{"id":23621,"date":"2013-05-04T22:03:26","date_gmt":"2013-05-04T20:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=23621"},"modified":"2013-05-13T22:12:44","modified_gmt":"2013-05-13T20:12:44","slug":"daten-und-fakten-zu-wetter-und-klima-im-sauerland-vor-dem-hintergrund-der-globalen-erwarmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/daten-und-fakten-zu-wetter-und-klima-im-sauerland-vor-dem-hintergrund-der-globalen-erwarmung\/","title":{"rendered":"Daten und Fakten zu Wetter und Klima im Sauerland vor dem Hintergrund der globalen Erw\u00e4rmung."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_16573\" aria-describedby=\"caption-attachment-16573\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16573\" alt=\"Kahler Asten\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/kahlerasten01_012612.jpg\" width=\"512\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/kahlerasten01_012612.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/kahlerasten01_012612-300x171.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16573\" class=\"wp-caption-text\">Kalt oder hei\u00df? Erw\u00e4rmung: nichts ist so kompliziert wie das Wetter und das Klima (archiv: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Um die Frage zufriedenstellend zu beantworten, ob und in welche Richtung sich unser Klima ver\u00e4ndert, mu\u00df stets ein l\u00e4ngerer Zeitraum herangezogen werden.<\/strong><\/p>\n<p><em>Gastbeitrag von Karl Josef Knoppik<\/em><\/p>\n<p>Wenn so einfach behauptet wird, da\u00df es hier bei uns bzw. in Europa w\u00e4hrend der vergangenen 10-15 Jahre nicht w\u00e4rmer geworden ist, so kommt darin die landl\u00e4ufige Meinung der so genannten Klimaskeptiker zum Ausdruck. Deren undifferenzierte Betrachtung der realen Klimasituation l\u00e4\u00dft jedoch wichtige Fakten au\u00dfer Acht und steht deshalb im Widerspruch zu den als gesichert geltenden Erkenntnissen der Wissenschaft.<\/p>\n<p><strong>Ein Beispiel verdeutlicht die Dimension der auch im Sauerland sp\u00fcrbar gewordenen Klima\u00e4nderung<\/strong>. So nahm die Jahresmitteltemperatur im Raum Meschede-Arnsberg im Zeitraum 1980-2010 um 1,1 Grad Celsius exorbitant zu. Und nat\u00fcrlich haben auch Trockenperioden deutlich zugenommen. Stand das Sauerland noch bis vor nicht allzu langer Zeit in dem Ruf, als besonders niederschlagsreich zu gelten, haben sich diesbez\u00fcglich auch hier wesentliche Ver\u00e4nderungen ergeben.<\/p>\n<p><strong>Nicht nur, da\u00df die Vegetationsperiode immer fr\u00fcher im Jahr beginnt und sp\u00e4ter endet;<\/strong> es regnet auch tendenziell weniger, was insbesondere f\u00fcr die Fr\u00fchjahrsmonate M\u00e4rz und April gilt. Diese Entwicklung zeichnet sich seit ein paar Jahren ab. Also sind gerade diejenigen Monate betroffen, in denen die Pflanzen ausreichend Feuchtigkeit ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p><strong>Das ist aber beileibe kein Problem nur des Sauerlandes<\/strong>, sondern wird in ganz Deutschland beobachtet. Andererseits treten Starkregenereignisse \u2013 so genannte Jahrhundertniederschl\u00e4ge \u2013 seit vielen Jahren europaweit immer \u00f6fter in Erscheinung. Dennoch stagniert die Gesamt-Niederschlagsmenge, oder sie geht kurioserweise sogar zur\u00fcck. Da sich die Niederschlagsverteilung durch solche, meist nur lokal auftretenden Unwetter-Exzesse sowohl r\u00e4umlich als auch zeitlich sehr divergent ausnimmt, f\u00fchrt dies dazu, da\u00df auch die Abst\u00e4nde zwischen den sommerlichen Starkregen immer gr\u00f6\u00dfer werden. Trockenperioden, vermehrt begleitet von extremer Hitze, nehmen also zu. Diese Situation wird sich langfristig weiter versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p><strong>Nimmt man einmal die Jahre 2005, 2010, 2011 und 2012 in den Blick<\/strong>, so geh\u00f6ren alle vier \u2013 global gesehen \u2013 zu den w\u00e4rmsten seit Beginn der amtlichen Messungen. Es gibt aber trotz menschengemachtem Treibhauseffekt nach wie vor auch noch nat\u00fcrliche Schwankungen, die den anthropogenen Einflu\u00df kurzfristig \u00fcberlagern (verursacht u.a. durch El nino, Ozeanzirkulationsschwankungen und Sonnenaktivit\u00e4t). Die k\u00f6nnen von Jahr zu Jahr regional sehr gro\u00df sein, n\u00e4mlich bis zu 10 Grad Celsius.<\/p>\n<p><strong>Entscheidendes Kriterium f\u00fcr die Klima\u00e4nderung ist jedoch der Langzeittrend bei den Temperaturen.<\/strong> Und dieser weist eindeutig nach oben. Ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil der Erdoberfl\u00e4che wird von beispiellosen Hitzewellen betroffen. 80 Prozent der Spitzenwerte w\u00e4ren laut Wissenschaftlern ohne den Einflu\u00df des Menschen nicht zustande gekommen. Da\u00df es hierzulande aber auch noch kalte Winter gibt, ist keineswegs als Widerspruch zu der weltweit im Gang befindlichen Klimaerw\u00e4rmung anzusehen, sondern best\u00e4tigt diese Entwicklung.<\/p>\n<p><strong>Verantwortlich daf\u00fcr zeichnet paradoxerweise eine sich stark erw\u00e4rmende Arktis<\/strong>, wodurch infolge einer ver\u00e4nderten Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten Luftmassen und damit W\u00e4rme umverteilt wird. Der Luftdruckgegensatz zwischen dem Polargebiet und dem europ\u00e4ischen Kontinent verringert sich (Arktische und Nordatlantische Oszillation) Und statt der milden Westdrift vom Atlantik, die das Wetter hierzulande ma\u00dfgeblich bestimmt, str\u00f6mt nun polare Kaltluft aus NO \u00fcber die immer \u00f6fter eisfreie Ostsee zu uns, nimmt Feuchtigkeit auf und verursacht nicht selten ergiebige Schneef\u00e4lle. Diese, durch den Klimawandel herbeigef\u00fchrte Situation, mit der wir es j\u00fcngst den gesamten M\u00e4rz zu tun hatten, k\u00f6nnte noch auf viele Jahre hinaus f\u00fcr echte Winter sorgen, ist aber in Bezug auf die Zeitr\u00e4ume, in welcher der Klimawandel vonstattengeht, lediglich als Verschnaufpause zu werten.<\/p>\n<p><strong>Denn langfristig wird laut Prof. Dr. Stefan Rahmstorf vom Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung<\/strong> an der Universit\u00e4t Potsdam der menschliche Einflu\u00df die Oberhand gewinnen und die nat\u00fcrlichen Schwankungen weit in den Schatten stellen, was er im globalen Mittel schon l\u00e4ngst tut.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zur Situation bei uns im Sauerland:<\/strong> Betrachtet man einmal die Witterung in den Fr\u00fchjahrsmonaten der vergangenen Jahre, so best\u00e4tigt sich der Trend zu weniger Niederschlag. Unter dem Begriff Klima versteht man ja bekanntlich das Wetter in seinem durchschnittlichen Verhalten. Und daher ist nur der Blick in die Statistik aussagekr\u00e4ftig genug, um verl\u00e4sslich dar\u00fcber Aufschlu\u00df zu geben, in welche Richtung das Klima tendiert.<\/p>\n<p><strong>Fest steht, da\u00df der diesj\u00e4hrige Monat M\u00e4rz als einer der k\u00e4ltesten in die Statistik eingeht<\/strong>, nur noch \u00fcbertroffen vom M\u00e4rz 1917. Und er war wohl auch einer der trockensten. Auch der M\u00e4rz 2012 brachte lediglich 1\/5 des Sollwerts an Niederschlag. Ebenso wurde im April des gleichen Jahres das Niederschlagssoll wiederum verfehlt (Arnsberg). 51 Liter Niederschlag fielen &#8211; gegen\u00fcber gew\u00f6hnlich 79 Litern. Allerdings waren die Niederschl\u00e4ge \u00fcber 20 Tage verteilt; und wegen der relativ geringen Verdunstungsrate wurde der Regen von den B\u00f6den gut aufgenommen.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4rz, April und Mai des Jahres 2011 ergaben das trockenste Fr\u00fchjahr seit 1893<\/strong>. Der M\u00e4rz brachte beispielsweise nur 10 Liter\/m\u00b2. Nur derjenige von 1928 unterschritt diesen Wert mit 7 Litern noch. Der April 2010 war zwar warm, aber auch viel zu trocken. Im Gegensatz dazu fiel im M\u00e4rz 2010 10 Prozent mehr Niederschlag als sonst, = 90 Liter. Allerdings pr\u00e4sentierte sich dieser M\u00e4rz au\u00dferhalb des Sauerlandes viel zu trocken. Der April 2009 wies ebenfalls zu wenig Niederschlag auf, n\u00e4mlich nur knapp die H\u00e4lfte des Normalwerts. Der Mai 2008 war insgesamt zu trocken. Und schlie\u00dflich weit heraus ragte der \u201eJahrhundert-April\u201c 2007 als bekanntlich sonnigster und trockenster Fr\u00fchjahrsmonat seit mindestens 140 Jahren, wobei in Arnsberg nur 2,9 Liter Regen fielen.<\/p>\n<p><strong>In fr\u00fcheren Jahrzehnten glich der April im Sauerland von seinem Charakter oft mehr einem Winter- als einem Fr\u00fchlingsmonat.<\/strong> Der Schnee blieb erst mal eine Weile liegen, wenn die wei\u00dfe Pracht auch infolge der jahreszeitlich bedingten Kraft der Sonne auch bis zum Mittag meist wieder verschwunden war. Aber wir hatten i. d. R. das gewohnte typische April-Wetter in Form von wiederholten Schnee-, Schneeregen und Graupelschauern, die sich mit heiteren Phasen abwechselten. Im Sauerl\u00e4nder Jargon hei\u00dft das \u201eSchlackerwetter\u201c. Bisweilen kam es auch zu l\u00e4nger andauernden Schneef\u00e4llen. Doch das war einmal. Abrupte und extreme Temperaturspr\u00fcnge, quasi vom Winter in den Sommer, kamen meines Wissens damals extrem selten vor.<\/p>\n<p><strong>Auf der Hochebene von Winterberg w\u00e4hrte die kalte Jahreszeit oft bis zum Mai<\/strong>, und im sehr rauhen Klima des Bayerischen Waldes zog der Fr\u00fchling erst Anfang Juni ein. Seit den 80er Jahren hat aber auch dort die Anzahl der Sommertage (also ab 25 Grad C) signifikant zugenommen. Was ebenfalls eine auffallende Abweichung von fr\u00fcheren Verh\u00e4ltnissen darstellt, sind die seinerzeit h\u00e4ufigeren und vor allem st\u00e4rker ausgepr\u00e4gten NW- und Nord-Wetterlagen. Letztere beeinflu\u00dften auch unsere Mittelgebirgsregion mit Arktikluft, die \u2013 ausgehend von einem umfangreichen Tiefdruckgebiet \u00fcber Skandinavien \u2013 auf direktem Wege nach Deutschland gelangte und dem Sauerland massive Schneef\u00e4lle brachte. Im Schlepptau hatte diese h\u00e4ufig kontinentale Kaltluft mit extremen Minusgraden, die mitunter wochenlang das Wettergeschehen beherrschten.<\/p>\n<p>Karl Josef Knoppik, Meschede-Stockhausen, im Mai 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Frage zufriedenstellend zu beantworten, ob und in welche Richtung sich unser Klima ver\u00e4ndert, mu\u00df stets ein l\u00e4ngerer Zeitraum herangezogen werden. 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