{"id":1810,"date":"2009-01-13T19:54:03","date_gmt":"2009-01-13T18:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=1810"},"modified":"2009-01-13T23:41:36","modified_gmt":"2009-01-13T22:41:36","slug":"suddeutsche-zeitung-klimakiller-google-artikel-reine-effekthascherei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/suddeutsche-zeitung-klimakiller-google-artikel-reine-effekthascherei\/","title":{"rendered":"SZ-Artikel: &#8222;Klimakiller Google&#8220; &#8211; Effekthascherei?"},"content":{"rendered":"<p>Update 22.30 Uhr: Die &#8222;Geschichte&#8220; wird <a href=\"http:\/\/meedia.de\/nc\/details\/article\/clean-tech--ist-google-ein-umweltsnder_100015230.html\" target=\"_blank\">auch bei &#8222;meedia&#8220; <\/a>verarbeitet.<\/p>\n<h4 class=\"mceTemp\">\n<dl id=\"attachment_1811\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 410px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/computer\/491\/454175\/text\/\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1811\" title=\"Klimakiller Google?\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/klima01.jpg\" alt=\"Klimakiller Google - bitte zweimal lesen!\" width=\"400\" height=\"125\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/klima01.jpg 400w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/klima01-300x93.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 85vw, 400px\" \/><\/a><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Klimakiller Google &#8211; bitte zweimal lesen!<\/dd>\n<\/dl>\n<\/h4>\n<p>Als ich heute morgen am Fr\u00fchst\u00fcckstisch sa\u00df, brauchte ich die S\u00fcddeutsche Zeitung erst gar nicht zu entfalten. Auf der Titelseite war der echte Hingucker eingek\u00e4stelt: <strong><\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>Klimakiller Google<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Energieverbrauch der Internet-Suchmaschinen sch\u00e4digt Umwelt.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Potzblitz! schlug es in meinen Gehirnkasten ein: <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=1648\" target=\"_blank\">schon wieder nicht selbst drauf gekommen<\/a>. Dabei ist es doch sozusagen selbstevident, dass diese supertollen, arbeitserleichternden Suchmaschinen irgendeinen Haken haben m\u00fcssen. Jedes Aktivkonto hat ein Gegenkonto auf der Passivseite.<\/p>\n<p>Zwischen Kaffee, K\u00e4sebrot und WDR5 habe ich den Artikel nebst anderen Seiten meiner Morgenzeitung konsumiert, bevor ich ins Auto sprang um zur Arbeit zu fahren.<\/p>\n<p>Es war ein stressiger Tag, aber irgendwo in meinem Hinterkopf geisterte dieser Artikel umher.<\/p>\n<p>Ich habe ihn jetzt, drau\u00dfen ist es schon wieder dunkel, zum zweiten Mal gelesen.<\/p>\n<p><strong>Der Artikel ist schlecht, unsauber geschrieben und um des Effektes Willen zusammengekloppt.<\/strong><\/p>\n<p>DerText mit meinen Anmerkungen:<\/p>\n<blockquote><p>Man hat sich daran fast schon gew\u00f6hnt wie an den Lichtschalter. Es dauert nur einen Sekundenbruchteil, bis sich nach dem Abschicken der Anfrage an eine Suchmaschine im Internet bereits der Bildschirm f\u00fcllt mit einer Trefferliste. Vielleicht liegt es an dieser schier unglaublichen Geschwindigkeit, dass sich die meisten kaum vorstellen k\u00f6nnen, welch gigantische Maschinerie sie lostreten, wenn sie \u00fcber einen Internet-Suchdienst erfahren wollen, ob Britney Spears noch verheiratet ist oder doch nicht mehr.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>zoom: <\/em><em>Bis hierhin ist noch alles in Ordnung. Der Autor will mich neugierig machen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Alexander David Wissner-Gross, Physiker und Computerexperte an der Harvard-University, hat das nun auf eine einfache Formel gebracht. Zwei Suchanfragen an www.google.com setzen 15 Gramm CO<sub>2<\/sub> frei &#8211; so viel wie auch entsteht, wenn man mit einem Kocher Wasser f\u00fcr eine Tasse Tee siedet.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>zoom: Hier muss jeder Leser sich sofort fragen, wie Wissner-Gross auf diese Formel gekommen ist und ob sie korrekt ist.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcrlich wurden sofort Zweifel laut an der Methodik des jungen Wissenschaftlers, der 2007 promoviert hat und als eines seiner Hauptinteressensgebiete Green IT angibt, also umweltschonende Informationstechnik. In der Tat d\u00fcrfte es einfach zu viele Unbekannte geben, um diese Gleichung exakt aufzudr\u00f6seln. Tatsache ist aber, dass Rechenzentren immense Mengen an Energie verschlingen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>zoom: Dies ist der Schl\u00fcsselabsatz des Artikels. Der Autor hat nat\u00fcrlich antizipiert, dass der Leser die oben gestellten Zweifel an der Formel haben w\u00fcrde. Und &#8211; oh Wunder! &#8211;  er best\u00e4rkt ihn scheinbar in diesen Zweifeln. Aber nicht indem er sagt: Ich, lieber Leser, habe auch diese Zweifel gehegt und bin ihnen nachgegangen, und ich bin zu folgenden Erkenntnissen gekommen. Nein, er versteckt sich im Lieblingsgestr\u00fcpp der deutschen Sprache, dem Passiv: &#8222;Nat\u00fcrlich wurden sofort Zweifel laut &#8230;&#8220;  Wer hat da aus welchem Grund gezweifelt? Wie sah die Methodik des Wissenschaftlers aus? Weiter: Der Wissenschaftler gibt &#8222;als eines seiner Hauptinteressengebiete Green IT&#8220; an. Wo gibt er dies, wem gegen\u00fcber an? <\/em><\/p>\n<p><em>Im Folgenden scheint der Autor die &#8222;Erkenntnisse&#8220; des jungen Wissenschaftlers  zu verwerfen:  &#8222;In der Tat d\u00fcrfte es einfach zu viele Unbekannte geben, um diese Gleichung exakt aufzudr\u00f6seln.&#8220; Er impliziert aber mit dem Adverb &#8222;exakt&#8220;, dass vielleicht doch, wenn auch ungenau, etwas an der Formel stimmen k\u00f6nne. Jetzt folgt der n\u00e4chste Teil des Kunstgriffs:<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Eine Studie im Auftrag des Prozessorherstellers AMD ergab, dass weltweit 14 Kraftwerke der 1000-Megawatt-Klasse ausschlie\u00dflich daf\u00fcr arbeiten, diese Rechnerfarmen mit Strom zu versorgen. 2008 verbrauchten Rechenzentren allein in Deutschland gigantische 10,1 Terawattstunden &#8211; das entspricht der Leistung vier mittelgro\u00dfer Kohlekraftwerke. Bei den Stromkosten entf\u00e4llt etwa die H\u00e4lfte auf den Betrieb der Rechner, die andere H\u00e4lfte braucht man, um sie zu k\u00fchlen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>zoom: Hier wird \u00fcberhaupt nicht deutlich, ob es sich bei den Rechnerfarmen um Rechnerfarmen handelt, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr Suchmaschinen arbeiten oder nur allgemein um Rechenzentren, deren Ressourcen genutzt werden. Der Absatz hat erst einmal keinen eindeutigen Bezug zu Google. Den Bezug stellt der Autor durch die Beif\u00fcgung des W\u00f6rtchens &#8222;diese&#8220; im Begriff &#8222;diese Rechnerfarmen&#8220; her. Dies ist aber ein rein sprachlicher Bezug, der inhaltlich nicht genau(s.o.) begr\u00fcndet wird. <\/em><\/p>\n<p><em>Nebenbei: Ich w\u00e4re dem Autor auch dankbar, wenn er mir die Quelle der AMD-Studie nennt, so dass ich sie mir selber ansehen kann. Die Links k\u00f6nnen doch seit Erfindung des WWW zumindest in der Online-Version des Artikels eingef\u00fcgt werden \ud83d\ude09<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Ab hier wird ungebremst bis zum Schluss alles durchgelesen:<\/em><\/p>\n<blockquote>\n<h3 class=\"subheadline\">Weltweit verteilte Rechnerfarmen<\/h3>\n<p>Ohne den Verbund aus miteinander verschalteten Computern aber w\u00e4re beispielsweise Google niemals so erfolgreich geworden, wie es heute ist. Gibt man in seinen Computer eine Anfrage ein, werden schon w\u00e4hrend des Tippens im Hintergrund mehrere Computer befragt.<\/p>\n<p>Dabei werten die Suchformeln nicht blo\u00df allgemeine Statistiken aus &#8211; was haben alle Nutzer gesucht? -, sondern in der Regel auch die Suchhistorie des konkreten Benutzers, der da vor seinem Rechner sitzt. Ein Vorgehen, f\u00fcr das die Suchmaschinenbetreiber aus Datenschutzgr\u00fcnden gerade in j\u00fcngerer Zeit immer wieder kritisiert worden sind.<\/p>\n<p>Bei komplexen Suchanfragen werden sogar tausend Rechner und mehr eingespannt, um in gewohnt kurzer Zeit eine Liste mit Treffern ausgeben zu k\u00f6nnen. Zum entscheidenden Faktor wird deshalb die Methode, wie diese Rechner zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Schon die ersten Computer, die im Uni-Wohnheimzimmer von Google-Gr\u00fcnder Larry Page standen, waren keine Rennmaschinen, sondern &#8211; so zumindestens die Legende &#8211; teils aus Legosteinen gebastelt und mit Klettband zusammengehalten. Das Entscheidende war die Software, die es erlaubte, mehrere Rechenvorg\u00e4nge parallel ausf\u00fchren zu lassen.<\/p>\n<p>Das zeichnet die interne Software von Google auch heute noch aus. Die \u00fcber die gesamte Welt verteilten Rechnerfarmen des Konzerns bestehen aus gew\u00f6hnlichen Computern &#8211; Sch\u00e4tzungen zufolge liegt ihre Zahl bei weit \u00fcber einer Million. Wie in einem Ameisenstaat ist dabei nicht der einzelne Rechner wichtig, sondern das Kollektiv, das \u00fcber eine hochentwickelte Software gesteuert wird.<\/p>\n<p>Als Benutzer sollte man sich daher auch beim Internet-Surfen bewusst sein, dass die Annehmlichkeiten dieser Dienste ebenso ihren Preis haben wie das elektrische Licht.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>zoom: In keinster Weise gelingt es dem Autor zu zeigen, welche Teil-Ressourcen Google und andere Suchmachinen an der Gesamtheit der Rechnernetze wirklich nutzen. Es sei denn, die AMD-Studie h\u00e4tte nur diejenigenTeile der Rechenzentren untersucht, die f\u00fcr Google und Co. arbeiten. Ich vermute, dass die AMD-Studie s\u00e4mtliche Rechenzentren mit ihrem Stromverbrauch betrachtet. Ich vermute auch, dass die Suchmaschinen einen Teil der Kapazit\u00e4ten dieser Rechenzentren und Rechner nutzen. Ich vermute weiterhin, dass der letzte Absatz des Artikel &#8222;irgendwie&#8220; stimmen k\u00f6nnte. Ich wei\u00df aber nicht wie. Der Autor kl\u00e4rt diese Frage in keinster Weise. Die Aussagen der \u00dcberschrift lesen sich interessant, bleiben aber letztendlich unbewiesen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Update 22.30 Uhr: Die &#8222;Geschichte&#8220; wird auch bei &#8222;meedia&#8220; verarbeitet. Klimakiller Google &#8211; bitte zweimal lesen! Als ich heute morgen am Fr\u00fchst\u00fcckstisch sa\u00df, brauchte ich die S\u00fcddeutsche Zeitung erst gar &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/suddeutsche-zeitung-klimakiller-google-artikel-reine-effekthascherei\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSZ-Artikel: &#8222;Klimakiller Google&#8220; &#8211; Effekthascherei?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[335,5852,200],"class_list":["post-1810","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medien","tag-energieverbrauch","tag-medien","tag-suddeutsche-zeitung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1810","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1810"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1810\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1810"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1810"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1810"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}