{"id":28632,"date":"2014-05-24T18:53:51","date_gmt":"2014-05-24T17:53:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=28632"},"modified":"2014-05-24T19:00:50","modified_gmt":"2014-05-24T18:00:50","slug":"marion-bei-den-mexis-teil-33-sprechen-sie-deutsch-die-wahl-zwischen-oppenheimer-kroetenbrunn-liebfrauenmilch-und-den-zeugen-jehovas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/marion-bei-den-mexis-teil-33-sprechen-sie-deutsch-die-wahl-zwischen-oppenheimer-kroetenbrunn-liebfrauenmilch-und-den-zeugen-jehovas\/","title":{"rendered":"Marion bei den Mexis, Teil 33: &#8222;Sprechen Sie Deutsch?&#8220;  Die Wahl zwischen Oppenheimer Kr\u00f6tenbrunnen, Liebfrauenmilch und den Zeugen Jehovas."},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Artikel ist der 32. Teil <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\">einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute begegnen wir den Zeugen Jehovas und w\u00e4hlen zwischen Oppenheimer Kr\u00f6tenbrunn und Liebfrauenmilch.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_28635\" aria-describedby=\"caption-attachment-28635\" style=\"width: 596px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-28635\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/katholizismus.jpg\" alt=\"Auf dem Berg Tepeyac soll im Dezember 1531 -zehn Jahre nach der Eroberung der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan- dem Indio Juan Diego Cuautlatoatzin viermal die Jungfrau Maria erschienen sein. Sie war dunkelh\u00e4utig und bot wohl so mehr Identifikationsfl\u00e4che. Der Indio zeigte dem Bischof das Gnadenbild Marias. Der Auftrag war, hier eine Kapelle zu errichten. Im Laufe der Zeit kam eine Basilika hinzu und in den 70er Jahren ein futuristischer Neubau. Der Garten sieht ein wenig wie ein Freizeitpark aus - ist aber dennoch ganz h\u00fcbsch. (fotos: koerdt)\" width=\"596\" height=\"321\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/katholizismus.jpg 596w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/katholizismus-300x161.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 596px) 85vw, 596px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-28635\" class=\"wp-caption-text\">Auf dem Berg Tepeyac soll im Dezember 1531 -zehn Jahre nach der Eroberung der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan- dem Indio Juan Diego Cuautlatoatzin viermal die Jungfrau Maria erschienen sein. Sie war dunkelh\u00e4utig und bot wohl so mehr Identifikationsfl\u00e4che. Der Indio zeigte dem Bischof das Gnadenbild Marias. Der Auftrag war, hier eine Kapelle zu errichten. Im Laufe der Zeit kam eine Basilika hinzu und in den 70er Jahren ein futuristischer Neubau. Der Garten sieht ein wenig wie ein Freizeitpark aus &#8211; ist aber dennoch ganz h\u00fcbsch. (fotos: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Hola a todos!<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSprechen Sie Deutsch?\u201c Eine Frage, die mir eher selten in meinem Supermarkt um die Ecke gestellt wird. Vor allen Dingen nicht auf Deutsch. In der Regel werde ich an der Kasse gefragt, ob mein Besuch angenehm war, ich alles gefunden habe oder ob ich noch mein Handy aufladen m\u00f6chte. Nur einmal fragte mich ein Kassierer, ob ich Mexikanerin sei. Das hat mich doch \u00fcberrascht, denn ich sehe nach wie vor so offensichtlich nicht-mexikanisch aus. Ich verneinte und fragte, warum er mich das fragen w\u00fcrde. Na, ich w\u00fcrde ja jetzt schon l\u00e4nger hier einkaufen und br\u00e4chte immer meinen Stoffbeutel mit. Und da habe er sich gefragt, warum ich das mache, es gebe doch Plastikt\u00fcten.<\/p>\n<p>Da die meisten doch erkennen, dass ich so offensichtlich keine Mexikanerin bin, wurde ich dann wohl auch vor einigen Tagen gefragt, ob ich Deutsch spr\u00e4che. Ich stand vor den Weinregalen und habe mich genau in dem Moment gefragt, warum es in Mexiko nur zwei deutsche Weinsorten im Angebot gibt: Oppenheimer Kr\u00f6tenbrunnen und Liebfrauenmilch. Ich habe schon einige mexikanische Bekannte zum Lachen gebracht, wenn ich ihnen die Namen \u00fcbersetzt habe. Bei Liebfrauenmilch muss ich unweigerlich an Muttermilch denken und wenn mich nicht alles t\u00e4uscht, ist das ein Traubenverschnitt, der damals billig bei Aldi verkauft wurde. Aber da kann ich mich auch t\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Aber meinen Ohren habe ich schon getraut, als ich die Frage h\u00f6rte, mich umdrehte und eine l\u00e4chelnde Frau hinter mir stand. Ich nickte. \u201eDas ist ja toll\u201c, entfuhr es ihr und ihr L\u00e4cheln wurde noch breiter. Sie hatte einen ziemlich gro\u00dfen Mund und auf dem zweiten Blick erinnerte sie mich auf einmal ein wenig an Angelina Jolie. Nur, dass Angelina Jolie sich bestimmt nie so anziehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Alles war ein wenig unf\u00f6rmig und zu weit. Eine orangene Parkajacke, die fast bis zu den Knien ging und bestimmt allen Witterungen standh\u00e4lt sowie ein olivgr\u00fcner, wadenlanger Rock. Sie sei aus Hamburg, war schon einmal f\u00fcr ein Jahr in Puebla und sei nun f\u00fcr zwei Monate in der Hauptstadt. Was sie denn machen w\u00fcrde, fragte ich. Sie mache Entwicklungsarbeit. Nun wurde ich neugierig und fragte nach, f\u00fcr welchen Entwicklungsdienst sie denn arbeite. Nun wurde das L\u00e4cheln ein wenig schmaler und sie sagte ernsthaft, nun, wir alle haben doch Lebensfragen, auf die wir keine Antworten haben. Mir fiel spontan keine ein. Sie schwang ihren Rucksack vom R\u00fccken und dr\u00fcckte mir einen deutschsprachigen Flyer in die Hand. Ich schaute auf das Blatt: Was mache ich bei Trauer? war das Thema. Dann drehte ich den Flyer um. Tats\u00e4chlich, es waren die Zeugen Jehovas.<\/p>\n<p>Ich schaute die Frau etwas irritiert an: Entwicklungsarbeit? Ja, sie bauten gerade eine Gemeinde hier in der N\u00e4he auf. Auch ich sei herzlich zur Bibelstunde eingeladen. Auf Deutsch. Daf\u00fcr b\u00f6ten sie auch Deutschkurse an. Deutschkurse? F\u00fcr wen? Na, f\u00fcr die Mexikaner. Ich versuchte, das mal auf die Reihe zu kriegen: \u00dcber 90 Prozent der Mexikaner sind katholisch, Kirchenaustritte gibt es fast nicht, daf\u00fcr haben die Mexikaner nach der Missionierung durch die Spanier ihre eigene Form des Katholizismus geschaffen. Und mit dem scheinen sie nach wie vor gut zurechtzukommen.<\/p>\n<p>Ob sie denn bislang Erfolg gehabt h\u00e4tten? Dieser Frage wich sie ein wenig aus. Daf\u00fcr stellte sie mir die Gretchenfrage. Ich wollte nicht gerade jemanden, der mich vor zwei Minuten angesprochen hat, meine ganze Sicht auf die Welt mitteilen und z\u00f6gerte ein wenig mit der Antwort. Na ja, ich habe da schon meine Zweifel, schwurbelte ich rum.<\/p>\n<figure id=\"attachment_28636\" aria-describedby=\"caption-attachment-28636\" style=\"width: 596px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-28636\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/marienverehrung.jpg\" alt=\"Die Mexikaner kommen eigentlich mit ihrem Katholizismus gut zurecht. Am 12.Dezember pilgern Zehntausende zu der Stelle am Rande Mexiko-Stadts, wo 1531 Maria vorbei geschaut haben soll. Die Jungfrau von Guadalupe ist in ganz Mexiko gegenw\u00e4rtig und wird nach wie vor verehrt. Glaubensgemeinschaften wie die Zeugen Jehovas haben es da schwer: Sie lehnen ja nicht nur die Blutspende ab, sondern auch die Marienverehrung. \" width=\"596\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/marienverehrung.jpg 596w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/marienverehrung-300x176.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 596px) 85vw, 596px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-28636\" class=\"wp-caption-text\">Die Mexikaner kommen eigentlich mit ihrem Katholizismus gut zurecht. Am 12.Dezember pilgern Zehntausende zu der Stelle am Rande Mexiko-Stadts, wo 1531 Maria vorbei geschaut haben soll. Die Jungfrau von Guadalupe ist in ganz Mexiko gegenw\u00e4rtig und wird nach wie vor verehrt. Glaubensgemeinschaften wie die Zeugen Jehovas haben es da schwer: Sie lehnen ja nicht nur die Blutspende ab, sondern auch die Marienverehrung.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Da zog sie die Bibel aus ihrem Rucksack und sagte, hier st\u00fcnden die Antworten auf alle Fragen des Lebens. Auch auf Zweifel. Sie las mir eine kurze Passage aus dem Johannesevangelium vor. Irgendwie ging es um das B\u00f6se. Sie interpretierte die Stelle dahin, dass Gott gar nicht gewollt habe, dass die Menschen sterben. Ich machte mhmm, da ich das zum ersten Mal so geh\u00f6rt hatte und mir vorstellte, wie die Welt aussehe, wenn tats\u00e4chlich noch nie jemand gestorben w\u00e4re. Keine sch\u00f6ne Vorstellung. Wie viel Platz h\u00e4tte dann wohl jeder?<\/p>\n<p>Um meine Zweifel noch weiter zu entkr\u00e4ften, lie\u00df sie ihren Rucksack auf den Boden fallen. Mittlerweile war sie beim Du angekommen. \u201eWas glaubst du, warum der Rucksack auf den Boden gefallen ist?\u201c fragte sie. \u201eDie Schwerkraft? Die Erdanziehung?\u201c fragte ich rhetorisch zur\u00fcck. \u201eNa, hat Gott das nicht toll gemacht?\u201c \u201eWas?\u201c \u201eDie Erdanziehung. Stell dir mal vor, der Rucksack w\u00fcrde schweben.\u201c<\/p>\n<p>Ja, warum haben sich eigentlich Philosophen und ich wei\u00df nicht wer sich jahrhudertelang mit Gottesbeweisen rumgequ\u00e4lt, wenn es doch so einfach ist. Sie dr\u00fcckte mir noch ein paar Prospekte in die Hand und dazu ganz feste die Hand, ich sei herzlich eingeladen und l\u00e4chelte mich noch einmal an. Dann ging sie. Ich stand wieder unentschlossen vor dem Weinregal und dachte kurz dar\u00fcber nach, ob ich nicht wirklich mal dahin soll, wenn sie dort noch weitere am\u00fcsante Gottesbeweise pr\u00e4sentieren sollten. Aber eine Sekunde sp\u00e4ter wusste ich, dass ich nicht dahin gehen w\u00fcrde. Und auch, welchen Wein ich kaufen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Muchos saludos,<br \/>\nMarion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist der 32. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute begegnen wir den Zeugen Jehovas und w\u00e4hlen zwischen Oppenheimer Kr\u00f6tenbrunn und Liebfrauenmilch. 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