{"id":22369,"date":"2013-02-10T08:01:36","date_gmt":"2013-02-10T07:01:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=22369"},"modified":"2013-03-16T12:11:37","modified_gmt":"2013-03-16T11:11:37","slug":"marion-bei-den-mexis-teil-27-ein-einbruch-ein-drogentunnel-und-ein-langer-ritt-zum-vulkan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/marion-bei-den-mexis-teil-27-ein-einbruch-ein-drogentunnel-und-ein-langer-ritt-zum-vulkan\/","title":{"rendered":"Marion bei den Mexis, Teil 27: ein Einbruch, ein Drogentunnel und ein langer Ritt zum Vulkan."},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Artikel ist der <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\">27. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute berichtet unsere Autorin \u00fcber einen Einbruch in ihre Wohnung, einen Drogentunnel in Uruapan und einen langen, schmerzhaften Ritt zum Vulkan Paricut\u00edn. Wir w\u00fcnschen viel Spa\u00df beim Lesen.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a1Hola a todos!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nun ist ja schon wieder ein Monat im neuen Jahr rum und ich kann nur mit Wilhelm Busch sagen, die Zeit geht im Sauseschritt und wir gehen mit. <\/strong><\/p>\n<p>Also, an dieser Stelle noch einmal an alle alles Gute f\u00fcr die kommenden Monate.<\/p>\n<p>Dass ich mich solang nicht aus Mexiko gemeldet habe, hat den banalen Hintergrund, dass ich -wie einige von euch mitbekommen haben- in Deutschland war. Und meine R\u00fcckkehr hatte auch sofort eine b\u00f6se \u00dcberraschung: Bei uns ist eingebrochen worden. Aber: Es wurde fast nichts entwendet &#8211; au\u00dfer einem schwarzen Hut von mir.<\/p>\n<p><strong>Eine b\u00f6se \u00dcberraschung<\/strong><br \/>\nDie Vermutung liegt nahe, dass die Einbrecher gest\u00f6rt worden sind, denn sie haben in dem Haus auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite vier Wohnungen ausger\u00e4umt und waren wohl schon einige Zeit besch\u00e4ftigt gewesen. Hier wurde lediglich noch an der Wohnungst\u00fcr der Nachbarin rumgefummelt, sie sind wohl dort gar nicht in die Wohnung gekommen und wie gesagt, in unserer Wohnung h\u00e4lt sich der Schaden auch mehr als in Grenzen. Nur das Wohnungsschloss sowie der T\u00fcrrahmen mussten ausgetauscht bzw. repariert werden.<\/p>\n<p><strong>Die Erf\u00fcllung eines M\u00e4dchentraums<\/strong><br \/>\nNun liegt ein anderes Ereignis auch schon nun wieder etwas zur\u00fcck, aber ich wollte trotzdem noch davon berichten. Denn es ging um die Erf\u00fcllung eines M\u00e4dchentraums von mir.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22371\" aria-describedby=\"caption-attachment-22371\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22371\" title=\"lt_koerdt2701\" alt=\"Beruhigen oder beunruhigen - das ist hier die Frage. Rund um den Z\u00f3calo von Uruapan nahm die Polizeidichte enorm zu. Von einer angeblichen Polizeikonferenz wusste niemand etwas. Daf\u00fcr wurde ein paar Tage sp\u00e4ter ein Drogenschmuggeltunnel unter dem Platz ausgehoben. (fotos: koerdt)\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2701.jpg\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2701.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2701-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22371\" class=\"wp-caption-text\">Beruhigen oder beunruhigen &#8211; das ist hier die Frage. Rund um den Z\u00f3calo von Uruapan nahm die Polizeidichte enorm zu. Von einer angeblichen Polizeikonferenz wusste niemand etwas. Daf\u00fcr wurde ein paar Tage sp\u00e4ter ein Drogenschmuggeltunnel unter dem Platz ausgehoben. (fotos: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seitdem wir in Mexiko sind, wollte ich immer zum Vulkan Paricut\u00edn im Bundesstaat Michoac\u00e1n. Nun gab es ein paar freie Tage und wir machten uns auf den Weg nach Uruapan, der zum Vulkan n\u00e4chstgelegenen Stadt. Das erste, das dort auffiel, war eine \u00fcberdeutliche Polizeipr\u00e4senz am Hauptplatz, an dem wir nach einem Hotel Ausschau hielten.<\/p>\n<p><strong>Alles voller Polizisten: der Drogentunnel<\/strong><br \/>\nIm ersten Hotel, das wir uns anschauten, wollte man uns weismachen, dass eine Polizeikonferenz in der Stadt sei. Von der aber in dem Hotel, in dem wir letztlich eincheckten, niemand etwas wusste. Jedenfalls waren die vier Hotels, die wir davor besichtigt haben, voll mit Polizisten. Und man nicht recht wei\u00df, ob das nun einen beruhigen oder eher beunruhigen soll. Eine Woche sp\u00e4ter las ich dann die passende Meldung: Unter dem Kulturzentrum am Hauptplatz hatte man einen Tunnel entdeckt, durch den Drogen geschleust worden sind. Welches Kartell nun letztlich daf\u00fcr verantwortlich war, wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p><strong>Der j\u00fcngste Vulkan der Welt<\/strong><br \/>\nNun deswegen waren wir ja auch nicht dort, sondern um besagten Vulkan zu besteigen, der als der j\u00fcngste der Welt gilt. Ich hatte als M\u00e4dchen einen Kinderatlas, in dem von diesem Vulkan berichtet wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22375\" aria-describedby=\"caption-attachment-22375\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22375\" title=\"lt_koerdt2704\" alt=\"Das Objekt der Begierde - der Vulkan Paricut\u00edn, der j\u00fcngste seiner Art weltweit. Hier noch in weiter Ferne und zu dem Zeitpunkt lediglich wolkenverhangen.\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2704.jpg\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2704.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2704-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22375\" class=\"wp-caption-text\">Das Objekt der Begierde &#8211; der Vulkan Paricut\u00edn, der j\u00fcngste seiner Art weltweit. Hier noch in weiter Ferne und zu dem Zeitpunkt lediglich wolkenverhangen.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Im Februar 1943 entdeckte ein Bauer<\/strong> auf seinem Feld Rauchwolken und schon ein paar Tage sp\u00e4ter, war dort ein beachtlicher H\u00fcgel von 10 Metern entstanden. Und die Gefahr wurde im wahrsten Sinne des Wortes ruchbar. Der Kegel wuchs um knappe 400 Meter an, dampfendes Ger\u00f6ll und Asche in die Luft schleudernd.<\/p>\n<p><strong>Da die ausgesto\u00dfende Lava sehr langsam floss<\/strong>, konnten die D\u00f6rfer San Juan Parangaricutiro und San Salvador Paricut\u00edn rechtzeitig evakuiert werden. Es mussten zwar keine Personensch\u00e4den beklagt werden, die Menschen hatten aber ihre H\u00e4user und Felder hinter sich gelassen und die Regierung unterst\u00fctzte sie keineswegs beim Aufbau eines neuen Lebens au\u00dferhalb der Gefahrenzone.<\/p>\n<p><strong>Neun Jahre spuckte der Vulkan<\/strong> und begrub dabei die beiden D\u00f6rfer unter sich. Jahrelang war der Himmel ru\u00dfbedeckt und die Leute vom Stamme der Tarasken versuchten ohne jegliche staatliche Hilfe wieder Tritt zu fassen. Der Stolz der Tarasken darauf ist auch heute noch im Dorf Angahuan sp\u00fcren, von dem aus die Touren zum Vulkan aus starten. Es bleibt eine gewisse Skepsis gegen\u00fcber dem Staat und auch dem Fremden begegnet man recht distanziert. Untereinander sprechen sie ausschlie\u00dflich ihre Sprache: Pur\u00e9pecha.<\/p>\n<p><strong>Ein schmerzhafter Ritt zum Vulkan<\/strong><br \/>\nIch hatte mich frohgemut auf eine Wanderung eingestellt, als uns dort mitgeteilt wurde, der Vulkan l\u00e4ge 16 Kilometer entfernt und man k\u00f6nne eigentlich nur dorthin reiten und uns wurde unser F\u00fchrer Jos\u00e9 vorgestellt. Ein Vorschlag, der mich regelrecht begeisterte. Nach einer halben Stunde im Sattel dann nicht mehr.<\/p>\n<p>Jede Ber\u00fchrung mit dem Sattel tat ab da nur noch h\u00f6llisch weh. Wir waren bis dahin um ein Lavafeld geritten, aus der die Kirchturmspitze herausragte, die ich bereits von Bildern aus meinem Kinderatlas kannte. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter fragte ich Jos\u00e9, wie weit es denn noch sei und er meinte, zum Vulkan seien es noch so drei Stunden. Ich biss mir auf die Z\u00e4hne und blickte gen Horizont: Der Vulkan war wie ein Scheinriese, der nicht n\u00e4her kam.<\/p>\n<p><strong>Der Scheinriese kommt nicht n\u00e4her<\/strong><br \/>\nJos\u00e9 muss mir mein Leiden angesehen haben, denn er bot mir netterweise sein Pferd an. Dessen Sattel war um ein Vielfaches weicher, wenn auch nicht richtig weich. So trabten wir weiter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22372\" aria-describedby=\"caption-attachment-22372\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22372\" title=\"lt_koerdt2702\" alt=\"Ross und Reiter - schon bald sollte sich zeigen, wer hier die Z\u00fcgel in der Hand hatte\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2702.jpg\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2702.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2702-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22372\" class=\"wp-caption-text\">Ross und Reiter &#8211; schon bald sollte sich zeigen, wer hier die Z\u00fcgel in der Hand hatte<\/figcaption><\/figure>\n<p>Christophers Pferd hatte ziemlich schnell spitz gehabt, dass der Typ auf ihm \u00fcberhaupt keine Ahnung vom Reiten hatte und so machte es eigentlich, was es wollte. Jos\u00e9 durfte das Pferd in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von Wiesen holen, wohin es zwecks Pausen-Snacks immer wieder hin verschwand.<\/p>\n<p>Ein weiterer Blick auf den Vulkan verhie\u00df nichts Gutes: Hinter ihm hatten sich riesige, schwarze Wolken aufget\u00fcrmt, die Jos\u00e9 lediglich mit einem &#8222;oh! oh!&#8220; kommentierte.<\/p>\n<p><strong>Der Regen macht (fast) alles zunichte<\/strong><br \/>\nEs kam, was kommen musste: Ein Regenschauer, der unsere Sicht auf ungef\u00e4hr zwei Meter begrenzte. Und noch zwei Stunden bis zum Vulkan. Resignation \u00fcberkam mich, die sich noch steigerte, als Jos\u00e9 meinte, bei dem Wetter k\u00f6nne man den Vulkan nicht mehr besteigen. Die Windb\u00f6en seien zu heftig. Wir beschlossen umzukehren, um wenigstens noch das Lavafeld mit der Kirche zu erkunden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22373\" aria-describedby=\"caption-attachment-22373\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2703.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22373  \" title=\"lt_koerdt2703\" alt=\"Grau, grauer, am grausten - der sagenumwobene Kirchturm der Kirche San Juan vom Dorf Parangaricutiro. Mein Kinderatlas hatte allen Ernstes behauptet, es sei ein Wunder, dass ausgerechnet die Kirche der Lava standgehalten h\u00e4tte. Die Wahrheit ist, wie so oft, viel banaler.\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2703.jpg\" width=\"246\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2703.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/lt_koerdt2703-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 85vw, 246px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22373\" class=\"wp-caption-text\">Grau, grauer, am grausten &#8211; der sagenumwobene Kirchturm der Kirche San Juan vom Dorf Parangaricutiro. Mein Kinderatlas hatte allen Ernstes behauptet, es sei ein Wunder, dass ausgerechnet die Kirche der Lava standgehalten h\u00e4tte. Die Wahrheit ist, wie so oft, viel banaler.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Angelegenheit, deren Spa\u00df sich bei den Witterungsverh\u00e4ltnissen auch etwas in Grenzen hielt. Dort wurde mit der Legende aufger\u00e4umt, die mein Kinderatlas (schlie\u00dflich ein aufgekl\u00e4rtes Buch vom Ende der siebziger Jahre) verbreitet hatte: Allein die Kirche sei von den Lavamassen verschont geblieben &#8211; ein Wunder? Wohl kaum, denn die H\u00e4user drum herum waren nicht aus Stein gebaut gewesen, sondern einfache Holzh\u00fctten, so Jos\u00e9. Und die konnten wohl kaum der Lava standhalten. Warum hatte mir mein Kinderatlas das verschwiegen? Jedenfalls war Jos\u00e9 sehr auskunftsfreudig und entsprach so gar nicht den Vorurteilen, die den Tarasken vorauseilen.<\/p>\n<p><strong>Nichts f\u00fcr &#8222;Warmduscher&#8220; &#8211; der Schmerz geht weiter<\/strong><br \/>\nNach vier Stunden im Sattel kamen wir v\u00f6llig durchweicht am Ausgangspunkt zur\u00fcck. Es war einer der Tage, an denen ich mich auf eine hei\u00dfe Dusche gefreut habe. Doch auch diese Freude wurde getr\u00fcbt: Erst unter dem hei\u00dfen Wasser bemerkte ich, dass sich die Haut unterhalb meines Pos v\u00f6llig aufgescheuert hatte. Und ich auch noch in den kommenden zwei Wochen bei jeder Sitzgelegenheit an den Ausflug erinnert wurde. Ja, ich hatte einen M\u00e4dchentraum &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist der 27. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. 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