{"id":31735,"date":"2015-03-06T23:19:35","date_gmt":"2015-03-06T22:19:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=31735"},"modified":"2015-03-07T08:19:39","modified_gmt":"2015-03-07T07:19:39","slug":"politik-das-leben-zum-guten-wenden-im-internet-ist-die-biographie-der-streitbaren-katholischen-pazifistin-irmgard-rode-1911-1989-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/politik-das-leben-zum-guten-wenden-im-internet-ist-die-biographie-der-streitbaren-katholischen-pazifistin-irmgard-rode-1911-1989-erschienen\/","title":{"rendered":"\u201ePolitik: Das Leben zum Guten wenden\u201c &#8211; Im Internet ist die Biographie der streitbaren katholischen Pazifistin Irmgard Rode (1911-1989) erschienen."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31736\" aria-describedby=\"caption-attachment-31736\" style=\"width: 248px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-31736\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Rode-Portr\u00e4t-klein.jpg\" alt=\"Irmgard Rode (foto: buerger)\" width=\"248\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Rode-Portr\u00e4t-klein.jpg 487w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Rode-Portr\u00e4t-klein-209x300.jpg 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 85vw, 248px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31736\" class=\"wp-caption-text\">Irmgard Rode (fotoarchiv: buerger)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Im neoliberalistischen Kriegszeitalter hat man der jungen Generation \u2013 im Zuge eines allgegenw\u00e4rtigen und unertr\u00e4glichen \u201eBlablablas\u201c \u2013 eingeimpft, Pazifisten w\u00e4ren passive \u201eWeicheier\u201c und sentimentale Tr\u00e4umer. <\/strong><\/p>\n<p><em>(Gastbeitrag von Peter B\u00fcrger)<\/em><\/p>\n<p>Seit geraumer Zeit versuche ich, \u00fcber heimatgeschichtliche Beitr\u00e4ge f\u00fcr den nahen Raum wieder andere Zug\u00e4nge zu den Friedensarbeiterinnen und Friedensarbeitern freizulegen (global-lokal).<\/p>\n<p>Hier zeigt sich, dass pazifistische Nonkonformisten schon zu Beginn der Weimarer Republik als einsam dastehende Realisten vor der braunen Gefahr, dem Rassenhass und einem neuen Krieg gewarnt haben. W\u00e4hrend sich dann eine gro\u00dfe Mehrheit 1933 feige den Mitl\u00e4ufern (und T\u00e4tern) zugesellte, bewiesen insbesondere viele Pazifisten Standverm\u00f6gen und Mut. Gar nicht untypisch ist auch die nachfolgend vorgestellte Nachkriegs-Biographie, in der Pazifismus und aktive Mitgestaltung konkreter Lebensr\u00e4ume Hand in Hand gehen.<\/p>\n<blockquote><p>Peter B\u00fcrger (Bearb.): \u201eDas Leben zum Guten wenden\u201c \u2013 \u00dcber die Meschederin Irmgard Rode (1911-1989), zugleich ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Friedensbewegung im Sauerland. = daunlots. internet-beitr\u00e4ge des christine-koch-mundartarchivs am museum eslohe. nr. 75. Eslohe 2015. [146 Seiten]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sauerlandmundart.de\/pdfs\/daunlots%2075.pdf\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sauerlandmundart.de\/pdfs\/daunlots%2075.pdf<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Irmgard Rode (1911-1989) war in der zweiten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts vielleicht die bekannteste Frau in Meschede (Sauerland)<\/strong>. Viele sahen in ihr die Verk\u00f6rperung einer Legende der Menschlichkeit. Schaut man sich im R\u00fcckblick die Zeugnisse genauer an, so kommt an einigen Stellen auch die Kehrseite des legend\u00e4ren Rufes zum Vorschein. Die entschiedene Parteinahme dieser Frau zugunsten der Schwachen, Benachteiligten und Opfer von Gewalt ist in der sauerl\u00e4ndischen Kleinstadt keineswegs immer nur auf Zustimmung gesto\u00dfen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nVor drei\u00dfig Jahren wollte eine Mescheder Sch\u00fclerin im Interview von Irmgard Rode wissen, ob das vielf\u00e4ltige soziale Engagement in ihrem Lebensweg etwas Politisches gewesen sei. Die Antwort von damals enth\u00e4lt in knapper Form das Programm eines \u00f6ffentlichen Wirkens, das in die \u00fcblichen Schablonen von Erfolg und Lagerdenken einfach nicht hineinpasst: \u201eJa, ja, ich f\u00fchlte mich immer getrieben, politisch aktiv zu sein, nicht parteipolitisch, sondern in dem Sinne, das hei\u00dft, Politik ist eine Verpflichtung, das Leben zum Guten zu wenden und in diesem Sinne etwas zu tun.\u201c<\/p>\n<p><strong>Pazifistische Elternh\u00e4user<\/strong><\/p>\n<p>Irmgard Rode, geb. Beckmann, stammte genauso wie ihr Ehemann Dr. Alfons Rode (1901-1987) aus einer katholischen und pazifistischen Lehrerfamilie in M\u00fcnster-Kinderhaus. Ihr Vater Joseph Beckmann (1886-1959) war schon w\u00e4hrend der Weimarer Republik im Friedensbund deutscher Katholiken aktiv und nahm nach 1945 alte linkskatholische Kontakte \u2013 u.a. zu Pater Franziskus Stratmann OP, Nikolaus Ehlen, Josef R\u00fcther und Walter Dirks \u2013 wieder auf.<\/p>\n<p>Schon am 12. Mai 1947 trat Beckmann, Ehrenmitglied der DFG M\u00fcnster, erneut der \u201eInternationale der Kriegsgegner\u201c bei (der IdK-Mitgliedsausweis von Irmgard Rode tr\u00e4gt das Datum: 01.01.1949). Von Joseph Beckmann sind \u00fcbrigens auch gepfefferte plattdeutsche Gedichte gegen den Krieg \u00fcberliefert, was angesichts der vorherrschenden Themenstellungen in der heimatlichen Mundartdichtung wirklich als etwas \u201eBesonderes\u201c hervorgehoben werden kann.<\/p>\n<p>Gegen Ende der Weimarer Republik organisiert Alfons Rode, der sp\u00e4tere Ehemann Irmgard Rodes, im Rahmen der katholischen Liga in M\u00fcnster den Saalschutz f\u00fcr Versammlungen, der sich gegen die zunehmenden Gewaltst\u00f6rungen durch Nazi-Krawallmacher richtet. Rode, der promovierter Jurist ist, wird ab 1933 von den Nationalsozialisten an einer regul\u00e4ren Berufslaufbahn gehindert und darf nur als Gerichtssekret\u00e4r arbeiten. Nach kurzen Stationen in Rietberg und Lippstadt kommt es 1937 zur Niederlassung in Meschede. Dies ist das Jahr, in dem Irmgard und Alfons Rode geheiratet haben.<\/p>\n<p><strong>Kommunalpolitikerin der ersten Stunde \u2013 Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge aus Schlesien<\/strong><\/p>\n<p>Ab Ende 1940 und auch noch nach Niederwerfung des Nationalsozialismus muss Irmgard Rode als Mutter von drei Kindern in Meschede ohne ihren Mann die Familie durch den Alltag bringen. Umso mehr erstaunen die Nachrichten \u00fcber ihre \u00f6ffentliche Wirksamkeit in jener Zeit. (Hierzu z\u00e4hlt auch der Hinweis auf eine Mitarbeit bei der Versorgung von verwundeten Soldaten in einem Lazarett, das man gegen Kriegsende in den Geb\u00e4uden der Benediktiner eingerichtet hatte.)<\/p>\n<p>Im Nachruf der Stadt Meschede wird 1989 nachzulesen sein: \u201eAls Frau der ersten Stunde besa\u00df sie bereits unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg das Vertrauen der damaligen britischen Besatzung. Noch bevor die Besatzer im Jahre 1948 erste freie Kommunalwahlen zulie\u00dfen, beriefen sie die Verstorbene in die damalige Stadt- und Amtsvertretung Meschede. Beiden Vertretungen geh\u00f6rte sie vom Zusammenbruch im Jahre 1945 bis zum Jahre 1948 an. In unerm\u00fcdlichem Einsatz setzte sie sich Zeit ihres Lebens f\u00fcr die sozial Schwachen und die internationale V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung ein.\u201c<\/p>\n<p>Ab 1946 kommen \u00fcber Meschede viele tausend Fl\u00fcchtlinge aus dem Osten ins Hochsauerland. Nach ihrer Ankunft am Bahnhof erfolgt zun\u00e4chst die Unterbringung in einem denkbar primitiven Barracken-Lager auf den Ruhrwiesen. Irmgard Rode erlebt, wie bei Dunkelheit eine gro\u00dfe Gruppe Schlesier aus dem Zug aussteigt: \u201eIch f\u00fchlte mich da angetrieben, etwas zu tun. Irgendwie ersch\u00fctterte mich das Schicksal dieser Menschen, und ich war sozusagen eine freiwillige Helferin, die sich bem\u00fchte, ihnen zu helfen, ihre Situation zu bew\u00e4ltigen.\u201c Rode besorgte Ausstattungen f\u00fcr die denkbar primitiven Barracken-Lager auf den Ruhrwiesen und organisierte zusammen mit den Fl\u00fcchtlingen schlesische Kulturabende. Sehr bald initiierte sie am Ort auch einen Kindergarten in Selbsthilfe-Tr\u00e4gerschaft von Eltern.<\/p>\n<p><strong>Internationale Begegnungsarbeit und Einsatz f\u00fcr die Kinder<\/strong><\/p>\n<p>In einer 2000 erschienenen Darstellung der Frauengeschichtswerkstatt Meschede wird das Beispiel der fr\u00fchen Stadtr\u00e4tin Irmgard Rode als seltene Ausnahme gew\u00fcrdigt: \u201eIhr ungew\u00f6hnliches Engagement bewirkte auch, dass sie als einzige Frau im Fr\u00fchjahr 1949 f\u00fcr eine Delegation des Landes Nordrhein-Westfalen ausgew\u00e4hlt wurde, die in der f\u00fcr ihre intensive Selbstverwaltung bekannten Stadt Coventry die dortigen Formen der kommunalen Selbstverwaltung kennenlernen sollte. Die \u00fcbrigen vier Mitglieder der Delegation waren M\u00e4nner aus den verschiedensten Landesteilen Nordrhein-Westfalens, die alle mit der Demokratie in England vertraut gemacht werden sollten.\u201c<\/p>\n<p>Dass Meschede sp\u00e4ter ein bedeutsamer Schwerpunkt der internationalen Vers\u00f6hnungsarbeit und des Jugendaustausches geworden ist, h\u00e4ngt aufs engste mit den Initiativen Irmgard Rodes zusammen. Sie war Leitgestalt der \u201eFreunde der V\u00f6lkerbegegnung\u201c und ma\u00dfgebliche Initiatorin eines Internationalen Kinderhauses in der Kreisstadt. Dieses Kinderhaus begann als Nachhilfenetzwerk f\u00fcr Sch\u00fcler aus sogenannten Gastarbeiterfamilien. Die Einrichtung eines festen Domizils erfolgte sp\u00e4ter ohne Genehmigung, fast als eine Art Hausbesetzung. Das Jugendamt kam zur Kontrolle vorbei, lobte das Projekt und empfahl die Einrichtung einer weiteren Gruppe.<\/p>\n<p>Die praktische Hilfe f\u00fcr Menschen und Kinder mit beeintr\u00e4chtigten Bildungschancen reichte weit in das famili\u00e4re Leben hinein. Aus einer Ver\u00f6ffentlichung des Jahres 1975 geht hervor, dass das Mescheder Ehepaar Rode \u201ein einem Zeitraum von mehr als 30 Jahren neben eigenen Kindern mehr als 40 sozialbenachteiligte, schwierige Kinder und Jugendliche \u00fcber Monate oder Jahre aus eigener Initiative bei sich aufgenommen hat\u201c.<\/p>\n<p>Sehr sensibel hat Irmgard Rode \u00fcbrigens schon beim fr\u00fchesten Einsetzen des Neoliberalismus wahrgenommen, wie in den Medien destruktive, die Gesellschaft nachhaltig besch\u00e4digende Inhalte \u2013 wie \u201eKult der Waffe\u201c, \u201eKampf jeder gegen jeden\u201c und fehlende Empathie \u2013 immer mehr Raum bekamen. Heute w\u00fcrde man sich w\u00fcnschen, es g\u00e4be noch ein paar wirkliche \u201eKonservative\u201c, die \u00e4hnlich klar sehen wie vor drei Jahrzehnten diese Linkskatholikin.<\/p>\n<p><strong>Antifaschistin und Pax Christi-Pionierin<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem im Fr\u00fchjahr 1947 unweit von Meschede ein Massengrab von kurz vor Kriegsende ermordeten sowjetischen Zwangsarbeitern aufgefunden worden war, errichteten Mitglieder eines katholischen M\u00e4nnerkreises \u2013 darunter Georg Heidingsfelder und Albert Stankowski \u2013 ein S\u00fchnekreuz zum Gedenken an das Verbrechen. Dieses Zeichen stie\u00df in der Kleinstadt Meschede auf erbitterten Widerstand einflussreicher Kreise. (Die Rekonstruktion der NS-Massaker und die jahrzehntelange Geschichte der Aufrichtung, Sch\u00e4ndung, Vergrabung, Bergung und Wiederaufrichtung des S\u00fchnekreuzes wird in K\u00fcrze in einer weiteren Dokumentation nachlesbar sein.) Den Eheleuten Rode war es seit den fr\u00fchen 1960er Jahren ein Herzensanliegen, j\u00fcngeren Christen von den Hintergr\u00fcnden des S\u00fchnekreuzes zu erz\u00e4hlen. Irmgard Rode und ihr Mann haben entscheidenden Anteil daran, dass sich in Meschede am Ende doch nicht das Programm einer Verleugnung der Verbrechen des Faschismus durchsetzen konnte. Keine Anfeindung von rechten Kr\u00e4ften konnte sie in ihrem Engagement beirren.<\/p>\n<p>Die Internationale Katholische Friedensbewegung pax christi geht zur\u00fcck auf einen franz\u00f6sischen Gebetsaufruf zur Vers\u00f6hnung noch aus der Zeit vor Ende des 2. Weltkrieges. Die deutsche Sektion wurde im April 1948 begr\u00fcndet auf einem Friedenskongress in Kevelaer. Im Vorfeld hatte Pater Franziskus Stratmann Irmgard Rodes Vater Joseph Beckmann in einem Brief um inhaltliche Zuarbeit bezogen auf das Themenfeld \u201eKraft der Gewaltfreiheit\u201c gebeten. Irmgard und Alfons Rode, beide \u00fcberzeugte Pazifisten und Gegner der Wiederaufr\u00fcstung, waren pax christi von Anfang an verbunden.<\/p>\n<p>Die pax christi-Bewegung hatte in ihrer Fr\u00fchzeit allerdings keineswegs ein so ausgepr\u00e4gtes friedenspolitisches Profil wie der \u2013 nach 1945 nur f\u00fcr kurze Zeit wieder ins Leben gerufene \u2013 Friedensbund deutscher Katholiken (FdK). Im Bistum Paderborn sorgten besonders auch Mitglieder aus dem Sauerland, einer ehemaligen Hochburg des FdK, f\u00fcr entschieden pazifistische Standorte. Zu diesen z\u00e4hlten neben Josef R\u00fcther (Brilon) auch die mit dem Publizisten Georg Heidingsfelder verbundenen Mescheder Ehepaare Stankowski und Rode.<\/p>\n<p>Meschede taucht in den Paderborner Bistumschroniken von pax christi immer wieder als Wohnort ermutigender Friedenskatholiken auf, so f\u00fcr die Phase eines Neuanfangs nach 1959 und in Zusammenhang mit den bundesweit ausstrahlenden, sehr politischen Entwicklungen ab den 1970er Jahren. Dr. Alfons Rode gab seiner Frau \u201efinanziellen und moralischen R\u00fcckhalt bei der Bew\u00e4ltigung ihrer vielf\u00e4ltigen sozialen Aufgaben\u201c (Westf\u00e4lische Rundschau 1987). In pax christi war er dar\u00fcber hinaus selbst von Anfang an engagiert.<\/p>\n<p><strong>\u201eIm Jenseits brauchen wir die Bergpredigt nicht mehr\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Zur Mescheder Friedenswoche im November 1981 schrieb Irmgard Rode: \u201eDiese Woche ist bundesweit eingerichtet worden als Angebot der evangelischen Kirche, und es haben sich Teilgruppen [!] der Katholiken zum Mitwirken bereit erkl\u00e4rt. [&#8230;] Der Weg des Friedens ist ein m\u00fchsamer und ungew\u00f6hnlicher Weg, ohne Marschmusik und Heldenehrung, ohne Kommandos und lautstarke T\u00f6ne. Aber er ist ein neuer Aufbruch in eine neue Richtung. Bisher ging alles in Richtung St\u00e4rke und Macht. Der Friedensweg geht in Richtung Verst\u00e4ndigung, Selbstlosigkeit und Br\u00fcderlichkeit im Sinne des Evangeliums.\u201c<\/p>\n<p>Irmgard Rode war sehr froh, dass die sauerl\u00e4ndische Kreisstadt damals von Anfang an erfasst wurde von der neuen Bewegung f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. Besser als viele Berichte der Lokalpresse gibt ein Beitrag aus der Kirchenzeitung \u201eDer Dom\u201c (1983) ihre klare Haltung in den Auseinandersetzungen der 1980er Jahre wieder:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAktuelle Probleme kann man nicht \u00fcbergehen.\u201c Die Botschaft der 72j\u00e4hrigen ist schlicht und doch so umstritten: \u201eSchlu\u00df mit dem R\u00fcstungswahnsinn.\u201c Als Sprecherin der Pax-Christi-Ortsgruppe Meschede koordiniert sie Friedenswochen und -veranstaltungen, steht selbst hinter Info-St\u00e4nden und wirbt neue Mitglieder. \u201eEs gibt derzeit nichts wichtigeres als den Kampf gegen immer neue Raketen\u201c, sagt sie. Diese Aussage klingt fast abgekl\u00e4rt, wenn sie aus ihrem Mund kommt. Die Erfahrung zweier Weltkriege schwingt da mit. [&#8230;] Da \u201ewieder einmal an der R\u00fcstungsspirale gedreht werden soll\u201c, geht sie f\u00fcr ihre Meinung auch auf die Stra\u00dfe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Kirchenzeitungsredakteur Michael Pl\u00f6ger erkennt den inneren Zusammenhang des mitmenschlichen Engagements in der Biographie von Irmgard Rode: \u201e&gt;Entlaufene Z\u00f6glinge&lt; aus dem Heim in Marsberg, fanden bei ihr Aufnahme und eine Atmosph\u00e4re der Geborgenheit. Sie verhandelte mit den \u00c4rzten und f\u00fchrte mit den Erziehern p\u00e4dagogische Diskussionen. Hinter Mauern eingesperrte Menschen, Erziehung mit der Strafzelle, das ging damals ebenso gegen ihr Menschenbild wie die Waffenarsenale der Gro\u00dfm\u00e4chte heute. [&#8230;] Zu finden ist sie, wo der Wind den Menschen ins Gesicht bl\u00e4st.\u201c Zum Vorschein kommt eine Christin, die die Botschaft Jesu auf das leibhaftige Zusammenleben der Menschen und die Zukunftsfragen der Zivilisation bezieht:<\/p>\n<blockquote><p>Den Streit der Theologen und Politiker \u00fcber die Frage, ob denn die Bergpredigt f\u00fcr das diesseitige oder das jenseitige Leben geschrieben sei, tut sie mit einer Handbewegung ab: \u201eF\u00fcr das Jenseits? Dann brauchen wir sie nicht mehr!\u201c Sie bezeichnet sich als Pazifistin, obwohl dieser Begriff fast schon als Schimpfwort gebraucht wird. \u2013 Dabei wei\u00df sie um ihre Grenzen: \u201eIch kann nicht sagen, da\u00df ich diese Einstellung auch von jedem anderen erwarte. Und schon lange kann ich dem Soldaten nicht seinen guten Willen absprechen.\u201c Ja, man m\u00fcsse die Botschaft der Bergpredigt ernst nehmen und gemeinsam dar\u00fcber reden, aufeinander h\u00f6ren. \u201eWer schweigt, macht sich mitschuldig\u201c, meint sie.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass es Irmgard Rode wirklich in keiner Weise um Parteipolitik ging, ist erwiesen. Den jungen Christdemokraten Andreas Evers, der freilich ein Gegner von R\u00fcstungswettlauf, Atomwaffen und Atomkraftwerken war, f\u00f6rderte sie in ihrem letzten Lebensjahrzehnt als Leiter der pax christi-Gruppe Meschede. Bei jungen Linken in Meschede war sie gut gelitten. Dass Irmgard Rode selbst Mitglied der sozialdemokratischen Partei gewesen ist, haben viele Menschen erst durch einen Nachruf des SPD-Ortsvereins Meschede erfahren. Gegen\u00fcber einer staatlichen Ehrung hatte die christliche Pazifistin entschiedene Vorbehalte. \u201eAls man ihr zum 70. Geburtstag das Bundesverdienstkreuz verleihen wollte, lehnte sie dankend ab: &gt;Ich arbeite f\u00fcr den Frieden und nicht f\u00fcr einen Orden!&lt;\u201c (Westfalenpost 1987)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im neoliberalistischen Kriegszeitalter hat man der jungen Generation \u2013 im Zuge eines allgegenw\u00e4rtigen und unertr\u00e4glichen \u201eBlablablas\u201c \u2013 eingeimpft, Pazifisten w\u00e4ren passive \u201eWeicheier\u201c und sentimentale Tr\u00e4umer. 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