{"id":31904,"date":"2015-03-26T21:04:01","date_gmt":"2015-03-26T20:04:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=31904"},"modified":"2015-03-27T18:49:10","modified_gmt":"2015-03-27T17:49:10","slug":"an-den-krankenbetten-des-kapitalismus-ansaetze-sozialdemokratischer-medizinreform-in-hamburg-1919-1933","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/an-den-krankenbetten-des-kapitalismus-ansaetze-sozialdemokratischer-medizinreform-in-hamburg-1919-1933\/","title":{"rendered":"An den Krankenbetten des Kapitalismus  &#8211; Ans\u00e4tze sozialdemokratischer Medizinreform in Hamburg 1919 &#8211; 1933"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31922\" aria-describedby=\"caption-attachment-31922\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31922\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webknacksub.jpg\" alt=\"(1) Der Hamburger Arzt und Gesundheitspolitiker Andreas Valentin Knack in den 1920er Jahren\" width=\"470\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webknacksub.jpg 470w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webknacksub-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 85vw, 470px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31922\" class=\"wp-caption-text\">(1) Der Hamburger Arzt und Gesundheitspolitiker Andreas Valentin Knack in den 1920er Jahren<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>&#8222;Es ist au\u00dferordentlich bedauerlich, dass gerade die \u00c4rzte, die doch Tag f\u00fcr Tag das unselige Elend unserer minderbemittelten Bev\u00f6lkerung sehen, in ihrer \u00fcberwiegenden Mehrheit heute noch den reaktion\u00e4ren Parteien angeh\u00f6ren. Das ist f\u00fcr mich stets ein Problem gewesen, das ich kaum habe verstehen k\u00f6nnen.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Andreas Valentin Knack[1]<\/strong><\/p>\n<p><em>(Der Beitrag ist <a href=\"http:\/\/www.harbuch.de\/index.php\/frische-themen-artikel\/an-den-krankenbetten-des-kapitalismus.html\" target=\"_blank\">zuerst auf der Website &#8222;Harbuch &#8211; Harburger Geschichte und Geschichten&#8220; erschienen<\/a>. Die Vorbemerkung hat Christian Gotthardt im M\u00e4rz 2015 verfasst. Der Artikel selbst wurde 1990 von Sabine Reh und Christian Gotthardt geschrieben.)<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Der nachstehende Text entstand vor 25 Jahren, im Sommer 1990. Es bestand eine Absprache mit der Redaktion der Zeitschrift \u201e1999\u201c (sie erschien als Organ der Hamburger Stiftung f\u00fcr Sozialgeschichte 1986 \u2013 2003) zu seiner Ver\u00f6ffentlichung. Im letzten Moment wollte die Redaktion allerdings Streichungen durchsetzen, die unsere Perspektiven und Bewertungen drastisch verzerrt h\u00e4tten. Sie zielten, um es kurz zu sagen, auf einen Generalverriss der sozialdemokratischen Medizinpolitik bei gleichzeitigem Verschweigen ihrer positiven Akzente. Darauf gingen wir nicht ein, der Text blieb in der Schublade.<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>1996 wurde er wieder herausgezogen. Mein Vater hatte in der Endphase seines Krebsleidens, in der Hospizabteilung des damals noch st\u00e4dtischen Allgemeinen Krankenhauses Barmbek, eine ruhige, verst\u00e4ndige und tr\u00f6stende Pflege erfahren. Als Dankesgeste schickte ich den Text an den \u00e4rztlichen Direktor des Hauses, der wie mein Vater sozialdemokratischer Gesundheitspolitiker in Hamburg war und ihn auch seit Jahren gut kannte. Er reagierte prompt und interessiert, wollte einen Vortrag veranstalten und eine M\u00f6glichkeit der Ver\u00f6ffentlichung anbahnen. Doch dann geriet das Vorhaben in den Strudel der sozialdemokratischen Krankenhauspolitik. Nun war es die SPD selbst , die den Text nicht recht verdauen wollte \u2013 eine positive Wertung der kommunalen Gesundheitsvorsorge passte schlecht zur brachialen Privatisierung der Krankenh\u00e4user, die just in jenen Monaten begann: mit der Umwandlung des Hamburger Landesbetriebs Krankenh\u00e4user in eine Anstalt \u00f6ffentlichen Rechts und mit der Auflegung eines Kaputtsparprogramms und der Streichung von 2000 Stellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ist der Text veraltet? Ich glaube nicht. Sicher, die in seiner Einleitung noch angek\u00fcndigte Trendwende zur Medizinreform hat sich nicht weiter entfaltet. Im Gegenteil, mit der Privatisierung erst der DDR-Medizin und dann vieler westdeutscher kommunaler Krankenh\u00e4user sind die Grundlagen einer sozialpolitisch inspirierten medizinischen Versorgung geradezu untergepfl\u00fcgt worden. Aber manche der \u201ealten\u201c Themen sind l\u00e4ngst wieder in neuer Gestalt aufgetaucht, z.B. als medizinethische Konflikte, als kriminelle Machenschaften wie Organhandel, als Sozialdumping-Vorwurf der Besch\u00e4ftigten, als Rekommunalisierungsforderung etc. Leider fehlt in den entsprechenden Debatten der eigentliche sozialmedizinische Zugang, wie Knack ihn fruchtbar zu machen verstand. Insofern hat der Text noch durchaus seinen Wert. Wertvoll ist schlie\u00dflich auch sein dokumentarischer Ertrag. \u00dcber die \u201eHamburger Medizinreform\u201c ist bislang nur wenig Literatur erschienen. Ich gebe am Ende im Nachtrag aktuelle Hinweise hierzu. CG.<\/em><\/p>\n<p>Eigentlich, so m\u00f6chte man in der Tat meinen, steht gerade der Arztberuf in enger Nachbarschaft zur humanistischen Grundlage linker Weltanschauung. Aber in der Regel ging die Bewusstseinsentwicklung bei den \u00c4rzten, zumal bei ihren deutschen Vertretern, andere Wege. Heutzutage haben wir uns daran gew\u00f6hnt, die \u00c4rzteschaft vornehmlich als konservative, st\u00e4ndische und egoistisch \u00fcber ihre Besitzst\u00e4nde wachende Berufsgruppe einzustufen.<\/p>\n<p>Seit ein paar Jahren allerdings sind Tendenzen sp\u00fcrbar geworden, die diesem Bild die Sch\u00e4rfe nehmen: Man denke etwa an die wachsende Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisierung bei Krankenhaus\u00e4rzten,[2] ferner an die Bildung oppositioneller Vertretungsstrukturen in den Zwangskorporationen der \u00c4rztekammern.[3] Offenbar dr\u00e4ngt eine neue \u00c4rztegeneration nach, die sich nicht fraglos in den \u00fcberkommenen Ritualen der berufsst\u00e4ndischen, vor allem an Einkommensmaximierung orientierten Interessenvertretung wiederfindet.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Aspekt bei diesen oppositionellen Ph\u00e4nomenen ist, dass sie zumeist unmittelbar mit einer umfassenden Kritik am gesamten Geb\u00e4ude der Schulmedizin verbunden sind: an der Haltung und dem Selbstbild der \u00c4rzte, an ihren Methoden. Das Chefarztsystem, die Chemisierung, der Apparatewahn in den fach\u00e4rztlichen Praxen wird nicht mehr widerspruchslos als der Weisheit letzter Schluss hingenommen. Von dieser Haltung zeugt v.a. die &#8222;Gesundheitsladenbewegung&#8220;. Es ergeben sich hier gewisse Parallelen zur verbreiteten Unsicherheit unter Patienten, die ebenfalls schon seit l\u00e4ngerem nicht nur zu einem Boom eher randst\u00e4ndiger Diagnose- und Heilverfahren, etwa der Hom\u00f6opathie, der Akkupunktur, psychotherapeutischer Ans\u00e4tze usw., gef\u00fchrt hat, sondern auch zur Gr\u00fcndung von Patienten-Selbsthilfegruppen. Ein geschlossenes, programmatisch fixiertes Konzept alternativer Medizin, eine kraftvolle Bewegung der Medizinreform hat sich aus diesen Ans\u00e4tzen allerdings noch nicht entwickelt. Insbesondere hinsichtlich der Frage, wie das Verh\u00e4ltnis von freien \u00c4rzten und staatlicher medizinischer Prim\u00e4rversorgung zu gestalten sei, besteht noch gro\u00dfe Unsicherheit.[4] Gerade diese Frage aber bedarf wegen der durch den DDR-Anschluss aufgeworfenen Probleme dringend der Kl\u00e4rung.[5]<\/p>\n<p>Vielleicht kann in dieser Situation eine historische Identit\u00e4tssuche weiterhelfen. So verdient der Umstand n\u00e4here Betrachtung, dass nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht nur eine ganz \u00e4hnliche Lage in der Medizin entstanden war, sondern dass dar\u00fcber hinaus damals die Alternativkonzeptionen &#8211; aufgrund der besonderen St\u00e4rke der Arbeiterbewegung und der mit ihr verbundenen Lebensreformbewegung &#8211; zu einem erstaunlichen Reifegrad gedeihen konnten. Die medizinhistorische Forschung hat sich diesem &#8222;Schatz&#8220; erst in allerj\u00fcngster Vergangenheit zugewandt, angespornt gerade von der um Alternativen ringenden j\u00fcngeren \u00c4rztegeneration. Bekannt ist schon einiges \u00fcber die Organisationen und Programme linkssozialistischer \u00c4rzte in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik. In der vorliegenden Studie soll nun eine andere, reformistische Variante linker Medizinreform der Weimarer Zeit beleuchtet werden, und zwar am Beispiel der Gesundheitspolitik in der sozialdemokratischen Hochburg Hamburg. Im Zentrum der Darstellung steht dabei das Lebenswerk des Hamburger Arztes und Gesundheitspolitikers Andreas Valentin Knack.<\/p>\n<h3>Knacks Biographie: Sozialer Aufstieg und Politisierung<\/h3>\n<p>In dem Ma\u00dfe, in dem sich das deutsche B\u00fcrgertum nach 1871 von der liberalen Emanzipationsidee verabschiedete und in den monarchischen Obrigkeitsstaat eingliederte, gewannen die b\u00fcrgerlichen Professionen ein unpolitisches Selbstbild. Die \u00c4rzteschaft, 1848\/49 und 1859\/66 noch erheblich an demokratischen bzw. liberalen Bewegungen beteiligt, machte hierbei keine Ausnahme. In der Folgezeit erlebte sie herausgehobene Politisierungswellen nur noch aufgrund besonderer Bedingungskonstellationen: zur Jahrhundertwende infolge sprunghaften Anstiegs der \u00c4rztezahl und massenhaften &#8222;Einbruchs&#8220; ehedem unterprivilegierter Schichten in diesen b\u00fcrgerlichen Prestigeberuf, in der Weimarer Republik infolge nachhaltiger Beeindruckung durch Macht und Standpunkte der Arbeiterbewegung. In dem Lebenslauf des Arztes Andreas Valentin Knack spielten beide Ph\u00e4nomene eine gewichtige Rolle. Er war damit zum &#8222;politischen Arzt&#8220; pr\u00e4destiniert.<\/p>\n<p>Knack wurde am 12.9.1886 in Aachen als Sohn eines Lokf\u00fchrers geboren.[6] Er besuchte dort das Gymnasium und legte 1905 die Reifepr\u00fcfung ab. Bis 1907 studierte er Medizin in Berlin, bis 1911 in M\u00fcnchen. Hier machte er 1911 die Staatspr\u00fcfung und das Doktordiplom. Nach einem Jahr als Praktikant an der Universit\u00e4tskinderklinik Heidelberg und an der Inneren Abteilung des st\u00e4dtischen Krankenhauses Mannheim wurde er Ende 1912 in M\u00fcnchen approbiert (Note: sehr gut) und Anfang 1913 mit der Arbeit &#8222;Geburt und Geb\u00e4rmutterkrebs&#8220; zum Dr. med. et chir. promoviert (Note: magna cum laude).<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend trat Knack eine Assistenzarztstelle am Pathologischen Institut des St\u00e4dtischen Krankenhauses Mannheim an. Mit dessen Leiter, Prof. Fahr, wechselte er noch im selben Jahr an die Pathologisch-anatomische Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses Barmbek in Hamburg, wiederum als Assistenzarzt. Kurz darauf ging er an die I. medizinische Abteilung in Barmbek, als Assistenzarzt von Prof. Rumpel, der zugleich \u00e4rztlicher Direktor des AK Barmbek war.<\/p>\n<p>Schon 1913 als wehruntauglich ausgemustert, blieb Knack von der Einziehung und der Beteiligung an den Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg verschont. Wie die meisten Krankenhaus\u00e4rzte jener Jahre konnte er sich allerdings, zumal als Pathologe, den Zw\u00e4ngen und Verlockungen der &#8222;wehrmedizinischen&#8220; Forschung nicht entziehen. Einige seiner fr\u00fchen, rein medizinischen Ver\u00f6ffentlichungen fallen in dieses Genre.<\/p>\n<p>1917 erfolgte die Bef\u00f6rderung Knacks vom Assistenz- zum Sekund\u00e4rarzt. Nach dem Krieg, im Mai 1919, wechselte er auf die Stelle des Chefs (Prosektor) der Pathologischen Abteilung des Hafenkrankenhauses Hamburg, damals unter der Leitung von Prof. Nocht. Bedingt durch die Arbeitsschwerpunkte und Zust\u00e4ndigkeitsbereiche seiner neuen Wirkungsst\u00e4tte, v.a. aber durch die sozialen, speziell medizinischen und hygienischen Notst\u00e4nde der unmittelbaren Nachkriegszeit, wandte Knack sich nun Fragen der \u00f6ffentlichen Gesundheitspflege, insbesondere dem Kampf gegen TBC und Geschlechtskrankheiten zu.<\/p>\n<p>Bereits im M\u00e4rz 1919 f\u00fcr die SPD in die Hamburger B\u00fcrgerschaft gew\u00e4hlt, avancierte er bald zum Gesundheitsexperten seiner Fraktion. Hier er\u00f6ffneten sich ihm gro\u00dfe Wirkungsm\u00f6glichkeiten, da die SPD seit der Revolution in Hamburg zur Regierungspartei geworden war. Obgleich er sich auch in der gesamten Sozialpolitik und ferner in der Bildungspolitik engagierte,[7] blieb das Gesundheitswesen sein politischer Schwerpunkt von 1919, als er Vorsitzender des B\u00fcrgerschaftsausschusses zur &#8222;Schaffung einer Beh\u00f6rde f\u00fcr das Gesundheitswesen&#8220; wurde,[8] bis 1933. Daneben \u00fcbernahm er Funktionen in der staatlichen Gesundheitsverwaltung, etwa ab November 1919 als Schularzt, ab M\u00e4rz 1920 als &#8222;b\u00fcrgerliches Mitglied&#8220; der neuen Gesundheitsbeh\u00f6rde, ab Anfang 1923 als Physikus (Gerichtsarzt). Die Hamburger Physikatspr\u00fcfung, Voraussetzung f\u00fcr letztere Stelle und nicht gerade m\u00fchelos zu nehmen, hatte er 1921 abgelegt, wiederum mit der Note sehr gut.<\/p>\n<p>Auch als Lehrkraft trat Knack in Erscheinung.: 1916\/19 im Rahmen des &#8222;Allgemeinen Vorlesungswesens&#8220;, das der Hamburger Universit\u00e4t den Weg bereitete, 1917\/18 als Vortragender \u00fcber milit\u00e4r\u00e4rztliche Sachverst\u00e4ndigent\u00e4tigkeit, 1923\/24 als Leiter eines Kursus &#8222;Soziale Medizin&#8220; f\u00fcr die Distrikts\u00e4rzte des Gesundheitsamtes.[9]<\/p>\n<p>Wann Knack sich an der SPD zu orientieren begann, wann er der Partei beitrat, ist nicht \u00fcberliefert. Dass er w\u00e4hrend seiner Berliner Studienzeit durch den Zirkel sozialdemokratischer \u00c4rzte um Ignaz Zadek, der den Hintergrund f\u00fcr die Gr\u00fcndung des &#8222;Sozialdemokratischen \u00c4rztevereins&#8220; im Jahre 1913 abgab, beeindruckt wurde, ist m\u00f6glich, aber nicht nachweisbar.[10] Sein zun\u00e4chst recht &#8222;politikferner&#8220; Lebenslauf und der Zeitpunkt seines ersten politischen Auftretens lassen allerdings die Vermutung zu, dass es vornehmlich die gro\u00dfe Politisierungswelle von 1918\/19 und die sich im Anschluss er\u00f6ffnenden Chancen unmittelbarer politischer Gestaltung waren, die Knack ins Lager der Politik f\u00fchrten. Er geh\u00f6rte nicht zu den partei- und kampferfahrenen Altsozialisten in Fraktion und Regierung, sondern verk\u00f6rperte einen anderen, durchaus neuen Politikertyp: den Fachmann, der sich in sozialer Verantwortung und preu\u00dfischer Pflichtauffassung in den Dienst der guten Sache stellen l\u00e4sst &#8211; den gouvernementalen Sozialdemokraten.<\/p>\n<p>In Knacks Auftreten in der B\u00fcrgerschaft trat h\u00e4ufig, als seine pers\u00f6nliche Note, die k\u00e4mpferische, asketische, unerbittlich kritische Attit\u00fcde des Aufsteigers und Au\u00dfenseiters hervor. Grundlage dieser Haltung waren die Erfahrungen als &#8222;Kleine-Leute-Kind&#8220; in einem st\u00e4ndisch und hierarchisch verfassten, weitgehend reaktion\u00e4ren und d\u00fcnkelhaften Berufsmilieu. Eine grundlegende Demokratisierung des Gesundheitswesens, speziell des Arztberufs, war f\u00fcr ihn nicht lediglich politisches Programm, sondern pers\u00f6nliche Herzenssache. Wiederholt verwies er auf einerseits reaktion\u00e4re Umtriebe unter den b\u00fcrgerlichen Studenten der neuen Hamburger medizinischen Fakult\u00e4t, andererseits auf die unseligen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die es &#8222;gutartigen und ehrlichen Elementen&#8220; nicht erlauben w\u00fcrden, den Arztberuf zu ergreifen. Aus diesem Grunde galt der Gestaltung der \u00c4rzteausbildung und dem Stipendienwesen sein besonderes Engagement.[11]<\/p>\n<p>Als im August 1923 durch den Tod von Prof. Rumpel die Stelle des \u00e4rztlichen Direktors am AK Barmbek frei wurde, wollte die damals linke Majorit\u00e4t in der Gesundheitsbeh\u00f6rde (eine Interessenkoalition aus den Vertretern der SPD, KPD und Demokraten) um jeden Preis die Chance nutzen, endlich einen fortschrittlichen Kandidaten in den oberen R\u00e4ngen der ansonsten konservativ-v\u00f6lkischen \u00c4rztehierarchie zu plazieren. Knack war f\u00fcr einen solchen Versuch nicht nur in politischer Hinsicht der geeignete Mann, er war zudem hinl\u00e4nglich \u00f6ffentlich bekannt und bot auch ausreichende medizinisch-wissenschaftliche Kompetenz. Wiewohl Widerstand sich regte und speziell die Br\u00fcskierung des Mitkandidaten Reye (Spross einer eingesessenen Hamburger \u00c4rztefamilie und Chef-Dermatologe in Eppendorf) betr\u00e4chtliche Wellen schlug, gelang die Inthronisation: Knack konnte sich bis 1933 auf dem Posten des \u00e4rztlichen Direktors halten.[12]<\/p>\n<figure id=\"attachment_31923\" aria-describedby=\"caption-attachment-31923\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31923\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbpav.jpg\" alt=\"(2) AK Barmbek - nach Eppendorf das zweitgr\u00f6\u00dfte Krankenhaus  Hamburgs (Teilansicht: einer der typischen &quot;Pavillons&quot;)\" width=\"470\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbpav.jpg 470w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbpav-300x191.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 85vw, 470px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31923\" class=\"wp-caption-text\">(2) AK Barmbek &#8211; nach Eppendorf das zweitgr\u00f6\u00dfte Krankenhaus<br \/>Hamburgs (Teilansicht: einer der typischen &#8222;Pavillons&#8220;)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In seiner Barmbeker Zeit machte Knack sich in der B\u00fcrgerschaft rar. Die praktische Krankenhausreform nahm ihn ganz ein, wobei er aber nie verga\u00df, seine Barmbeker Ideen und L\u00f6sungen in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen und ihnen den Anstrich des Exemplarischen zu geben. Dar\u00fcber hinaus eroberte er sich die B\u00fchne der nationalen \u00c4rztepolitik: Schon 1920\/22 Mitglied der Programmkommission &#8222;Gesundheitspolitik&#8220; der SPD (neben den &#8222;Parteigr\u00f6\u00dfen&#8220; Max Quarck, Ignaz Zadek und Alfred Grotjahn),[13] wurde er Vorstandsmitglied des &#8222;Vereins sozialistischer \u00c4rzte (VS\u00c4)&#8220;[14] und &#8211; von der SPD beauftragt &#8211; Kommentator des &#8222;Reichsgesetzes zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten&#8220; von 1927, eines Gesetzes, um dessen Realisierung er seit 1920 energisch gerungen hatte.[15]<\/p>\n<p>Seine Arbeit wurde im M\u00e4rz 1933 durch die Repression der Nazis auf allen Ebenen j\u00e4h abgebrochen. In Hamburg verband sich dabei der Aspekt politischer S\u00e4uberung mit pers\u00f6nlicher Revanche. Als Knack am 13. M\u00e4rz 1933 mit sofortiger Wirkung vom Posten des \u00e4rztlichen Direktors in Barmbek beurlaubt wurde, nahm Reye, der \u00dcbergangene von 1923, der mit NSDAP und SS in bester Verbindung stand, seinen Platz ein. Er amtierte bis 1945.[16]<\/p>\n<p>Knack fl\u00fcchtete sich zun\u00e4chst in die \u00e4u\u00dferst unsichere und auch materiell wenig zukunftstr\u00e4chtige Stelle eines &#8222;Volont\u00e4rarztes&#8220; am Krankenhaus Lippstadt, &#8222;zwecks gyn\u00e4kologischer und chirurgischer Fortbildung&#8220;, wie sein Lebenslauf vermerkt. Offenbar trug er sich mit dem Gedanken, sich als Arzt niederzulassen. Ein entsprechendes Gesuch reichte er im September 1933 bei der Gesundheitsbeh\u00f6rde in Hamburg ein. Als die Nazis ihn im Einklang mit der Hamburger \u00c4rztekammer im Februar 1934 aus dem \u00c4rzteverzeichnis entfernten, war ihm diese Existenzm\u00f6glichkeit allerdings genommen.<\/p>\n<p>Knack sah sich schlie\u00dflich gen\u00f6tigt, Deutschland zu verlassen. Noch im Februar 1934 ging er zun\u00e4chst nach Genf, dann, auf Vermittlung des dort ans\u00e4ssigen Hygiene-Kommittees des V\u00f6lkerbundes, als Deputy-Direktor an des Central-Hospital in Nanking, China. Hier konnte er wahrscheinlich Verbindungen nutzen, die er in den zwanziger Jahren zu \u00c4rzten und Gesundheitspolitikern in England gekn\u00fcpft hatte.[17] Eine sichere Heimst\u00e4tte fand Knack in China allerdings nicht. Er musste auch hier h\u00e4ufig seinen Standort wechseln. 1935 wirkte er kurz als beratender Arzt am belgischen Missionshospital in Kweisui, s\u00fcdliche Mongolei. Von 1936 bis 1937 war er praktischer Arzt in Peking, von 1938 bis 1948 praktischer Arzt in Mukden, im Sommer 1948 schlie\u00dflich \u00e4rztlicher Berater des &#8222;International Relief Committee of China&#8220;, Shanghai.<\/p>\n<p>Knack, der sich als Emigrant seinen Platz kaum frei w\u00e4hlen konnte, hatte tragischerweise in China durchweg auf verlorenem Posten gestanden. Als Anh\u00e4ngsel humanit\u00e4rer, aber auch als imperialistisch eingestufter Organisationen musste er permanent zwischen die Fronten des seit Jahren schwelenden chinesischen B\u00fcrgerkrieges sowie des nationalen Unabh\u00e4ngigkeitskrieges gegen die japanischen Okkupanten geraten. Mit der strategischen Offensive der Volksbefreiungsarmee unter Mao Zedong seit 1947 und ihrem sukzessiven Vormarsch nach S\u00fcden war seine Existenz wiederum gef\u00e4hrdet. Im Dezember 1948 kehrte er mit Unterst\u00fctzung der &#8222;International Refugee Organisation&#8220; auf einem d\u00e4nischen Dampfer nach Hamburg zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Im April 1949 wurde Knack, an dessen Konstitution die Emigration nicht spurlos vor\u00fcbergegangen war,[18] das Amt des Pr\u00e4sidenten der Hamburger Gesundheitsbeh\u00f6rde \u00fcbertragen.[19] Hierbei m\u00f6gen \u00dcberlegungen der sozialdemokratischen Stadtregierung eine Rolle gespielt haben, einem verdienten und schwer gepr\u00fcften Genossen das Auskommen zu sichern. Es hie\u00dfe aber, Knack zu untersch\u00e4tzen und wichtige strukturelle gesundheitspolitische Pl\u00e4ne zu \u00fcbersehen, wollte man hierin die wesentliche Motivation dieser Berufung erblicken. Einiges spricht daf\u00fcr, dass die Hamburger Arbeiterparteien nach dem Kriege eine gewisse Zeit lang die Verstaatlichung des gesamten Gesundheitswesens ins Auge fassten und sich daf\u00fcr mit einem versierten &#8222;K\u00e4mpfer&#8220; gegen die rechtslastigen bis profaschistischen \u00e4rztlichen Standesvertreter versehen wollten.<\/p>\n<p>Diese Aufgabe allerdings war eine Sisyphusarbeit, und f\u00fcr den geschw\u00e4chten Knack zu schwer. 1952, ein halbes Jahr nach seinem 65. Geburtstag, ging er in den Ruhestand. Gro\u00dfe Schlagzeilen waren ihm in seiner Amtszeit nicht mehr zuteil geworden, und auch sein Tod am 3.5.1956 bewegte die \u00d6ffentlichkeit nur noch am Rande. Es war nicht mehr seine Zeit. Resignation hatte auf der Linken Einzug gehalten, und insbesondere die Kompromissbereitschaft gegen\u00fcber der b\u00fcrgerlichen Besitzstandspolitik war gewachsen. In den K\u00f6pfen vieler Sozialdemokraten begann zudem die harmonistische Mentalit\u00e4t des Wirtschaftswunders die Erinnerung an nicht eingel\u00f6ste gesellschaftspo\u00adlitische Konzepte zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<h3>Ein Portrait des jungen Arztes als Sozialpolitiker<\/h3>\n<p>In einem der klassischen Werke zur Geschichte der Sozialpolitik in der Weimarer Republik &#8211; dem Werk von Ludwig Preller,[20] selbst sozialpolitischer Akteur dieser Zeit &#8211; fehlt eine Darstellung der Gesundheitspolitik vollst\u00e4ndig.[21] Das scheint nicht zuf\u00e4llig zu sein. Entwickelte sich auch das Gesundheitswesen aus der Armenpolitik heraus und ist dessen &#8222;professionalisierte und semiprofessionalisierte Lobby (&#8230;) zwar mit dem Sozialstaat gro\u00df geworden&#8220;,[22] wusste sie sich gleichwohl deutlich ideologisch von diesem abzusetzen. Dieses konnte gelingen, indem im Gesundheitswesen eine vertikale Trennung in Sektoren &#8211; medizinischer Bereich einerseits und Bereich der Finanzierung andererseits &#8211; institutionalisiert wurde.[23] Endg\u00fcltig durchgesetzt wurde diese sektorale Trennung im Verlaufe der Weimarer Republik, anders ausgedr\u00fcckt: Die Geschichte der Gesundheitspolitik der Weimarer Republik lie\u00dfe sich schreiben als eine Geschichte der Durchsetzung von Sozialstaatlichkeit bei gleichzeitiger Gewinnung gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Autonomie f\u00fcr einen Bereich und eine Profession gegen\u00fcber sozialstaatlicher Intervention.[24]<\/p>\n<p>Sozialdemokratische Gesundheitspolitiker versuchten in der revolution\u00e4ren Nachkriegsphase zun\u00e4chst, die Weichen anders zu stellen. Ihre formelhafte Forderung nach einer &#8222;Sozialisierung&#8220; des Gesundheitswesens mutierte in der konkret-praktischen Politik allerdings schnell zum Ziel, eine Zentralisierung und weitgehende staatliche Kontrolle im gesamten Gesundheitsbereich anzustreben. Knack kritisierte auf dem Parteitag der SPD 1920 unter Hinweis auf die Diskussion im Verein f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheitspflege 1919, der es nicht gelungen war, die Frage der Sozialisierung des Gesundheits\u00adwesens einm\u00fctig zu kl\u00e4ren, die Sozialisierung als &#8222;Schlagwort&#8220; und machte vor dem Hintergrund seiner Hamburger Erfahrungen deutlich: &#8222;Ich kann mir nur eine Verstaatlichung des Gesundheitswesens und eine Durchdringung desselben mit sozialem Geist vorstellen.&#8220;[25]<\/p>\n<p>Die &#8222;Verstaatlichung des gesamten Gesundheitswesens&#8220;, die also letzten Endes das Ziel einer Neuordnung sein musste,[26] stellte Knacks sich folgenderma\u00dfen vor:<\/p>\n<p>1. Zentralisierung und damit auch Effektivierung und Rationalisierung der Gesundheitsverwaltung<\/p>\n<p>2. Ausweitung staatlicher Befugnisse und Interventionsm\u00f6glichkeiten<\/p>\n<p>3. Schlie\u00dflich: eine &#8222;Verstaatlichung des \u00c4rztestandes&#8220;.[27]<\/p>\n<p>An der Zentralisierung des Gesundheitswesens in Hamburg war Andreas Knack, der &#8211; auch in der B\u00fcrgerschaft &#8211; die Gesundheitspolitik der Hamburger Sozialdemokratie bestimmte, wesentlich beteiligt. Am 1. April 1920 trat in Hamburg das &#8222;Gesetz \u00fcber das Gesundheitswesen&#8220; in Kraft.[28] In der mit diesem Gesetz neu geschaffenen Beh\u00f6rde, der Gesundheitsbeh\u00f6rde, wurden die bisher durch das Medizinalkollegium, das Krankenhauskollegium und die Polizei\u00e4rzte wahrgenommenen Aufgaben zusammengefasst.[29] Der Gesundheitsbeh\u00f6rde unterstanden nun alle staatlichen Krankenanstalten, das Institut f\u00fcr Geburtshilfe, das Institut f\u00fcr Schiffs- und Tropenkrankheiten, das Hygienische Institut, die Staatsimpfanstalt, der hafen\u00e4rztliche, stadt\u00e4rztliche, der polizei-, gerichts- und schul\u00e4rztliche Dienst, das Desinfektionswesen, die Krankenpflegeschulen, das Hebammenwesen, der gesundheitliche F\u00fcrsorgedienst, das Veterin\u00e4rwesen, der \u00e4rztliche und tier\u00e4rztliche Dienst bei anderen Beh\u00f6rden und das Apothekenwesen.[30] Die Zentralisierung der Gesundheitsverwaltung war Knack Bedingung f\u00fcr deren Politisierung, f\u00fcr die Schaffung erst von &#8222;Gesundheitspolitik&#8220;, die identisch mit staatlicher Politik und gleichzeitig auch Garantie f\u00fcr die Durchsetzung des sozialen Aspektes war: &#8222;Nur wenn der politische Geist sich Schulter an Schulter mit dem \u00e4rztlichen Sachverstand stellt, k\u00f6nnen wir eine soziale Durchdringung des Gesundheitswesens leisten&#8220;.[31] Folgerichtig bedauerte Knack immer wieder &#8211; so auf den Parteitagen der SPD 1920, 1925 und 1929[32] -, dass kein Reichsgesundheitsministerium geschaffen worden war,[33] sondern &#8211; wie Grotjahn sich ausdr\u00fcckte: &#8211; &#8222;ein Riss durch die zentralen Ge\u00adsundheitsbeh\u00f6rden des Reiches&#8220; ging,[34] in dem das soziale Versicherungs- und Versorgungswesen dem Reichsarbeitsministerium, das Reichsgesundheitsamt jedoch dem Reichsministerium des Innern unterstellt war.<\/p>\n<p>Die Ausweitung der Aufgaben einer zentralen Gesundheitsverwaltung sollte nach Meinung Knacks auch die Gewerbe-, Nahrungsmittel- und Wohnungshygiene betreffen. So schwebte Knack die Bestellung eines Landesgewerbearztes vor, der nicht die Krankheitsfolgen behandeln, sondern pr\u00e4ventiv t\u00e4tig werden und die Arbeitspl\u00e4tze auf neue und noch unbekannte Gesundheitsgef\u00e4hrdungen hin untersuchen sollte.[35] Den Schul\u00e4rzten, deren Zahl erh\u00f6ht werden sollte, mussten nach Meinung Knacks &#8222;Schulschwestern&#8220; zur Seite gestellt werden, die die Befolgung der \u00e4rztlichen Anordnungen kontrollieren konnten.<a href=\"http:\/\/www.harbuch.de\/#_edn36\" name=\"_ednref36\">[36]<\/a> In Zusammenarbeit mit der &#8222;Gesellschaft der Freunde des vaterl\u00e4ndischen Schul- und Erziehungswesens&#8220; forderte Knack schlie\u00dflich eine Verbesserung der oberfl\u00e4chlichen schul\u00e4rztlichen Untersuchungen durch die Einrichtung eines Schul\u00e4rztlichen Ambulatoriums.[37] Auch in der 1918 entstandenen Hamburger Arbeitsverwaltung m\u00fcssten \u00c4rzte f\u00fcr die Berufsberatung und die Eignungspr\u00fcfungen eine zentrale Rolle spielen.[38] Die bisherigen Polizei\u00e4rzte sollten zu Bezirks\u00e4rzten, eine Art allgemeiner Gesundheitskommissare, werden. Das Bild einer alle Zweige der Sozialverwaltung umfassenden Beh\u00f6rde, eine vollst\u00e4ndige gesundheitspolizeiliche Kontrolle und Bef\u00fcrsorgung der Bev\u00f6lkerung mittels dieser Zentralverwaltung, dies war in den Anfangsjahren der Weimarer Republik die leitende Idee der Knackschen Gesundheitspolitik.<\/p>\n<p>Dass die von Knack vorangetriebene sozialstaatliche Modernisierung auch ihre T\u00fccken hatte, beweisen Knacks Aktivit\u00e4ten im Bereich eines seiner politischen Schwerpunkte, der Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten. Max Quarck, mit dem Knack in dieser Frage zusammenarbeitete, wies darauf hin, dass seit dem Weltkrieg die Syphiliserkrankungen zugenommen h\u00e4tten. Tats\u00e4chlich waren genaue Zahlen nicht zu gewinnen; es existierten lediglich Sch\u00e4tzungen, so vermutete Quark aufgrund bestimmter Hochrechnungen, dass in den Gro\u00dfst\u00e4dten etwa 10-12% der Einwohnerschaft an Geschlechtskrankheiten &#8211; vor allem Syphilis und Tripper &#8211; litten.[39] In der Begr\u00fcndung zum Entwurf eines Gesetztes zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten von 1920 wurden als Gr\u00fcnde f\u00fcr die schnelle Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten die Verwilderung der Sitten Jugendlicher im Weltkrieg, die R\u00fcckkehr der Truppen und die feindliche Besatzung genannt.[40] Knack f\u00fchrte 1921 in seiner Physikatsarbeit[41] aus, dass bisherige Ma\u00dfnahmen in Hamburg, die sich beschr\u00e4nkten auf polizeiliche und gesundheitliche Kontrolle der registrierten Prostituierten in den Bordellen, das Aufgreifen nicht-registrierter (und damit illegaler) Prostituierter und &#8211; bei festgestellter Krankheit &#8211; Einweisung auf die Polizeistation des Allgemeinen Krankenhauses Barmbek, keinen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten leisten konnten. Das Problem der sich ausweitenden Geschlechtskrankheiten sei nicht urs\u00e4chlich eines der Prostituierten, sondern eines des sich \u00fcberhaupt ausweitenden au\u00dferehelichen Geschlechtsverkehrs. Knack verweist in seiner Untersuchung auf die hohen Prozentzahlen von Geschlechtskranken unter Soldaten, Seeleuten, Studenten und Kellnerinnen.[42] Eine moralische Bewertung dieses Ph\u00e4nomens ist f\u00fcr den Gesundheitspolitiker Knack nicht nur \u00fcberfl\u00fcssig, sondern auch nutzlos. Das Konzept, das Knack vorschl\u00e4gt, umfasst mehrere Schritte:<\/p>\n<ul>\n<li>Aufhebung der Bordelle, d.h. der Reglementierung der Prostitution,<\/li>\n<li>Verhinderung ihrer verdeckten Fortsetzung,<\/li>\n<li>Durchf\u00fchrung sozialer Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Prostituierte, die &#8222;aussteigen&#8220; wollen,<\/li>\n<li>Aufhebung der Bestimmungen, die den freien Verkauf von empf\u00e4ngnisverh\u00fctenden und vor Ansteckung sch\u00fctzenden Mitteln einschr\u00e4nken,<\/li>\n<li>Durchf\u00fchrung von gro\u00dfen Aufkl\u00e4rungskampagnen f\u00fcr die Benutzung von Schutzmitteln, z.B. Kondomen, und &#8211; Voraussetzung daf\u00fcr &#8211; die Erziehung zu einer &#8222;freien geschlechtlichen Auffassung&#8220;, die Sexualit\u00e4t als naturgegeben und selbstverst\u00e4ndlich ansieht,<\/li>\n<li>Einf\u00fchrung hygienischer Mindeststandards, z.B. Ausstattung von Hotelzimmern mit Waschbecken usw.,<\/li>\n<li>Melde- und Behandlungszwang f\u00fcr alle Geschlechtskranken, d.h. f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Diskussion um die Schlie\u00dfung der Bordelle in Hamburg in der B\u00fcrgerschaft 1921 f\u00fchrte Knack noch einmal unmissverst\u00e4ndlich aus, dass f\u00fcr ihn die notwendige Aufhebung der Kasernierung der Prostituierten und deren Reglementierung einhergehen m\u00fcsse mit &#8222;sch\u00e4rfsten Zwangsma\u00dfnahmen&#8220; gegen Kranke, die leichtsinnigerweise ihre Krankheit auf andere \u00fcbertr\u00fcgen.[43]<\/p>\n<p>Knack fand es nicht nur peinlich, dass Hamburger \u00c4rztinnen gegen den freien Vertrieb von empf\u00e4ngnisverh\u00fctenden Mitteln protestiert hatten,[44] sondern hielt selbst vor allem Pr\u00e4servative f\u00fcr eine wirksame Prophylaxe und forderte deren offensive \u00f6ffentliche Verbreitung: &#8222;Eine wirksame Verbreitung von Prophylaktika kann nicht durch Belehrung oder Aush\u00e4ndigung von Trakt\u00e4tchen, sondern nur durch praktische Heranbringung der Mittel an die gef\u00e4hrdeten Personen erreicht werden.&#8220;[45]<\/p>\n<p>Diese vom Gesichtspunkt einer Effektivierung gesundheitspolitischer Ma\u00dfnahmen geleiteten und durchaus positiv zu bewertenden Freiz\u00fcgigkeit stand die Vorstellung einer Art von Gesundheitsdiktatur zur Seite: Die polizeiliche Kontrolle sollte durch die gesundheitliche ersetzt werden, die federf\u00fchrende Gesundheitsbeh\u00f6rde sollte mit geradezu diktatorischen Vollmachten hinsichtlich der Registrierung und Behandlung geschlechtskranker Personen ausgestattet werden. Dem Technokraten einer solchen Gesundheitsb\u00fcrokratie waren alle Menschen gleich und gleich zu behandeln: M\u00e4nner, Frauen, arm und reich.<\/p>\n<p>Am 17. Juni 1921 wurden nach einem Beschluss der B\u00fcrgerschaft in Hamburg s\u00e4mtliche Bordelle aufgel\u00f6st.[46] Knack, der sich f\u00fcr diese Ma\u00dfnahme stark gemacht hatte, erwartete allerdings flankierend die Verabschiedung des schon im M\u00e4rz 1920 im Entwurf vorgelegten Reichsgesetzes zur Bek\u00e4mpfung von Geschlechtskrankheiten, das die \u00e4rztliche Meldepflicht und Zwangsbehandlung f\u00fcr Geschlechtskranke vorsah. Erst dann h\u00e4tte in Hamburg entsprechend seiner Programmatik gehandelt werden k\u00f6nnen. Immer wieder forderte Knack die Verabschiedung dieses Gesetzes; die SPD-Reichstagsfraktion handelte seiner Ansicht nach in dieser Frage &#8211; wie auch in der einer Abschaffung des Paragraphen 218 &#8211; nicht konsequent genug.[47]<\/p>\n<figure id=\"attachment_31924\" aria-describedby=\"caption-attachment-31924\" style=\"width: 313px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31924\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbzahn.jpg\" alt=\"(3) Auch eine Intervention: die schulzahn\u00e4rztliche Abteilung im AK Barmbek\" width=\"313\" height=\"227\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbzahn.jpg 313w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbzahn-300x218.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 313px) 85vw, 313px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31924\" class=\"wp-caption-text\">(3) Auch eine Intervention: die schulzahn\u00e4rztliche<br \/>Abteilung im AK Barmbek<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem das Reichsgesetz zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten 1927 endlich verabschiedet worden war,[48] wurde in der Hamburger B\u00fcrgerschaft erneut diskutiert, wie den Geschlechtskrankheiten am erfolgreichsten zu begegnen sei. Knack machte nun allerdings deutlich, dass f\u00fcr ihn entsprechend dem englischen Modell auch &#8222;freie Polikliniken&#8220;, ohne direkten Zwang und Polizeiaspekt denkbar seien.[49] Es waren solche Lernprozesse f\u00fcr Knack pers\u00f6nlich wie f\u00fcr die gouvernementale Str\u00f6mung in der Sozialdemokratie \u00fcberhaupt sehr typisch: &#8222;Von Hause aus&#8220; war man gewisserma\u00dfen Preu\u00dfe und als solcher zu obrigkeitlicher Diktatur der Einsicht geneigt &#8211; im Austausch mit liberaleren Auffassungen, wie sie sich etwa in der Politik englischer oder holl\u00e4ndischer Sozialdemokraten verk\u00f6rperten, zeigte man sich durchaus aufnahmebereit. Zum K\u00e4mpfer f\u00fcr Liberalit\u00e4t wurde Knack darum noch lange nicht: Das GBG, das im Grunde nichts anderes war als ein Freibrief f\u00fcr Zwangsbehandlung, galt ihm uneingeschr\u00e4nkt als ein &#8222;Kulturgesetz&#8220;.[50]<\/p>\n<p>Die von Knack angestrebte Ausweitung gesundheitspolitischer Interventionen ging einher mit einer Art &#8222;Medizinalisierung&#8220; sozialer Probleme. Immerhin aber bedeutete dies bei seinem Verst\u00e4ndnis von Medizin, das immer soziale Aspekte einschloss, zun\u00e4chst eine Zur\u00fcckweisung strafrechtlicher Verfolgung bestimmter Erscheinungen. So etwa ist Knack die Homosexualit\u00e4t zwar &#8222;abartige Veranlagung&#8220; oder Krankheit, doch genau deshalb eben nicht strafrechtlich zu verfolgen: &#8222;Es ist eine Kulturfrage f\u00fcr uns Sozialisten, ob man einen Abartigen, vielleicht auch als Kranken zu bezeichnenden Menschen zum Verbrecher stempelt oder ob man diesen Menschen, sozial bzw. \u00e4rztlich richtig anfasst. Dann wird er auch kein Sch\u00e4dling der Gesellschaft sein; Sch\u00e4dlinge sind auch bisher nur diejenigen, die auf Grund des herrschenden Gesetzesparagraphen Erpressungen und der\u00adgleichen an diesen armen Menschen begehen.&#8220;[51] Mit der biologistischen Sichtweise von Homosexualit\u00e4t stand Knack unter sozial\u00addemokratischen und sozialistischen \u00c4rzten nicht allein.[52] Hier war ein Pfad gelegt, dessen hochproblematische Richtung in Knacks Ansichten \u00fcber Bev\u00f6lkerungspolitik und \u00fcber Verbrechertum und Verbrechen noch sch\u00e4rfer erkennbar wurde.<\/p>\n<p>Knack hielt eine &#8222;planm\u00e4\u00dfige Bev\u00f6lkerungspolitik&#8220; f\u00fcr eine der zentralen gesundheitspolitischen Aufgaben der Sozialdemokratie. Ein gesundes Volk als Grundlage einer sozialistischen Gesellschaft bed\u00fcrfe des bewussten Eingriffes in die Natur, die Vererbung krankhafter Veranlagung m\u00fcsse vermieden werden.[53] Auch wenn Knack sich hier Beratungs- und \u00dcberzeugungsarbeit vorstellte, ist hinreichend deutlich, wie diese Position im Faschismus zur Politik der &#8222;Ausmerze&#8220; f\u00fchrte.[54]<\/p>\n<p>Notwendig erschien Knack prinzipiell eine Mitwirkung des medizinischen Sachverstandes im Strafrecht und der Strafverfolgung. Der Verbrecher war f\u00fcr ihn ein Psychopath, Verbrechen nicht als soziale Krankheit, sondern als Krankheit \u00fcberhaupt, die dem einzelnen nicht anzulasten sei. &#8222;Vom \u00e4rztlichen Standpunkt aus fordern wir Schutz der Gesamtheit vor der krankhaften Anlage des Verbrechers, aber keine Strafe des einzelnen&#8220;.[55] Der Strafvollzug habe eigentlich vom Arzt auszugehen, der beurteilen m\u00fcsse, welcher Grad &#8222;sozialer Minderwertigkeit&#8220; bei dem &#8222;eingelieferten Patienten&#8220; vorliege. Er sei &#8211; wenn m\u00f6glich &#8211; zu einem &#8222;sozial brauchbaren Mitglied der Gesellschaft&#8220; zu erziehen; wichtig seien Ausbildungsma\u00dfnahmen im Gef\u00e4ngnis und angemessene Entlohnung der Gef\u00e4ngnisarbeit.[56] Es verwundert wenig, dass f\u00fcr Knack Sozialp\u00e4dagogik &#8222;immer ein schlimmes Wort&#8220; war, bringt es doch das Prinzip der spezialisierten Professionalisierung in der Sozialpolitik zum Ausdruck, dessen Parallele der sich keiner sozialen Verantwortung bewusste Mediziner ist. Dieses widerspricht der von Knack ange\u00adstrebten Integration medizinischer, sozialer und p\u00e4dagogischer Aspekte in der Sozialpolitik, sozialpolitische Intervention in seinem Sinne hatte beh\u00f6rdliche und fachliche Grenzen vielmehr zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Die dritte der Aufgaben im Rahmen einer Verstaatlichung des Gesundheitswesens schien Knack 1919 nur in weiter Ferne erreichbar: die &#8222;Verstaatlichung des \u00c4rztestandes&#8220;.<\/p>\n<p>Vorderhand wichtiger war Knack etwas anderes: eine \u00c4nderung der Einstellung der Mediziner. Seine Vision war die eines &#8222;Sozialarztes&#8220;, eines Arztes, der aus \u00e4rztlicher Sicht Sozialpolitik treibt: &#8222;Es ist meine Hoffnung, dass durch die ver\u00e4nderten Verh\u00e4ltnisse, die unser ganzes politisches und wirtschaftliches Leben durch die Revolution erfahren hat, auch aus unseren \u00c4rzten sich immer mehr Kr\u00e4fte zur sozial\u00e4rztlichen T\u00e4tigkeit entwickeln, denn die Sozial\u00e4rzte k\u00f6nnen viele Krankheiten verhindern, vielen Gesundheitssch\u00e4den vorbeugen, w\u00e4hrend die die Krankenbehandlung treibenden \u00c4rzte doch immer nur die schon entstandenen Leiden heilen k\u00f6nnen.&#8220;[57]<\/p>\n<p>Eine Etappe auf dem Weg, die \u00c4rzte st\u00e4rker in die soziale Pflicht zu nehmen, konnte seiner Ansicht nach die Umwandlung der Standesvertretung der \u00c4rzte in eine Berufsvertretung sein. Es lag ihm daran, die Ehrengerichtsbarkeit der \u00c4rztekammer abzuschaffen und stattdessen die Kompetenzen der Gesundheitsbeh\u00f6rde zu erweitern und dieser Strafbefugnis zu erteilen.[58] Aber dieses Ziel musste mit dem Erlass der neuen \u00c4rzteordnung vom 8.10.1923, mit der die Reorganisation der Gesundheitsverwaltung abgeschlossen wurde, zur\u00fcckgeschraubt werden. Durchgesetzt wurde lediglich die Aufnahme von Vertretern der Bev\u00f6lkerung in die Ehrengerichte der \u00c4rztekammer; f\u00fcr Knack war dies gleichwohl schon die &#8222;Verwandlung der Standeskammer zu einer Interessenvertretung der Gesamtbev\u00f6lkerung gegen die Sch\u00e4dlinge des \u00c4rztestandes&#8220;.[59] Ein weiterer Ansatzpunkt f\u00fcr Knack war die Einf\u00fchrung des Verh\u00e4ltniswahlrechts in der \u00c4rztekammer, das er &#8211; wie insgesamt die SPD &#8211; forderte,[60] und das in Par.15 der \u00c4rzteordnung von 1923 auch verankert wurde.[61]<\/p>\n<p>Von seinem m\u00fchsamen Kampf gegen \u00e4rztliches Profitinteresse und Standesdenken zeugen Knacks \u00c4u\u00dferungen und Handlungen in der B\u00fcrgerschaft und verschiedenen Aussch\u00fcssen immer wieder. So kritisierte er, dass der Senat die hohen Gehaltsforderungen der Eppendorfer Professoren akzeptierte,[62] so stritt er sich mit Vertretern der medizinischen Fakult\u00e4t bei der Ausarbeitung eines Hochschulgesetzes um Vertretungsrechte des akademischen Mittelbaus,[63] so gibt er nur mit Bedenken seine Zustimmung zur Einf\u00fchrung des Titularprofessors[64] &#8211; eines Titels, mit dem viel Missbrauch getrieben werde, da es den ernannten Privatdozenten oft nicht um eine Beteiligung am wissenschaftlichen Prozess ginge, sondern lediglich um eine eintr\u00e4gliche Praxis.[65] Bedenkt man, dass gerade Knack sich f\u00fcr die Einrichtung einer medizinischen Fakult\u00e4t an der 1919 neu gegr\u00fcndeten Hamburger Universit\u00e4t eingesetzt hatte,[66] wundert seine aggressiv-entt\u00e4uschte Haltung den vor allem ihre Standesinteressen wahrenden Hochschulprofessoren der medizinischen Fakult\u00e4t gegen\u00fcber wenig (&#8222;&#8230;unsere geistige F\u00fchrung ist nicht damit gemacht, dass unsere Hochschulprofessoren in Villen in Harvestehude wohnen und dass unsere Studenten, geschm\u00fcckt mit bunten Kappen und B\u00e4ndern und Zierst\u00f6ckchen, auf dem Jungfernstieg hin- und her spazieren&#8220;).[67]Eine Verbesserung erhoffte sich Knack schlie\u00dflich durch neue, aus anderen Bev\u00f6lkerungskreisen kommende Studenten; er setzte &#8211; so sicherlich nicht nur in biographischer Reminiszenz begr\u00fcndet &#8211; Stipendien f\u00fcr unbemittelte Studenten in der B\u00fcrgerschaft trotz schon zu diesem Zeitpunkt beginnender Teuerung durch.[68]<\/p>\n<p>Knacks Perspektive, der politische als der sozial verantwortliche Arzt m\u00fcsse geradezu nat\u00fcrliches Resultat der Revolution sein, wurde also best\u00e4ndig durch negative Erfahrungen dementiert. Es mutet aus heutiger Sicht fast naiv an, dass Knack trotzdem immer wieder das fehlende Interesse der \u00c4rzte an einer &#8222;Neuorientierung&#8220; bedauerte und vermisste, dass es keine Impulse im Hinblick auf die Wahrnehmung sozialer Aufgaben durch die \u00c4rzte gebe.[69]<\/p>\n<p>Knacks Hoffen und Bangen in dieser Frage war die Kehrseite seiner Hilflosigkeit. Die Landespolitik war gegen\u00fcber einer gro\u00dfen Gruppe der \u00c4rzteschaft, den niedergelassenen \u00c4rzten, weitgehend machtlos; die Regelung ihrer Stellung &#8211; d.h. vor allem ihr Verh\u00e4ltnis zu den Krankenkassen &#8211; war der Zentralgewalt anheim gegeben.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von niedergelassenen \u00c4rzten und Krankenkassen war seit Gr\u00fcndung der Krankenkassen gem\u00e4\u00df der Reichsversicherungsordnung immer brisant geblieben. Die Kassen (und mit ihnen die Arbeiterparteien, nachdem sie sich mit der Existenz der Zwangskassen abgefunden hatten) strebten nach Ausweitung der Versicherungspflicht f\u00fcr alle, nach Selbstverwaltung und nach autonomer Gestaltung der \u00c4rzteverg\u00fctung, letzteres m\u00f6glichst in Form von Einzelvertr\u00e4gen mit freien \u00c4rzten oder in Form von Angestelltenverh\u00e4ltnissen. Die Interessenorganisationen der freien \u00c4rzte hingegen forderten<\/p>\n<ul>\n<li>&#8211; Begrenzung der Versicherungspflicht auf einige wenige Bev\u00f6lkerungsgruppen (um den Anteil der privaten Liquidation gro\u00df zu halten);<\/li>\n<li>&#8211; Kollektivvertr\u00e4ge zwischen kassen\u00e4rztlichen Vereinigungen und \u00c4rzten (um selbst \u00fcber die Zahl der Kassen\u00e4rzte und die Arzt-Patient-Relation verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen);<\/li>\n<li>&#8211; Vertretung der kassen\u00e4rztlichen Vereinigung in der Kassenverwaltung (um Einfluss auf die Verg\u00fctungssysteme nehmen zu k\u00f6nnen).<\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesem Interessenkonflikt stellte sich die Reichsregierung durchweg eher auf die Seite der freien \u00c4rzte. Die M\u00f6glichkeiten, der freien \u00c4rzteschaft durch medizinische Versorgungsinstanzen der Kassen (Arzneimittelausgabestellen, Ambulatorien etc.) Konkurrenz zu machen, hielten sich in sehr engen Grenzen; der Berufsstand und seine profitorientierte Interessenstruktur blieb Realit\u00e4t und stellte eine grundlegende \u00c4nderung des gesamten Gesundheitssystems von vornherein in Frage. Auch aus diesem Grunde operierte sozialdemokratische Gesundheitspolitik auf Landesebene nach der beschr\u00e4nkten Formel &#8222;Ausbau des staatlichen Krankenhauswesens plus Aufbau pr\u00e4ventiver Medizin im Rahmen eines sozialpolitischen\/sozialhygienischen Gesamtapparates&#8220;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-31925\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbmft.jpg\" alt=\"webakbmft\" width=\"470\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbmft.jpg 470w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbmft-300x121.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 85vw, 470px\" \/><\/p>\n<figure id=\"attachment_31926\" aria-describedby=\"caption-attachment-31926\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31926\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbmft2.jpg\" alt=\"(4) Hygiene-Erziehung mit Sport - im Krankenhaus geht das!\" width=\"470\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbmft2.jpg 470w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbmft2-300x120.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 85vw, 470px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31926\" class=\"wp-caption-text\">(4) Hygiene-Erziehung mit Sport &#8211; im Krankenhaus geht das!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hatte Knack noch 1922 im Rahmen der Auseinandersetzung um die Arbeit der Kommission, die den Vorschlag f\u00fcr ein Gesundheitsprogramm der SPD entwickelte, deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ihm die &#8222;Neuordnung eines einzelnen Standes&#8220; zwar nicht unwesentlich schien, aber &#8222;nur das Anschneiden einer Detailfrage&#8220; bedeute,[70] \u00e4nderte sich offensichtlich seine Einsch\u00e4tzung \u00fcber die Wichtigkeit dieser Frage in sp\u00e4teren Jahren. 1929 sch\u00e4tzte er ein, dass es keine einheitliche Krankenversorgung geben werde &#8211; und solange m\u00fcsse eigentlich noch von Klassenmedizin gesprochen werden[71] &#8211; solange es freiberufliche \u00c4rzte gebe. Er hielt die Verstaatlichung des \u00c4rzteberufes f\u00fcr zwingend geboten, sah aber keinen Weg, wie dieses geschehen solle.[72]<\/p>\n<p>Die Politik der &#8222;Verstaatlichung&#8220; des gesamten Gesundheitswesens scheiterte also an dem Widerstand konservativer Professionspolitik der \u00c4rzte; ob dies ein gro\u00dfer Verlust war, ist allerdings fraglich, zeigen doch gerade Knacks Bestrebungen besonders ausgepr\u00e4gt auch das h\u00e4ssliche Gesicht aller sozialstaatlichen Modernisierung: Normalisierungsbestrebungen, wie sie sozialpolitische Reform in den 1920er Jahren darstellte, gehen einher mit dem Aufsp\u00fcren fremder Lebensweisen und -normen, mit Disziplinierung und einer Ausweitung von Kontrollinstanzen und Kontrollm\u00f6glichkeiten.[73]<\/p>\n<p>Das in Knacks Anschauungen sich durchweg Positives mit Problematischen vermengte, wird vollends deutlich, wenn man sie mit den Positionen der anderen &#8222;politischen \u00c4rzte&#8220; in der B\u00fcrgerschaft vergleicht.<\/p>\n<p>Da gab es den Arzt Prof. Dr. Rudolf Hahn, Chef der Abteilung f\u00fcr Haut- und Geschlechtskrankheiten am AK Barmbek seit dessen Gr\u00fcndung.[74] Er vertrat von 1924 bis 1927 die Deutschnationale Volkspartei in der B\u00fcrgerschaft. Hahn war der gro\u00dfe Gegenspieler Knacks auf der Rechten. Er vertrat stets die b\u00fcrgerlich-konservative Auffassung der Gesundheitspolitik. So votierte Hahn f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Bordellstra\u00dfen, f\u00fcr eine exzessive Handhabung der Polizeigewalt gegen mutma\u00dflich geschlechtskranke Besucher &#8222;verd\u00e4chtiger&#8220; Lokale, gegen den Achtstundentag f\u00fcr Krankenschwestern usw. Hahn war f\u00fcr Knack insofern ein gef\u00e4hrlicher Gegner, als er etwa in der Frage der Geschlechtskrankheiten tats\u00e4chlich als Kenner der medizinischen, sozialen und polizeilichen Aspekte der Prostitution gelten konnte. \u00dcberdies war Knack seit 1923 der direkte Vorgesetzte Hahns, ein Umstand, der einerseits ihrem Streit besondere Brisanz verlieh, andererseits Knack oft auch zu z\u00e4hneknirschender Zur\u00fcckhaltung veranlasste. Als z.B. 1927 die Gesundheitsbeh\u00f6rde &#8211; auf Betreiben des Jugendausschusses des ADGB-Hamburg &#8211; beim AK Barmbek anfragte, inwieweit bei den im Krankenhaus befindlichen geschlechtskranken jungen Prostituierten Erwerbslosigkeit als Ursache der Prostitution in Betracht zu ziehen sei, musste Knack die Angelegenheit an Hahn zur Beantwortung weiterleiten. Hahns Gutachten, nicht die Erwerbslosigkeit an sich sei schuld an der Prostitution der M\u00e4dchen, sondern ihre Bummelei und ihr schlechter Umgang, richtete Knack dann kommentarlos an die Gesundheitsbeh\u00f6rde weiter, obwohl er sich in anderen F\u00e4llen zustimmender oder ablehnender Bemerkungen zu den Darlegungen seiner Chef\u00e4rzte durchaus nicht enthielt.[75]<\/p>\n<p>Einen weiteren Gegenspieler besa\u00df Knack auf der Linken, und zwar in dem Naturheilkundigen Walter Flie\u00df, der von 1920 bis 1921 die USPD in der B\u00fcrgerschaft vertrat, dann mit der Gruppe um Th\u00e4lmann zur KPD wechselte und bis 1924 deren Abgeordneter war.[76] Flie\u00df&#8216; Auffassungen waren allerdings weit mehr als nur blo\u00dfe Kontrapunkte &#8211; in der Frageperspektive, was linke Medizin beinhalten k\u00f6nnte, stellten sie gewisserma\u00dfen eine dialektische Erg\u00e4nzung der Knackschen Linie dar. Die Person Walter Flie\u00df und ihr Auftreten in der B\u00fcrgerschaft verdienen daher eine n\u00e4here Betrachtung.<\/p>\n<p>Flie\u00df war als Naturarzt notgedrungen eine schillernde Figur. Die au\u00dferordentlich scharfe Ablehnung &#8222;nat\u00fcrlicher&#8220; Heilmethoden durch die zeitgen\u00f6ssische Schulmedizin, aber auch das enthusiastische Sektierertum der Lebensreformbewegung selbst, die den Hintergrund der Naturheilkunde darstellte, schlie\u00dflich die materiell unsichere Position eines Naturarztes lie\u00dfen Flie\u00df in seiner Arbeit oft in dubiose Gefilde vordringen. Mit seinen Vortr\u00e4gen \u00fcber Magnetismus und Parapsychologie etwa stand er mit mehr als einem Bein im Lager des Obskurantismus, und seine aggressive Werbung f\u00fcr seine Anstalt trug mehr als einmal deutliche Z\u00fcge medizinisch unverantwortlicher Quacksalberei.[77]<\/p>\n<p>Im Zentrum seiner T\u00e4tigkeit standen allerdings Bem\u00fchungen, die noch heute als verdienstvoll gelten k\u00f6nnen: die Behandlung von Magen-, Darm, Haut- und Geschlechtskrankheiten auf der Basis pflanzlicher Medikamente, ferner der Verkauf und die Erl\u00e4uterung hygienischer Artikel, insbesondere solcher zur Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung und zur Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten. Auch mit solchen Be\u00adstrebungen befand man sich damals, dies sollte nicht vergessen werden, am Rande der Legalit\u00e4t.<\/p>\n<p>In politischer Hinsicht stand Flie\u00df, wie bei Lebensreformern \u00fcblich, auf der Seite der Sozialdemokratie &#8211; als aufkl\u00e4rerischer Intellektueller, f\u00fcr den die Aufgabe der Sozialdemokratie in erster Linie in einem Kulturkampf bestand.[78]<\/p>\n<p>Flie\u00df&#8216; Auftreten in der B\u00fcrgerschaft war vor allem durch drei Motive gekennzeichnet. Zum ersten agierte er als Interessenvertreter der Naturheilkunde-Bewegung und forderte deren Verankerung in den Institutionen der Gesundheitsbeh\u00f6rde, der \u00e4rztlichen Selbstverwaltung (\u00c4rztekammer) und der Universit\u00e4t (z.B. durch einen Lehrstuhl). Obwohl Knack in der Regel diesen Ambitionen beisprang, blieb der gesetzgeberische Ertrag doch gering.[79] Zum Zweiten zeigte er ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Vielschichtigkeit staatlicher Gesundheitspflege, beteiligte sich \u00fcberaus konstruktiv an den entsprechenden Beratungen in Parlament und Aussch\u00fcssen und scheute auch nicht die \u00dcbernahme verantwortlicher Positionen im Gesundheitsapparat oder in freien Organisationen wie etwa dem Arbeiter-Samariter-Bund. Auch in dieser Hinsicht stand er Knack recht oft sehr nahe, weswegen dieser Flie\u00df bei aller Verschiedenheit der Lebenswege und Auffassungen als volkst\u00fcmlichen Sozialarzt und Bruder im Geiste akzeptierte, ja sogar sch\u00e4tzte.[80] Zum Dritten aber erwies sich Flie\u00df als kompromissloser Verteidiger b\u00fcrgerlicher Grundrechte und damit als Gegner Knacks, dessen &#8222;Bef\u00fcrsorgungs&#8220;-Konzepte eben nicht selten von staatlicher Allmacht-Phantasie getragen waren. So war die von Knack geplante Zwangsbehandlung Geschlechtskranker in Flie\u00df&#8216; Sicht v\u00f6llig indiskutabel: aus medizinischen Gr\u00fcnden, da die hierf\u00fcr einschl\u00e4gigen chemischen Pr\u00e4parate (das von Paul Ehrlich und Sahachiro Hata 1910 auf den Markt gebrachte Salvarsan, eine organische Arsenverbindung; ferner pures Quecksilber als Salbe und das sog. Sublimat, d.i. Quecksilberchlorid) milde gesagt umstritten seien, den Kennern aber als lebensgef\u00e4hrlich gelten m\u00fcssten, dar\u00fcber hinaus auch aus prinzipiellen Erw\u00e4gungen, denn man k\u00f6nne Menschen nicht nach Methoden behandeln, die diese ablehnten. In Hamburg gebe es z.B. tausende Anh\u00e4nger der Naturheilkunde; sie zwangsweise mit allopathischen Mitteln zu behandeln, bedeute zumindest Vergewaltigung.[81] Flie\u00df ging es v.a. darum, solchen Mediziner-Terror zu brechen: Dies k\u00f6nne auf dem Wege einer Sozialisierung der Medizin, wie sie den Sozialdemokraten vorschwebe, durchaus geschehen, eine Sicherheit gebe dies Konzept daf\u00fcr allerdings nicht. Genauso erw\u00e4genswert sei eine v\u00f6llige Liberalisierung der medizinischen Versorgung, gewisserma\u00dfen die Erkl\u00e4rung der Gesundheit zur Privatsache.[82]<\/p>\n<p>Als anklagender Volkstribun, jene in der kommunistischen Parlamentsarbeit \u00fcbliche Rolle, wollte Flie\u00df sich nicht verstehen. Diese Funktion \u00fcbernahmen f\u00fcr den Gesundheitsbereich die Abgeordneten Urbahns und von Borstel. Ab 1924, nach dem Austritt Flie\u00df&#8216; aus der KPD,[83] verlagerte sich der Schwerpunkt der kommunistischen Gesundheitspolitik dann ganz auf Interessenvertretungs-Kampagnen der Patienten und des Pflegepersonals gegen reaktion\u00e4ren \u00c4rzted\u00fcnkel und sozialdemokratische Sparpolitik. Letzteres richtete sich sehr h\u00e4ufig gegen Knack, der als profilierter sozialdemokratischer Krankenhausdirektor f\u00fcr Entlarvungsversuche eine ideale Zielscheibe bot.<\/p>\n<h3>Der Chef von Barmbek<\/h3>\n<p>1910 war mit dem Bau des Allgemeinen Krankenhauses Barmbek begonnen worden. Ende 1913 hatte das Krankenhaus seinen Betrieb aufgenommen. Der umfangreiche Gesamtkomplex setzte sich aus verschiedenen Teilen zusammen, den in massiver Weise erbauten Geb\u00e4uden der Hauptanstalt und einem Barackenkrankenhaus. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme f\u00fcr 2000 Betten ausgelegt, ist das AK Barmbek &#8211; 1928 mit 2400 Betten &#8211; nach dem Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf, das Raum f\u00fcr 2770 Betten bot, das zweitgr\u00f6\u00dfte Hamburgs.[84] 1928 waren 1481 Personen im AK Barmbek besch\u00e4ftigt, davon nur 67 \u00c4rzte, 175 Schwestern und 406 Pflegekr\u00e4fte.[85]<\/p>\n<p>Als \u00c4rztlicher Direktor dieses Krankenhauses hat Knack versucht, einige Reformen hinsichtlich der Organisation, der Patientenbehandlung und des Personals ins Werk zu setzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31927\" aria-describedby=\"caption-attachment-31927\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31927\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbplan.jpg\" alt=\"(5) AK Barmbek: Ein Gro\u00dfkrankenhaus aus einem Guss  - dabei offen f\u00fcr Innovationen\" width=\"470\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbplan.jpg 470w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbplan-300x216.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 85vw, 470px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31927\" class=\"wp-caption-text\">(5) AK Barmbek: Ein Gro\u00dfkrankenhaus aus einem Guss<br \/>&#8211; dabei offen f\u00fcr Innovationen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Knack verstand das Krankenhaus &#8211; wie es seiner Auffassung von &#8222;sozialer Medizin&#8220; entsprach &#8211; nicht nur als einen Betrieb, der \u00e4rztliches Fachwissen und \u00e4rztliche Behandlung bereitzustellen hatte, sondern als einen Betrieb der umfassenden Gesundheitsf\u00fcrsorge. Ein Blick auf die soziale Zusammensetzung der Patienten &#8211; 60% unterlagen der Versicherungspflicht, 30% wurden von der Wohlfahrtsbeh\u00f6rde betreut und 10% waren &#8222;Selbstzahler&#8220;, also Privatpatienten[86] &#8211; l\u00e4sst ahnen, dass mit der Aufnahme in das Krankenhaus nicht alle Probleme der Patienten gel\u00f6st waren &#8211; oft begannen neue erst mit dem Krankenhausaufenthalt: &#8222;Die F\u00fcrsorge f\u00fcr einen Arbeiter, der nach einem Unfall von der Arbeitsstelle direkt ins Krankenhaus geschafft wird, dessen Frau herzleidend ist oder sich in einem vorger\u00fcckten Monat der Schwangerschaft befindet, ist nicht damit erledigt, dass er selbst in einer Krankenstation untergebracht wird und die Familie durch ein Telegramm oder einen Boten von dem geschehenen Ungl\u00fcck in Kenntnis gesetzt wird. Ein anderer Arbeiter, der eine vielk\u00f6pfige Familie zu ern\u00e4hren hat, ist keinesfalls aller Sorge behoben dadurch, dass er in einer Tuberkulosestation untergebracht wird und seine Familie das ihr zustehende Hausgeld seitens der Krankenkasse erh\u00e4lt. Einer Frau, die infolge einer pl\u00f6tzlichen Unterleibsblutung aus ihrem Haushalt herausgerissen wird, ist nicht nur mit einer Operation geholfen. Ein junges M\u00e4dchen, das wegen einer Geschlechtskrankheit aufgenommen wurde, kann nicht nach eingetretener Heilung stellen- und obdachlos entlassen werden. (&#8230;). Das allen gemeinsame ist, dass bei m\u00e4nnlichen wie weiblichen, jugendlichen wie \u00e4lteren Patienten nicht nur auf die Heilung oder auf die Betreuung der Erkrankung allein geachtet werden darf, sondern dass auch die Beziehungen des einzelnen Patienten zur Au\u00dfenwelt sorgsamst gepr\u00fcft werden m\u00fcssen.&#8220;[87] Knack setzte sein besonderes Bem\u00fchen seit 1924 daran, die soziale Krankenhausf\u00fcrsorge am AK Barmbek auszubauen.[88] Diese F\u00fcrsorge &#8211; 1917 in Hamburg auf Initiative &#8222;mildt\u00e4tiger&#8220; b\u00fcrgerlicher Frauenkreise entstanden,[89] vorher jedoch schon u.a. an der Berliner Charite eingef\u00fchrt[90] &#8211; wurde vom Landesverein des Roten Kreuzes betrieben. Die F\u00fcrsorgerinnen arbeiteten nach Knacks Amtsantritt eng mit der Krankenhausverwaltung zusammen; ihnen war beispielsweise ein Raum f\u00fcr die Beratungsstunden bereitgestellt, ein Angestellter aus der Krankenhausverwaltung nahmen ihnen organisatorische Arbeit ab, sie konnten die Patienten auf den Stationen besuchen. Ihre Arbeit bestand in der Vermittlung von &#8222;Verschickungen&#8220;, in der Beschaffung der notwendigen orthop\u00e4dischen Hilfsmittel f\u00fcr die Patienten, der Unterbringung unversorgter Angeh\u00f6riger und generell in der Abwicklung vielf\u00e4ltiger Beh\u00f6rdeng\u00e4nge &#8211; insgesamt hatte die vom Roten Kreuz organisierte und finanzierte F\u00fcrsorget\u00e4tigkeit einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Umfang.[91] 1926 wurde Knack Mitglied in der &#8222;Deutschen Vereinigung f\u00fcr soziale Krankenhausf\u00fcrsorge&#8220;, 1927 wurde er in den Vorstand gew\u00e4hlt.[92] Als im Zuge der \u00f6konomischen Krise 1931 der &#8222;Vereinigung&#8220; keine ausreichenden Mittel mehr zur Verf\u00fcgung standen, bem\u00fchte sich Knack, die staatliche Finanzierung zu erhalten. Nach 1933 wurde aus der Beratungsstelle der sozialen Krankenhausf\u00fcrsorge \u00fcbrigens eine solche f\u00fcr Erbgesundheitspflege und Zwangssterilisation.[93]<\/p>\n<p>Zur Zeit der T\u00e4tigkeit Knacks waren die Patienten in der Regel in gro\u00dfen Krankens\u00e4len mit bis zu 30 oder mehr Patienten untergebracht, als kleine Einheiten galten schon solche mit 12-20 Betten. Knack war der Auffassung, dass diese Unterbringung nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df sei, da die Patienten den Wunsch nach einer &#8222;individualisierenden Behandlung&#8220; h\u00e4tten, dem in kleineren R\u00e4umen eher nachgekommen werden k\u00f6nne: &#8222;Der gro\u00dfe Krankensaal ist sowohl in \u00e4rztlicher wie in sozialer Beziehung nicht mehr zu empfehlen&#8220;.[94] Knack verwandelte schon bald nach seiner Amts\u00fcbernahme eine der &#8222;Kostg\u00e4ngerstationen&#8220;, die durch viele 1-3-Bett-Zimmer ausgezeichnet war und eigentlich f\u00fcr die Aufnahme von Privatpatienten gedacht und eingerichtet war, in eine Station f\u00fcr Kranke der normalen Kassen. Dieser Schlag gegen das Privatpatiententum war damals durchaus revolution\u00e4r; Knack meinte ihn daher noch besonders legitimieren zu m\u00fcssen, indem er auf die mangelnde Auslastung und die unwirtschaftliche Betriebsf\u00fchrung in reinen Kostg\u00e4ngerstationen hinwies.[95]<\/p>\n<figure id=\"attachment_31928\" aria-describedby=\"caption-attachment-31928\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31928\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbradio.jpg\" alt=\"(6) Radiokopfh\u00f6rer f\u00fcr Kassenpatientinnen\" width=\"310\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbradio.jpg 310w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbradio-300x250.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 310px) 85vw, 310px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31928\" class=\"wp-caption-text\">(6) Radiokopfh\u00f6rer f\u00fcr Kassenpatientinnen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Knacks Sorge f\u00fcr eine seiner Auffassung nach gute medizinisch-soziale Versorgung der Kranken[96]zeigte sich immer dann, wenn &#8211; im Zuge der Teuerungswelle bis 1923 und mit Einsetzen der gro\u00dfen Krise seit 1929 &#8211; Sparma\u00dfnahmen drohten. Er, der durchaus selbst bei anderen Gelegenheiten in der B\u00fcrgerschaft die sozialdemokratische Sparpolitik unterst\u00fctzt hatte und viel von einer wirtschaftlichen Krankenhausf\u00fchrung hielt, sah immer bei der Versorgung der Patienten die Grenzen f\u00fcr Einsparungen erreicht.[97] Krankenh\u00e4user seien nun einmal nicht Profit erwirtschaftende Unternehmen: &#8222;Wenn trotzdem immer wieder gro\u00dfe Summen f\u00fcr die Krankenh\u00e4user gefordert werden, m\u00fcssen wir uns klar dar\u00fcber sein, dass die Krankenh\u00e4user niemals wirtschaftliche Betriebe sein k\u00f6nnen, sondern soziale Be\u00adtriebe sind, und dass diese sozialen Betriebe, die der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung dienen sollen, nat\u00fcrlich einen gro\u00dfen Aufwand an \u00e4rztlichen und pflegerischen Hilfeleistungen, an Nahrungs- und Arzneimitteln, an Stoffen, Kleidung und dergleichen mehr erfordern, und dass die Krankenh\u00e4user niemals billig arbeiten k\u00f6nnen (&#8230;).&#8220;[98]<\/p>\n<p>Auch Knacks 1928 verfasstes Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Gro\u00dfpavillonsystem im Krankenhausbau gr\u00fcndete in seinen Vorstellungen von einer umfassenden Behandlung der Patienten. Auch wenn &#8211; so Knack &#8211; die modernen, mehrgeschossigen, zusammenh\u00e4ngenden Gro\u00dfgeb\u00e4ude nach US-amerikanischem Vorbild zweckm\u00e4\u00dfig sein k\u00f6nnten, seien die r\u00e4umlich weiten Anlagen des Gro\u00dfpavillonsystems eher geeignet, Sportpl\u00e4tze, Turn- und Schwimmhallen f\u00fcr die Rekonvaleszenz der Kranken zu beherbergen.[99] In Barmbek richtete Knack 1927 eine Sportabteilung ein, im Fr\u00fchjahr 1928 wurde ein Sportplatz angelegt. Hier fanden vormittags, geleitet durch einen sportlich vorgebildeten Arzt bzw. eine solche \u00c4rztin, f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen getrennte \u00dcbungsstunden statt.[100] Knack hielt diese Art der Leibes\u00fcbungen &#8211; deutlich von der Physikalischen Therapie zu unterscheiden &#8211; f\u00fcr besonders geeignet, den Heilungsprozess von Krankheiten, aber vor allem auch das &#8222;Gesundheitsverhalten&#8220; der Patienten zu verbessern: &#8222;Das Vorhandensein einer solchen Abteilung wird sich sehr bald dahin auswirken, dass der Sinn f\u00fcr naturgem\u00e4\u00dfe Lebensweise bei den Kranken gehoben wird und so das Krankenhaus mehr noch als bisher als hygienischer Erzieher wirkt.&#8220;[101]<\/p>\n<p>Diesen Bemerkungen \u00fcber das Krankenhaus als Erziehungsanstalt f\u00fcr die Patienten f\u00fcgte Knack einen weiteren Absatz hinzu, der verdeutlicht, worin eine Schwierigkeit vieler seiner Bem\u00fchungen in Barmbek lag: &#8222;Angestrebt werden muss nat\u00fcrlich, dass auch die \u00c4rzte wie das gesamte Krankenpflegepersonal von der Bedeutung sportlicher Bet\u00e4tigung durchdrungen sind und selbst in ganz anderem Ma\u00dfe aktiv mitarbeiten als bisher.&#8220;[102] \u00c4rzte, z.T. aber auch die Pflegekr\u00e4fte, waren n\u00e4mlich von Knacks Neuerungen nicht immer unbedingt \u00fcberzeugt.[103] Knack bem\u00fchte sich daher, ihnen nahe zu bringen, was sein Verst\u00e4ndnis von dem Krankenhaus als einem Ort der &#8222;Gesundheitserziehung&#8220; und der allgemeinen Bef\u00fcrsorgung war: &#8222;Die soziale Bef\u00fcrsorgung der Kranken nimmt einen immer gr\u00f6\u00dferen Raum in der \u00e4rztlichen T\u00e4tigkeit ein. Die Zeiten, in denen der Arzt nur Fachmann war &#8211; d.h. seine ganze Arbeit nur auf die Erkennung und Behandlung von Krankheiten konzentrieren konnte &#8211; sind vor\u00fcber. Die \u00e4rztliche T\u00e4tigkeit ist heutzutage auf eine viel breitere Basis gestellt; der Arzt bedarf zur Durchf\u00fchrung der ihm als Fachmann gestellten Aufgaben eingehender Kenntnis der mannigfachen Grenzgebiete des Gesundheitswesens.&#8220;[104] Knack begr\u00fc\u00dfte die \u00c4nderung der &#8222;Pr\u00fcfungsordnung f\u00fcr \u00c4rzte&#8220; von 1924, mit der die Sondergebiete der sozialen und gerichtlichen Medizin st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt wurden, vermutete jedoch, dass daf\u00fcr im Studium, da der Pr\u00fcfungsstoff insgesamt stark ausgeweitet wurde, keine Zeit bleibe, der &#8222;Kandidat also gezwungen ist, die Quantit\u00e4t seiner Ausbildung auf Kosten der Qualit\u00e4t zu steigern&#8220;. Als besonderes sozialmedizinisches Ausbildungsfeld der \u00c4rzte schlug Knack daher das Gro\u00dfkrankenhaus &#8211; Zentrum der Aufgaben im Bereich der sozialen Medizin &#8211; bzw. die Assistenzarztzeit vor. In Barmbek schuf Knack mit einer &#8222;Sozial\u00e4rztlichen Auskunftsstelle&#8220; mit angeschlossener Bibliothek hierf\u00fcr erste Voraussetzungen; ihr Leiter wurde der Verwaltungsoberinspektor des Krankenhauses. Dieser entwickelte sich mit der Zeit zu einem Fachmann f\u00fcr Fragen der Sozialversicherung und verwandter Fachgebiete Die \u00c4rzte des Krankenhauses Barmbek konnten und sollten diesen Fachmann bei allen diesbez\u00fcglichen Fragen zu Rate ziehen, vor allem beim Verfassen der \u00e4rztlichen Gutachten, deren Qualit\u00e4t aufgrund mangelnder Kenntnisse der \u00c4rzte &#8211; so Knack &#8211; zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df. Zus\u00e4tzlich wurden Unterrichtskurse bzw. Vortr\u00e4ge zu Fragen der Sozialmedizin angeboten.[105] Diese hatten unter Knacks Leitung eine starke Wissenschaftsorientierung; bei Reye, seinem Nachfolger, der die Kurse weiterf\u00fchrte, degenerierten sie zur allgemeinen Belehrung von Praktikern auf popul\u00e4rem Niveau.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Problem in Hamburger Krankenh\u00e4usern war die Differenzierung zwischen Schwesternschaft und Pflegepersonal. Die Schwestern, die vom 1895 gegr\u00fcndeten Erika-Verein ausgebildet und besch\u00e4ftigt wurden, waren nur im mittelbaren Staatsdienst, hatten pro Tag eine Stunde l\u00e4nger zu arbeiten und wohnten im Schwesternheim, also eigentlich im Krankenhaus. In der Mehrzahl waren diese Schwestern von b\u00fcrgerlicher Herkunft. Da es immer nur eine kleine Anzahl ausgebildeter Schwestern gab, wurden zus\u00e4tzlich zu diesen Hilfskr\u00e4fte, sogenannte Pfleger und Pflegerinnen, eingestellt, die eine praktische Unterweisung seitens der Schwestern erhielten und schlie\u00dflich &#8211; die m\u00e4nnlichen Kr\u00e4fte schon vor 1914, die weiblichen erst ab 1919 &#8211; auch in Lehrg\u00e4ngen ausgebildet wurden.[106] Das Pflegepersonal, das eher aus Arbeiterkreisen kam und fast vollst\u00e4ndig in der ADGB-Gewerkschaft &#8222;Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter&#8220; organisiert war, forderte vor allem eine gleiche Ausbildung, gleiche Arbeit und gleiche Achtung f\u00fcr Schwestern und Pflegepersonal.[107] Mit der ab 1.1. 1930 g\u00fcltigen &#8222;Neuregelung des Pflegerinnenberufs&#8220; hie\u00dfen alle gepr\u00fcften Pflegekr\u00e4fte &#8222;Schwestern&#8220;, die ungepr\u00fcften &#8222;Hilfsschwestern&#8220;.[108] Offensichtlich kam es zwischen Schwestern und Pflegepersonal immer wieder zu Reibereien, da die Schwestern sich nicht nur als die besser ausgebildeten Kr\u00e4fte, sondern auch als vorgesetzt und weisungsbefugt ansahen und nicht selten das Pflegepersonal &#8222;ad libitum&#8220;, wie Knack sich ausdr\u00fcckte, durch die Gegend schickten.[109]<\/p>\n<p>Knack hatte im AK Barmbek schon 1924 den Versuch gestartet, die Arbeitsgebiete von Pflegepersonal und Schwestern zu trennen, indem er Stationen schuf, in denen nur Pflegekr\u00e4fte arbeiteten. Seiner Erfahrung nach funktionierte ein reibungsloses Nebeneinanderarbeiten von Schwestern und Pflegerinnen kaum. Eine vollst\u00e4ndige r\u00e4umliche Trennung von Schwestern und Pflegepersonal war auch die Forderung des Angestelltenrates des AK St. Georg. Knack wies auf die guten Erfahrungen mit den Pflegekr\u00e4ften im AK Barmbek hin, diese seien keineswegs weniger qualifiziert als die Schwestern. Einige \u00c4rzte &#8211; so beispielsweise Hahn &#8211; teilten diese Auffassung, wiesen aber daraufhin, dass die Schwestern aufgrund ihrer Herkunft in der Regel kultivierter und gebildeter seien, sie seien engagierter, weil mit ihrem Beruf ideell verbunden, au\u00dferdem seien sie billiger, da sie eine Stunde l\u00e4nger pro Tag arbeiteten und im Notfall eher abrufbar, da sie im Krankenhaus wohnten.[110] Knack, der sich f\u00fcr die v\u00f6llige Gleichstellung des Pflegepersonals mit den Schwestern aussprach, pl\u00e4dierte allerdings ebenfalls daf\u00fcr, nur &#8222;charakterlich geeignete Personen&#8220; zu der Ausbildung zuzulassen[111]und diese m\u00f6glichst professionell zu gestalten. In der Ausbildung, wie auch in der von Knack ebenfalls bef\u00fcrworteten Fortbildung des Pflegepersonals sollten \u00c4rzte eingesetzt werden &#8211; Knack war immer wieder bereit, selbst solche Vortr\u00e4ge zu gestalten.[112] Es sollte das beiderseitige Verst\u00e4ndnis gef\u00f6rdert werden, da Pflegekr\u00e4fte und \u00c4rzte darauf angewiesen waren, zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31929\" aria-describedby=\"caption-attachment-31929\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31929\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbtitel.jpg\" alt=\"(7) 1928: Ein Rechenschaftsbericht, mit Stolz und Selbstbewusstsein pr\u00e4sentiert\" width=\"310\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbtitel.jpg 310w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/webakbtitel-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 310px) 85vw, 310px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31929\" class=\"wp-caption-text\">(7) 1928: Ein Rechenschaftsbericht, mit Stolz<br \/>und Selbstbewusstsein pr\u00e4sentiert<\/figcaption><\/figure>\n<p>Insgesamt, so l\u00e4sst sich res\u00fcmieren, leistete Knack im Krankenhausbereich eine wegweisende Reformarbeit. Die Tatsache, dass das Hamburger Krankenhauswesen heute [1990] weniger wegen struktureller Defizite, sondern wegen der in ihm Platz greifenden Sparma\u00dfnahmen in der \u00f6ffentlichen Kritik steht, also gewisserma\u00dfen prinzipiell als medizinische Versorgungsinstanz in breiten Teilen der Bev\u00f6lkerung akzeptiert wird, ist wohl nicht unwesentlich seinem konzeptionellen Ideenreichtum zu verdanken. Dass manche seiner Ideen, speziell die &#8222;sozialmedizinische \u00d6ffnung&#8220; der Krankenh\u00e4user, sich gerade wegen der Sparpolitik immer noch erst am Anfang ihrer Verwirklichung befinden, steht auf einem anderen Blatt.<\/p>\n<h3>Nach 1945: Ein schwacher Neubeginn<\/h3>\n<p>Wie sich die Hamburger Medizin in den Jahren zwischen 1933 und 1945 als faschistische Musterdisziplin formierte, ist schon eindringlich und in gro\u00dfer Breite dargelegt worden.[113] Im Blick auf das hier hervorgehobene Dilemma der Janusk\u00f6pfigkeit der Weimarer Medizinreform ist nun interessant, dass &#8222;faschistische Medizin&#8220; sich nicht allein darin ersch\u00f6pfte, an vorrevolution\u00e4re Traditio\u00adnen anzukn\u00fcpfen bzw. den sozial\u00e4rztlichen Errungenschaften der Weimarer Zeit diametral entgegenzuwirken (so z.B. im Bereich der Psychatrie, der Hygiene, der Gewerbemedizin, der Geschlechtskrankheiten, der Abtreibungsfrage). Vielmehr ist festzuhalten, dass &#8222;faschistische Medizin&#8220; sich auch darin \u00e4u\u00dferte, dass sie viele Elemente des linken medizinischen Forderungskataloges \u00fcbernahm, mit anderer Funktion versah und mit der grausamen Konsequenz moderner Staatlichkeit erst wirklich ins Leben setzte (so z.B. die Eugenik-Konzeption in Gestalt der &#8222;Rassehygiene&#8220;; nicht zu vergessen ferner die Verwirklichung einer umfassenden und mit Zwangsma\u00dfnahmen bewehrten Bef\u00fcrsorgung). Sogar an der Hom\u00f6opathie und der Naturheilkunde fanden die Nazis Gefallen; die Einrichtung einer entsprechenden Abteilung in Barmbek, ein Steckenpferd des NSDAP-Innensenators Richter, konnte von Reye, dem das Projekt g\u00e4nzlich suspekt war, nur mit \u00e4u\u00dferster M\u00fche verschleppt und zu Fall gebracht werden.[114]<\/p>\n<p>Insofern stand die Hamburger Linke bei ihrer Macht\u00fcbernahme 1945 nicht nur vor einem durch faschistische Ma\u00dfnahmen weitgehend unmenschlich agierenden Gesundheitssystem, sondern zu einem gewissen Anteil auch vor der schrecklichen Verfremdung ihrer eigenen Ideale. Ihre gesundheitspolitischen Anstrengungen nach dem Kriege bieten daher generell weniger das Bild einer entschlossenen strategischen Neugestaltung, sondern eher das eines vorsichtigen, technokratischen Krisen-Managements zur Wiedergewinnung des status quo ante von 1933.<\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen der Gesundheitspolitiker konzentrierten sich dabei in der Hauptsache auf drei Ziele:<\/p>\n<p>1. Der Wiederaufbau der \u00f6ffentlichen medizinischen Versorgung unter dem Gesichtspunkt der Notlagen-Bek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>In den ersten drei Jahren nach der Befreiung ging es der Gesundheitsverwaltung &#8211; zun\u00e4chst unter der Schirmherrschaft der Engl\u00e4nder, dann des kommunistischen Gesundheitssenators Fiete Dettmann &#8211; um die Bew\u00e4ltigung einer akuten Krisensituation. Wichtig war zum einen die Instandsetzung der weitgehend durch Bombentreffer zerst\u00f6rten Krankenh\u00e4user, ferner die Bek\u00e4mpfung der spezifischen gesundheitlichen Gefahren der Nachkriegssituation: TBC, Geschlechtskrankheiten, Unterern\u00e4hrung, Lebensmittelvergiftungen, Typhus\/ Paratyphus etc. Die Situation war in vielem der Lage nach 1918 vergleichbar, ein Ankn\u00fcpfen an den damaligen Erfahrungen und Konzepten lag nahe. Die seinerzeit von Knack durchgesetzte Zentralisierung und Effektivierung der \u00f6ffentlichen Gesundheitsverwaltung galt den Verantwortlichen daher als Geschenk des Himmels. Eine kritische Durchleuchtung ihrer Strukturmerkmale im Lichte der Erfahrungen des Faschismus fand nicht statt.[115] Die Verbrechen der faschistischen Medizin reduzierten sich, wenn sie \u00fcberhaupt erwogen wurden, zu Verbrechen faschistischer Mediziner.<\/p>\n<p>2. Die Besetzung der medizinischen Kommandoh\u00f6hen durch linke \u00c4rzte<\/p>\n<p>Eine durchgreifende Entnazifizierung unter den hamburgischen \u00c4rzten und Ordinarien w\u00e4re auch bei einer solchen Bewusstseinslage eine wichtige Ma\u00dfnahme gewesen. Erste Versuche in dieser Richtung wurden von dem schon im Juni 1945 von den britischen Besatzern eingesetzten ersten Leiter der Gesundheitsbeh\u00f6rde, Prof. Rudolf Degwitz, auch durchaus unternommen.[116] Zu einer radikalen Abrechnung kam es allerdings nicht. Die Motive hierf\u00fcr waren vielf\u00e4ltiger Natur; sie k\u00f6nnen an dieser Stelle nicht n\u00e4her verfolgt werden.[117]<\/p>\n<p>Dass diese Nachsichtigkeit von den Gesundheitssenatoren (bis 1947 Dettmann, dann der Sozialdemokrat Schmedemann) zumindest f\u00fcr problematisch erachtet wurde, zeigen ihre Bem\u00fchungen, wenigstens die Spitze der \u00e4rztlichen Hierarchie ad\u00e4quat zu besetzen. 1947, als Degwitz in die amerikanische Pharmaindustrie wechselte, wurde der ausgewiesen linke Arzt Dr. Karl Eskuchen an seinen Platz gestellt.[118] Als Eskuchen Ende 1848 erkrankte, wurde Knack geholt;[119] zugleich wurde aus dem &#8222;Leiter&#8220; der Gesundheitsbeh\u00f6rde wieder der &#8222;Pr\u00e4sident&#8220;, und zwar mit jenen weitergehenden Vollmachten, die er in der Weimarer Zeit schon besessen hatte.[120] Nach Knacks Ausscheiden im April 1952 wiederum wurde Dr. Kurt Glaser an diese Stelle gesetzt, auch er ein bekannter sozialistischer \u00c4rztefunktion\u00e4r.[121]<\/p>\n<p>Mit Eskuchen, Knack und Glaser hatte man gewisserma\u00dfen die bedeutendsten nicht-berlinischen F\u00fchrungskr\u00e4fte des alten VS\u00c4 nach Hamburg geholt. Sie hatten schon vor 1933 als sozialdemokratische Untergruppierung im Vorstand dieser \u00fcberparteilichen Organisation eng zusammengearbeitet.[122]<\/p>\n<p>3. Noch einmal: Versuch einer Verstaatlichung der gesamten medizinischen Versorgung<\/p>\n<p>Inzwischen waren die medizinischen Notlagen der unmittelbaren Nachkriegsperiode weitgehend behoben. Indem nun nicht mehr nur reagiert, sondern auch agiert werden konnte, wuchs die Bedeutung strategischer Konzepte f\u00fcr den Gesundheitsbereich. Von Degwitz, Eskuchen und Knack waren in dieser Hinsicht nur wenige Impulse ausgegangen; Glaser hingegen trat schon bei seiner Amts\u00fcbernahme mit recht klaren Vorstellungen an die \u00d6ffentlichkeit. Seiner Auffassung nach stellte sich nun wieder die Frage der Verstaatlichung der medizinischen Versorgung; wenn er es auch nicht kopieren wollte, so sympathisierte er doch stark mit dem englischen Modell der staatlichen Gesundheitsf\u00fcrsorge, das den Gesundheitsdienst aus dem Steueraufkommen der Allgemeinheit finanziert, um ihn f\u00fcr die Individuen kostenfrei zu halten. Anstelle der englischen Variante, durch staatliche Bezahlung vertraglich assoziierter \u00c4rzte die Verstaatlichung auch auf die niedergelassenen \u00c4rzte ausgreifen zu lassen, fasste Glaser allerdings eine andere strategische Weichenstellung ins Auge: den fortschreitenden Ausbau des Krankenhauswesens. In seiner Vorstellung war das Modell der Ambulatorien und Polikliniken als Konkurrenz und schlie\u00dflich Ersatz des freien \u00c4rztewesens offenbar noch nicht ganz verschwunden.[123]<\/p>\n<p>Hiermit aber bewegte sich Glaser schon in utopischen Regionen. Denn zum einen strebten seine politischen Gestaltungschancen gegen Null, nachdem schon ab November 1953 mit dem &#8222;Hamburg-Block&#8220; diejenigen Kr\u00e4fte regierten, die sich die Verteidigung des freien \u00c4rztewesens auf die Fahnen geschrieben hatten.[124] Mit dem bundesweiten Kassenarztgesetz von 1955, in dem den freien \u00c4rzten das Monopol der ambulanten Krankenversorgung zugesprochen wurde, war dann die &#8222;offene&#8220; Periode gesundheitspolitischer Gestaltung nach 1945 endg\u00fcltig beendet.[125]<\/p>\n<p>Zum anderen stand Glaser mit seiner Auffassung bereits au\u00dferhalb der sozialdemokratischen Programmdebatte. Schon in den ersten programmatischen Aussagen der SPD zur Gesundheitspolitik nach 1945 war von Sozialisierung, Verstaatlichung etc. keine Rede mehr gewesen. Die Tendenz der Verdr\u00e4ngung dieses Problems, schon nach 1918 sp\u00fcrbar und in den gesundheitspolitischen Leits\u00e4tzen des G\u00f6rlitzer Parteitages 1925 zu einem unr\u00fchmlichen H\u00f6hepunkt getrieben, setzte sich ungebrochen fort. Lediglich eine &#8222;Beseitigung des reinen Profitstrebens&#8220; bei Apothekern und Pharmakonzernen wagte man anzumahnen, wobei v\u00f6llig unklar blieb, wie dies geschehen solle. Ab Mitte der 1950er Jahre gewann dann das Einkommensinteresse der niedergelassenen \u00c4rzte in der Programmdebatte eine ausschlaggebende Bedeutung. Jener in der \u00d6ffentlichkeit ebenso lautstarken wie angesehenen Gruppe, so war auf Parteitagen zu h\u00f6ren, k\u00f6nne die Sozialdemokratie nicht als Feind gegen\u00fcbertreten &#8211; ihr m\u00fcsse vielmehr etwas geboten werden. Indem nun wesentliche Forderungen \u00e4rztlicher Standes- und Einkommenspolitik einfach als Programmpunkte \u00fcbernommen wurden, war der Ambulatoriumsgedanke nicht mehr nur allein verdr\u00e4ngt, ihm war nun logisch die Grundlage entzogen. Zudem hatte sich jetzt die sozialdemokratische Gesundheitspolitik einen v\u00f6llig neuen archimedischen Punkt konstruiert: Das freie \u00c4rztewesen wurde zur conditio sine qua non, und konnte durch Forderungen nach Ausbau der Krankenh\u00e4user und Verbesserung des Versicherungsschutzes nur noch flankiert werden.[126]<\/p>\n<p>Die niedergelassenen \u00c4rzte hatten sich also nicht nur behauptet (ihre Stellung gestaltete sich summa summarum besser als in der Weimarer Republik und nur unwesentlich schlechter als im Faschismus), sondern auch f\u00fcr eine immer weitergehende Interessenspolitik die gesundheitspolitische Weihe erhalten. Wie sehr dies sowohl eine problematische Kostenentwicklung im Gesundheitswesen als auch die Herausbildung eines bestimmten, keineswegs nur positiven Medizintyps bef\u00f6rderte, war einleitend angedeutet worden.<\/p>\n<p>Es ist deutlich geworden: Jene zwei Wege humaner Gesundheitspolitik, die Walter Flie\u00df 1921 noch recht naiv propagiert hatte, die totale Liberalisierung einerseits und die totale Verstaatlichung andererseits, bergen jeweils f\u00fcr sich genommen nicht unerhebliche Gefahren. Wie etwa kann man Liberalit\u00e4t in der medizinischen Versorgung gew\u00e4hrleisten, ohne Profitstreben zu erwecken und Klassenmedizin zu etablieren? Und wie etwa l\u00e4sst sich demokratische Kontrolle \u00fcber das Gesundheitswesen gewinnen, ohne dass es zu schulmedizinischer Verengung, zu bevormundend-gewaltt\u00e4tiger Bef\u00fcrsorgung und zum Diktat der Sparpolitik kommt?<\/p>\n<p>Die ad\u00e4quate Ann\u00e4herung an diese Problemkreise ist ohne Zweifel durch ein spezifisch deutsches Dilemma behindert. Die faschistische Medizin wirkt nicht nur in direkter Weise nach, als noch immer nicht abgesch\u00fcttelte Tradition, sondern auch indirekt: Uns fehlt die gesellschaftspolitische Kompetenz, die in den drei\u00dfiger und vierziger Jahren aus den positiven Ans\u00e4tzen der zwanziger Jahre h\u00e4tte entstehen k\u00f6nnen. Was sich nach 1945 herausbildete, f\u00fchrte entweder hinter erreichte Standards zur\u00fcck (BRD) oder war waghalsiger Entwurf auf allzu schwankendem Grund (DDR).[127]Bevor ein strategisches Konzept humaner Gesundheitspolitik sich programmatisch abzuzeichnen beginnt, werden wohl noch manche historische und international vergleichende Studien zu erstellen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>[1] Protokoll \u00fcber die Verhandlungen des Parteitags der Sozialdemokratischen Par\u00adtei Deutschlands, abgehalten in Kassel v. 10. bis 16. Oktober 1920, Ber\u00adlin\/Bonn-Bad Godesberg 1973, S.214.<\/p>\n<p>[2] Vgl. Michael Krausz: &#8222;Nichts bleibt so wie es war.&#8220; Gesundheitswesen und Ge\u00adwerkschaften im gesellschaftlichen Umbruch, in: Fritzsch, R.\/Liersch, H. (Hg): Zukunft des \u00f6ffentlichen Dienstes, Hamburg 1989, S.135-146.<\/p>\n<p>[3] Vgl. Beck, W.\/Deppe, H.U.\/J\u00e4ckle, R.\/Schagen, U. (Hg): \u00c4rzteopposition, Neckarsulm-M\u00fcnchen 1987.<\/p>\n<p>[4] Vgl. die diesbez\u00fcglichen Leerstellen im Programm des &#8222;Vereins demokratischer \u00c4rztinnen und \u00c4rzte (VD\u00c4\u00c4)&#8220; vom November 1986, Frankfurt\/M o.J. Das Programm findet sich dargestellt und kritisiert bei Schillhabel, Uwe: Sozialistische \u00c4rztevereine in Deutschland von 1913 bis 1933, M\u00fcnster 1990. Deutlicher sind die gesundheitspolitischen Passagen im neuen &#8222;Sozialpolitischen Programm des DGB&#8220; (in: Soziale Sicherheit 1988\/Nr.11): Hier wird eine &#8222;Verzahnung von ambu\u00adlanter und station\u00e4rer Diagnostik und Therapie&#8220; entworfen, und zwar \u00fcber ein Stufenmodell von allgemein\u00e4rztlicher Prim\u00e4rversorgung (z.B. durch Gruppenpraxen mit integrierter sozialp\u00e4dagogischer und psychologischer Kompetenz) \u00fcber zentrale Ambulanzen und vor- und teilstation\u00e4re Einrichtungen bis zu den herk\u00f6mmlichen Krankenh\u00e4usern. Als Steuerungshebel f\u00fcr einen solchen gesundheitspolitischen Umschwung werden die staatlichen Organe und die Verg\u00fctungssysteme der Kassen gegen\u00fcber den niedergelassenen \u00c4rzten ins Auge gefasst.<\/p>\n<p>[5] Vgl. den Artikel &#8222;Kampf um g\u00fcnstige Startpositionen in der DDR&#8220; in: &#8222;Die Neue \u00c4rztliche&#8220; v. 18.6.1990.<\/p>\n<p>[6] Diese und die weiteren Angaben zur Person sind, soweit nicht gesondert ausgewiesen, den folgenden Akten entnommen: Medizinalkollegium\/Gesundheitsverwaltung, Personalakte Dr. Knack (StAH, 352-10-253); Staatliche Pressestelle\/Gesundheitsbeh\u00f6rde I (StAH, II 500-1).<\/p>\n<p>[7] Knack wurde Mitglied des Kriegsversorgungsamtes, des Universit\u00e4tsausschusses der B\u00fcrgerschaft, der Hochschulbeh\u00f6rde, der Oberschulbeh\u00f6rde und beratender Arzt des Arbeitsamtes. Ferner war er zeitweilig Vorsitzender des Werkbundes geistiger Arbeiter und des Eingabenausschusses der B\u00fcrgerschaft (Stenographische Berichte \u00fcber die Sitzungen der B\u00fcrgerschaft zu Hamburg im Jahre 1920, S.494 f.; 1921, S.106; 1922, S.495, 1119; 1927, S.536; 1930, S.246).<\/p>\n<p>[8] Medizinalkollegium\/Reorganisation der Medizinalbeh\u00f6rde (StAH, I B 16).<\/p>\n<p>[9] Das Allgemeine Krankenhaus Barmbek in Hamburg, Hamburg 1924, S.72 f.<\/p>\n<p>[10] Vgl. Tennstedt, Florian: Arbeiterbewegung und Familiengeschichte bei Eduard Bernstein und Ignaz Zadek, in: IWK 1982, S.451-481. Der S\u00c4V war eine Organisa\u00adtion SPD-naher \u00c4rzte; er geriet Anfang der 1920 er Jahre unter die R\u00e4der der Fraktionsauseinandersetzungen zwischen SPD, USPD und KPD und schmolz auf die der SPD assoziierte &#8222;Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer \u00c4rzte (AS\u00c4)&#8220; zusammen. Der Anspruch einer \u00fcberparteilichen linken \u00c4rzteorganisation wurde 1924 durch den neugegr\u00fcndeten &#8222;Verein sozialistischer \u00c4rzte (VS\u00c4)&#8220; wieder auf\u00adgenommen; Schillhabel, \u00c4rztevereine, S.13-46.<\/p>\n<p>[11] Sten. Berichte 1919, S.248 f., 1042 ff.; 1920, S.293, 990 f.; 1922, S.860.<\/p>\n<p>[12] Vgl. Senat\/Ernennung Dr. Knack zum \u00e4rztlichen Direktor des AK Barmbek (StAH, 111-1, Cl. VII Lit. Qb Nr.8 Vol.104 Fasc.3 Inv.14), Zeitungsausschnittsammlung Knack (StAH, A 760), Staatliche Pressestelle\/Pers. Angelegenheiten der \u00c4rzte (StAH, 135-1, I-IV, Nr.3019).<\/p>\n<p>[13] Labisch, Alfons: Neue Quellen zum gesundheitspolitischen Programm der MSPD von 1920\/22, in: IWK 1980, S.231-247.<\/p>\n<p>[14] Der VS\u00c4 war eine \u00fcberparteiliche Organisation, die im wesentlichen \u00c4rzte kommunistischer und sozialdemokratischer Orientierung vereinigte; Anfang der 1930 er Jahre reichte ihr Mitgliederspektrum von der SPD \u00fcber SAP und KPO bis zur KPD und Parteilosen bzw. Ausgetretenen; Schillhabel, \u00c4rztevereine, S.47-137.<\/p>\n<p>[15] Knack-Quarck: Das Reichsgesetz zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten und seine praktische Durchf\u00fchrung, Berlin 1928.<\/p>\n<p>[16] Staatliche Pressestelle, Personalia AK Barmbek (StAH, 135-1 Nr.3041).<\/p>\n<p>[17]China hatte &#8211; ebenso wie die Sowjetunion &#8211; in den fr\u00fchen 1930er Jahren namhafte \u00c4rzte Westeuropas zu medizinischer Aufbauarbeit eingeladen (vgl. den Reisebericht des Wiener Anatomen Julius Tandler im Internationalen \u00c4rztlichen Bulletin (I\u00c4B) 1934, S.121 f.) Auch f\u00fcr Emigranten bot es relativ g\u00fcnstige Regelungen f\u00fcr die Niederlassung; 1934 waren allein 47 deutsche \u00c4rzte namentlich bekannt, die dort praktizierten (I\u00c4B 1934, S.169). Als sich der Faschismus in Europa ausbreitete, versuchte v.a. die englische Organisation &#8222;China Medical Aid Committee&#8220;, speziell die \u00e4rztliche Emigration auf direktem Wege nach China zu leiten (I\u00c4B 1939, S.14 f.).<\/p>\n<p>[18] Hamburger Echo v. 23.4.1949.<\/p>\n<p>[19] Staatliche Pressestelle\/Gesundheitsverwaltung (StAH, 135-1 I M I a).<\/p>\n<p>[20] Ludwig Preller: Sozialpolitik in der Weimarer Republik, Kronberg\/Taunus 1978; dieses Werk erschien erstmals 1949.<\/p>\n<p>[21] Tennstedt weist im Nachwort zur sp\u00e4teren Ausgabe von Prellers Werk daraufhin, dass dieser selbst seine Definition von Sozialpolitik in dem 1970 erschienenen Lehrbuch ver\u00e4nderte und auch Gesundheitspolitik dazu rechnete; Preller 1978, S. 563.<\/p>\n<p>[22] Arbeitsgruppe Sozialpolitik: Sozialpolitische Regulierung und die Normalisie\u00adrung des Arbeitsb\u00fcrgers, in: neue praxis 1986, H. 1, S. 1-21, hier: S. 14.<\/p>\n<p>[23] Diesen Zusammenhang f\u00fchren die Mitarbeiter des Forschungsschwerpunktes Reproduktionsrisiken, soziale Bewegungen und Sozialpolitik der Universit\u00e4t Bremen aus, Arbeitsgruppe Sozialpolitik 1986, S. 14-17.<\/p>\n<p>[24] \u00c4hnlich interpretiert auch Deppe in einem kurzen \u00dcberblick \u00fcber die &#8222;Geschichte der Gesundheitspolitik&#8220; die Zeit der Weimarer Republik, in dem er seine Aufmerksamkeit haupts\u00e4chlich auf die Auseinandersetzungen zwischen \u00c4rzten und Kassen richtet; Hans-Ulrich Deppe: Krankheit ist ohne Politik nicht heilbar. Zur Kritik der Gesundheitspolitik, Ffm 1987, S. 21-27.<\/p>\n<p>[25] Protokoll Parteitag SPD 1920, Ber\u00adlin\/Bonn-Bad Godesberg 1973, S. 214.<\/p>\n<p>[26] Sten. Berichte 1921, S. 1349.<\/p>\n<p>[27] Sten. Berichte 1919, S. 1214.<\/p>\n<p>[28] Gesetzessammlung der Freien und Hansestadt Hamburg. Amtliche Ausgabe, 57. Band, Jg. 1920, Hamburg o.J., S. I 78-I 86.<\/p>\n<p>[29] Hamburgische Gesetze und Verordnungen, hg. von Dr. Albert Wulff, Hamburg 1928\/29, S.699-708.<\/p>\n<p>[30] G.H. Sieveking: Die Beh\u00f6rde f\u00fcr das Gesundheitswesen in Hamburg, in: DMW 1923, S. 1473.<\/p>\n<p>[31] Protokoll SPD Parteitag 1920, S. 214.<\/p>\n<p>[32] Protokoll SPD Parteitag 1920, S.214; 1925, S. 202; 1929, S. 188.<\/p>\n<p>[33] Vgl. zur Auseinandersetzung um die Einrichtung eines Reichsgesundheitsministeriums Kurt Nemitz: Die Bem\u00fchungen zur Schaffung eines Reichsgesundheitsministeriums in der ersten Phase der Weimarer Republik 1918-1922, in: Medizinhistorisches Journal 1981, S.424-445.<\/p>\n<p>[34] Alfred Grotjahn: Ab- und Umbau der Gesundheitsf\u00fcrsorge in Reich, L\u00e4ndern und Kommunalverwaltungen, in: Soziale Praxis 1924, Sp. 142-144, hier: Sp. 142.<\/p>\n<p>[35] Sten. Berichte 1927, S. 677.<\/p>\n<p>[36] Sten. Berichte 1919, S. 1042 f.<\/p>\n<p>[37] Sten. Berichte 1927, S. 677.<\/p>\n<p>[38] Siehe den Bericht in der zur \u00dcbersee-Woche vom 17.- 27. August 1922 herausgegeben Brosch\u00fcre &#8222;Die Beh\u00f6rde f\u00fcr das Arbeitsamt Hamburg, S. 18\/19 (StAH Berufsschulbeh\u00f6rde II 361-8 II F III b3c); vgl. auch die Einleitung im dem Aufsatz Knacks: Die Ursachen beschr\u00e4nkter Arbeitsf\u00e4higkeit auf dem gegenw\u00e4rtigen Arbeitsmarkte, in: Reichsarbeitsblatt, Nichtamtlicher Teil 1925, Nr. 2, S. 34-37 und Andreas V. Knack: Die Arbeitsvermittlung nach gesundheitlichen Gesichtspunkten, in: Soziale Praxis 1924, Sp. 169 ff.<\/p>\n<p>[39] Max Quarck: Gegen Prostitution und Geschlechtskrankheiten, Berlin 1921, S. 8\/9. Zur Problematik der statistischen Erhebung der F\u00e4lle von Geschlechtskrankheiten vgl. den Artikel &#8222;Geschlechtskrankheiten&#8220; von A. Blaschko, in: A. Grotjahn\/J. Kaup (Hrsg.): Handw\u00f6rterbuch der sozialen Hygiene, Leipzig 1912, Bd. 1, S. 397-405.<\/p>\n<p>[40] Abdruck der Begr\u00fcndung zum Entwurf des Gesetzes zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten vom 10. M\u00e4rz 1920 in: Quarck: Prostitution, S. 38-58, hier: S. 38.<\/p>\n<p>[41] Gro\u00df-Hamburg im Kampfe gegen die Geschlechtskrankheiten und Bordelle. Von Dr. med. A.V. Knack, Hamburg 1921.<\/p>\n<p>[42] Eine von Blaschko selbst aufgenommene Krankenkassenstatistik in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte ergeben, dass der Anteil der Erkrankten unter Soldaten und Arbeitern eher niedrig war, w\u00e4hrend er am h\u00f6chsten bei den von Blaschklo genannten &#8222;heimlichen Prostituierten&#8220; und den Studenten lag. Seiner Ansicht nach waren die &#8222;besitzenden Klassen&#8220; st\u00e4rker betroffen, weil sie eine l\u00e4ngere &#8222;voreheliche Junggesellenzeit&#8220; h\u00e4tten; Blaschko, Geschlechtskrankheiten, S. 400.<\/p>\n<p>[43] Sten. Berichte 1921, S. 1041\/1042.<\/p>\n<p>[44] Sten. Berichte 1930, S. 382 ff.<\/p>\n<p>[45] So Knack in einer Debatte \u00fcber die Prophylaxe von Geschlechtskrankheiten zwischen dem Gesundheitsamt, Prof. Habermann (Eppendorf) und Knack, Delbanco, Haack (Barmbek) vom Oktober\/November 1929, in: StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 148, Geschlechtskrankenf\u00fcrsorge.<\/p>\n<p>[46] Verhandlungen zwischen Senat und B\u00fcrgerschaft im Jahre 1921, Hamburg 1922, S. 665.<\/p>\n<p>[47] Siehe etwa Knacks \u00c4u\u00dferungen auf dem Parteitag in G\u00f6rlitz 1921; Protokoll Parteitag SPD 1921, S. 246-249.<\/p>\n<p>[48] Das Gesetz zur Bek\u00e4mpfung von Geschlechtskrankheiten (GBG) wurde am 18. 2. 1927 verabschiedet und trat am 1. 10. 1927 in Kraft.; Reichsgesetzblatt 1927 I, S. 59 ff.<\/p>\n<p>[49] Vgl. dazu ausf\u00fchrlich Gerd G\u00f6ckenjan: Kurieren und Staat machen. Gesundheit und Medizin in der b\u00fcrgerlichen Welt, Ffm 19 85, S. 109-132; besonders zur Arbeit Pettenkofers S. 114\/115.<\/p>\n<p>[50] Vgl. Sten. Berichte 1927, S. 677. In England hatte man sich im I. Welt\u00adkrieg entschlossen, keine Meldepflicht bzw. Registrierung der Kranken einzuf\u00fchren, da diese nicht mit Anonymit\u00e4t &#8211; als h\u00f6chstem Gut &#8211; zu verbinden sei. Statt dessen wurden Polikliniken eingerichtet, die freiwillig aufgesucht werden konnten, und gro\u00dfe Aufkl\u00e4rungskampagnen durchgef\u00fchrt. Seit den 1920er Jahren wurden Sozialarbeiter eingestellt, die Kontaktpersonen Kranker \u00fcberzeugen sollten, den damals \u00fcblichen Test (nach Wasermann) ebenfalls machen zu lassen. W\u00e4hrend des 2. Weltkrieges wurde allerdings auch in Gro\u00dfbritannien eine Art Melde- und Behandlungszwang eingef\u00fchrt; vgl. F.F. Cartwright: A Social History of Medicine, London\/New York 1988 , S. 118-120.<\/p>\n<p>[51] Protokoll Parteitag SPD 1929, S. 188.<\/p>\n<p>[52] Vgl. die Hinweise auf L\u00f6wenstein, Hirsch, teilweise auch Hodann und St\u00f6cker bei Paul J. Weindling: Die Verbreitung rassenhygienischen\/eugenischen Gedankengutes in b\u00fcrgerlichen und sozialistischen Kreisen der Weimarer Republik, in: Medizinhistorisches Journal 1987, S. 352-368.<\/p>\n<p>[53] Protokoll Parteitag SPD 1925, S. 201; vgl. auch Knacks Kritik an Grotjahn, der f\u00fcr das Parteiprogramm 1922 zum Komplex der Bev\u00f6lkerungspolitik aus taktischen Gr\u00fcnden keine Aussage machen wollte, w\u00e4hrend Knack dieses f\u00fcr eine der wichtigsten Fragen hielt; A. Knack: Ein Aktionsprogramm zum Gesundheitswesen, in: Die Neue Zeit, 40. Jg. (1922), Bd. 2, S. 173-180.<\/p>\n<p>[54] Zum Zusammenhang von Eugenik und Sozialismus vgl.: Michael Schwartz: Sozialismus und Eugenik, in: IWK 1989, S. 465-489.<\/p>\n<p>[55] Protokoll Parteitag SPD 1922, S. 94.<\/p>\n<p>[56] Sten. Berichte 1927, S. 750 ff.<\/p>\n<p>[57] Sten. Berichte 1919, S. 1042.<\/p>\n<p>[58] Sten. Berichte 1919, S. 1241.<\/p>\n<p>[59] So formuliert im Abschnitt &#8222;Gesundheitswesen&#8220; der Wahlkampfbrosch\u00fcre der SPD: Sozialdemokratische Staats- und Gemeindepolitik in Hamburg unter der Verfas\u00adsung von 1921, Hamburg 1924, S. 107 ff.<\/p>\n<p>[60] Sten. Berichte 1919, S. 518. Welche Rolle auch heute noch das Pers\u00f6nlichkeitswahlrecht bei der Unterdr\u00fcckung einer Opposition in den \u00c4rztekammern spielt, verdeutlichen u.a. die Beitr\u00e4ge in dem oben zitierten Band &#8222;\u00c4rzteopposition&#8220;, insbesondere Gine Elsners Darstellung der Auseinandersetzungen in der Bremer B\u00fcrgerschaft bei der Einf\u00fchrung des Verh\u00e4ltniswahlrechtes f\u00fcr die Bremer \u00c4rztekammer; Gine Elsner: Kandidatur gegen den Pr\u00e4sidenten der Bundes\u00e4rztekammer. Liste Gesundheit und die \u00c4rztekammer Bremen, in: Beck u.a. (Hrsg.), \u00c4rzteopposition, S. 217-224, hier: S. 220\/221.<\/p>\n<p>[61] Verhandlungen zwischen Senat und B\u00fcrgerschaft im Jahre 1923, Hamburg 1924, S.819-827. Vgl. dazu den Kommentar zur \u00c4rzteordnung von 1927, die das Verh\u00e4ltniswahlrecht immer noch enthielt; Hamburgische Gesetze und Verordnungen, hg. von Dr. Albert Wulff, Bd.2, Hamburg 1928\/29, S.714 f., 730.<\/p>\n<p>[62] Sten. Berichte 1920, S. 438.<\/p>\n<p>[63] Sten. Berichte 1921, S. 106 ff.<\/p>\n<p>[64] Sten. Berichte 1921, S. 254.<\/p>\n<p>[65] Sten. Berichte 1921, S. 177.<\/p>\n<p>[66] Sten. Berichte 1919, S. 68.<\/p>\n<p>[67] Sten. Berichte 1920, S. 991.<\/p>\n<p>[68] Sten. Berichte 1920, S. 293.<\/p>\n<p>[69] Sten. Berichte 1919, S. 518.<\/p>\n<p>[70] Andreas V. Knack: Ein Aktionsprogramm zum Gesundheitswesen?, in: Die Neue Zeit, 40.Jg. 1922, 2. Bd, S.173-180, hier: S. 176.<\/p>\n<p>[71] Protokoll Parteitag SPD 1929, S. 187.<\/p>\n<p>[72] Sten. Berichte 1929, S. 562.<\/p>\n<p>[73] Peukerts Geschichte der Sozialp\u00e4dagogik im Kaiserreich und der Weimarer Republik f\u00fchrt beispielhaft vor, wie sich Sozialgeschichte unter einem ver\u00e4nderten Paradigma schreiben l\u00e4sst: nicht mehr allein die Verbesserung sozialpolitischer Leistungen &#8211; die Modernisierung &#8211; steht im Vordergrund, sondern die Widerspr\u00fcchlichkeit der Durchsetzung von Sozialstaatlichkeit, die &#8222;Dialektik der Aufkl\u00e4rung&#8220;; Detlev J. K. Peukert: Grenzen der Sozialdisziplinierung, K\u00f6ln 1986, S. 15-33.<\/p>\n<p>[74] Rudolf Joachim Christian Hahn (1863-1934) war Abk\u00f6mmling einer westpreu\u00dfischen Gutsbesitzerfamilie, der in jungen Jahren gleicherma\u00dfen als Arzt und als Gutsherr t\u00e4tig war. 1891 wechselte er in den Hamburger Krankenhausdienst. Er wurde zun\u00e4chst Assistent am Hafenkrankenhaus, dann in der Dermatologischen Abteilung des AK St. Georg, sp\u00e4ter Oberarzt an einer Erziehungsanstalt f\u00fcr M\u00e4dchen. Anschlie\u00dfend als Oberarzt wieder auf der Dermatologie in St. Georg t\u00e4tig, \u00fcbernahm er dort auch die Leitung der polizeilichen Abteilung f\u00fcr Geschlechtskranke. Diese Abteilung wurde 1913 in gro\u00dfem Stil in Barmbek eingerichtet, weswegen Hahn an die dortige Dermatologie wechselte. Hier wirkte er als Chef bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1929. Hahn war Initiator der 1913 in Hamburg eingerichteten ersten deutschen F\u00fcrsorgestelle f\u00fcr Geschlechtskrankheiten, ferner f\u00fchrendes Mitglied der \u00c4rztekammer (StAH, Dc1 601).<\/p>\n<p>[75] AK Barmbek\/Geschlechtskrankenf\u00fcrsorge (StAH, 352-8\/5, Nr.148).<\/p>\n<p>[76] Walter Gustav Flie\u00df (1857-?) hatte in Berlin das Gymnasium bis zur Obersekunda durchgemacht und anschlie\u00dfend den Apothekerberuf erlernt. Nach der vermutlich auf eigene Angaben Flie\u00df&#8216; zur\u00fcckgehenden Abgeordnetenkartei der B\u00fcrgerschaft (StAH, DCI 601) &#8222;studierte er dann in den USA Medizin und erhielt von der Science of Rochester (New Jersey) den Professorentitel. Er bildete sich dann in Privatkliniken in London, Paris und Kopenhagen weiter aus, war 3 Jahre Assistent bei einem Berliner Naturarzt und Leiter einer Heilanstalt f\u00fcr Epileptiker in Gr\u00fcnau bei Berlin und siedelte 1896 nach Hamburg \u00fcber, wo er eine Heilanstalt gr\u00fcndete.&#8220; In Berlin erfreute sich Flie\u00df, wie die Berliner Polizei ihren Hamburger Kollegen auf Anfrage mitteilte, eines guten Rufs (StAH, Pol.Pol.331-3, S 5463). Seine Hamburger Heilanstalt war im Adressbuch als &#8222;Verkaufshaus hygienischer Artikel, Naturheilanstalt, elektrische Lichtb\u00e4der, Loh- und Kiefernadel-Dampfb\u00e4der, elektrische Vibrationsmassage, Heilmagnetismus, Suggestion, Kr\u00e4uterkuren&#8220; vermerkt und bestand bis 1933. Ob Flie\u00df dann eines nat\u00fcrlichen Todes starb, ob er emigrierte oder ob er von den Nazis ver\u00adschleppt wurde, liegt v\u00f6llig im Dunkeln.<\/p>\n<p>[77] Flie\u00df bekam mehrfach \u00c4rger mit der Polizei, weil er sich entgegen der eindeutigen Gesetzesvorschrift nicht als &#8222;Anwender von Naturheilverfahren&#8220;, sondern als &#8222;Naturheiler&#8220; anpries. Inwieweit er sich Anfang des Jahrhunderts im Falle eines akuten Geb\u00e4rmutterkrebses tats\u00e4chlich der fahrl\u00e4ssigen Verschleppung durch Nichteinschaltung des behandelnden Arztes schuldig gemacht hatte, wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwarf, ist dagegen eine \u00e4u\u00dferst komplizierte Frage, und mag schon damals kaum zu beantworten gewesen sein. Jedenfalls musste Flie\u00df wegen dieser Sache f\u00fcr drei Monate ins Gef\u00e4ngnis (StAH, Pol.Pol.331-3, S 5463).<\/p>\n<p>[78] Aus der politischen Wirksamkeit Flie\u00df&#8216; vor 1920 ist nur wenig bekannt. Die Polizei bemerkte noch im Jahre 1899, Flie\u00df sei bisher nicht politisch hervorgetreten. Dass er seine popul\u00e4ren Vortr\u00e4ge \u00fcber Naturheilverfahren vornehmlich in Arbeiterkreisen und teilweise sogar in Gewerkschaftsversammlungen hielt, verfolgte sie allerdings mit Misstrauen (ebenda). Im sozialdemokratischen Hamburger Echo v. 2.8.1903 wird dann &#8222;der Genosse Walter Flie\u00df&#8220; mit dem Antrag an die Hamburger Mitgliederversammlung der SPD zitiert, &#8222;unsere Presse m\u00f6ge in Zukunft unsere Gegner nicht mehr b\u00fcrgerliche Parteien nennen, weil auch die Sozialdemokratie sich sehr stark aus b\u00fcrgerlichen Elementen rekrutiere.&#8220; Dieser etwas doppelb\u00f6dige Antrag wurde nicht abgestimmt, sondern an die &#8222;Pre\u00dfkommission&#8220; \u00fcberwiesen.<\/p>\n<p>[79] Sten. Berichte 1920, S.1384-1393.<\/p>\n<p>[80] Sten. Berichte 1921, S.1777; 1922, S.496; 1923, S.579.<\/p>\n<p>[81] Sten. Berichte 1920, S.797, 833, 1038; 1922, S.484, 312 f. Zur damaligen Quecksilber- und Arsentherapie vgl. Sch\u00e4fer, J.: Die Therapie der Haut- und venerischen Krankheiten, Berlin 1921, S.394-422. Zur naturheilkundlichen Gegenposition vgl. ausf\u00fchrlich: Silber, Erwin: Salvarsan? Quecksilber? Naturheilbehandlung? Berlin 1927. Die Naturheilbewegung in Hamburg war in der Tat recht umfangreich. Es gab mehrere Vereine der Naturheilkundigen, z.T. mit Flie\u00df als Vorstandsmitglied. Es gab ferner Naturheilvereine, die \u00fcber den Mitgliedsbeitrag ihre &#8222;Natur\u00e4rzte&#8220; finanzierten. Flie\u00df selbst war in dieser Weise angestellt, neben ihm etwa f\u00fcnf weitere &#8222;Praktiker&#8220; und nochmals etwa f\u00fcnf approbierte \u00c4rzte mit naturheilkundlichem Schwerpunkt. Seine eigene Anstalt hatte Flie\u00df ebenfalls als eine Art Patientenverein organisiert, in dem die Mitglieder \u00fcber ihren Mitgliedsbeitrag den Anspruch auf Sprechstunden und Rabatt im Verkaufsladen erwarben (Sten. Berichte 1920, S.1384-1394).<\/p>\n<p>[82] Sten. Berichte 1920, S.757.<\/p>\n<p>[83] \u00dcber die Motive dieses Schrittes ist nichts bekannt; vielleicht entfernte sich Flie\u00df wegen des reichsweiten Parteiverbots nach dem Hamburger Aufstand 1923, vielleicht wegen der linksradikalen Wende im KPD-Bezirk Wasserkante bzw. in dessen Ortsgruppe Hamburg.<\/p>\n<p>[84] Andreas V. Knack: Das Allgemeine Krankenhaus Barmbeck in Hamburg, D\u00fcsseldorf 1928, S. 5.<\/p>\n<p>[85] Knack, Barmbeck,1928, S. 48.<\/p>\n<p>[86] Knack, Barmbeck, 1928, S. 49.<\/p>\n<p>[87] Knack, Barmbeck, 1928, S. 49\/50.<\/p>\n<p>[88] Anschlag betr. Krankenhausf\u00fcrsorge in Barmbek vom 20.6.1924, in: StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr.14.<\/p>\n<p>[89] StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 14.<\/p>\n<p>[90] J. Schwalbe: Soziale Krankenhausf\u00fcrsorge, in: DMW 1915, S. 1578-1580.<\/p>\n<p>[91] Siehe die Statistik \u00fcber Krankenhausf\u00fcrsorget\u00e4tigkeit in verschiedenen St\u00e4dten in: StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 35.<\/p>\n<p>[92] StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 35.<\/p>\n<p>[93] Anni Tullmann. Ergebnisse einer Erhebung \u00fcber den F\u00fcrsorgedienst im Krankenhaus, in: Zeitschrift f\u00fcr das gesamte Krankenhauswesen. 1937, H. 9\/10.<\/p>\n<p>[94] So Knack in einem Gutachten zur Krankenhausbauweise im Kontext der Diskussion um den Bau eines 4. Allgemeinen Krankenhauses in Hamburg vom 11. Januar 1928, in: StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 8.<\/p>\n<p>[95] Knack, Barmbeck 1928, S.16.<\/p>\n<p>[96] Knack geh\u00f6rte, wie er selbst sagte, eher zur Richtung der Naturheilkunde und verordne insofern wenig Medikamente; Knack in einer Sitzung am 19.11.1929 gegen\u00fcber Senator Eisenbarth, in der dieser eine rigorose Sparpolitik durchzusetzen versuchte; StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 37.<\/p>\n<p>[97] Protokoll der Sitzung der \u00e4rztlichen Direktoren und Verwaltungsdirektoren der gro\u00dfen Krankenh\u00e4user am 19.11.1929, in: StAH SK Barmbek 352-8\/5 Nr. 37.<\/p>\n<p>[98] Sten. Berichte 1921, S. 953.<\/p>\n<p>[99] StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 8.<\/p>\n<p>[100] Knack, Barmbek, 1928, S. 41.<\/p>\n<p>[101] Andreas Knack: Leibes\u00fcbungen als Therapie im Krankenhause, in: Klinische Wochenschrift, 1927, S. 1526\/1257, hier: S. 1527.<\/p>\n<p>[102] Ebd.<\/p>\n<p>[103] Das Allgemeine Krankenhaus Barmbeck in Hamburg, Hamburg 1924, S. 70.<\/p>\n<p>[104] Andras Knack: Die sozial\u00e4rztliche Ausbildung in Krankenanstalten, in: DMW 1925, S. 614- 616, hier: S. 614.<\/p>\n<p>[105] Es fanden regelm\u00e4\u00dfige Fortbildungskurse f\u00fcr Ober\u00e4rzte, praktische \u00c4rzte und Medizinalpraktikanten statt; StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 72.<\/p>\n<p>[106] Bericht des \u00c4rztlichen Direktors des Allgemeinen Krankenhauses St. Georg, Prof. Dr. Deneke vom 26. Juni 1923, StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 80.<\/p>\n<p>[107] Sonderbeilage zum Hamburger Echo vom 17. Juni 1925 &#8222;Die freie Gewerkschaft&#8220;.<\/p>\n<p>[108] Hamburger Nachrichten v. 5. 12. 1929.<\/p>\n<p>[109] So Knack in einer Besprechung im Gesundheitsamt am 3. Juni 1925, deren Thema die Trennung der Arbeitsgebiete von Schwestern und Pflegern war; StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 80.<\/p>\n<p>[110] StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 80.<\/p>\n<p>[111] Knack berichtete am 24. Februar 1927 noch einmal \u00fcber den gelungenen Versuch einer Trennung zwischen arbeitenden Schwestern und Pflegekr\u00e4ften; anschlie\u00dfend forderte er, nur solche Personen zur Ausbildung zuzulassen, die zu selbst\u00e4ndiger Arbeit f\u00e4hig seien und den Abschluss der I. (der obersten) Volksschulkasse h\u00e4tten; StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 80.<\/p>\n<p>[112] Knack beteiligte sich an diesen Kursen etwa wie im Winter 1926\/27 mit Vortrag zum Thema &#8222;Die Entwicklung des deutschen Krankenhauswesens&#8220;, StAH AK Barmbek 352-8\/5 Nr. 76.<\/p>\n<p>[113] Ebbinghaus, A.\/Kaupen-Haas, H.\/Roth, K.H.: Heilen und Vernichten im Mustergau Hamburg, Hamburg 1984.<\/p>\n<p>[114] AK Barmbek, Erw\u00e4gung einer hom\u00f6opathischen Abteilung (StAH, 352-8\/5, Nr.9). Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, das Reye sich dies nach 1945 als &#8222;Widerstand&#8220; aufs Konto schrieb.<\/p>\n<p>[115] Vgl. die Darstellung der Nachkriegsprobleme aus der Sicht der Gesundheitsbeh\u00f6rde: Das hamburgische \u00f6ffentliche Gesundheitswesen, Hamburg 1953; Gesund leben in Hamburg, Hamburg 1963.<\/p>\n<p>[116] Degwitz war in j\u00fcngeren Jahren v\u00f6lkischer Nationalist gewesen; er beteiligte sich als Freikorpsk\u00e4mpfer an der Niederschlagung der M\u00fcnchener R\u00e4terepublik und stand schon 1923 an der Seite Hitlers. Seit 1932 amtierte er als Direktor des Kinderkrankenhauses in Eppendorf und als Ordinarius f\u00fcr Kinderheilkunde. Nach 1933 ging er in wachsende Distanz zum Faschismus; seit Anfang der 1940er Jahre trat er in Verbindung zum studentischen Widerstand der Wei\u00dfen Rose. 1943 wurde er denunziert, verurteilt und ins Zuchthaus Celle eingeliefert. 1945 konnte er sich selbst befreien und kehrte kurz vor der Kapitulation nach Hamburg zur\u00fcck (vgl. die ausf\u00fchrliche W\u00fcrdigung Degwitz&#8216; bei Hochmuth, U.\/Meyer, G.: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand, Frankfurt\/M 1980, S.292-305).<\/p>\n<p>[117] Vgl. hierzu Ebbinghaus, Heilen, S.134 f.<\/p>\n<p>[118] Eskuchen war bis 1933 \u00e4rztlicher Direktor des staatlichen Krankenstiftes in Zwickau. Als &#8222;Sozialist und Vork\u00e4mpfer der Friedensbewegung&#8220;, wie das Hamburger Echo v. 14.2.1947 ihn kennzeichnete, wurde er des Amtes enthoben. Schon in der Weimarer Zeit Funktion\u00e4r des VS\u00c4, war er 1947 Vorstandsmitglied der &#8222;Arbeitsgemeinschaft demokratischer und sozialistischer \u00c4rzte&#8220;.<\/p>\n<p>[119] Staatliche Pressestelle, Gesundheitsverwaltung (StAH, 135-1, IMIa).<\/p>\n<p>[120] Verhandlungen zwischen Senat und B\u00fcrgerschaft 1949, S.87, 134; vgl. Hamburger Freie Presse v. 12.3.1952.<\/p>\n<p>[121] Glaser wirkte bis 1934 als niedergelassener Spezialist f\u00fcr Hautkrankheiten in Chemnitz. Dann entzog er sich der faschistischen Polizeiaufsicht, der er als VS\u00c4-Aktivist unterworfen war, durch Flucht zun\u00e4chst nach Paris, 1940 dann nach Marseille, schlie\u00dflich nach New York. W\u00e4hrend seiner gesamten Emigrationszeit war Glaser in deutschen politischen Exilorganisationen t\u00e4tig. 1948 wurde er von der SPD nach Deutschland zur\u00fcckgerufen und als leitender Regierungsdirektor dem Schleswig-Holsteinischen Gesundheitswesen vorangestellt (Staatliche Pressestelle, Gesundheitsbeh\u00f6rde; StAH, 135-1 VI, II 500-1).<\/p>\n<p>[122] Vgl. Schillhabel, \u00c4rztevereine, S.48.<\/p>\n<p>[123] Hamburger Abendblatt v. 23.4.1952.<\/p>\n<p>[124] Der &#8222;Hamburg-Block&#8220; war ein B\u00fcndnis von CDU, FDP, DP und BHE; von der B\u00fcrgerschaftswahl im November 1953 bis zur n\u00e4chsten Wahl im November 1957 hatte es f\u00fcr ein einziges Mal in der Hamburger Nachkriegsgeschichte die &#8222;strukturelle Mehrheit&#8220; der SPD brechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[125] Berger, Michael: Sozialversicherungsreform und Kassenarztrecht, in: Entwicklung und Struktur des Gesundheitswesens, Argument Sonderband 4, S.73 ff.<\/p>\n<p>[126] Vgl. Kettler, Helmut: Die Entwicklung der gesundheitspolitischen Vorstellungen der deutschen Sozialdemokratie, Kiel 1978, S.51-62.<\/p>\n<p>[127] Dass es unterhalb der Systemrevolution im sozialistischen Gesundheitswesen eine verdeckte Kontinuit\u00e4t unguter \u00e4rztlicher Traditionen gab, sei hier nur angemerkt. Offenbar wurde die Beseitigung des freien \u00c4rztewesens in der DDR damit erkauft, dass sich Standesdenken und undemokratische Verkehrsformen in der \u00e4rztlichen Hierarchie, in der medizinischen Ausbildung und im Verh\u00e4ltnis zu den Patienten reproduzieren konnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A.V.Knack: Auswahlbibliographie<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Geburt und Geb\u00e4rmutterkrebs. Ein Beitrag zur Aethiologie, Prognose und Prophylaxe, M\u00fcnchen 1913 \/Dissertation\/<\/li>\n<li>\u00dcber Briefdesinfektion, in: Zeitschrift f\u00fcr Krankenanstalten 1914, Nr. 28<\/li>\n<li>Insektensichere Schutzkleidung, in: Deutsche Medizinische Wochen\u00adschrift 1915, Nr. 31<\/li>\n<li>\u00dcber das Fleckfieber, in: Verhandlungen der au\u00dferordentlichen Ta\u00adgung des deutschen Kongresses f\u00fcr Innere Medizin in Warschau am 1.u.2. Mai 1916<\/li>\n<li>Die Begutachtung von Nierenkrankheiten auf Grund der Kriegserfah\u00adrungen, in: Vierteljahresschrift f\u00fcr gerichtliche Medizin und \u00f6f\u00adfentliches Sanit\u00e4tswesen Bd.60, T. 2<\/li>\n<li>Die deutsche Urologie im Weltkriege, in: Zeitschrift f\u00fcr Urologie 1915-1919<\/li>\n<li>Gro\u00df-Hamburg im Kampfe gegen die Geschlechtskrankheiten, Hamburg 1921 \/Hausarbeit zur Physikatspr\u00fcfung, \u00fcberarb. Fassung\/<\/li>\n<li>Ein Aktionsprogramm zum Gesundheitswesen? In: Die Neue Zeit 1921\/22, Bd. 2<\/li>\n<li>Die Arbeitsvermittlung nach gesundheitlichen Gesichtspunkten, in: Soziale Praxis und Archiv f\u00fcr Volkswohlfahrt 1924, Nr. 9<\/li>\n<li>Die Ursachen beschr\u00e4nkter Arbeitsf\u00e4higkeit auf dem gegenw\u00e4rtigen Arbeitsmarkte, in: Reichsarbeitsblatt 1925, Nr. 2<\/li>\n<li>Die soziale Krankenhausf\u00fcrsorge, in: Hamburger Echo v. 13.6.1925<\/li>\n<li>Die sozial\u00e4rztliche Ausbildung in Krankenanstalten, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 1925, Nr. 15<\/li>\n<li>Soziale F\u00fcrsorge im Krankenhaus, in: Bl\u00e4tter des deutschen Roten Kreuzes 1926, Nr.8<\/li>\n<li>Leibes\u00fcbungen als Therapie im Krankenhause, in: Klinische Wochen\u00adschrift 1927, Nr. 32<\/li>\n<li>Das Allgemeine Krankenhaus Barmbek, Hamburg 1928<\/li>\n<li>Das Reichsgesetz zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten und seine praktische Durchf\u00fchrung, Berlin 1928 \/mit Max Quarck\/<\/li>\n<li>Der b\u00fcrgerliche und der sozialistische Arzt, in: Der Kassenarzt 1931, Nr. 4<\/li>\n<li>Erfahrungen mit der Flecktyphus-Schutzimpfung nach Weigl im n\u00f6rdlichen China, in: Bosslet, Karl Maria (Hg): Katholische missions\u00e4rztliche F\u00fcrsorge, W\u00fcrzburg 1937<\/li>\n<li>Die Pest droht, in: Bosslet, Karl Maria (Hg): Katholische missions\u00e4rztliche F\u00fcrsorge, W\u00fcrzburg 1941<\/li>\n<li>Die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung durch den praktischen Arzt, methodisch und kritisch gesehen, in: \u00c4M, Heft 23 (39), 1956<\/li>\n<\/ul>\n<h3><\/h3>\n<h3>Nachtrag<\/h3>\n<p><em>Eine wichtige Aufarbeitung der sozialdemokratischen Eugenik leistete Mitte der 1990er Jahre der Aufsatz<\/em><\/p>\n<p><em>Michael Schwartz: &#8222;Proletarier&#8220; und &#8222;Lumpen&#8220;. Sozialistische Urspr\u00fcnge eugenischen Denkens, in: Vierteljahreshefte f\u00fcr Zeitgeschichte, Heft 4 (1994)<\/em><\/p>\n<p><em>Zwei Publikationen sind es vor allem, die sich in neuer Zeit ausf\u00fchrlich auch mit der Person und dem Wirken Knacks befasst haben:<\/em><\/p>\n<p><em>Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chef\u00e4rzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. Ein Beitrag zur kollektivbiografischen Forschung M\u00fcnster 2003<\/em><\/p>\n<p><em>Michaela Freund-Widder: Frauen unter Kontrolle: Prostitution und ihre staatliche Bek\u00e4mpfung in Hamburg vom Ende des Kaiserreichs bis zu den Anf\u00e4ngen der Bundesrepublik, M\u00fcnster 2003<\/em><\/p>\n<p><em>Pieper verdanken wir dar\u00fcber hinaus eine sorgf\u00e4ltige biographische Skizze \u00fcber Knack mit Informationen \u00fcber seine erste und seine zweite Ehefrau, die Sozialdemokratin Olga Brandt-Knack und die Kommunistin Edith Hommes:<\/em><\/p>\n<p><em>Hamburgische Biographie, Personenlexikon, hg. von Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke, Bd 2, G\u00f6ttingen 2003<\/em><\/p>\n<p><em>Hommes, die wie Knack Mitglied der Hamburger B\u00fcrgerschaft war und mit ihm gemeinsam ins Exil ging, starb 1935 in China. Ihr gilt auch eine biographische Skizze in der Publikation<\/em><\/p>\n<p><em>Hermann Weber: Deutsche Kommunisten, Berlin 2004<\/em><\/p>\n<p><em>Olga Brandt-Knack wird in der Publikation\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Inge Grolle und Rita Bake: \u201eIch habe Jonglieren mit drei B\u00e4llen ge\u00fcbt.\u201c Frauen in der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft von 1946 bis 1993, Hamburg 1995<\/em><\/p>\n<p><em>und auf der Website http:\/\/www.garten-der-frauen.de\/sonst.html gew\u00fcrdigt.<\/em><\/p>\n<p><em>Erg\u00e4nzungen erw\u00fcnscht!<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_31930\" aria-describedby=\"caption-attachment-31930\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31930\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/web-brandt-knack.jpg\" alt=\" (8) Olga Brandt-Knack\" width=\"230\" height=\"297\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31930\" class=\"wp-caption-text\">(8) Olga Brandt-Knack<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Bildnachweis<\/strong><\/p>\n<p>(1) Staatsarchiv Hamburg<\/p>\n<p>(2) &#8211; (7) Hygiene und Soziale Hygiene in Hamburg, 1928<\/p>\n<p>(8) Garten der Frauen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Es ist au\u00dferordentlich bedauerlich, dass gerade die \u00c4rzte, die doch Tag f\u00fcr Tag das unselige Elend unserer minderbemittelten Bev\u00f6lkerung sehen, in ihrer \u00fcberwiegenden Mehrheit heute noch den reaktion\u00e4ren Parteien angeh\u00f6ren. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/an-den-krankenbetten-des-kapitalismus-ansaetze-sozialdemokratischer-medizinreform-in-hamburg-1919-1933\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAn den Krankenbetten des Kapitalismus  &#8211; Ans\u00e4tze sozialdemokratischer Medizinreform in Hamburg 1919 &#8211; 1933\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[319,83,5,4761],"tags":[5550,5552,5551],"class_list":["post-31904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-hamburg-allgemein","category-naturwissenschaft","category-soziales","tag-andreas-valentin-knack","tag-krankenhauspolitik","tag-medizingeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31904\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}