{"id":30566,"date":"2014-11-23T18:46:44","date_gmt":"2014-11-23T17:46:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=30566"},"modified":"2014-11-25T17:15:38","modified_gmt":"2014-11-25T16:15:38","slug":"ein-fortgeschrittener-dunghaufen-ist-das-im-gehirn-sich-ausbreitende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ein-fortgeschrittener-dunghaufen-ist-das-im-gehirn-sich-ausbreitende\/","title":{"rendered":"&#8230; ein fortgeschrittener Dunghaufen ist das im Gehirn sich Ausbreitende &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-30571\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/steinerwordle20141123.jpg\" alt=\"steinerwordle20141123\" width=\"600\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/steinerwordle20141123.jpg 600w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/steinerwordle20141123-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><em>Ein Gastbeitrag von <a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/waldorflehrer-werden-%E2%80%93-am-%E2%80%9Eseminar-fur-waldorfpadagogik-berlin%E2%80%9C\/23428\" target=\"_blank\">Andreas Lichte<\/a>, hier auch als <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Rudolf-Steiner-Dunghaufen02.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Und wenn einer so wirklich gar nichts gesagt hat, das auch nur irgendwie von Bedeutung sein k\u00f6nnte? Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>Eine originelle Strategie: Man macht sein Werk \u201eunendlich\u201c gro\u00df, und die Nicht-Existenz einer Idee l\u00e4sst sich nicht mehr nachweisen \u2013 so wie die Welt in all ihren Erscheinungen niemals vollst\u00e4ndig erfasst werden kann, die Nicht-Existenz \u201eGottes\u201c also nicht beweisbar ist.<\/p>\n<p>Ein Gef\u00fchl von \u201eUnendlichkeit\u201c erzeugt die \u201egr\u00f6\u00dfte Gesamtausgabe eines einzelnen Menschen weltweit\u201c von der bereits \u201e354 B\u00e4nde und 24 Erg\u00e4nzungsb\u00e4nde\u201c erschienen sind, und \u201eviele noch ausstehen\u201c. Die Rede ist von der Rudolf Steiner Gesamtausgabe<sup>1<\/sup>.<\/p>\n<p>In die N\u00e4he \u201eGottes\u201c r\u00fcckt Rudolf Steiner (1861\u20131925) selbst. F\u00fcr seine Anh\u00e4nger \u2013 die \u201eAnthroposophen\u201c \u2013 hat Steiner den Status des Propheten, des Vermittlers der ewigen Wahrheiten aus der \u201egeistigen Welt\u201c.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Steiner behauptete, Einblick in die \u201eAkasha-Chronik\u201c, ein geistiges Weltenged\u00e4chtnis in der \u201e\u00c4therwelt\u201c (\u201eakasha\u201c, Sanskrit: \u00c4ther), zu haben. In dieser \u201eChronik\u201c seien alle Ereignisse der Geschichte, alle Taten, Worte und Gedanken der Menschheit enthalten, die dem \u201eGeistesforscher\u201c \u2013 also ihm selber \u2013 zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden. Steiner sagt \u00fcber seine Rolle als \u201eSeher\u201c: \u201eMeinen Schauungen in der geistigen Welt hat man immer wieder entgegengehalten, sie seien ver\u00e4nderte Wiedergaben dessen, was im Laufe \u00e4lterer Zeit an Vorstellungen der Menschen \u00fcber die Geist-Welt hervorgetreten ist (&#8230;) Meine Erkenntnisse des Geistigen, dessen bin ich mir voll bewusst, sind Ergebnisse eigenen Schauens\u201c<sup>2<\/sup>. Und: \u201eDas m\u00fcssen wir uns immer wiederum vor die Seele stellen, dass wir nicht aus Urkunden sch\u00f6pfen, sondern dass wir sch\u00f6pfen aus der geistigen Forschung selbst und dass wir dasjenige, was aus der Geistesforschung gesch\u00f6pft wird, in den Urkunden wieder aufsuchen (&#8230;) Was heute erforscht werden kann ohne eine historische Urkunde, das ist die Quelle f\u00fcr das anthroposophische Erkennen\u201c<sup>3<\/sup>.<\/p>\n<p>Und was sieht Steiner? Zun\u00e4chst einmal das, was er bei der Theosophin Helena Petrovna Blavatsky abgeschaut hat. Sein theosophisches Diebesgut versteckt Steiner dann hinter einer dicken Schicht \u201ewild gewordener Phantastik\u201c<sup>4<\/sup>, mit der er beispielsweise die Details seines Buches \u201e<a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=category&amp;id=11:ga-11-aus-der-akasha-chronik&amp;Itemid=2&amp;layout=default\" target=\"_blank\">Aus der Akasha Chronik<\/a>\u201c<sup>5<\/sup> ausmalt. Das Ergebnis ist so etwas wie rassistischer Science-Fiction-Trash<sup>6<\/sup>.<\/p>\n<p>Steiner verschweigt regelm\u00e4\u00dfig seine Quellen, und seine anthroposophischen Anh\u00e4nger unterst\u00fctzen ihn bis heute dabei: In dem seinen B\u00fcchern beigef\u00fcgten \u201eChronologischen\u00a0Lebensabri\u00df\u201c wird Rudolf Steiners Funktion als Generalsekret\u00e4r der \u201eDeutschen Sektion der Theosophischen\u00a0Gesellschaft\u201c (ab 1902) gar nicht erw\u00e4hnt, statt dessen hei\u00dft es f\u00fcr die Jahre 1902\u20131912: \u201eAufbau\u00a0der Anthroposophie. Regelm\u00e4\u00dfig \u00f6ffentliche Vortragst\u00e4tigkeit in Berlin und ausgedehnte\u00a0Vortragsreisen in ganz Europa. Marie von Sievers (ab 1914 Marie Steiner) wird seine st\u00e4ndige\u00a0Mitarbeiterin\u201c. F\u00fcr 1913 ist dann eingetragen: \u201eTrennung von der\u00a0Theosophischen und Begr\u00fcndung der Anthroposophischen Gesellschaft\u201c<sup>7<\/sup>. Dass Steiner ab 1904 Landesleiter der \u201eEsoterischen Schule\u201c der Deutschen Sektion der\u00a0\u201eTheosophischen Gesellschaft\u201c war, wird ebenfalls verheimlicht.<\/p>\n<p>Selbst in seinem 1904 erschienenem Buch \u201eTheosophie\u201c (sic!) erweckt Steiner den Eindruck, alleiniger Entdecker seiner \u201egeistigen Welt\u201c zu sein, und berichtet uns \u00fcber, <a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=112:die-drei-welten&amp;catid=9:ga-9-theosophie&amp;Itemid=2\" target=\"_blank\">Zitat Steiner<\/a>:<\/p>\n<p>\u201eDas Geisterland (&#8230;) Wie der Schatten eines Gegenstandes an einer Wand sich zum wirklichen Gegenstand verh\u00e4lt, der diesen Schatten wirft, so verh\u00e4lt sich der Gedanke, der durch den menschlichen Kopf erscheint, zu der Wesenheit im \u00abGeisterland\u00bb, die diesem Gedanken entspricht. Wenn nun der geistige Sinn des Menschen erweckt ist, dann nimmt er diese Gedankenwesenheit wirklich wahr, wie das sinnliche Auge einen Tisch oder einen Stuhl wahrnimmt. Er wandelt in einer Umgebung von Gedankenwesen (&#8230;)\u201c<sup>8<\/sup><\/p>\n<p>Diese esoterische Abwandlung von Platons \u201eH\u00f6hlengleichnis\u201c offenbart f\u00fcr Steiner typische Eigenschaften:<\/p>\n<p>\u2013 Steiner macht aus \u201eGeist\u201c \u201eMaterie\u201c<sup>9<\/sup><\/p>\n<p>\u2013 Steiner macht sich selber zum \u2013 alleinigen \u2013 Beobachtungsinstrument:<\/p>\n<p>Diese Besch\u00e4ftigung Steiners mit sich selbst findet sich bereits in seinem vor-theosophischem Fr\u00fchwerk: Steiner stellt sein \u201eDenken \u00fcber das Denken\u201c<sup>10<\/sup> ins Zentrum der Welt und seiner Doktorarbeit von 1892, die die Universit\u00e4t Rostock mit \u201erite\u201c beurteilte, der Note, mit der man gerade noch besteht. Man wollte Steiner wohl nicht bei einer akademischen Karriere im Wege stehen, die dann aber trotzdem scheiterte: Die seine Doktorarbeit fortsetzende \u201ePhilosophie der Freiheit\u201c (1894) wurde in Jena als Habilitation abgelehnt.<\/p>\n<p>Wer hier eine \u201eErkenntnis\u201c findet, muss eine Reinkarnation Steiners sein. Oder Hochstapler. Anthroposoph.<\/p>\n<p>F\u00fcr <a href=\"http:\/\/waldorfblog.wordpress.com\/2014\/11\/08\/lesarten-darvas\/\" target=\"_blank\">J\u00e1nos Darvas<\/a>, \u201ej\u00fcdischer Lehrer an Waldorfschulen\u201c, haben die \u201eerkenntnistheoretischen Schriften Rudolf\u00a0Steiners\u201c eine \u201eprivilegierte Stelle\u201c in den \u201everschiedenen ph\u00e4nomenologischen Ans\u00e4tzen der neueren Philosophie\u201c<sup>11<\/sup>. Welche \u201eErkenntnistheorie\u201c Steiners? Wenn einer keiner Erkenntnis hat, wie sieht dann dazu die \u201eTheorie\u201c aus?<\/p>\n<p>So wie bei Darvas, der versucht \u201eAnthroposophie und Kabbala in Beziehung zu setzen\u201c, und dabei \u00fcber die n\u00e4chstliegende aller m\u00f6glichen Erkenntnisse hinwegsieht? Dass Rudolf Steiner ein notorischer Antisemit ist, <a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=613:goethe-und-die-liebe-und-goethes-dramen-&amp;catid=31:ga-32-ges-aufsaetze-zur-literatur-1884-1902&amp;Itemid=12\" target=\"_blank\">Zitat Steiner<\/a>:<\/p>\n<p>\u201eDas Judentum als solches hat sich aber l\u00e4ngst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen V\u00f6lkerlebens, und da\u00df es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der j\u00fcdischen Religion allein, wir meinen vorz\u00fcglich den Geist des Judentums, die j\u00fcdische Denkweise.\u201c<sup>12<\/sup><\/p>\n<p>Darvas l\u00e4sst sich als Waldorflehrer dem anthroposophischen Milieu zurechnen, und es \u00fcberrascht nicht, dass ein Anh\u00e4nger einer religi\u00f6sen Bewegung den eigenen Religionsstifter verehrt. Aber der Erfolg der Anthroposophie beruht im Gegensatz zu anderen Sekten auf einer breiten gesellschaftlichen Anerkennung, so hei\u00dft es in der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/zeit-wissen\/2011\/04\/Dossier-Esoterik-Esoterisierung\/seite-2\" target=\"_blank\">ZEIT<\/a>:<\/p>\n<p>\u201eDie Anthroposophie als Ersatzreligion des Bildungsb\u00fcrgertums\u201c<\/p>\n<p>Man spricht hier also vielleicht besser von einem \u201eb\u00fcrgerlich-anthroposophischen Komplex\u201c, als von einer \u201eSekte\u201c. Vor allem Rudolf Steiners Waldorfschulen sind beim \u201eBildungsb\u00fcrger\u201c sehr beliebt, von \u00fcberzeugten Eltern h\u00f6rt man wahre Wunder-Dinge. Seltener wird offen dar\u00fcber geredet, dass die Waldorfschule als Privatschule eine <a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/drei-grunde-fur-die-waldorfschule\/11459\" target=\"_blank\">quasi \u201eausl\u00e4nderfreie\u201c Umgebung<\/a> garantiert. Und mit \u201eSchmuddelkindern\u201c m\u00fcssen die Elite-Kinder auch nicht spielen, \u201eSozialbenachteiligte\u201c gibt es an Waldorfschulen kaum. Viele Eltern k\u00f6nnen in der anthroposophischen Schule auch ihre \u00fcberkritische Haltung ausleben: Auffallend h\u00e4ufig kommt es an Waldorfschulen zu Masern-Ausbr\u00fcchen, da Eltern der \u201eSchulmedizin\u201c misstrauen, und ihre Kinder nicht impfen lassen. Noch Unentschlossene werden gerne vom anthroposophischen Schularzt \u201eberaten\u201c.<\/p>\n<p>Von den Eltern kommt keine ernstzunehmende Kritik an Rudolf Steiner und seiner \u201eWaldorfp\u00e4dagogik\u201c, die f\u00fcr den Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Stefan T. Hopmann ein \u201e<a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/waldorfschule-\u201eman-kann-nicht-nur-ein-\u00bbbisschen\u00ab-waldorf-sein\u201c\/30117\" target=\"_blank\">heilloses Gebr\u00e4u esoterischer Glaubenss\u00e4tze<\/a>\u201c ist. Steiner ist schlie\u00dflich der Begr\u00fcnder der Schule, f\u00fcr die man sich \u201ebewusst\u201c entschieden hat, auch bereit ist, Schulgeld zu zahlen: Kritik an Steiner w\u00fcrde bedeuten, sich selbst in Frage stellen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Mythos einer \u201eBedeutung\u201c Steiners wird auch von der akademischen Welt k\u00fcnstlich am Leben erhalten. Deren wichtigster Vertreter ist Helmut Zander, mit seinem inzwischen als Standardwerk geltenden Buch \u201eAnthroposophie in Deutschland \u2013\u00a0Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884\u20131945\u201c<sup>13<\/sup>. Zander hat zweifelsohne gro\u00dfe Verdienste, besonders hervorzuheben ist hier die klare Benennung von Rudolf Steiners Rassismus<sup>14<\/sup>.<\/p>\n<p>Aber: Zander findet auch noch f\u00fcr die absurdesten \u00c4u\u00dferungen Steiners \u201evern\u00fcnftige\u201c Erkl\u00e4rungen, und gibt ihnen damit den Anschein von \u201eSeriosit\u00e4t\u201c. Ein Beispiel f\u00fcr Zanders Interpretationskunst, zun\u00e4chst <a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=3404:achter-vortrag-koberwitz-16juni-1924-das-wesen-der-fuetterung&amp;catid=223:ga-327-geisteswissenschaftliche-grundlagen-zum-ged&amp;Itemid=16\" target=\"_blank\">Steiner, Zitat<\/a>:<\/p>\n<p>\u201e(&#8230;) Was ist die Hirnmasse? Die Hirnmasse ist einfach zu Ende gef\u00fchrte Darmmasse. Verfr\u00fchte Gehirnabscheidung geht durch den Darm. Der Darminhalt ist seinen Prozessen nach durchaus verwandt dem Hirninhalt. Wenn ich grotesk rede, w\u00fcrde ich sagen, ein fortgeschrittener Dunghaufen ist das im Gehirn sich Ausbreitende; aber es ist sachlich durchaus richtig. Der Dung ist es, der durch den eigenen organischen Prozess in die Edelmasse des Gehirns umgesetzt wird und da zur Grundlage f\u00fcr die Ich-Entwickelung wird (&#8230;)\u201c<sup>15<\/sup><\/p>\n<p>Dazu Helmut Zanders Interpretation:<\/p>\n<p>\u201eBeispielsweise korrelierte Steiner Gehirn und Darm, \u00bbdie Hirnmasse ist einfach zu Ende gef\u00fchrte Darmmasse\u00ab (GA 327,201) (eine Analogisierung, die sich m\u00f6glicherweise aus der optischen \u00c4hnlichkeit von Gehirn- und Darmwindungen herleitet). Wenn aber das Gehirn als Ausscheidungsergebnis des Darmes gedeutet wird, ist auch der \u00bbtierische Mist\u00ab eine Grundlage der \u00bbIch-Anlage\u00ab und \u00bbenth\u00e4lt\u00ab sie sogar, so da\u00df sich das materielle Gehirn als \u00bbfortgeschrittener Dunghaufen\u00ab bezeichnen lasse (ebd., 201).\u201c<sup>16<\/sup><\/p>\n<p>Wie w\u00e4re es denn damit, \u201eBl\u00f6dsinn\u201c einfach einmal \u201eBl\u00f6dsinn\u201c zu nennen? Harry Rowohlt kann das doch auch, wenn er \u00fcber Steiner sagt: \u201e<a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/rudolf-steiners-toene-wie-aus-einer-undichten-gummizelle\/\" target=\"_blank\">T\u00f6ne wie aus einer undichten Gummizelle!<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Oder anders gesagt, von Gerhard Henschel: \u201eDer Begr\u00fcnder der anthroposophischen Bewegung war als Dichter ein st\u00fcmpernder Epigone, als Mystiker ein Hochstapler, als Philosoph eine Null, als Naturforscher ein Scharlatan und nur als Sektenpriester ein Genie.\u201c<sup>17<\/sup><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> F\u00f6rdergemeinschaft Rudolf Steiner Archiv, <a href=\"http:\/\/f\u00f6rdergemeinschaft-deutschland.de\/foerdergemeinschaft.html\" target=\"_blank\">http:\/\/f\u00f6rdergemeinschaft-deutschland.de\/foerdergemeinschaft.html<\/a>, Abruf am 20.11.2014<\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Rudolf Steiner, \u201e<a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=175:vorrede-zur-sechzehnten-bis-zwanzigsten-auflage&amp;catid=13:ga-13-die-geheimwissenschaft-im-umriss&amp;Itemid=2\" target=\"_blank\">Geheimwissenschaft im Umriss<\/a>\u201c, GA 13, Rudolf Steiner Verlag, Dornach,<br \/>\nVorrede zur 16.\u201320. Auflage, Seite 29f.<\/p>\n<p><sup>3<\/sup> Rudolf Steiner, \u201e<a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=1442:erster-vortrag-basel-15-september-1909&amp;catid=79:ga-114-das-lukas-evangelium&amp;Itemid=4\" target=\"_blank\">Das Lukas-Evangelium<\/a>\u201c, GA 114, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, Seite 22 und Seite 20<\/p>\n<p><sup>4<\/sup> Hartmut Zinser, \u201e<a href=\"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/gkgeschlecht\/downloads\/veranstalt\/2006\/Zinser%20Vortrag%20HU%20210706.pdf\" target=\"_blank\">Rudolf Steiners \u2018Geheim- und Geisteswissenschaft\u2019 als moderne Esoterik<\/a>\u201c,<br \/>\nVortragsmanuskript der Tagung: \u201e<a href=\"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/gkgeschlecht\/anthro.php\" target=\"_blank\">Anthroposophie \u2013 kritische Reflexionen<\/a>\u201c, Humboldt-Universit\u00e4t Berlin, 21.07.2006 \u2013 Seite 8: \u201eDie \u2018wild gewordene Phantastik\u2019 und das \u2018tr\u00e4umerische Gedankenspiel\u2019 offenbaren sich z.B. in der Schrift \u2018Aus der Akasha Chronik\u2019 (&#8230;)\u201c<\/p>\n<p><sup>5<\/sup> Rudolf Steiner, \u201e<a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=category&amp;id=11:ga-11-aus-der-akasha-chronik&amp;Itemid=2&amp;layout=default\" target=\"_blank\">Aus der Akasha Chronik<\/a>\u201c, GA 11, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, 1986<\/p>\n<p><sup>6<\/sup> Andreas Lichte, \u201e<a href=\"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/gkgeschlecht\/downloads\/veranstalt\/2006\/Lichte%20Vortrag%20HU%20210706.pdf\" target=\"_blank\">Wundersame Waldorf-P\u00e4dagogik oder Atlantis als Bewusstseinszustand<\/a>\u201c, Vortragsmanuskript der Tagung: \u201e<a href=\"http:\/\/www2.hu-berlin.de \/gkgeschlecht\/anthro.php\" target=\"_blank\">Anthroposophie \u2013 kritische Reflexionen<\/a>\u201c, Humboldt-Universit\u00e4t Berlin, 21.07.2006 \u2013 Seite 12f.:<br \/>\n\u00bbEinem Freund hatte er versucht, den Inhalt zu erkl\u00e4ren: \u201eDas Buch hei\u00dft \u2018Aus der Akasha- Chronik\u2019. Es ist die Geschichte der Menschheit, wie sie sich dem Eingeweihten zeigt. So eine Art \u2018Evolutionsgeschichte\u2019, nur dass der Eingeweihte auch in die Zukunft schauen kann. Die Menschheit entwickelt sich laut Steiner auf sieben Planeten. Von Planet zu Planet steigt das Menschengeschlecht h\u00f6her in der Entwicklung. Dabei helfen ihm F\u00fchrer, die selber schon auf einer h\u00f6heren Entwicklungsstufe stehen. Es geht los auf dem Saturn, dann kommt die Sonne, der Mond und schlie\u00dflich die Erde &#8230;\u201d \u201eWieso Sonne und Mond \u2013 das sind doch keine Planeten?!\u201d \u201eF\u00fcr den Esoteriker Steiner schon. Die Erde formt sich im n\u00e4chsten Entwicklungsschritt in den Jupiter um, dann kommt die Venus und zuletzt der Vulkan. Sieben Planeten, und auf jedem Planeten durchleben die Menschen sieben mal sieben Entwicklungsstufen &#8230; Ja, ich wei\u00df, das klingt nach Science Fiction &#8230; ich habe mich an die Perry Rhodan-Hefte erinnert, du wei\u00dft schon, diese Groschenromane.\u201d<br \/>\n\u201eMich erinnert das Ganze an ein Video-Game, wo man immer das n\u00e4chsth\u00f6here Level erreichen muss!\u201d \u201eJa, stimmt, das ist gro\u00dfartig, das trifft\u2019s genau! Wei\u00dft du, das ist so platt, dass mir gar nichts mehr dazu einf\u00e4llt \u2013 aber richtig \u00fcbel ist, wie die Entwicklung abl\u00e4uft, das ist nur noch b\u00f6sartig &#8230;\u201d und wird deshalb hier im Original wiedergegeben:<br \/>\n\u201eDiese zweite Gruppe der Astralmenschen hat diese ihre h\u00f6here F\u00e4higkeit aber nur dadurch erworben, dass sie einen Teil \u2013 die erste Gruppe \u2013 der astralischen Wesenheit von sich ausgeschieden und zu niedriger Arbeit verurteilt hat. H\u00e4tte sie die Kr\u00e4fte in sich behalten, welche diese niedere Arbeit bewirken, so h\u00e4tte sie selbst nicht h\u00f6her steigen k\u00f6nnen. Man hat es hier also mit einem Vorgang zu tun, der darin besteht, dass sich etwas H\u00f6heres auf Kosten eines anderen entwickelt, das es aus sich ausscheidet.\u201d<br \/>\nDieselbe \u201eThese\u201d wiederholt Steiner mehrmals, bis er schlie\u00dflich zusammenfasst: \u201eMan sieht, der Mensch steigt in ein h\u00f6heres Reich auf, indem er einen Teil seiner Genossen hinabst\u00f6\u00dft in ein niederes. Diesen Vorgang werden wir auf den folgenden Entwicklungsstufen sich noch oft wiederholen sehen. Er entspricht einem Grundgesetz der Entwicklung.\u201dSchlie\u00dflich stellt Steiner den Bezug zur Gegenwart her: \u201eMan nennt sie in theosophischen Schriften die Lemurier. Nachdem diese durch verschiedene Entwicklungsstufen durchgegangen waren, kam der gr\u00f6\u00dfte Teil in Verfall. Er wurde zu verk\u00fcmmerten Menschen, deren Nachkommen heute noch als so genannte wilde V\u00f6lker gewisse Teile der Erde bewohnen.\u00ab<\/p>\n<p><sup>7<\/sup> beispielsweise: Rudolf Steiner, \u201eAllgemeine Menschenkunde als Grundlage der P\u00e4dagogik\u201c, GA 293, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, Taschenbuchausgabe 2005, Seite 284f.<\/p>\n<p><sup>8<\/sup> Rudolf Steiner, \u201e<a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=112:die-drei-welten&amp;catid=9:ga-9-theosophie&amp;Itemid=2\" target=\"_blank\">Theosophie \u2013 Einf\u00fchrung in \u00fcbersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung<\/a>\u201c, GA 9, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, 1987, Seite 120 \u2013 \u201eIII. Das Geisterland\u201c<\/p>\n<p><sup>9<\/sup> Zinser, s.o., Seite 8f.:<br \/>\n\u201e4. Zum Schlu\u00df: Zwei kritische Bemerkungen zu Steiners Konzept von Geist und Sinn R. Steiner artikulierte einen Einspruch und Protest gegen das mechanisch-materialistische Weltbild des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jh.s, in welchem der Mensch wie eine Maschine auf Funktionieren ohne Sinn und Verstand reduziert wird. Auf diesem Protest basieren auch viele der lebensreformerischen Anst\u00f6\u00dfe und Projekte Steiners. Da er aber den Geist als Welt hinter der sinnlichen Welt konzipiert und diesen auf der gleichen Ebene wie die materiellen Gegenst\u00e4nde ansiedelt, macht er den Geist selber zu einem Gegenstand und Ding neben, bzw. hinter den Dingen. (Dabei wird Geist zugleich in Geister aufgel\u00f6st.) Wenn Geist als Ding, als einzelnes Seiendes, wenn auch hinter dem Sein angesehen und in der Hinterwelt gesucht wird, wird er erneut aus unserer Welt beseitigt. Der Protest widerspricht sich selber und wiederholt das, wogegen er Einspruch erhoben hatte. Kein Geist ist da und es bleibt R. Steiner nur, das Suchen nach dem Geist als Geist auszugeben. (&#8230;)\u201c<\/p>\n<p><sup>10<\/sup> Rudolf Steiner, \u201e<a href=\"http:\/\/anthroposophie.byu.edu\/schriften\/003.pdf\" target=\"_blank\">Wahrheit und Wissenschaft<\/a>\u201c, Dissertation, 1892, Seite 25<\/p>\n<p><sup>11<\/sup> J\u00e1nos Darvas: \u201eLesarten. Zu Ansgar Martins Interpretation meiner Publikationen \u00fcber Judentum und Anthroposophie\u201c, Waldorfblog, 8. November 2014, <a href=\"http:\/\/waldorfblog.wordpress.com\/2014\/11\/08\/lesarten-darvas\/\" target=\"_blank\">http:\/\/waldorfblog.wordpress.com\/2014\/11\/08\/lesarten- darvas\/<\/a>, Abruf 20.11.2014<\/p>\n<p><sup>12<\/sup> Rudolf Steiner, \u201e<a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;%20d=613:goethe-und-die-liebe-und-goethes-dramen-&amp;catid=31:ga-32-ges-aufsaetze-zur-literatur-1884-1902&amp;%20temid=12\" target=\"_blank\">Gesammelte Aufs\u00e4tze zur Literatur 1884-1902<\/a>\u201c, GA 32, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, 1971, Seite 152f.<\/p>\n<p><sup>13<\/sup> Helmut Zander, \u201eAnthroposophie in Deutschland \u2013 Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884\u20131945\u201c, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, G\u00f6ttingen, 2007<\/p>\n<p><sup>14<\/sup> ebd. Seite 631f.:<br \/>\n\u201eSteiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als \u2018degenerierte Menschenrasse\u2019 im \u2018Hinsterben\u2019 (GA 105,106.107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewu\u00dftseinsentwicklung, als \u2018degenerierte\u2019, \u2018zur\u00fcckgebliebene\u2019 Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die wei\u00dfe Rasse \u2018das Pers\u00f6nlichkeitsgef\u00fchl am st\u00e4rksten ausgebildet\u2019 (GA 107,288 [1909]). Dies sind nur Kerns\u00e4tze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls \u00fcber Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vortr\u00e4gen vor Arbeitern des Goetheanum in vergr\u00f6berter, \u2018popularisierter\u2019 Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die wei\u00dfe war nun \u2018die zuk\u00fcnftige, die amGeiste schaffende Rasse\u2019 (GA 349,67 [1923]).\u201c<br \/>\nebd. Seite 636:<br \/>\n\u201eSteiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von \u2018degenerierten\u2019, \u2018zur\u00fcckgebliebenen\u2019 oder \u2018zuk\u00fcnftigen\u2019 Rassen keine \u2018Unf\u00e4lle\u2019, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine M\u00f6glichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.\u201c<\/p>\n<p><sup>15<\/sup> Rudolf Steiner, \u201e<a href=\"http:\/\/fvn-rs.net\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=3404:achter-vortrag-koberwitz-16juni-1924-das-wesen-der-fuetterung&amp;catid=223:ga-327-geisteswissenschaftliche-grundlagen-zum-ged&amp;Itemid=16\" target=\"_blank\">Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft: Landwirtschaftlicher Kursus, Koberwitz 1924<\/a>\u201c, GA 327, Seite 201<\/p>\n<p><sup>16<\/sup> Zander, s.o., Seite 1587, Fu\u00dfnote 54<\/p>\n<p><sup>17<\/sup> Eckhard Henscheid; Gerhard Henschel: \u201eJahrhundert der Obsz\u00f6nit\u00e4t: Eine Bilanz.\u201c Alexander Fest Verlag, Berlin, 2000, Seite 141<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Andreas Lichte, hier auch als PDF Und wenn einer so wirklich gar nichts gesagt hat, das auch nur irgendwie von Bedeutung sein k\u00f6nnte? 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