u00dferen, die jetzt zu studieren begonnen haben, war das noch eine eher zur\u00fcckhaltend gef\u00fchrte Diskussion. Der Kleinere, der jetzt elf ist, der wurde mitten in diese hysterisierte Debatte und gleichzeitig in faszinierende neue R\u00e4ume hinein geboren.<\/p>\n<p>Als Bewusstseinsforscher bin ich gewohnt, nichts zu kritisieren, was ich nicht vorher ausprobiert habe. Also wollte ich Computerspiele lernen. Das war zun\u00e4chst sehr frustrierend. Man ist auf seinen Gebieten ganz gut, hat seine neuronalen Auslesen zu Kompetenzen entwickelt. Aber wenn wir jetzt da beginnen, wo die Zehn-, Elfj\u00e4hrigen anfangen, dann m\u00fcssen wir feststellen, dass die das viel besser k\u00f6nnen als wir. Das f\u00fchlt sich f\u00fcr einen Erwachsenen gar nicht toll an. Das Kind hat rasend schnell die Tastenkombination raus, mit der man eine Figur weiterbewegt, w\u00e4hrend wir dabei herumkrampfen, als w\u00fcrden wir ganz neu Klavier spielen lernen. Wenn man aber durch diese Phase durch ist, stellt man fest, dass man da ein Beziehungsangebot gemacht hat, das super gerne angenommen wird. Und jetzt kann man anfangen, Erfahrungen zu teilen. Das war meine zweite Motivation, dieses Buch zu schreiben. Ich hatte den Eindruck, da tut sich ein Graben zwischen der \u00e4lteren Generation und der der Heranwachsenden auf, der immer breiter wird. Wenn die \u00c4lteren zu wissen glauben, dass alles schlecht ist, verhindern sie Kommunikation.<\/p>\n<p><em>DT: Im Begleittext habe ich den Begriff \u201eRatgeber\u201c gelesen. Aber ihr Buch liest sich gar nicht so.<\/em><\/p>\n<p>GM: Der Verlag hat es wohl eher zwischen Ratgeber und Debattenbuch positioniert. Es hat durchaus einen Ratgeberanteil, der nur nicht so technisch zu verstehen ist. Es versucht eher, eine Haltung zu kultivie-ren und zum Nachdenken und Verstehen einzuladen. Dann entwickelt sich n\u00e4mlich eine Haltung der Auseinandersetzung, die sich von blo\u00df technisch orientierten Kniffen \u00e1 la \u201eIch muss mich mal f\u00fcnf Minuten mit dem besch\u00e4ftigen, was mein Kind tut\u201c, weit entfernt, daf\u00fcr aber auch weiter reicht.<\/p>\n<p><em>DT: Was mir auffiel, war, dass Schule in Ihrem Buch kaum vorkommt. Ist das Absicht?<\/em><\/p>\n<p>GM: Ja, genau. Die Schulen haben ja sehr unterschiedliche Praktiken. Die Spanne reicht von jenen, die Smartphones verbieten, bis zu denen, die sich von Apple sponsern lassen und allen Kindern ein iPad in die Hand dr\u00fccken. Im Moment ist die Gratwanderung zwischen dem Vermeiden fr\u00fcher Kundenbindung einerseits und andererseits dem Bem\u00fchen, den Anschluss nicht zu verpassen, sehr schwierig. Und dann m\u00fcsste man auch von den Altersstufen sprechen. Die Fr\u00fch-p\u00e4dagogik ist mir im Moment viel zu verkopft, und bei den Grund-sch\u00fclern braucht man in den ersten zwei Klassen auch nicht viel Elektronik. Da sind mir die reformp\u00e4dagogischen Ans\u00e4tze lieber.<\/p>\n<p><em>DT: Haben Sie eigentlich bereits Pl\u00e4ne f\u00fcr ein n\u00e4chstes Buch?<\/em><\/p>\n<p>GM: Ein \u201ePlan\u201c, das w\u00e4re zu viel gesagt. Ich bin dabei weiterzuent-wickeln, was wir an mentalen Kompetenzen brauchen, um die Digitali-sierung m\u00f6glichst gut mit uns geschehen zu lassen. Das w\u00e4re im Grunde ein Buch, das an die \u201eDigitale Hysterie\u201c ankn\u00fcpft, aber sich nicht mehr so sehr auf die Kinder bezieht, sondern auf alle. Es geht mir darum, deutlich zu machen, dass Selbstkompetenz wichtiger als Medienkompetenz ist.<\/p>\n<p><em>DT: Sie arbeiten neben dem Schreiben auch mit Patienten. Haben Sie sich da eine feste Zeiteinteilung f\u00fcr die verschiedenen Arbeitsbereiche gegeben?<\/em><\/p>\n<p>GM: Ich habe zwei Felder, wo ich mit Patienten arbeite, n\u00e4mlich meine eigene Praxis in M\u00fcnster und das Institut f\u00fcr Hypnotherapie in D\u00fcssel-dorf. Seit einigen Jahren habe ich mein Arbeitsfeld gedrittelt: ein Drittel Therapie, ein Drittel Weiter- und Ausbildungst\u00e4tigkeit sowie ein Drittel Publizistik. Das passt eigentlich ganz gut. Meine Freiheitsgrade sind immer gro\u00df genug, um ein Projekt eine Weile weiterverfolgen oder mal einen Tag opfern zu k\u00f6nnen, um nur Interviews zu geben oder Radio-diskussionen mitzumachen. Das geht ab und zu.<\/p>\n<p><em>DT: Also gut organisierte Vielfalt? Das klingt nicht nach Langeweile.<\/em><\/p>\n<p>GM: Nein, langweilig wird es nicht. Es muss schlie\u00dflich immer genug Zeit bleiben, die Liebsten auch noch wahrzunehmen. Familie ist ein sehr wichtiger Punkt, denn das prim\u00e4re Lebensgef\u00fchl wird immer von den wichtigsten Personen mitbestimmt. \u00dcber Au\u00dfenerfolge freut man sich zwar, aber das kann in keiner Weise diese Tiefe famili\u00e4rer Beziehungen ersetzen.<\/p>\n<p><em>DT: Herr Milzner, herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Interview mit Georg Milzner wurde anl\u00e4sslich der didacta 2016 gef\u00fchrt. Wie die Rezension des Buchs ist es bereits in der Mai-Ausgabe von &#8222;Humane Schule&#8220; erschienen. 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