{"id":34879,"date":"2016-03-03T21:32:01","date_gmt":"2016-03-03T20:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=34879"},"modified":"2020-10-03T11:26:28","modified_gmt":"2020-10-03T10:26:28","slug":"wetter-und-klima-rueckblick-und-ausblick-unvergessene-winterimpressionen-aus-damaliger-zeit-und-der-heutige-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wetter-und-klima-rueckblick-und-ausblick-unvergessene-winterimpressionen-aus-damaliger-zeit-und-der-heutige-klimawandel\/","title":{"rendered":"Wetter und Klima &#8211; R\u00fcckblick und Ausblick: Unvergessene Winterimpressionen aus damaliger Zeit und der heutige Klimawandel."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_34618\" aria-describedby=\"caption-attachment-34618\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-34618 size-full\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/WinterbergSkigebiet2016013001.jpg\" alt=\"Die Klimaver\u00e4nderung geht immer schneller vor sich; und auch die 2 Grad-Marke ist f\u00fcr sich genommen schon ein extremer Wert, der Hitze- und D\u00fcrreperioden, Orkane, \u00dcberschwemmungen und Sturzfluten immer katastrophalere Ausma\u00dfe annehmen l\u00e4\u00dft. \" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/WinterbergSkigebiet2016013001.jpg 700w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/WinterbergSkigebiet2016013001-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-34618\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Die Klimaver\u00e4nderung geht immer schneller vor sich; und auch die 2 Grad-Marke ist f\u00fcr sich genommen schon ein extremer Wert, der Hitze- und D\u00fcrreperioden, Orkane, \u00dcberschwemmungen und Sturzfluten immer katastrophalere Ausma\u00dfe annehmen l\u00e4\u00dft.&#8220; Winterberg im Januar 2016. (foto: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Bevor wir uns mit der kalten Jahreszeit der letzten Jahrzehnte besch\u00e4ftigen, m\u00f6chte ich im Folgenden einmal kurz auf den soeben zu Ende gegangenen Winter 2015\/16 hier in NRW eingehen und die wichtigsten Daten pr\u00e4sentieren, auch um zu verdeutlichen, wie sich durch den menschengemachten Klimawandel Frost, Schnee und Eis auf dem R\u00fcckzug befinden.<\/strong><\/p>\n<p>Ferner soll bei dieser Gelegenheit das Ergebnis der Klimakonferenz in Paris vom vergangenen Dezember einer Beurteilung unterzogen werden.<\/p>\n<p>Um mit der Konferenz in der franz\u00f6sischen Hauptstadt zu beginnen: Das Ergebnis wurde euphorisch als gro\u00dfer Durchbruch gefeiert. Aber war es wirklich ein Erfolg?<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach nur ein scheinbarer. Denn obwohl sich alle Staaten dazu verpflichtet hatten, den Klimaschutz nach vorne zu bringen, drohen bei Nichteinhaltung des Vertrags keine Konsequenzen in Form von Strafen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem werden die nationalen Klimaziele weiterhin von den einzelnen Staaten selbst festgelegt. Auch Moritz Lehmk\u00fchl, der Gr\u00fcnder von Climatepartner(f\u00fchrender Anbieter f\u00fcr Business-L\u00f6sungen im Klimaschutz), kritisiert an dem Abkommen, da\u00df keine verbindlichen Ma\u00dfnahmen definiert wurden, durch die das Ziel einer klimaneutralen Weltwirtschaft erreicht werden soll. Er ist zwar trotz z. T. berechtigter Kritik \u00fcberzeugt, da\u00df die Vereinbarung von Paris das Beste ist, was f\u00fcr das Weltklima seit der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls 1997 getan wurde.<\/p>\n<p>Dennoch: Umsetzungs- und Kontrollmechanismen fehlen. Statt verbindlicher Verpflichtungen enthalte das Abkommen eher Aufforderungen und Empfehlungen. Sieht man es einmal ganz n\u00fcchtern, dann handelt es sich doch wieder nur um die ber\u00fchmten Absichtserkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Die bittere Erkenntnis lehrt aber, da\u00df freiwillige Vereinbarungen, &#8211; wo auch immer \u2013 noch nie gefruchtet haben. Also kein Grund, von einem historischen Ereignis zu sprechen. Der \u00f6konomisch motivierte Egoismus beherrscht nach wie vor das Denken der Staatengemeinschaft. Dies ist der Grund daf\u00fcr, da\u00df die Staatschefs aller L\u00e4nder ihre Verantwortung f\u00fcr ein Leben erhaltendes Klima noch immer l\u00e4ngst nicht ausreichend wahrnehmen.<\/p>\n<p>Wie lange ert\u00f6nt beispielsweise schon der ber\u00fchmte, zum entschlossenen Handeln mahnende Spruch \u201eEs ist f\u00fcnf vor zw\u00f6lf \u2013 oder gar zehn nach zw\u00f6lf?\u201c Seit nahezu 30 Jahren.<\/p>\n<p>Doch die Zeit ist weitergegangen. Weder Deutschland noch ein anderes EU-Land hat wirklich einen Grund sich seiner umwelt- und klimapolitischen Taten zu r\u00fchmen. Um bei unserer Regierung anzusetzen:<\/p>\n<p>Frau Merkels F\u00e4higkeiten wurden schon immer ma\u00dflos \u00fcbersch\u00e4tzt, sei es als ehemalige Umweltministerin oder erst recht in ihrer \u00fcber zehnj\u00e4hrigen Amtszeit als Bundeskanzlerin. Das Problem ist, da\u00df es ihrer schwarz-roten Regierung an dem unbedingten Willen und an Courage fehlt, die erforderlichen Ma\u00dfnahmen durchzusetzen, um den Klimaschutz hierzulande zu einem Erfolg werden zu lassen. Zu eng ist die Verflechtung mit den Lobbyverb\u00e4nden aus der Wirtschaft, die hierzulande die Richtlinien der Politik ma\u00dfgeblich bestimmen.<\/p>\n<p>Die einzige und letzte Chance aus diesem Dilemma herauszukommen, sehe ich in einem Dreierb\u00fcndnis mit einer v\u00f6llig neu aufgestellten SPD zusammen mit Gr\u00fcnen und Linkspartei. Nur von einer solchen Koalition k\u00f6nnte erwartet werden, da\u00df sie den Kampf gegen eine \u00fcberm\u00e4chtige Industrielobby entschlossen aufnimmt und deren Einflu\u00dfnahme auf die Politik zur\u00fcckdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Fest steht f\u00fcr mich, da\u00df das viel beschworene 2- oder gar 1,5 Grad Ziel aus heutiger Sicht nur noch sehr schwer \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 zu erreichen ist. Dazu m\u00fc\u00dften weltweit alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, und zwar sofort.<\/p>\n<p>Die Klimaver\u00e4nderung geht immer schneller vor sich; und auch die 2 Grad-Marke ist f\u00fcr sich genommen schon ein extremer Wert, der Hitze- und D\u00fcrreperioden, Orkane, \u00dcberschwemmungen und Sturzfluten immer katastrophalere Ausma\u00dfe annehmen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Diese sehr beunruhigende Tatsache veranlasste den Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif dazu, den in Paris am Verhandlungstisch sitzenden Regierungschefs und Ministern zu bescheinigen, sie w\u00fc\u00dften in Anbetracht des verbal reichlich strapazierten 2-Grad-Ziels nicht, wor\u00fcber sie \u00fcberhaupt reden.<\/p>\n<p>Zum Winter 2015\/16: Dieser war \u2013 wie viele seiner Vorg\u00e4nger \u2013 deutlich zu warm, erneut ein untr\u00fcgliches Zeichen f\u00fcr den Klimawandel. Die Durchschnittstemperatur der Wintermonate lag nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes 3,5 Grad(!) \u00fcber dem vielj\u00e4hrigen Mittel. Damit geh\u00f6rt der Winter 2015\/16 zu den 5 mildesten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1881, sagte Gerhard Lux vom DWD.<\/p>\n<p>Rekordhalter ist der Winter 2006\/2007, der um 4,4 Grad zu warm ausfiel. Der Dezember 2015 lag satte 5,6 Grad(!) \u00fcber dem Normalwert. So warm war kein Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur in Deutschland lag mit 3,6 Grad C um 3,4 Grad \u00fcber der international g\u00fcltigen Referenzperiode bzw. Normalperiode 1961 \u2013 1990; im Vergleich zum Zeitraum 1981 \u2013 2010 war die Abweichung mit 2,7 Grad nur unwesentlich geringer.<\/p>\n<p>Bei uns in NRW pr\u00e4sentierte sich der Winter 2015\/2016 mit 5,0 Grad C (1,7\u00b0) als das w\u00e4rmste und mit gut 235 l\/m\u00b2 (223 l\/m\u00b2) als ein eher nasses Bundesland. Dar\u00fcber geh\u00f6rte es mit ann\u00e4hernd 190 Stunden (151 Stunden) zu den sonnenscheinreichen Regionen. In Duisburg-Baerl wurden im Winter 2015\/16 nur 16 Frosttage gez\u00e4hlt. Der Dezember blieb in zahlreichen Orten, wie K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf und M\u00fcnster praktisch frostfrei.<\/p>\n<p>Nun aber zu der kalten Jahreszeit fr\u00fcherer Jahrzehnte, in deren Verlauf ich das Wettergeschehen bereits als Kind ziemlich genau unter die Lupe genommen hatte.<\/p>\n<p>Obwohl der meteorologische Winter erst Anfang Dezember beginnt (1.12.), zeigte sich schon der Herbstmonat November h\u00e4ufig von seiner winterlichen Seite. So wurden z. B. in der 2. Novemberh\u00e4lfte des Jahres 1985 in Altenstadt (Bayern) Temperaturen von nahezu minus 25 Grad(!) gemessen; dazu auch noch reichlich Schnee. Genauso kalt war es in Teilen Bayerns Ende November 1973.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner Kindheit und auch noch viel sp\u00e4ter trug man wie selbstverst\u00e4ndlich im Oktober warme Strickjacken und Strickpullover. Und erst recht galt dies f\u00fcr den November, wo die Leute eigentlich nur mit Wintermantel unterwegs waren.<\/p>\n<p>Im Herbst letzten Jahres machte der bayerische \u201eWetterprophet\u201c Sepp Haslinger aus Benediktbeuern (S\u00fcdbayern) wieder einmal von sich reden. Er sagte f\u00fcr 2015\/16 einen grimmigen Winter voraus. Am Bl\u00fctenstand der kleinen K\u00f6nigskerze ist seiner Meinung nach zu erkennen, wie der kommende Winter wird. Er hatte schon jenen von 2014\/2015 am Verhalten der Bl\u00fcte richtig prognostiziert, wenn dieser auch nicht so mild ausgefallen war, wie der vorhergehende. Nur diesmal erlag Haslinger einem Irrtum.<\/p>\n<p>Ebenfalls grimmige Verh\u00e4ltnisse prophezeiten manche Ornithologen, die ihre Vorhersage mit dem gut 3 Wochen fr\u00fcher einsetzenden Wegzug der Zwergschw\u00e4ne aus der n\u00f6rdlichen Tundra in die Winterquartiere begr\u00fcndeten. Von Meteorologen und Klimaforschern war wiederum zu h\u00f6ren, da\u00df wir uns \u2013 gest\u00fctzt auf langj\u00e4hrige Beobachtungen bzw. Me\u00dfreihen \u2013 erneut auf einen insgesamt milden Winter einstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nun ist es laut der Alpenschutzkommission CIPRA und des Deutschen Alpenvereins (DAV) offiziell: 2015 war noch einmal 0,16 Grad C w\u00e4rmer als das bisherige Rekordjahr 2014.<\/p>\n<p>Grund sind das Klimaph\u00e4nomen El Nino und der Klimawandel. Millionen Afrikaner hungern.<\/p>\n<p>Wir Europ\u00e4er leisten uns dagegen eine gigantische Verschwendung von Energie und Rohstoffen. Hier die Zahlen: 38.000 Schneekanonen stehen heute in den Alpen. Sie brauchen so viel Energie wie eine 130.000-Einwohner-Stadt und so viel Wasser wie eine Millionen-Metropole. Auch wenn es immer mehr werden: Die Schneesicherheit sinkt. In den Bayerischen Alpen wird es bis Mitte des Jahrhunderts wohl nur noch 3 verl\u00e4ssliche Skigebiete geben. Und wer hier im Sauerland trotz solcher Aussichten immer noch von \u201eklimagerechter Beschneiung\u201c faselt, ist und bleibt ein Traumt\u00e4nzer. Das hat keinerlei Bezug zur Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Ich habe die kalte Jahreszeit \u2013 wie viele meiner Altersgenossen \u2013 noch ganz anders in Erinnerung. Neben milden Wintern oder gar solchen mit sehr wenig oder gar keinem Schnee (z. B. 1964), die insgesamt jedoch ziemlich rar ges\u00e4t waren, gab es wiederholt l\u00e4ngere Frostperioden mit Temperaturen z. T. weit unter minus 10 Grad. Diese wurden oft nicht von deutlich milderer Atlantikluft abgel\u00f6st, sondern durch aufkommende Schneef\u00e4lle lediglich unterbrochen. Sodann nahm der Frost abermals an Sch\u00e4rfe zu.<\/p>\n<p>Die Begriffe \u201eFrostabschw\u00e4chung\u201c oder \u201eFrostmilderung\u201c waren zu damaliger Zeit regelm\u00e4\u00dfiger Bestandteil der WDR-Wetterberichte (Wetteramt Essen). Heute sind sie aus dem Vokabular der Meteorologen weitgehend verschwunden, weil es derartige Konstellationen \u2013 zumindest \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum &#8211; gar nicht mehr gibt.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise spricht man heute eher von k\u00fchlen Luftmassen. Meistens erleben wir doch nur noch einen Hauch von Winter, der mal f\u00fcr ganz wenige Tage vorbeischaut und dann schnell wieder milden bzw. sehr milden Luftmassen die Regie \u00fcberl\u00e4\u00dft. Das ist auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df die unser Wetter ma\u00dfgeblich bestimmende Westdrift st\u00e4rker geworden ist und das Westwindband sich ostw\u00e4rts verlagert hat. Diese Erkenntnis war jedenfalls eine Zeitlang Stand der Wissenschaft. Allerdings mu\u00df man damit rechnen, da\u00df sich durch den fortschreitenden Klimawandel die gro\u00dfr\u00e4umige Zirkulation erneut grundlegend \u00e4ndert und dies eine Neubewertung der Lage erforderlich macht.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher konnte man jederzeit damit rechnen, da\u00df sich der Winter kurz- oder mittelfristig zur\u00fcckmeldete.<\/p>\n<p>Beispiel 60er Jahre: Seinerzeit lagerte kontinentale Kaltluft weniger weit \u00f6stlich als heutzutage. Sie erwies sich als Bollwerk gegen die aus Westen herbeistr\u00f6menden milden atlantischen Luftmassen. Prallte nun diese mit einer Menge Feuchtigkeit angereicherte Luft auf die \u00fcber Deutschland festsitzende kontinentale Kaltluft, so kam es zu ergiebigen Schneef\u00e4llen. Anschlie\u00dfend kr\u00e4ftigte sich das \u00f6stlich positionierte K\u00e4ltehoch wieder und sorgte h\u00e4ufig f\u00fcr m\u00e4\u00dfigen bis starken Dauerfrost.<\/p>\n<p>Es bleibt also festzuhalten, da\u00df die (zunehmend ausbleibenden) Winter von heute, welche immer \u00f6fter Plusgrade im zweistelligen Bereich aufweisen, nicht mit denen von anno dazumal auf eine Stufe zu stellen sind.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahrzehnten war der morgendliche Gang zur Kirche oft m\u00fchsam; man mu\u00dfte sich durch den Schnee hindurchk\u00e4mpfen. Wenn auch nur ausnahmsweise in tieferen Regionen, so doch ganz bestimmt in den h\u00f6her gelegenen, damals per Kfz meistens schwer erreichbaren D\u00f6rfern.<\/p>\n<p>Um sich als naturverbundener Mensch an der Idylle kalter und schneereicher Winter zu erfreuen, wie sie einst h\u00e4ufig auftraten, bieten die alten Schwarz-Wei\u00df-Filme aus den f\u00fcnfziger und sechziger Jahren reichlich Gelegenheit. Man sieht dort allenthalben unverbrauchte bzw. sehr d\u00fcnn besiedelte Landschaften, \u00fcberzogen mit makelloser, wei\u00dfer Pracht, auf die kaum jemand seinen Fu\u00df, oder besser gesagt Ski gesetzt hatte.<\/p>\n<p>Das Bayerische Fernsehen sendete mal einen Film, der den Titel trug: \u201eWinter im Berchtesgadener Land\u201c. Dieser Beitrag enthielt auch h\u00f6chst eindrucksvolle Impressionen aus der Zeit vor 50 Jahren. Er zeigte tief verschneite Landschaften von den Gipfellagen bis ins Tal auf 570 m Seeh\u00f6he herab. Dazu \u00fcberall frostig kalt.<\/p>\n<p>Der Meteorologe und Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Grassl, aufgewachsen in der Ramsau (nicht nur Nationalparkgemeinde, sondern jetzt auch erstes Bergsteigerdorf in Bayern), erz\u00e4hlte einmal von den Wintern, wie er sie als junger Bub erlebt hatte. Zitat: \u201eMan war ringsherum von Schneemassen regelrecht eingemauert.\u201c<\/p>\n<p>Und heute? Schneefall oder Schneeschauer gibt es zwar noch. Aber die Schneeflocken besitzen wegen zu hoher Temperaturen in den allermeisten F\u00e4llen einen so hohen Wassergehalt, da\u00df sie in ihrer Dimension fast die Gr\u00f6\u00dfe von Bettlaken annehmen, ereiferte sich mal ein Bekannter von mir. In der Tat verh\u00e4lt es sich so: Massive, geh\u00e4uft auftretende Schneef\u00e4lle, entladen ihre Fracht \u2013 zumal in den Niederungen \u2013 meistens nur noch in Form von Na\u00dfschnee, der fragile Geb\u00e4ude und Kunstw\u00e4lder einst\u00fcrzen l\u00e4\u00dft, also ganz neue Gefahren mit sich bringt. Eine Beobachtung, die man weltweit machen kann.<\/p>\n<p>Gegen Ende des Winterhalbjahres 2012\/2013 wurde in der Presse dar\u00fcber berichtet, da\u00df einige Skigebiete nicht mehr so schneesicher sind wie vor 40 Jahren.<\/p>\n<p>Im Berchtesgadener Land etwa sind die negativen Folgen des Klimawandels f\u00fcr den Wintertourismus am deutlichsten sp\u00fcrbar. Die Zahl der f\u00fcr den Skibetrieb so wichtigen Tage mit ausreichender Schneeh\u00f6he ging seit 1970 im Mittel von damals rund 110 auf 77 pro Jahr zur\u00fcck. Im Skigebiet Tegernsee-Schliersee beobachtet der DWD heute im Durchschnitt nur noch 103 Tage mit 30 cm Schneeh\u00f6he \u2013 1970 waren es noch 118. Die Zugspitzregion mu\u00df einen R\u00fcckgang von 111 auf 102 Tage pro Jahr verkraften. In den \u00fcbrigen Skigebieten konnte der DWD noch keine auff\u00e4lligen Ver\u00e4nderungen feststellen (Stand Februar 2013).<\/p>\n<p>Die Klimaforscher des nationalen Wetterdienstes gehen allerdings davon aus, da\u00df sich diese Trends in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen und dann weitere deutsche Wintertourismusregionen betroffen sein d\u00fcrften. Aber schon die Winter nach 2012\/13 haben gezeigt, da\u00df die Klimaerw\u00e4rmung mit all ihren negativen Auswirkungen f\u00fcr den Wintersport schneller vor sich geht als mancher Experte sich das vorgestellt hat.<\/p>\n<p>Noch bis weit in die 80er Jahre hinein gab es auch um die Karnevalszeit Mitte Februar h\u00e4ufig Kaltlufteinbr\u00fcche, so da\u00df die Narren bei den Umz\u00fcgen auf ihren Wagen zweistelligen Minusgraden zu trotzen hatten. Und am Faschingsdienstag bibberten die Weiber auf dem M\u00fcnchner Viktualienmarkt bei nahe \u2013 20 Grad und schunkelten sich bei Grog und Gl\u00fchwein warm. Doch das ist Vergangenheit. Fr\u00fcher galt der Februar als klassischer Schneemonat. Oft zeichnete er sich durch Schneereichtum aber auch strenge Fr\u00f6ste aus.<\/p>\n<p>Von tief verschneiten Landschaften kann gegenw\u00e4rtig nur noch selten gesprochen werden. Selbst am Gro\u00dfen Arber im Bayerischen Wald (1.456 m) betrug die maximale Schneeh\u00f6he lange Zeit nicht mehr als 85 cm, nur kurzzeitig mal etwas \u00fcber 1 m, gemessen im Monat Februar.<\/p>\n<p>Am 2. April 1944 wurde auf Deutschlands h\u00f6chstem Berg, der Zugspitze (2.968 m) die Rekordschneeh\u00f6he von 8,30 m gemessen. Und im Jahre 1977 kamen auch noch beachtliche 7 m und dar\u00fcber zusammen. Solche Schneemengen wurden seitdem nicht mehr ann\u00e4hernd erreicht. 4 bis 5 m sind aber nach wie vor m\u00f6glich. Auch in den Hochlagen des Sauerlandes gab es in fr\u00fcheren Jahrzehnten Schnee en masse. Gut im Ged\u00e4chtnis geblieben ist mir z. B. der M\u00e4rz 1970, wo auf dem Kahlen Asten an die 2 Meter von der wei\u00dfen Pracht gemessen wurden.<\/p>\n<p>Einer der strengsten Nachkriegswinter war 1962\/63. Autos fuhren \u00fcber \u201edas bayerische Meer\u201c, den Chiemsee.<\/p>\n<p>Solche Meldungen verk\u00fcnde ich nun keineswegs mit Euphorie.<\/p>\n<p>Gew\u00e4sser f\u00fcr Autofahrten freizugeben, betrachte ich als hirnlosen, un\u00fcberlegten Schwachsinn, als brutalen Eingriff in das hoch sensible nat\u00fcrliche Gef\u00fcge einer Seenlandschaft. Und das geschieht dann auch noch zur \u201estaden Zeit\u201c, wie man in Bayern und \u00d6sterreich sagt, in der alle Tiere am st\u00f6rungsanf\u00e4lligsten sind! Das Ganze taugt nur als Sensationsereignis.<\/p>\n<p>Der lange Winter 1962\/63 begann, ich erinnere mich noch sehr genau \u2013 mit dem Feiertag Bu\u00df- und Bettag Mitte November. Bei Temperaturen von minus 4 Grad C kam es zu m\u00e4\u00dfigem Dauerschneefall. Mein Elternhaus lag oberhalb des Stadtgebiets von Meschede. Um dorthin zu kommen, mu\u00dfte erst einmal der \u201eKrankenhausberg\u201c, wie die recht anspruchsvolle Steigung am St. Walburga-Krankenhaus allgemein genannt wurde, bew\u00e4ltigt werden. Per Kfz verlief das bei winterlichen Verh\u00e4ltnissen recht abenteuerlich.<\/p>\n<p>Zu jener Zeit waren \u2013 zumal auf den Nebenstrecken &#8211; kaum Fahrzeuge unterwegs. Und ehe mal R\u00e4umdienste zur Stelle waren, dauerte seine Zeit. Fing es f\u00fcr mehrere Stunden ergiebig zu schneien an, bildete sich oft im Nu eine geschlossene Schneedecke. Das vergleichsweise geringe Verkehrsaufkommen zu jener Zeit f\u00fchrte sehr rasch zu Schnee- und Eisgl\u00e4tte. Doch man passte sich den schwierigen Verh\u00e4ltnissen an. Nur ganz wenige hatten es so eilig wie heutzutage. Der Begriff R\u00fccksicht galt vielen Autofahrern noch nicht als Fremdwort.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu diesem unvergessenen Winter:<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst hie\u00df es noch mit Blick auf das bevorstehende Fest: \u201eGr\u00fcne Weihnachten sind die Regel\u201c \u2013 Wei\u00dfe Weihnachten erwarten wir nur in den Bergen.\u201c Allen Unkenrufen zum Trotz kam es anders. An Heiligabend wehte \u2013 wie bereits zuvor \u2013 ein eisiger Ostwind bei etwa \u2013 10 Grad. Und rundherum eine Winterlandschaft wie aus dem M\u00e4rchenbuch. Der Schnee knirschte unter den F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Erst Mitte M\u00e4rz, wenige Tage vor dem astronomischen Fr\u00fchlingsbeginn, setzte starkes Tauwetter ein. Der Wechsel vollzog sich quasi von heute auf morgen. Ein W\u00e4rmeeinbruch mit 20 Grad C und die Kraft der Sonne machten es m\u00f6glich, da\u00df die vorhandene Schneedecke binnen kurzer Zeit aufgezehrt wurde. Einen derart abrupten \u00dcbergang zu fr\u00fchlingshaften Verh\u00e4ltnissen kennt man sonst nur von Gegenden, in denen kontinentales Klima herrscht.<\/p>\n<p>Noch strengere Winter als 1962\/63 oder auch 1984\/85 (einer der h\u00e4rtesten in Skandinavien \u2013 hierzulande begann er nach einem noch milden Dezember Anfang Januar, wobei die Temperaturen selbst im Rheinland auch tags\u00fcber unter dem Gefrierpunkt blieben) traten w\u00e4hrend des Krieges in den 40er Jahren auf. Darunter befand sich einer mit dem bislang nie wieder erreichten Januarmittel von minus 7,5 Grad C (!).<\/p>\n<p>Heute dagegen haben wir es immer \u00f6fter mit au\u00dfergew\u00f6hnlich milden Wetterlagen zu tun. So lag 4 Tage vor Weihnachten 2015 selbst auf 1.000 m Seeh\u00f6he kein Fleckchen Schnee. Und sogar auf 1.500 \u2013 1.700 m H\u00f6he waren zum kalendarischen Winteranfang (21.12.) nur Schneeflecken vorhanden. Das ist schon sehr extrem und ein weiterer Hinweis, da\u00df sich unser Klima in eine Richtung mit immer mehr W\u00e4rmerekorden und immer weniger K\u00e4lterekorden ver\u00e4ndert \u2013 was nat\u00fcrlich auch eventuelle zuk\u00fcnftige kalte Winter nicht ausschlie\u00dft, aber eben immer seltener macht.<\/p>\n<p>Nun ist die pers\u00f6nliche Erinnerung der Menschen und das, was objektiv von Wetterstationen gemessen wurde, nicht immer \u00fcbereinstimmend. Da mu\u00df man schon, &#8211; wie unsereiner es seit Jahrzehnten tut \u2013 sehr aufmerksam beobachten. Zweifellos ver\u00e4ndert sich etwas beim Wettergeschehen. Vieles deutet darauf hin, da\u00df der R\u00fcckgang des arktischen Eises massive Auswirkungen auf unser Wetter hat, denn das ver\u00e4ndert den Temperaturgradient zwischen Nord und S\u00fcd und damit eben auch das Verhalten der planetaren Wellen (Rossbywellen). Der Jetstream schw\u00e4cht sich ab und m\u00e4andriert st\u00e4rker. Wir sp\u00fcren das, indem die Jahreszeiten starke Schwankungen aufweisen. In dem nach 2015 zweitw\u00e4rmsten Jahr 2014 seit Me\u00dfbeginn gab es an 43 von 92 kalendarischen Sommertagen Unwetterwarnungen. Rekord!<\/p>\n<p>Das Problem f\u00fcr viele Menschen wird bleiben, den Zusammenhang zwischen dem, was wir an unsichtbaren und geruchlosen Gasen in die Atmosph\u00e4re pumpen und dem ver\u00e4nderten Wettergeschehen (das aber eben parallel auch durch die Natur stets ver\u00e4ndert wird) zu erkennen. Und viele folgen auch einer diese Zusammenh\u00e4nge ablehnenden Argumentation, weil das f\u00fcr sie selbst die Welt einfacher erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Glaubt man nicht an unseren Einflu\u00df, so mu\u00df man an der eigenen Lebensweise nichts ver\u00e4ndern. Sch\u00f6n, aber eben falsch.<\/p>\n<p>Fakt ist, da\u00df der Klimawandel permanent voranschreitet. Seine Auswirkungen bekommt unser Globus Tag f\u00fcr Tag zu sp\u00fcren. In immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden erreichen uns aus allen Teilen der Welt, in zunehmendem Ma\u00dfe auch aus Teilen Europas, entsprechende Hiobsbotschaften.<\/p>\n<p>Nun ist es (leider) eine Tatsache, da\u00df \u2013 wie der Meteorologe Sven Pl\u00f6ger in seinem Buch \u201eGute Aussichten f\u00fcr morgen\u201c schreibt \u2013 \u201eweltweite Verhaltens\u00e4nderungen auf allen Ebenen nur in einem sehr langen Zeitraum erfolgen k\u00f6nnen\u201c. Ich f\u00fcrchte aber, da\u00df dann der Zug l\u00e4ngst abgefahren ist. \u00d6kologische Zerst\u00f6rungen, verursacht durch jahrelange r\u00fccksichtslose Verbauung, etwa des Hochgebirges, r\u00e4chen sich bitter. Aufgrund der durch den Klimawandel herbeigef\u00fchrten extremen Wetterereignisse wirken sich brutale Eingriffe in die Natur umso verheerender aus.<\/p>\n<p>Dazu pa\u00dft auch folgende Meldung aus dem Reiseteil der \u201eWestf\u00e4lischen Rundschau\u201c vom Sommer 2015: \u00dcberschrift: \u201eSchweiz: Wolkenkratzer in den Alpen\u201c. Im Bergdorf Vals soll das h\u00f6chste Haus Europas nach den Pl\u00e4nen des \u201eStararchitekten\u201c Mayne entstehen. Geplant ist ein Hotel mit 83 Etagen und insgesamt 107 Zimmern und Suiten \u2013 und dies nat\u00fcrlich auch zu schwindelerregenden Preisen. Die G\u00e4ste sollen per Helikopter anreisen und je Nacht zwischen 1.000 und 23.000 Franken zahlen; das sind umgerechnet 950 bis 23.800,&#8211; \u20ac.<\/p>\n<p>Der absolute Gipfel des Gr\u00f6\u00dfenwahnsinns!<\/p>\n<p>Das zumindest ist die Vision zweier Unternehmer, die dort aufgewachsen sind. Kosten des Mega-Projektes rund 285 Millionen SFR. Der Turm, der auf Bildern wie eine \u00fcberdimensionierte Nadel in die H\u00f6he ragt, soll der zentrale Ausgangspunkt f\u00fcr Leute werden, die Europa besuchen und in der Regel im Hubschrauber unterwegs seien, zitiert die \u201eThurgauer Zeitung\u201c einen Unternehmer. Eine neue reiche Klientel soll angesprochen werden anstelle der Masse. Zwar bestehen schon ernsthafte Pl\u00e4ne und Bildmontagen. Noch fehlt allerdings bis heute die Zustimmung der Dorfbewohner. Erst wenn die rund 1.000 Einwohner der Graub\u00fcndner Gemeinde bei einer Abstimmung in diesem Jahr \u00fcberwiegend daf\u00fcr sind, kann der Spatenstich f\u00fcr den Wolkenkratzer erfolgen. \u201eFemme de Vals\u201c \u2013 der Name des Turms lehnt sich an die Filigrane Figur \u201eFemme de Venise\u201c des 1966 verstorbenen K\u00fcnstlers Alberto Giacometti an \u2013 w\u00e4re nach seiner Fertigstellung auf den Meter genau so hoch wie der ber\u00fchmte Skyscraper der Welt: Das Empire State Building in New York in den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>Der menschliche Gr\u00f6\u00dfenwahn und die Profitgier kennen offenbar keine Grenzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor wir uns mit der kalten Jahreszeit der letzten Jahrzehnte besch\u00e4ftigen, m\u00f6chte ich im Folgenden einmal kurz auf den soeben zu Ende gegangenen Winter 2015\/16 hier in NRW eingehen und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wetter-und-klima-rueckblick-und-ausblick-unvergessene-winterimpressionen-aus-damaliger-zeit-und-der-heutige-klimawandel\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWetter und Klima &#8211; R\u00fcckblick und Ausblick: Unvergessene Winterimpressionen aus damaliger Zeit und der heutige Klimawandel.\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,549],"tags":[4854,1982,455,267],"class_list":["post-34879","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-naturwissenschaft","category-umwelt","tag-alpen","tag-klimawandel","tag-sauerland","tag-winter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34879"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34879\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}