{"id":29904,"date":"2014-10-30T22:19:20","date_gmt":"2014-10-30T21:19:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=29904"},"modified":"2014-10-30T22:19:20","modified_gmt":"2014-10-30T21:19:20","slug":"der-buergermeister-von-winterberg-und-unser-blog-keine-gute-beziehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/der-buergermeister-von-winterberg-und-unser-blog-keine-gute-beziehung\/","title":{"rendered":"Der B\u00fcrgermeister von Winterberg und unser Blog &#8211; keine gute Beziehung."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24536\" aria-describedby=\"caption-attachment-24536\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-24536\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/rathauswinterberg20130528.jpg\" alt=\"Rathaus Winterberg\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/rathauswinterberg20130528.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/rathauswinterberg20130528-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24536\" class=\"wp-caption-text\">Das Rathaus in Winterberg -verstockt (archiv: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor l\u00e4ngerer Zeit hatten wir eine Anfrage an den B\u00fcrgermeister der Stadt Winterberg gestellt. Wir wollten unter anderem wissen, ob, wie im Sauerlandkurier berichtet, die Rats- und Ausschussmitglieder in ihrer \u00f6ffentlichen Funktion von &#8222;Asylanten&#8220; sprechen: <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=29634\" target=\"_blank\">http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=29634<\/a><\/p>\n<p>Die Antwort der Stadt Winterberg war die folgende:<\/p>\n<blockquote><p>auf Ihre Presseanfrage vom 27. August 2014 an die Stadt Winterberg kann ich Ihnen die nachfolgende Antwort geben:<\/p>\n<p>Sie bedienen einen privat gef\u00fchrten Internet-Blog. Aus dem Kontext Ihrer aktuellen Anfrage l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass Ihre gestellten Fragen mit den erbetenen Antworten durch eine Ver\u00f6ffentlichung in Ihrem privaten Blog zur allgemeinen Diskussion in einem freien Austausch anregen sollen. Sie werden sich sicherlich schon mal die Frage gestellt haben, warum alle \u00f6ffentlichen Stellen Anfragen von privaten Internet-Blogs oder \u00e4hnlichen anders behandeln als Anfragen der offiziellen Presseorgane? Weil offizielle Presseorgane eine andere presserechtliche Verantwortung \u00fcbernehmen, als die privaten Plattformen.<\/p>\n<p>Deshalb verweisen wir Anfragen, die nicht von offiziellen Presseorganen kommen, auf die allgemein zug\u00e4nglichen Quellen, die in ausreichender Anzahl zur Verf\u00fcgung stehen. Alle, die sich f\u00fcr die Stadtentwicklung und das Gremiengeschehen interessieren, sind herzlich eingeladen, an den \u00f6ffentlichen Teilen der Gremiensitzungen teilzunehmen und den kompletten Beratungsverlauf zu verfolgen. Ort und Zeitpunkt der Sitzungen sowie alle \u00f6ffentlichen Verwaltungsvorlagen mit Anlagen k\u00f6nnen \u00fcber das Ratsinformationssystem auf der Website der Stadt Winterberg abgerufen werden. \u00d6ffentliche Presseerkl\u00e4rungen, wie sie auch den Presseorganen zugehen, sind gleichzeitig auch auf der st\u00e4dtischen Website unter Aktuelles ver\u00f6ffentlicht. Die \u00f6ffentlichen Protokollteile zu allen Rats- und Ausschusssitzungen werden nach Erstellung ebenfalls unter der jeweiligen Sitzung im Ratsinformationssystem eingestellt. Die Protokolle des Rates, des Haupt- und Finanzausschusses und des Bauausschusses werden sogar zus\u00e4tzlich im Mitteilungsblatt abgedruckt. Das Protokoll des Haupt- und Finanzausschusses vom 19.08.2014 wird in den n\u00e4chsten Tagen ver\u00f6ffentlicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>In den Protokollen und den allgemein zug\u00e4nglichen Quellen war die Diskussion allerdings nicht w\u00f6rtlich wiedergegeben. Es ist also von au\u00dfen nicht m\u00f6glich, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob im Rat und seine Aussch\u00fcssen der Begriff &#8222;Asylanten&#8220; verwendet worden war.<\/p>\n<p>Genau aus diesem Grund hatten wir ja die Anfrage an den B\u00fcrgermeister gestellt. Der B\u00fcrgermeister will aber offensichtlich nicht antworten.<\/p>\n<blockquote><p>Sie bedienen einen privat gef\u00fchrten Internet-Blog.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was soll mir das sagen? Privat schlecht, Reklamezeitung und Funke-Gruppe gut?<\/p>\n<p>Ich kann mich an eine Sitzung im Rathaus erinnern, zu der Zeit als dem B\u00fcrgermeister wegen der Oversum Pleite das Wasser bis zum Hals stand. &#8222;Lesen Sie die Website der GALL-Leimen und Zoom, um sich zu informieren!&#8220;, hatte er damals in einer &#8222;Fensterrede&#8220; in den Ratssaal gerufen.<\/p>\n<blockquote><p>Aus dem Kontext Ihrer aktuellen Anfrage l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass Ihre gestellten Fragen mit den erbetenen Antworten durch eine Ver\u00f6ffentlichung in Ihrem privaten Blog zur allgemeinen Diskussion in einem freien Austausch anregen sollen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Genau das ist unser Ziel Herr B\u00fcrgermeister: allgemeine Diskussion und freier Austausch. Finden Sie das etwa schlimm?<\/p>\n<blockquote><p>Sie werden sich sicherlich schon mal die Frage gestellt haben, warum alle \u00f6ffentlichen Stellen Anfragen von privaten Internet-Blogs oder \u00e4hnlichen anders behandeln als Anfragen der offiziellen Presseorgane?<\/p><\/blockquote>\n<p>Nein, Herr B\u00fcrgermeister, diese Frage hatte und habe ich mir noch nie gestellt, weil ich bislang von allen Stellen Ausk\u00fcnfte erhalten habe, manchmal mehr als mir die Zeit erlaubt zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Was ich mich allerdings gefragt habe ist: Warum erhalte ich bislang von allen \u00f6ffentlichen Stellen, von denen ich es w\u00fcnsche, Presseinformationen, w\u00e4hrend mir die Stadt Winterberg seit Jahren, trotz mehrfacher Anfrage, die Zusendung von Pressemitteilungen verweigert?<\/p>\n<p>Ein Kollege aus dem Ruhrgebiet ist durch unser Blog auf unsere Anfrage aufmerksam geworden und fragte seinerseits bei der Stadt Winterberg nach.<\/p>\n<p>Die Stadt Winterberg sah sich gen\u00f6tigt, in ihrer Antwort ihr Verh\u00e4ltnis zu Blogs zu kl\u00e4ren. Der Kollege hat uns folgende Passage aus dem Schreiben der Stadt Winterberg zu Verf\u00fcgung gestellt:<\/p>\n<blockquote><p>Alle \u00f6ffentlichen Stellen, selbst der Bundestag, haben einen gewissen &#8222;Leitfaden&#8220; zum Umgang im Pressewesen. Nach einem solchen Leitfaden, der u.a. beinhaltet, das es relevante Unterscheidungen zwischen Journalisten und Bloggern geben kann, handeln auch wir. So gilt das besondere Informationsrecht gegen\u00fcber Beh\u00f6rden nur f\u00fcr Anbieter von journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten, in denen vollst\u00e4ndig oder teilweise Inhalte periodischer Druckerzeugnisse in Text oder Bild wiedergegeben oder in periodischer Folge Texte verbreitet werden. Diese \u201cVerteilmedien\u201d m\u00fcssen auch den anerkannten journalistischen Grunds\u00e4tzen entsprechen. Zu diesen Grunds\u00e4tzen z\u00e4hlt zum Beispiel die Trennung von Nachricht und Kommentar, die Sorgfalt bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Informationen auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit und die Wahrung der Pers\u00f6nlichkeitsrechte. Kennzeichen f\u00fcr diese klassischen Medien ist gerade auch die Regel der Gegendarstellungspflicht. Ausf\u00fchrlicher ergibt sich das auch aus dem Pressekodex (ethisches Regelwerk f\u00fcr die journalistische Arbeit), dem Journalisten folgen und der klare Spielregeln hinsichtlich einer verantwortungsvollen Berichterstattung und des journalistischen Verhaltens enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Hier mal ein Link:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.blogprofis.de\/blogger-sind-keine-journalisten-sie-sollten-a\">http:\/\/www.blogprofis.de\/blogger-sind-keine-journalisten-sie-sollten-a<br \/>\nber-so-handeln\/8689\/<\/a><\/p>\n<p>Das Recht auf Informationsfreiheit ist ein B\u00fcrgerrecht, wobei auch dieses pers\u00f6nliche Recht die pers\u00f6nliche Pflicht mit sich bringt, mit den Informationen im Sinne dieses Rechtes umzugehen. Doch hier kommen wir auch mit dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) nicht weiter, das den Anspruch auf ungehinderten Zugang zu Informationen sowie die damit verbundenen Voraussetzungen beschreibt. Soweit die Information nicht unter die Ver\u00f6ffentlichungspflicht von Amts wegen f\u00e4llt, ist hier wohl eher ein &#8222;Hol-Recht&#8220; als eine &#8222;Bringschuld&#8220; beschrieben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus den oben zitierten Antworten l\u00e4sst sich das krude Verh\u00e4ltnis Winterbergs zum Journalismus ablesen. Der &#8222;gewisse Leitfaden&#8220; wird gar nicht erst belegt. Und es wird eine Menge Unfug verbreitet. Nehmen wir mal die Gegendarstellung: Als es damals die Auseinandersetzungen mit Herrn Tausch um das Hotel Claassen gab, haben wir die Positionen der beiden Seiten in Windeseile ver\u00f6ffentlicht. Die Stadt Winterberg wurde von uns z\u00fcgig bedient: <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=23065\" target=\"_blank\">http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=23065<\/a><\/p>\n<p>Die vom B\u00fcrgermeister anscheinend sehr gesch\u00e4tzten Medien haben es jahrelang vers\u00e4umt, zum Oversum-Skandal zu recherchieren. Unser Blog war seit 2009 dran, hat nicht locker gelassen und im Gro\u00dfen und Ganzen Recht behalten.<\/p>\n<p>Die Diskussionen in unserem Blog sind zivilisiert, obwohl sie bei kontr\u00e4ren lokalpolitischen Themen auch einmal genau das sind: kontr\u00e4r.<\/p>\n<p>Unser Blog hat sich auch sehr fr\u00fch mit den Print-Medien vor Ort besch\u00e4ftigt. Wir haben nachgewiesen, dass von der Stadt Winterberg bei Schreibb\u00fcros beauftragte Reklame- (neudeutsch: PR) Artikel \u00fcber den Umweg Rathaus direkt als redaktionelle Artikel in den \u00f6rtlichen Printmedien landen, ohne als solche gekennzeichnet zu werden.<\/p>\n<p>Auch wir ver\u00f6ffentlichen Pressemeldungen, wenn wir sie f\u00fcr interessant halten, machen dies dann aber der Leserin und dem Leser gegen\u00fcber deutlich.<\/p>\n<p>Zum Schluss als Sahneh\u00e4ubchen ein paar Worte zu dem Link, den der B\u00fcrgermeister seiner Expertise beigef\u00fcgt hat. Ich bin fast sicher, dass er den verlinkten Artikel nicht gelesen hat, sondern lediglich den Linktext:<\/p>\n<p>&#8222;blogger-sind-keine-journalisten-sie-sollten-aber-so-handeln&#8220;<\/p>\n<p>Anscheinend wollte er belegen, dass wir keine Journalisten sind. Und es steht ja auch so sch\u00f6n in der URL. Aber leider geht es in dem <a href=\"http:\/\/www.blogprofis.de\/blogger-sind-keine-journalisten-sie-sollten-aber-so-handeln\/8689\/\" target=\"_blank\">verlinkten Artikel um die Trennung von Werbung und Redaktion<\/a> auch in Blogs. Wenn der B\u00fcrgermeister den verlinkten Artikel gelesen bzw. verstanden h\u00e4tte, m\u00fcsste er vor uns auf den Knien liegen und uns anbeten, denn gerade das gibt es bei uns im Blog nicht: Werbung!<\/p>\n<blockquote><p>Trennung von Werbung und Redaktion: Ja, eines meiner Lieblingsthemen derzeit, da ich diesbez\u00fcglich flei\u00dfig recherchiere (f\u00fcr ein aktuelles Buchprojekt, hoffentlich mit gen\u00fcgend journalistischer Sorgfalt)). Immer mehr (vor allem Nachwuchs-) Blogger haben kaum mehr ein Problem damit, versteckte Werbeformate, Linkkauf &amp; Co. einzusetzen. Zumindest ist dies meine Erfahrung aus zahlreichen Gespr\u00e4chen bei Bloggertreffen &amp; Co. Und selbst wenn man \u201csauber\u201d arbeitet: Ein lukrativer Werbekunde bucht \u00fcber mehrere Monate einen Banner auf dem Blog, und fragt anschlie\u00dfend nach einem angeblich nicht-werblichen Bloginterview? Wer traut sich da schon, ganz klar nein zu sagen. In eine \u00e4hnliche Richtung gehen nicht gekennzeichnete Produkttests etc. Ein weites Themenfeld<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Die Stellungnahmen des B\u00fcrgermeisters bekr\u00e4ftigen uns in unserer Ansicht, dass wir mit dem Blog auf einem richtigen Weg sind. Wir versuchen ehrenamtlich als Graswurzeljournalisten eine demokratische \u00d6ffentlichkeit im Sauerland und dar\u00fcber hinaus mitzuentwickeln. Wir haben t\u00e4glich zwischen 500 und 1000, manchmal bis zu 3000 Leserinnen und Leser. Der B\u00fcrgermeister bockt, das Blog rockt &#8211; wir machen weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor l\u00e4ngerer Zeit hatten wir eine Anfrage an den B\u00fcrgermeister der Stadt Winterberg gestellt. 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