{"id":26090,"date":"2013-10-25T12:40:11","date_gmt":"2013-10-25T10:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=26090"},"modified":"2013-10-25T12:40:11","modified_gmt":"2013-10-25T10:40:11","slug":"marion-bei-den-mexis-teil-30-streik-der-privilegierten-lehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/marion-bei-den-mexis-teil-30-streik-der-privilegierten-lehrer\/","title":{"rendered":"Marion bei den Mexis, Teil 30: Streik der privilegierten Lehrer &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Artikel ist der <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\">30. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. Wir erfahren Hintergr\u00fcnde des Lehrerstreiks in Mexiko und wundern uns, dass in Mexiko Lehrerstellen immer noch vererbt werden k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a1Hola a todos!<\/p>\n<p>Eigentlich sollten sie nicht mehr hier sein, eigentlich sollten sie schon vor \u00fcber einer Woche in ihre D\u00f6rfer, ihre St\u00e4dte zur\u00fcckgekehrt sein und eigentlich dort das tun, wof\u00fcr ihre Berufsbezeichnung steht: lehren.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_26091\" aria-describedby=\"caption-attachment-26091\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-26091\" alt=\"Lehrerstreik in Mexiko\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik01.jpg\" width=\"512\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik01.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik01-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26091\" class=\"wp-caption-text\">Seit zwei Monaten verteidigen Anh\u00e4nger der Lehrergewerkschaft CNTE ihre Pfr\u00fcnde durch Proteste in der Hauptstadt. Wie viele von ihnen tats\u00e4chlich Lehrer sind und wie viele von der Gewerkschaft f\u00fcrs Demonstrieren bezahlt werden, wei\u00df niemand. Was aber klar ist, ist, dass es den Bewohnern langsam reicht. Zum Gl\u00fcck bleiben Ger\u00fcche bei Bildern au\u00dfen vor: Denn nach einem Monat Belagerung des Revolutionsdenkmalplatzes riecht es hier nicht gerade wie in einem Rosengarten. (fotos: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Aber die Lehrer und Lehrerinnen der Lehrergewerkschaft CNTE (steht f\u00fcr Nationalkommission der Bildungsarbeiter) -besonders aus den Bundesstaaten Oaxaca, Michoac\u00e1n und Guerrero- harren in der Hauptstadt aus.<\/strong> Einige von ihnen bereits seit dem 21. August. Damals fingen die Demonstrationen gegen die vorgeschlagene Bildungsreform der Regierung an. Zwischenzeitlich campierten \u00fcber Zehntausend auf dem Hauptplatz der Innenstadt, dem Z\u00f3calo, und legten fast t\u00e4glich mit ihren Protestm\u00e4rschen den Verkehr lahm.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_26095\" aria-describedby=\"caption-attachment-26095\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik03.jpg\" alt=\"Feiern und verkaufen in Mexiko\" width=\"512\" height=\"683\" class=\"size-full wp-image-26095\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik03.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik03-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26095\" class=\"wp-caption-text\">Im September ist der Mexikaner gemeinhin in Feierlaune. Zahlreiche Devotionalienst\u00e4nde bieten alles, was das patriotische Herz begehrt. Am 16. September 1810 begann der Unabh\u00e4ngigkeitskampf von Spanien, bei dem zahlreiche K\u00f6pfe rollten. Heute rollt h\u00f6chstens der Peso, denn in keinem Monat gibt es soviele Feste und Aktivit\u00e4ten wie im September.<\/figcaption><\/figure>Die Sympathien innerhalb der Bev\u00f6lkerung nahmen rasch ab. Stau gab es nat\u00fcrlich auch schon vorher, aber nicht derart, dass die Einkommensverluste mancher Gesch\u00e4fte im historischen Zentrum so hoch waren, dass sie geschlossen werden mussten.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_26093\" aria-describedby=\"caption-attachment-26093\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik02.jpg\" alt=\"Z\u00f3calo\" width=\"512\" height=\"267\" class=\"size-full wp-image-26093\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik02.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Lehrerstreik02-300x156.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26093\" class=\"wp-caption-text\">Fast kein Mensch, nirgends. Der Z\u00f3calo an einem grauen Oktobernachmittag. Von denen es viele gab. Die Hurrikansaison macht sich hier in Form von Dauerregen bemerkbar. Aber kein Vergleich zu den K\u00fcsten: Dort ist teilweise der Notstand ausgerufen worden.<\/figcaption><\/figure>Am 16. September war Nationalfeiertag und da werden traditionell Paraden am Z\u00f3calo abgehalten. Man war gespannt, wie die Bundes- als auch die Stadtregierung reagieren w\u00fcrde. Und ob sie \u00fcberhaupt reagieren w\u00fcrde. Sie reagierte und vertrieb die campierenden Lehrkr\u00e4fte mit Wasserwerfer und Tr\u00e4nengas und riegelten den Hauptplatz weitr\u00e4umig ab. Auch einen Monat sp\u00e4ter ist es so ruhig auf dem Hauptplatz des Landes und die Polizeipr\u00e4senz so hoch wie noch nie.<\/p>\n<p>Und die Lehrer? Zogen rund dreihundert Meter weiter auf den Platz vor dem Revolutionsdenkmal. Vor einer Woche sollte offiziell der Unterricht wieder beginnen. Viele sind tats\u00e4chlich gegangen, viele sind aber auch geblieben. Und blockieren weiter das Leben in der Stadt. In den letzten Wochen wurden wechselweise die Zufahrt zum Flughafen, der Weg zum Pr\u00e4sidentenpalast, die Abgeordnetenkammer, der Senat sowie Botschaften und Fernsehsender belagert.<\/p>\n<p>Doch warum geht es ihnen eigentlich? Als ich vor einiger Zeit nach Hause ging, geriet ich in eine Demo. An diesem Tag sollte die spanische Botschaft belagert werden. Die Stra\u00dfen waren durch Polizeikr\u00e4fte gesperrt, doch ich durfte passieren, da ich darlegen konnte, dass ich tats\u00e4chlich hier wohne. So konnte ich endlich mal direkte Informationen erhalten.<\/p>\n<p>Ich gab mich als ahnungslose Ausl\u00e4nderin aus, die das alles nicht verstehen w\u00fcrde. Wir sind gegen die Bildungsreform, sagte mir ein Grundschullehrer von der K\u00fcste Oaxacas. Jaja, aber wogegen konkret? Einer sprang ihm bei: Wir sind auch gegen die Steuerreform. Und ein Dritter: Und auch gegen die Privatisierung des Mineral\u00f6ls. Sch\u00f6n und gut. Aber was hat das mit der Bildung zu tun? Sie seien doch alle Lehrer und nun seit \u00fcber einen Monat h\u00e4tten ihre Sch\u00fcler keinen Unterricht mehr. Was ist mit den Kindern? Na und, zuckte da der eine mit den Schultern, die sind bei ihren Eltern, denen geht es gut. Au\u00dferdem sei das Wetter in Oaxaca zurzeit noch schlechter als hier. Da konnte ich ihm nicht widersprechen: Die Hurrikans im September haben tats\u00e4chlich schwere Sch\u00e4den an der Pazifik- als auch an der Golfk\u00fcste angerichtet.<\/p>\n<p>In Mexiko k\u00f6nnen Lehrerstellen immer noch vererbt werden. Das geschieht auch eher auf dem Lande als in der Hauptstadt. Die Reform will dieses Privileg streichen und dar\u00fcber hinaus den Bildungsstand der Lehrer erfassen. Das wiederum mit einem einheitlichen Test. Doch die Niveaus sind hier derma\u00dfen weit auseinander, so dass die Ungerechtigkeit einem sofort ins Auge springt. Kein Vergleich zwischen Bremen und Baden-W\u00fcrttemberg. Es gibt Gegenden in Mexiko, in denen findet seit f\u00fcnf, sechs Jahren kein Unterricht mehr statt.<\/p>\n<p>Bestimmt sind auch einige andere Reformvorschl\u00e4ge ungerecht. Aber ist es nicht auch ungerecht, Kinder und Eltern einfach so in Stich zu lassen? Mancherorts haben Eltern sich schon dazu ge\u00e4u\u00dfert, dass man diese Lehrkr\u00e4fte nicht mehr haben m\u00f6chte. Aber es gibt auch keine anderen.<\/p>\n<p>Doch das sich etwas \u00e4ndern muss, ist offensichtlich. Im OECD-Vergleich liegt Mexiko mit der T\u00fcrkei auf den letzten zwei R\u00e4ngen. Ich hatte nicht viele Gelegenheiten mit den protestierenden Lehrern zu sprechen, aber leider haben sie nur meine Vorurteile best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Einfach mal dagegen sein ist ja auch eine Haltung. Als ich am letzten Freitag am Revolutionsdenkmal war, wurde ich schon vor dem Platz abgefangen, als ich meine Kamera hervorholte. Ob ich von der Presse sei? Nein, nein, ich sei Touristin, log ich. Man blieb skeptisch, ich d\u00fcrfe zwar durch das Lager gehen, aber wenn ich Fotos machen w\u00fcrde, gebe es \u00c4rger.<\/p>\n<p>Was ich da noch nicht wusste: Am Vortag waren beim Protestmarsch durch den ber\u00fcchtigten Stadtteil Tepito drei von ihnen krankenhausreif geschlagen worden. Sie sollten verschwinden, h\u00e4tten die Leute dort geschrien. Eine Frau br\u00fcllte: Wegen euch \u00c4rschen musste meine Cousine ihren Laden schlie\u00dfen. Ich habe mich wirklich \u00fcber die Ruhe der Einwohner in den letzten zwei Monaten gewundert. Doch diese Stimmung scheint nun zu kippen. Ach ja, das Gehalt des Lehrergewerkschaftsf\u00fchrers von der tonangebenden Sektion 22 aus Oaxaca hat sich im letzten Jahr verdoppelt.<\/p>\n<p><strong>Ich hoffe, euch allen geht es gut.<\/p>\n<p>Hasta pronto,<br \/>\nMarion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist der 30. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. 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