{"id":18387,"date":"2012-05-19T01:39:58","date_gmt":"2012-05-19T00:39:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=18387"},"modified":"2012-05-19T11:09:08","modified_gmt":"2012-05-19T10:09:08","slug":"die-atomare-priesterschaft-fracking-und-der-doofe-steuerzahler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/die-atomare-priesterschaft-fracking-und-der-doofe-steuerzahler\/","title":{"rendered":"Die atomare Priesterschaft, Fracking und der doofe Steuerzahler"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Juni 1956 erl\u00e4uterte Leo Brandt als einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Atomkommission vor dem NRW-Landtag die enormen Fortschritte bei der Nutzung der Kernenergie.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDabei verwies er auf die amerikanische Firma Glenn L. Martin, die der Presse 8 Tage zuvor ein in nur 7 Kisten verpacktes und spielend leicht zusammensetzbares Atomkraftwerk vorgef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p><strong>Das AKW aus der Kiste<\/strong><br \/>\nEs k\u00f6nne per Flugzeug oder LKW an jede Stelle der Welt transportiert und dort aufgebaut werden. Als Schutzschicht gen\u00fcgt in der Arktis ein halber Meter Eis oder im Amazonas-Gebiet ein halber Meter Flusssand. Ein solches Atomkraftwerk kostet in der Serienausstattung weniger als 1 Mio. Dollar, sei mit wenigen Handgriffen betriebsbereit und w\u00fcrde autark, also ohne jedes Bedienpersonal, eine Stadt mit 10.000 Einwohnern 1,5 Jahre mit elektrischer Energie versorgen.<\/p>\n<p>Zur Entsorgung des M\u00fclls, sagte der amerikanische Physiker R. L. Murray, k\u00f6nne man Gebiete in der W\u00fcste ausweisen oder ihn in dauerhaften Beh\u00e4ltern ins Meer versenken.<\/p>\n<p><strong>Endlagerung &#8211; kein Problem<\/strong><br \/>\nDer Atomphysiker Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker sagte 1957 zur Frage der Endlagerung sinngem\u00e4\u00df, wenn man Uran aus dem Berg geholt hat, kann man den Abfall auch wieder in den Berg stecken. Dann sei die Gefahr gebannt.<\/p>\n<p>Wolfgang Cartellieri sch\u00e4tzte als Staatssekret\u00e4r im Atomministerium das Risiko eines Unfalls in Kernkraftwerken nicht gr\u00f6\u00dfer als das einer Talsperre ein.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser rosigen Zukunft mutma\u00dfte die Zeitschrift \u00e2\u20ac\u017eWehr und Wirtschaft\u00e2\u20ac\u0153, dass \u00d6l durch Atomenergie ersetzt, nur noch \u00e2\u20ac\u017ein den Petroleumlampe der Elendsquartiere\u00e2\u20ac\u0153 Verwendung finden werde.<\/p>\n<p><strong>Sicherheit m\u00f6glichst gering<\/strong><br \/>\nIm Fachjournal Atomwirtschaft \u00e4u\u00dferte man 1962: \u00e2\u20ac\u017eUm zu wirtschaftlichen Kernkraftanlagen zu kommen, ist es notwendig, die sicherheitstechnischen Anforderungen so niedrig wie m\u00f6glich zu halten.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p><strong>Verzauberte Politiker und doofe Steuerzahler<\/strong><br \/>\nDie so \u00e2\u20ac\u017everzauberten\u00e2\u20ac\u0153 Politiker bestellten die Atomkraft, gliederten viele Kosten aus ihrer Betrachtung aus und redeten dann von einer preiswerten Energie. Tats\u00e4chlich ist bis zum heutigen Tage in Deutschland weder die Frage nach einer Endlagerung gekl\u00e4rt, wo diese stattfinden wird und welche Kosten letztendlich auf die Kwh-Atomstrom aufgeschlagen werden muss. Nicht mal den dazu ben\u00f6tigten Fragenkatalog zur Endlagersuche hat das Bundesumweltministerium ein Jahr nach Fukushima fertiggestellt.<\/p>\n<p><strong>Halbwertszeit des Problems: 24.110 Jahre<\/strong><br \/>\nDen kommenden Generationen haben Politiker mit der Endlagerung wirtschaftliche Steine in den Weg gelegt, die an der Halbwertzeit der Strahlung von Plutonium 239 gemessen 24.110 Jahre betr\u00e4gt. Das Verursacherprinzip der Energiekonzerne bei der M\u00fcllentsorgung hat man vers\u00e4umt einzugehen bzw. absichtlich ausgeklammert. Das ist aber auch alles egal, weil das, bis auf einen Ablass der 4 Gro\u00dfkonzerne, sowieso die Allgemeinheit &#8211; also der doofe Steuerzahler (Sie und ich) \u00e2\u20ac\u201c bezahlt.<\/p>\n<p><strong>Haben die zur atomare Priesterschaft konvertierten Politiker daraus f\u00fcr die Risiken beim Fracking gelernt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>SPD will Haftung der Konzerne<\/strong><br \/>\nDie SPD hat daraus gelernt und will, dass die Konzerne und Profiteure im Ungl\u00fccksfalle f\u00fcr die von ihnen angerichteten Sch\u00e4den haftbar sind.<\/p>\n<p><strong>Davon distanziert sich Prof. Dr. Patrick Sensburg<\/strong> und macht in einem Schreiben die Sicht der CDU\/CSU und seine eigene Meinung deutlich:<\/p>\n<p><strong>CDU will Sch\u00e4den anscheinend auf Allgemeinheit abw\u00e4lzen<\/strong><br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eDie Antr\u00e4ge der SPD verm\u00f6gen es nicht, den verfassungsrechtlichen Auftrag, die Umwelt zu sch\u00fctzen, gem\u00e4\u00df Art. 20a GG im Verh\u00e4ltnis zu anderen Interessen abzuw\u00e4gen und eine sachorientierte L\u00f6sung zu schaffen. <strong>Vielmehr fordert die SPD, dass durch das Fracking eingetretene Sch\u00e4den nicht von der Allgemeinheit, sondern von den jeweiligen Betreiber getragen werden.\u00e2\u20ac\u0153<\/strong><\/p>\n<p>Im Klartext ist die CDU\/CSU daf\u00fcr, dass die Gro\u00dfkonzerne und Profiteure f\u00fcr eintretende Sch\u00e4den nicht gerade stehen sollen, sondern die Allgemeinheit &#8211; also der doofe Steuerzahler (Sie und ich)!<\/p>\n<p><strong>In Anbetracht dieser \u00e2\u20ac\u017eInteressenabw\u00e4gung\u00e2\u20ac\u0153, dieser \u00e2\u20ac\u017esachorientierte L\u00f6sung\u00e2\u20ac\u0153 und der gewollten Risiko\u00fcbertragung auf die Bev\u00f6lkerung ist es bedenklich, dass in den betroffenen Gebieten immer noch 40% hinter der CDU stehen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juni 1956 erl\u00e4uterte Leo Brandt als einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Atomkommission vor dem NRW-Landtag die enormen Fortschritte bei der Nutzung der Kernenergie. 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