{"id":31523,"date":"2015-02-13T21:34:04","date_gmt":"2015-02-13T20:34:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=31523"},"modified":"2015-02-13T23:02:05","modified_gmt":"2015-02-13T22:02:05","slug":"schulden-steigen-trotz-oder-wegen-der-sparpolitik-keiner-versteht-schulden-wirft-paul-krugman-den-politikern-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/schulden-steigen-trotz-oder-wegen-der-sparpolitik-keiner-versteht-schulden-wirft-paul-krugman-den-politikern-vor\/","title":{"rendered":"Schulden steigen trotz (oder wegen?) der Sparpolitik. &#8211; &#8222;Keiner versteht Schulden&#8220;, wirft Paul Krugman den Politikern vor"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31536\" aria-describedby=\"caption-attachment-31536\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-31536 size-full\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/bundeskanzleramt.jpg\" alt=\"bundeskanzleramt\" width=\"800\" height=\"557\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/bundeskanzleramt.jpg 800w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/bundeskanzleramt-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31536\" class=\"wp-caption-text\">Bundeskanzleramt (archiv: chris)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Die New York Times International Weekly, eine Beilage der SZ, ver\u00f6ffentlichte heute einen Kommentar des \u00d6konomen Paul Krugman. Unter dem Titel \u201eKeiner versteht Schulden\u201c (Nobody Understands Debt) erkl\u00e4rt Krugmann, warum er die Sparpolitik u.a. der deutschen Regierung f\u00fcr falsch h\u00e4lt. Aus dem Englischen \u00fcbertragen von C.K.<strong><br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Die momentane Sparpolitik sei das Problem, denn:<br \/>\n<strong>\u201eMeine Ausgaben sind Dein Einkommen, wenn also jeder zur selben Zeit seine Ausgaben k\u00fcrzt, gehen die Einkommen auf der ganzen Welt zur\u00fcck.\u201c<br \/>\n<\/strong><br \/>\nKrugman zitiert hier die Vorsitzende der US-Notenbank Janet Yellen, die die zeitgleichen Bem\u00fchung vieler Schuldnerstaaten um die Reduzierung ihrer Verbindlichkeiten f\u00fcr die globalen wirtschaftlichen Probleme verantwortlich macht. 2009 sagte Frau Yellen: \u201eVorsichtsma\u00dfnahmen, die f\u00fcr Individuen und Firmen klug sind und eine Voraussetzung f\u00fcr eine R\u00fcckkehr der \u00d6konomie zur Normalit\u00e4t w\u00e4ren, vergr\u00f6\u00dfern die Not der Wirtschaft insgesamt.\u201c<\/p>\n<p>Krugman stellt fest, dass es bisher \u00fcberhaupt nicht gelungen ist, die Wirtschaft zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckzuf\u00fchren. Das Handeln von Politikern basiere auf einem falschen Verst\u00e4ndnis von Schulden. Ihre Versuche, das Problem zu reduzieren, h\u00e4tten das Gegenteil bewirkt.<\/p>\n<p><strong>Keine Nation hat das Verh\u00e4ltnis von Gesamtschulden zu Bruttoinlandsprodukt reduziert<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst benennt Krugmann die Fakten: In einem Report stellte das <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.mckinsey.com\/insights\/economic_studies\/debt_and_not_much_deleveraging\" target=\"_blank\">McKinsey Global Institute<\/a> fest, dass keine Nation das Verh\u00e4ltnis von Gesamtschulden zu Bruttoinlandsprodukt reduziert hat. In einigen L\u00e4ndern sind die Schulden der privaten Haushalte gesunken, aber in anderen L\u00e4ndern sind auch diese gestiegen. Und selbst dort, wo private Schulden abgebaut wurden, sind die Staatsschulden st\u00e4rker angestiegen als die privaten Schulden gesunken sind.<\/p>\n<p>Krugman empfiehlt, daraus auf keinen Fall zu schlussfolgern, dass mehr gespart werden m\u00fcsse. Wir sehen momentan eine nie dagewesene Sparpolitik. Staatliche Ausgaben \u2013 abgesehen von Zinszahlungen \u2013 sind in reichen Nationen gefallen und es gab tiefe Einschnitte bei den Schuldnern in S\u00fcdeuropa. Aber auch in L\u00e4ndern wie Deutschland und den USA, die momentan zu historisch einzigartig niedrigen Zinsen Geld leihen k\u00f6nnten, wird gespart.<\/p>\n<p>Die Austerit\u00e4tspolitik mache alles nur noch schlimmer, denn die Forderung, alle sollten den G\u00fcrtel enger schnallen, basiere auf einem falschen Verst\u00e4ndnis von der Rolle von Schulden in der Wirtschaft, so Krugman.<\/p>\n<p>Immer wenn jemand fordere, man solle aufh\u00f6ren, zuk\u00fcnftige Generationen zu bestehlen, k\u00f6nne man diese falsche Verst\u00e4ndnis erkenne:<\/p>\n<p>Eine verschuldete Familie schuldet anderen Leuten Geld. Die Weltwirtschaft als Ganzes schuldet sich selbst Geld. Amerika w\u00fcrde momentan dem Ausland weniger Geld schulden als noch 2008, Europa sei Nettogl\u00e4ubiger gegen\u00fcber der \u00fcbrigen Welt.<\/p>\n<p>Daher sind unsere Schulden Geld, das wir uns selbst schulden. Es macht die Wirtschaft nicht direkt \u00e4rmer (und Schulden abzahlen macht uns im Umkehrschluss nicht direkt reicher). Schulden k\u00f6nnen tats\u00e4chlich die finanzielle Stabilit\u00e4t gef\u00e4hrden, aber die Situation verbessere sich nicht, wenn Einsparungen die Wirtschaft in eine Deflation oder Depression st\u00fcrzten.<\/p>\n<p>In der aktuellen Situation wirft Krugmann den Europ\u00e4ischen Staatschefs vor, sie klammerten sich an den Glauben, die \u00f6konomische Krise sei durch zu viel Geldausgabe entstanden, durch Staaten, die \u00fcber ihre Verh\u00e4ltnisse gelebt h\u00e4tten. Angela Merkel habe darauf bestanden, dass der Weg nach vorn in einer R\u00fcckkehr zur Sparsamkeit bestehen m\u00fcsse. Europa solle der sparsamen schw\u00e4bischen Hausfrau nacheifern.<\/p>\n<p><strong>Merkels Sparkurs sei das Rezept f\u00fcr eine Katastrophe in Zeitlupe.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Merkels Sparkurs sei das Rezept f\u00fcr eine Katastrophe in Zeitlupe. Eine gewisse Sparsamkeit der europ\u00e4ischen Schuldner war n\u00f6tig, allerdings erwiesen sich die Sparma\u00dfnahmen, die ihnen aufgezwungen wurden als \u201eunglaublich grausam\u201c, so Krugman. Gleichzeitig gingen u.a. Deutschland dazu \u00fcber, weniger Geld auszugeben. Das Gegenteil w\u00e4re n\u00f6tig gewesen.<\/p>\n<p>In diesem Klima war es unm\u00f6glich, die Verschuldungsquote zu reduzieren:<br \/>\nDas reale Wachstum verlangsamte sich, die Inflationsrate fiel, bis es in den am schlimmsten betroffenen Nationen zu einer faktische Deflation kam.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hler hatte diese Katastrophenpolitik lange genug ertragen, glaubten sie zun\u00e4chst an die Versprechen der Eliten, dass es bald eine Belohnung f\u00fcr die Entbehrungen geben w\u00fcrde. Aber als der Schmerz anhielt, so der amerikanische \u00d6konom, und sich kein Fortschritt zeigte, war die Radikalisierung unvermeidlich. Jeder, der jetzt \u00fcber das griechische Wahlergebnis erstaunt ist oder wer sich \u00fcber Anti-Establishment Kr\u00e4fte in Spanien wundert, hat vorher nicht aufgepasst.<\/p>\n<p>Keiner wisse, was als n\u00e4chstes passieren werde, obwohl die Wahrscheinlichkeit w\u00e4chst, dass Griechenland die Eurozone verlassen wird. Vielleicht wird der Schaden dort enden, aber Krugman glaubt, dass dieser Schritt das ganze Europrojekt bedrohen k\u00f6nnte. Wenn der Euro scheitert, sollte man auf seinen Grabstein schreiben:<\/p>\n<p><strong>\u201eStarb an einer schlechten Analogie.\u201c<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die New York Times International Weekly, eine Beilage der SZ, ver\u00f6ffentlichte heute einen Kommentar des \u00d6konomen Paul Krugman. 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