{"id":19021,"date":"2012-06-24T14:25:12","date_gmt":"2012-06-24T13:25:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=19021"},"modified":"2014-10-09T13:31:14","modified_gmt":"2014-10-09T12:31:14","slug":"von-wahlkampfern-reichen-frauen-und-peco-marion-bei-den-mexis-teil-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/von-wahlkampfern-reichen-frauen-und-peco-marion-bei-den-mexis-teil-23\/","title":{"rendered":"Von Wahlk\u00e4mpfern, reichen Frauen und Peco: Marion bei den Mexis, Teil 23"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Artikel ist der 23. Teil <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\">einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. <\/em><em>Heute berichtet unsere Autorin \u00fcber den Wahlkampf in Mexico, Lehrer, Epileptiker und reiche Frauen. Wir w\u00fcnschen viel Spa\u00df beim Lesen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Hola a todos!<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_19127\" aria-describedby=\"caption-attachment-19127\" style=\"width: 256px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-19127 \" title=\"schmierig\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/schmierig.jpg\" alt=\"schmierig\" width=\"256\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/schmierig.jpg 320w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/schmierig-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 85vw, 256px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19127\" class=\"wp-caption-text\">Und bei diesem schmierig grinsenden Mann wird es bald keine Lehrervertr\u00e4ge mehr geben. Daf\u00fcr aber umso mehr Privatisierungen. (fotos: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wahlkampf<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Der PRI-Pr\u00e4sidentschaftskandidat Pe\u00f1a Nieto verspricht auf seinen Wahlplakaten Medizin f\u00fcr alle. Und keine Schulgeb\u00fchren. <strong>Beide Versprechen stehen wohl im eklatanten Widerspruch zur Wirklichkeit.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn er Pr\u00e4sident werde, hat er verk\u00fcndet, werde er s\u00e4mtliche Lehrervertr\u00e4ge aufk\u00fcndigen. Seine Begr\u00fcndung: <strong>Viele Lehrkr\u00e4fte seien f\u00fcr den Schuldienst \u00fcberhaupt nicht qualifiziert.<\/strong> Dem kann man nicht direkt widersprechen.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Lande werden Lehrerstellen wohl gerne vom Vater an den Sohn vererbt<\/strong> oder es wird einfach jemand vor die Klasse gestellt, der sich daf\u00fcr bereit erkl\u00e4rt hat. Die Bef\u00fcrchtung aber ist: Pe\u00f1a Nieto will das Bildungswesen komplett privatisieren. Wie das ohne Geb\u00fchren gehen soll, ist mir schleierhaft.<\/p>\n<p><strong>Die Sache mit Paco<\/strong><\/p>\n<p>Und Medizin f\u00fcr alle? Die gibt es -jedenfalls in den St\u00e4dten- bereits in gewisser Weise schon heute. Zum Beispiel bietet das &#8222;Centro Medico&#8220; in der Innenstadt Epileptikern jeden Samstag eine kostenlose Beratung und Behandlung an. Warum ich das nun wei\u00df, hat einen Hintergrund:<\/p>\n<p><strong>Unser informeller Hausmeister und Parkplatzeinweiser Paco ist Epileptiker.<\/strong> Das hat in der Vergangenheit \u00f6fter mal dazu gef\u00fchrt, dass er auf der Stra\u00dfe zusammengeklappt ist. Nach einem Anfall ist er dann auch nach Hause gefahren. Nicht so in der letzten Woche. Bis zum fr\u00fchen Nachmittag hatte er-laut Salvatore, der unten in unserem Haus ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr K\u00fcchenger\u00e4te und-zubeh\u00f6r hat- bereits drei Anf\u00e4lle gehabt.<\/p>\n<p><strong>Nun lag er wieder auf dem B\u00fcrgersteig und Salvatore wurde langsam sauer.<\/strong> Denn ein umgekippter, winselnder Mann vor dem Laden ist ja nicht gerade gesch\u00e4ftsf\u00f6rdernd. Den ersten Anfall h\u00e4tte er wohl schon morgens in der Metro gehabt. Jedenfalls hatte Paco dort seinen Rucksack verloren, in dem seine Medikamente waren. Ob er ihn vergessen hatte oder ob er ihm geklaut wurde, konnte Paco nicht mit Gewissheit sagen.<\/p>\n<p><strong>Nun lag er wieder dort<\/strong> und als wieder bei Bewusstsein war, redeten wir auf ihn ein, nach Hause zu fahren. Doch Paco fuhr nicht und bekam kurz darauf den n\u00e4chsten Anfall. Nun wurde ein Krankenwagen gerufen. Doch Paco wehrte sich. Er wollte auf keinen Fall ins Krankenhaus. Verwirrt irrte er \u00fcber den B\u00fcrgersteig, st\u00fcrzte wieder. Die Sanit\u00e4ter r\u00fcckten wieder ab.<\/p>\n<p><strong>Die Mitarbeiter im Gesch\u00e4ft und wir alle aus dem Haus waren ratlos.<\/strong> Was nun? Paco war offensichtlich verletzt und verwirrt. Ein Gesch\u00e4ftsmitarbeiter setzte ihn in seinen Wagen und dort schlief Paco sofort ein. Gegen Abend sah ich wie Paco seine Sachen zusammenr\u00e4umte und ich war froh, dass er nun endlich nach Hause fahren w\u00fcrde. Doch dann h\u00f6rte ich einen ohrenbet\u00e4ubenden Knall unten im Hausflur. Als ich nachschaute, lag dort Paco in seinem Blut.<\/p>\n<p><strong>Wieder wurde ein Krankenwagen gerufen.<\/strong> Wieder weigerte sich Paco, der mittlerweile wieder bei Bewusstsein war, mitzufahren. Wir Hausbewohner versuchten ihn zu beruhigen und zu \u00fcberreden, sich in \u00e4rztliche Behandlung zu geben. Unsere Nachbarin, die &#8222;Drogenbaronin&#8220;, hatte ein Epilepsie-Medikament aus der Apotheke geholt. Ein Sanit\u00e4ter wollte ihm das geben. Paco wehrte sich. Die Sanit\u00e4ter r\u00fcckten unverrichteter Dinge ab.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4tten sie ihn gezwungen mitzukommen, w\u00e4re das als Entf\u00fchrung ausgelegt worden.<\/strong> Paco schlief auf einem Stuhl im Flur ein. Er sah schrecklich aus: eingepinkelt, die Klamotten verschmutzt, Blut im Gesicht, verschrammt, total verschwitzt. Wir waren ratlos. Letztendlich riefen wir ein Taxi, denn Paco war wieder bei Bewusstsein und konnte uns seine Adresse nennen.<\/p>\n<p><strong>Dann h\u00f6rten weder die Leute im Gesch\u00e4ft noch wir im Haus etwas von Paco.<\/strong> Zwischenzeitlich beschlich mich das ungute Gef\u00fchl, dass der Taxifahrer Paco einfach ausgesetzt und mit seinem Geld abgehauen ist. Doch gestern stand er auf einmal wieder auf der Stra\u00dfe, als sei nichts gewesen. Als ich auf ihn zugehen wollte, sp\u00fcrte ich, er weicht mir aus und gr\u00fc\u00dfte lediglich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19122\" aria-describedby=\"caption-attachment-19122\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-19122 \" title=\"josefina\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/josefina.jpg\" alt=\"josefina\" width=\"410\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/josefina.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/josefina-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 85vw, 410px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19122\" class=\"wp-caption-text\">Die Dritte im Bunde ist Josefina (der Nachname wird im allgemeinen Sprachgebrauch, besonders von Frauen, unterschlagen). Dieses Plakat will uns weismachen, dass sie Worte hat. Welche? Keine Ahnung.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Sorgen reicher M\u00fctter<\/strong><\/p>\n<p>Entschieden dagegen bin ich, dass Deutschland die Kosten f\u00fcr das mexikanische Gesundheitssystem \u00fcbernehme. Wie ich auf diesen Unsinn komme? Vor eineinhalb Wochen war ich zu einem Essen eingeladen worden. Dort sa\u00dfen auch M\u00fctter, deren Kinder aufs Colegio Alem\u00e1n gehen. Merke wohl, mexikanische M\u00fctter. Und ich rutschte in ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die anstehenden Wahlen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19126\" aria-describedby=\"caption-attachment-19126\" style=\"width: 256px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-19126 \" title=\"praesident\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/praesident.jpg\" alt=\"praesident\" width=\"256\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/praesident.jpg 320w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/praesident-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 85vw, 256px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19126\" class=\"wp-caption-text\">Falls dieser freundlich l\u00e4chelnde Mann Pr\u00e4sident wird, wird es eine Auswanderungswelle der Reichen geben. Schlie\u00dflich sei er Kommunist, so die Ansicht einer mexikanischen Schicht. Damit l\u00e4sst sich wohl heute kein Staat mehr machen &#8211; au\u00dfer in Kuba und Nordkorea.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Frauen waren sich einig: Alles ist korrupt in diesem Land.<\/strong> Und eine Frau wusste auch schon, was passieren wird, wenn der linke Pr\u00e4sidentschaftskandidat L\u00f3pez Obrador die Wahlen gew\u00e4nne. Dann w\u00fcrden ihr Mann und sie das Land verlassen. Und sie seien bestimmt nicht die einzigen. Auch eine L\u00f6sung.<\/p>\n<p><strong>Doch wenn die Reichen das Land verlassen, wer soll dann die Bek\u00e4mpfung des Drogenhandels bezahlen?<\/strong> Denn das erkannten die Frauen als dr\u00e4ngendes Problem. Auch hier hatte eine Frau die L\u00f6sung: Das k\u00f6nnten ja dann die Deutschen bezahlen. Allgemeines Gel\u00e4chter &#8211; nur ich stand kurz vor einem Wutanfall.<\/p>\n<p><strong>Da kann ich tats\u00e4chlich nur EU-Kommissionspr\u00e4sident Barroso zustimmen.<\/strong> Er hatte an diesem Montag beim G-20-Treffen in Los Cabos gesagt, dass sie sich von niemanden Lektionen erteilen lassen. Damit hatte er zwar nicht direkt die Mexikaner angesprochen. Aber wenn ich hier die eine oder andere Bemerkung aufschnappe, denke ich auch manchmal, eure Meinung ist bestimmt nicht meine Meinung.<\/p>\n<p>Ich hoffe euch allen geht es gut!<\/p>\n<p><strong>Muchos saludos,<br \/>\nMarion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist der 23. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. 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