{"id":33509,"date":"2015-09-18T17:07:47","date_gmt":"2015-09-18T16:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=33509"},"modified":"2015-09-19T10:03:43","modified_gmt":"2015-09-19T09:03:43","slug":"kurz-gebloggt-quo-vadis-europa-spd-diskussionsveranstaltung-in-brilon-plaedoyer-fuer-die-weiterentwicklung-der-eurozone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/kurz-gebloggt-quo-vadis-europa-spd-diskussionsveranstaltung-in-brilon-plaedoyer-fuer-die-weiterentwicklung-der-eurozone\/","title":{"rendered":"Kurz gebloggt: Quo vadis Europa? SPD-Diskussionsveranstaltung in Brilon. Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Weiterentwicklung der Eurozone"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_33504\" aria-describedby=\"caption-attachment-33504\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091701.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-33504\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091701.jpg\" alt=\"Gruppenbild am Schluss der Veranstaltung: Bernd Hartmann, Thomas Bakaras, Carsten Schneider und Dirk Wiese (foto: zoom)\" width=\"640\" height=\"404\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091701.jpg 640w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091701-300x189.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33504\" class=\"wp-caption-text\">Gruppenbild am Schluss der Veranstaltung: Bernd Hartmann, Thomas Bakaras, Carsten Schneider und Dirk Wiese (foto: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ich habe gestern Abend eine sehr knackige und interessante Diskussionsveranstaltung der SPD Bundestagsfraktion im Kolpinghaus Brilon besucht.<\/strong><\/p>\n<p>Carsten Schneider, Mdb und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion hielt das Impulsreferat zum Thema &#8222;Quo vadis Europa &#8230; oder immer wieder Griechenland?&#8220;.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33507\" aria-describedby=\"caption-attachment-33507\" style=\"width: 202px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091704.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-33507\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091704.jpg\" alt=\"Trotz gro\u00dfer Kritik schl\u00e4gt Carsten Schneiders Herz immer noch f\u00fcr Tsipras und Syriza. \" width=\"202\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091704.jpg 640w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091704-248x300.jpg 248w\" sizes=\"auto, (max-width: 202px) 85vw, 202px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33507\" class=\"wp-caption-text\">Trotz gro\u00dfer Kritik schl\u00e4gt Carsten Schneiders Herz immer noch f\u00fcr Tsipras und Syriza.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der gelernte Bankkaufmann aus Erfurt legte sehr verst\u00e4ndlich, mit dem Schwerpunkt auf \u00f6konomischen Fragestellungen, die Perspektive Europas nach der Griechenlandkrise dar.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hrungsunion habe den Geburtsfehler, dass sie ohne wirkliche wirtschaftliche und politische Konvergenz erfolgt sei. Es existiere kein Transfersystem, wie wir es beispielsweise von den Nationalstaaten (z. B. L\u00e4nderfinanzausgleich in Deutschland) kennen.<\/p>\n<p>Den Euro h\u00e4tte es nach einem Lehrbuch der \u00d6konomie nie geben d\u00fcrfen, die Einf\u00fchrung sei eine politische Entscheidung gewesen.<\/p>\n<p>Die griechische Krise ist somit eine Krise des Euroraums aus der es zwei m\u00f6gliche Auswege gebe. Der erste Weg w\u00e4re die R\u00fcckabwicklung des Euros und die R\u00fcckkehr zu den Nationalstaaten, der zweite Weg\u00a0 w\u00fcrde schrittweise zu mehr Gemeinschaft bis hin zu einer europ\u00e4ischen Regierung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Carsten Schneider sah in der R\u00fcckabwicklung sehr gro\u00dfe wirtschaftliche und politische Risiken mit hohen Kosten und gro\u00dfen Verlusten.<\/p>\n<p>Seiner Meinung nach sei es besser Schritt f\u00fcr Schritt in die Fiskalunion und die politische Union zu entwickeln.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nne nicht sein, dass Amazon beispielsweise in Deutschland 30% und in Luxemburg nur 1,5% Steuern bezahle. Es m\u00fcsse, so Schneider, Eingriffe in die nationalen \u00d6konomien geben.<\/p>\n<p>Die Aufnahme Griechenlands w\u00e4re einen politische Entscheidung gewesen. Das Land h\u00e4tte aufgrund der hohen Staatsverschuldung nicht die Kriterien f\u00fcr einen Beitritt zur W\u00e4hrungsunion erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Der kurze Boom der Jahre 2004 bis 2008 in Griechenland sei durch die Niedrigzinsen erkauft worden.<\/p>\n<p>Der Export habe in Griechenland inzwischen massiv verloren, es importiere mehr als es exportiere. Griechenland sei zum Schuldnerland geworden.<\/p>\n<p>Trotz alledem pl\u00e4dierte Carsten Schneider f\u00fcr einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Es g\u00e4be keinen vertraglichen Weg aus dem Euro auszusteigen. Griechenland werde noch viele Jahre zu k\u00e4mpfen haben. Die Sparpakete waren zu hart. Die Zinsen zur Kreditaufnahme seien zwar niedrig, aber die Auflagen hoch.<\/p>\n<p>Uns, also Deutschland, geh\u00f6ren jetzt die griechischen Staatsschulden. Das Verh\u00e4ltnis machte er an einem Beispiel deutlich: &#8222;Wenn Sie 100.000 Euro Schulden haben geh\u00f6ren Sie der Bank, wenn Sie 100.000.000 Euro Schulden haben, geh\u00f6rt die Bank Ihnen.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn Griechenland nicht \u00fcber 2,5% Wachstum komme, werde das Land sich nicht erholen k\u00f6nnen. Das Land m\u00fcsse versuchen langfristig auf eigenen Beinen zu stehen.<\/p>\n<p>Es werde einen Schuldenschnitt geben, entweder durch Verzicht oder durch Verl\u00e4ngerung der Kredit-Laufzeiten und Zinssenkungen. Der Grexit sei keine w\u00fcnschenswerte Alternative.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33508\" aria-describedby=\"caption-attachment-33508\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091705.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-33508\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091705.jpg\" alt=\"Der Abend war insgesamt ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Weiterentwicklung der Eurozone.\" width=\"640\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091705.jpg 640w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091705-300x196.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33508\" class=\"wp-caption-text\">Der Abend war insgesamt ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Weiterentwicklung der Eurozone.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Carsten Schneider pl\u00e4dierte f\u00fcr ein gemeinsames Europa.<\/p>\n<p>Aber auch in Deutschland seien die wirtschaftlichen Eckdaten nicht unbedingt erfreulich. Wir investierten zu wenig sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im privaten Sektor. Deutschland verliere an Substanz. Wir seien in einer \u00e4hnlichen Niedrigzins-Situation wie Griechenland im Jahr 2000.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33505\" aria-describedby=\"caption-attachment-33505\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091702.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-33505\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091702.jpg\" alt=\"Bernd Hartmann, Thomas Bakaras, Carsten Schneider und Dirk Wiese: &quot;Heute f\u00fcr Reformen sorgen, damit wir morgen gut leben.&quot;\" width=\"640\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091702.jpg 640w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/europa2015091702-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33505\" class=\"wp-caption-text\">Bernd Hartmann, Thomas Bakaras, Carsten Schneider und Dirk Wiese: &#8222;Heute f\u00fcr Reformen sorgen, damit wir morgen gut leben k\u00f6nnen.&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bernd Hartmann, Vorstandsassistent Sparkasse Hochsauerland, erg\u00e4nzte das Referat aus Sicht der Interessen von Bankinstituten. Er sehe zur Zeit in Griechenland eher rezessive Tendenzen. Der Schuldenstand m\u00fcsse bis 2030 auf 120% gesenkt werden. Er sei ebenfalls nicht f\u00fcr den Grexit. Es m\u00fcsse ein massiver Schuldenschnitt kommen, verbunden mit einem Wachstumsprogramm. Stabile Politik, verl\u00e4\u00dfliche Politik sei wichtig, dies gelte aber auch f\u00fcr die EU insgesamt.<\/p>\n<p>Das alte Gesch\u00e4ftsmodell Griechenlands w\u00e4re der Tourismus gewesen. Der reiche aber nicht aus, um das Land auf die Beine zu bringen. Wettbewerb im Diensleistungssektor und Entwicklung eines modernen Technologiesektors seien n\u00f6tig. Das sei nur mit Europa m\u00f6glich.\u00a0 Auch die ehemalige DDR sei durch massive Eingriffe und Hilfen von au\u00dfen entwickelt worden. Von alleine h\u00e4tten sich dort keine Industrien angesiedelt.<\/p>\n<p>Der seit 45 Jahren in Deutschland lebende griechische Gastwirt Thomas Bakaras (Pulverturm) schilderte &#8222;das Elend in Griechenland&#8220;, zu dem er immer noch starke famili\u00e4re Bindungen hat, aus pers\u00f6nlicher Anschauung. Vehement wies er das Bild vom &#8222;faulen Griechen&#8220; zur\u00fcck. Der Staat sei korrupt, es g\u00e4be keine Industrien und die Mehrwertsteuern seien hoch, die Arbeitslosigkeit erschreckend.<\/p>\n<p>Er kenne\u00a0 Familien bei denen sieben Leute allein und einzig auf die Rente der Oma von 350 Euro angewiesen seien.\u00a0 Arbeitslosigkeit und Rentenk\u00fcrzungen st\u00fcrzten diese Menschen noch mehr in die Not.<\/p>\n<p>Deutschland trage seine Mitschuld an der Korruption und Misere in Griechenland. Bakaras erinnerte an die U-Boote, die von Deutschland an Griechenland verkauft wurden. Diese U-Boote h\u00e4tten dann noch nicht einmal funktioniert. Der Deal w\u00e4re mit viel Schmiergeld\u00a0 erkauft worden.<\/p>\n<p>Die Griechen, das w\u00e4ren 12 Millionen Menschen, von denen viele im Ausland wohnten und dort schon lange bewiesen h\u00e4tten, dass sie hart arbeiten k\u00f6nnen und wollen. Europa, so Thomas Bakaras, m\u00fcsse sich als gro\u00dfe Familie verstehen, in der jeder dem anderen helfe.<\/p>\n<p>Gastgeber Dirk Wiese moderierte mit souver\u00e4nen Zeitmanagement durch Diskussion und Rednerliste. In seinem Schlusswort mahnte er, dass es uns in Deutschland zwar noch gut gehe, aber wer morgen noch gut leben wolle, m\u00fcsse heute f\u00fcr Reformen sorgen.<\/p>\n<p>Der Abend war insgesamt ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Weiterentwicklung der Eurozone. Es hat mir in Brilon gefallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gestern Abend eine sehr knackige und interessante Diskussionsveranstaltung der SPD Bundestagsfraktion im Kolpinghaus Brilon besucht. 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