{"id":21508,"date":"2012-12-02T15:34:31","date_gmt":"2012-12-02T14:34:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=21508"},"modified":"2012-12-02T16:31:34","modified_gmt":"2012-12-02T15:31:34","slug":"waldorfschule-versteinerte-erziehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/waldorfschule-versteinerte-erziehung\/","title":{"rendered":"Waldorfschule: Versteinerte Erziehung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Dezember 2012 gibt es in Deutschland 234 Waldorfschulen, die  nach der von Rudolf Steiner entwickelten Waldorfp\u00e4dagogik unterrichten.  Sie versprechen freieres und ganzheitliches Lernen mit \u00e2\u20ac\u017eKopf, Herz und  Hand\u00e2\u20ac\u0153 als Alternative zur \u00f6ffentlichen Schule.\u00a0Doch ist die  Waldorfschule wirklich frei?\u00a0Von Andr\u00e9 Sebastiani***.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_21512\" aria-describedby=\"caption-attachment-21512\" style=\"width: 464px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21512 \" title=\"sk-4-2011_cover-580\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sk-4-2011_cover-580.jpg\" alt=\"Cover (Ausschnitt) der Ausgabe 4\/2011 des Magazins \u00e2\u20ac\u017eSkeptiker\u00e2\u20ac\u0153, dort Erstver\u00f6ffentlichung im Print\" width=\"464\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sk-4-2011_cover-580.jpg 580w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sk-4-2011_cover-580-280x300.jpg 280w\" sizes=\"auto, (max-width: 464px) 85vw, 464px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-21512\" class=\"wp-caption-text\">Cover (Ausschnitt) der Ausgabe 4\/2011 des Magazins \u00e2\u20ac\u017eSkeptiker\u00e2\u20ac\u0153, dort Erstver\u00f6ffentlichung im Print<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<strong>Anthroposophie<\/strong><\/p>\n<p>Die Waldorfp\u00e4dagogik ist mit der Anthroposophie Rudolf  Steiners (1861\u00e2\u20ac\u201c1925) untrennbar verbunden. Steiner entwickelte sein  p\u00e4dagogisches Konzept auf der Basis seiner anthroposophischen Lehre.<\/p>\n<p>Die  Anthroposophie, die \u00e2\u20ac\u017eWeisheit vom Menschen\u00e2\u20ac\u0153 (griech.\u00a0<em>\u00e1nthropos<\/em> = Mensch;\u00a0<em>soph\u00ce\u00afa<\/em> = Weisheit),  bezeichnet die ganzheitliche, \u00e2\u20ac\u017ekosmologische\u00e2\u20ac\u0153 Anschauung des Menschen  und behauptet, eine Anleitung zu dessen Selbst- und Welterkenntnis zu  liefern.<\/p>\n<p>Nach Steiner ist die Anthroposophie eine  \u00e2\u20ac\u017eGeisteswissenschaft\u00e2\u20ac\u0153, eine wissenschaftliche \u00e2\u20ac\u017eErg\u00e4nzung zu den  Naturwissenschaften. Sie will dem materiellen Wissen die unsichtbaren  geistigen Aspekte hinzuf\u00fcgen\u00e2\u20ac\u0153[i].  Neben der materiellen Welt, auf die die herk\u00f6mmlichen  Naturwissenschaften beschr\u00e4nkt sind, gibt es nach anthroposophischer  Vorstellung noch eine geistige kosmische Welt, die unseren Sinnesorganen  verborgen bleibt.<\/p>\n<p>Die Anthroposophische Gesellschaft Frankfurt schreibt  auf ihrer Homepage:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017e<\/em>Alles im Kosmos und unserer Welt ist  Materie und Geist! Wo Materie ist, ist immer auch Geist. Geist ist das  Prim\u00e4re, der Ursprung, aus dem alles Materielle entstanden ist.<em>\u00e2\u20ac\u0153<\/em>[ii] Mensch  und Kosmos sind dar\u00fcber hinaus gleichartig, oder, wie Klaus Prange  treffend formuliert: \u00e2\u20ac\u017eDer Mensch ist im kleinen ein Kosmos, der Kosmos  im gro\u00dfen ein Mensch. Welt, Natur, und Geschichte sind ein genaues  Pendant des Menschen, der Mensch deren Synthese en miniature.\u00e2\u20ac\u0153<em> <\/em>(2000,  S.64) Die Anthroposophie will die \u00e2\u20ac\u017eGeistorgane\u00e2\u20ac\u0153 des Menschen schulen,  um ihn zum Zugriff auf die geistige Welt und damit zu h\u00f6heren  Erkenntnissen zu bef\u00e4higen.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>\u00e2\u20ac\u017eDer Mensch ist keine physikalische, biologische und  chemische \u00e2\u20ac\u0161Maschine\u00e2\u20ac\u02dc, in der alles materiell abl\u00e4uft, sondern ein  ,Wesen\u00e2\u20ac\u02dc, das nur vor\u00fcbergehend, \u00e2\u20ac\u201c also im Leben -, einen menschlichen  K\u00f6rper tr\u00e4gt. In diesen sind eingeschlossen eine unsterbliche Seele und  ein ewiger Geist, so dass der Mensch, K\u00f6rper, Seele und Geist ist. Der  K\u00f6rper zerf\u00e4llt mit dem Tode, Seele und Geist bleiben erhalten und leben  in der geistigen Welt des Kosmos weiter, nicht anonym, sondern konkret  als eine Individualit\u00e4t, als pers\u00f6nliches ICH. Unser ICH ist ein  Geistwesen.<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em>Durch diese, im menschlichen Leib eingeschlossene  Geistseele kann der Mensch auf H\u00f6heres zur\u00fcckgreifen, wenn er sie  schult. Rudolf Steiner war ein Mensch, der diese neuen Geistorgane  ausgebildet hatte, und sie waren ihm dadurch Tr\u00e4ger f\u00fcr seine  umfangreichen geistigen F\u00e4higkeiten. Menschen mit derartigen F\u00e4higkeiten  nennt man Universalgelehrte oder ,Eingeweihte\u00e2\u20ac\u02dc\u00e2\u20ac\u0153.<\/em> (Anthroposophische Gesellschaft Frankfurt)<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00e2\u20ac\u017eWissenschaft\u00e2\u20ac\u0153 f\u00fcr Eingeweihte<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Steiner verkn\u00fcpft mystische Vorstellungen und im  Wortsinn okkulte (=geheime, verborgene) Wahrheiten mit einer Lehre, die  er bemerkenswerterweise in den Rang einer Wissenschaft erhebt. Der  \u00e2\u20ac\u017eEingeweihte\u00e2\u20ac\u0153 gelangt durch die \u00e2\u20ac\u017eSchauung\u00e2\u20ac\u0153 geistiger kosmischer Welten,  die normalen Menschen verborgen bleiben, zu absoluten Wahrheiten. Diese  Wahrheiten sollen dar\u00fcber hinaus durch den anthroposophischen Weg der  Erkenntnis wissenschaftlich \u00fcberpr\u00fcfbar sein. Der \u00e2\u20ac\u017eEingeweihte\u00e2\u20ac\u0153 ist  dadurch zugleich Seher, Priester und Wissenschaftler. (vgl. Giese 2008,  S.40 ff.)<\/p>\n<p align=\"left\">Der Anspruch der Wissenschaftlichkeit h\u00e4lt einem  kritischen Blick jedoch nicht stand. Die durch Schauung der geistigen  Welten gewonnenen Erkenntnisse sind f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht \u00fcberpr\u00fcfbar,  weil die entsprechenden geistigen Organe zur Erkenntnis nicht  ausgebildet sind. Dadurch macht sich die Anthroposophie immun gegen  \u00e4u\u00dfere Angriffe. Doch Steiner geht noch einen Schritt weiter; er  schreibt:<!--more--><\/p>\n<p align=\"left\">\u00e2\u20ac\u017eSo wird auch das Erkennen zu einem Vorgang in der  Wirklichkeit. Fragen offenbaren sich in der Welt, Antworten offenbaren  sich als Wirklichkeiten; Erkenntnis im Menschen ist dessen Teilnahme an  dem, was sich die Wesen und Vorg\u00e4nge in der geistigen und physischen  Welt zu sagen haben.\u00e2\u20ac\u0153 (Steiner 1975, S. 225, zitiert nach Prange 2000,  S. 65)<\/p>\n<p align=\"left\">Dieses Zitat erscheint sehr r\u00e4tselhaft. Offenbar meint  Steiner damit, dass der Vorgang des Erkennens einen R\u00fcckschluss auf die  Wirklichkeit erlaubt. Dadurch, dass ich mir etwas geistig vorstelle (es  erkenne), nehme ich als Mensch teil an dem, was in der \u00e2\u20ac\u017egeistigen und  physischen Welt\u00e2\u20ac\u0153 vor sich geht. Es wird dadurch real. Hier liegt  Steiners gedanklicher Kurzschluss. Nicht, weil ich mir einen Baum  vorstellen kann, gibt es B\u00e4ume; sondern meine Vorstellung h\u00e4lt der  \u00dcberpr\u00fcfung an der Wirklichkeit stand. Jeder kann hinaus in die Welt  gehen und sinnlich erfahren, dass es B\u00e4ume gibt. (vgl. Prange 2000, S.  66) Steiner schreibt jedoch: \u00e2\u20ac\u017eDie Ideen-Bilder haben doch nur eine  Berechtigung, wenn sie auf eine solche geistige Wirklichkeit, die der  sinnenf\u00e4lligen zugrundeliegt, hindeuten.\u00e2\u20ac\u0153 (a.a.O. S. 123, zitiert nach  Prange 2000, S.66) Im Klartext hei\u00dft das, dass es Kobolde und Feen  wirklich gibt, weil ich sie mir vorstellen kann. Steiner schlie\u00dft vom  Schein auf das Sein. (vgl. Prange ebd.)<\/p>\n<p align=\"left\">Wie soll aber eine solche Erkenntnis wissenschaftlich  sein, wenn sie doch schon durch ihre blo\u00dfe Existenz wahr ist? Bis zum  heutigen Tage behaupten Anthroposophen allen Einw\u00e4nden zum Trotz,  Wissenschaft zu betreiben[iii]. Dabei ist ihre Lehre nicht \u00fcber Steiners Schauungen hinausgelangt.\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eInsofern  stellt die Geistesforschung Steiners ein Kuriosum dar; es d\u00fcrfte sich  hier um die einzige Disziplin mit wissenschaftlichem Anspruch handeln,  die schon bei ihrer Geburt am Ende war.\u00e2\u20ac\u0153<\/em> (Prange 2000, S. 36)<\/p>\n<p align=\"left\">Steiner sieht D\u00e4monen, Geister, Riesen, Elfen, Engel \u00e2\u20ac\u201c  die Liste lie\u00dfe sich endlos verl\u00e4ngern \u00e2\u20ac\u201c also tats\u00e4chlich als real  existierende Wesen an (vgl. Grandt 2008, S. 26ff). Jetzt k\u00f6nnte man  meinen, dass derlei Vorstellungen unter Anthroposophen fast 100 Jahre  sp\u00e4ter l\u00e4ngst \u00fcberholt sind. Doch dem ist nicht so. Im  anthroposophischen Flensburger Hefte Verlag finden sich Titel wie \u00e2\u20ac\u017eWas  die Naturgeister uns sagen \u00e2\u20ac\u201c Im Interview direkt befragt\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eNeue  Gespr\u00e4che mit Naturgeistern\u00e2\u20ac\u0153, oder \u00e2\u20ac\u017eGespr\u00e4che mit B\u00e4umen 1\u00e2\u20ac\u0153[iv].<\/p>\n<p align=\"left\">Auch die in Waldorfkreisen beliebte Fachzeitschrift\u00a0<em>Erziehungskunst<\/em> hat eine feste esoterische Rubrik. Auf ihrer Homepage finden sich Artikel\u00a0wie \u00e2\u20ac\u017e<a href=\"http:\/\/www.erziehungskunst.de\/artikel\/geist-der-natur\/ohne-elementarwesen-laeuft-nichts\/\" target=\"_blank\">Ohne Elementarwesen l\u00e4uft nichts<\/a>\u00e2\u20ac\u0153[v] oder \u00e2\u20ac\u017e<a href=\"http:\/\/www.erziehungskunst.de\/artikel\/geist-der-natur\/fuer-viele-kinder-sind-elementarwesen-real\/\" target=\"_blank\">F\u00fcr viele Kinder sind Elementarwesen real<\/a>\u00e2\u20ac\u0153[vi], in dem die Waldorflehrerin Katharina Dreher-Thiel im Interview sagt, dass\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017ees  die Naturgeister in der \u00e4therischen Welt tats\u00e4chlich gibt. Das wusste  nicht nur Steiner. Viele Menschen fr\u00fcherer Kulturepochen, bei uns bis  ins 15., 16. Jahrhundert, konnten Naturgeister wahrnehmen. Mit  beginnender Neuzeit und rationalistischer Denkweise verschwand diese  F\u00e4higkeit mehr und mehr. Wie in einem kollektiven Ged\u00e4chtnis ist die  Erinnerung an die Wesen der \u00c4therwelt in den M\u00e4rchen und Sagen der  V\u00f6lker bewahrt. Heute scheinen die Wahrnehmungsf\u00e4higkeit f\u00fcr die  \u00e4therische Welt und das Interesse f\u00fcr Naturgeister wieder zuzunehmen.\u00e2\u20ac\u0153  (a.a.O.)<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Auch f\u00fcr die Waldorfp\u00e4dagogik ergeben sich aus dieser  Erkenntnistheorie und ihren Ergebnissen Konsequenzen. Es stellt sich die  Frage wie naturwissenschaftlicher Unterricht mit anthroposophischer  Weltanschauung in Einklang gebracht werden kann; dazu sp\u00e4ter mehr (s.  Kapitel \u00e2\u20ac\u017eAnthroposophische Entwicklungspsychologie\u00e2\u20ac\u0153). Ziel der  Waldorfp\u00e4dagogik ist es, Menschen durch Erziehung zu bef\u00e4higen, sich  selbst und ihre schicksalhafte Bestimmung zu erkennen und dabei den  Kosmos mit seinen verborgenen Wahrheiten zu entschl\u00fcsseln.<\/p>\n<p align=\"left\">Lehrer und Klasse bilden eine Schicksalsgemeinschaft.  Das Schicksal hat dem Lehrer seine Klasse zugespielt und er ist der  Erf\u00fcllungsgehilfe des kosmischen Schicksals seiner Sch\u00fcler. Dass der  Lehrer dem Schicksal bei der Zusammensetzung seiner Klasse unter  Umst\u00e4nden kr\u00e4ftig nachhilft, werde ich an sp\u00e4terer Stelle noch zeigen.<\/p>\n<p align=\"left\">In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung scheinen die okkulten,  mystischen Grundlagen der Waldorfp\u00e4dagogik entweder wenig bekannt oder  nicht von Interesse zu sein. Die Waldorfschulen haben im Allgemeinen ein  gutes Image. Vielen scheinen sie eine gute Alternative zum  Staatsschulwesen zu sein. Sp\u00e4testens seit dem PISA-Schock sind die  vermeintlichen oder tats\u00e4chlichen Defizite der Staatsschulen in den  Schlagzeilen. W\u00e4hrend sich um die \u00f6ffentlichen Schulen kontroverse  Diskussionen um Themen wie das sogenannte Turboabitur nach zw\u00f6lf Jahren,  die Zukunft der Hauptschule oder den Ausbau von Ganztagsschulen spinnt,  die bereits in mehrere Reformen in den Bundesl\u00e4ndern m\u00fcndeten, ist es  um die Waldorfschulen seltsam still.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Drachenformel<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Wie bereits ausgef\u00fchrt ist der wissenschaftliche  Anspruch der Anthroposophie nicht haltbar. Erstaunlicherweise beharren  die Anthroposophen dennoch darauf, Wissenschaft zu betreiben. Dahinter  steckt ebenso Methode, wie hinter der Praxis, das anthroposophische  Fundament und anthroposophische Inhalte der Waldorfschule zu  verschweigen.<\/p>\n<p align=\"left\">Ich habe mehrere Veranstaltungen und Infoabende in  Waldorfschulen besucht. Das Wort \u00e2\u20ac\u017eAnthroposophie\u00e2\u20ac\u0153 fiel dabei nie. In dem  was an Inhalten und Methoden vorgestellt wurde, war anthroposophisches  Gedankengut eindeutig erkennbar, allerdings gut versteckt hinter sch\u00f6nen  Vokabeln. Die \u00e2\u20ac\u017eganzheitliche Sicht auf das Kind\u00e2\u20ac\u0153, wurde ebenso ins Feld  gef\u00fchrt, wie \u00e2\u20ac\u017edas Lernen mit Herz, Hand und Verstand.\u00e2\u20ac\u0153 Auf direkte  Nachfrage, ob der Unterricht anthroposophisch gepr\u00e4gt sei, erhielt ich  die ausweichende Antwort, dass Anthroposophie nicht gelehrt w\u00fcrde, also  kein Unterrichtsfach sei. Auch viele Waldorfeltern kennen nach meiner  Beobachtung den (noch n\u00e4her zu erl\u00e4uternden) Zusammenhang zwischen  Waldorfp\u00e4dagogik und Anthroposophie nicht.<\/p>\n<p align=\"left\">Aufschluss \u00fcber dieses Versteckspiel gibt die Biografie  ihres Begr\u00fcnders. Rudolf Steiner will von einem nicht namentlich  genannten Lehrmeister in die Geheimwissenschaften eingeweiht worden  sein. Dabei will er Anweisungen erhalten haben, wie mit den  Naturwissenschaften und Vorbehalten der \u00d6ffentlichkeit umzugehen sei:<\/p>\n<p align=\"left\">\u00e2\u20ac\u017eWie sollte er den Drachen der modernen  Naturwissenschaften z\u00e4hmen und ihn vor das Gef\u00e4hrt der Geist-Erkenntnis  spannen? Und vor allem, wie sollte er den Stier der \u00f6ffentlichen Meinung  besiegen? Auf die Fragen seines Sch\u00fclers antwortete der \u00e2\u20ac\u0161Meister\u00e2\u20ac\u02dc dem  Sinne nach: Wenn du den Feind besiegen willst, so beginne damit, da\u00df Du  ihn zuerst begreifst. Du wirst nur dann Sieger \u00fcber den Drachen werden,  wenn Du in seine Haut schl\u00fcpfst.\u00e2\u20ac\u0153 (Hemleben, zitiert nach Prange 2000,  S. 51)<\/p>\n<p align=\"left\">Besser kann man Steiners Strategie kaum beschreiben.  Dies erkl\u00e4rt auch die inhaltlichen Differenzen, die sich zwischen  \u00f6ffentlichen und internen, an seine Anh\u00e4nger gerichteten, Reden und  Schriften zeigen. In der \u00d6ffentlichkeit gab Steiner den exakten  Wissenschaftler, blieb dabei aber meist unkonkret und oberfl\u00e4chlich.  Intern lie\u00df er sich kultisch verehren, gab sich als Universalgenie und  f\u00fchrte seine Ideen sehr viel detaillierter aus. (vgl. Prange 2000, S.  51f)<\/p>\n<p align=\"left\">Trotz \u00e2\u20ac\u201c oder gerade wegen \u00e2\u20ac\u201c dieses Versteckspiels  stellen sich einige Fragen: Ist die Waldorfschule ohne Anthroposophie  \u00fcberhaupt denkbar? Hat sich die Waldorfp\u00e4dagogik ein St\u00fcck von ihrem  Ursprung emanzipiert? Im Folgenden versuche ich zu zeigen, welche  anthroposophischen Vorstellungen sich heute in Waldorfschulen finden  lassen:<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Karma<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Zur Anthroposophie geh\u00f6rt die Vorstellung von  Reinkarnation und Karma. Das Karma eines jeden Menschen ist durch  vorhergegangene Inkarnationen positiv oder negativ gepr\u00e4gt. Psychische  oder physische St\u00f6rungen lassen sich aus der Perspektive der  anthroposophischen Menschenerkenntnis karmisch erkl\u00e4ren. So stellt  Steiner die Frage nach dem Grund f\u00fcr Friedrich Schillers schlechte  Gesundheit und seine h\u00e4ufigen Krampfanf\u00e4lle, um gleich selbst eine  Antwort zu geben:<\/p>\n<p align=\"left\"><em>\u00e2\u20ac\u017eWas liegt karmisch bei einem Menschen aus fr\u00fcheren  Erdenleben vor, der in dieser Weise an Kr\u00e4mpfen leiden mu\u00df? \u00e2\u20ac\u201c Kr\u00e4mpfe  sind, wenn sie ins menschliche Leben eingreifen, ungemein hinweisend auf  das menschliche Karma. Wenn man vom geisteswissenschaftlichen  Standpunkte aus mit ernster, verantwortlicher wissenschaftlicher  Untersuchung an Krampferscheinungen herangeht, so findet man immer, da  liegt beim Menschen ein bestimmtes Karma vor, Ergebnisse von Taten,  Gedanken und Gef\u00fchlen fr\u00fcherer Erdenleben\u00e2\u20ac\u0153[vii]<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Nicht etwa eine der zahlreichen schweren Erkrankungen  Schillers, wie Tuberkulose oder eine nicht auskurierte  Rippenfellentz\u00fcndung, sind also f\u00fcr das Leiden des Dichters  verantwortlich, sondern schlechtes Karma, das Steiner auch \u00fcber hundert  Jahre nach Schillers Tod noch diagnostizieren zu k\u00f6nnen vorgibt.<\/p>\n<p align=\"left\">F\u00fcr den anthroposophischen Erzieher ergeben sich aus  dieser steinerschen Erkenntnis weitreichende Konsequenzen. Er ist  gefordert, das Karma der ihm anvertrauten Sch\u00fcler zu erkennen und  richtig zu deuten, um ihren Lebensweg entlang ihrer karmischen  Bestimmung zu f\u00fchren und zu beeinflussen. Arbeitet man gegen das Karma  des Kindes, so kann dies zu schweren Krankheiten, bis hin zum Tod f\u00fchren  und sogar dar\u00fcber hinaus das n\u00e4chste Leben karmisch belasten. Steiner  glaubt also, Einfluss auf das karmische Schicksal zu haben. Darin liegt  ein gro\u00dfer Unterschied zur indischen Karmalehre der Hindus, die bestrebt  sind, den Dingen ihren Lauf zu lassen.<\/p>\n<p align=\"left\">Steiner gibt 1924 in einem p\u00e4dagogischen Kurs ein Beispiel f\u00fcr die praktische Anwendung der Karmalehre:<\/p>\n<p align=\"left\"><em>\u00e2\u20ac\u017eEin Kind, das mit den Fersen auf den Boden  auftritt, zeigt in dieser kleinen Eigenschaft des k\u00f6rperlichen  Sichoffenbarens, da\u00df es fest im Leben drinnen steckte in seiner  vorhergehenden Inkarnation, da\u00df es sich f\u00fcr alles interessierte im  vorhergehenden Erdenleben. Man wird daher bei einem solchen Kinde darauf  sehen m\u00fcssen, da\u00df man wom\u00f6glich die Dinge aus dem Kinde herausholt,  denn es steckt viel drinnen in Kindern, die mit der Ferse stark  auftreten. Dagegen Kinder, die trippeln, mit der Ferse kaum auftreten,  die haben in fl\u00fcchtiger Weise das vorherige Erdenleben vollbracht. Man  wird sehen m\u00fcssen, da\u00df man viel in ihrer N\u00e4he macht, damit sie eben auch  viel nachmachen k\u00f6nnen.\u00e2\u20ac\u0153<\/em> (Steiner GA 311, S.29, zitiert nach Zander, 2007)<\/p>\n<p align=\"left\">F\u00fcr Zander (2007) ergibt sich durch das Konzept des  Karmas in der Waldorfp\u00e4dagogik eine Bandbreite von Problemen, wie er in  seinem monumentalen, 1800 Seiten umfassenden, wissenschaftlichen  Standardwerk \u00e2\u20ac\u017eAnthroposophie in Deutschland\u00e2\u20ac\u0153 beschreibt. Es besteht die  Gefahr, dass das beim Sch\u00fcler erkannte Karma zu einer selbsterf\u00fcllenden  Prophezeiung (engl.\u00a0<em>self-fulfilling prophecy<\/em>) wird. Wieweit dem  selbstbestimmten Karma gegengesteuert werden darf, bleibt offen. Die  Zuschreibung von Karma unterminiert den Einfluss von gesellschaftlichen  und biologischen Faktoren der Erziehung. Dar\u00fcber hinaus entsteht eine  Spannung zwischen individuellem Karma und dem jahrgangsweise  festgelegten verbindlichen Lehrplan. (vgl. Zander 2007, S. 1408)<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Kulturstufen<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Der Lehrplan der Waldorfschulen ist stark gepr\u00e4gt von  Steiners Theorie der Kulturstufen. Der Mensch vollzieht in seiner  Entwicklung die Entwicklungsgeschichte der Menschheit nach. Bei Grosse  liest sich das so:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eIm zehnten Jahre ist das Kind ,Germane\u00e2\u20ac\u02dc, dann  ,Grieche\u00e2\u20ac\u02dc; dann absolviert es die Wanderung vom Osten bis ans Mittelmeer  und wird als Zw\u00f6lfj\u00e4hriges ein R\u00f6mer, im dreizehnten Jahr ein Ritter  und Klosterbruder, ein Columbus, der Amerika entdeckt, und zieht als  Vierzehnj\u00e4hriger mit Napoleon nach Russland und ist mit der  Geschlechtsreife in seiner Gegenwart angekommen\u00e2\u20ac\u0153<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Aus dieser, f\u00fcr Au\u00dfenstehende willk\u00fcrlichen Zuordnung  von historischen Epochen zu Altersstufen der Kinder, folgt die  curriculare Einteilung von Unterrichtsinhalten in Abstimmung mit der  Entwicklungsstufe des Kindes (s. Anthroposophische  Entwicklungspsychologie). Steiner selbst hat zahlreiche Korrelationen  festgelegt.\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eSo hat er M\u00e4rchen und Sagen den unteren Klassen und  animistisches Denken dem Alter bis zur vierten Klasse zugeordnet (GA  300a, 100f.), f\u00fcr ihn war klar, da\u00df ,vor dem 10., 11. Jahr\u00e2\u20ac\u00a6  selbstverst\u00e4ndlich die Geschichte nur in Form der Erz\u00e4hlung, des  Biographischen getrieben werde\u00e2\u20ac\u02dc (GA 301, 133), das Nibelungenlied in die  zehnte Klasse geh\u00f6re (GA 300b,23)(\u00e2\u20ac\u00a6)\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(Zander, 2007, S. 1410), und so weiter.<\/p>\n<p align=\"left\">Nicht unerw\u00e4hnt bleiben sollte an dieser Stelle, dass  Steiner davon ausgeht, dass die Menschheit ihren Ursprung in Atlantis  hat. Die Atlantier waren demnach eine hochentwickelte Rasse, mit  unvorstellbaren geistigen und technischen F\u00e4higkeiten. Er berichtet von  schwebenden Fahrzeugen, in denen die Atlantier schwebten und davon, dass  man die Lebensenergie der Pflanzen in technisch verwertbare Energie  umsetzen konnte. (vgl. Zander, 2007, S. 642) Wenn man dem Verband der  Freien Waldorfschulen folgt, soll die Lehre von Atlantis nicht mehr  Unterrichtsinhalt sein, andererseits musste ein SWR-Fernsehteam an einer  Stuttgarter Waldorfschule anscheinend nicht lange suchen, um die  Atlantislehre in einem Epochenheft zu finden.[viii]<\/p>\n<p align=\"left\">Steiner war stark beeinflusst von der noch recht neuen  Evolutionstheorie Darwins. Er teilte auch einige der damals popul\u00e4ren  sozialdarwinistischen Positionen, z.B. Haeckels, ohne jedoch eugenische  Anteile in seine Lehre zu \u00fcbernehmen. Aus heutiger Sicht war Steiner  ganz klar ein Rassist. Er ordnet die Rassen in eine  Fortschrittsgeschichte, nach der die schwarzen Afrikaner eine  \u00e2\u20ac\u017edegenerierte\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017ezur\u00fcckgebliebene\u00e2\u20ac\u0153 Rasse darstellten. Auch Indianer sind  eine \u00e2\u20ac\u017edegenerierte Menschenrasse\u00e2\u20ac\u0153 im \u00e2\u20ac\u017eHinsterben\u00e2\u20ac\u0153. (vgl. Zander, 2007,  S. 631) Bis heute versucht man von anthroposophischer Seite, dieses  Thema, z.B. durch sp\u00e4tere humanistische \u00c4u\u00dferungen zu relativieren.[ix] Steiner  hat seine Rassentheorie jedoch nie widerrufen; einzelne Schriften sind  vor einigen Jahren der Indizierung durch die Bundespr\u00fcfstelle nur  dadurch entgangen, dass der Verlag der Steinerschriften sich  verpflichtete, diese durch eine entsprechend kommentierte Neuauflage zu  ersetzen.[x] Man kann nur hoffen, dass sich Steiners Rassenlehre heute nicht mehr an Waldorfschulen wiederfindet.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Temperamentenlehre<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Steiner integriert in sein p\u00e4dagogisches Konzept die  1903 entwickelte Lehre der vier Temperamente: Choleriker, Melancholiker,  Phlegmatiker und Sanguiniker. Jeder Mensch, so glaubt er, hat ein  dominantes Temperament und nachgeordnete Anteile der anderen  Temperamente. Jedem Temperament werden Charaktereigenschaften  zugeordnet. So ist der Choleriker leicht reizbar und nach Steiner vom  Ich-Leib beherrscht. Dadurch ist der Choleriker sehr selbstbewusst.  (vgl. Kayser\/Wagemann, 1991, S. 15) Steiner dazu weiter:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eDie  S\u00e4uglinge mit ihrem Zappeln \u00e2\u20ac\u201c gerade wenn sie gesund sind zappeln sie  viel \u00e2\u20ac\u201c sind alle cholerisch. Das cholerische Kind aber beh\u00e4lt etwas  zur\u00fcck vom Toben und W\u00fcten des ganz kleinen Kindes. Dadurch lebt in dem  cholerischen Kinde, dem acht-, neunj\u00e4hrigen Knaben oder M\u00e4dchen, drinnen  immer noch der kleine S\u00e4ugling weiter. Dadurch ist dieses Kind  cholerisch, und man muss versuchen, dieses cholerische Kind dadurch zu  behandeln, dass man das \u00e2\u20ac\u017ekleine Kind\u00e2\u20ac\u0153, das darinnen ist, allm\u00e4hlich zur  Abl\u00e4hmung bringt.\u00e2\u20ac\u0153<\/em> (Steiner, TB604, S. 121)<\/p>\n<p align=\"left\">Die Temperamentenlehre hat bis heute Einfluss auf die  Zusammensetzung von Waldorfklassen. Klassenlehrer sind dazu angehalten,  bei der Auswahl der Kinder ihrer Klasse auf die Temperamente zu achten,  sodass sich die \u00e2\u20ac\u017eSchicksalsgemeinschaft\u00e2\u20ac\u0153, wie Steiner sie nennt,  entwickeln kann. (s. Klassenlehrer) Auch eine festgelegte Sitzordnung,  die die Temperamente der Kinder ber\u00fccksichtigt, ist vorgesehen. (vgl.  Zander, 2008, S. 1409)<\/p>\n<p align=\"left\">Die Temperamentenlehre geht auf die Viers\u00e4ftelehre  (Humoralpathologie) nach Hippokrates zur\u00fcck und ist rund 2500 Jahre alt.  Vermutlich \u00fcbernahm Steiner diese Lehre aber aus seinem unmittelbaren  zeitlichen Umfeld. In der P\u00e4dagogik und in der Psychologie gilt die sehr  starre Temperamentenlehre im Grunde schon seit ihrer Formulierung durch  Steiner als \u00fcberholt. (Zander, a.a.O.)<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Anthroposophische Entwicklungspsychologie \u00e2\u20ac\u201c Lehre von den K\u00f6rperh\u00fcllen<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Werden die Kinder nach der Waldorfp\u00e4dagogik durch die  Temperamentenlehre gewisserma\u00dfen horizontal kategorisiert, so erfolgt  durch die Lehre von den K\u00f6rperh\u00fcllen eine vertikale Kategorisierung.<\/p>\n<p align=\"left\">Steiner verkn\u00fcpfte sein p\u00e4dagogisches Konzept mit seiner  \u00e4lteren, theosophischen Anthropologie der K\u00f6rperh\u00fcllen. Diese H\u00fcllen  umgeben die \u00e2\u20ac\u017eWesensglieder\u00e2\u20ac\u0153 des Menschen. Die Fragestellungen die aus  p\u00e4dagogischer Sicht hinter diesem Konstrukt der K\u00f6rperh\u00fcllen stecken  sind dieselben, wie die klassischen Fragestellungen der  Entwicklungspsychologie: Was kann ein Kind zu welchem Zeitpunkt und was  nicht? Welcher Entwicklungsschritt bedingt den n\u00e4chsten?<\/p>\n<p align=\"left\">In der Anthroposophie wird meist die siebenteilige (manchmal auch eine neunteilige) H\u00fcllenanthropologie angewendet:<\/p>\n<p align=\"left\"><em>\u00e2\u20ac\u017e1. Physischer Leib<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em> 2. Lebensleib [gleich \u00c4therleib]<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em> 3. Astralleib<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em> 4. Ich als Seelenkern<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em> 5. Geistselbst als verwandelter Astralleib<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em> 6. Lebensgeist als verwandelter Lebensleib<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em> 7. Geistesmensch als verwandelter physischer Leib\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(Steiner, zitiert nach Zander, 2007, S. 573)<\/p>\n<p align=\"left\">Nach der Geburt ist jedoch erst der physische Leib  geboren, die h\u00f6heren Wesensglieder sind noch von H\u00fcllen umgeben, die  nach und nach abgestreift werden. Diese Abstreifung geschieht in  Jahrsiebten. Bis zum siebten Lebensjahr ist der Mensch blo\u00df \u00e2\u20ac\u017ePhysischer  Leib\u00e2\u20ac\u0153, bis ab dem siebten Lebensjahr, genauer: nach dem Zahnwechsel, der  \u00e2\u20ac\u017e\u00c4therleib\u00e2\u20ac\u0153 geboren wird. Mit vierzehn Jahren kommt der \u00e2\u20ac\u017eAstralleib\u00e2\u20ac\u0153  zur Welt und mit einundzwanzig das \u00e2\u20ac\u017eIch\u00e2\u20ac\u0153. Die drei h\u00f6chsten Stufen  entwickeln sich (auch in Siebenjahresschritten) durch die Vergeistigung  des Menschen. Jedenfalls sofern er sich denn den geistigen Welten  zuwendet, andernfalls verk\u00fcmmern sie.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Fokus der Waldorfp\u00e4dagogik liegt folglich auf den  ersten drei H\u00fcllen, die ich im Folgenden n\u00e4her beschreibe, denn die  Geburt des \u00e2\u20ac\u017eIch als Seelenkern\u00e2\u20ac\u0153 erfolgt erst mit 21 Jahren und damit  nach dem Ende der Schulzeit. Die Unterrichtsinhalte und die didaktische  Darreichungsform h\u00e4ngen stark von den Eigenschaften ab, die Steiner den  einzelnen Wesensgliedern zuschreibt.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>1. Physischer Leib (0-7 Jahre):<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">W\u00e4hrend des ersten Jahrsiebts, also w\u00e4hrend der gesamten  Kindergartenzeit bis zum ersten Schuljahr, ist der Mensch in erster  Linie von seiner K\u00f6rperh\u00fclle umgeben. In dieser Zeit ahmt das Kind nach,  was es in seiner Umwelt vorfindet. Was noch nicht angelegt ist, soll  mit Fantasie erg\u00e4nzt werden \u00e2\u20ac\u201c deshalb haben anthroposophische Puppen  auch keine aufgemalten Gesichter. Bei den seelenlosen Fabrikpuppen wird  die Fantasie dementsprechend nicht angeregt, was der kindlichen  Entwicklung schadet.<\/p>\n<p align=\"left\">Eltern und ErzieherInnen sollten ein gutes Vorbild sein.  Dem wird niemand widersprechen wollen. Steiner meint jedoch, dass nicht  nur tats\u00e4chliche Handlungen, sondern auch Gedanken auf das Kind wirken.  Man soll im Umgang also nicht nur vorbildlich handeln, sondern auch  vorbildlich denken. Besonders schlechte, z.B. unz\u00fcchtige Gedanken k\u00f6nnen  der Gesundheit des Kindes laut Steiner schweren Schaden zuf\u00fcgen. Haben  also Vater, oder Mutter (oder im schlimmsten Fall beide), Lust auf Sex,  so reicht dies, um seinen Kindern Schaden zuzuf\u00fcgen \u00e2\u20ac\u201c Eltern m\u00f6gen sich  an dieser Stelle bitte kritisch selbst \u00fcberpr\u00fcfen. (vgl. Giese, 2008,  S.65f)<\/p>\n<p align=\"left\">Steiner glaubt, dass Kinder in diesem Alter noch keine  bildliche Vorstellungskraft besitzen und nicht f\u00fchlen k\u00f6nnen, denn dies  sind die Eigenschaften des \u00c4therleibs, der noch nicht geboren ist:<\/p>\n<p align=\"left\">\u00e2\u20ac\u017eBis zum Zahnwechsel k\u00f6nnen Eindr\u00fccke, die an den  \u00c4therleib kommen sollen, diesen ebenso wenig erreichen, wie das Licht  und die Luft der physischen Welt den physischen Leib erreichen k\u00f6nnen,  solange dieser im Scho\u00dfe der Mutter ruht.\u00e2\u20ac\u0153 (Steiner, zitiert nach  Prange, 2000, S.91)<\/p>\n<p align=\"left\">Ohne bildliche Vorstellung kann man aber schlecht Lesen  und Schreiben lernen. Deshalb wird Lesen und Schreiben an Waldorfschulen  fr\u00fchestens zum Ende der ersten Klasse, h\u00e4ufig auch erst in der zweiten  Klasse, gelehrt. Stattdessen \u00fcbt man mit den Kindern Formenzeichnen, um  die Motorik der Hand zu schulen. Es ist jedoch l\u00e4ngst keine Ausnahme,  dass Kinder mit Eintritt in die Grundschule, aller anthroposophischer  Entwicklungspsychologie zum Trotz, bereits Lesen und Schreiben k\u00f6nnen.  Kritiker bem\u00e4ngeln auch, dass man leistungsstarke Kinder im  Schuleintrittsalter an Waldorfschulen systematisch unterfordert.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>2. \u00c4therleib (7-14 Jahre)<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Der \u00c4therleib wird mit ungef\u00e4hr sieben Jahren, nach dem  Zahnwechsel geboren und in den folgenden Jahren ausgebildet. Mit den  Z\u00e4hnen beginnen beim Kind die \u00e2\u20ac\u017eBildekr\u00e4fte\u00e2\u20ac\u0153 zu wirken. Das Kind ist in  diesem Alter nach anthroposophischer Vorstellung noch nicht in der Lage,  begrifflich zu denken. Stattdessen soll der Lehrer oder die Lehrerin  durch Bilder und geistige Vorstellung wirken. (vgl. Giese, 2008, S. 65)  So plausibel es klingt, dass das Lernen, gerade in den unteren  Klassenstufen, vor allem anschaulich sein sollte, so abwegig erscheint  es, Kindern die F\u00e4higkeit abzusprechen, Sachverhalte kognitiv zu  verstehen.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Naturwissenschaften kommen daher in Waldorfschulen  bis zur neunten Klasse praktisch nicht vor. Zwar stehen auch Chemie und  Physik ab der 7., bzw. 8. Klasse auf dem Lehrplan, sie sollen aber  anfangs eher Erlebnischarakter haben, d.h. Experimente werden (durch den  Lehrer) durchgef\u00fchrt, die naturwissenschaftlichen Hintergr\u00fcnde aber  nicht gelehrt. Naturwissenschaften sind so reiner Anschauungsunterricht.  Anstatt den Kindern beispielsweise etwas \u00fcber den Aufbau von Pflanzen  beizubringen, liegt der Fokus eher darauf, sich Pflanzen anzusehen um  diese sch\u00f6n zu finden, sie vielleicht zu zeichnen, oder Geschichten \u00fcber  Pflanzen zu h\u00f6ren. Nichts gegen Geschichten, oder den k\u00fcnstlerischen  Umgang mit der belebten Natur, dies sind sicherlich wichtige  Unterrichtsinhalte, die sich auch an Staatsschulen finden. Aber die  naturwissenschaftliche Perspektive kommt deutlich zu kurz.<\/p>\n<p align=\"left\">Gro\u00dfen Wert legt Steiner in dieser Lebensphase auf die unbedingte Autorit\u00e4t des Klassenlehrers:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eDer  \u00c4therleib gewinnt seine Kraft, wenn seine geregelte Phantasie sich  richten kann nach dem, was sie sich an den lebenden oder dem Geiste  vermittelten Bildern und Gleichnissen entr\u00e4tseln und zu seiner  Richtschnur nehmen kann. (\u00e2\u20ac\u00a6) Wie f\u00fcr die ersten Kinderjahre Nachahmung  und Vorbild die Zauberworte der Erziehung sind, so sind es f\u00fcr die jetzt  in Rede stehenden Jahre: Nachfolge und Autorit\u00e4t.\u00e2\u20ac\u0153<\/em> <em>(Steiner, zitiert nach Prange, 2000, S. 92)<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Hier geht es um unbedingten Gehorsam und Identifikation  mit dem Lehrer. Die Entwicklung der eigenen Urteilskraft, wie sie  beispielsweise ein Kernanliegen der neueren Sachunterrichtsdidaktik ist  (vgl. Kahlert, 2009), ist nicht vorgesehen, stattdessen sollen die  Sch\u00fcler manipuliert werden: \u00e2\u20ac\u017e<em>Es handelt sich nicht darum, da\u00df das  Kind \u00fcber alles sofort ein Urteil bildet, sondern da\u00df es zwischen dem 7.  und 15. Jahre das, was es aufnehmen soll, aufnimmt aus Liebe, aus  Autorit\u00e4t zum Erzieher.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(Steiner, zitiert nach Prange, 2000, S. 127)<\/p>\n<p align=\"left\">Anthroposophen meinen auch, von den Z\u00e4hnen auf die  Bildekr\u00e4fte schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Der Anthroposoph und Waldorfp\u00e4dagoge  Grosse sagt: \u00e2\u20ac\u017eWas uns im Zahngebiet entgegen kommt, sind ganz  offensichtlich die \u00c4u\u00dferungen von Bildekr\u00e4ften ganz differenzierter  Natur; es l\u00e4sst sich daher von den Z\u00e4hnen auf die Bildekr\u00e4fte selbst  zur\u00fcckschlie\u00dfen.\u00e2\u20ac\u0153 (zitiert nach Prange, 2008, S. 94) Beispielsweise  schreibt Grosse \u00fcber einen leistungsschwachen Sch\u00fcler: \u00e2\u20ac\u017eDie Z\u00e4hne sind  gelblich-br\u00e4unlich, die Schneidez\u00e4hne schief gestellt und stark gezackt,  die Zahnbildung k\u00fcmmerlich, im Gaumenfeld des Oberkiefers sowie auf der  Innenseite des Unterkiefers wachsen au\u00dferhalb der Zahnb\u00f6gen einige  Z\u00e4hne in sich. Der kari\u00f6se Zustand ist schrecklich. Der Gesamteindruck  ist chaotisch, schw\u00e4chlich, der Aufbau fundamental gest\u00f6rt\u00e2\u20ac\u0153 (ebd.) Zwei  Sachverhalte werden nebeneinandergestellt, ein kausaler Zusammenhang  behauptet und das Ergebnis als Menschenkunde verkauft. Man gibt vor,  eine ganzheitliche Sicht auf das Kind zu haben, dabei operieren  anthroposophische Lehrer mit Projektionen, Zuschreibungen von  Charaktereigenschaften und Schicksalen, die sie aus geistigen Welten  ableiten, die niemandem au\u00dfer ihnen zug\u00e4nglich sind. Man verbindet also  willk\u00fcrlich physiognomische Gegebenheiten wie Z\u00e4hne und Zahnstand mit  Eigenschaften, wie z.\u00a0B. einem unterentwickelten r\u00e4umlichen  Vorstellungsverm\u00f6gen.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>3. Astralleib (14-21 Jahre)<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">So wie Steiner die Geburt des \u00c4therleibes an den  Zahnwechsel koppelt, h\u00e4ngt f\u00fcr ihn die Geburt des Astralleibes mit der  Geschlechtsreife zusammen. Erst jetzt darf der Waldorfunterricht  wissenschaftlichen Charakter haben. \u00e2\u20ac\u017eKulturkritik\u00e2\u20ac\u0153 ist aber laut Steiner  nicht statthaft. Man k\u00f6nnte auch von einem Verbot kritischen Denkens  sprechen, denn zur Kultur z\u00e4hlt alles vom Menschen geschaffene, wie  Wissenschaft, Kunst, Musik, P\u00e4dagogik, Politik, Wirtschaft, Technik,  gesellschaftliches Zusammenleben, usw. (vgl. Giese, 2008, S. 68)<\/p>\n<p align=\"left\">In diesen Vorstellungen \u00fcber kindliche  Entwicklungsstufen liegt der eigentliche Grund f\u00fcr die stark  musisch\/k\u00fcnstlerische Ausrichtung des Waldorfunterrichts, die h\u00e4ufig mit  der Waldorfp\u00e4dagogik assoziiert wird. Sie stellt den Versuch dar,  Verstand und Kritikf\u00e4higkeit der Kinder m\u00f6glichst wenig anzusprechen, um  ihnen in ihrer Entwicklung keinen Schaden zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p align=\"left\">Betrachtet man die Ausf\u00fchrungen bis hierher, so scheinen  die Fundamente der Waldorfp\u00e4dagogik auf Treibsand gebaut. Alle  grundlegenden anthroposophischen Konzepte sind wissenschaftlich  widerlegt, viele waren es schon bei ihrer Formulierung durch Steiner.  Wie ist das Lernen an Waldorfschulen nun konkret organisiert?<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Der Klassenlehrer als K\u00fcnstler, Priester und h\u00f6chste Autorit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Der Klassenlehrer hat an Waldorfschulen eine ungemein  m\u00e4chtige Rolle. Es ist seine Aufgabe, jeden einzelnen Sch\u00fcler, sein  Karma und sein kosmisches Schicksal zu erkennen um dann aus den  Einzelindividuen eine Schicksalsgemeinschaft zu formen. Dazu Prange:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eAls erstes gilt, dass der Lehrer nicht nur Sch\u00fcler\u00a0<strong>hat<\/strong><\/em><em>, sondern er\u00a0<strong>ist<\/strong><\/em><em> ihr  Schicksal, so wie zweitens das Schicksal ihm eben diese Kinder in die  Hand gegeben hat, damit beide eine Schicksals- und Werdegemeinschaft  bilden, indem sie aufeinander zugehen und zusammen wachsen. <\/em>(2000, S. 18)<\/p>\n<p align=\"left\">Der Klassenlehrer w\u00e4hlt sich also vor Beginn der ersten  Klasse seine Sch\u00fcler aus, bzw. nach anthroposophischer Lesart versucht  er zu erkennen, welche Sch\u00fcler ihm das Schicksal zugeteilt hat. Ein  wenig transparenter und f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht nachvollziehbarer  Vorgang. M\u00f6glich ist dies, weil sich die privaten Waldorfschulen ihre  Sch\u00fcler im Gegensatz zur staatlichen Schule aussuchen d\u00fcrfen. Jedenfalls  dann, wenn es mehr Anmeldungen als Schulpl\u00e4tze gibt, wenn nicht, hat  das Schicksal ohne den Klassenlehrer entschieden.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Sitzordnung wird vom Lehrer auf der Grundlage der  Temperamente (s.o.) festgelegt, der Unterricht findet vor allem frontal  statt, weil Steiner der Erz\u00e4hlung und der bildhaften Darstellung, die  h\u00e4ufig \u00fcber sehr aufwendige Tafelbilder erfolgt, als wesentliche  Unterrichtsmethoden vorsieht.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Klassengemeinschaft mit dem Klassenlehrer ist an  Waldorfschulen auf acht Jahre angelegt. In diesen acht Jahren sind die  Sch\u00fcler stark vom Klassenlehrer abh\u00e4ngig, seiner Autorit\u00e4t m\u00fcssen sie  sich unterordnen. Oft scheint dieses Prinzip auf der Beziehungsebene  auch gut zu funktionieren, wie viele Beispiele belegen. Funktioniert es  jedoch nicht, sind acht Jahre f\u00fcr einen Sch\u00fcler ein kaum zu  \u00fcberblickender Zeitraum.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Klassenlehrer unterrichtet w\u00e4hrend dieser acht Jahre  fast alle F\u00e4cher. Eine riesige Herausforderung f\u00fcr Waldorflehrer \u00e2\u20ac\u201c f\u00fcr  viele sicher auch eine \u00dcberforderung. W\u00e4hrend der Grundschulzeit ist das  auch in der Staatsschule \u00fcblich, in der Sekundarstufe hingegen kaum  vorstellbar. Es ist fraglich, ob ein Klassenlehrer an einer  Waldorfschule tats\u00e4chlich in der Lage sein kann, den Unterrichtsstoff  von Deutsch, \u00fcber Mathe und Sachkunde, bis hin zu den Gesellschafts- und  Naturwissenschaften (sofern diese bis Klasse 8 erteilt werden) zu  beherrschen. Zumal die Waldorfschulen als Gesamtschulen ja auch den  Anspruch haben, Sch\u00fcler auf das Abitur vorzubereiten.<\/p>\n<p align=\"left\">Erschwerend kommt f\u00fcr Lehrer wie Sch\u00fcler hinzu, dass es  an Waldorfschulen keine Lehrb\u00fccher gibt. (vgl. z.B. Giese, 2008, S. 85)  Alles was an das Kind herangetragen wird soll vom Lehrer kommen. Die  Sch\u00fcler legen so genannte Epochenhefte an, die zum Schuljahresende  abgegeben werden und idealerweise eine Art selbst erstelltes Lehrbuch  darstellen sollen. Der Verzicht auf B\u00fccher erh\u00f6ht die Verantwortung des  Lehrers. Er allein w\u00e4hlt den Stoff aus und ist gefragt, ihn seinen  Sch\u00fclern sachlich korrekt zu vermitteln \u00e2\u20ac\u201c eine Herkulesaufgabe.  Erziehungswissenschaftler bem\u00e4ngeln an diesem Verfahren auch, dass zu  viel Zeit durch blo\u00dfe Reproduktion von Tafelbildern u.\u00e4. verwendet wird.[xi]<\/p>\n<p align=\"left\">Die Machtf\u00fclle der Waldorflehrer ist auch deshalb  problematisch, weil die Grundlagen der p\u00e4dagogischen Entscheidungen  nicht \u00fcberpr\u00fcfbar sind. Karma ist nicht einklagbar. Deshalb trifft die  Aussage des bedeutenden Waldorflehrers Rudolf Grosse den Nagel auf den  Kopf:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eIm Staatsbetrieb mit seiner Methode des Lehrerwechsels, durch  das Fachlehrersystem an einer Klasse, ist wenig Platz f\u00fcr solche  Seelengesetze. Da gilt als K\u00f6nig das Pensum, das Klassenziel. Hier  herrscht die Vorschrift, ihr Diener ist der Lehrer. Die Kinder haben  sich nach der Schule zu richten.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(zitiert nach Prange, 2000, S. 149)<\/p>\n<p align=\"left\">So ist es in der Tat. Was Grosse als Kritik versteht,  offenbart eine gro\u00dfe Schw\u00e4che der Waldorfp\u00e4dagogik. Die von ihm  geschm\u00e4hten Vorschriften k\u00f6nnen politisch neu verhandelt werden. Die  Vorschriften sind das Ergebnis von solchen Verhandlungen und kommen  durch Kritik, wissenschaftliche Erkenntnisse, u.\u00e4. zustande. Jeder wei\u00df,  wonach er sich zu richten hat, auch der Lehrer. Ein schwerer Versto\u00df  gegen die Vorschriften ist einklagbar. In der Waldorfp\u00e4dagogik ist der  Lehrer die h\u00f6chste Instanz (s. Schule ohne Schulleitung). Prange  hierzu:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eIn der Waldorfschule herrscht der Lehrer; er ist der K\u00f6nig,  absoluter Monarch und an keine Konstitution gebunden au\u00dfer seiner  Wesenserkenntnis, gegen die es keine Appellation und keine Berufung  gibt.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(2000, S. 149)<\/p>\n<p align=\"left\">F\u00fcr Steiner ist der Lehrer sogar eine Art Hohepriester:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eDer  Erzieherberuf [werde sich] umwandeln lassen \u00e2\u20ac\u00a6 zum ganz wahrhaften  Priesterberuf\u00e2\u20ac\u0153 (GA 310, 36f). \u00e2\u20ac\u017eDem irdischen Leben haben wir zu  \u00fcbergeben, was aus den g\u00f6ttlich-geistigen Welten uns zugekommen ist in  dem Kinde. \u00e2\u20ac\u00a6 Wenn wir diese Verh\u00e4ltnisse bedenken, dann erwacht in uns  der etwas wie das priesterliche Erziehergef\u00fchlt.\u00e2\u20ac\u0153 (GA 308, 31) Die  Lehrer haben \u00e2\u20ac\u017edie g\u00f6ttlichen Pl\u00e4ne mit der Welt zu verwirklichen\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017edie  Intentionen der G\u00f6tter aus[zu]f\u00fchren.\u00e2\u20ac\u0153 (GA 298,28) <\/em>(Steiner, zitiert nach Zander 2007, S.1418)<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Schule ohne Schulleitung<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Waldorfschulen kommen ohne Schulleitung aus. Die Schulen  werden durch das Kollegium als Ganzes gef\u00fchrt. Die Entscheidungsfindung  erfolgt jedoch nicht demokratisch durch Abstimmung, sondern durch das  \u00e2\u20ac\u017eEinm\u00fctigkeitsprinzip\u00e2\u20ac\u0153. Eine Entscheidung gilt dann als einm\u00fctig  getroffen, wenn niemand im Kollegium widerspricht. Andersherum hat jeder  eine Art Vetorecht. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieses  Verfahren leicht zu Spannungen im Kollegium f\u00fchren kann. Cornelia Giese  berichtet sogar davon, dass nichtanthroposophische Lehrkr\u00e4fte nicht an  so genannten \u00e2\u20ac\u017eInternen Konferenzen\u00e2\u20ac\u0153, die die wesentlichen Dinge der  Schule besprechen, teilnehmen d\u00fcrfen. (2008, S. 112) Ob dies an  Waldorfschulen \u00fcbliche Praxis ist, ist mir nicht bekannt.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Zeugnis und Beurteilung<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">F\u00fcr manche Eltern erscheint es sehr attraktiv, dass die  Waldorfschulen auf Noten verzichten. Damit ist auch verbunden, dass die  Waldorfschule kein Sitzenbleiben kennt \u00e2\u20ac\u201c letztlich folgt dies auch aus  der starren Entwicklungslehre und der Vorstellung der Klasse als  Schicksalsgemeinschaft.<\/p>\n<p align=\"left\">Statt Noten gibt es Textzeugnisse, die sich in einen  objektive und einen subjektiven Teil gliedern und mit einem  Zeugnisspruch enden, der auswendig gelernt und zu allerlei Anl\u00e4ssen vor  der Klasse oder der ganzen Schule rezitiert wird, wie z.B.:<\/p>\n<p align=\"left\">\u00e2\u20ac\u017eArbeit zur rechten Zeit, zur rechten Zeit Spiel,<\/p>\n<p align=\"left\">Schaffen und Lauschen f\u00fchrt uns zum Ziel.\u00e2\u20ac\u0153 (zitiert nach Prange, 2000, S. 150)<\/p>\n<p align=\"left\">Die Sch\u00fcler sollen in den Zeugnissen umfangreich  charakterisiert werden. Die Beurteilung geht also weit \u00fcber ein  Notenzeugnis hinaus. Die Charakterisierung erfolgt\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eprojektiv entlang dem anthroposophischen Verst\u00e4ndnis von Wille, Verstand und Gef\u00fchl.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(ebd.)<\/p>\n<p align=\"left\">Da hat man \u00e2\u20ac\u017efreudig teilgenommen\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017egeht gut mit\u00e2\u20ac\u0153, oder  hat das \u00e2\u20ac\u017eGebotene innerlich aufgenommen\u00e2\u20ac\u0153. (vgl. Prange, 2000, S. 151f)  Der Lehrer kann auch seinen Unmut zum Ausdruck bringen.\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eSo vermerkt  das Zeugnis eines aufm\u00fcpfig-kritischen Jungen in der 9. Klasse f\u00fcr das  Fach Geschichte, es mangele ihm ,an kraftvollem Arbeitseinsatz, die  h\u00e4uslichen Aufgaben zu verrichten\u00e2\u20ac\u02dc und den ,Darbietungen mit ungeteilter  Aufmerksamkeit zu folgen.\u00e2\u20ac\u02dc\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(ebd.) Ein Jahr sp\u00e4ter ist Besserung zu erkennen, der Musiklehrer atmet auf:\u00a0<em>Er  hat mit der Zeit immerhin so viel Achtung vor der Musik Beethovens  entwickelt, da\u00df er die grobianistischen St\u00f6rungen unterlassen konnte.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(ebd.)<\/p>\n<p align=\"left\">Auch an Staatsschulen gibt es, teilweise bis zur vierten  Klasse, Textzeugnisse. Diese bedienen sich jedoch allgemeiner  Formulierungen und sind fachbezogen. Moralische Wertung oder  Charakterbeschreibung geh\u00f6rt nicht in ein Staatsschulzeugnis.<\/p>\n<p align=\"left\">Prange urteilt vernichtend \u00fcber die Zeugnispraxis an Waldorfschulen:\u00a0<em>\u00e2\u20ac\u017eBewertet  wird die Gesinnung, nicht das, was als Ergebnis fassbar und in Grenzen  menschlicher Irrtumsm\u00f6glichkeiten aussagbar ist. Die Zeugnisse der  Waldorfschule sind das Paradest\u00fcck der Gesinnungsp\u00e4dagogik, gegr\u00fcndet  auf der Zuversicht, der Lehrer k\u00f6nne mit dem sicheren Blick eines  kleinen Gottes die innere Einstellung, die Motive und Zukunftsaspekte  des Lernenden erfassen.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em>(2000, S. 152)<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Waldorflehrerausbildung<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Das Grundgesetz fordert von Privatschulen, dass \u00e2\u20ac\u017ediese  in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkr\u00e4fte nicht hinter den  \u00f6ffentlichen Schulen zur\u00fcckstehen.\u00e2\u20ac\u0153 (Art 7, GG)<\/p>\n<p align=\"left\">Da erstaunt es schon, dass man ein Waldorfdiplom im  Fernstudium erlangen kann und man keine Universit\u00e4t betreten muss, um  Waldorflehrer zu werden. Die Inhalte der \u00e2\u20ac\u017eStudieng\u00e4nge\u00e2\u20ac\u0153 an  Waldorfseminaren unterscheiden sich voneinander. Eine starke  anthroposophische Ausrichtung ist ihnen jedoch gemein.<\/p>\n<p align=\"left\">Exemplarisch m\u00f6chte ich aus der Inhalts\u00fcbersicht des  Grundstudiums des Waldorfinstituts \u00e2\u20ac\u017eFernstudium Waldorfp\u00e4dagogik\u00e2\u20ac\u0153 in  Jena zitieren:[xii]<\/p>\n<figure id=\"attachment_21514\" aria-describedby=\"caption-attachment-21514\" style=\"width: 464px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/waldorf-fernstudium-purpur.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21514 \" title=\"waldorf-fernstudium-purpur\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/waldorf-fernstudium-purpur.jpg\" alt=\"Aus dem Inhalt des Grundstudiums am Institut \u00e2\u20ac\u017eFernstudium Waldorfp\u00e4dagogik\u00e2\u20ac\u0153, Jena\" width=\"464\" height=\"680\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/waldorf-fernstudium-purpur.jpg 580w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/waldorf-fernstudium-purpur-204x300.jpg 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 464px) 85vw, 464px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21514\" class=\"wp-caption-text\">Aus dem Inhalt des Grundstudiums am Institut \u00e2\u20ac\u017eFernstudium Waldorfp\u00e4dagogik\u00e2\u20ac\u0153, Jena<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Studium besteht nahezu ausschlie\u00dflich aus Anthroposophie. Neuere  Erkenntnisse der Lern- und Entwicklungspsychologie bleiben au\u00dfen vor.  Steiners Geschichtsbild, beginnend bei Atlantis, ersetzt die  geschichtswissenschaftlich orientierte Fachdidaktik der staatlichen  Lehrerausbildung. Das naturwissenschaftliche Denken wird diskreditiert.  Daf\u00fcr erf\u00e4hrt der angehende Waldorfp\u00e4dagoge, was es mit Engeln,  Elementarwesen und D\u00e4monen auf sich hat.<\/p>\n<p align=\"left\">Von einer gleichwertigen Ausbildung, wie sie das  Grundgesetz fordert, kann \u00fcberhaupt keine Rede sein. Der Pr\u00e4sident des  Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, h\u00e4lt die Waldorflehrerausbildung  f\u00fcr \u00e2\u20ac\u017eh\u00f6chst fragw\u00fcrdig\u00e2\u20ac\u0153. Er zitiert aus mehreren Abschlussarbeiten, die  an der Freien Hochschule Stuttgart angenommen wurden und analog zu  Examensarbeiten in der staatlichen Lehrerausbildung zu sehen sind; z.B.:<\/p>\n<p align=\"left\">\u00e2\u20ac\u017eIm Mai 2005 wurde (\u00e2\u20ac\u00a6) Stuttgart beispielsweise eine Arbeit zum Thema\u00a0<em>Der Konjunktiv in der Sprachlehreepoche der 6. Klasse<\/em> angenommen,  die unter anderem von einem Vortrag Steiners vom 6. Februar 1923  ausgeht. Danach wird ein Kind das sich mit Grammatik, mit Indikativ oder  Konjunktiv besch\u00e4ftige, in die Lage versetzt,\u00a0<em>dass es dazu sein ganzes Fr\u00fchst\u00fcck, von der Seele unbeeinflusst, in seinem Organismus kochen l\u00e4sst<\/em>. Und:\u00a0<em>Die Ged\u00e4rmkrankheiten kommen sehr h\u00e4ufig von dem Unterricht in Grammatik.<\/em> Die \u00e2\u20ac\u0161Diplomandin\u00e2\u20ac\u02dc hat auch entdeckt,\u00a0<em>dass die sprachliche Umsetzung und das Begreifen des Modus eng an das Gleichgewichtssystem gebunden ist<\/em>\u00e2\u20ac\u0153[xiii] Kraus  kommt zu dem Schluss: \u00e2\u20ac\u017eMit Wissenschaft und wissenschaftlicher  Ausbildung, wie sie das Grundgesetz auch von Lehrern an freien Schulen  verlangt, hat das wenig zu tun.\u00e2\u20ac\u0153[xiv]<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Fazit und Forderung an die Schulpolitik<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">In der Waldorflehre kommt eine deterministische  Karma-Lehre zur Anwendung. Aus dem Zahnstand und Zahnstatus meint man  auf den Charakter von Kindern schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Hinzu kommt die Lehre  von den Temperamenten, die den Charakter der Kinder ohne  nachvollziehbare Begr\u00fcndung in vier Grundtypen einteilt.<\/p>\n<p align=\"left\">Ein unwissenschaftliches, esoterisches,  entwicklungspsychologisches Stufenmodell f\u00fchrt zur Ablehnung  naturwissenschaftlicher Arbeitsweisen bis in die Mittelstufe hinein.  Kritisches Denken wird bis ins Erwachsenenalter abgelehnt. Autorit\u00e4t und  Nachfolge sind stattdessen laut Steiner die obersten p\u00e4dagogischen  Prinzipien. Ein Punkt, den man jedem vor Augen halten sollte, der das  Wort \u00e2\u20ac\u017eReformp\u00e4dagogik\u00e2\u20ac\u0153 im Zusammenhang mit Waldorferziehung im Munde  f\u00fchrt. War die Reformp\u00e4dagogik doch urspr\u00fcnglich angetreten, um den  alten autorit\u00e4ren Geist aus den Klassenzimmern zu fegen, ist der  Klassenlehrer an einer Waldorfschule, ein Alleinherrscher.<\/p>\n<p align=\"left\">Die angeblich ganzheitliche Sicht auf das Kind entpuppt  sich bei n\u00e4herem Hinsehen als kosmisch-esoterisches Orakel, dessen  Spruch sich einmal pro Schulhalbjahr auf dem Gesinnungszeugnis Sch\u00fclern  und Eltern offenbart. Die subjektiven \u00e2\u20ac\u017eSchauungen\u00e2\u20ac\u0153 des Waldorflehrers  werden zu absoluten kosmischen Wahrheiten erhoben.<\/p>\n<p align=\"left\">Hinzu kommt eine Waldorflehrerausbildung, deren gesetzlich vorgeschriebene Gleichwertigkeit mehr als fragw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p align=\"left\">Dabei bleiben viele Kritikpunkte an dieser Stelle  unber\u00fccksichtigt. Sie w\u00fcrden den Rahmen des Artikels sprengen, lohnen  aber eine weitere kritische Besch\u00e4ftigung mit dem Thema. Dazu z\u00e4hlen  die, hier nur angerissenen, rassistischen \u00c4u\u00dferungen Rudolf Steiners,  die vor allem wegen der fehlenden Abgrenzung der Anthroposophen von  ihrem \u00dcbervater problematisch sind, oder die Eurythmie, ein esoterischer  Tanz, der an allen Waldorfschulen unterrichtet wird, sowie die Rolle  der anthroposophischen Medizin in Waldorfeinrichtungen. Problematisch  ist auch die Finanzierung der Waldorfschulen, die zum gr\u00f6\u00dften Teil durch  \u00f6ffentliche Zusch\u00fcsse erfolgt. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen Waldorfeltern  Schulgeld bezahlen und sind an vielen Waldorfschulen zu umfangreicher  Mitarbeit verpflichtet. Sie haben jedoch kaum M\u00f6glichkeiten zur  Mitsprache (vgl. Jacob\/Drewes, 2004) Die Aufz\u00e4hlung lie\u00dfe sich noch  lange fortf\u00fchren.<\/p>\n<p align=\"left\">Klaus Prange (2000), fragt ketzerisch, was  Anthroposophen eigentlich sehen, wenn sie durch ihre schiefen Fenster in  die Welt blicken. Vielleicht sehen sie ja tats\u00e4chlich die Kobolde,  Elementarwesen, Feen und Elfen von denen sie so gerne erz\u00e4hlen. Es  scheint jedoch unbedingt geboten, dass die Schulaufsichten einen  genaueren Blick durch die schiefen Fenster in die Waldorfschulen und  Waldorflehrerseminare hineinwerfen.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Aufsichtsbeh\u00f6rden sind vor allem deshalb gefragt,  weil die Rolle, die die Anthroposophie in der Unterrichtspraxis  tats\u00e4chlich spielt, stark vom Lehrer abh\u00e4ngt. Es ist jedenfalls nicht  hinnehmbar, dass Geschichtsunterricht bei Atlantis beginnt und  naturwissenschaftlicher Unterricht mit der Lehre von Elementarwesen  verw\u00e4ssert wird. Es gibt sicher Waldorflehrer, die die Anthroposophie  und die hier kritisierten Konzepte au\u00dfen vor lassen. Waldorfkritische  Publikationen und das Curriculum der Waldorflehrerseminare belegen aber  auch, dass es anthroposophisch gepr\u00e4gten Unterricht an den meisten  Waldorfschulen gibt und dass dieser vom Dachverband \u00e2\u20ac\u017eBund der Freien  Waldorfschulen\u00e2\u20ac\u0153 gewollt ist.<\/p>\n<p align=\"left\">Ich habe mit Lehrern und ehemaligen Sch\u00fclern von  insgesamt vier Waldorfschulen in Bremen, Niedersachsen und  Baden-W\u00fcrtemberg gesprochen. An allen gab oder gibt es anthroposophisch  gepr\u00e4gten Unterricht. Einige berichteten von einem sektenhaften  Charakter der Schule und ihres Umfelds. Letztlich ist es jedoch nicht  m\u00f6glich, allgemeing\u00fcltige Aussagen zu treffen. Das ist das Dilemma der  Waldorfkritik: Man erf\u00e4hrt sehr wenig von dem, was tats\u00e4chlich in den  Klassenr\u00e4umen passiert. Lehrb\u00fccher, die man kritisch untersuchen k\u00f6nnte,  gibt es nicht. In der offiziellen\u00a0PISA-Auswertung tauchen die  Waldorfschulen nicht auf,\u00a0die Teilnahme an anderen unabh\u00e4ngigen  Vergleichsuntersuchungen verweigern die Waldorfschulen: Eine Bremer  Waldorflehrerin prahlte im Fr\u00fchjahr bei einem Eltern-Infoabend damit,  dass man, entgegen dem Wunsch der Senatorin f\u00fcr Bildung, nicht an den  VERA Vergleichsarbeiten teilgenommen habe. Hier sollte die Politik mehr  Druck aus\u00fcben und Waldorf- und andere Privatschulen verpflichten in den  offenen Wettbewerb mit den staatlichen Schulen einzutreten und an  Evaluationsstudien teilzunehmen. Die Waldorfschulen k\u00f6nnten dies als  Chance begreifen die selbst postulierte \u00dcberlegenheit der  Waldorfp\u00e4dagogik zu belegen. Im umgekehrten Fall w\u00e4re es eine Chance  sich von Rudolf Steiner und seiner kruden Lehre zu emanzipieren.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>*** Autoreninfo:<\/strong> Andr\u00e9 Sebastiani, geb.  1977, studierte an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t in M\u00fcnster  Lehramt f\u00fcr die Primarstufe.\u00a0Nach seinem Referendariat in Vechta  arbeitet er seit 2005 im Grund- und Sekundarschulbereich in Bremen.<strong> <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Credits:<\/strong> Der Artikel \u00e2\u20ac\u017eVersteinerte Erziehung\u00e2\u20ac\u0153 von Andr\u00e9 Sebastiani erschien zuerst in der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gwup.org\/zeitschrift\/skeptiker-archiv\/1086-skeptiker-42011\" target=\"_blank\">Ausgabe 4\/2011 des Magazins \u00e2\u20ac\u017eSkeptiker\u00e2\u20ac\u0153<\/a> der \u00e2\u20ac\u017eGesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung\u00a0von Parawissenschaften e.V.\u00e2\u20ac\u0153,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gwup.org\/\" target=\"_blank\">GWUP<\/a>.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Artikel wurde\u00a0am 15.11.2012\u00a0von Andr\u00e9 Sebastiani als  freier Vortrag an der Universit\u00e4t Siegen gehalten, auf Einladung des  Fachschaftsrats f\u00fcr Geistes- und Gesellschaftswissenschaften f\u00fcr alle  Lehramts-,\u00a0Bachelor- und Master\/Magisterstudierende.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Weiterf\u00fchrende Artikel der Ruhrbarone:<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong><a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/geschichte-in-der-waldorfschule-atlantis-und-die-rassen\/\" target=\"_blank\">Geschichte in der Waldorfschule: \u00e2\u20ac\u02dcAtlantis\u00e2\u20ac\u2122 und die \u00e2\u20ac\u02dcRassen\u00e2\u20ac\u2122<\/a> <\/strong>\u00e2\u20ac\u201c<strong> <\/strong>Vortrag von Andreas Lichte an der Universit\u00e4t Siegen<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/waldorfschule-in-staatlicher-traegerschaft-offener-brief-an-senator-ties-rabe-hamburg\/\" target=\"_blank\">Waldorfschule in staatlicher Tr\u00e4gerschaft \u00e2\u20ac\u201c offener Brief an Senator Ties Rabe, Hamburg<\/a> <\/strong>\u00e2\u20ac\u201c\u00a0in Hamburg soll die erste \u00e2\u20ac\u0153staatliche Waldorfschule\u00e2\u20ac\u009d entstehen<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/waldorfschule-%E2%80%9Eman-kann-nicht-nur-ein-%C2%BBbisschen%C2%AB-waldorf-sein%E2%80%9C\/\" target=\"_blank\">Man kann nicht nur ein \u00e2\u20ac\u02dcbisschen\u00e2\u20ac\u2122 Waldorf sein<\/a> <\/strong>\u00e2\u20ac\u201c Interview mit Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universit\u00e4t Wien<\/p>\n<p align=\"left\"><a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/3-jahre-rudolf-steiner-ist-%E2%80%9Ezum-rassenhass-anreizend-bzw-als-rassen-diskriminierend-anzusehen%E2%80%9C\/\" target=\"_blank\"><strong>3 Jahre Rudolf Steiner ist \u00e2\u20ac\u017ezum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen\u00e2\u20ac\u0153<\/strong><\/a> \u00e2\u20ac\u201c die \u00e2\u20ac\u017eBundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien\u00e2\u20ac\u0153 (BPjM) entschied, dass B\u00fccher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><a href=\"http:\/\/www.ruhrbarone.de\/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft\/\" target=\"_blank\">Anthroposophie und Nationalsozialismus: \u00e2\u20ac\u02dcDie Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft\u00e2\u20ac\u2122<\/a><\/strong><strong> <\/strong>\u00e2\u20ac\u201c<strong> <\/strong>\u00fcber die anthroposophische Zusammenarbeit mit nationalsozialistischen Organisationen<\/p>\n<div><strong><br \/>\n<\/strong><\/div>\n<p align=\"left\"><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Giese, Cornelia: Die freie Waldorfschule \u00e2\u20ac\u201c Eine Mogelpackung?, Kenzingen, 2008<\/p>\n<p align=\"left\">Jacobs, Sybille-Christin; Drewes, Detlef: Aus der Waldorfschule geplaudert, Aschaffenburg, 2. \u00fcberarbeitete Auflage, 2004<\/p>\n<p align=\"left\">Kahlert, Joachim: Der Sachunterricht und seine Didaktik, Stuttgart, 2009<\/p>\n<p align=\"left\">Kayser, Martina; Wagemann, Paul-Albert: Wie frei ist die  Waldorfschule: Geschichte und Praxis einer p\u00e4dagogischen Utopie,  Berlin, 1991<\/p>\n<p align=\"left\">Prange, Klaus: Erziehung zur Anthroposophie, 3. Auflage, Bad Heilbrunn, 2000<\/p>\n<p align=\"left\">Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, TB-Ausgabe, Bd. 636 (GA28), Dornach 1982<\/p>\n<p align=\"left\">Steiner, Rudolf: Die geistig-seelischen Grundkr\u00e4fte der Erziehungskunst, TB-Ausgabe, Bd. 604, Dornach 1982<\/p>\n<p align=\"left\">Zander, Helmut: Antroposophie in Deutschland, G\u00f6ttingen 2007<strong> <\/strong><\/p>\n<div><strong><br \/>\n<\/strong><\/div>\n<div>\n<hr size=\"1\" \/>\n<div>\n<p align=\"left\">[i] <a href=\"http:\/\/www.steiner-haus-ffm.de\/anthroposophie\" target=\"_blank\">http:\/\/www.steiner-haus-ffm.de\/anthroposophie<\/a>.htm, Zugriff am 06.10.2011.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>[ii] <a href=\"http:\/\/www.steiner-haus-ffm.de\/anthroposophie.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.steiner-haus-ffm.de\/anthroposophie.htm<\/a>, Zugriff am 1.8.2011.<\/div>\n<div>\n<p align=\"left\">[iii] siehe dazu die Websites der anthroposophischen Gesellschaften, bspw. <a href=\"http:\/\/www.goetheanum.org\/fileadmin\/aas\/downloads\/16ZimmermannStudium.pdf\" target=\"_blank\">http:\/\/www.goetheanum.org\/fileadmin\/aas\/downloads\/16ZimmermannStudium.pdf<\/a>, Zugriff 20.11.2011, sowie Zander 2007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>[iv] vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.flensburgerhefte.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.flensburgerhefte.de\/<\/a><\/div>\n<div>\n<p>[v] <a href=\"http:\/\/www.erziehungskunst.de\/artikel\/geist-der-natur\/ohne-elementarwesen-laeuft-nichts\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.erziehungskunst.de\/artikel\/geist-der-natur\/ohne-elementarwesen-laeuft-nichts\/<\/a><\/div>\n<div>\n<p>[vi] <a href=\"http:\/\/www.erziehungskunst.de\/artikel\/geist-der-natur\/fuer-viele-kinder-sind-elementarwesen-real\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.erziehungskunst.de\/artikel\/geist-der-natur\/fuer-viele-kinder-sind-elementarwesen-real\/<\/a><\/div>\n<div>\n<p>[vii] Steiner,  Rudolf: Anthroposophische Menschenkunde und P\u00e4dagogik, Gesamtausgabe  Bd. 304a, Dornach, S.75 zitiert nach: Prange, Klaus: Erziehung zur  Anthroposophie, S. 24<\/p><\/div>\n<div>\n<p>[viii] \u00e2\u20ac\u017eWie gut sind Waldorfschulen?\u00e2\u20ac\u0153, Dokumentation, SWR-Fernsehen, Erstausstrahlung 6.11.2006<\/p><\/div>\n<div>\n<p>[ix] Wolfgang Held in \u00e2\u20ac\u017eRadiodiskussion zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners\u00e2\u20ac\u0153, SWR 2, 25.02.2011.<\/p><\/div>\n<div>\n<p>[x] <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/waldorfpaedagogik-buecher-von-rudolf-steiner-nicht-auf-index-gelandet-1.768672\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/waldorfpaedagogik-buecher-von-rudolf-steiner-nicht-auf-index-gelandet-1.768672<\/a><\/div>\n<div>\n<p>[xi] \u00e2\u20ac\u017eWie gut sind Waldorfschulen?\u00e2\u20ac\u0153, Dokumentation, SWR-Fernsehen, Erstausstrahlung 6.11.2006<\/p><\/div>\n<div>\n<p>[xii] <a href=\"http:\/\/www.waldorf-fernstudium.de\/Inhaltsuebersicht.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.waldorf-fernstudium.de\/Inhaltsuebersicht.html<\/a>, Abruf am 11.09.2011<\/div>\n<div>\n<p>[xiii] <a href=\"http:\/\/www.lehrerverband.de\/waldorf.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.lehrerverband.de\/waldorf.htm<\/a> Abruf am 13.09.2011<\/div>\n<div>\n<p>[xiv] ebd.<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dezember 2012 gibt es in Deutschland 234 Waldorfschulen, die nach der von Rudolf Steiner entwickelten Waldorfp\u00e4dagogik unterrichten. Sie versprechen freieres und ganzheitliches Lernen mit \u00e2\u20ac\u017eKopf, Herz und Hand\u00e2\u20ac\u0153 als &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/waldorfschule-versteinerte-erziehung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWaldorfschule: Versteinerte Erziehung\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,49],"tags":[2759,1858,398],"class_list":["post-21508","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung-und-schule","category-religion","tag-esoterik","tag-rudolf-steiner","tag-waldorfschulen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21508"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21508\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}