{"id":16522,"date":"2012-01-23T11:00:25","date_gmt":"2012-01-23T10:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=16522"},"modified":"2012-01-23T17:48:06","modified_gmt":"2012-01-23T16:48:06","slug":"ein-leserbrief-zum-thema-5-jahre-nach-kyrill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ein-leserbrief-zum-thema-5-jahre-nach-kyrill\/","title":{"rendered":"Ein Leserbrief zum Thema &#8222;5 Jahre nach Kyrill&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_10859\" aria-describedby=\"caption-attachment-10859\" style=\"width: 256px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10859 \" title=\"wald20110116\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/wald20110116.jpg\" alt=\"Bitte nicht betreten! (foto: zoom)\" width=\"256\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/wald20110116.jpg 320w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/wald20110116-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 85vw, 256px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10859\" class=\"wp-caption-text\">Bitte nicht betreten! (archiv: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Nachfolgend ver\u00f6ffentlichen wir einen Leserbrief zum Thema &#8222;5 Jahre nach Kyrill&#8220;:<br \/>\n<\/em><br \/>\n<strong>Auch heute, 5 Jahre nach dem Orkanereignis Kyrill, mu\u00df man n\u00fcchtern konstatieren, da\u00df noch immer viel zu viele Waldbesitzer auf die ihnen vertraute Fichte setzen. Und das, obwohl diese Baumart weder der Erhaltung der Biodiversit\u00e4t f\u00f6rderlich ist, noch den Auswirkungen des Klimawandels etwas entgegenzusetzen hat.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurzfristiges Renditedenken<\/strong> nach dem Motto &#8222;Hauptsache es kostet wenig und bringt viel&#8220; zahlte sich f\u00fcr die Waldbauern noch nie aus und r\u00e4chte sich &#8211; wie man sieht &#8211; in zunehmendem Ma\u00dfe. Nicht erst seit Kyrill. Deshalb sind Verantwortungsbewu\u00dftsein und Weitblick gefragt, statt unbelehrbar an \u00fcberkommenen Denkmustern festzuhalten.<\/p>\n<p>Ein wahres Sprichwort des englischen Philosophen Francis Bacon lautet: &#8222;<strong>Wer die Natur beherrschen will, mu\u00df ihr gehorchen!<\/strong>&#8220; Daraus folgt die Einsicht, da\u00df unser Wald neben wirtschaftlichen vor allem auch eminent wichtige \u00f6kologische und soziale Funktionen zu erf\u00fcllen hat. Solche Aufgaben k\u00f6nnen jedoch nur dann wahrgenommen werden, wenn nicht standortgem\u00e4\u00dfe oder gar fremdl\u00e4ndische Nadelh\u00f6lzer durch dauerhafte, reich strukturierte Mischw\u00e4lder mit m\u00f6glichst gro\u00dfer biologischer Vielfalt ersetzt werden.<\/p>\n<p><strong> &#8222;Brotbaum&#8220; Fichte hat keine Zukunft<\/strong><br \/>\nFakt ist, da\u00df bei fortschreitender Erw\u00e4rmung und vermehrt auftretenden Hitzesommern, wie sie Klimaforscher prophezeien, des F\u00f6rsters &#8222;Brotbaum&#8220; Fichte keine Zukunft haben wird. Massenausf\u00e4lle bei dieser Baumart machen schon jetzt eine wirtschaftliche Nutzung deutschlandweit vielerorts unm\u00f6glich oder unrentabel.<\/p>\n<p>Aus dem Grund betrachte ich die in Angriff genommenen Ma\u00dfnahmen zur Wiederbegr\u00fcndung stabiler W\u00e4lder als l\u00e4ngst nicht ausreichend und zu zaghaft, weil zum einen der gesetzliche Druck fehlt, um die Waldbesitzer zu einer echten Abkehr von Nadelh\u00f6lzern hin zu naturnahen Mischbest\u00e4nden zu bewegen.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn das gelingen w\u00fcrde, blieben immer noch die zu hohen Schalenwildpopulationen, die jede Naturverj\u00fcngung und den Aufwuchs junger Laubb\u00e4ume bereits im Ansatz verhindern.<\/p>\n<p>Des weiteren wird vom Landesbetrieb Wald und Holz <strong>bis heute keine akzeptable bzw. brauchbare Alternative zur Fichte genannt &#8211; au\u00dfer Exoten, im wesentlichen die Douglasie.<\/strong> Mit dem Anbau vermeintlich klimastabiler, nicht-standortheimischer Baumarten begibt man sich jedoch vom Regen in die Traufe und gef\u00e4hrdet obendrein die Artenvielfalt unserer W\u00e4lder.<\/p>\n<p>Ganz abgesehen davon verbinden sich mit dem Anbau der Douglasie (daneben werden u.a. auch nordamerikanische K\u00fcstentanne und Schwarzkiefer favorisiert) neue und erhebliche Risiken.<\/p>\n<p>Aufgrund der in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnisse ist n\u00e4mlich <strong>zu bef\u00fcrchten, da\u00df der Douglasie dasselbe Schicksal wie der Fichte drohen wird<\/strong>. Die leidigen Fichtenborkenk\u00e4fer, also Buchdrucker und Kupferstecher, zeigen bereits reges Interesse f\u00fcr die exotischen Nadelh\u00f6lzer.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem greift die &#8222;<strong>Douglasiensch\u00fctte<\/strong>&#8222;, eine gef\u00e4hrliche Pilzkrankheit, wieder verst\u00e4rkt um sich. Die Ursachen hierf\u00fcr liegen offenbar in feuchtwarmen Sommern und nebulosen Saatgutherk\u00fcnften. Von den riesigen Pflanzenmengen, die in den 20er Jahren angebaut wurden, sind nur \u00dcberbleibsel in Gestalt von starken B\u00e4umen vorhanden.<\/p>\n<p>Generell wissen wir auch nicht, was diese Baumarten mit ihrem genetisch unangepa\u00dften Saatgut in 50 oder 100 Jahren leisten werden, etwa in puncto Holzqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die vornehmlich in der S\u00fcdh\u00e4lfte Deutschlands beheimatete <strong>Wei\u00dftanne w\u00e4re die goldrichtige Baumart<\/strong>. Vorausgesetzt, die Reh- und Rotwildbest\u00e4nde werden so weit abgesenkt, da\u00df die extrem verbi\u00dfgef\u00e4hrdeten Jungtannen ungehindert und ohne Zaun aufwachsen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p><strong>Obwohl sie im Sauerland keine nat\u00fcrlichen Standorte<\/strong> besitzt, w\u00e4re diese &#8222;K\u00f6nigin der Nadelb\u00e4ume&#8220; neben dem Artenreichtum standortheimischer Laubh\u00f6lzer wie keine andere geeignet, den Platz der Fichte einzunehmen. Mit allen \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Vorz\u00fcgen ausgestattet &#8211; kommt der Baum des Jahres 2004 sowohl mit h\u00f6heren Temperaturen gut zurecht als er auch St\u00fcrmen und Trockenheit infolge seines tiefreichenden und ausgedehnten Wurzelwerkes hervorragend widersteht.<\/p>\n<p>Da die <strong>Wei\u00dftanne nicht in die Schablone einer auf Gleichschritt getrimmten Forstwirtschaft pa\u00dft<\/strong>, steht sie f\u00fcr naturnahe und nat\u00fcrliche Wald\u00f6kosysteme. Sie vertr\u00e4gt in ihrer Jugend anhaltende Beschattung l\u00e4nger als s\u00e4mtliche anderen Wirtschaftsbaumarten, deshalb ideal f\u00fcr den Aufbau ungleichaltriger, stufiger Dauerwaldstrukturen.<\/p>\n<p>Ferner handelt es sich bei der Wei\u00dftanne um die <strong>Baumart mit der h\u00f6chsten Durchmesser- und H\u00f6henwuchsleistung aller heimischen Baumarten<\/strong>. Vor einigen Jahrzehnten standen im Bayerischen und B\u00f6hmerwald noch Exemplare von \u00fcber 60 Metern.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be noch viel zu sagen. Ich m\u00f6chte es aber hierbei belassen.<\/p>\n<p>Fazit: Ein <strong>gesunder Mischwald ist im Interesse aller<\/strong>. Die Anliegen von Waldwirtschaft und Naturschutz sind miteinander in Einklang zu bringen, wenn man den nachhaltigen Nutzen im Auge hat.<\/p>\n<p><strong>Langfristig machten die Waldbauern Gewinn<\/strong>. Weil n\u00e4mlich die Qualit\u00e4t von Buchen- und Tannenholz h\u00f6her ist, als die der Fichte.<\/p>\n<p>Es ist jedenfalls nicht hinzunehmen, da\u00df auch k\u00fcnftig der <strong>Staat bzw. der Steuerzahler das Risiko f\u00fcr eine gescheiterte Fichtenwirtschaft tragen<\/strong> soll, sprich f\u00fcr sogenannte Kalamit\u00e4ten durch Insekten- und Pilzbefall, durch Schneebruch, Sturmsch\u00e4den und Feuersbrunst. Genau hier besteht die gro\u00dfe Chance ein Umdenken zu erzwingen: Wer trotz finanzieller Unterst\u00fctzung weiter auf die alten Rezepte baut, mu\u00df f\u00fcr entstandene Sch\u00e4den selbst aufkommen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ben\u00f6tigen wir eine sehr <strong>deutliche Ausweitung der Fl\u00e4chen ohne forstliche Nutzung<\/strong>, besonders im \u00f6ffentlichen Wald. Nur so kann die biologische Vielfalt umfassend erhalten und zugleich den Folgen des Klimawandels wirksam begegnet werden.<\/p>\n<p><strong>Daher fordern die Umweltverb\u00e4nde<\/strong> zum wiederholten Male, da\u00df 10 Prozent des \u00f6ffentlichen Waldes auf zusammenh\u00e4ngenden Fl\u00e4chen aus der Nutzung genommen und rechtlich verbindlich als <strong>&#8222;Urw\u00e4lder&#8220; von morgen <\/strong>ausgewiesen werden.<\/p>\n<p><strong>Weniger als 1 Prozent Wald ist momentan in Deutschland gesetzlich gesch\u00fctzt<\/strong>. Ein besch\u00e4mendes Zeugnis, wie ich finde! Im internationalen Vergleich bildet Deutschland damit das Schlu\u00dflicht bei den sich selbst \u00fcberlassenen Waldfl\u00e4chen. In Brasilien sind 30 Prozent des Amazonas Urwaldes gesetzlich gesch\u00fctzt. BUND, Greenpeace, NABU und Forum Umwelt fordern einen sofortigen Einschlagstopp f\u00fcr alte Laubw\u00e4lder. Alte Buchenw\u00e4lder sind unsere Amazonas-Regenw\u00e4lder.<\/p>\n<p><strong>Laut Brigitte Behrens von Greenpeace<\/strong> hat &#8222;die Bundesregierung bisher jedoch nichts getan, um das schleichende Verschwinden dieser \u00f6kologisch wertvollen Waldgebiete zu verhindern. Gerade die selten gewordenen Laubw\u00e4lder sind f\u00fcr den Schutz des Naturerbes und f\u00fcr das Klima von entscheidender Bedeutung.&#8220;<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es von  Seiten der Naturschutzorganisationen: &#8222;In <strong>Deutschland beobachten wir, da\u00df in den letzten 10 Jahren zunehmend wertvolle Altbest\u00e4nde eingeschlagen werden<\/strong>, obwohl ihr \u00f6kologischer Wert l\u00e4ngst bekannt ist. Die Sonntagsreden der Landesforstminister zur Verantwortung der Forstwirtschaft f\u00fcr die Gesellschaft sind wenig glaubw\u00fcrdig, wenn sie diese Urw\u00e4lder von morgen je nach Haushaltslage den kurzfristigen Profitinteressen der staatlichen Forstbetriebe opfern.&#8220;<\/p>\n<p>Ein Riesen-Skandal, wie ich meine! Lippenbekenntnisse, bspw. zur Umsetzung der vor 5 Jahren beschlossenen &#8222;Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt&#8220; hat man zur Gen\u00fcge vernommen. Nun ist endlich sofortiges Handeln notwendig, um dieser h\u00f6chst fatalen Entwicklung unverz\u00fcglich Einhalt zu gebieten!<\/p>\n<p><em>Karl Josef Knoppik, Heilentrog 7, 59872 Meschede-Stockhausen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachfolgend ver\u00f6ffentlichen wir einen Leserbrief zum Thema &#8222;5 Jahre nach Kyrill&#8220;: Auch heute, 5 Jahre nach dem Orkanereignis Kyrill, mu\u00df man n\u00fcchtern konstatieren, da\u00df noch immer viel zu viele Waldbesitzer &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ein-leserbrief-zum-thema-5-jahre-nach-kyrill\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEin Leserbrief zum Thema &#8222;5 Jahre nach Kyrill&#8220;\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[303,549],"tags":[3410,1987,459,3411],"class_list":["post-16522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-in-unserem-briefkasten","category-umwelt","tag-douglasie","tag-fichte","tag-kyrill","tag-weistanne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16522"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16522\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}