{"id":29979,"date":"2014-09-28T21:45:19","date_gmt":"2014-09-28T20:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=29979"},"modified":"2014-09-29T17:35:35","modified_gmt":"2014-09-29T16:35:35","slug":"surrogate-cities-ruhr-unvorbereitet-in-die-kraftzentrale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/surrogate-cities-ruhr-unvorbereitet-in-die-kraftzentrale\/","title":{"rendered":"Surrogate Cities Ruhr &#8211; unvorbereitet in die Kraftzentrale"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_29980\" aria-describedby=\"caption-attachment-29980\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29980\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092702.jpg\" alt=\"Zwanzig Minuten vor Beginn. Das Orchester \u00fcbte, die R\u00e4nge waren noch leer. (fotos: zoom)\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092702.jpg 600w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092702-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29980\" class=\"wp-caption-text\">Zwanzig Minuten bleiben bis zur Vorstellung. Das Orchesterrund f\u00fcllt sich, die Zuschauerr\u00e4nge sind noch leer. (fotos: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Es gibt eine lange und eine kurze Geschichte. Die kurze Geschichte geht so: Eigentlich hatten wir gestern ein kleines Nachbarschaftsfest in unserem Sauerl\u00e4nder Dorf. Uneigentlich entdeckte ich einen Tag vorher die Eintrittskarte zur Ruhrtriennale an unserer Pinnwand. Surrogate Cities Ruhr, 30 Euro, Trib\u00fcne B, Reihe 14, Platz 24.<\/strong><\/p>\n<p>Um 19.09 Uhr sa\u00df ich auf meinem Platz, das kleine Notizbuch auf dem Scho\u00df. Wenn schon keine Ahnung, dann ordentlich mitschreiben. Das war die Idee. In Wirklichkeit habe ich die Zuschauerr\u00e4nge gez\u00e4hlt. Zwei Trib\u00fcnen mit je ungef\u00e4hr 40 x 18 Pl\u00e4tzen. Das Buch blieb zugeklappt, der Stift in der Brusttasche.<\/p>\n<p>In der Langversion war ich vorher mit dem Fahrrad im westlichen Ruhrgebiet unterwegs. Rhein, Kohlekraftwerk M\u00f6llen, Emscherm\u00fcndung, Wohnungswald, D\u00f6ner, Friedhof, Grablichter und schlie\u00dflich der alte Hochofen im Landschaftspark Duisburg Nord, 50 Meter von der Kraftzentrale entfernt.<\/p>\n<p>Zwei Mal hochgeklettert. Um 19 Uhr\u00a0 waren auf der obersten Plattform zum Sonnenuntergang Fotografen mit Ausr\u00fcstungen unterwegs, die gef\u00fchlt eine halbe Millionen Euro wert waren. Die Sonnenuntergangsspanner.<\/p>\n<p>Ich habe mit meiner Canon-Pocketkamera auch geknipst. Ich knipse ja immer nur.\u00a0Gestern flogen ein paar Hei\u00dfluftballons herum. Ich habe dann einen von denen geknipst und mir vorgestellt, wie grandios das Bild werden w\u00fcrde, h\u00e4tte ich eine dieser 5200 Euro Ausr\u00fcstungen, statt der 250 Euro PowerShot.<\/p>\n<figure id=\"attachment_29981\" aria-describedby=\"caption-attachment-29981\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29981\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092704.jpg\" alt=\"Immer wieder Vollkitsch. Der Hochofen entt\u00e4uscht auch eine schlechten Fotografen niemals.\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092704.jpg 600w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092704-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29981\" class=\"wp-caption-text\">Immer wieder Vollkitsch. Der Hochofen entt\u00e4uscht auch einen schlechten Fotografen niemals.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich schweife ab. Um 19.09 sa\u00df ich auf meinem Platz und z\u00e4hlte. Nat\u00fcrlich hatte ich einen Plan B im Hinterkopf. Der ging so: Wenn ich das alles ohne Vorwissen nicht verst\u00fcnde -in der Halle hing der Geruch des Bildungsb\u00fcrgertums- k\u00f6nnte ich immer noch <a href=\"http:\/\/www.revierpassagen.de\/27046\/metropolensound-triennale-zeigt-surrogate-cities-als-choreographie-fuer-das-ruhrgebiet\/20140922_1710\" target=\"_blank\">bei den &#8222;Revierpassagen&#8220; nachlesen<\/a>, was ich zu verstehen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die schlechte Nachricht zuerst. Die Revierpassagen haben mir nicht weitergeholfen, denn der Artikel dort geht nicht auf die kleinen und gro\u00dfen Details der Auff\u00fchrung ein. Mehr so ein Rundumschlag.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht f\u00fcr mich. Die Auff\u00fchrung dauerte kompakte 90 Minuten und entsprach damit meiner Aufmerksamkeits-Spanne. Mehr schaffe ich bei Kultur auf keinen Fall.<\/p>\n<p>Die zweite gute Nachricht. Keine Pause. Kein bl\u00f6des Herumstehen zwischen den S\u00e4tzen, den Szenen.<\/p>\n<p>Die dritte gute Nachricht. Ich habe etwas verstanden. Noch besser. Ich habe einfach beschlossen, dass ich die Musik und die S\u00e4nger und die Schulkinder und die Laien und Profis in der Choreographie einfach f\u00fcr mich so verstehe, wie ich es verstehen will.<\/p>\n<p>Die Musik -ich habe keine Ahnung von Musik- erinnerte mich an Smetana, Programmmusik, nur nicht Moldau und Natur, sondern Maloche und urbanes Leben gew\u00fcrzt mit D\u00f6blins &#8222;Berlin, Alexanderplatz&#8220;.<\/p>\n<figure id=\"attachment_29982\" aria-describedby=\"caption-attachment-29982\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29982\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092703.jpg\" alt=\"Am Anfang dachte ich noch dar\u00fcber nach, ob das Ganze ein Kinderkram werden w\u00fcrde. Mitnichten. \" width=\"600\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092703.jpg 600w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Surrogate2014092703-300x85.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29982\" class=\"wp-caption-text\">Am Anfang dachte ich noch dar\u00fcber nach, ob das Ganze ein Kinderkram werden w\u00fcrde. Mitnichten. Kindliche Naivit\u00e4t professionell choreographiert.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als zu Beginn die Kinder den Theaterraum st\u00fcrmten und die Fl\u00e4chen mit Kreide bemalten, war ich skeptisch. Dann bauten sie ihre kleinen Kaufl\u00e4den auf, die Jugendlichen und Erwachsenen zeichneten ihre Bewegungen auf Druckpapier nach, umtanzten die Rollen leer oder beschrieben, k\u00e4mpften, liebten, rasten und &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; die Musik und die Choreographie wuchsen zusammen und entwickelten eine mitrei\u00dfende Dynamik.<\/p>\n<p>Ja, es gab eine gro\u00dfartige S\u00e4ngerin (<a title=\"Zur Biographie von Jocelyn B. Smith\" href=\"http:\/\/www.ruhrtriennale.de\/de\/programm\/kuenstler\/jocelyn-b.-smith\/\" target=\"_blank\" shape=\"rect\">Jocelyn B. Smith<\/a>)\u00a0 und einen unglaublichen\u00a0 S\u00e4nger (<a title=\"Zur Biographie von David Moss\" href=\"http:\/\/www.ruhrtriennale.de\/de\/programm\/kuenstler\/david-moss\/\" target=\"_blank\" shape=\"rect\">David Moss<\/a>), die auf Englisch eine kleine Geschichte entwickelten. Er &#8211; das Intro. Sie &#8211; den Schluss. Zwischendurch Stimmakrobatik.<\/p>\n<p>Den Anfang habe ich behalten, nur sinngem\u00e4\u00df:<\/p>\n<p>Wenn du in der Stadt etwas beginnst, wei\u00dft du nicht, ob du es noch einmal schaffst. Wenn du in der Stadt nichts beginnst, wirst du nichts schaffen.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfartiger Abend in der Kraftzentrale.<\/p>\n<p>Um 23:15 war ich wieder im Dorf. Auf der B 42 konnte ich mit dem Nachdenken beginnen, zu Hause alles erz\u00e4hlen, und erst dann habe ich nachgelesen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.revierpassagen.de\/27046\/metropolensound-triennale-zeigt-surrogate-cities-als-choreographie-fuer-das-ruhrgebiet\/20140922_1710\" target=\"_blank\">http:\/\/www.revierpassagen.de\/27046\/metropolensound-triennale-zeigt-surrogate-cities-als-choreographie-fuer-das-ruhrgebiet\/20140922_1710<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ruhrtriennale.de\/de\/programm\/produktionen\/heiner-goebbels-mathilde-monnier-surrogate-cities-ruhr\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ruhrtriennale.de\/de\/programm\/produktionen\/heiner-goebbels-mathilde-monnier-surrogate-cities-ruhr\/<\/a><\/p>\n<p>Fast vergessen habe ich, dass die Zuschauerr\u00e4nge schlie\u00dflich proppenvoll waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt eine lange und eine kurze Geschichte. Die kurze Geschichte geht so: Eigentlich hatten wir gestern ein kleines Nachbarschaftsfest in unserem Sauerl\u00e4nder Dorf. 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