{"id":1981,"date":"2009-01-27T17:43:39","date_gmt":"2009-01-27T16:43:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=1981"},"modified":"2009-01-29T22:18:17","modified_gmt":"2009-01-29T21:18:17","slug":"die-hafenstrase-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/die-hafenstrase-in-hamburg\/","title":{"rendered":"Wundersame Wandlung: Die Hafenstra\u00dfe in Hamburg"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"mceTemp mceIEcenter\">\n<dl id=\"attachment_2005\" class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 510px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2005\" title=\"H\u00e4user der Hafenstra\u00dfe in Hamburg St. Pauli\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/hafenstrasse01.jpg\" alt=\"H\u00e4user der Hafenstra\u00dfe in Hamburg St. Pauli\" width=\"500\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/hafenstrasse01.jpg 500w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/hafenstrasse01-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/hafenstrasse01-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 85vw, 500px\" \/><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">H\u00e4user der Hafenstra\u00dfe in Hamburg St. Pauli       (Foto: Arne List CC) <\/dd>\n<\/dl>\n<\/h4>\n<p class=\"Text\">Die Hamburger <strong>Hafenstra\u00dfe<\/strong> ist der Inbegriff f\u00fcr gewaltsame Hausbesetzungen im Stadtteil St. Pauli. Gemeint sind die H\u00e4user in der <em>Hafenstra\u00dfe<\/em> und <em>Bernhard-Nocht-Stra\u00dfe<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Text\">Allerdings, und das wissen die wenigsten, bestehen die meiste Zeit verschiedene Miet- oder Pachtvertr\u00e4ge zwischen den Bewohnern und verschiedenen Gesellschaften im Besitz der Stadt Hamburg.<\/p>\n<p><strong>Ein kleiner R\u00fcckblick:<\/strong> Im Herbst 1981 werden die stadteigenen, von der SAGA verwalteten, leerstehenden und ziemlich verfallenen H\u00e4user still besetzt. In den Monaten davor hatte es in Hamburg bereits zahlreiche Hausbesetzungen (vor allem in Altona und Eppendorf) gegeben, die alle innerhalb von 24 Stunden durch Polizeieins\u00e4tze ger\u00e4umt wurden. Von da an      beginnt der bis zur endg\u00fcltigen R\u00e4umungsklage dauernde H\u00e4userkampf      der Anwohner gegen Staat und Polizei.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"Text\">Die bunten mit politischen Statements bemalten H\u00e4user werden vom Hamburger Senat als st\u00e4ndige Provokation gesehen. Seitens der Polizei kommt es zu Hausdurchsuchungen unter fragw\u00fcrdigen Vorw\u00e4nden, Gro\u00dfeins\u00e4tzen mit Stra\u00dfenabsperrungen und Wasserwerfereinsatz, sowie seitens der Bewohner zum Barrikadenbau, Stra\u00dfenschlachten und Solidarit\u00e4tsdemos mit mehr als 2000 Personen. Dies pr\u00e4gt das Bild der Hafenstra\u00dfe in der \u00d6ffentlichkeit ma\u00dfgebeblichauch wenn die Bewohner immer wieder versuchen u.a. durch Spruchb\u00e4nder an den H\u00e4usern, Stra\u00dfenfesten ihre Anliegen \u00f6ffentlich zu machen.<\/p>\n<p class=\"Text\">Das erkl\u00e4rte Interesse der Bewohner bestand darin, den Abriss der H\u00e4user zu verhindern, billigen Wohnraum zu erhalten und in diesem ein selbstbestimmtes Leben zu f\u00fchren. Innerhalb des Konfliktes wurde immer wieder versucht, den Zusammenhang zu anderen sozialen Konflikten herzustellen, was sowohl die St\u00e4rke der Hafenstra\u00dfe ausgemacht hat, als auch Grund f\u00fcr die staatliche Repression war.<\/p>\n<p class=\"Text\">Im <strong>Mai 1987 <\/strong>versucht Jan Philipp Reemtsma die Eskalation zwischen Bewohner und Senat, sowie der Polizei als ausf\u00fchrendem Organ konstruktiv zu stoppen. In einem Brief an B\u00fcrgermeister Klaus von Dohnanyi bietet er an, die H\u00e4user zu kaufen und sp\u00e4ter einer GmbH zu \u00fcberschreiben.  Anfang Juli erkl\u00e4rt der Senat, er sei bis zum September entscheidungsunf\u00e4hig. Daraufhin zieht Reemtsma am 8. Juli sein Kaufangebot zur\u00fcck. B\u00fcrgermeister Dohnanyi &#8222;bedauert&#8220; dies. Er stoppt  allerdings in letzter Minute die gewaltsame R\u00e4umung durch bereits aufmarschierte Polizei.<\/p>\n<p class=\"Text\"><strong>1995<\/strong> werden die H\u00e4user an eine Genossenschaft verkauft und danach saniert.<\/p>\n<p class=\"Text\">Heute besteht die Hafenstra\u00dfe aus 12 H\u00e4usern, die Eigentum der Genossenschaft sind. Entscheidungsgremium ist nach wie vor das Plenum, eine Versammlung aus Bewohnerinnen und Bewohnern, Anwohnern und Betroffenen, entschieden wird nach dem Konsensprinzip.<\/p>\n<p class=\"Text\">Wer mehr wissen will, kann sich hier informieren:<\/p>\n<p class=\"Text\"><a title=\"Chronologie der Hafenstra\u00dfe\" href=\"http:\/\/www.nadir.org\/nadir\/archiv\/Haeuserkampf\/Hafenstrasse\/doku.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.nadir.org\/nadir\/archiv\/Haeuserkampf\/Hafenstrasse\/doku.html<\/a><\/p>\n<p class=\"Text\">Bald avancierte die Hafenstra\u00dfe in der Nachbarschaft des Fischmarkts zu einer Touristenattraktion, gerne sah man sich die bunten H\u00e4user mit den darinlebenden &#8222;Punks&#8220; und &#8222;Anarchos&#8220; an, die angeblich sogar Mitglieder der RAF beherbergt haben sollten.<\/p>\n<p class=\"Text\"><strong>Das war gestern, was ist heute?<\/strong><\/p>\n<p class=\"Text\">Vorgestern rieb sich der\/die erstaunte Leser (in) nicht nur angesichts der neuen Konstellation von Freund und Feind die Augen, sondern auch weshalb wer von wem Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt. H\u00e4tte das der Senat doch nur vor 20 Jahren schon gewu\u00dft!<\/p>\n<h3><em>Hafenstra\u00dfe gegen Beachclubs<br \/>\n<\/em><\/h3>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" src=\"http:\/\/www.mopo.de\/bilder\/print\/2009\/20090125\/021p20%20beach%20volker_eyecatch.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"140\" align=\"left\" \/>200 Anwohner der St. Pauli- Hafenstra\u00dfe wollen die Ansiedlung der heimatlosen Beachclubs &#8222;Lago Bay&#8220;, &#8222;Hamburg City Beachclub&#8220; und &#8222;Hamburg del Mar&#8220; verhindern. Ende 2008 hatte der Bezirk vorgeschlagen, die Beachclubs aus Altona unterhalb der St. Pauli-Hafenstra\u00dfe anzusiedeln.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;<strong>Unzumutbare Belastungen f\u00fcr die Anwohner&#8220;<\/strong>, hei\u00dft es in einem offenen Brief an Bezirks\u00e4mter Mitte und Altona, Stadtentwicklungsbeh\u00f6rde und Bezirkspolitiker. <strong>Die Betroffenen k\u00e4mpfen gegen zuk\u00fcnftige L\u00e4rm- und Umweltbelastungen sowie erh\u00f6htes Verkehrsaufkommen. Das Bezirksamt Mitte nimmt die Bedenken der Anwohner sehr ernst: &#8222;Von Anfang an haben wir den Schutz der Anwohner bedacht&#8220;<\/strong>, sagt Pressesprecherin Sorina Weiland. Erst mal m\u00fcsse gekl\u00e4rt werden, ob die Beachclubs wie geplant kommen w\u00fcrden. Eine Entscheidung stehe schon in den n\u00e4chsten Wochen an. <strong>Die Linke k\u00fcndigte Unterst\u00fctzung gegen die Beachclubs<\/strong> an. Sprecherin Christine Detamble-Voss sagte: &#8222;Keine weitere Kommerzialisierung in und um die Hafenstra\u00dfe.&#8220;<\/em><\/p>\n<p class=\"Text\">Quelle: Hamburger Morgenpost vom 23. Jan. 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4user der Hafenstra\u00dfe in Hamburg St. Pauli (Foto: Arne List CC) Die Hamburger Hafenstra\u00dfe ist der Inbegriff f\u00fcr gewaltsame Hausbesetzungen im Stadtteil St. Pauli. 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