{"id":27653,"date":"2014-03-01T21:29:15","date_gmt":"2014-03-01T20:29:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=27653"},"modified":"2014-03-02T12:25:47","modified_gmt":"2014-03-02T11:25:47","slug":"wintersport-im-klima-wandel-die-illusion-von-der-weissen-pracht-eine-umweltkritische-bestandsaufnahme-des-zweifelhaften-skivergnuegens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wintersport-im-klima-wandel-die-illusion-von-der-weissen-pracht-eine-umweltkritische-bestandsaufnahme-des-zweifelhaften-skivergnuegens\/","title":{"rendered":"Wintersport im (Klima-)Wandel &#8211; Die Illusion von der wei\u00dfen Pracht \/ Eine umweltkritische Bestandsaufnahme des zweifelhaften Skivergn\u00fcgens"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_20622\" aria-describedby=\"caption-attachment-20622\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-20622\" alt=\"Waiting for the cold. Schneekanonen vor einem R\u00fcckhaltebecken in Winterberg (foto: zoom)\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/schneekanonen.jpg\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/schneekanonen.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/schneekanonen-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20622\" class=\"wp-caption-text\">Warten auf die K\u00e4lte. Schneekanonen vor einem R\u00fcckhaltebecken in Winterberg (archiv: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mit dem heutigen 1. M\u00e4rz beginnt der meteorologische Fr\u00fchling; und blickt man zur\u00fcck auf die Wintermonate Dezember, Januar und Februar, so erinnert witterungsm\u00e4\u00dfig nichts an die kalte Jahreszeit. Nur noch \u00fcbertroffen vom Rekordinhaber 2006\/2007 mit einer Abweichung von 4,4 Grad C(!) war der Winter 2013\/14 der viertw\u00e4rmste seit Beginn der Messungen im Jahre 1881.<\/strong><\/p>\n<p>Die Durchschnittstemperatur lag um beachtliche 3,1\u00b0 C \u00fcber dem langj\u00e4hrigen Mittel der Jahre 1961 &#8211; 1990. Extreme Wetterereignisse, die immer Vorboten von Klima\u00e4nderungen waren, hielten auch 2013\/14 Millionen Menschen in Atem, brachten deren Lebensalltag durcheinander und sorgten in den Medien laufend f\u00fcr Schlagzeilen.<\/p>\n<p>Sintflutartige Regenf\u00e4lle, \u00dcberschwemmungen und Erdrutsche in Gro\u00dfbritannien und Italien, Massive, unaufh\u00f6rliche Schneef\u00e4lle auf der Alpens\u00fcdseite (Ost- und S\u00fcdtirol), wochenlanges Schneechaos auch in den USA mit Temperaturen unter minus 30 Grad, sowie D\u00fcrre und aktuell wieder Starkregen in Kalifornien. Nur eine Laune der Natur? Mitnichten!<\/p>\n<p>Das geh\u00e4ufte Auftreten von Extrem-Wetterlagen f\u00fchrt uns den Klimawandel drastisch vor Augen und ist ein untr\u00fcgliches Zeichen daf\u00fcr, da\u00df dieser Klimawandel allgegenw\u00e4rtig ist. Selbst Fachleute zeigen sich \u00fcberrascht von der Geschwindigkeit, mit der sich unser Planet erw\u00e4rmt. Das betrifft insbesondere auch die beispiellosen Hitzewellen, die sich auf unserer Erde rasant ausbreiten.<\/p>\n<p>All jenes\u00a0l\u00e4\u00dft sich nicht mehr mit nat\u00fcrlichen Ursachen erkl\u00e4ren. Denn wissenschaftlich bewiesen ist, da\u00df nur ca. 20 Prozent der Klimaver\u00e4nderung auf solche Einfl\u00fcsse zur\u00fcckgehen (z. B. Sonnenaktivit\u00e4t, Vulkane, El Nino), aber 80 % dem Konto des Menschen zuzuschreiben sind. Aber zur\u00fcck zum Winter, der keiner war.<\/p>\n<p>Pistenplaner, Tourismusspekulanten, Seilbahn- und Skiliftbetreiber haben offenbar gro\u00dfe Probleme damit, die in den neuesten Klimamodellen enthaltenen Zukunftsperspektiven f\u00fcr den Massenskilauf zur Kenntnis zu nehmen, bzw. sie weigern sich dies zu tun. Der Wintersport hat sich l\u00e4ngst vom Winter emanzipiert. Und damit die Illusion vom ewigen Wei\u00df aufrechterhalten werden kann, verprassen die Kunstschneeproduzenten Unmengen an Energie. Und die Landesregierungen unterst\u00fctzten diese Entwicklung noch, indem sie Millionen Euro an F\u00f6rdergeldern in die Skizentren pumpen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20940\" aria-describedby=\"caption-attachment-20940\" style=\"width: 192px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/kahlerastenschnee2012102801.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-20940 \" title=\"Kahler Asten\" alt=\"Schnee bald Mangelware am Kahlen Asten? (archiv: zoom)\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/kahlerastenschnee2012102801.jpg\" width=\"192\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/kahlerastenschnee2012102801.jpg 320w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/kahlerastenschnee2012102801-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 85vw, 192px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20940\" class=\"wp-caption-text\">Schnee bald Mangelware am Kahlen Asten? (archiv: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Klimagerechte Beschneiung hei\u00dft das Zauberwort. Doch kann so etwas \u00fcberhaupt noch funktionieren? Da\u00df der Wettlauf gegen die globale Erw\u00e4rmung nirgendwo zu gewinnen ist, pa\u00dft nicht ins Konzept des am Wintersport verdienenden nutzungsorientierten Lobbyismus! Was also will man tun? Etwa die Natur weiter maltr\u00e4tieren, nur um noch ein paar Jahre dem vermeintlichen Skivergn\u00fcgen fr\u00f6nen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Die auf dieses Ziel gerichtete technische Verbauung der Alpen ist nichts als nutzlose Torschlu\u00dfpanik.\u00a0 In welchem Ausma\u00df der fortschreitende Klimawandel die M\u00f6glichkeiten zur Aus\u00fcbung des alpinen Wintersports zusehends einschr\u00e4nkt, beweisen die monatelang schneefreien T\u00e4ler im Alpenraum. Wohin das Auge blickte, sah man trostlos braun gef\u00e4rbte H\u00e4nge.\u00a0\u00dcberall herrschte Flaute.<\/p>\n<p>Ein solches Bild d\u00fcrfte schon in nicht ferner Zukunft die Regel sein, weil die Anzahl milder Winter st\u00e4ndig zunimmt.\u00a0In 15 &#8211; 20 Jahren werden viele Skigebiete, die bisher noch als relativ schneesicher galten, dicht machen m\u00fcssen, so da\u00df es lt. einer Studie des Deutschen Alpenvereins (DAV) um das Jahr 2050, also Mitte des Jahrhunderts, nur noch wenige Skigebiete geben wird, so auf dem Zugspitzplatt oder am Fellhorn im Allg\u00e4u.<\/p>\n<p>In Anbetracht so d\u00fcsterer Aussichten ist daher\u00a0jeder Versuch, unter Anwendung modernster Technik Frau Holle zu spielen, zum Scheitern verurteilt. Denn f\u00fcr die Herstellung von Kunstschnee ist es bereits heute vielerorts zu warm.\u00a0Eine Beschneiung der nach menschlichem Wunschdenken fabrizierten Winterwelt kommt uns alle teuer zu stehen. Durch diese\u00a0wird mehr Wasser vergeudet,\u00a0als die Stadt M\u00fcnchen in einem ganzen Jahr verbraucht, was nat\u00fcrlich\u00a0die Erw\u00e4rmung weiter\u00a0stark anheizt. Ebenso katastrophale Auswirkungen sind\u00a0dar\u00fcber hinaus\u00a0durch die Verl\u00e4rmung und enorme Inanspruchnahme von Natur und Landschaft zu erwarten, mit verheerenden Konsequenzen f\u00fcr die empfindliche Tier- und Pflanzenwelt.<\/p>\n<p>Und bei uns im Sauerland? Lt. Prof. Dr. J\u00fcrgen Schmude vom Lehrstuhl f\u00fcr Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung in M\u00fcnchen k\u00f6nnen die Skilifte hierzulande &#8222;mittelfristig eingemottet werden&#8220;.\u00a0 Schneekanonen werden um Winterberg und den Kahlen Asten in nicht allzu langer Zeit ausgedient haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21416\" aria-describedby=\"caption-attachment-21416\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21416\" alt=\"Kunstteich f\u00fcr die Schneekanonen (archiv: zoom)\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/minenplaetze20121125.jpg\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/minenplaetze20121125.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/minenplaetze20121125-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-21416\" class=\"wp-caption-text\">Kunstteich f\u00fcr die Schneekanonen (archiv: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schon vor gut 10 Jahren kritisierte ich in einem ausf\u00fchrlichen Leserbrief an den &#8222;Sauerlandkurier&#8220;, da\u00df auch im Land der 1.000 Berge ein hochtechnisierter, winterlicher Massentourismus stets brutaler in das nat\u00fcrliche Gef\u00fcge eingreift. Als eine neue Form des Gr\u00f6\u00dfenwahns hat dabei auch unsere Region die massive Aufr\u00fcstung mit Schneekanonen voll erfa\u00dft.<\/p>\n<p>Anvisiertes Ziel dieser allein auf den Profit abgestellten Erschlie\u00dfungsma\u00dfnahmen, die bis heute andauern, war es seitens der Planer, das vom Charakter eher lieblich anmutende Mittelgebirge mangels naturgegebener wei\u00dfer Pracht in eine so genannte &#8222;Wintersport-Arena&#8220; alpinen Zuschnitts umzukrempeln. Mammutprojekte dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung stellen neben den Eingriffen, welche die kommerziell motivierte Ausuferung des Pistensports ohnehin verursacht, eine weitere Dimension \u00f6kologischer Zerst\u00f6rung dar. Schnee aus Kanonen bewirkt eine Verk\u00fcrzung der Vegetationszeit, hat au\u00dferdem einen D\u00fcngeeffekt, ist also n\u00e4hrstoffreich und kann die Zusammensetzung der Pflanzenarten ver\u00e4ndern. Damit nicht genug: Er reduziert die Artenvielfalt. Au\u00dferdem besteht die Gefahr zunehmender Erosion infolge erh\u00f6hten Schmelzwasseranfalls.<\/p>\n<p>Ich meine, um das Sauerland f\u00fcr den Wintertourismus attraktiv zu halten, bedarf es ganz bestimmt keiner vom Wachstumszwang diktierter hochfliegender Pl\u00e4ne, wodurch nur erreicht wird, da\u00df der Fremdenverkehr seine eigene Grundlage zerst\u00f6rt. Alternativen im naturnahen Tourismus gibt es seit langem und kommen bundesweit schon vielerorts zur Anwendung. Dazu z\u00e4hlen etwa das Winterwandern oder andere qualit\u00e4tsorientierte Angebote, die sich auf Herbst, Sp\u00e4twinter und Fr\u00fchjahr erstrecken.<\/p>\n<p>Prof. Schmude: &#8222;Jede Region mu\u00df sich darauf besinnen, welche Besonderheiten sie zu bieten hat.&#8220; Das w\u00fcrde der Eigenart des Sauerlandes weit mehr entsprechen und w\u00e4re dar\u00fcber hinaus hervorragend mit der h\u00e4ufig erw\u00e4hnten nachhaltigen Entwicklung im Rahmen der lokalen Agenda in Einklang zu bringen. Fest steht, da\u00df sich die Menschen nach Ruhe und Erholung in unzerst\u00f6rter Natur sehnen, wo man sie denn noch antrifft. Kaputt gemacht worden ist schlie\u00dflich schon en masse!<\/p>\n<p>Dazu noch einmal der Wissenschaftler: &#8222;Die Naturorientierung der Menschen w\u00e4chst. Sie wollen raus, wollen an die frische Luft; sie wollen sich bewegen &#8211; wie und auf welche Weise auch immer.&#8220; Die L\u00f6sung hei\u00dft deshalb: Touristische Konzepte dem Klimawandel anpassen. Es kann und darf nicht \u00fcberall Ski gefahren werden! Diese Einsicht mu\u00df den Leuten abverlangt werden. Der demographische Wandel hat bereits deutliche Spuren hinterlassen. Im Klartext bedeutet\u00a0es, da\u00df die Menschen weniger, \u00e4lter, \u00e4rmer und damit se\u00dfhafter werden. Diesem Umstand gilt es Rechnung zu tragen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem heutigen 1. 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