{"id":20206,"date":"2012-09-15T13:35:53","date_gmt":"2012-09-15T12:35:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=20206"},"modified":"2013-04-01T06:31:45","modified_gmt":"2013-04-01T04:31:45","slug":"antisemitismus-in-der-islamischen-community-die-kehrwoche-die-nicht-stattfand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/antisemitismus-in-der-islamischen-community-die-kehrwoche-die-nicht-stattfand\/","title":{"rendered":"Antisemitismus in der islamischen Community? Die Kehrwoche, die nicht stattfand"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_20207\" aria-describedby=\"caption-attachment-20207\" style=\"width: 215px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-20207  \" title=\"schalom\" alt=\"Schalom, Salam, Gr\u00fc\u00df Gott! (grafik: publikative.org)\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/schalom.jpg\" width=\"215\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/schalom.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/schalom-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/schalom-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 85vw, 215px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20207\" class=\"wp-caption-text\">Schalom, Salam, Gr\u00fc\u00df Gott! (grafik: publikative.org)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Es wird ungem\u00fctlicher in Deutschland f\u00fcr Juden. Das liegt vor allem an dem deutschen Judenhass, es liegt aber auch an einigen jungen Muslimen mit und ohne Migrationshintergrund und ihrem sehr eigenen, und leider sehr gef\u00e4hrlichem Antisemitismus. Und es liegt an den Beschwichtigern, Relativierern und Kleinrednern in den jeweils eigenen Gemeinschaften, die lieber Dinge unter den Teppich kehren.***<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<em>von Ramona Ambs<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin J\u00fcdin. Meine Haarfarbe ist schwarz, meine Muttersprache deutsch. Ich komme einigen Leuten spanisch vor. Aber das ist nur \u00e4u\u00dferlich. Ich verstehe kein Wort spanisch. Ich verstehe ein bisschen englisch, ein bisschen fr\u00e4nz\u00f6sisch, ein bi\u00dfchen hebr\u00e4isch, ein bisschen d\u00e4nisch und ein bisschen t\u00fcrkisch. &#8222;Yahudiler domuz&#8220; zum Beispiel. Wenn ich das h\u00f6re, wei\u00df ich, dass es besser ist, dass ich den Leuten spanisch vorkomme und nicht etwa j\u00fcdisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;<a href=\"http:\/\/tr.wikipedia.org\/wiki\/Judensau\" target=\"_blank\">Yahudiler domuz&#8220;<\/a> &#8211; das h\u00f6r ich ab und an. Auf Stra\u00dfen, in Cafes oder Clubs. Und wenn man das h\u00f6rt, dann ist man fast froh, nicht alles zu verstehen. Wobei diese Freude dann auch nur kurz w\u00e4hrt, denn mittlerweile h\u00f6rt man`s eh auch variantenreich auf Deutsch. &#8222;Du Jude&#8220; ist ein absolut g\u00e4ngiges Schimpfwort. Auch ohne das rosa Tier mit dem Ringelschw\u00e4nzchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird ungem\u00fctlicher hier in Deutschland f\u00fcr uns Juden.\u00a0Das liegt <a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/01\/30\/die-statistik-von-den-traurigen-witzen\/\" target=\"_blank\">vor allem an dem deutschen Judenhass in der Mitte<\/a> der Gesellschaft, der sich immer wieder in vielf\u00e4ltiger Weise Bahn bricht. Aber es liegt auch an einigen jungen Muslimen mit und ohne Migrationshintergrund und ihrem sehr eigenen, und leider sehr gef\u00e4hrlichem Antisemitismus.\u00a0Und es liegt an den Beschwichtigern, Relativierern und Kleinrednern in den jeweils eigenen Gemeinschaften, die lieber Dinge unter den Teppich kehren, als endlich mal richtig hinzuschauen und aufzur\u00e4umen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vor der eigenen T\u00fcr kehren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ok, ich gebs auch zu: Ich rede nicht gerne \u00fcber j\u00fcdischen Rassismus. Ich rede auch nicht gern \u00fcber Islamhass in isrealsolidarischen Gruppierungen. Das hat zweierlei Gr\u00fcnde. Zum einen sind mir derlei Ph\u00e4nomene -auch wenn ich nichts daf\u00fcr kann- irgendwie pers\u00f6nlich peinlich. Zum anderen ist das (\u00f6ffentliche) Reden dar\u00fcber an sich durchaus verh\u00e4ngnisvoll &#8211; wird derlei doch schnell von Antisemiten linker und rechter Couleur aufgegriffen und beklatscht: &#8222;Ja ja, die Juden, so sind\u00a0 &#8230; sie sagens ja sogar selbst!&#8220; und dann ist man intern der &#8218;Nestbeschmutzer&#8216;, weil man mal kurz vor der eigenen Haust\u00fcr gekehrt hat &#8230;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch fand ich es immer n\u00f6tig und sinnvoll, Missst\u00e4nde in den Communities, in denen ich mich aufhalte und zu denen ich irgendwie geh\u00f6re, zu kritisieren. Eben vor der eigenen T\u00fcr zu kehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rassistisch und islamophob?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kehren vor der eigenen T\u00fcr im \u00fcbertragenen Sinne wurde k\u00fcrzlich auch von Dieter Graumann empfohlen. Nach dem antisemitisch motivierten \u00dcberfall auf Rabbi Daniel Alter durch mutma\u00dflich arabische m\u00f6glicherweise muslimische Jugendliche. Graumann forderte die muslimischen Verb\u00e4nde auf, sich st\u00e4rker gegen den Antisemitismus in den eigenen Reihen zu engagieren.\u00a0Die pikierten Reaktionen darauf zeigen, wie notwendig diese Forderung ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn es sind die immer gleichen Reflexe, die in \u00f6ffentlichen Stellungnahmen von Verbandsvorsitzenden, direkten Gespr\u00e4chen oder auch in Internetkommentaren zu Tage treten: Bereits die Wortkombination aus &#8222;muslimisch&#8220; oder &#8222;migrantisch&#8220; im Zusammenhang mit dem Wort &#8222;Antisemitismus&#8220; sei rassistisch und islamophob, wer sie benutzt, muss also ein Rassist sein, bekommt man dann zu h\u00f6ren. <a title=\"Studie der AAS\" href=\"http:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/w\/files\/pdfs\/diejuden.pdf\" target=\"_blank\">Dass es aber einen spezifischen Antisemitismus unter muslimischen Deutschen und Migranten gibt<\/a>, der anders motiviert ist und anders gef\u00fcttert wird, als der Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft, und dem folglich anders begegnet werden sollte und muss, wird dabei v\u00f6llig negiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stichwort: Nahost<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei k\u00f6nnten grade die muslimischen und migrantischen Verb\u00e4nde hier viel effektiver arbeiten, weil sie eben zu der gleichen Gruppe geh\u00f6ren. Aber dazu kommt es offenbar zumeist gar nicht. Wenn also die Verb\u00e4nde, die hier teilweise erst mit zweit\u00e4giger Versp\u00e4tung und nach mehrmaliger Aufforderung auf den antisemitischen Angriff reagieren, dann meist nicht ohne folgende Botschaft mit einzupacken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Es m\u00f6gen zwar vielleicht und unter Umst\u00e4nden muslimische T\u00e4ter gewesen sein, aber der Islam ist daf\u00fcr nicht verantwortlich.<br \/>\n2. Das eigentliche Problem dieser Gesellschaft ist die Islamophobie \/der Rassismus, diese gilt es (ebenso wie den Antisemitismus) zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf eine Stellungnahme, die zum Beispiel mal ganz eindeutig sagt &#8222;der Nahostkonflikt rechtfertigt in keinster Weise Gewalt an den hier lebenden Juden.&#8220; warte ich schon l\u00e4nger. Dabei w\u00e4re das schon mal ein erster Schritt, denn der Antisemitismus unter jungen Muslimen n\u00e4hrt sich vor allem aus diesem Konflikt, <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/swr2\/programm\/sendungen\/wissen\/-\/id=8053374\/property=download\/nid=660374\/b6kgdm\/swr2-wissen-20110622.pdf\" target=\"_blank\">wie Anne Goldenbogen feststellt<\/a>: &#8222;Je st\u00e4rker die Jugendlichen sich als Muslime definieren [&#8230;] und je autorit\u00e4rer die\u00a0Religionsvorstellung auch ist, [&#8230;] desto st\u00e4rker ist die Tendenz, diesen Konflikt nicht nur als einen politischen oder territorialen Konflikt wahrzunehmen, sondern auch als eine Auseinandersetzung zwischen Muslimen und Juden oder Muslimen und dem Westen, was auch oft gleichgesetzt wird, und desto st\u00e4rker \u00e4u\u00dfern sich dann auch antisemitische Ressentiments, die auf so einer Weltsicht fu\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Frustration<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Passend dazu sind die Kommentare von einigen Muslimen im Internet. Bei der leisesten Kritik am Umgang und der Wahrnehmung des innermuslimischen Antisemitismus h\u00f6rt man zum Beispiel : &#8222;Schon interessant, wie versucht wird den eigenen Rassismus dadurch zu relativieren, indem man andere beschuldigt noch viel viel schlimmer zu sein, statt gegen alle Formen einzutreten. Ein Armutszeugnis &#8230;&#8220; Ein vorhandenes Problem wird einfach abgewiegelt mit dem Verweis auf den restlichen Antisemitismus im Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In pers\u00f6nliche Gespr\u00e4chen ist es meist auch nicht besser: Kaum spricht man bei Muslimen einen vermeintlich islamisch motivierten Antisemitismus an, wird aufgez\u00e4hlt wann, wo, welcher muslimische Mensch Opfer einer rassistischen Gewalttat wurde. Davon scheint auch alles besser zu werden. In den wenigsten F\u00e4llen bisher hab ich aufrichtige Anteilnahme vermittelt bekommen. Das frustriert. Und es l\u00e4sst mich durchaus ratlos zur\u00fcck, denn eigentlich hat man ja ein gemeinsames Ziel: friedlich miteinander Leben und rechte Gewalt abwehren.<\/p>\n<p><strong>Lesetipp:<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/03\/29\/beschamende-relativierungen\/\" rel=\"bookmark\">Besch\u00e4mende Relativierungen<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siehe auch:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/08\/31\/freude-uber-den-hass\/\" rel=\"bookmark\">Freude \u00fcber den Hass<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/08\/21\/marsch-der-antisemiten\/\" rel=\"bookmark\">Marsch der Antisemiten<\/a>, \u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/07\/04\/michael-luders-und-die-reichen-new-yorker-juden\/\" rel=\"bookmark\">Michael L\u00fcders und &#8222;die reichen New Yorker Juden&#8220;\u009d<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/06\/17\/neonazi-half-bei-olympia-anschlag-1972\/\" rel=\"bookmark\">Neonazi half bei Olympia-Anschlag 1972<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/06\/05\/wahn-und-wirklichkeit\/\" rel=\"bookmark\">Wahn und Wirklichkeit<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/06\/01\/israelkritik-2-0\/\" rel=\"bookmark\">Israelkritik 2.0<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/04\/12\/querfront-gegen-die-endlosung\/\" rel=\"bookmark\">Querfront gegen die &#8222;Endl\u00f6sung&#8220;\u009d<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/04\/06\/im-zweifel-gegen-israel\/\" rel=\"bookmark\">Im Zweifel gegen Israel<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2011\/11\/08\/deutscher-djihad-die-geburt-des-politischen-islam-aus-der-mitte-europas\/\" rel=\"bookmark\">Deutscher Djihad: Die Geburt des politischen Islam aus der Mitte Europas<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2011\/05\/07\/cui-bono-von-feindbildern-und-verschworungstheorien\/\" rel=\"bookmark\">Cui bono? Verschw\u00f6rungstheorien und Pseudokritik<\/a><\/p>\n<p><strong>***Der Artikel ist <a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/09\/07\/die-kehrwoche-die-nicht-stattfand\/\" target=\"_blank\">zuerst auf der Website Publikative.org<\/a> erschienen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird ungem\u00fctlicher in Deutschland f\u00fcr Juden. Das liegt vor allem an dem deutschen Judenhass, es liegt aber auch an einigen jungen Muslimen mit und ohne Migrationshintergrund und ihrem sehr &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/antisemitismus-in-der-islamischen-community-die-kehrwoche-die-nicht-stattfand\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAntisemitismus in der islamischen Community? 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