{"id":31281,"date":"2015-01-25T20:07:00","date_gmt":"2015-01-25T19:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=31281"},"modified":"2018-11-19T10:34:24","modified_gmt":"2018-11-19T09:34:24","slug":"alptraum-alpen-bedrohtes-oekosystem-im-herzen-europas-ausverkauf-einer-urlaubslandschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/alptraum-alpen-bedrohtes-oekosystem-im-herzen-europas-ausverkauf-einer-urlaubslandschaft\/","title":{"rendered":"Alptraum Alpen \u2013 bedrohtes \u00d6kosystem im Herzen Europas \u2013 Ausverkauf einer Urlaubslandschaft"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31315\" aria-describedby=\"caption-attachment-31315\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31315\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/7793.jpg\" alt=\"In den Chiemgauer Alpen (alle fotos: knoppik)\" width=\"440\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/7793.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/7793-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31315\" class=\"wp-caption-text\">In den Chiemgauer Alpen (alle fotos: knoppik)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Alpen: Einst waren sie undurchdringlicher Urwald mit W\u00f6lfen, B\u00e4ren, Luchsen und Geiern. Eine zivilisationsferne Wildnis, um die sich m\u00e4rchenhafte Sagen rankten, gef\u00fcrchtet als Hort von D\u00e4monen und Drachen. Dann kam der Mensch.<\/strong><\/p>\n<p>Er rodete den Wald und schuf Lichtweidefl\u00e4chen: Es war die Geburtsstunde der uns so vertrauten Almen. Sie sind bis heute ein nicht wegzudenkender Bestandteil der alpinen Kulturlandschaft, in deren Umfeld eine gro\u00dfe Vielfalt an Tieren und Pflanzen zu Hause ist. Wenn auch aus vielen dieser malerischen Almen (es gibt sie noch!) l\u00e4ngst Gasth\u00e4user geworden sind, oft durch breite, asphaltierte Zufahrtsstra\u00dfen erschlossen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher lebten und wirtschafteten die Bauern im Einklang mit der Natur. Und nebenbei gesagt: Winter gab es, \u00fcber dessen Strenge, Zeitdauer und Schneereichtum sich heutzutage niemand, zumal unter der j\u00fcngeren Generation, eine Vorstellung machen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31322\" aria-describedby=\"caption-attachment-31322\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31322\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77B5.jpg\" alt=\"Pasterze am Gro\u00dfglockner, noch deutlich st\u00e4rker vergletschert als heute\" width=\"440\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77B5.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77B5-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31322\" class=\"wp-caption-text\">Pasterze am Gro\u00dfglockner; Aufnahme vom August 1980. Damals war dieser gr\u00f6\u00dfte Ostalpengletscher noch ziemlich m\u00e4chtig. Gletscherzunge und Eismasse sind seitdem aber sehr stark zur\u00fcckgewichen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Doch das ist l\u00e4ngst Vergangenheit. Seitdem man die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu sp\u00fcren bekommt, braucht man sich nicht mehr \u00fcber Witterungsanomalien zu wundern, wie sie unl\u00e4ngst aufs Neue registriert wurden, n\u00e4mlich im oberbayerischen Piding bei Berchtesgaden. Dort kletterte die Temperatur auf 20,5 Grad C! Das ist keine Laune der Natur, sondern f\u00fcgt sich nahtlos in das Bild der Klimaver\u00e4nderung ein und bedeutet absoluten Rekord f\u00fcr Januar, wohlgemerkt seit den amtlichen Wetteraufzeichnungen im Jahre 1880.<\/p>\n<p>Ende des 19. Jahrhunderts begann die touristische Erschlie\u00dfung der Alpen. Eine besondere Rolle spielten hierbei die Alpenvereine, die den Boden daf\u00fcr bereiteten, da\u00df das Hochgebirge nach und nach f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich wurde. Mit der Zeit entstand ein immer dichteres Netz von Schutzh\u00fctten, Wegen und Steigen. Obwohl der Deutsche Alpenverein wie auch der \u00d6AV anerkannte Naturschutzverb\u00e4nde sind, verfolgten sie in erster Linie Nutzungsinteressen und machte bisweilen gemeinsame Sache mit denjenigen, die von vornherein nichts anderes als eine Kommerzialisierung der Alpen im Sinn hatten.<\/p>\n<p>Zum Beispiel das Gepatschhaus im Tiroler Kaunertal: Seit 1980 f\u00fchrt auf die 1928 m \u00fc. NN hoch gelegene DAV-H\u00fctte eine mautpflichtige Gletscherstra\u00dfe. Diese wurde damals m.W. mit ausdr\u00fccklicher Zustimmung, zumindest aber mit Duldung des Alpenvereins erm\u00f6glicht. Der Preis f\u00fcr diese r\u00fccksichtslos mitten durch eine noch sehr urspr\u00fcngliche Gebirgslandschaft gebaute Pa\u00dfstrasse war sehr hoch: Ihr opferte man den \u00e4ltesten Zirbenwald Tirols, der zugunsten dieses sinnlosen Betonbandes autogerecht zerhackt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31317\" aria-describedby=\"caption-attachment-31317\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31317\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/772B.jpg\" alt=\"In den Glarner Alpen, Unterengadin, Schweiz\" width=\"440\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/772B.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/772B-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31317\" class=\"wp-caption-text\">In den Glarner Alpen, Kanton Glarus, Schweiz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das ist aber nicht der einzige Fall, wo \u00d6AV wie DAV mehr als Erschlie\u00dfungsbef\u00fcrworter denn als Bewahrer der Bergwelt in Erscheinung traten. Erst viele Jahre sp\u00e4ter besannen sich die alpinen Verb\u00e4nde wieder st\u00e4rker auf den Naturschutz und sahen darin einen Schwerpunkt der Vereinsarbeit. Und heute m\u00fc\u00dfte die Hauptaufgabe darin bestehen, die alpine Natur mit Zehen und Klauen zu verteidigen, unter dem gemeinsamen Dach der Umweltorganisationen zu retten, was noch zu retten ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dennoch legt sich der Alpenverein auch in Zeiten wachsender Umweltprobleme immer noch oft genug quer, wenn es darum geht, seine Interessen den Zielen des Naturschutzes unterzuordnen und eine kompromi\u00dflose Linie, bspw. zum Schutz seltener, im Winter besonders st\u00f6ranf\u00e4lliger Tierarten, mitzutragen. Auch hinsichtlich der Vereinbarkeit von klettersportlichen Aktivit\u00e4ten mit dem Artenschutz hat man oft seine liebe M\u00fche auf Anhieb Zugest\u00e4ndnisse zu machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31318\" aria-describedby=\"caption-attachment-31318\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31318\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/71C3.jpg\" alt=\"Ober- und Unterstalleralm (1.883 m) im Villgratental\/Osttirol = Bergsteigerdorf - Aus den Almen sind Chalets geworden, k\u00f6nnen von Touristen angemietet werden.\" width=\"440\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/71C3.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/71C3-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31318\" class=\"wp-caption-text\">Ober- und Unterstalleralm (1.883 m) im Villgratental\/Osttirol = Bergsteigerdorf &#8211; Aus den Almen sind Chalets geworden, sie k\u00f6nnen von Touristen angemietet werden.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Fremdenverkehr stellte lange keine Bedrohung f\u00fcr das alpine \u00d6kosystem dar, er beschr\u00e4nkte sich weitgehend auf die Sommermonate. Wenige G\u00e4ste und prominente Pers\u00f6nlichkeiten, wie Maler, Schriftsteller und andere Weitgereiste zog es per Eisenbahn in die Berge. Im Jahre 1866 wurde die Bahnlinie von Freilassing nach Bad Reichenhall er\u00f6ffnet und am 25. Oktober 1888 nach Berchtesgaden weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Alpen? Wer wu\u00dfte das schon? Erst der aufkommende Wintertourismus brachte die hemmungslose Kommerzialisierung der Bergwelt. Sie sorgte daf\u00fcr, da\u00df das fragile Naturgef\u00fcge zunehmend in Gefahr geriet und alsbald die ersten Sch\u00e4den gr\u00f6\u00dferer Dimension sichtbar wurden. Langsam, aber stetig, begann der Mensch damit, die Natur nach seinem Fasson oder \u2013 besser gesagt \u2013 nach seinen N\u00fctzlichkeitserw\u00e4gungen zurechtzur\u00fccken: Die Flu\u00dfauen wurden zu Campingpl\u00e4tzen, die Seeufer zu Badeanstalten, die Bergh\u00e4nge zu Skipisten und die Berggipfel zu Endstationen von Sessel- und Seilbahnen.<\/p>\n<p>Bereits im Jahre 1977 stellte das Nachrichtenmagazin \u201eDer Spiegel\u201c den Ausverkauf der alpinen Landschaft in den Mittelpunkt seiner Berichterstattung und lenkte damit das \u00f6ffentliche Interesse auf die bereits immer offenbarer werdenden gravierenden Umweltprobleme des zentraleurop\u00e4ischen Hochgebirges. Einst war es Inbegriff einer intakten Umwelt, heute extrem bedroht. Von den Auswirkungen des Massentourismus, von Zersiedlung, unkontrollierter Bebauung, einer \u00fcberm\u00e4chtigen Freizeitindustrie, von industriellen Gro\u00dfprojekten zur Energiegewinnung (z. B. Wasserkraft) und einem nach wie vor stark wachstumsorientierten, schier ausufernden Wintersport, der immer mehr auf den Einsatz von Schneekanonen angewiesen ist und daf\u00fcr Speicherbecken ben\u00f6tigt, aus denen der Nachschub an kostbaren Wasserreserven geliefert wird, freilich so lange der Vorrat noch reicht.<\/p>\n<p>Am Sudelfeld nahe Bayrischzell (am Wendelstein) wurde f\u00fcr ein vermeintlich \u201eklimagerechtes\u201c Pistenvergn\u00fcgen ein ganzes Gebirgsmassiv mit Raupenfahrzeugen und Baggern aus den Angeln gehoben und zu gesichtslosen Mondlandschaften umfunktioniert. Aus der ehemals vorhandenen Postkartenidylle, die den Touristen die heile Bergwelt vorgaukelt, erwuchs eine technisch \u00fcberformte Industrielandschaft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31319\" aria-describedby=\"caption-attachment-31319\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31319\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/773E.jpg\" alt=\"Blaueisgletscher, was von ihm noch \u00fcbrig geblieben ist, Aufnahme vom September 2014\" width=\"440\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/773E.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/773E-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31319\" class=\"wp-caption-text\">Blaueisgletscher, was von ihm noch \u00fcbrig geblieben ist, Aufnahme vom September 2014 &#8211; Berchtesgadener Alpen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch die letzten, bisher unerschlossenen Gletscherregionen Tirols haben die Wirtschaftslobbyisten im Visier. Dabei sind die auf alten Fotos dokumentierten Eisriesen st\u00e4ndig im R\u00fcckgang begriffen. 5.000 Alpengletscher gibt es. Seit 1990 beschleunigt sich der Abschmelzvorgang (im Fachjargon: Ablation). Deren Substanz schwindet unaufhaltsam und ebenso, was ihre L\u00e4ngenma\u00dfe betrifft, um bis zu 10 m pro Jahr! 4.460 km\u00b2 der Alpen lagen um 1850 noch unter einem Eispanzer; in den 1970er Jahren waren es 2.903 km\u00b2, im Jahre 2012 dann nur noch etwa 2.153 km\u00b2. Dort, wo das Eis zur\u00fcckgeht, tauchen bisweilen Reste von B\u00e4umen und Torfe auf, die darauf schlie\u00dfen lassen, da\u00df diese Regionen in der Vergangenheit schon einmal eisfrei und mit L\u00e4rchen bewaldet waren, vor gut 9.000 Jahren, in der als Holoz\u00e4n genannten Warmzeit.<\/p>\n<p>In der Schweiz, \u00d6sterreich, Italien und Frankreich wurden von 1995 bis 2.000 insgesamt 284 Gletscher eingehend untersucht. Von diesen haben sich 273 zur\u00fcckgezogen. Der gr\u00f6\u00dfte Gletscher der Ostalpen, die Pasterze am Gro\u00dfglockner, mi\u00dft rd. 9 km L\u00e4nge. Seit dem Ende der so genannten \u201ekleinen Eiszeit\u201c um das Jahr 1850 hat ihre Fl\u00e4che von damals \u00fcber 30 km\u00b2 um fast die H\u00e4lfte abgenommen. Sie ist somit nur noch ein Schatten ihrer selbst.<\/p>\n<p>Der kl\u00e4gliche Zustand der Gletscher hat seine Ursachen nat\u00fcrlich auch und besonders in der massenhaften Mobilit\u00e4t unserer Industriegesellschaft und dem damit verbundenen Verbrauch fossiler Brennstoffe. Dar\u00fcber sollte sich jeder Urlauber im Klaren sein und dementsprechend sein eigenes Verhalten \u00fcberpr\u00fcfen. Die Alpenp\u00e4sse, einst als k\u00fchne Projekte gepriesen, sind zu Einfallsschneisen f\u00fcr die aus allen Himmelsrichtungen heranstr\u00f6menden Blechlawinen geworden. Nicht umsonst sind diese \u00dcberg\u00e4nge z. B. bei Motorradfahrern \u00e4u\u00dferst beliebt. Denn f\u00fcr die Inhaber jener Ohren bet\u00e4ubenden L\u00e4rm verursachenden und vor Kraft strotzenden Maschinen sind alpine Bergstra\u00dfen von gr\u00f6\u00dftem Reiz, weil die Motorsportler der Auffassung sind, sich selbst und andern Verkehrsteilnehmern ihr K\u00f6nnen \u201ebeweisen\u201c zu m\u00fcssen. So wird das Krad auf H\u00f6chstgeschwindigkeit getrimmt und volles Risiko eingegangen. Irreparable Sch\u00e4den an Natur und Umwelt werden einfach in Kauf genommen. Kleinb\u00fcrgerliche Geltungssucht und Wichtigtuerei spielen da wohl eine entscheidende Rolle. Zwar schreitet der Gesetzgeber mittlerweile ein und verf\u00fcgt in der N\u00e4he von Ortschaften und vor allem entlang besonders gef\u00e4hrdeter Streckenabschnitte Tempolimits. Aber an der Gesamtsituation, die von L\u00e4rm durch Raserei und Emissionsbelastung, sowie von einem st\u00e4ndig vorhandenen Unfallrisiko ausgeht, hat sich nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Im Bundesland Tirol existiert &#8211; zumindest auf dem Papier &#8211; der Gletscherschutz, der aber seit der Jahrtausendwende mehrmals ausgehebelt worden ist, um die seit Jahrzehnten nicht realisierbaren Gletscherskigebietserweiterungen, etwa im Tiroler Kauner- und Pitztal, genehmigen zu k\u00f6nnen. Freilich will sich der \u00d6AV als anerkannte Umweltorganisation weiterhin mit allen rechtlichen Mitteln gegen solchen Gr\u00f6\u00dfenwahn zur Wehr setzen. Und das hat er mit Unterst\u00fctzung befreundeter Partnerorganisationen, B\u00fcrgerinitiativen, Einheimischen und potenziellen Urlaubsg\u00e4sten auch schon recht erfolgreich getan, auch was andere Erschlie\u00dfungsvorhaben angeht. Bis zu Anfang der achtziger Jahre galt offiziell ein Verbot der Gletschererschlie\u00dfung f\u00fcr den Massenskilauf. Er war gesetzlich verankert. Bis es den Seilbahnbetreibern auf permanenten Druck hin schlie\u00dflich gelang, den bestehenden Schutz der faszinierenden Eiswelten in Frage zu stellen. Mit Erfolg. Denn man darf eines nicht vergessen: Die \u00d6sterreichische Volkspartei (\u00d6VP), ein Pendant unserer \u201eWirtschaftsparteien\u201c CDU und CSU, galt schon immer als industriefreundlich. Und so war es f\u00fcr die Lobby nicht schwer sich dort Geh\u00f6r und Geltung zu verschaffen.<\/p>\n<p>Es gibt heute keine Tabus mehr, die eine wirtschaftliche Interessen verfolgende Seilbahnindustrie daran hindern k\u00f6nnte, ihre Projekte mit aller Macht durchzudr\u00fccken. Gesetze sind nur noch Makulatur. Sie werden notfalls ignoriert bzw. durch allerlei Tricks zu umgehen versucht. Und falls man mit Antr\u00e4gen auf Ausnahmegenehmigungen scheitert, werden sie halt in einen neuen Text verpackt, oder man h\u00e4lt sich als letzte aussichtsreiche M\u00f6glichkeit den Klageweg offen.<\/p>\n<p>Im Alpenraum regiert eine unheilige Allianz aus Tourismusspekulanten, Baul\u00f6wen, Energiewirtschaft, Seilbahn- und Liftbetreibern, die allesamt zum Frontalangriff auf die letzten noch unber\u00fchrten oder einigerma\u00dfen intakt gebliebenen Regionen blasen. Sie machen selbst vor Schutzgebieten nicht halt. Zahlreiche Projekte stehen in \u00d6sterreich auf der Wunschliste der Technokraten. Ganze Gebirgskomplexe werden durch T\u00e4ler verbindende Schischaukeln und Liftsysteme vereinnahmt. Die Tourismusbranche befindet sich also weiterhin auf Expansionskurs und l\u00e4\u00dft sich in ihrem blindw\u00fctigen Streben nach der totalen Vermarktung des Hochgebirges durch nichts und niemanden abbringen. Und das macht die Sache der Widerstand leistenden Verb\u00e4nde nat\u00fcrlich nicht einfacher. Vor keiner Bauma\u00dfnahme schrecken finanzkr\u00e4ftige Investoren zur\u00fcck, wenn dadurch nur neue Touristen angelockt werden. Vermarktungsstrategen sitzen \u00fcberall in den Startl\u00f6chern, um Kommunalpolitikern ihre Lieblingsobjekte, die den betroffenen Gemeinden \u00fcppige Gewerbesteuereinnahmen versprechen, schmackhaft zu machen; und das ohne regionales, geschweige denn \u00fcberregionales Konzept. Das Gebirge wird m\u00f6bliert und verdrahtet. Hochh\u00e4user und Hochspannungsleitungen verschandeln die Bergwelt. Ein Bauboom ohnegleichen. Statt Akelei, Edelwei\u00df und Silberwald trifft man auf Disneyland mit Pizzabuden und MacDonalds!<\/p>\n<p>Ein sehr unr\u00fchmliches Beispiel f\u00fcr monstr\u00f6se Verschandelung bietet der \u00d6tztaler Ort S\u00f6lden. Und dieser steht wei\u00df Gott nicht alleine da. Saalbach-Hinterglemm im Bundesland Salzburg f\u00e4llt in die gleiche Kategorie. Es verzeichnete im vergangenen Jahr 1 \u00bd Millionen N\u00e4chtigungen, viel mehr, als dieses, zum Rummelplatz verkommene Wintersportdorado aufnehmen kann. Solche Skizentren m\u00fcssen l\u00e4ngst weit mehr bieten, als nur Skifahren, um ganz vorn dabei zu sein. Das Hochgebirge wird zum Abenteuerspielplatz degradiert.<\/p>\n<p>Da es aufgrund der Bev\u00f6lkerungsentwicklung, zunehmend knapper Kassen, eines ver\u00e4nderten Freizeitverhaltens und \u00fcberhaupt einer anderen Lebensgestaltung der B\u00fcrger keinen Sinn mehr macht, neue Anlagen zu errichten, werden sich solche Investitionen zuk\u00fcnftig nicht mehr rechnen, bleiben die Planer (hoffentlich!) auf ihren Kosten sitzen. Mit der Zeit werden die Touristen es leid sein sich an einer v\u00f6llig verfremdeten \u201eAlpenlandschaft\u201c zu \u201eerfreuen, einer \u201eBergidylle\u201c ganz nach den Vorstellungen der Technofreaks inszeniert: Mit Badestr\u00e4nden und Palmen in der N\u00e4he von Seilbahnstationen! Was noch vor einigen Jahren utopisch erschien, ist inzwischen raue Wirklichkeit geworden Man k\u00f6nnte angesichts einer so bizarren Entstellung des Gebirges f\u00fcr nichts anderes als schn\u00f6den Kommerz nur noch schreiend davonlaufen.<\/p>\n<p>Wie sehr im Laufe der vergangenen Jahrzehnte die Verst\u00e4dterung der alpinen T\u00e4ler fortgeschritten ist, zeigen Fremdenverkehrsdorados etwa in der Schweiz. Beispiel Leukerbad. Was ist im Laufe der vergangenen 4 Jahrzehnte aus diesem urspr\u00fcnglich in die Landschaft eingepassten Ferienort mit seinen paar Hotels und Gasth\u00e4usern geworden? Ein kleines Alpen-Chicago, dessen austauschbare Architektur ebenso in Tel Aviv, Kapstadt oder Johannesburg stehen k\u00f6nnte! Der alte Ortskern mit seinen Holzh\u00e4usern mu\u00dfte bereits gegen Ende der siebziger Jahre einem unvergleichlichen Bauboom weichen.<br \/>\nJahrhundertelang sind die Alpen mit stark zunehmender Intensit\u00e4t erschlossen worden. Nun m\u00fc\u00dften sie eigentlich verschlossen werden. Massive Eingriffe in den alpinen Naturhaushalt haben \u00fcberall deutliche Spuren hinterlassen. Nur gr\u00f6\u00dfte Anstrengungen und wirklich Einsicht k\u00f6nnen noch verhindern, da\u00df das empfindliche Gleichgewicht des \u00d6kosystems v\u00f6llig aus den Fugen ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Ob Politiker, Fremdenverkehr, Baul\u00f6wen und Pistenplaner jedoch bereit sind, vom Wachstumsglauben Abschied zu nehmen, darf aus heutiger Sicht bezweifelt werden. Die Kassandrarufe ber\u00fchmter Pioniere der \u00d6kologiebewegung zeigten bedauerlicherweise nur f\u00fcr eine begrenzte Dauer Wirkung im politischen Raum und brachten nicht den erforderlichen Kurswechsel.<\/p>\n<p>Nun gibt es ja noch die Alpenkonvention. Durch diese seinerzeit getroffene Vereinbarung haben sich die Anrainerstaaten Deutschland, \u00d6sterreich, Schweiz, Italien, Lichtenstein, Europ\u00e4ische Union und Slowenien dazu verpflichtet, im Alpenraum eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen. Damit setzen die Alpenstaaten weltweit die Beschl\u00fcsse der Agenda 21 konkret um. So liest es sich jedenfalls in dem viele Seiten umfassenden Schriftst\u00fcck. Und jetzt kommt es: Obwohl auch \u00d6sterreich diese Konvention unterschrieben hat und damit f\u00fcr seine vorhandenen Schutzgebiete eine gro\u00dfe Verantwortung \u00fcbernahm, werden diese hochsensiblen Naturoasen, deren Wert monet\u00e4r nicht zu beziffern ist, eben doch nicht in Ruhe gelassen. Papier ist geduldig.<\/p>\n<p>In einem beklagenswerten Zustand befindet sich auch der alpine Bergwald. Die Schutzfunktion der f\u00fcr Boden, Klima, Lawinenabg\u00e4nge, Muren, Wasserhaushalt und \u2013 nicht zuletzt &#8211; die Bewohnbarkeit der T\u00e4ler so eminent wichtigen W\u00e4lder ist vielerorts nicht mehr garantiert. Das liegt wesentlich am nach wie vor zu hohen Bestand an Rehen, Hirschen und Gemsen, beg\u00fcnstigt von einer sportlich-egoistisch eingestellten Jagdlobby, die allein an m\u00f6glichst gro\u00dfen Schalenwildpopulationen interessiert ist. Da\u00df aber die Verj\u00fcngung unentbehrlicher Mischbaumarten, entscheidend f\u00fcr eine gedeihliche Entwicklung und Stabilit\u00e4t dieser Vegetationsform, am Troph\u00e4enkult sowie wertlosen Nadelholzplantagen schon im Ansatz scheitert, ist diesen \u201eFeudalherren\u201c im gr\u00fcnen Rock ziemlich egal. Hauptsache, sie k\u00f6nnen sich mit der Flinte an den durch Hege und F\u00fctterung reichlich vermehrten Wildbest\u00e4nden belustigen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich schw\u00e4chen die durch den Klimawandel bedingten und geh\u00e4uft auftretenden Wetterextreme die Widerstandskraft der Bergw\u00e4lder. Umfassende Eingriffe in die Landschaft haben an etlichen Orten die F\u00e4higkeit des \u00d6kosystems ruiniert, die hohen alpinen Regenmassen zu b\u00e4ndigen. Sich h\u00e4ufende Starkregen \u00fcberfordern l\u00e4ngst die Aufnahmekapazit\u00e4t der noch immer weit verbreiteten monokulturellen Fichtenforste. Weil die Niederschl\u00e4ge im Winter nur noch ab einer bestimmten H\u00f6he (Tendenz steigend!) als Schnee fallen, darunter jedoch zunehmend als Regen, wird das Wasser nicht mehr \u2013 wie sonst \u2013 von der Waldvegetation zur\u00fcckgehalten bzw. verz\u00f6gert abgegeben, sondern schie\u00dft ungehindert zu Tal und f\u00fchrt schnell zu Hochwasserspitzen, l\u00e4\u00dft kleine B\u00e4che zu rei\u00dfenden Str\u00f6men werden. Das erschwert und verhindert bei naturfernen Monokulturen zugleich eine Grundwasserneubildung.<\/p>\n<p>Naturfrevel hat es zwar zu allen Zeiten gegeben. Dennoch haben fr\u00fchere Generationen, die ja bewu\u00dft von den nat\u00fcrlichen Ressourcen ihrer Umwelt lebten, selbst in Zeiten, in denen die Not am gr\u00f6\u00dften war, die Natur nie so ausgenutzt, da\u00df sie Gefahr liefen ihre Lebensbasis zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Nun wird in Presse, Radio und Tageszeitungen stets der Eindruck erweckt, als seien brutale Eingriffe in das alpine \u00d6kosystem und die damit einhergehende Zerst\u00f6rung nur eine Sache von Umweltsch\u00fctzern, ganz nach der Devise: Natur f\u00fcr mich, Naturschutz f\u00fcr die anderen! So, als w\u00e4ren nicht wir alle Verlierer dieser bedrohlichen Entwicklung! Wer kann schon ein vitales Interesse daran haben, da\u00df \u2013 wie etwa im bayerischen Alpenraum zu \u201ebewundern\u201c &#8211; ein sog. \u201eFlying Fox\u201c (Seilbahnrutsche, auf der die Leute mit bis zu 140 Stundenkilometern ins Tal sausen k\u00f6nnen) installiert wird, oder ein \u201eFunpark\u201c nebst anderen komischen Ideen! Durch die Anlage von immer neuen Klettersteigen, will man es auch dem Heer der Halbschuhtouristen mit technischer Hilfe erm\u00f6glichen, die f\u00fcr sie normalerweise unbezwingbaren Berggipfel zu erobern.<\/p>\n<p>Obwohl dadurch die Zahl der schweren auch t\u00f6dlich verlaufenden Unf\u00e4lle, deutlich gestiegen ist, wird munter weitergebaut. Darin sehe ich den vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt einer z\u00fcgellosen, geldorientierten Nutzung des Hochgebirges. Den so majest\u00e4tisch in den Himmel ragenden Bergen nimmt man ihre nat\u00fcrliche Sch\u00f6nheit, Einzigartigkeit und Erhabenheit. Sie verlieren ihre W\u00fcrde! So sieht es auch der Extrembergsteiger, Schriftsteller und Biobauer Reinhold Messner. Dieser hatte im Jahre 1978 mit der ohne zus\u00e4tzlichen Sauerstoff erfolgten, spektakul\u00e4ren Erstbesteigung des Mount Everest (8.848m) und weiterer Gletschergipfel, die zu den h\u00f6chsten der Welt z\u00e4hlen, zweifellos neue Ma\u00dfst\u00e4be im Alpinismus gesetzt. Seine revolution\u00e4ren H\u00f6chstleistungen haben aber auch bewirkt, da\u00df sich in der Folgezeit ein Heer von Ehrgeiz besessenen Nachahmern berufen f\u00fchlte, es ihm gleichzutun. Dies war der unselige Startschuss f\u00fcr einen wahren Run auf die Sechs-, Sieben- und Achttausender im Himalaya und dem benachbarten Karakorum!<\/p>\n<figure id=\"attachment_31320\" aria-describedby=\"caption-attachment-31320\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31320\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77A3.jpg\" alt=\"Hoher Zaun und Kristallwand in der Venedigergruppe\/Hohe Tauern, 1980\" width=\"440\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77A3.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77A3-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31320\" class=\"wp-caption-text\">Hoher Zaun und Kristallwand in der Venedigergruppe\/Hohe Tauern, 1980<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zahlreiche, f\u00fcr teures Geld organisierte Expeditionen f\u00fchrten in einsamste Gebirgsregionen, welche noch niemals zuvor ein Mensch betreten hatte und die von den tibetischen Buddhisten bzw. M\u00f6nchen bis dahin als heilige St\u00e4tten verehrt wurden.<br \/>\nDie Spuren der Zivilisation und deren Hinterlassenschaften in Form von Wohlstandsm\u00fcll haben also die entlegensten Winkel unseres Planeten l\u00e4ngst erfa\u00dft. Daher kann nicht oft genug eines in aller Deutlichkeit betont werden:<\/p>\n<p>Um die Ausbeutung der Alpen dauerhaft zu stoppen, bedarf es eines radikalen Gesinnungswandels! Im Nachbarland \u00d6sterreich und neuerdings auch in Bayern setzt man dem technisierten Massentourismus das vielversprechende Konzept der BERGSTEIGERD\u00d6RFER entgegen. Seit dem Jahre 2008 vergibt der \u00d6sterreichische Alpenverein (\u00d6AV) diese Auszeichnung. Damit solcherma\u00dfen pr\u00e4mierte Gemeinden ein derartiges Qualit\u00e4tssiegel tragen d\u00fcrfen, m\u00fcssen bestimmte Anforderungen an \u00f6kologische Nachhaltigkeit erf\u00fcllt sein. Sie betreffen Gastronomie, Land- und Forstwirtschaft, Energiegewinnung, Tourismus und Naturschutz. Diese Voraussetzungen sind bei den Bergsteigerd\u00f6rfern gegeben. Durch ihre Abgeschiedenheit bzw. schlechte Erreichbarkeit haben sie ihr urspr\u00fcngliches, von der Landwirtschaft gepr\u00e4gtes Ortsbild weitgehend bewahrt. Das ist ihr gr\u00f6\u00dfter Trumpf! Der Wechsel aus Wiesen, Weiden, Hecken, Baumgruppen und kulturellen Geb\u00e4uden bestimmt den Charakter der Bergsteigerd\u00f6rfer. Allein ein naturnaher, kleinstrukturierter Tourismus in Verbindung mit traditioneller Bewirtschaftung sichert die Eigenst\u00e4ndigkeit der dort lebenden Menschen und so ihre Existenz. Die einheimische Bev\u00f6lkerung hat richtig erkannt, da\u00df eine unmittelbare Abh\u00e4ngigkeit vom Tourismus Fremdbestimmung bedeuten w\u00fcrde &#8211; und letztendlich die Aufgabe der Eigenst\u00e4ndigkeit. F\u00fcr die Bewohner kommt es darauf an, da\u00df man sich und seiner Gesinnung treu bleibt und die Bodenhaftung nicht verliert.<\/p>\n<p>Ein nachhaltiger Tourismus hat deshalb auf die alteingesessene Lebensweise der Einheimischen R\u00fccksicht zu nehmen; er darf die Menschen nicht ver\u00e4ndern, sondern mu\u00df sie so belassen, wie sie sind! Momentan gibt es \u00d6sterreichweit 21 dieser Bergsteigerd\u00f6rfer, darunter das Lesachtal in K\u00e4rnten, das Villgratental in Osttirol oder das 1.900 m hoch gelegene Dorf Vent im hinteren \u00d6tztal. Die betreffenden Gemeinden sehen die Auszeichnung als langfristige Investition und messen den Erfolg keineswegs daran, wie viel Geld binnen m\u00f6glichst kurzer Zeit in ihre Kassen gesp\u00fclt wird. Das anspruchsvolle Pr\u00e4dikat \u201eBergsteigerd\u00f6rfer\u201c kann den Ortschaften aber auch jederzeit wieder entzogen werden, sollten die strengen Kriterien nicht eingehalten werden, wie das etwa im Fall der Fremdenverkehrsgemeinde Kals am Gro\u00dfglockner in Osttirol (Alpens\u00fcdseite) geschehen ist, wo unter dem Deckmantel \u201eEntwicklung\u201c wachstumsgetriebene Profitgier zum Bau gro\u00dfer Hotelkomplexe gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Dieser Fall beweist, da\u00df von Seiten des Gesetzgebers bzw. der Gemeinden strengere Vorgaben an die Baubranche zu richten sind (Stichwort landschaftskonforme Architektur), und zum anderen mehr Tabuzonen ausgewiesen werden m\u00fcssen, um auch den Folgen des Klimawandels wirksam zu begegnen. Letztere zwingen zu raschem Handeln, soll ein wesentlich besseren Schutz nat\u00fcrlicher und naturnaher Gebirgs\u00f6kosysteme erzielt werden, insbesondere auch f\u00fcr die W\u00e4lder. Denn nur intakte \u00d6kosysteme mit reicher Biodiversit\u00e4t k\u00f6nnen sich auf die Bedingungen des ver\u00e4nderten Klimas einstellen und leisten zudem einen bedeutenden Beitrag zum Stopp des Artensterbens.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31321\" aria-describedby=\"caption-attachment-31321\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-31321\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77FB.jpg\" alt=\"Fr\u00fchling im K\u00f6nigsseer Tal bei Unterstein, Berchtesgadener Land\" width=\"440\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77FB.jpg 440w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/77FB-300x183.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 85vw, 440px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31321\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fchling im K\u00f6nigsseer Tal bei Unterstein, Berchtesgadener Land<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit der Sanftmut der Bergidyllen ist es jedenfalls lange vorbei, sp\u00e4testens seit zu der \u00f6kologischen Zerst\u00f6rung auch noch die galoppierend fortschreitende Erderw\u00e4rmung das geniale System der alpinen Bergwelt in seiner Substanz gef\u00e4hrdet. Was den Wohlstand der Bev\u00f6lkerung in den Gebirgst\u00e4lern einst sichern sollte, bedroht seine Existenz. Die geschundenen Alpen r\u00e4chen sich!<\/p>\n<p>Ich bin der festen \u00dcberzeugung, da\u00df auch der alpenweit vorherrschende Gr\u00f6\u00dfenwahn nur durch eine \u201eBewegung von unten\u201c beendet werden kann. Anders formuliert: Die Touristen haben es selbst in der Hand, dem Anspruchsdenken abzuschw\u00f6ren und damit dem kommerziell motivierten Treiben Einhalt zu gebieten. Zweifellos ist gegenw\u00e4rtig ein Trend hin zu sanfteren Formen des Tourismus zu beobachten, der ja angesichts von \u00fcbererschlossenen Landschaften und Massenabfertigung an Gondeln, Liften und Seilbahnen hoffentlich weiter an Bedeutung gewinnt (Bergwandern und Bergsteigen erfreuen sich auch unter jungen Menschen wachsender Beliebtheit, des weiteren Skibergsteigen, Schneeschuhwandern oder Eisstockschie\u00dfen. Nat\u00fcrlich mu\u00df auch dies alles in einem vertr\u00e4glichen Rahmen erfolgen).<\/p>\n<p>Denn wenn die Ressourcen erst einmal v\u00f6llig \u00fcbernutzt bzw. aufgebraucht sind und alles in Schutt und Asche liegt, so da\u00df nicht nur Tiere und Pflanzen aussterben, sondern auch die Urlauber sich in Scharen abwenden, gibt es nirgendwo mehr etwas zu verdienen. Dann erledigt sich das Problem ohnehin ganz von allein! Wie sagte doch einst der bekannte Journalist, Umweltkritiker und Buchautor Horst Stern: \u201eErst geht die Kuh, dann der Gast. Wen soll man da noch melken?\u201c Um die Alpen als Wohnraum f\u00fcr Millionen Menschen mit hoher Lebensqualit\u00e4t und als attraktive Ferienlandschaft zu bewahren, mu\u00df es zu einem Gesundschrumpfungsprozess kommen, also weg von \u00f6kologisch und sozial nicht angepa\u00dften, fremdfinanzierten Gro\u00dfstrukturen, hin zu kleinen \u00fcberschaubaren Einheiten im Sinne der Alpenkonvention und jener der Bergsteigerd\u00f6rfer zugrunde liegenden Konzeption! Das ist ein h\u00f6chst ehrgeiziger Plan, zu dem es aber keine Alternative gibt und an dessen Umsetzung alle Beteiligten mitwirken m\u00fcssen. Pures Gewinnstreben und Egoismus f\u00fchren jedenfalls in die Totalkatastrophe und haben keine Zukunft.<\/p>\n<p>Karl Josef Knoppik, 19. Januar 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Alpen: Einst waren sie undurchdringlicher Urwald mit W\u00f6lfen, B\u00e4ren, Luchsen und Geiern. 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